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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCHICHTE 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



AUF VERANUSSUNG SEINER HOCHSELIGEN MAJESTÄT DES KAISERS 
FRIEDRICH ALS KRONPRINZEN VON PREUSSEN. 



VIERZEHNTER BAND. 



BERLIN. 
DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

1891. 



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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

KÜRFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



AUSWÄRTIGE ACTEN. 



DRITTER BAND. 
ZWEITER THEIL. 

(OESTERREIOH.) 



HERADSCBGEBEN 



DB- ALFRED FRANCIS PRIBRAM, 

PBIVATDOCBMTBN AN DBR DNITBRSITÄT ZU WIBN. 



BERLIN. 

DROCK UND VERLAG VON GEORG REIHER. 
1891. 



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Inhalt 



Inhalt V 

VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

Einleitung 787 

Acten 793 

yni. Erste Hission des Grafen Johann Philipp Lamberg. Febr. 1680 bis 
Febr. 1682. 

Einleitung 905 

Acten 911 

rX. Lamberg in Beriin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Einleitung 1025 

Acten 1031 

X. Mission Franz Heinrichs von Fridag. Dec. 1684 — April 1688. 

Einleitung 1143 

Acten 1146 

Personenregister 1407 

Gorrigenda 1429 



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Gorrigenda. 

p. 49 1. 23 von oben lies statt Partheien, Parteien, 

p. 53 l. 2 „ unten , , Eurärsten, Kurfürsten, 

p. 216 Anm. 3 » » Briefwechsel, Briefwechsel, 

p. 289 1. 10 von oben « « Churförstcn, Ghurforsten. 

p. 351 l. 3 , , , , Churfurst, Kurfürst 

p. 361 I. 18 , „ 9 „ spanische, spanischen, 

p. 873 Ueberschrift « « Confratermität, Gonfratemität. 

p. 1050 1. 10 von unten « „ Lamburg, Lamberg. 



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vn. 

Der Krieg gegen Schweden. 
Oct. 1674-Febr. 1679. 



Mater, t. Qesob. d. Q. KurfonteD. IClV. 9. 50 



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Einleitung. 



Als eine seiner wichtigsten zugleich aber auch schwierigsten Aufgaben 
hat Goess während seines letzten Aufenthaltes am Berliner Hofe die Verhin- 
derung einer brandenburg- schwedischen Verbindung angesehen, zu welcher 
Friedrich Wilhelm unablässig durch den Vertreter des Königs von Schweden 
aufgefordert wurde. Insbesondere hatten die Bemühungen des » schwedischen 
Gesandten Wangelin den Kurfürsten von Brandenburg zum Anschlüsse an die 
^dritte Partei^ zu vermögen den kaiserlichen Gesandten mit grosser Besorgnis 
erfüllt. Denn da er an die friedliche Gesinnung der Schweden nicht glaubte, 
fürchtete er — wie er dem Kurfürsten gegenüber wiederholt erklärte — , dass 
dem Anschlüsse Brandenburgs an diese scheinbar zur Wiederherstellung des 
Friedens geplante dritte Partei der Uebertritt desselben zu des Kaisers Gegnern 
folgen werde, was ihm um so bedenklicher erscheinen musste, als er der Ent- 
schliessung des Kurfürsten ein überaus grosses Gewicht für den weiteren Ver- 
lauf des gegen Frankreich geführten Ejieges beimass. Seine Bemühungen den 
Kurfürsten von diesem Schritte abzuhalten, waren, wie bereits erwähnt wurde, 
von Erfolg begleitet, vornehmlich deshalb, weil Friedrich Wilhelm selbst an 
eine dauernde Freundschaft mit Schweden nicht glaubte und den Eintritt in 
einen Bund, dessen Führung die Schweden unverhohlen in Anspruch nahmen, 
mit der von ihm im Laufe der Jahre errungenen Stellung für unvereinbar hielt. 
Dagegen scheiterten des Goess Bemühungen den Kurfürsten zur Verzichtleistung 
auf jede Art von Verbindung mit Schweden zu vermögen, weil die verbündeten 
Mächte trotz aller Geneigtheit des Kurfürsten Wünsche zu befriedigen dessen 
Forderungen allzuhoch gegriffen fanden und um eine Ermässigung zu erzielen 
mit einer bindenden Erklärung zögerten, währenü Frie^lrich WilL«lm es im Hin- 
blicke auf die seinem Staate von allen Seiten droliendini GefnUreti für allza ge- 
fährlich hielt, die ihm von den Schweden angetragüne Erueueraag d^r Allianz 
von 1666 zurückzuweisen und dies um so mehr, als der Tod Wksiiowicrki's 
und der Sieg Sobieskfs über die Türken ihm einen Rückhalt an den durcli die 
polnischen Verhältnisse gleichfalls berührten S^^liwedenköni» lüi^^raus zweck- 
mässig erscheinen Hessen. Unter solchen VerhältniHHen ka teich er 






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788 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

in seinen Bemühungen nicht nachliess und den Eorförsten ond dessen Rathe 
principiell zum gänzlichen Anschlüsse an den Kaiser und die Verbündeten des- 
selben geneigt fand, nicht verhindern, dass am 10. December 1673 ein Vertrag 
zwischen Schweden und Brandenburg zu Stande kam, durch den sich die beiden 
Fürsten zu gemeinsamer Aufrechterhaltung der Sicherheit des Reiches, zu ge- 
meinsamen Bemühungen um Herbeiführung des Friedens und zu gegenseitiger 
Vertheidigung ihrer, auch der ausserhalb des Reiches gelegenen, Provinzen ver- 
banden, während jeder der beiden Mächte die Wahl der Partei, falls ihre Be- 
mühungen zur Herstellung des Friedens erfolglos bleiben sollten, vorbehalten 
wurde*). Allein nur allzubald zeigte sieh wie richtig Goess geurtheilt, als er 
die friedlichen Aeusserungen der Schweden für unaufrichtige erklärt und den 
Kurfürsten vor jeder Verbindung mit dieser Nation gewarnt hatte. Denn je 
rascher die Truppen der Alliirten vordrangen, je gefährdeter die Lage Lud- 
wig XIV. und je dringender dessen Begehren an die Schweden wurde ihm 
durch eine Diversion gegen Deutschland Erleichterung zu verschaffen, desto 
deutlicher enthüllten sich die wahren Pläne der schwedischen Regierung, desto 
klarer wurde dem Kurfürsten, dass Schweden ihn durch die Verpflichtung den 
Frieden, sei es auch mit Gewalt den Widerstrebenden gegenüber, zu Stande zu 
bringen, zum Kampfe gegen den Kaiser und dessen Verbündete zu vermögen 
geplant hatte. In diese Richtung wollte er sich aber unter keiner Bedingung 
drängen lassen. Seine Sympathieen waren seit langem auf der Seite der Ver- 
bündeten und die Hoffnung, es konnte denselben gelingen den Kampf siegreich 
zu Ende zu führen, wuchs, seitdem sein Neffe, Prinz Wilhelm von Oranien, 
dessen Ansichten bezüglich der wesentlichsten politischen Fragen mit den seinen 
übereinstimmten, eine hervorragende Rolle unter den Verbündeten spielte. Um 
80 leichter gelang es daher diesen den |Brandenbnrger zum Eintritt in den 
Bund zu vermögen. Seit dem 1. Juli 1674 war Friedrich Wilhelm der erklärte 
Gegner Frankreichs»). 

Unter den Verpflichtungen, welche die Alliirten bei dem Uebertritte des 
Brandenburgers auf sich nahmen, befand sich auch die, dem Kurfürsten, &ll8 
er ob seines Verhaltens in diesem Kriege von irgend einer Seite her angegriffen 
werden sollte, Beistand zu leisten und dafür zu sorgen, dass demselben für den 
im Verlaufe des Krieges erlittenen Verlust eine Entschädigung zu Theil werde. 
Es scheint nicht, dass die vertragschliessenden Mächte daran gedacht haben, dass 
dieser Fall der Unterstützung Brandenburgs sich alsbald ergeben werde. Man rech- 
nete ziemlich allgemein darauf, dass es gelingen werde die Schweden, sei es 
durch Drohungen, sei es durch Aufreizung der benachbarten Mächte, wenigstens 
für's erste von jedem offensiven Vorgehen abzuhalten und man dachte unter- 
des den Franzosen eine so empfindliche Niederlage beizubringen, dass es den 
Schweden bedenklich erscheinen werde für Ludwig XIV. zu den Waffen zu 
greifen. Wie bekannt gestalteten sich die Verhältnisse ganz anders. Der Feld- 
zug im Elsass, mit grossen Hoffnungen eröffnet, endete mit der gänzlichen 



») Vergl. Momer 1. c. 377. 

^ Der Vertrag Tom 21. Juni/ 1. Juli 1674 bei Moraer I.e. 383 ff. 



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Einleitung. 789 

Niederlage der Verbündeten nnd die Schweden, dnrch Frankreichs Geld ge- 
wonnen, fielen in das Land des Karfürsten von Brandenborg ein, dessen Tmppen 
der französische König am meisten fürchtete nnd deren Entfernung ihm am 
wunschenswerthesten schien. 

Die im Nachfolgenden mitgetheilten Actenstücke geben über die Beziehungen 
des Wiener und Berliner Hofes während der Daner des schwedisch-branden- 
borgischen Krieges Aufschlnss. Dieselben sind freilich sehr lückenhaft, da die 
Verhandlungen fast ausschliesslich am Hofe des Kaisers gepflogen worden sind und 
die im Folgenden mitgetheilten ProtocoUe der mit den kurfürstlichen Gesandten 
gehaltenen Gonferenzen, sowie die überdies unvollständig erhaltene Gorrespon- 
denz der beiden Fürsten keinen vollen Ersatz für den Ausfall der im Berliner 
Archive befindlichen Berichte der kurfürstlichen Gesandten bieten können. 
Doch lässt sich aus den fragmentarischen Mittheilungen, die im Folgenden ge- 
boten werden, mit Heranziehung der bei Pufendorf und Droysen angeführten 
Stellen aus den Berichten der kurfürstlichen Gesandten ein ziemlich genaues 
Bild der zwischen beiden Mächten herrschenden Beziehungen gewinnen. 

Dieselben waren — darüber kann kein Zweifel bestehen — nicht besonders 
herzliche. Das verhinderten schon die verschiedenartigen Interessen, welche 
die beiden Fürsten in diesen Jahren wahrzunehmen hatten. Denn der Wiener 
Hof hielt den Krieg gegen die Schweden für eine Angelegenheit von minderer 
Bedeutung, suchte denselben zu localisiren nnd glaubte nach den ersten grossen 
Erfolgen des Kurfürsten, nach der Vertreibung der Schweden aus dem branden- 
burgischen Gebiete nicht nur von jeder weiteren, erheblichen Unterstützung 
absehen, sondern auch die energische Theilnahme Friedrich Wilhelms an dem 
Kampfe gegen den gefährlichen Gegner im Westen beanspruchen zu dürfen. 
Der Kurfürst von Brandenburg aber, der gleich bei der Nachricht von dem 
Einfidle der Schweden den Plan gefasst hatte diese Gelegenheit wenn möglich 
zur gänzlichen Vertreibung der Schweden vom Reichsboden und zur Eroberung 
ihres innerhalb der Reichsgrenzen gelegenen Besitzes zu benützen, wünschte die 
Mitwirkung der Alliirten in vollem Umfange und forderte, je grössere Erfolge 
er erzielte, um so dringender vom Kaiser und von den übrigen Verbündeten die 
Unterstützung seines Unternehmens und die Garantie für die von ihm im Laufe 
der Jahre gemachten Eroberungen. Dieser verschiedenen Ansicht über die Be- 
deutung und über die Ziele des schwedischen Krieges entsprangen die vielfachen 
Differenzen zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten, die ihren Ausdruck in 
dem schreienden Misverhältnisse zwischen den Forderungen Friedrich Wilhelms 
und den Zugeständnissen des Kaisers fanden. Denn wenn Leopold sich gegen- 
über den immer erneuerten Bitten des Kurfürsten und dessen am Wiener Hofe 
weilenden Gesandten Grockow schon zu Beginn des Feldzuges zurückhaltend 
gezeigt, erst nach längerem Zögern seine Zustimmung zur Ausfertigung von 
Abmahnungsschreiben an Schweden, zur Garantirang der kurfürstlichen Länder 
seitens des Reiches wie gegen Frankreich, so auch gegen alle übrigen Mächte 
gegeben und erst auf die dringende Aufforderung der Mitverbündeten — ins- 
besondere der Staaten — hin sich zur wirklichen Unterstützung des Kurfürsten 
und zur Proclamirung Schwedens als Reichsfeind entschlossen hatte, so weigerte 



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790 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

er sich nach den ersten Erfolgen Friedrich Wilhelms anf das entschiedenste 
die immer grösser werdenden Forderungen des Kurfürsten za erfüllen. Und 
wenn es den kaiserlichen Ministern aach gelang die Zugeständnissen wenig 
geneigte Stimmung Leopolds dem kurfürstlichen Gesandten gegenüber, soweit 
die Satisfactionsfrage in Betracht kam, zu verbergen, indem sie auf die Anträge 
des Kurfürsten — der bald nach dem Beginne des Krieges die üeberlassung 
von Stettin und Vorpommern, freie Seefahrt, Gutheissung der Erhebung einer 
Accise in all seinen Ländern, Secularisation der geistlichen Güter in den ihm 
zugefallenen Domstiften zu Magdeburg, Halberstadt, Minden und Kamin und 
noch manches andere forderte und dafür eine beständige Allianz mit Spanien 
und mit dem Kaiser, sowie die Verzichtleistung auf seine Ansprüche bezüglich 
Jägemdorfs anbot — mit der Erklärung antworteten, dass der Kaiser dem Kur- 
fürten jede Macht- und Gebietserweiterung gerne gönne, aber kein bindendes 
Versprechen geben könne ohne mit den übrigen A Härten Rücksprache genom- 
men zu haben; so waren derartige Ausflüchte unmöglich als nach Schluss der 
ersten Campagne die Frage der Winterquartiere die beiden Regierungen be- 
schäftigte. Die Heftigkeit, mit der seitens der Brandenburger die Verhandlungen 
in dieser Angelegenheit geführt wurden, Hess vielmehr deutlich erkennen, wie 
wenig der Kurfürst mit dem Benehmen der Wiener Regierung zufrieden war. 
Und wenn es auch den Bemühungen des Grafen Stemberg*), der zu Beginn 
des Jahres 1676 am Berliner Hofe erschien, schliesslich gelang dieser Quartier- 
frage eine beide Parteien wenigstens theilweise befriedigende Lösung zu geben, 
so hinderte das nicht, dass die Differenzen bezüglich dieser Angelegenheit sich 
von Jahr zu Jahr wiederholten und wesentlich zur Entfremdung der beiden 
Höfe beitrugen. Aber mehr noch als diese Quartierfrage gab der Wunsch des 
Kurfürsten die sämmtlichen schwedischen Besitzungen im Reiche für sich zu 
gewinnen Anlass zu erregten Debatten und heftigen Conflioten. Aus den im 
Nachfolgenden mitgetheiiten Actenstücken ist zu ersehen, wie der Kurfürst, je 
glänzendere Erfolge er in dem Kampfe gegen die Krone Schweden davontrug, 
um so nnverhüllter mit seinen Forderungen an den Kaiser herantrat, wie er 
diesen durch das Versprechen zu gewinnen suchte, ihm zu einem Theile der 
im westphälischen Frieden verloren gegangenen Besitzungen — es war damit 
das Elsass gemeint — zu verhelfen. Und als alle seine Bemühungen gescheitert 
waren Leopold zu einem bestimmten schriftlichen Versprechen zu vermögen, 
nach welchem er dem Kurfürsten zur Eroberung von ganz Pommern verhelfen 
und nicht früher die Waffen niederlegen sollte bis der Besitz dieses Landes 
dem Kurfürsten gesichert sei, da fasste Friedrich Wilhelm seine Anträge dahin 
zusammen, der Kaiser möge sich verpflichten, falls durch den Kurfürsten oder 
die Alliirten Pommern gewonnen werden sollte, ihn in diesem Besitze zu er- 
halten, zu investiren und dahin zu wirken, dass auch die übrigen alliirten 



Graf Adolf Wratislaw Stemberg diente dem Kaiser als Gommiss&r in ver- 
schiedenen Reich sangelegenbeiten, dann als Botschafter in Schweden. Zuletzt be- 
kleidete Stemberg, der einer der Vertrauten Leopolds war, die Stelle eines Statthalters 
und Obersten Burggrafen von Böhmen. Er starb 1703. Vergl. Wurzbach Biog. Lex. 



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EiDleitung. 791 

MSchte ihre Ziistimmang tn dieser Abmachang gäben, wogegen der Earfurst auf 
jeden Ersatz für J&gemdorf verzichten ond alles thnn wolle, om dem Kaiser 
Satisfaction von Frankreich zu verschaffen. Allein aoch dazu wollte sich der 
Wiener Hof nicht verstehen, vornehmlich um bei einem eventnellen Friedens- 
schlnsse mit Frankreich, der im Hinblicke anf die Ueberlegenheit der franzosi- 
schen WafiFen, anf die Imingen in Spanien und anf das zögernde Vorgehen der 
Staaten nicht aasgeschlossen schien, in keiner Weise gebunden zu sein. So 
kam es, dass Leopold auf das inuner erneuerte Drängen des Kurförsten hin im 
April des Jahres 1678 blos das Versprechen gab dem Enrfürsten Vorpommern 
und was er noch erobern sollte zn gönnen und für diesen Besitz die Investitur 
zu ertheilen, falls derselbe dem Kurfürsten beim Friedensschlüsse zugesprochen 
werden sollte, ein Versprechen, durch das er die Uebemahme jeder Verpflich- 
tung den Kurfürsten im Kampfe gegen die Schweden zu unterstützen oder seine 
Mitverbfindeten zur Anerkennung der Eroberungen Friedrich Wilhelms zu ver- 
mögen von sich wies. Der Kurfürst aber, der den so glücklich begonnenen 
und weitergeführten Kampf gegen die Schweden auch ohne die weitere Unter- 
stützung des Kaisers siegreich beendigen zu können glaubte und in diesem 
Augenblicke an den Abschluss eines Separatfriedens seiner Verbündeten mit 
Frankreich nicht dachte, erklärte sich mit den Versprechungen des Kaisers 
vollauf zufrieden und bereit seinerseits alles zur Förderung der Interessen 
Leopolds beizutragen, entwarf Pläne für ein gemeinsames Vorgehen gegen Frank- 
reich und versprach, sobald die Schweden gänzlich aus Deutschland vertrieben 
sein würden, mit all seinen Truppen gegen Frankreich zu Felde zu ziehen. 
Um so empfindlicher musste ihn in dieser gehobenen Stimmung die Nachricht 
von der Absicht der Staaten berühren mit den Franzosen Frieden zu schliessen. 
Er fürchtete auch Spanien werde durch das Beispiel der Niederländer verführt 
mit Ludwig XIV. zu einer Einigung zu gelangen suchen und diesem damit die 
Gelegenheit geboten werden, Rache an ihm — seinem ehemaligen Bundes- 
genossen — zu nehmen. Um so nothwendiger schien es Friedrich Wilhelm 
den Kaiser, der den holländisch-französischen Frieden nicht billigte und mit der 
in Spanien herrschenden Partei nicht im besten Einvernehmen sich be^d, für 
die allgemeine Sache, die zugleich seine eigene war, zu erhalten. Allein weder 
seine eigenen noch die Bemühungen Crockows, den er neuerdings an den kai- 
serlichen Hof absandte und der nicht müde wurde des Kaisers Theilnahme an 
dem Kampfe gegen Frankreich zn fordern, hatten Erfolg. Denn wenn auch 
Leopold das Vorgehen seiner Verbündeten nicht billigte, wenn auch eine mäch- 
tige Partei an seinem Hofe für die Fortsetzung des Kampfes eintrat, so überwog 
doch schliesslich die Erwägung, dass es bei der geringen Aussicht, von Branden- 
burg allein unterstützt, den Kampf gegen den überlegenen Gegner mit Erfolg 
zu führen — ein Erfolg, der in erster Linie dem Brandenburger zu Gute gekom- 
men wäre, dessen Ansehen und Macht im Reiche und in Europa zn vergrössem 
durchaus nicht in der Absicht des Kaisers lag — zweckmässiger sei, den Frie- 
den unter den von Frankreich in Vorschlag gebrachten Bedingungen zu 
schliessen, als durch die Fortsetzung des Krieges Ludwig XIV., dessen Einfluss 
in Polen ond in Ungarn der Kaiser nur zu gut kannte, zum äussersten zu 



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792 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oci 1674— Febr. 1679. 

treiben. So erfolgte denn am 5. Febmar 1679 die Untersdchnong des öi 
reich-franzSsischen Friedensvertrages^). 

Ueber die in der letzten Zeit (Ende 1678— Febr. 1679) zwischen den 
serliehen und kurfürstlichen R&then geführten Verhandinngen haben sict 
Wiener Archive keine Aufzeichnungen vorgefunden. Auszüge aus Crock 
Berichten finden sich bei Pufendorf und Droysen'). 



^ Vergl. Du Mont 1. c. VH.i 376ff. 

») Puf. 1. c. XVI. 79E; XVn.i 10t, 33ft; Droysen 1. c. III., öSOff. 



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VIL Der Krieg gegen Schweden. 
Oct. 1674— Febr. 1679. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Hauptquartier zu Neekars- 
ulm 20./30. September 1674 (Or.) 

[Von Schweden drohende Gefahr.] 

Der Kaiser wird Bericht über des französischen Gesandten za Stockholm, 30. Sept 
Mu de Feaqoi^res *), Anbrigen daselbst erhalten haben. Wann nun daraus 
ohnachwer zu ersehen, wie dass Frankreich sich mit allen Kräften dabin 
bearbeiten werde, um die Krön Schweden wider mich und das Reich 
aufzubringen und neue motus im Reiche anzustiften, dadurch E. E. M* 
and andere wohlgesinnte Stände von Fortsetzung ihres guten Intento 
zurückgezogen werden möchten, als zweifele ich nicht E. E. M. werden 
bedacht sein solche Menees zu hintertreiben und kraftlos zu machen- 
Crockow wird sagen, wohin des Earforsten Absichten diesbezäglich zielen. 



Protocoll der mit Crockow am 19. October 1674 gehaltenen 

Conferenz. (Conc.) 

[Grockows Erklärungen. Rostangen der Schweden. Gefahr för Brandenburg. Mittel 
diese Gefahr abzuwenden. Abmahnungssebreiben an Schweden. Unterstützung des 
Kurfürsten. Bloquirung von Philippsburg. Erwiderung der kaiserlichen Commissäre. 
Rathschläge derselben, wie den Schweden zu begegnen sei. Rüstung. Verhandlungen 
mit Russland, mit Dänemark, mit Münster. Verwendung der sächsischen EreisYÖIker.] 

Crockow erklärt, die starken Rüstungen Schwedens beunruhigen den Kur- 19. Oct. 
fürsten, Schweden habe bereits über 24000 Mann auf dem Reichsboden und 



I) Für Feuquieres* Verhandlungen in Schweden Mignet 1. c. IV. 338 ff.; die Er- 



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794 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

die schwedischen Minister erklären, Schweden sei verpflichtet Frankreich zu 
Hilfe zn kommen. Schweden sei auch bestrebt den Frieden zwischen den 
Polen und Türken zu bewerkstelligen, damit Polen dann mit Schweden ge- 
meinsam operiren könne. Dass aber die Rüstungen Schwedens insbesondere 
gegen Brandenburg gerichtet, sei aus den Reden der schwedischen Minister 
mit dem kurfürstlichen Gesandten Brandt zu ersehen'); wie denn der Kanzler 
Schwedens') dem Brandt erklärt habe, der Marsch der Brandenburger durch 
das Gebiet des hannoverischen Herzogs werde die bewaffnete Intervention Schwe- 
dens zur Folge haben. Crockow glaubt nun, es gebe 2 Wege diesen Gefahren 
zu begegnen ; entweder indem man Schweden auf gütlichem Wege zur Nieder- 
legung der Waffen bewege, oder indem man sich mit Kraft gegen Schweden wende. 
Man könnte also vorerst ein Schreiben an Schweden seitens des Kaisers ergehen 
lassen, in welchem das Benehmen des Brandenburgers gerechtfertigt werden, 
den Schweden von jedem Angriffe auf des Kurfürsten Länder abgerathen und im 
Falle des Angriffes mit entschiedener Vertheidigung des Brandenburgers seitens 
der Wiener Regierung gedroht werden mfisste. Auch möge der Kaiser bewirken, 
dass Schreiben gleichen Inhaltes von Holland, Spanien und von dem Reiche an 
Schweden erlassen werden. In jedem Falle aber sei von Seite des Kaisers 
schon jetzt darauf Bedacht zu nehmen, dass im Falle die gütliche Beilegung 
nicht zu erreichen sei, eine energische Unterstützung Brandenburgs gegen Schwe- 
den seitens des Kaisers und des Reiches*^ erfolge. Femer halte der Kurfürst 
für gut, dass die ober- und niedersächsische Kreisinfanterie für dieses Jahr 
nicht mehr nach dem Rhein geschickt, sondern im Kreise gehalten werde, da- 
mit in allen Fällen die Plätze in Schlesien und die Stadt Bremen besetzt wer- 
den könnten; auch möge der Kaiser ein kleines Corps nach Schlesien senden 
und die Sache mit anderen Mächten, insbesondere mit Dänemark, berathen. Der 
Kurfürst glaube, Schweden werde, wenn seine Gegner gerüstet sind, nichts be- 
ginnen. Ferner fordert der Kurfürst die Bloquirung von Philippsburg. Bezug- 
lich dieses letzteren Punktes erhält Crockow von den kaiserlichen Commissären 
die Antwort, dass der Kaiser ganz der Ansicht Brandenburgs sei, auch die 
entsprechenden Befehle bereits ertheilt habe *). Die Bedenken des Kurfürsten be- 
züglich Schwedens Benehmen finden die kaiserlichen Commissäre ganz gerecht- 
fertigt; wenn es sich auch noch nicht offen für Frankreich erklärt habe, so sei 
doch zu furchten, dass dies geschehen werde, da Schweden grosse Subsidien 
von Frankreich erhalte. Die Räthe sind auch dafür, dass alles mögliche vor- 
gesehen werde; sie rathen ein scharfes Abmahnungsschreiben an Schweden er- 
gehen zu lassen und mit dem in Wien anwesenden schwedischen Gesandten^) 

klärung desselben gegen Brandenburg vom 17. Aug. ist gedruckt bei Pachner 1. c. I. 
758 f.; Auszug bei Puf. l. c. XH. 53. 

') üeber Brandts Verbandlungen Puf. 1. c. XII. 56; vergl. auch den Brief des 
Scbwedenkönigs an den Kurfürsten bei Puf. 1. c. XII. 58. 

^ Magnus de la Gardie. 

5) Vergl. Pachner 1. c. I. 749f. 

*) Oxenstjerna. 



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Verhandlangfen mit Crockow über der Schweden Vorgehen. 795 

ZQ verhandeln. Aach eine Verbindnng mit Rnssland halten die Rathe für sehr 
zweckm&ssig und empfehlen nicht nur dlesbezngliche Unterhandlungen mit dem 
demnächst in Wien zu erwartenden rassischen Bevollmächtigten*), sondern 
aoch eine Gesandtschaft des Kaisers und des Kurfürsten nach Moskau, was bei 
Schweden in jedem Falle tiefen Eindruck machen würde. Endlich sei den Reichs- 
ständen schleunigst Mittheilung des Geschehenen zu machen und von denselben 
Vorkehrungen zu fordern. Femer halten die Räthe dafür, dass man sich 
rüsten und insbesondere Dänemark auffordern solle, sich in Bereitschaft zu 
halten, wozu eine eigene Gesandtschaft sich empfehle. Auch die Staaten 
könnten durch Actionen zu Meer die Sache der Verbündeten sehr fördern. Da 
der Bischof von Münster zur kaiserlichen Partei überzutreten wünscht und 
12000 Mann in's Feld zu stellen sich bereit erklärt, halten die kaiserlichen 
Commissäre dafür, man möge vergessen, was Münster früher gethan und mit 
dem Bischöfe abschliessen, da diese 12 000 Mann gegen Schweden ausgezeich- 
nete Dienste leisten könnten. Bezüglich der Truppen des ober- und nieder- 
sächsischen Kreises sind> die kaiserlichen Commissäre ganz der Ansicht des 
Kurfürsten, dass dieselben nicht nach dem Rheine gesendet, sondern im Kreise 
bleiben sollen ; da dies nun für den Kreis eine Erleichterung sei, wäre zu sehen, 
ob man dafür nicht die Vermehrung der Truppenzahl erlangen könnte. Sonst 
habe der Kaiser auch auf Schlesiens Sicherung zu sehen und daran zu denken, 
wie die Unruhen in Ungarn gestillt werden könnten. Endlich halten die 
kaiserlichen Commissäre für gut über diese Dinge mit den hier anwesenden 
Vertretern der AUürten Berathungen zu pflegen. 

Crockow ist mit diesen Erklärungen zufrieden, welche die kaiserlichen 
Commissäre dem Kaiser referiren zu wollen sich bereit erklären. 

Dem Kaiser wurde dieses ProtocoU am 31. Oct mitgetheilt in Gegenwart 
von Schwarzenberg , Hocher, Lamberg, Königsegg und Abele und beschlossen, 
wie eingerathen. 



Memorial Crockows über die Conferenz vom 9./19. Oetober 

1674. (Conc.) 

[Hassregeln gegen Schweden.] 

Des Kaisers Schreiben an Schweden möge so abgefasst werden, wie es in 19. Oct. 
der Conferenz beschlossen worden sei und den kaiserlichen Bevollmächtigten 
Befehl ertheilt werden, von den Ständen ein ähnliches zu erwirken; auch bei 
Dänemark und den Staaten soll der Kaiser auf ähnliche Weise wirken. Man 
möge auf Mittel denken, wie das Reich den Kurfürsten von Brandenburg 
assistiren könnte, wenn es nothwendig sein sollte. Es müsse berathen wer- 
den, was man eigentlich von den AUiirten begehren und wie man verhindern 
solle, dass Schweden die Krone Dänemark nicht der Allürten abspenstig macht 
oder lahm legt; ob man die Abfahrt einer Flotte nach der Ostsee für das kom- 



lieber dessen Mission vergl. Tbeat. Eur. XI. 543 f. 



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796 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

mende Frühjahr von Holland fordern solle; ob zn hoffen, dass die ober- und 
nieders&chsischen Ereisvölker in den Kreisen bleiben; wie mit dem Rossen zu 
tractiren sei. Grockow betont femer die Nothwendigkeit die brannschweigischen 
Alliirten zn ermahnen die versprochene Hilfe bereit zo halten. Femer ersucht 
Crockow nm Communication der mit dem schwedischen Gesandten geführten 
Verhandlungen *) und der Nachrichten, die man in Wien über die Pläne des 
polnischen Hofes habe. Endlich bittet Crockow im Interesse der Sache um 
möglichst baldige Entscheidung des Kaisers. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat Wien 27. October 1674. 

(Conc.) 

[Schwedens Einfall betreffend.] 

27. Oct. Aus des Kurfürsten Schreiben vom 30. Sept. und Crockows Erklärangen 

hat der Kaiser des Kurfürsten Gedanken über Schwedens Vorhaben ersehen. 
Da nun der Kurfürst die Sache auch in Regensburg zur Sprache bringen will, 
hat der Kaiser seinen dort befindlichen Gesandten aufgetragen die Sache des 
Kurfürsten in jeder Weise zu unterstützen'). Wie der Kaiser über die Sache 
denkt, wird der Kurfürst aus Crockows Berichten und aus des Goess Auseinan- 
dersetzungen erfahren. 



Credenzschreiben für Crockow vom 28. October 1674. (Or.) 

28. Oct Da der Kurfürst erfahren hat, dass der König von Frankreich sich bemüht 
einige Stände des Reichs zum Bunde mit Frankreich und zur Theilnahme an 
dem Kampfe gegen die Alliirten zu vermögen, hält er es für nothwendig, sich 
dagegen in Verfassung zn setzen und hat zu diesem Zwecke Crockow beauf- 
tragt, die Ansichten des Kaisers zu erforschen. 



Votum vom 12. November über Brandenburgs Begehren be- 
treffe Vorkehrungen gegen Schweden. (Conc.) 

[Schreiben des Kaisers an Schweden.] 

12. Nov. Die Räthe sind dafür, dass auf Brandenburgs Bemühungen in Wien und 

Regensburg wegen Vorkehrungen gegen Schweden Rücksicht genommen werde. 
Für ein Schreiben des Kaisers an den König von Schweden sind sie auch; 
doch davon möge abgesehen werden, dass der Kaiser sich bemühe ein ähn- 
liches Schreiben von den gesammten Ständen zu erlangen, da dies sehr lange 

>) Vergl. für diese Verhandlungen Th. Europ. XI. 539 ff.; Londorp 1. c. X. 222 ff.; 
Pachner 1. c. 1.770 ff. 

^ Vergl. Pachner 1. c. I. 755 ff. 



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Schwedens Einfall betreffend. 797 

daaern nnd überaus grosse Mühe veniTsachen würde. Das Sehreiben an Schwe- 
den wire so einxnriehten: Man habe mit Staunen von Fenqni^res' Eroffiiungen 
in Stockholm Kunde erhalten und begreife nicht, wie der Schwedenkonig 
seine durch den Vertrag vom 4./14. April 1672 Frankreich gegenüber einge- 
gangenen Verpflichtungen in diesem Falle als Grund für einen Angriff gegen 
Brandenburg yerwerthen wolle, da in jenem Bündnisse doch nur von einer 
Unterstützung, im Falle der Verbündete angegriffen werden sollte, nicht aber 
im Falle er angreife und seine Gegner sich vertheidigen, die Rede sei. Der 
Kaiser hoffe daher, dass Schweden sieh durch Frankreich nicht zu einem unge- 
rechten Friedensbruche werde verldten lassen '). Von dem Inhalte des Schrei- 
bens wSien, in einer Schweden nicht verletzenden Form, die Stande zu ver- 
ständigen und zur Rüstung auÜEufordem ') und zwar zur selben Zeit, wo man 
dem in Wien weilenden schwedischen Gesandten eine Copie des an Schweden 
übersendeten Schreibens übergibt; jedoch soll dem schwedischen Gesandten von 
der Verständigung der Stände nichts mitgetheilt werden. 

So beschlossen den 17. Nov. 1674, praesentibus: Sohwarzenberg, Hocher, 
Königsegg, Forstenberg, Oettingen, Abele und |H5geIl; am 19. Nov. vor dem 
Kaiser im geheimen Rathe vorgebracht und beschlossen wie eingerathen. 



Promemoria Crockows vom 20. November 1674. (Aut.) 

[ünterstützang des Karfarsten gegen Schweden. Beratbungen im Haag. Forderungen 
an die Staaten und an Dänemark. Ermahnung an den westpbäliscben Kreis und an 
die Stadt Bremen. Verwendung der Reichstruppen. Massregeln gegen die Truppen- 
werbungen der Franzosen in der Schweiz.] 

Der Kaiser wird sich überzeugt haben, wie nothwendig es ist, ohne Verzug 20. Nov. 
alle Massregeln zu ergreifen, um sich in den nöthigen Vertheidigungszustand zu 
setzen. Es wird dem Ermessen des Kaisers anheimgestellt, ob es nicht zweck- 
Hiissig wäre, dass in Schlesien eine Truppenmacht zusammengeführt und den 
kaiseriichen Gener&len am Rhein Befehl ertheilt würde, im Nothfalle ein be- 
tntchtliches Corps dem Kurfürsten zu Hilfe zu senden. Es wird sehr vortheil- 
haft sein, wenn, was die kaiserlichen Gommissare selbst empfohlen haben, im 
Haag, wo die Vertreter aller Mächte beisammen sind, über diese Angelegenheit 
berathen würde. Man vermeint, man könne von den Generalstaaten fordern, 



Das Schreiben an den König von Schweden ist vom 19. Nov. datirt (gedruckt 
bei Pachner 1. c. I. 757 f.; Theat. Kur. XI. 542 f.; Londorp 1. c. 236 f.), das Antwort- 
schreiben Schwedens vom 15. Febr. 1675, in welchem Karl XI. nochmals seine Nei- 
gung zum Frieden betont und die Zumuthung zurückweist, als ob er Frankreichs 
Macht Tergrössem wolle ; niemals habe er und werde er Frankreichs Vorgehen billigen. 
In der Strdtfrage mit Brandenburg sei das Recht auf seiner Seite, trotzdem ist er 
dem Ausgleiche nicht abgeneigt, was der Kaiser erfahren werde, wenn er einen solchen 
versuchen wird. 

*) Diese Mittheilung erfolgte am 23. Nov./3. Dec 1674; Pachner 1. c. 755ff. 



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798 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

dass sie eine Truppenabtheilung an den westphälischen Grenzen bereit halten 
und eine Flotte in den Sund schicken, am sich mit den dänischen Schiffen zn 
verbinden. Vom Könige von Dänemark könne begehrt werden, dass er eine 
Armee von 18 oder 20000 Mann in Holstein zusammenfahre nnd eine Flotte 
aasrüste, am die Ostsee zu behaupten. Hiezu wird nöthig sein, dass Spanien 
und die Staaten dem Könige von Dänemark sowohl wegen Elnddation ;des 
Artikels lb% als Erhöhung der Subsidien') Satisfiaction geben; insbesondere 
bei Spanien soll sich der Kaiser dafür einsetzen. Der Kaiser möge femer den 
westphälischen Kreis nicht nor ersuchen sich in gute Postar zu setzen, viel- 
mehr zu diesem Behnfe ein Particnlarschreiben oder eine „Schickung^ an die 
Stände gelangen lassen. Bremen soll vom Kaiser aufgefordert werden auf der 
Hut zu sein, die Garnison zu verstärken und sich nach einem geeigneten Führer 
umzusehen. Die Reichsstände, die noch frei sind, als Baiem, Hannover, Hol- 
stein, Gottorp sollen von Reichswegen ersucht werden ihre Truppen mit den 
übrigen zu coninngiren. Man fragt an, ob nicht dem hiesigen schwedischen 
Bevollmächtigten gesagt werden könnte, man wundere sich über die Rüstungen 
Schwedens, das ja von keiner Seite einen Ueberfidl zu befürchten habe. Da 
man Nachricht habe, dass die Schweizer den Franzosen gestattet haben 11 000 
Mann zu werben, glaubt man, es wäre zweckmässig, wenn der Kaiser die ka- 
tholischen Cantone auffordern liesse, dies zu verbieten, Brandenburg und Lüne- 
burg wollten dasselbe bei den evangelischen Cantonen thun*). 



Crockow an den Kaiser. Dat Wien 26. Dec. 1674. (Ant.) 

[Dank für des Kaisers Erklärungen. Pläne der Schweden. Nothwendigkeit einer 
raschen, ausgiebigen Unterstützung des Kurfürsten. Sendung eines starken Truppen- 
körpers an die schlesiscbe Grenze. Abschluss mit Dänemark. Bescbluss über die 
Verwendung der Reichstnippen.] 

26. Dec. Crockow dankt im Namen des Kurfürsten für das ihm bei der Audienz vom 
Kaiser gemachten Anerbieten S'. Gh. D. Lande und Leuthe gegen alle be- 
sorgende feindliche gewald kräftigst zu schützen andt zu manuteniren 
und bittet ihm zu gestatten einige höchst wichtige Mittheilungen dem Kaiser 
auf diesem schriftlichen Wege zu machen. 

Ich glaube gewiss, dass sowohl dass starcke undt ungewöhnliche 
armement der Erohn Schweden, alss auch die Declarationes, welche die- 



*) Art. 15 des Vertrages Tom 10. Juli enthält die Verpflichtung der mit Däne- 
mark verbündeten Mächte dem Dänenkonige bei Angriffen auf sein Land die zur 
Vertheidigung nothwendigen Geldmittel zur Verfügung zu stellen „pourvu que Sa dite 
M^ Danoise eüt requis d'entrer dans la rupture avec les autres. Dumont 1. c. 
VII., 274. 

^ Vergl. § 4 und 5 des Vertrages vom 10. Juli ; Dumont 1. c. 270f. 

') Für die Beziehungen des Kurfürsten zu den Schweizern Puf. 1. c. XII. 48. 



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Unterstatzimg Brandenburgs gegen Schweden. 799 

selbe im Haag') undt an andern Ohrten durch Ihre Ministros gethahn, 
ja alle undt jede apparentzen keinen zweiffell mehr übrig lassen, dass 
gemeldete Erohn die ruptur in favorem des Königs in Franckreich fest- 
gestellet; Es sei, dass Sie alsofort dazu schreitte oder noch auf eine 
kleine Zeit undt eine noch bequemere gelegenheit damit anstehen undt 
vohrerst abwahrten wolle, dass etwa eine oder andere negotiation oder 
armatur zum stände gebracht, oder auch, dass die Alliirte armeen Sich 
noch weiter von dem Reinstrohm entfernet undt durch einige Eriegs- 
Action mercklich geschwechet undt wass dergleichen contingentia mehr 
seyn können, welche alle undt jede zu verhuhten sehr schwehr ja un- 
muglich fallen wird. 

Crockow hält es für unnöthig auszufahren, dass der Angriff Schwedens, 
wenn auch zunächst gegen Brandenburg gerichtet, mit in erster Linie dem 
Kaiser gelte und wie nöthig es fdr letzteren sei den Kurfürsten zu unterstützen. 

Nuhr allein. Aller Gnädigster Kayser undt Herr, muss ich deshalben 
in Sorgen undt Bekummemus seyn, dass die Assistentz gahr zu späte 
kommen undt S. Ch. D. dadurch in einen unwiederbringlichen Schaden, 
dass Gemeine Wesen aber in grossen hazard gesetzet werden möchte. 
Der Feindliche Einbruch ist täglich zu vermuthen, die Zeit aber undt der 
modus der Assistentz seyn S'. Gh. D. noch diese Stunde nicht bewusi 
Ess haben S. Ch. D. die Gefahr so lange vohrhehrgesehen undt die noth- 
wendigkeit der Gegen- Verfassung zeitig genug durch meine Wenigkeit 
vohrstellen lassen. Ess ist aber zu beklagen, dass man in denen mit 
mihr gehaltenen conferentzen weiter nicht geschritten, alss dass man 
bloss allein die Gefahr verkleinern undt S. Ch. D. auf allen fall E'. K. M. 
Protection ohne specification der Zeit undt andrer umbstande gantz 
generaliter versichern wollen, welches S. Ch. D. in einer so augenschein- 
lichen gefahr nicht gäntzlich hat consoliren können. Zwahr hat man 
mihr bedeutet, dass etzliche compagnien von einigen Regimentern zu 
Fuess und ein Regiment zu Pferde nach Schlesien beordret, daselbst auch 
einige Werbungen sollen vohrgenommen werden; Gleichwie aber dises 
seinen effect erstlich nach einer geraumen Zeit haben wird; also kan 
jenes bloss allein zu besetzung der alldortigen platze, nicht aber S. Ch. 
D. zu assistiren sufficient seyn undt wird also dieses daraus erfolgen, 
dass der Feind ehender an einen andern Ohrt gehen wird, nicht aber. 



Vergl. für diese Erklärungen der Schweden im Haag Londorp 1. c. 187 ff.; Bas- 
nage ]. c. U. 540; Urk. u. Act UI. 452 ff 



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800 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

dass er von der wieder S. Ch. D. lande vehrhabenden impresa zurfick- 
gehalten werden, weniger, dass ihm einiger Widerstand solte geschehea 
können. 

E. E. M. geruhen Aller-Gnädigst zu judiciren, wie unveFhofTt undt 
schmertzlich es S'. Gh. D. seyn, wie verwunderlich es der gantzen Weld 
vohrkommen wurde, wan eben zu der Zeit, da S. Ch. D. mit allen 
Kräften in eigner Persohn gegen E'. E. M. Feinde einen Feldzug thuhn, 
welcher S^ Ch. D. bereits ein so thewres Pfand gekostet, da Sie noch 
stets ohngeachtet der jetzigen Jahres-Zeit mit grossem hazard undt Ver- 
lust dero armee E'. E. M. undt dero hohem hause zu dienst operiren, 
dero eigne lande undt leuthe ohne hülfe der äussersten ruin undt deso* 
lation exponiret undt alssdan allein succurriret werden selten, wan der 
Feind dass gahraus damit gemachet undt zwahr ein solcher Feind, 
welcher S. Ch. D. deshalben allein angreiffet, weill dieselbe E'. E. M. mit 
so grosser devotion zugethahn seyn. E. E. M. gelieben Aller-Gnädigst 
zu consideriren, wie schwehr es S'. Ch. D. seyn würde vohr dero poste- 
ritet zu verantworten, wan Sie ohne hofnung eines schläunigen succurses 
dero lande undt leuthe in so grosse ruin stürtzeten, wie gefahrlich es 
vohr dass gemeine wesen undt sonderlich vohr E^ E. M. Erblande wehre, 
wan S. Ch. D. zu der extremitet gebracht undt diso Yohrmauhr dem 
Hertzogthumb Schlesien benommen würde. E'. E. M. Feinde würden 
überall publiciren, dass der succurs mit fleiss retardiret wehre, damit 
S. Ch. D. undt der Feind sich vohrhehr mit einander aufreiben undt 
consumiren möchten. Zwahr Sein S. Ch. D. gnugsam persuadiret, dass 
E. E. M. von dergleichen Intentionen weit entfernet seju; ich glaube 
auch nicht, dass jemandt sey, welcher E'. E. M. so unbillige undt ge- 
fahrliche consilia suggeriren dürfe oder wolle; Jedennoch ist es an dehm, 
dass wieder E^ E. M. Alier-Gnädigsten Willen undt Meinung dass Werck 
von sich selbsten einen solchen aussschlag nothwendig nehmen muss 
undt dass S^ Ch. D. lande gäntzlich müssen ruiniret werden, ^o nicht 
zu derselben Rettung schleunige undt sufßciente anstalt gemachet wird. 
Hingegen ist zu glauben, dass, wan der Feind diserseits einige gegen- 
verfassung sehe, es würden ihm dise undt andere reflexiones dass Schwerd 
in der Scheide halten. Nichts kan ihm aber einen grossem stimulum 
geben seine böse intentiones zu exequiren, alss wan er siehet, dass 
S. Ch. D. Lande diserseits von aller defension undt Hülfeleistung ent- 
blösset seju, 

Disem nach gereichet an E. E. M. nahmens S. Ch. D. Meines Gnä- 



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Memorial Crockows bezaglicb der Unterstatzung Brandenburgs gegen Schweden. 801 

digsten Herren, mein Aller-ÜDterthäDigstes bitten, E. E. M. geruhen Aller- 
Gnädigst 

l■'^ die kräftige undt ernstliche Verordnung ergehen zu lassen, dass 
ohne weitere Zeit-Versäumnus aufs schleunigste in der Schlesie ausserhalb 
die guamisonen ein corpus von 9 ä 10 tausend Mann zusammengeführet 
werde, welches parat undt die generalitet beordret sey ohne weitere ordre 
S^ Gh. D. landen auf requisition S^ Ch. D. oder dero hinterlassenen Herren 
Stadthalters Forstlichen D.*) fordersamst zu assistiren undt zu hälfe zu 
kommen. Damit auch S. Ch. D. dessen gesichert seyn undt dero mesures 
darnach nehmen können, alss ist femer mein Aller-Unterthänigstes bitten, 
E. E. M. geruhen Alier-Gnädigst durch dero vohrnehme Ministros mihr 
andeuten zu lassen, wie balde sothahne armee an den Schlesischen 
Gräntzen parat seyn könne undt wass inmittelst vohr anstalt dazu ge- 
machet werde. 

2^^. Erfodert die unumbgängliche Nothwendigkeit, dass P. E. M. 
von dennemarck satisfaction gegeben undt dieselbe obligiret werden 
mit der krohn Schweden, so bald dieselbe jemandts von den Alliirten 
angreift, zu Wasser undt zu lande zu brechen. Ausser dehm ist es 
nicht müglich, dass die benachbahrte undt Interessirte den krieg gegen 
Schweden auf Sich nehmen undt dass E^ E. M. Erblande bedecket, we- 
niger dass die gefahrliche disegni, welche die beede krohnen Franck- 
reich undt Schweden wider E. E. M. undt dero hohes Hauss fahren, 
können gesteuret werden, undt ist umb desto nötiger die Tractaten mit 
P. E. M. von dennemarck zu beschläunigen undt diejenige difficulteten, 
welche dass Werck protrahiren, auss dem Wege zu räumen, weill zu 
befurchten, dass durch einen langem Verzug höchstgedachte I. E. M. 
möchten veranlasset werden auf Ihre Sicherheit zu gedencken undt die 
von Franckreich undt Schweden durch anseenliche Ambassaden offerirte 
avantagose conditiones einer neutralitet oder gahr einer Alliantz anzu- 
nehmen, zu einem unsäglichen praejuditz der guthen partey. 

Iir. wird es nuhmehro zeit seyn, dass die übrige Alliirten Sich 
wegen disposition der armeen näher mit einander vemehmen undt resol- 
viren, welche derselben gegen Franckreich undt welche gegen Schweden 
auf den fall der raptur sollen employiret werden undt zwahr umb desto 
mehr, weill ich vernehme, dass der Spanische Herr Bothschafter ') durch 
dergleichen Vohrschläge praeoccupiret ist. Welche nicht werden können 



') Fürst von Anhalt. 
*) Balbesos. 

Mat«r. z. Gesch. d. O. Karfureten. XIV. 2. 51 



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Googk 



802 VII. Per Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

in efifectum deduciret werden. Weill aber S'. Ch. D. Gnädigste sentimenti 
mihr hierüber noch nicht gäntzlich wissend, alss will ich hierin so lange 
anstehen, biss ich die erwartende ordre empfangen undt E. K. M. mit 
meinen unwürdigen speculationen nicht beschwehrlich fallen. 

Die Importantz undt Wichtigkeit obiger dreyer puncten ist so gross, 
dass, wo Sie nicht alle undt jede Ihre richtigkeit bekommen, dass ge- 
meine Wesen in einen unsäglichen Schaden wird gesetzet werden. Ein 
Inconveniens wird dass andre nach sich ziehen undt dadurch die gantze 
partey in sothahne confusion gerathen, dass ich mihr solches ohne er- 
schrecken nicht vohrstellen kan. Ja, wan ich mihr solte einbilden 
können, dass an einem von den obbesagten dreyen puncten ein mangel 
erscheinen solte, so wolte ich auss getrewster zu E. E. M. undt dero 
Hohem Hause tragenden devotion von hertzen wünschen, dass noch bey 
itziger coniunctur der Friede dergestalt, wie man ihn haben könte, 
schläunigst gemachet würde, ehe undt bevohr die Sachen in einen so 
gefahrlichen Zustand gerathen, welcher in entstehung obbenanter remedien 
gewiss erfolgen würde. 

Wegen der übrigen Punkte, wie der obersächsischen Kreisvölker, Armatur 
des westphälischen Kreises, Zufahr des Proviantes für die Armee etc. will 
Grockow den Kaiser nicht beschweren, umsomehr da er sicher ist, dass die 
Minister, denen er darüber Mittheilungen gemacht, darüber dem Kaiser be- 
richtet haben werden. 



Memorial Crockows an den Kaiser. Dat. Wien 4. Jan. 1675. 

(Or.) 

[Dank für das kaiserliche Schreiben an Schweden. Erfolglosigkeit desselben. Bitte 
um neue Schreiben an Schweden und um Garantirung der karfürstlichen Länder.] 

4. Jan. Crockow dankt dem Kaiser im Namen des Kurfürsten für das auf die kurfürst- 
lichen Klagen gegen Schweden vom Kaiser erlassene Schreiben vom 16. Nov. 1674 
an den König von Schweden, in welchem dieser energisch vor jedem Unternehmen 
gegen Brandenburg gewarnt wird. Der Kurfürst habe einen £rfolg von diesem 
Schreiben erhofft, sehe sich aber getäuscht; die Schweden zeigen vielmehr 
immer deutlicher ihre Neigung in das kurfürstliche Gebiet einzufallen. Der 
Kurfürst hat nichts gethan, was Schwedens Vorgehen rechtfertigen könnte; er 
ersucht daher den Kaiser um das Versprechen, ihn, falls er von Schweden an- 
gegriffen werden sollte, mit ganzer Kraft zu unterstützen und bittet um Erlass 
stärkerer dehortatorischer Schreiben an Schweden. Schliesslich ersucht Crockow 
im Namen des Kurfürsten, auch zu Regensburg zu veranlassen, dass dem Kurfürsten 
seitens des Reiches seine Reichsländer garantirt werden. 



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Memorialien Crockows bezoglich des schwedischen Einfalles. 803 

Memorial Crockows an den Kaiser, Dat Wien 8. Jan, 1675. 

(Or.) 

[Vorgehen Schwedens. Bitte um Schutz des Kurfürsten. Geldunterstützung. Ver- 
wendung der bischoflich-strassburgischen Intraden.] 

Wie berechtigt die von Crockow in dem Ifemoriale vom 4. Januar ge- 8. Jan. 
machten Vorstellungen wegen der von Schweden drohenden Gefahr gewesen sind 
nnd welch' ein grosser Verlust dem Gemeinwesen daraus entsteht, dass seine 
Vorstellungen keinen Glauben gefunden, erhellt daraus, dass der schwedische 
Reichsfeldherr, Graf Wrangel, dem Statthalter des Kurfürsten, dem Fürsten von 
Anhalt, hat erklären lassen, er habe Befehl mit der ganzen Armee aufzubrechen 
and in der Kurmark Brandenburg die Quartiere zu nehmen, — was auch bereits 
geschehen — auch dieselben nicht eher zu verlassen, als bis der Kurfürst sich 
von den AUiirten zurückgezogen '). Da dies nun offene Feindschaft ist, welche 
dem ,4nstrumentum pacis" und dem allgemeinen Reichsfrieden zuwiderläuft, bittet 
Crockow im Namen des Kurfürsten den Kaiser, zu veranlassen, dass über die 
dem Kurfürsten zu gewährende Assistenz mit ihm — Crockow — berathen 
werde; femer dass der Kaiser der Reichsversammlung zu Regensburg proponire, 
von Reichswegen Massregeln zum Schutze der brandenbnrgischen Länder zu 
ergreifen«), den Obersten des ober- und niedersächsischen Kreises zu befehlen, 
dem Kurfürsten alsogleich zu Hilfe zu kommen, an den König von Schweden 
inhibitorialia sub poena fractae pacis publicae wie auch nicht weniger avoca- 
toria ergehen zu lassen. 

Ungeföhr zur selben Zeit ersucht Crockow im Namen des Kurfürsten den 
Kaiser in einem besonderen Schreiben um eine Unterstützung mit 100 000 Gol- 
den, die der Kurfürst zum Schutze seiner Länder dringend bedürfe. In einem 
weiteren Schreiben wird der Kaiser angegangen, zu veranlassen, dass die bischöf- 
lich-strassbnrgischen Intraden, so weit sie aus den von Brandenburgs Truppen 
besetzten Gebieten herrühren, der Verwendung der Brandenburger anheim ge- 
stellt werden. 



Der Karftirst an den Kaiser. Dat Kappenheim 6./16. Janaar 

1675- (OrO 

[Bitte um Hilfe gegen Schweden, um Anordnung an die fränkischen Kreisst&nde be- 
züglich der Brandenburg zu gewährenden Quartiere und um Intenrention beim Her- 
zoge Jobann Friedrich.] 

Der Kaiser wird von Crockow vernommen haben, dass Wrangel mit der 16. Jan. 
schwedischen Armee in die Kur- und Mark Brandenburg feindlich eingebrochen 
ist nnd nicht allein die Uckermark ganz rninirt hat, sondern gegen Berlin 



') Vergl. Droysen 1. c. m.t 514. 

^ Das Reichsgutachten erfolgte in der That schon am 17. Jan. 1675; Pachner 
I.e. 786f. 

51* 



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804 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 -Febr. 1679. 

ziehe'). Da nun diese Invasion ohne Verschulden des Kurfürsten erfolgt ist 
und nur deshalb, weil er zum Kaiser treu gehalten hat, bittet er den Kaiser 
ihm nach den Bestimmungen der Wahlcapitulaüon, des instrumentnm pacls, 
und der Sonderbündnisse ohne Verzug zu Hilfe zu kommen, vom Reiche die 
Garantie für des Kurfürsten Länder zu fordern, die inhibitorialia und avoca- 
toria sub poena fractae pacis zu publiciren und mit Schweden nicht weiter zu 
verhandeln. 

Vom selben Datum existirt ein anderes Schreiben des Kurfürsten, in wel- 
chem er den Kaiser ersucht, die frankischen Kreisstände, in deren Gebiet nach 
getroffener Abmachung unter den Kriegsbetheiligten seine Truppen sich erholen 
sollen, aufzufordern, den kurfürstlichen Truppen die Ruhestätte zu gönnen. 
Femer bittet der Kurfürst beim Herzoge Johann Friedrich dahin wirken zu 
wollen, dass dieser Fürst sich nicht auf die Seite Schwedens schlage. Der 
Kurfürst hat zwar selbst mit diesem Herzoge darüber Verhandlungen gepflogen, 
doch seien dessen Antworten allzu zweifelhaft gewesen. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 24. Januar 1675. (Conc.) 

[Einfall der Schweden.] 

24. .Tan. Oxenstjema, Schwedens Botschafter in Wien, hat an Hocher bezüglich des 

schwedischen Einfialles in Brandenburg berichtet und behauptet, Karl XI. habe 
alle Ursache gegen Friedrich Wilhelm vorzugehen, da dieser gegen die Be- 
stimmungen des Vertrages in's Feld gezogen sei und viele Reichsfürsten durch 
gewaltthätige Durchzüge und Einquartierungen geschädigt habe ^). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Marbach 16./26. Jan. 1675. 

(Or.) 

[Dank für die durch den Kaiser bewirkte Extendirung der Garantie der brandenburgi- 
schen Länder seitens des Reiches. Vorgehen der Schweden. Bitte um eine Erklärung 
des Reiches gegen Schweden. Unrichtigkeit der schwedischen Behauptungen. P. S. 
Beziehungen Hamburgs zu Schweden.] 

26. Jan. Gegen E. E. M. thue ich mich unterthänigst bedanken, dass sie 

gnädigst geruhen wollen, es dahin zu richten, dass das ReichscoDclusum, 
so den 1. Dec. des verflossenen Jahres wegen der Reichsgarantie, so 
meinen Landen wider Frankreich zu leisten '), auch auf andere, so wider 
mich und meine Lande einige Thätligkeit förnehmen möchten, auPm 

^ Vergl. Qansauge, Veranlassung und Gesch. des Krieges in der Mark Brand., 
28 ff.; Carlson 1. c. IV. 601 ff.; Puf. 1. c. XIII. 3. 

>) Vergl. E. Pufendorfs Bericht bei Heibig I.e. 36 f.; Puf. I.e. XII. 64; Th. 
Europ. XI. 539ff.; Londorp 1. c. X. 222 ff. 

») Pachner 1. c. I. 754. 



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Einfalt der Schweden Gurantirunf der kurfürstlichen L&nder 805 

BeictiKcouvent zu Regeuüburg den 17* Jüu, cxtoüdiret würden^), AI« ich 
uUQ aber bei allen Posten vcrnehmej vie die ia meine churmärkische 

und pommerische Lande gewalteamer WeisG eingefallene Schweden es 
immer ärger darin treibcüj bis an meine Resident Berlin sich verlegt 
und alles aufm Grund verderbten, nicht allein vivrei*, sondern auch Geld- 
contributianes und zwar beides in solcher Quantität, daas es der arme 
Land mann unmöglich abstattea köane, eigenmächtig au^sgeschriebea, meine 
Soldaten aber, so zu Beitreibung des Unterhalts für meine Soldatesca 
in 's Land ge^chicket, schimpflich ab* und zurückgewiesen und darzu aus 
solcher öffentlichen Gewalt ein Affen- oder Kinderspiel machen wollten, 
indem sie fiirgeben, es wäre nicht übel gemeinet; als oti^uche E. K. M. 
ich unterthänigst, «ie wollen forner aufm Reichstag zu Regensburg es 
dahin richten ^ dass die Reichsconclusa, so vorhin wider Frankreich ge- 
machet, in selbigen terminis auch wider Schweden in diesem Fall publi- 
ciret und exequiret worden mögen. Die Behauptungen Schwedens, es habe 
keine Feindseligkeit vor, vielmehr habe Brandenburg den mit Schweden ge~ 
sclilosienen Vertrag gebrochen, sucht dor Kurfürst als unwahre hinzustellen und 
bittet den Kaiser den gleissnerischen Worten des in Wien weilenden schwedi- 
sehen Gesandten keinen Giaaben bei2uniessen ')* 

In einem P. S, vom 26. Jan. meldet der Kurfürst^ er habe sichere Nachricht^ 
dass Hamburg mit dem Schwedenkönige in ein enges Verständnis sich einge- 
lassen, aach versprochen habe, schwedische Garnison anfzunchmen und dieser 
Macht bei Uebermachung von Geldeni und sonst behilflich m sein. Da nun 
der Kurfürst diese Haltung Hamburgs ftir höchst schädlich für das Reich hält, 
schlägt er dem Kaiser vur, derselbe möge Hamburg von solchem Vorgehen 
energisch abratben und mit Gewalt drehen ; zur Vorsorge kennten ähnliche Er- 
klärungen an Lübeck und Bremen gerichtet werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Heilbronn 30. Jan, 1675, (Or.) 

[ Verb aß dl un gen des Gües« bezüglich der münst^rischen Truppen mit dem Kurfürsten 
unü mit dessen Räthen. ßath des GoejjS in dieser Sache.] 

Brandenburg will sich noch immer nicht mit den Werbungen des Bischofes 30* Jan* 
von Münster einverstanden erklären, besonders da der Tractat mit dem Kaiser 
auf 60 viele 1000 Mann laute, während Goess ursprünglich nur von Recrutirung 
des bei der kaiserlichen Armee gestandenen Corps gesprochen habe. Nach vielen 
Bemühungen gelingt es dem Goess ^ Somnitz damit zu beruhigen, daas er er^ 
klÄrt^ der Kaiser werde in dieser Angelegenheit nichts ohne vorherige Com- 



') Pacbner I. c* l 78Bf. 

Fnr dk Verhandlungen üjcenstjerna's in Wien In dieser Zeit; Pacbner Lc. 
L 782 £; Puf. I, c. XllL 11; Tk Europ. Xl. 738 £ 





806 Vir. Der Krieg gegen Schweden* Oct 1674--Febr. 1679. 

munlcation mit dem Kurfürsten thnn. Allein Goess sieht ganz klar, dass Brau- 
denburg dem Unternehmen nicht wohl will. Um diese Abneignng Brandenburgs 
zu beseitigen, hält Goess für nützlich, wenn die Lüneburger Fürsten und Hol- 
land dem Kurfürsten vorstellen würden, wie nützlich die Truppen des Bischofes 
von Münster der allgemeinen Sache werden könnten*). Im übrigen befinden 
sich die Truppen des Bischofes von Münster in sehr schlechtem Zustande. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Feucht- 
wangen 26. Jan./6. Febr. 1675. (Or.) 

[Quartierfrage.] 
6. Febr. I^er Kurfürst meldet, dass er zur Erleichterung des frankischen Kreises 

einige Regimenter in das Voigtland, wie auch in der Grafen von Schwarzburg, 
Mansfeld und Stollberg Gebiete, in die erfurtischen Dörfer und in Mühl- und 
Nordhausen einquartirt hahe und bittet den Kaiser bei den betreffenden Mächten 
und Fürsten für die gutwillige Leistung zu wirken'). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Schweinfurt 2./12. Februar 

1675. (Or.) 

[Quartierfrage.] 

12. Febr. I^er Kurfürst hat mit den ihm zugewiesenen Quartieren nicht auskommen 

können und sich daher genothigt gesehen einige Truppen in mainzische Aemter, 
nach der Abtei Fulda und in's Coburgische zu legen, in der Zuversicht, dass 
die dadurch betroffenen dieses Opfer für das allgemeine Wohl gerne tragen 
werden. Wollte der Kaiser nun diese Stande auffordern, dieses Opfer zu bringen, 
so hielte der Kurfürst dies für überaus nützlich. 



Goess an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 12. Febr. 1675. (Or.) 

[Quartierfrage. Erklärungen des Kurfürsten. Klagen desselben über Spanien. Hoffnung 
auf den Herrscher von Russland. Geplante Gesandtschaft zum Herzoge von Hannover.] 

12. Febr. Goess berichtet über die Einquartierung in den fränkischen Kreis; 24 Regi- 

menter hat der Kreis trotz der grossen Lasten, die derselbe schon früher getragen, 
über sich genommen, doch beklagen sich einzelne über ungleiche Vertheilung 
der Lasten. Goess sucht bei Meinders Abhilfe dagegen zu schaffen. Der Kur- 

^ Die Verbandlungen des Kaisers mit dem Bischöfe von Münster fahrten am 
7. Juni 1675 zu einem Vertrage, durch den sich Christoph Bernard zur Stellung von 
9000 Mann verpflichtete; Dumont 1. c. VII., 295 f.; Tücking 1. c. 237 f. 

^) Ueber diese Quartierfrage und die aus derselben folgenden Streitigkeiten 
Puf. 1. c. XIIL 2; Pachner 1. c. I. 794f. 



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Quartierfrage. Derfflinger. Massregeln gegen Schweden. 807 

fürst betont Goess gegenüber, dass er, trotz aller Umgriffe Schwedens, beim 
Kaiser aasharren wolle; klagt jedoch über Spanien, dass es bei den herrschen- 
den Verhältnissen Monterey abberufen habe und nun schon an 6 Monate die 
Sabsidien nicht zahle. Auf Moskau hofft der Kurfürst und glaubt, dass der 
Czar in Liefland einfallen wird. Der Kurfürst hat vor, zum Herzoge von Hannover 
za senden, um ihn auf die Seite der Alliirten zu bringen oder wenigstens zur 
Neatralitat zu vermögen. 



Der Kaiser an Goess- Dat. Wien 14. Febr. 1675. (Copie.) 

[Frage der Absetzung Derfflingers. Französisch-brandenburgiscbe Beziehungen. Siebe- 
ning Strassburgs und der Rheinbrocke. Rath des Kaisers an den Kurfürsten, selbst 
den Krieg gegen die Schweden zu fähren und rasch nach den Marken zu mar- 
schiren. Die in diesem Falle vom Kaiser« Holland und Dänemark zu erwartende 
Unterstützung. Belassung braunscbweigischer Truppen am Oberrhein. Avocatoria 
gegen Schweden. Dessen Mediation.] 

Erstlich finden wir diejenige, welche nnsem Dienst und dem ge- 14. Febr. 
meinen Wesen zuwider handlen und schädliche consilia einblasen, auch 
die gute actiones verhindern, wie der DerfiTlinger in offenen Praedicat 
ist, auf alle Weis, wann es änderst sein kann, zu amoviren; dahero wir 
in die Gedanken gerathen, ob nicht ermelter Derfflinger bei des Chur- 
furstens zu Brandenburg L^^. pro dissidente zu erklaren und dessen 
Amotion zu begehren seie; wollen also hierüber deine Gemuthsmeinung 
vernehmen, an expediat und ob es zu erheben oder zu erhalten sein 
möchte und wer etwa an dessen Stell vorgeschlagen werden konnte') 

Was wohl in Acht zu nehmen, ist, dass dahier und im Reich die 
Suspicion gar zu festen Platz findet, als ob des Ghurfurstens L^^. nicht 
gar zu aufrechte intentiones führten, sondern zu wanken anfiengen und 
mit der Eron Frankreich abermal in Tractaten begriffen wären, auf die 
Weis, wie es hiebevor beschehen; massen zu solchem End der Stratman 
wieder in Frankreich gereiset sein solle. Weiln nun hieran viel ge- 
legen, als wirdest du des Ghurfurstens L^^. Gedanken und fuhrende con- 
silia wohl erkundigen, auf alle andamenti ein wachtsambes Aug haben und 
uns die Beschaffenheit berichten, auch da was im Werk sein sollte, 
solches auf alle Weis suchen zu divertiren, damit I. L"*^". wegen der 
widrigen successus das gemeine Wesen nicht sogleich verlassen und bei 
gegenwärtigen gefahrlichen Coniuncturn quocunque modo erhalten werden 



^ Zwischen Derfflinger und Boumonville war es zu heftigen Debatten gekom- 
men, bei denen gegenseitig die heftigsten Beschuldigungen erhoben wurden; Tergl. 
Peter 1. c. 355. 



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Googk 



VIT. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

können. Der Kaiser hat die entsprechenden Befehle an Bournonville, an den 
Herzog von Celle and an den Markgrafen zu Baaden-Darlach gegeben, sich 
Strassbargs, der Rheinbrücke and was noch jenseits haltbar, mit Eifer anza- 
nehmen und vor dem Feinde zu schützen. 

Wir consideriren bei dem jetzigen verwirrten statu, dass unsere 
Völker ans ober- und untern Rhein mit dem Feind continuirlich zu 
thuen haben und dass hergegen des Churfürstens L***»". Völker spat in's 
Feld kommen, mit dem Feind keine Action gehabt, jetzo gleichwohl in 
dem fränkischen Kreis die Quartier nehmen, welcher der erste gewesen, 
seine Treu und Devotion gegen uns und dem Reich zu erweisen und 
woraus die meiste Mittel zu den Magazinen auf die künftige Campagna 
sollen genommen werden, so jetzo die brandenburgische gänzlich absu- 
miren. Nun haben sie den Feind, wie sie melden, in ihrem Land und 
die unserige, wie gedacht, am obem und untern Rhein denselben auch 
auf dem Hals, gleichwohl wollen sie allein müssig und ruhig ohne einige 
Operation in den fränkischen Quartieren still liegen. Diese Inconvenien- 
zien geben uns billigen Anlass bei P. L^*°. anhalten und durch dich dero- 
selben beweglich vorstellen zu lassen, welchergestalt es die unumgäng- 
liche Notdurft erfordere, dass I. L**'". sich mit dero Völkern in dero 
Landen begeben und als principalis in dieser Sachen selbsten wider die 
Schweden zu agiren anfangen; auf solchen Fall würde der Feldmarschall- 
lieutenant Graf Coob in Befelch haben, I. L^®". zu assistiren, sich mit 
deroselben zu conjungiren und die Schweden austreiben zu helfen. L U*°. 
könnten bei Magdeburg über die Elb, sodann über die Spree und fol- 
gends bis gen Frankfurt an der Oder ihren Marsch nehmen und denen 
Schweden in den Rücken gehen; wir wollen darob sein, dass die ober- 
sächsische Ereisvölker zu ihr stosseten, wie auch die andere chursächsi- 
sche Völker, welche des Churfürstens L***»°. ohne das vigore pacti mit 
unserer Armada zu conjungiren haben und dieselbe in der Lausitz zu 
solchem End in Bereitschaft zu halten ersucht worden, sich conjungiren; 
dergestalt könnte ausser unsere Garnisonen in Schlesien ein Corpo von 
20 000 Mann zusammengesetzt werden und solches denen Schweden ge- 
nugsam bastant und gewachsen sein. Es bestehe aber dieses alles an 
der Geschwindigkeit und dass I. L^®". mit dero eilenden Marsch solches 
Selbsten befordern, seie hauptsächlich daran gelegen, weiln gewisse 
Nachricht eingelangt, dass die Schweden festen Fuss zu Landsberg an 
der Warthe und anderstwo zu setzen willens, neue Werb- und Recru- 
tirungen anstellen, neue Freundschaften und sich dortherum zu fermiren 
suchen. Diesem nun bei Zeiten vorzukommen, würden ja L L***". ge- 



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Massregeln gegen Schweden. 809 

meint sein, weiln es die Defension ihrer eigenen Landen betrifft, keine 
Zeit, Muhe, noch Kräften za sparen, oder sollte es endlich auf unser 
Herzogthum Schlesien angesehen sein, so seind I. L"*®". vermög der Pac- 
taten obligirt den Durchzug durch ihr Land zu verhindern, consequenter 
zu solchem End mit dero ohne das wohl ausgerasten Armada mehr 
gedachten Marsch zu beschleunigen. Ueber dieses thuen wir alle mög- 
liche Diligenz, sowohl bei des Königs in Dänemark L^^., als auch wegen 
Osnabrück, die Hilf und Diversion zu maturiren. Die Holländer werden 
das ihrige sowohl zu Land als zu Wasser auch thuen, allein müssen sie, 
indeme der Feind sich stark am untern Rhein zusammenziehet und auf 
die unserige, sie zu vertreiben, zugehet, nothwendig unumgängliche Re- 
flexion thuen und wirkliche Hilf dorthin schicken, damit man den Maass- 
und Rheinstrom, woran alles gelegen, nit verliere. Goess soll sich femer 
dafür einsetzen, dass im Falle des Abzuges der brandenbnrgischen Trappen die 
braunschweigischen am Oberrhein belassen werden. Ist dies nicht zu erlangen, 
so soll wenigstens ein Theil der brandenburgisch-braanschweigiscben Truppen 
dort gelassen und der kaiserlichen Generalität, oder einem der kaiserlichen 
Generalität genehmen Führer, untergeordnet werden. 

Die Avocatorien und die Erklärung Schwedens als Feind betreffend, hat 
der Kaiser zu Regensburg die Sache vorzabringen befohlen, weil es mehr Fin- 
dnick machen wird, wenn es durch ein allgemeines Reichsconclusum geschieht. 
Schweden alsogleich von der Mediation zu amoviren gehe nicht an, weil es 
scheint, dass des Kaisers Alliirte dieselbe acceptirt und der Kaiser stündlich der 
schwedischen Antwort gewärtig sei, ob Schweden gemelte Mediation mit der 
Bedingnng durante belle neutral zu bleiben und consequenter die Völker aus 
des Kurfürsten Landen zurückzuziehen, acceptire, oder nicht. Goess soll als 
Gesandter zum Friedepscongress, bis die Hauptgesandtschaft eintrifft. 



Protocoll der Conferenz mit Crockow vom 14. Februar 1675. 

(Conc.) 

[Bereitwilligkeit des Kaisers den Kurfürsten zu unterstützen. Crockow fordert die Er- 
klärung Schwedens als Reicbsfeind. Erwiderung der Vertreter des Kaisers. Debatte 
über diese Frage, über die Mittel Brandenburg zu schützen, über Avocatoria, Ver- 
theilung der Armee, Subsidien.] 

Die Räthe theilen dem Crockow mit, der Kaiser erkenne, dass der Schwe- 14. Febr. 
den Vorgehen ein feindliches sei und wolle alles thun, wozu ihn das Amt und 
die Bündnisse verpflichten; er lasse unterdes die Völker in Schlesien zusam- 
menziehen. 

Crockow bedankt sich für die Resolution, erklärt aber, es sei nöthig Schwe- 
den in specie pro hoste imperii zu erklären; dann weilen der Schluss contra 
quoscanque aggressores gefallen, so könnten ja I. K. M. sagen, Schweden 



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810 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

sei aggressor, ergo hostis imperii. Crockow beschwert sich auch darüber, 
dass in der nach Regensbnrg abgegangenen Resolution Schweden nicht einmal 
genannt sei, es stehe auch nichts von Jena darin — wie man ihm gesagt habe — 
dass derselbe in seinen Propositionen secundirt werden solle. Brandenburg sei 
aber ein Stand des Reiches, wie Trier; Frankreich sei aber wegen seines Vor- 
gehens gegen Trier pro hoste imperii erklärt worden*). Crockow bittet um 
einen ebenso klaren Ausspruch bezüglich Schwedens. So lange der Kaiser den 
Schwedenkönig pro mediatore agnoscire, könne er allerdings denselben nicht 
pro hoste erklären. Die kaiserlichen Räthe erwidern, ihr Herrscher erkenne 
Schweden nicht als Vermittler an, hätte ihn auch nicht als solchen anerkannt, 
daher keine Aufkündigung nöthig sei; der Kaiser könne aber ohne vorherigen 
Entschluss der Stände Schwedens Vorgehen nicht als Reichsfriedensbruch er- 
klären; es lasse sich die Sache auch nicht so strict mit Trier vergleichen. Dort 
habe man geplündert, gesengt und verbrannt, die Stadt Trier und andere Plätze 
weggenommen, was alles in Brandenburg noch nicht geschehen. Das Schreiben 
an die Stände könnte so eingerichtet werden, approbando das heilsame con- 
clusum contra qacscanque aggressores; weil nun der Kurbrandenburger 
sich beklage, dass er von Schweden wider den Frieden invadirt worden, ver- 
lange der Kaiser das Gutachten der Stände, was zu Folge solchen conclusi 
weiter zu thun und welchergestalt Kurbrandeuburg zu retten sei. 

Crockow: Dies habe der Kaiser wider Frankreich nicht gesagt; wenn der 
Kurfürst nicht genügende Assistenz erhalte, werde er wissen, was er zu thun 
habe; es sei von der zuletzt abgegangenen Resolution nichts zu hoffen; wenn 
der Kaiser nicht sage, dass Schweden Feind des Reiches sei, würden es die 
Stände auch nicht thun. Die kaiserlichen Commissäre antworten, man habe 
damals auch nicht eine Declaration von dem Reiche erhalten können, bis die 
vires praesentes gewesen; wenn der Kaiser jetzt voran die Declaration thäte, 
würde es wider das instrumentum pacis geschehen. Man halte das Vorgehen 
kaiserlicherseits für einen Bruch; man brauche aber keine Ermächtigung des 
Reiches um Brandenburg zu unterstützen, wohl aber eine Universalapprobation 
um Schweden für einen Reichsfeind zu erklären. Der Kaiser werde thun was 
seines Amtes sei; aber allein werde er nicht gehen, Brandenburgs Truppen 
müssten dort sein. 

Crockow erklärt, Brandenburg werde nichts gegen die Schweden unter- 
nehmen, wenn nicht Dänemark und Holland die See sperren, doch könne man 
sich auf Dänemark nicht verlassen, auch von den sächsischen Kreisvölkem halte 
er nicht vieP). Ferner dringt Crockow auf avocatoria, auf Vertheilung der 
Armee und fordert Subsidien. Die Kaiserlichen erklären, bezüglich der avoca- 
toria sei es besser, wenn sie eines auf das andere folgen lassen; die Verthei- 
lung der Armee werde von der Gestaltung der Dinge abhängen ; Subsidien aber 
sei der Kaiser unter keiner Bedingung zu zahlen im Stande. 



») Pacbner I.e. I. 676 ff., 705 f. 
5) Vergl. Puf. 1. c. Xni. 17. 



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Erklärung Schwedens als Reicbsfeind. Unterstätzung des Königs von Dänemark. 811 

Der Kaiser an den Kurfürsten, Dat Wien 14 Febn 1675. 

(Conc.) 

[Bereitwilligkeit den Kurfürsten' zu unterstützen.] 

Auf die Schreiben des Kurfürsten vom 30. Dec. 1674 und 16. Jan. 1675 14. Febr. 
erwidert der Kaiser, er habe mit Bedauern von Schwedens Einfall vernommen, 
habe dem fränkischen Kreise wegen der Einquartierung der brandenburgischen 
Truppen geschrieben, auch vor Einlangen des kurfürstlichen Schreibens seinen 
Vertretern in Regensburg befohlen, das Begehren Brandenburgs wegen Garan- 
tirung und sonstiger Assistenz seitens des Reiches zu unterstützen. Der Kaiser 
ist bereit alles zu thun, um Brandenburg zu unterstützen; wie er sich die 
Operationen gegen die gemeinsamen Feinde denke, werde Goess dem Kurfürsten 
berichten '). 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 8./18. Februar 

1675. (Aut.) 

[Bitte um Unterstützung des Königs von Dänemark.] 
Obzwahr Ew. Kay. May^^ mitt meinen anligen nicht gerne behelligen 18. Febr. 
weite, So dringet mich denoch die umbgeDgliche nodt undt werden Ew. 
Kay. May**, von meinem Rahdt, dem von Erakaven, allergnedigst ver- 
nommen haben, welcher gestaldt unvermutter weisse die Chron Schwe- 
den meine Chur Brandenburg aberfallen, darin noch biss dato sehr ubell 
haussen, Stette undt dorffer verödet undt verwüstet, die Stadt Landts- 
berg zu fortifidren angefangen undt mich nuhmer in die groste min 
gebracht, auch innutill machen Ew. Kay. May^. wie auch meine Alligirte 
bey diessen gefehrlichen coniuncturen nach gebühr zu assistiren undt 
beizustehen; Derhalben Ich in diessem meinem betrübten zustande keinen 
besseren trost undt hülffe zu suchen weis als bey Ew. Kay. May^., in 
der gewissen Zuversicht, dieselbe werden meinen zustandt behertzigen. 
Mich als dero getreuen Churfnrsten, welcher schon unterschidene proben 
gethan undt noch inskünftige zu thun Sich verpflichtet, nicht verlassen, 
sonderen baldt baldt gnedigste rettung verschaffen. Undt weill Ich von 
Coppenhagen diesse gewisse Versicherung erlangt, das der Eonig von 
Dennemarck, dafeme Ihm nur in etwas geholffen werden mochte, Er auff 
die Schweden lossbrechen undt dadurch mich von der Schweden unbe- 
grüntten feiudtlichen uberfall befreien*). So ersuche Ew. Eay. May^. 
Ich hiemitt underthenigst, dieselbe wollen, damitt Ich nicht auss aller 



Der Inhalt dieses Schreibens im Th. Eur. XI. 715. 

>) üeber Dänemarks Haltung Puf. 1. c. XIII. 23 ff.; Basnage 1. c. II. 598. 



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812 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

coDsideration gesetzet, freunden undt feinden zum schimpffe leben undt 
andere Sich nicht ahn mich zu Spiegallen haben mögen, ein geringes 
nicht ansehen, Sonderen dahin zu sehen, auf das man den Konig be- 
fridige undt Ihn desto williger mache seine Wapffen gegen Schweden 
zu gebrauchen, wodurch Ew. Kay. M^. mich undt mein Churfurstliches 
hauss jemehr undt mehr verbinden; werde es auch gegen Ew. Kay. May^. 
gehorsambst zu verschulden mir höchstes fleisses angelegen sein lassen '). 



Goess an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 19. Febr. 1675. (Or.) 

[Quarlierfrage. Klagen des Kurfürsten über die Spanier. Hollands Benehmen. Reichs- 
tag zu Gothenburg.] 

19. Febr. Goess berichtet, dass die fränkischen Stände zum grössten Theile bezüglich 

der Quartiere schon mit dem Kurfürsten abgeschlossen hätten, daher zu be- 
denken sei, ob er dem kaiserlichen Befehle vom 7. Februar^ gemäss beim 
Brandenburger, dem immer schlimmere Zeitungen aus den Kurlanden zugehen, 
wegen Verlegung einiger Quartiere nach diesen Ländern anhalten soll. Goess 
hält diese Zumutbung nicht für thunlich. Der Baron von Clairvaux') theilt 
dem Goess mit, wie heftig sich der Kurfürst über die Spanier ausgelassen, als 
er vernommen, dass auch zu Regensburg der Versuch gemacht werde von 
Brandenburg die Selbstverpflegung der Armee zu fordern, woraus der Kaiser 
zu ersehen habe, dass es nothwendig sei, in diesem Punkte vorsichtig vorzu- 
gehen und mehr auf eine billige Moderation und Sublevirung als auf gänzliche 
Enthebung von der Verpflegung anzutragen. Mit der Holländer Intention der 
Mark Brandenburg zu Hilfe zu kommen ist der Kurfürst zufrieden. Blaspeil 
hat dem Goess das Schreiben Brandts aus Stockholm vorgelesen, in welchem 
dieser erwähnt, dass auf den 26. Februar ein Reichstag nach Gothenburg aus- 
geschrieben sei und erklärt, es würde gut sein, wenn der Kaiser, Spanien, 
Brandenburg und Holland Vertreter dahin senden würden, da ein grosser Theil 
der Senatoren friedliebend gesinnt sein soll. 



Unter dem 12./22. Febr. 1675 schreibt der Kurfürst dem Kaiser über die in- 
timen Beziehungen der Stadt Strassburg zu den Franzosen. Vergl. Grimoard 1. c. II. 
638, 643. 

^ Liegt nicht vor. 

^ Der Baron von Clairvaux war von Monterey zum Kurfürsten gesendet worden; 
vergl. den Bericht des Goess vom 6. Aug. 1674 p. 780. 



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Quartierfrage. Spanien. Vertbeidigung der Marken gegen die Schweden. 813 

Goess an den Kaiser. Dat Schweinfiirt 22. Febr. 1675. (Or.) 

[Des Karforsten Erklärungen bezüglich seiner Yertheidigung gegen die Schweden. 
Unterredung des Kurfürsten mit dem Prinzen von Oranien.] 

Auf was ich T. Ch. D. proponirt, das« nemlich S. Ch. D. die Schwe- 22. Febr. 
den nit langer in dero Landen einnesten, noch sich verstarken lassen* 
sondern dieselbe ohne Zeitverlierung daraus zu vertreiben und was E. 
E. M. sich erbieten auf ihrer Seiten darbei zu thun, haben sie einige 
Bewegnus des Gemuths verspüren lassen, also dass ihro das Wasser in 
die Augen gelegen. Haben sich demnach um diese treu kaiserliche 
Ffirsorg unterthänigst bedankt. Sie vermeineten darbei, dass das Werk 
mit ihren AUiirten vorhero zu concertiren, welchergestalt nemlich es von 
allen Seiten anzugreifen, dolirten, dass ihre Feinde, sie in Mistrauen zu 
setzen, ausgaben, dass sie sich mit Schweden vergleichen; das thäten 
sie nit, würdens auch nit thun, hätten dessen aufs neu den Eonig in 
Dänemark und den Herrn Bischof zu Osnabrück versichert. Ihre Lan- 
den wurden zwar ruinirt, das wäre nun nit zu verhüten; sie müssten 
sich gleichwohl die Zeit nehmen, das Werk recht, wie es die Notdurft 
erfordert, zu fassen. . . . Der Kurfürst wird nach Cleve reisen, um sich mit 
dem Prinzen von Oranien zu berathen'). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 22. Fe- 
bruar/4. März 1675. (Or.) 

[Ornnde des Benehmens des Kurfürsten. Bitte desselben um genaue Angabe der 
Truppenzabl, die der Kaiser ihm senden will. Massregeln des Kurfürsten in den 
Marken. Bitte um Unterstützung des Prinzen von Oranien. Schwedens Vermittlerrolle. 
Gewünschte Massnahmen des Kaisers. Bedeutung des Verhaltens des Kaisers. Grund- 
losigkeit der Nachricht von schwedisch -brandenburgischen Beziehungen. Rechtferti- 
gung der Haltung des Kurfürsten im letzten Feldzuge. Beförderung der spanischen 

Subsidienzahlangen.] 

Der Kurfürst dankt für das Schreiben vom 14. Feb. und für die durch 4. März. 
Goess erfolgten Erklärungen. 

Belangend die eröffnete Rettungsmittel, wäre mir wohl nichts lieber, 
als dass ich bereits mit meinen Truppen in meinen oder des Feindes 
Landen stehen und mittels göttlicher Hülfe ferneres Unheil abwenden 
möchte. Gestalt ich dann, sobald dieselben nur ein wenig im Stande 
und was E. E. M. wegen der Eriegesoperationen mit dero hohen Älliirten 



Vergl. Droysen 1. c. III., 520f. 



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814 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

femer werden gut gefunden, vernommen, ich auch mit des Prinzen von 
Orange L*«". mich werde besprochen haben') und darauf mit solcher 
Assistenz versehen sein, damit wider den Feind mit Nachdruck agiret wer- 
den kann, kein Moment versäumen werde, dasienige an Hand zu nehmen, 
was nöthig und fürträglich wird befunden werden. Indessen würde mir 
sehr lieb sein, wann ich von derienigen Hülfe, so E. E. M. mir gnädigst 
zuzusenden entschlossen und wie hoch dieselbe anlaufen, auch zu welcher 
Zeit ich ihrer mächtig werden könnte, gewisse und eigentliche Nachricht 
erlangen könnte. Im obersächsischen Kreise will man noch einen Con- 
vent halten und werden die Schweden und diejenigen, so sie an sich 
ziehen, alles Gutes hindern, falls E. E. M. nicht mit Nachdruck über 
ihrer gnädigsten Disposition und Verordnung halten. Die Völker, so 
E'. E. M. Chursachsen zu Folge der Bündnus schicken soll, vernehme 
ich, dass sie annoch in schlechtem Stande seien und sobald nicht ge- 
brauchet werden können. 

Ich habe sonsten in meinen Landen dergleichen Anordnung, so gut 
bei diesem Zustande möglich gewesen, gemacht, dass der Feind hoffent- 
lich keines importanten Orts sich werde bemächtigen können und bitte 
unterthänigst E. E. M. diejenigen, so dero Truppen in der Schlesien com- 
mandiren, dahin allergnädigst zu beordern geruhen wollen, dass sie, 
wann's thunlich befunden werden möchte, dass des Feindes fernere Pro- 
gresse zu hindern oder ihm Abbruch zu thun wäre, sie sich mit meinen 
Truppen coniungiren, oder zu desto besserer Defension oder Besetzung 
eines oder des andern Orts einige Mannschaft abfolgen lassen möchten. 

Der Kurfürst bittet den Kaiser, dem Ersuchen des Prinzen von Oranien 
um Unterstützung durch einen Theil der unter dem General Sporck stehenden 
Cavallerie für seinen Zug in's Bremische zu willfahren. Dass der Kaiser auf 
des Kurfürsten Bitte wegen Removirung Schwedens von der Mediation nicht 
geantwortet, hat den Kurfürsten sehr betrübt, da doch Schwedens rechtswidriges 
Vorgehen offenkundig sei. Da nun aber der König von Schweden offen durch 
das an die Reichsstände erlassene Schreiben vom 16. Dec. 1674 gesteht'), dass 
er mit Frankreich so verbunden, dass er es gegen alle Feinde schützen wolle, 
sei klar, dass Schweden nicht mehr die Rolle des Mediators spielen könne and 
der Karfürst hofft daher, dass der Kaiser neue Versuche Schwedens in dieser 
Hinsicht zurückweisen wird. 

Femer ersucht der Kurfürst den Kaiser gemäss der von ihm gefassten Be- 
schlüsse, er möge geruhen an die Stände des Reiches excitatoria zu er- 
theUen, dass sie das versprochene Duplum aufbringen und mir za 

') Die Unterredung fand bald darauf in Cleve statt. 

*) Abgedruckt unter dem Datum des 19. Dec. bei Londorp 1. c. X. 240 ff. 



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Des Kurf. Haltung. Massregeln geg. Schweden. Unterstützung Br. durch den Kaisers. 815 

Hülfe wider die Schweden förderlichst anziehen lassen mögen; 2^ scharfe 
avocatoria wider diejenige, so in schwedischem Dienste sein, allererst 
ergehen zu lassen; 3^ auch wider den König in Schweden, welcher E^ 
K. M. und dem Reich als ein Vasall mit Eid und Pflicht verwandt, 
mandata, wie in causis fractae (pacis) publicae üblich, zu ertheilen. 

Fernere Reichsdeliberationen über diesen Fall zu veranlassen wird der 
Kaiser wohl für nnnotbig erachten. Die Ehre des Reiches, die Autorität des 
Kaisers und die Bestimmungen des Bündnisses erfordern ein rasches Eingreifen 
des Kaisers, von dessen Entscheidung das Benehmen der übrigen Mächte ab- 
hängen wird. 

Es finden sich einige, die von Friedenshandelungen reden und die- 
selbe furwenden wollen, ja es seind wohl welche so boshaft, dass sie sich 
nicht scheuen auszusprengen, es wären dergleichen Tractate zwischen Schwe- 
den und mir in geheim unter der Hand. Derlei Aussprengungen haben 
gar keinen Hintergrund. Der Kurfürst betheuert, dass er mit Schweden keine 
Friedensverhandlungen gepflogen habe und spricht nochmals die Hoifouug aus, 
dass man ihn nicht verlassen werde. 

Ich trage billig Bedenken, E^ E. M. länger beschwerlich zu fallen, 
weil aber an Erhaltung guten Vertrauens und Wegräumung der Mis- 
verstände, so einige übelwollende zu erwecken sich bemühen, nicht wenig 
gelegen, so zwinget mich meine Unschuld und die Liebe zu dem ge» 
meinen Besten zu erwähnen, wie ich schmerzlich vernehmen müssen, 
samb wollten einige bei E^ E. M. die Gedanken erwecken, als wann 
ich den Entsatz von Breisach, wie auch die Retraite über die Rhein- 
brücke hätte verhindern können und diese zwar zuforderst veranlasset *). 
Welchergestalt ich mich bemühet, dass Breisach reduciret werden möchte 
und wie ich wohl allein mich darunter bemühet und niemand als E^ E. 
M. Generalmajor Schmidt, daran E. E. M. einen gar treuen Diener haben, 
mir hierunter an die Hand gegangen, wiewohl ich sehr darauf getrieben, 
könnte ich mit E^ E. M. eigener ministrorum Zeugnis beibringen. Wie 
ich auch in Zeiten, als der Feind eingebrochen, gewamet, aber nichts 
geschaffet, solches redet der unnöthige Verlust des porcischen Regiments 
und anderer schönen Truppen '). Zur Verlassung des Elsass bin ich nie 
geneiget gewesen. Es kann mein an E'. E. M. Hofe sich enthaltender 
Rath, der von Crockow, alle Moment deroselben ein Schreiben, so ich den 

') Vergl. über diese Dinge Peter I.e. 339, 355 f.; Wagner I.e. 1,359 ff,; über 
die hier erwähnten Operationen Peter I. c. 327 ff. 

^ Das PortiaVhe Regiment hatte sich nach dem Gefechte von Mu hl bansen am 
31. Dec. kriegsgefangen geben müssen, 900 Mann mit Fahnen und Gepäck: Grjmoard 
1. c. 628; Deschamps 1. c. 393 f.; Peter 1. c. 338. 



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816 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

14. Nov. 1674 an ihn gethan^ allerunterthänigst fürlegen, darin ich ihm 
nebst Anziehung verschiedener Gründe befohlen keine Einquartirung im 
Schwäbischen und daran gelegenen Kreisen bei E^ K. M., sondern allein 
die Zufuhr von Frachten aus besagtem schwäbischen Kreise und E^ K. 
M. ans Elsass stossenden Landen allerunterthänigst zu suchen. Der 
Meinung bin ich auch allezeit unverändert geblieben und hatte alle mein 
Datum darauf gesetzet, dass man im Elsass, Burgund und der Ends was 
gutes und fürträgliches schaflfen möchte. Wie aber die Armeen, so am 
Niederrheinstrom, an der Mosel und der Ends gestanden, in die Winter- 
quartier gegangen, die cond^ischen Truppen darauf zu dem Vicomte de 
Turenne gestossen und er mit grosser und vieler Mannschaft verstärket, 
ihm auch keine Diversion, warum ich eiferigst angehalten, gemachet 
worden, hergegen £^ K. M. Armee^ so in Elsass stand, so sehr abgenom- 
men, dass nicht viel über Tausend Combattanten zu Fuss dabei zu be- 
finden waren, der anderen AUiirten Truppen nebst den meinigen auch 
sehr abgenommen und der Mangel an Yivres und Fourage sich im Elsass 
fand, da ist der meisten und darunter des Duc de Boumonville, aber 
nicht meine Meinung allein dahin gegangen, dass man besser thun würde 
die Armee in die Quartiere zu führen, damit sie sich etwas refraichiren 
und gegen das Vorjahr wieder in Action treten könnte, als dass man 
sie ganz und gar bei solchem Mangel und da man gegen einem Feinde, 
der den AUiirten an Macht damaln weit überlegen, zu stehen und täg- 
lich zu agiren hätte, zu Grunde richten sollte. Ob hierin nun übel ge- 
rathen, oder auch mir allein solches zuzuschreiben, was andere gut ge- 
funden und das durch diversiones wohl hätte remediret werden können, 
davon will ich E'. K. M. höchsterleuchtetes ürtheil gerne leiden. Ich 
trage keinen Scheu, sondern befinde mich fast genöthiget, was bei voriger 
Campagne passiret, öffentlich an den Tag zu legen, allein ich mag den 
gemeinen Feinden keine Freude machen und trage zu E^ K. M. das unter- 
thänigste gute Vertrauen, sie werden dero hohen angebornen Gütigkeit 
nach denjenigen, so deroselben von mir widrige Rapport thun, keinen 
Glauben beimessen, sondern mir dieselbe in Gnaden eröffnen und mich 
darüber vernehmen. Solches ist billig und gereichet zu Hinderung alles 
schädlichen Mistrauens; ich werde auch dadurch zu allen aufrichtigen 
Gegenbezeugungen und treu gehorsamsten Diensten gegen E. K. M. mehr 
und mehr verbunden werden. Ich begehre zwar niemand zu graviren, 
wo es aber E. K. M. gnädigst begehren, will ich mit eigenen Händen 
aufsetzen, was dabei passiret. 



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Rechtfertigung des Benehmens des Eurfärsten. Bitte um Hilfe. Derfflinger. 817 

Schliesslich bittet der Kurfürst den Kaiser bei Spanien für die Zahlung 
der Snbsidien zn wirken. 



Goess an den Kaiser. Dat Schweinfart 4. März 1675. (Or.) 

[Derfflinger. Stimmung des Kurfürsten. Schwerins Haltung in der schwedischen 
Einbruchsfrage. Hollands Zweifel an Brandenburgs guter Gesinnung. Brandenburgs 
Plan der Erblichkeit der deutschen Königswürde im Hause Habsbnrg. Klagen wegen 
der Entscheidung des Kaisers in der Avocatorien- und schwedischen Mediationsan- 
gelegenheit. Unterredung des Ooess mit den Brandenburgern über die Action Branden- 
burgs gegen die Schweden. Des Ooess Sendung zum Friedenscongress.] 

Goess übersendet das Protocoll seiner mit dem Kurfürsten und Somnitz ge- 4. März, 
haltenen Conferenz»)- |: Den Derfflinger betreffend, kann denselben E'. 
K. H. niemand besser als dero Generallieutenant der Graf von Monte- 
caccoli beschreiben, dahero ich unnöthig erachte dieselbe hiemit ferner 



In dieser Conferenz vom 22. Februar stellt Goess dem Somnitz die grosse 
Bedeutung Strassburgs und die Nothwendigkeit sich dieses Passes zu versichern vor. 
Sonmits erkennt dies an, behauptet aber, diese Sache gehöre zu den Kriegsoperationen 
und es sei darüber auch in Regensburg berathen worden; man müsse daher warten, 
wozu man sich an diesem Orte entscheiden werde. Auf die Bitte des Somnitz ver- 
spricht Goess für die Erhaltung eines guten Einvernehmens zwischen Brandenburg 
und Hannover wirken zu wollen. Für das, was Goess gemäss der kaiserlichen In- 
struction wegen Abwehr der von Schweden drohenden Gefahr vorgebracht hat, dankt 
Somnitz im Namen des Kurfürsten, bringt aber folgende Bedenken vor: P. wisse 
man nicht, mit welcher Truppenzahl und mit welchem Befehle Goob nach Schlesien 
geschickt worden sei, wie gross die Truppenzahl ist, die der Kaiser von Sachsen nach 
den Verträgen zu fordern berechtigt seL Durch die Weigerung des Wiener Hofes die 
vom Prinzen von Oranien für Bremen verlangte kaiserliche Oavallerie abzusenden, 
werde diese Operation »gesteckt*. 2^. Der Kaiser gebe dem Kurfürsten keine Subsidien, 
habe solche dem Crockow noch unlängst abgeschlagen; die Subsidien zahlenden Alliirten 
verlangen aber, dass der Kurfürt bleibe, wo er ist. Ob der Kaiser verlange, dass 
Brandenburg mit seiner ganzen Armee nach seinen Ländern ziehen soll? 3®. Goess 
kenne den Stand der brandenburgischen Armee und dass dieselbe nothwendig einige 
Rast benöthige; man könnte endlich einen Theil detachiren und mit Coob gemeinsam 
agiren lassen; der Kurfürst habe noch 13000 Pferde in Brandenburg und könne 3 
bis 400 Mann zu Fuss aus den Festungen nehmen. 

Goess antwortet ad I. Er habe bereits über die Stärke und Ziele der coobi 
Expedition berichtet; wie zahlreich die sächsischen eigenen Auxiliarvölker 
werden, wisse Goess nicht genau, der Kaiser rechne darauf, dass die bi 
burgischen und sächsischen Auxiliarvölker über 20000 Mann betragen y 
Ad U. Subsidien vom Kaiser bei den grossen Lasten, die er ohnehin zu trage 
fordern, gehe nicht an. Im übrigen betont Goess die Nothwendigkeit, dass s, 
Kurfürst gegen die in sein Gebiet eingefallenen Schweden mit grosser Kraft 
Ad in. Man müsse so stark als möglich den Seh ^treten. Goess 

Mater. %. Gesch. d. O. Karf&rtten. ZIV. 2. 52 



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818 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

aufeahalten. Er hat sich seither nichts geändert, nisi forte in peius . . . 
auch habe ich nicht verspüren können, dass die kaiserliche Gnad, so 
E. K. M. ohne sein Verdienst ihme in vergangenen Jahr erwiesen, im ge- 
ringsten gefruchtet. Seine Amotion belangend, hanc Optant fere omnes 
boni, dann man haltet ihn gar nicht capace zu solcher Charge und seind 
im üebrigen seine Untugend genugsam bekannt. Der Churforst solle, 
wie man mir für gewiss sagt, von allem gar wohl informirt sein; man 
kann dannoch nit verspüren, dass er resolvirt einen andern zu machen, 
worin nit die geringste Difficultät ist, dass man ihme einen andern an 
seine Stell, der Churbrandenburg angenehm und den sie praeferiren 
möchten, vorzuschlagen. Alle unpassionirte erkennen, dass der Fürst 
von Anhalt ohne Gleichnus Brandenburg besser anstehen würde, aber 
diese scheinen nicht persuadirt zu sein, unangesehen der Fürst alle Satis- 
faction bei seiner Statthalterei gebe. Somnitz rechnet auf die Zasammen- 
konft des Kurfürsten mit dem Prinzen von Oranien, der schon informirt ist and 
von Schwerin, Blaspeil und anderen noch besser informirt werden kann. Ich 
kann bis dato nicht vermerken, dass Brandenburg in einige Tractaten 
mit Frankreich oder Schweden begriffen, noch auch darzu incliniren 
sollen, sondern sie lassen vielmehr eine starke Animosität vermerken 
und Begierde sich zu revangiren verspüren. Ohne ist nit, dass wann 
man's deroselben nicht nach ihren Sinn macht, sie zuweilen heraus- 
brechen und sagen, dass sie andere consilia werden ergreifen müssen. 
Diese aber will ich glauben, dass es mehr Impatientien als intentiones 
seind. Sie sagten mir vergangenen Tagen, dass ihre avantageuse con- 
ditiones offerirt würden — welches mich mehr stutzen machen würde, 
wann ich's glaubete — , dass sie aber dieselbe nie annehmen, sondern 
beständig bei der Partei verbleiben wollten; sie zeigen vielmehr zu sorgen. 



femer des Kaisers Forderung, dass der fränkische Kreis möglichst Terschont bleibe, 
zu rechtfertigen, worauf Somnitz meint, der Kurfürst habe gehofft, der Kaiser werde 
den fränkischen Kreis anweisen, dem kurfürstlichen Heere, das um des Reiches 
Willen ausgezogen sei, aufzuhelfen. Was Goess wegen der Avocatorien vorbringt und 
über des Kaisers deswegen mit den Ständen zu Regensburg gepflogenen Berathungen, so- 
wie wegen nicht alsofort geschehener Amotion der Schweden von der Mediation, hat 
nicht angenommen werden wollen; man hätte in der Sache der Stadt Bremen solche 
Umschweife nicht bedurft; ein Zweifel an Schwedens feindlichen Absichten sei nicht 
möglich. Goess betont, dass man am kaiserlichen Hofe über die Ziele der schwedi- 
schen Politik im klaren sei; die Frage sei allein, wie man sich dabei zu yerhalten 
habe. Wenn man gleich anfangs, da alles in der Mark Brandenburg im schlechten 
Stand war und die Herre weit entfernt standen, hätte losgehen wollen, hätte die Sache 
dadurch eher schlechter als besser sich gestalten müssen. 



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Brandenb. Haltung. Schwerin. Erblichkeit der deutschen Krone im Hause Habsburg. 819 

dass die Holländer allzusehr sich nach dem Frieden sehnen und seie 
ihre Reis und Unterredung mit dem Prinzen von Oranien zuforderist an- 
gesehen, solche Gedanken, wann einige da wären, zu divertiren. Qoess 
übersendet das ihm von Schwerin zugekommene Schreiben ^). E. E. M. können 
daraus sehen, wie er über dieses Werk raisonirt. Es wollen zwar einige 
vermathen, dass er Brandenburg einige zum Accommodement zielende 
consilia suggeriren möchte, in welchem Falle dasienige, was er von der 
Impatienz meldet, dahin zu deuten wäre, damit die Sach durch einige 
geschwinde Action nicht vnlnerirt und das Accommodement um so viel 
schwerer gemacht würde. Wie ich ihn aber kenne, so werd er nit leicht 
bei einer so heiklichen Sach und darin Brandenburg sich so sensible 
zeigen^ einige deroselben Intention und Inclination zuwiderlaufende consilia 
an die Hand geben. Auch in Holland, wie mir der Eramprich schreibt, 
dubitire man an Brandenburgs Beständigkeit bei der Party, unangesehen 

der so starken durch den Romswinckel thuenden Contestationen ') 

Als I. Ch. D. gehört, dass I. E. M. die Eaiserin gross Leibs, haben sie 
eine sonderliche Freud darüber gezeigt und zum andernmal die Dis- 
curs mit mir angehebt, wann Gott E^ E. M. männliche Successioti geben 
sollte, man dahin zu trachten, dass die römische Eron auf dero descen- 
dente perpetuirlich und erblich käme. Sie wollten die erste sein das 
Werk zu poussiren und hieltens nit für impracticabel, vermeinten auch, 
dass sie ihrer Posterität besser hierdurch vorsehen würden, als wann 
man bei der freien Wahl allzeit in Ungewissheit und denen Factionen 
unterworfen bleiben müsste. Ich lasse nun dahin gestellt sein, mit was 
vor Intention sie mir dieses gesagt, habe unterthänigst Dank gesagt . . . 
und im übrigen insinuirt, dass wann wir diesen Erieg mit tapferer Re- 
solution ausfuhren und Gott die gerechte Waffen segnen werde, hierdurch 
die Bahn zu viel andere gute Ding könnte gemacht werden.:) Sachsen 
und Hannover zielen auf Beilegung des brandenburgisch-schwedischen Conflictes. 
Unter den in protocollo enthaltenen Punkten hat man hier die grösste 
Mis Vergnügung, in dem so die Avocatorien und Amotion der Schweden 
von der Mediation betrifft, darüber ich seither noch unterschiedliche 



^ Schwerin an Goess. Dat Cleve 4. Febr. 1675. (Copie.) 

. . . „Quant a riDvasion des Suedois, je crois, qn^avec le temps ils 8*en pounoient 
repentir, mais je crains fort, que par nostre impatience nous empirions le mal, les 
grandes affaires ne se fönt Jamals a la haste; la ruine du pays ne peut pas estre 
evit^ quand mesme toutes les arm^es seroient prestes de nous secourir. 

3) Ueber Romswinckels Thätigkeit Urk. u. Act. III. 455 ff. 

52* 



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820 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

Klagte gehört; auf was ich vorstelle, dass es so besser und es ihnen 
selbst nützlicher, antworten sie, dass sie diesem von uns vermeinten 
beneficio gern renunciiren. Wegen des Marsch mit der Armee nach den 
churbrandenburgischen Landen werd wohl nichts daraus ehe und bevor 
die vorhabende Unterredung mit dem Prinzen von Oranien geschehen 
und die operationes concertirt. Als I. Ch. D. vergangenen Tagen klagen 
wollten, als wären wir nit prompt gnug dieselbe zu assistiren, fragte ich 
sie, ob sie dann vergessen, was ich deroselben und auch dem von Som- 
nitz proponirt; tantum abesse, dass wir diejenige wären, so I. Ch. D. 
zur Action mit Erbietnng unsers und anderer Völker Secours stimulirten. 
Einer unter ihnen antwortete mir, dass dieses von uns allein geschähe, 
damit wir S'. Ch. D. Armee aus diesem fränkischen Kreis wegbringen 
möchten. Sie liessen sich vernehmen, dass sie, wann sie mit der übrigen 
Armee nach ihren Landen zugehen werden, ein Corpo von 6000 Mann 

wollen dieser Orten und am Rhein lassen Des Goess Gesundheits- 

zustand lässt nicht zu, dass er den Kurfürsten auf der Reise nach Giere be- 
gleite. 

In einem zweiten Schreiben vom selben Datum dankt Goess für das ihm 
gemachte Anerbieten als Abgesandter zum Friedenscongress zu gehen, bittet 
aber in Berücksichtigung seines schlechten körperlichen Zustandes jemand an- 
dern für dieses Amt ausznersehen. 



Der Kaiser an den Kurfürsten, Dat Wien 7. März 1675. 

(Conc.) 

[Vorgeben des Kaisers gegen Hamburg und Strassburg. Quartierfrage. Unterstätzung 

des Kurfürsten.] 

7. M&rz. ^^^ Klagen Brandenburgs über Hamburgs und Strassburgs schlechtes Be- 

nehmen hat der Kaiser vernommen und findet, dass Brandenburgs Forderung 
eines strengen Vorgehens gegen Hamburg gerechtfertigt ist. Da aber Gefahr vor- 
handen ist, dass ein allzu strenges Vorgehen die Stadt Hamburg den Schweden 
ganz in die Arme treiben würde, ist der Kaiser dafür, vorerst mit den alier- 
strengsten Massregeln auszusetzen, doch hat er der Stadt befohlen, die Fran- 
zosen abzuschaffen und das, was des Kaisers publicirte mandata avocatoria mit 
sich bringen, zu thun und zugleich seinem Residenten daselbst, dem Reichs- 
hofrathe Rondeck, Befehl ertheilt, der Stadt zu remonstriren, dass im Falle die- 
selbe des Kaisers Begehren nicht erfüllen sollte, Dänemark und Holland sich 
bewogen fühlen dürften, Repressalien gegen die Stadt zu gebrauchen. Auch 
wegen Strassburgs wird der Kaiser Vorkehrungen treffen, er hat zu diesem 
Behufe bereits an Georg Wilhelm von Braunschweig und an den Markgrafen 



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Der Kaiser gegen Hamburg und Strassburg. Quartierfrage. Derfflinger. 821 

von Baden gesehrieben, sie mögen wegen Verwahrung des Passes über die 
Rheinbrücke zu Strassburg das nothwendige vorsehen*). 

Vom selben Tage datirt ein zweites Schreiben, in welchem der Kaiser den 
Karförsten ersucht, mit Rücksicht auf die von Seite der fränkischen Stände 
eingelangten Klagen über allzu grosse Belastung durch des Kurfürsten Truppen, 
aaf Mittel und Wege zu sehen, wie dem abzuhelfen sei und wie ein Theü der 
brandenburgischen Truppen in andere Kreise gelegt werden könnte. 

In Erwiderung des kurfürstlichen Schreibens vom 8. Februar verpricht der 
Kaiser (d. d. 10. März 1675 Conc.) alles zu thun, um den Kurfürsten zu unter- 
statzen, das nähere dürfte der Kurfürst nächster Tage erfahren, doch hoflft der 
Kaiser, dass auch der Kurfürst treu bleiben und mit niemandem Particularver- 
träge schliessen werde. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 9. März 1675. (Conc.) 

[Abmarsch der kurfürstlichen Truppen. Derflflinger. Reichstag zu Gothenburg.] 

Goess soll noch femer auf den Abmarsch der kurfürstlichen Truppen und 9. März. 
auf volbtändige Evacuirung Schweinfnrts dringen, zu erfahren trachten, 
wie sich der Kurfürst zur Entlassung Derfflingers stellt und die Absendung 
eines brandenburgischen Bevollmächtigten nach Moskau fSrdem. Die von 
Brandt vorgeschlagene Sendung zum Reichstage in Gothenburg hält der Kaiser 
für unnothig und unnützlich, da Brandt bereits Schweden verlassen hat und 
die Sache ohne dem bald zum Bruche kommen wird. Goess soll darauf achten, 
dass gute Ordnung in den Quartieren gehalten wird. 



Goess an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 12. März 1675. (Or.) 

[Vorsorge für Strassburg und die yorderosterreichisehen Länder. Des Pftlzers Er- 
klärungen. Reise des Kurfürsten nach Cleve. Sächsische VermitteiungSTOrscbläge. 
Verhandlungen des Kurfürsten mit Kosboth.] 

Goess hat, als er wegen Strassburgs und der vorderosterreichischen Länder 13. März, 
mit dem Kurfürsten gesprochen, bemerkt, dass der Kurfürst die Sorge für diese 
Dinge den Kreisvölkem und den Truppen der näher gelegenen Allürten über- 
lassen wolle. 

Von Kurpfalz hat Goess Schreiben erhalten, worin der Kurfürst von der 
Pfalz die Vereinigung der kaiserlichen und der Reichsvölker für den nächsten 
Feldzng empfiehlt, weil dadurch die Reichsvölker zu besserer Action genöthigt 
werden würden. 

In einem zweiten Schreiben vom selben Datum meldet Goess, dass der 
Kurfürst nach Cleve aufgebrochen sei. Der von Sachsen zum Brandenburger 



^ Ueber die Verhältnisse Strassburgs in dieser Zeit Legrellc, Louis XIV. et 
Strasbourg (1881) 161 ff.; Lorenz und Scherer, Geschichte des Elsasses d70ff. 



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822 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

gesendete BevollmSchtigte Kosboth hat die Mediation Sachsens zwischen Schwe- 
den und Brandenbarg offerirt, die Unmöglichkeit die geforderte Unterstötzang 
zu leisten betont und geklagt, dass einige Lehensleate des Kurfürsten von 
Sachsen durch die Einquartierung zu sehr zu leiden haben. Bezüglich der Me- 
diation fragte der Kurfürst den Kosboth, ob der Churfürst, sein Herr, wann 
er eine Maulschellen bekommen, also darmit vorlieb nehmen und die 
propositiones von Vergleich sofort anhören würde. Die Forderung um 
Hilfe wurde wiederholt, die Einquartierung mit dem Ruine der brandenburgi- 
sehen Länder entschuldigt. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat Wien 15. März 1675. 

(Conc.) 

[Bereitwilligkeit des Kaisers den Kurfürsten zu unterstützen. Quartierfrage.] 

15. März. Dass der Kurfürst in seinem Schreiben vom 4. März die Verdienste des 

Kaisers anerkennt, freut diesen sehr; er ist auch bereit alles, was in seiner 
Macht steht, zu thun, um Brandenburg gegen Schwedens Einfall zu schützen, 
hat den kaiserlichen Gesandten in Regenshurg befohlen, die Vorschläge der 
kurfürstlichen Vertreter zu secundiren and Holland und Spanien zur schleunigen 
und pünktlichen Zahlung der Subsidien aufgefordert. Ueber die anderen Punkte 
wird der M^* de Grana berichten, der im Namen des Kaisers der Zusammen- 
kunft des Kurfürsten mit dem Prinzen von Oranien beiwohnen soll. 

Am 16^«° ersucht der Kaiser den Kurfürsten darauf zu sehen, dass des 
Herzogs Johann Georg zu Sachsen-Weimar Länder durch Einquartierungen nicht 
beschwert werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 19. März 1675. (Or.) 

[Urtheil des Goess über die Gründe des Vorgehens des Kurfürsten in der schwedi- 
schen Frage. Derfflinger. Gefahr für Mainz.] 

19. März. Dass I. Ch. D. die Schweden näher nach Schlesien kommen lassen, 

welches gleichwohl der mit E'. K. M. obhandenen foederura zuwider, ist 
zwar bedenklich, aber noch mehr zu verwunderen, dass sie dieselbe so- 
lang in dero Landen stehen und ohne einzige Bewegnus ganz ausfressen 
und verbergen lassen. Ob nun zwar allerlei iudicia darüber fallen und 
bei vielen der Verdacht erwecket werd, samb man diesem Unheil mehr 
durch einigem Accommodement als mit eigenen und der Confoederirten 
Waffen abzuhelfen gedenke, so praesumire ich doch von P. Ch. D. Gene- 
rosität und tapferen heroischen Gemüth dergleichen nit, sondern dass sie 
etwa darfür halten mögen, dass bisnoch die Sach nit in statu es zu 
änderen, das Werk vorher besser gefasst, ihre Völker etwas refraichirt 



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ünterstotznng des Kurfarsten. Brandenburg und Schweden. Mainz. 823 

und recratirt, die operationes allerseits concertirt und in specie die Trac- 

taten mit Dänemark völlig aggiustirt müssen werden Beznglicli der 

Absetzung Derfflingers schreibt Grana, dass er caute vorgehen und sich nicht 
praecipitiren werde. Wegen üeberlassung der Truppen, die etwa von den 
Kreisständen abgedankt wurden, an den Kaiser wird Goess Vorsorge treffen. 
Beanruhigende Mittheilungen über die Gefahr, in der Mainz sich befindet, sind 
eingelaufen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 23. März 1675. (Or.) 

[Zusammenkunft in Cleve. Anhalt und Der£flinger. Sicherung von Mainz.] 

Goess besorgt, dass bei des Granats Ankunft in Cleve die Unterredung schon 23. März, 
beendigt und der Prinz von Uranien bereits abgereist sein werde. |: Des 
Kaisers Vorschlag, dass der Fürst von Anhalt an die Spitze der brandenburgi- 
schen Truppen gestellt werde, hält Goess nicht für durchführbar, weil es scheint, 
dass der Kurfürst den Derfflinger vornehmlich deswegen begünstige, damit 
Anhalt nicht die Führung erhalte. : | Da Mainz in grosser Gefahr ist, hält Goess 
es für zweckmässig, 1000 Mann von den Reichsvölkem als Garnison nach 
Mainz zu legen, natürlich nur mit Einwilligung des Kurfürsten von Mainz. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Cleve 15./25. März 1675. 

(Or.) 

[Klagen über das Vorgeben des obersachsischen Kreisconventes. Fränkische Quartier- 
frage.] 

Der Kurfürst beklagt sich über die zu Leipzig seitens des dort versammelten 25. März, 
obersächsischen Kreisconventes gegen ihn gerichtete Parteilichkeit, übersendet 
sein in dieser Angelegenheit an Kursachsen gerichtetes Schreiben') und über- 
lisst es dem Kaiser in dieser Angelegenheit zu thnn, was er wolle. 

Vom selben Tage datirt ein zweites Schreiben, in welchem der Kurfürst 
als Antwort auf des Kaisers Schreiben wegen der Klagen des fränkischen 
Kreises über die Einquartierung berichtet, dass er sich mit den meisten Ständen 
verglichen habe und die Excesse bestrafen werde. Doch bittet er den Kaiser, 
die Stände dahin zu vermögen, dass sie von den Klagen ablassen und noch 
eine kurze Zeit die Einquartierung ertragen. 



Schreiben d. d. Cleve 15./25. März 1675. Der Reichsconvent habe, statt für 
Brandenburg gegen Schweden energisch aufzutreten, sich eher für Schweden ausge- 
sprochen; der Kurfürst verwahrt sich gegen diese Parteilichkeit. 



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824 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

Goess an den Kaiser. Dat Berlin 30. März 1675. (Or.) 

[Schwerins Urtheil aber Brandenburgs Haltung gegen Schweden. Des Goess Be- 
mühungen beim Herzoge yon Hannover.] 

30. März. Schwerin schreibt, da die Staaten so grosse Neigung zum Frieden zeigen, 

man ohne diese aber nicht operiren könne, halte er dafür, dass es angezeigt 
wäre, wenn der Kurfürst sich mit der Action gegen Schweden nicht übereilen 
würde, insbesondere da auch die übrigen AUiirten verlangen, dass diese Diffe- 
renzen in Güte beigelegt werden. Knrpfalz ersucht dringend um Hilfe. Da 
der Baron v. Eielmannsegg dem Goess aus Hannover geschrieben, dass der Her- 
zog daselbst viel Vertrauen zu Goess habe, hat er dem Herzoge geschrieben, das 
beste Mittel, einen guten Frieden zu erlangen, wäre, dass der Herzog sich mit 
dem Kaiser und mit dessen Verbündeten einige*). 



Goess an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 6. April 1675. (Or.) 

[Sicherung von Mainz und Erfurt. Berathungen in Cleve. Des Goess Ansicht aber 

die bei diesem Feldzuge zu befolgende Politik. Mainz. Des Neuburgers Verhalten. 

Friedensverhandlungen zu Nymwegen.] 

6. April. I>er Knrfürst von Trier hat 400 Mann nach Mainz zur Verstärkung der 
Besatzung geschickt; doch glaubt Goess, dass das nicht genügen wird. Auch 
hält Goess es für nöthig, dass sich der Kaiser der Stadt Erfurt versichere. 
Schwerins Bericht aus Cleve lässt erkennen, dass man die Friedensverhandlungen 
zu Nymwegen „in das weite Feld setze^; man müsse zuvor die Schweden aus 
dem Lande jagen*). Man hört noch wenig von Recrutirung und Remontirung der 
brandenburgischen Armee. Goess ist der Ansicht, man müsse in diesem Feld- 
Zuge alle Kräfte anspannen, weil die Holländer nicht mehr wie diesen Feldzug 
mitmachen dürften. Der schlechte Stand des Reiches wie auch der spa- 
nischen Monarchie sei dem Kaiser bekannt, daher es sehr zweckmässig sein 
dürfte, stark zu rüsten, einen Theil der Truppen aber für die Erblande zu 
reserviren. 

Unter dem 12. April berichtet Goess in einem P. S., dass Mainz in immer 
grössere Gefahr gerathe. Schwerin schreibt dem Goess, der Herzog von Neuburg 
habe nicht die geringste Proposition, welche auf Particularverträge zielen würde, 
gemacht, sondern blos zur Förderung des allgemeinen Friedens und des 
Waffenstillstandes unter allen Parteien gerathen. Von den Friedensverhandlungen 
zu Nymwegen hält Schwerin nicht viel. 



') Ueber Kielmaonseggs Tbätigkeit und des Hannoveraners Haltung Tergl. Puf. 
1. c. XIII. 19f. 

>) üeber die Zusammenkunft in Cleve; Sylvias I. 2, 208; ürk. u. Act. III. 457; 
Tb. Europ. XI. 790. 



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Mainz und Erfurt. Haltung des englischen Königs. Derfflinger. 825 

GoesB an den Kaiser. Dat. Schweinfurt 23. April 1673. (Or.) 

[Mainz. Schwerins Berichte aus England. Derfflinger.] 

Mainz ist in grosser Gefahr von den Franzosen genommen zu werden. 23. April. 
Goess empfiehlt dringend, Frankreich zuvorzukommen und Truppen in die Stadt 
ZQ werfen. Goess räth, man möge die Spanier, die in den Niederlanden so 
schlecht stehen, auffordern, 12 — 15 000 Mann von den Holländern zu erhandeln 
und mit diesen Truppen der Kriegsraison gemäss sive coniunctim sive separatim 
zn agiren. Aus Schwerins des Jüngeren Schreiben ist zu ersehen, dass der Konig 
von England noch immer bei seiner vorigen Inclination für Frankreich verharrt 
und räth, der Kurfürst von Brandenburg möge neutral bleiben und beim Kaiser 
dahin wirken, dass der Prinz von Fürstenberg ad rectas manus sequestrirt werde, 
ohne welche That Frankreich sich keineswegs zu Tractaten verstehen werde ^). 
Derfflinger hat den Goess seiner Treue gegen den Kaiser versichert; es scheint, 
dass der Prinz von Uranien sich Derfflinger gegenüber nicht sehr weit heraus- 
gelassen hat. Goess hat sich vom Kurfürsten schriftlich verabschiedet, da er 
nach Carlsbad reisen will. 



Goess an den Kaiser. Dat. Kloster Schwarzach 28. April 

1675. (Or.) 

[Erklärungen der fränkischen Stände. Besetzung Erfurts durch kaiserliche Truppen. 
Anhalts Klage über das Stillesitzen der brandenburgischen Truppen.] 

Die fränkischen Stände haben nach langem Zögern auf Zureden des Goess 28. April, 
und des Bischofes von Bamberg') sich zur Leistung des „Duplum** bereit er- 
klärt, doch fordern sie, dass diese Völker nur zur Defension des Kreises ge- 
braucht werden sollen. Aus den Gesprächen mit Jodoci hat Goess wahrgenom- 
men, dass der Kurfürst von Mainz im Nothfalle kaiserliche Truppen in Erfurt 
aufnehmen werde, in jedem Falle aber auch selbst festen Fuss daselbst behalten 
wolle. Der Fürst von Anhalt hat sich in einem Schreiben an Goess über das 
lange Stillesitzen der brandenbnrgischen Armee beklagt. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Cleve 20./30. April 1675. 

(Or.) 

[Bedenken des Kurfürsten gegen die am Kreistage zu Lüneburg geplanten Vorgänge.] 

Der Kurfürst hat das Ausschreiben zum Kreistage, welcher am 27. April 30. April. 
8t. V. in Lüneburg beginnen soll, erhalten. Er hat nun wahrgenommen, dass 



Für Schwerins des Jüngeren Schreiben aus Engl, vergl. Orlich, Schreiben Otto's 
von Schwerin aus England von 1674—1678. Berlin 1837. 
*) Petrus Philipp von Dembach. 



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826 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

nicht allein der König von Schweden als Herzog zu Bremen sich das Direc- 
torium anmasse, sondern dass anter den Berathungspunkten an achter Stelle 
erwähnt wird, dass die Holländer eine feindliche Invasion in's Herzogtham 
Bremen vorhaben sollen*), und* dass daher darüber deliberirt werden solle, 
wie man am besten diese Invasion verhindere. Da nun Schweden in's Reich 
eingefallen, kann der Angriff auf das bremische Qebiet durchaus nicht eine 
Invasion genannt werden, femer gehört die Berathung von derlei Dingen nicht 
auf den Kreis- sondern auf den Reichstag. Der Kurfürst hat sich wegen 
dieser Umstände auch nicht entschliessen können den Kreistag zu beschicken, 
hat vielmehr dem mitausschreibenden Fürsten Georg Wilhelm von Braunschweig- 
Lüneburg dies mittheüen und denselben dringend um Streichung dieses Punktes 
aus der Proposition ersuchen lassen und bittet den Kaiser auch mit allen 
Mitteln in diesem Sinne zu wirken^). 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Laxenburg 12. Mai 1675. 

(Conc.) 

[Marsch der schwedischen Truppen.] 

12. Mai. Der Kurfürst wird bereits erfahren haben, dass die schwedischen Völker 

aus den Quartieren aufgebrochen und zum Kampfe entschlossen sind. Der 
Kaiser hofft, dass der Kurfürst in seinem eigenen, wie im Interesse des Reiches 
ohne Verzug gegen die Schweden vorrücken und sich ihrem Vormarsche wider- 
setzen wird. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Lippstadt 16./26. Mai 1675. 

(Or.) 

[Marsch der kurfürstlichen Truppen. Bitte um entsprechende Befehle an Coob und 

um Forderung der Subsidienzahlungen seitens Spaniens und Hollands. P. S. Neue 

Verheerungen der Schweden.] 

26. Mai. Der Kurfürst erwidert auf das Schreiben des Kaisers vom 12. Mai 1675, 

er wäre gerne früher gegen die Schweden aufgebrochen, allein die im Haag 
geführten Verhandlungen hätten erst zum Abschlüsse gebracht werden müssen ') 
und thut mir leid goug, dass man mich darin an die 14 Tage mit 
meinem höchsten Unwillen trainiret und aufgehalten, da ich vermeinet, 
dass bereits das meiste vorher abgethan sein und ich über 2 Tage mich 
daselbst nicht würde aufhalten dürfen. Da dieses aber jetzt erledigt ist, 



') lieber die Verhandlungen der A Härten bezüglich Bremens Puf. 1. c. XIII. 48. 

*) Vergl. Th. Eur. XI. 716 f.; der Kreistag verlief ohne die befürchteten Folgen. 

^ Ueber die Verhandlungen im Haag Droysen 1. c 111.^522; Urk. u. Act III. 

457 ff.; Orlich 1. c. II. 154; lU. 233; Th. Europ. XI. 717, 792. 



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Läneburger Kreistag. Bitte desKurf. an den Kaiser um Hilfe. Zöge der Schweden. 827 

hat der Knrforst seinem Generalfeldmarschall >) Ordre ertheilt, mit der Armee 
aufsubrechen , die anch bereits im Marsche begriffen sein durfte; der Kar- 
fürst selbst wird in wenigen Tagen zur Armee eilen. Es wird aber höchst 
nöthig sein und ersuche ich E. K. M. darum gehorsamst, dem General 
Coob UDverlängert allergnädigste Ordre zu ertheilen, dass er, wenn des 
Fürsten vod Anhalt L'^®". es begehren werden, mit seinem unterhabenden 
Corpo von 10000 Mann zu derselben stossen und ferner an mir wegen 
dessen, was vorzunehmen, gewiesen werden möge, damit die operationes 
gegen den Feind mit besserm Nachdruck vorgenommen werden können. 
Es erfordert solches nicht allein der im Haag genommene Schlnss, son- 
dern ich habe auch gewisse Nachricht aus Dänemark, dass der König 
nicht eher mit Schweden brechen werde, bevor £. E. M. nebst uns mit 
selbiger Krone in Action getreten, wie solches E. K. M. mit mehrem 
allerunterthänigst zu eröffnen mein Hof- und Legationsrath, der von 
Crockow, befehliget ist. Und stehet zu besorgen, dass wenn die Schweden 
nacher Holstein gehen sollten, der König in femer Ausbleibung eines rechten 
Ernstes induciret werden dürfte von der guten Partei abzutreten und sich 
mit Schweden zu accommodiren, welches in alle Wege zu verhüten. 
Daneben ersuche E. K. M. unterthänigst, dieselbe geruhen bei Spanien 
und Holland nachdrücklich zu erinnern, dass mir doch die verschienene 
und künftig fallige Subsidien richtig mögen gezahlet werden; ich habe in 
geraumer Zeit, auch bei meiner jüngsten Anwesenheit weder von Spanien 
noch Holland etwas empfangen und wollte mir aller Dinges unmöglich 
fallen bei kundbarer gänzlicher Verheerung meiner besten Lande ohne 
richtige Abtragung der Subsidien den Krieg fortzusetzen und meine 
Armee zu conserviren. 

P. S. Auch werden E. K. M. zweifelsfrei unterthänigst benachrichtiget 
sein, was gestalt die Schweden, nachdem sie die Neumark und Hinter- 
pommem ausser Stargard, so sie besetzt gelassen, quittiret, das Haus Lock- 
nitz feindlich attaquiret und selbiges zur Uebergabe gezwungen, auch dar- 
auf abermal in der Mittel- und Uckermark alles, was noch übrig geblieben, 
zu Grunde ruiniret und sich nunmehr ungescheut vor Feind erkläret'). 
Wann sie dann den bishero listiglich gebrauchten Praetext keine Feind- 
seligkeit wider mich zu verüben dadurch selber aufgehoben, als vertraue 
um so viel mehr, E. K. M. werden sowohl kraft der mit mir habenden 
AUiance, als auch dero höchsten kaiserlichen Amts halber mich nunmehr 



*) Derfflinger. 

>) Carlson 1. c. IV. 604 f.; Gansauge 1. c. 32 f.; Pnf. 1. c. XUL 



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828 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674- Febr. 1679. 

länger nicht lassen, sondern dero in Schlesien stehenden Truppen Ordre 
ertheilen, sofort auf mein oder des Fürsten von Anhalt L'^^. Angesinneo 
zu meinen Truppen zu stossen und den Feind anzugreifen; auch zugleich 
bei dem Reich nunmehro es dahin gnädigst zu richten, damit Schweden 
vor Feind erkläret werden möge, wodurch dann die bei einigen deutschen 
Ständen geführte schädliche Menees werden hintertrieben und denen sämmt- 
lichen Alliirten vollkommliche Sicherheit verschaffet werden. 



Memorial Orockows an den Kaiser vom 27. Mai 1675. (Aut) 

[Bitte um Unterstützung gegen die Schweden.] 

27. Mai. Crockow dankt für die ihm von der kaiserlichen Commission gemachten Er- 

klärungen ') und bittet um Entschuldigung, dass er es nochmals wage, genaue Fest- 
setzung der Operationen gegen Schweden seitens der Alliirten zu fordern. Der 
Kurfürst wendet sich zuerst an den Kaiser, nicht allein wegen der Achtung 
vor ihm und seiner Stellung, sondern weil er weiss, dass der Kaiser am besten 
seiner treuen Dienste sich erinnern und ihn am freudigsten unterstützen werde 
und femer, weil es zweifellos sei, dass die übrigen Verbündeten sich dem fugen 
werden, was der Kaiser thut. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. „Dringelburg 4 Meilen 
von Kassel" 18./28. Mai 1675. (Aut.) 

[Bemühungen des Bischofes von Paderborn beim Bischöfe von Monster.] 

28. Mai. ^er Kurfürst ist mit dem Bischöfe von Paderborn und Coadjutor des Stiftes 

Münster') zusammengetroffen und suchte von demselben näheres über die Hal- 
tung des Bischofes von Münster zu erfahren. Da nun der Paderbomer Bischof 
erklärte, bestimmt zu wissen, dass der Bischof von Münster bisher weder mit 
Frankreich, noch auch mit Schweden oder mit Hannover engagirt sei, ersuchte 
ihn der Kurfürst, er möge seinen Einfluss geltend machen, den Bischof von 
Münster in einer <Jem Kaiser und dessen Alliirten günstigen Stimmung zu er- 
halten ; er — der Bischof von Paderborn — werde sich dadurch den Dank des 
Kaisers verdienen. Der Bischof von Paderborn verspricht mit Handschlag alles 
zu thun, was in seiner Macht steht, ersucht seinerseits den Kaiser sein kleines 
Stift, das in den letzten Jahren so schwer belastet gewesen, mit weiteren Ein- 
quartierungen zu verschonen und dem in Köln residirenden geheimen Rath 
Fischer Befehl zu ertheilen, sowohl mit ihm als mit dem Bischöfe von Münster 

^ Protocolle über Verhandlungen der kaiserlichen Räthe mit Crockow aus dieser 
Zeit liegen nicht vor; über den Verlauf dieser Verhandlungen berichtet Puf. 1. c. 
XIII. 40. 

^ Ferdinand von Färstenberg. 



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Münster. Unterstützung des Kurtörsten. Die sächsischen HilfsTolker. 829 

weiter zu verhandelD. Der Kurfärst räth dem Kaiser diese Fordening des 
Bischofes von Paderborn zu erfüllen, da der Vortheil des Münsterers sicher zu 
sein ein solches Opfer wohl werth sei^. 



Memorial Crockows. Mai 1675. (Or.) 

[Unterstützang des Kurfürsten. Die sächsischen Truppencontingente. Befehle an die 

kaiserlichen Generäle. Erlass der Avocatorien und Excitatorien. Hamburgs Vorgehen. 

Dagegen zu ergreifende Massregeln.] 

Der Kurfürst hofft, der Kaiser werde die nöthigen Befehle ertheilen, auf Mai. 
dass die Trappen in Schlesien dem gegebenen Versprechen gemäss auf 10000 
Mann verstärkt nnd instruirt werden dem Kurfürsten gegen den Feind beizu- 
stehen. Die Mittheilung der Kriegsliste hat Crockow beunruhigt, da unter den 
10 000 Mann sich 2000, nach späteren mündlichen Berichten aber sich 3000 
sachsische Truppen befinden sollen. Nun wisse man nicht, ob diese sächsischen 
Truppen gleichfalls zum wirklichen Kampfe gegen Schweden entschlossen, 
unter welchen Bedingungen sie zu marschiren bereit seien und wie lange sie 
im Felde bleiben würden. Obgleich nun der Kurfürst in die guten Absichten 
Kursachsens keinen Zweifel setzt, bittet er den Kaiser, da er doch mit ihm den 
Vertrag geschlossen, der ihm diese Hilfe sichert, zu veranlassen, im Fall 
diese 3000 Mann za der in Schlesien stehenden Armee stossen sollen, 
sich derselben dergestalt zu versicheren und mit R Ch. D. zu Sachsen 
deshalben sothanen verbindlichen Schluss zu machen , damit E. E. M. 
gedachte chursächsische Völker mit solchem Bestand als dero eigene 
S'. Ch. D. anweisen und man derselben beständiger Hülfe und vigorosen 
Operation gegen die Krone Schweden versichert sein könne. Da die 
mangelnde Subordination grossen Schaden verursacht, ersucht der Kurfürst den 
Kaiser seine Generäle an ihn absolut und wie es in der Allianz vorgesehen, 
zu weisen und ihnen Befehl zu ertheilen auf des Kurfürsten oder Anhalts 
Requisition zu den kurfürstlichen Truppen zu stossen, auch Truppen auf Wunsch 
in einen oder den anderen Ort zu legen und dem Feinde allen möglichen Ab- 
bruch zu thun. 

Der Kurfürst hofft, dass wenigstens jetzt, wo der Marsch gegen die Schwe- 
den demnächst beginnen werde, die von ihm schon längst gewünschten Schrei- 
ben ergehen werden und zwar zuforderst wider den König in Schweden 
selbst als E^ K. M. und des Reichs mit Eide und Pflichte verwandten 
Vasallen, mandata, wie in causis fractae pacis publicae üblich, zu er- 
theilen, mithin auch scharfe avocatoria wider diejenigen, so in schwedi- 
schen Diensten sein, ergehen zu lassen*), auch die Stände des Reichs 

Vergl. das Schreiben des Kurfürsten an Schwerin bei Orlich 1. c. 111. 240 f.; 
Droysen I. c. IH., 523; Puf. 1. c. XIII. 21. 

^ Vergl. die diesbezüglichen Schreiben bei Pachner 1. c. I. 836 ff. 



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830 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

sammt und sonders durch nachdrückliche excitatoria dahin anzumahnen, 
damit dieselbe das „duplum*^ aufbringen und solches S^ Ch. D. zu Hülfe 
wider die Schweden förderlichst anziehen lassen. Der Kurfürst dankt 
dem Kaiser für die im Interesse der guten Sache bezüglich Hamburgs unter- 
nommenen Schritte; leider sind dieselben ohne Erfolg gewesen, da daselbst der 
französische Resident *) sich noch immer aufhält, die französischen Wechsel aus- 
gezahlt und von den französischen und schwedischen Vertretern') in pemiciem 
imperii nicht allein die consilia geschmiedet, sondern auch die Mittel zu der- 
selben Vollziehung verschafft werden. Der Kurfürst bittet daher den Kaiser 
nochmalige und schärfere Schreiben an Hamburg zu richten und der Stadt jeden 
Verkehr mit den beiden Kronen zu verbieten. 

Auch an Lübeck und Bremen, von welchen Städten die Schweden das 
ihnen mangelnde Salz zu erhalten hoffen, möge der Kaiser Inhibitorialschreiben 
ergehen lassen. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Laxenburg 1. Juni 1675. 

rConc.) 

[Grana*8 Erklärungen über des Kurfürsten Gesinnung.] 

1. Juni. ^^^ M** de Grana hat des Kurfürsten tapfere und grossmüthige Rathschläge 

nicht geuug rühmen können, ebenso die grosse Treue, mit welcher der Kurfürst 
dem Kaiser und dem Reiche zugethan sei und die Entschlossenheit, mit der er 
den drohenden Gefahren entgegen gehen will. Der Kaiser dankt dem Kurfürsten 
für air das, ersucht ihn seine Person keiner Lebensgefahr auszusetzen und 
wünscht ihm besten Erfolg. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat Laxenburg 6. Juni 1675. 

(Conc.) 

[V^erbandlungen mit dem Bischöfe von Monster.] 

6. Juni. Der Kaiser hat das Schreiben des Kurfürsten vom 18./28. Mai erhalten und 

bekennt, dass er schon seit langem es für ein der allgemeinen Sache höchst 
vortheilhaftes Unternehmen gehalten den Bischof von Münster zu gewinnen und 
dass er zu diesem Zwecke schon im Vorjahre mit dem Bischöfe Verhandlungen 
angeknüpft habe, die aber in^s Stecken gerathen seien. Der Kaiser billigt ganz 
den Plan des Kurfürsten sich die Hilfe des Bischofes von Paderborn zu 
sichern, hat auch an seinen Rath Fischer neuerdings Befehl gesendet, dahin zu 
wirken, dass der Bischof von Münster sich zur Stellung eines Corps von wenig- 
stens 9000 Mann verpflichte; der Kaiser ist bereit was in seiner Macht steht 
zur Befriedigung des Bischofes von Münster beizutragen. Der Kaiser ersucht den 



>) Bidal. 

^ Bidal und Grafentbai. 



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Verbandluiigen mit Münster. Massregeln gegen Schweden. 831 

Koifarsten auch seinerseits weiter alles beizutragen, um den Bischof für die 
Sache der Alliirten zu gewinnen. Die Bitte des Paderbomer Bischofes wegen 
Verschonung mit Einquartierung wird der Kaiser berücksichtigen, insbesondere 
wenn der Vertrag mit Münster zustande kommt'); in diesem Falle verpflichtet 
sich der Kaiser das münsterische und paderbomische Gebiet nicht mehr mit 
seinen Truppen zu beschweren. 



Votum vom 8. Juni 1675 betreffs der avocatoria und dehor- 
tatoria an Schweden und Erklärung Schwedens als Reichsfeind. 

(Conc.) 

Am 8. Juni haben die Minister berathen, ob man den Wünschen des Kur- 8. Juni, 
fnrsten, die Jena in Regensburg und Croekow in Wien geäussert haben, Folge 
leisten und nicht nur avocatoria und dehortatoria an Schweden ergehen 
lassen, sondern auch Schweden öffentlich für einen Reichsfeind erklären solle. 
Da nun von Reichswegen in Regensburg kein Schluss erfolgt ist, es auch 
zweifelhaft ist, was die Verbündeten, insbesondere Dänemark, thun werden und 
auch zu besorgen stehe, dass bevor noch die brandenburgischen Truppen aus 
Franken aufbrechen, die Schweden schon in's Magdeburgische eingerückt sein 
durften, da femer zweifelhaft ist, was Sachsen thun wird und man bereits 
wiederholt die Ansicht geäussert hat, man möge sich kaiserlicherseits zurück- 
halten, bis man der Alliirten allseitiger Cooperation versichert, endlich aber, da 
man den Schweden bei der Versammlung im Haag zur Quittirung der kur- 
brandenburgischen Lande den 15. Juni als Endtermin angesetzt, sind die Räthe 
der Ansicht, dass man vorerst etwas an sich halten soll. Unterdessen hat man 
ein Votum verfasst, das die österreichischen Vertreter in Regensburg abgeben 
sollen, wenn Brandenburg dort die schwedische Sache vorbringt Grockow, dem 
man es vorgelesen, fand es etwas zu glimpflich. Doch sind die Räthe dafür, 
dass man nicht zu den extremen Massregeln greifen solle, solange noch Hoff- 
nung auf Besserung Schwedens vorhanden sei und es daher bei dem Votum 
lassen solle, jedoch sich vorher erkundigen möge, was die übrigen Fürsten in 
diesem Punkte zu thun gedenken. Dem Jena ist zu rathen, ein neues Memorial 
zu dem alten zu verfassen und in demselben der Wegnahme des Passes Löck- 
nitz durch die Schweden insbesondere, als einer dem ganzen Reich gefährlichen 
That, Erwähnung zu thun. Die kaiserlichen Minister im Reiche sollen aufgefordert 
werden die Sache Brandenburgs überall zu unterstützen. 

Berathen den 8. Juni 1675, praesentibus Schwarzenberg, Hocher, Königs- 
egg, Fürstenberg, Oettingen, Abele und Högell. 



^ Der Vertrag wurde am 7. Juni 1675 geschlossen; die Ratification des Kaisers 
erfolgte erst am 7. Sept. 1675; yergl. Dumont 1. c. Vll.i 295 f.; Tücking I.e. 238. 



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832 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Wien 15. Juni 1675. 

(Copie.) 

[Befehle an Coob. Rathschläge bezüglich der Operationen.] 

15. Juni. Der Feldmarschalllieutenant Coob hat dem Kaiser berichtet, vom Kurförsten 
zur Fortsetzung des Marsches und zur Coniunction aufgefordert worden zu sein. 
Der Kaiser hat darauf Coob aufgetragen, sogleich gegen die Elbe hin zu ziehen, 
des Kurfürsten Länder auf dem Marsche so viel als möglich zu schonen, 
während des Marsches die Truppen Sachsens an sich zu ziehen und, wenn es 
sicher geschehen kann, sich mit dem Kurfürsten zu verbinden. Im übrigen 
gibt der Kaiser dem Kurfürsten zu bedenken, ob es nicht besser und sicherer 
wäre, den mit dem M'* de Grana getroffenen Vereinbarungen gemäss^) die 
Operationen fortzusetzen, zumal durch die dort beschlossenen Massregeln des 
Kurfürsten und des Kaisers Länder besser gedeckt werden würden und es 
auch dem Kurfürsten nicht angenehm sein könnte, wenn durch die weite Ent- 
fernung der Truppen Schlesien und die angrenzenden österreichischen Länder 
der grössten Gefahr ausgesetzt würden. Endlich zweifelt der Kaiser nicht, dass 
der Kurfürst dem Coob, falls dieser von Schweden angegriffen werden sollte, 
zu Hilfe eilen und sich Schlesiens annehmen werde. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Hauptquartier zu Hollen- 
stedt 7./17. Juni 1675. (Or.) 

[Lage Lübecks. Nothwendigkeit der Sicherung dieser Stadt] 
17. Juni. E. E. M. unterthänigst zu hinterbringen finde ich mich verpflichtet, 

was massen die Stadt Lübeck io gar schlechten Zustand und nur mit 
einer Garnison von 400 Mann, auch sonst übel versehen, weshalb dann, 
bei jetzigen Conjuncturen, auf die Conservation dieses so importanten 
Orts zu gedenken. Wann die königlich dänemärkische Auxiliarvölker 
auf dem deutschen Boden ständen, möchte die Stadt dadurch bedecket 
werden; jetzo ist sie selbst nicht wohl versehen und könnten die Schwe- 
den sich leicht dem Orte nähern. Mit der Stadt möchte am besten 
sein das Werk zu überlegen und stelle demnach E^ K. M. Resolution 
anheim durch wem oder welchergestalt sie solches an sie wollen bringen 
und mit derselben daraus bereden lassen, auch endlich mit Nachdruck 
darin verordnen wollen. 



») Vergl. ürk. u. Act. III. 458 ff. 



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Coob. Labeck. Vorgehen gegen Schweden. 833 

Memorial Crockows an den Kaiser. Dat. Wien 18. Juni 

1675. (Or.) 

[Vorgehen gegen Schweden. Kriegsvorbereitungen.] 

In Erwägung der drohenden Gefahr und der wiederholten Versprechungen 18. Juni. 
des Kaisers bittet Crockow nochmals, der Kaiser möge die Execution des Reichs- 
schiasses vom 7./17. Jan, 1675 betreffend die Garantie der kurbrandenburgischen 
Länder in's Werk setzen helfen, excitatoria an die Stände, avocatoria an die 
Krone Schweden und an den König von Schweden selbst, als Vasallen, so 
ergehen lassen, wie es in causa fractae pacis publicae gebräuchlich ist *). Ferner 
bittet der Kurfürst den Kaiser inständigst, dahin zu wirken, dass Dänemark die 
Action beginne, mit dem Kurfürsten über die Disposition der Armeen zu be- 
rathen, die Armee in Schlesien auf 10000 Mann zu verstärken, da die 1500 
Reiter Sachsens nicht zur Armee stossen werden, in die nächstgelegenen kur- 
brandenburgischen Plätze Volk zu legen und in Böhmen und Schlesien Magazine 
anzulegen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Prag 26. Juni 1675. (Aut.) 

[Reise zum Kurfürsten. Die kaiserlichen Hilfstnippen.J 

Sein körperlicher Zustand gestattet dem Goess nicht dem kaiserlichen Befehle 26. Juni, 
gemäss sich sogleich zum Kurfürsten von Brandenburg zu begeben *). Von An- 
halt hat Goess Brief erhalten, in welchem Anhalt erwähnt, mit welcher Span- 
nung und Ungeduld man der Goniunction Coobs mit den brandenburgischen 
Truppen entgegen sehe. Ueberaus wichtig wird es, wie Goess meint, sein, für 
die richtige Durchführung des Proviantwesens auf der Elbe zu sorgen. 



Votum über die Conferenz vom 28. Juni 1675 zwischen 

Hocher, Abele und Crockow in puncto satisfactionis von 

Schweden. (Conc.) 

[Crockow betont die Nothwendigkeit der Kriegserklärung und eines energischen Vor- 
gebens gegen Schweden. Satisfactionsansprüche des Kurfürsten. Anerbieten einer 
Allianz mit dem Kaiser und Spanien. Jägemdorf. Hochers Erwiderung. Crockows 

Entgegnung.] 

Der Kaiser weiss, dass Crockow wiederholt begehrt hat, der Kaiser möge 28. JunL 
gemäss den Beschlüssen, die im Haag gefasst worden, am 15. Juni 1675 den 
^eg gegen Schweden erklären lassen, ferner wegen der Coniunction der 
Waffen und der Reichstagsproposition etwas bestimmtes mit ihm schriftlich ah- 

Die kaiserlichen Inhibitorial- und Avocatorialscbreiben sowie die Poenal- 
schreiben ergiengen denn auch am 19. Juni resp. 6. Juli; Pacbner I.e. 1.841 ff.; 
Londorp I.e. X. 360ff. 

*) Weisung d. d. Wien 15. Juni 1675. Copie. 

Mater. %. Oeteh. d. G. Karfuret«!!. XIV. 2. 53 



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834 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

machen und Holland wie Spanien zur Zahlung der Subsidien an Brandenburg 
ermuntern *). Bei Hocher fand darüber am 28. Juni eine Conferenz statt, bei 
der Hocher zunächst die Forderungen Brandenburgs recapitulirte und Crockow 
zu weiteren Erklärungen aufforderte. Crockow erwidert: Es sei unbedingt noth- 
wendig, sich des Zweckes des Kampfes bewusst zu werden. Weil die Schwe- 
den nun selbst gestehen, es auch ohne dem am Tage ist, dass sie sich 
deshalben in diesen Krieg mischen, um zu verhinderen, damit nicht I. 
K. M. oder die Eron Spanien einige Avantage und mehre Sicherheit von 
Frankreich erlangen mögen und dass sie S. Ch. D. deshalben angreifen, 
weil dieselbe es mit I^ E. M. und dero hohen Hause halten . . ., daraus 
dann erfolget, dass weder eine beständige Ruhe und Sicherheit, noch 
eine feste Zusammensetzung zwischen Haupt und Gliedern des heiligen 
römischen Reichs zu hoffen, weniger P. E. M. höchstgebührender Respect 
mainteniret, oder dero hohes Haus in Sicherheit sein könne, so lange 
die Schweden einen Fuss auf dem Reichsboden haben, ... so ist man 
der festen Zuversicht^ I. E. M. werden dero kaiserliches Absehen dahin 
richten und alle mügliche Mittel dahin anwenden, wie dieser schädliche 
und ewig wehrender Feind wieder aus dem Reich möge gebracht werden. 
Hoc praesupposito wird die Satisfaction der Beleidigten desto leichter 
zu finden sein. Zwar haben S. Ch. D. sich anfangs dahin erkläret, dass 
sie ohne Satisfaction und blos allein zu Wiederbringung des Friedens 
und Rettung der beleidigten Stände die Waffen ergriffen; wann es auch 
bei solchem Zustande geblieben, würden sie an keine Satisfaction gedacht 
haben. Nachdem aber, wie bekannt, die Schweden ganz friedbrüchiger 
und gottloser Weise S^ Ch. D. Lande angefallen, dieselbe feindlich trac- 
tiret und auf den äussersten Grund ruiniret haben, überdem auch die 
Hülfe sowohl vom Reich als den AUiirten nicht so balde noch so kräftig 
erfolget, als man wohl hätte hoffen sollen, S. Ch. D. auch sich darüber 
in grosse Schulden und Ungelegenheit setzen müssen, so hoffen S. Ch. D., 
dass I. E. M. zuforderst werde geneiget sein, S^ Ch. D. zu solcher Satis- 
faction zu verhelfen, dass S. Ch. D. nicht allein den erlittenen Schaden 
ersetzet bekommen, besonderen auch dadurch bemittelt werden, I. E. M. 
und dero AUiirten ferner bei zutragenden Fällen treulich zu assistiren. 
Was nun die Satisfaction von Schweden betrifft, so leben S. Ch. D. der 
festen Zuversicht, I. E. M. werden das Herzogthum Vorpommern, nebst 
allem, was davon dependiret und die Herzogen von Pommern vor diesem 



Zuletzt wiederum in einem an den Kaiser gerichteten ausführlichen Me- 
moriale. 



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Satisfactionsanspräche Brandenburgs. 835 

besessen, S^ Ch. D. cmd dero Posterität ohne Restituirong einiges anderen 
Landes allergnädigst zuwenden wollen. 

Es wurde annothig sein, des längeren anseinander zu setzen, wie sehr sich 
Brandenburg um den Kaiser und dessen Haus verdient gemacht, insbesondere 
gegen Schweden eine Vormaaer gebildet und wie trea der Kurfürst bei den 
letzten Verwickelungen trotz der grossen Anerbietungen, die ihm von den feind- 
lichen Mächten gemacht wurden, beim Kaiser und beim Reiche ausgeharrt habe. 

Dafem aber I. E. M. lieber bei Zeiten einen allgemeinen sicheren 
Frieden beforderen, als den Krieg bis zu Erhaltung sothanen scopi con- 
tinairen wollten, so getrösten sich doch S. Ch. D. nnfehlbarlich, I. E. M. 
werden es durch die Waffen oder durch die Tractaten dahin bringen, 
dass S^ Ch. D. Stettin und alle diejenige Oerter, welche hiebe vor zu 
Hinterpommem gehöret, nebst Aufhebung der Communion im capitulo zu 
Cammin, wieder eingeräumet werde, auch die Participation der Eron 
Schweden an den Licenten hinführe aufgehoben und S. Ch. D. an freier 
Fahrt in die See nicht gehindert werden , woraus dann an ihm selbsten 
folgen wird, dass der stettinische Recess ^ cassiret werde, und solches 
werden I. E. M. um desto mehr zu beforderen Ursach haben, weil Schwe- 
den in demselben S'. Ch. D. abgedrungen, dass, nach Ausgang dero chur- 
forstlichen Hauses, gedachte Eron auch die Neumark, ohngeachtet solches 
ans dem instrumento pacis schwerlich zu erweisen, haben solle *). Es 
ist demnach S^ Ch. D. unterthänigste Bitte, dass I. E. M. S^ Ch. D. des- 
falls eine bestandige Versicherung geben, dadurch S. Ch. D. desto mehr 
werden verbunden werden zu P. E. M. und des Reichs Besten bei diesem 
schweren Werke das äusserste aufzusetzen und dabei fest und bestandig 
zu verharren. Weil aber solches alles mehr zu Erhaltung des Friedens 
und Bedeckung V. E. M. Erblande als zu Ersetzung des erlittenen Scha- 
dens dienen kann und die Garnisonen der Stadt Stettin und anderer 
Posten nur mehr Eosten erforderen würden , als ist S^ Ch. D. unterthä- 
nigstes Suchen, dass I. E. M. deroselben noch zu nachfolgendem gnädigst 
behülflich sein wollen. 

1\ Dass S. Ch. D. das Meisterthum in dero Landen nach Ab- 
sterben des jetzigen Meisters und Commandoren einziehen und seculari- 
siren mögen, wobei dann S. Ch. D. sich verpflichten wollen, die Re- 
sponsgelder dem Grossmeister allezeit richtig abzuführen und können I. 
E. M. dadurch zugleich Chursachsen obligiren, weil auch einige zu dem 
Meisterthum gehörige Stücke in den chursächsischen Landen gelegen. 



*) Gemeint ist der Stettiner Recess vom 4. Mai 1653; Mömer 1. c. 166 ff. 
>) Vergl. Mömer 1. c. 176. 

53» 



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836 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

2^ Dass I. Ch. D. gleichergestalt nach Absterben der jetzigen 
Possessoren die Canonicaten im magdeborgischen, halberstädtischen, min- 
dischen und camminischen Färstenthümern Tischgutern einziehen und 
secularisiren und dann 3°. nicht gehindert, sondern vielmehr approbiret 
werden möge, dass S. Ch. D. in allen dero Landen sowohl denen, welche 
sie bereits possediren, als auch die sie noch künftig bekommen, eine Accise 
auf die consumptibilia einführen und, wann ja einige Stände, welches 
doch S. Ch. D. nicht hoffen wollen, sich hierüber beschweren wollten, 
dass dieselbe abgewiesen und nicht gehöret werden mögen. . . . 

Ferner hofft der Kurfürst, der Kaiser werde es für gut finden, dass der 
Kurfürst auch von dem Kurfürsten von Köln und dem Bischöfe von Münster, 
für den durch sie in seinen Ländern erlittenen Schaden einige Satisfaction 
erhalte. 

Von Köln will der Kurfürst die Feste Recklingshausen, von Münster, falls 
dasselbe sich jetzt zu energischer Unterstützung des Kurfürsten bereit erklärt 
und ihn wirklich unterstützt, nichts; sonst aber werde er sich Satisfaction auch 
von Münster holen. Der Kurfürst zweifelt nicht, dass der Kaiser ihm diesen 
Ersatz für den im Interesse des Kaisers und des Reiches erlittenen Schaden 
gönnen wird. 

Ueberdem sein S. Ch. D. des Erbietens mit P. E. M. und der Eron 
Spanien eine beständige Allianz aufzurichten und wollen sich verpflichten, 
wann nur P. Ch. D. wieder in den Stand geholfen, dass sie etwas thun 
können, P. E. M. wie auch der Eron Spanien wider ihre Feinde allezeit 
treulich zu assistiren und ihnen mit einer gewissen Anzahl Völker zu 
Hilfe zu kommen. Imgleichen erbieten sich S. Ch. D. dahin, dass, wann 
sie die obspecificirte Satisfaction erhalten, sie wegen Jägerndorf, dessen 
Restitution S. Ch. D. bishero beständig gesucht, auch durch keine Offerten 
sich davon wollen abbringen lassen, mit demienigen, was L E. M. S'. 
Ch. D. desfalls zuletzt schriftlich offeriren lassen, zufrieden sein und sich 
dero Rechtens nebst aller Praetension auf dasienige, was es die ganze 
Zeit, da es S^ Ch. D. hohem Hause entzogen, getragen hat, welches auf 
eine grosse Summe auslaufen würde, gänzlich begeben und darauf renun- 
tiiren wollen. 

Grockow ersucht schliesslich noch um schleunige Resolution. 

Hocher antwortete, er werde alles, was Crockow vorgebracht hat, dem 
Kaiser mittheilen. Er zweifle nicht, dass der Kaiser alles aufbieten werde, um 
Brandenburg zu befriedigen, jedoch sei dieses Satisfactionswesen eine Sache, 
die ohne Wissen der Alliirten nicht erledigt werden könne. Da aber nicht an- 
zunehmen sei, dass diese die Forderungen Brandenburgs insgesammt billigen 
werden, auch zu fürchten sei, dass die anderen Alliirten auch Ansprüche erheben 



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Conferenz zwischen Hocher, Abele and Crockow. Hamburg. g37 

werden, räth Hocher die Sache nicht zu übereilen und darüber zu berathen, in 
welcher Fonn man die Alliirten davon in Kenntnis setzen solle. 

Crockow betont, auch er erkenne die Nothwendigkeit den Confoederirten 
Mittheilung zu machen, an, doch könnte unterdess etwas zwischen dem Kaiser 
und dem Kurfürsten abgemacht werden. Dass die übrigen auch Ansprüche er- 
heben werden, sei wohl wahrscheinlich, um so eher aber auf Anerkennung der 
brandenburgischen Forderungen zu hoffen. Dänemark konnte Schonen und etwas 
von Oldenburg, die Braunschweiger Herzoge Bremen und Verden erhalten. 
Spanien habe begehrt, dass der Friede auf dem Stande des pyrenäischen trac- 
tirt werde. Brandenburg hat dafür gewirkt und will dafür wirken, um so mehr 
könne also auch Spanien dem Kurfürsten diese Satisfaction, die er fordere, 
gönnen *)• 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Perle- 
berg 28. Juni/8. Juli 1675. (Or.) 

[Hamburg-schwedische Beziehungen.] 

Der Kurfürst communicirt dem Kaiser das von der Stadt Hamburg an 8. Juli. 
Wrangel unter dem 18. Juni abgelassene Schreiben, in welchen die Frage ge- 
stellt wird, ob Wrangel die Stadt, der mit Schweden getroffenen Abrede gemäss, 
gegen alle Angriffe vertheidigen wolle. Der Kurfürst stellt dem Kaiser anheim, 
was er in dieser Sache thun wolle und übersendet demselben den dem intercipirten 
Schreiben vom 18. Juni beigelegenen Vertrag zwischen Schweden und der Stadt 
Hamburg d. d. Stockholnv 26. Nov. 1674, in welchem beiderseitige Unterstützung 
festgesetzt worden ist. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Criwitz 
4./14. Juli 1675. (Or.) 

[Bitte um Verschonnng des Erzbistimis Magdeburg mit weiteren Abgaben.] 

Die Landstände des Herzogthums Magdeburg haben dem Kurfürsten mit- 14. Juli, 
getheilt, dass der Reichsfeldmarschall, der Markgraf zu Baden und andere, wegen 
der niedersächsischen Kreissteuem, so viel das magdeburgische Contingent betrifft, 
in sie heftig gedrungen und mit £xecution gedroht haben. Da nun das Erz- 
stift Magdeburg, was es herzugeben verpflichtet ist, bereits dem Kurfürsten ge- 
geben und nichts mehr leisten könne, bittet der Kurfürst den Kaiser zu ver- 
anlassen, dass es von weiteren Abgaben verschont bleibe. 

^ lieber diese Satisfactionsverhandlungen vergl. Puf. I. c. XIII. 40. 



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838 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Steinberg 
in Mecklenburg 9./19. Juli 1675. (Or.) 

[Bitte um Unterstützung bei Spanien znr Erlangung der Subsidien.] 

19. Juli. Der Kurfürst benöthigt die spanischen Subsidien unumgänglich zur Fort- 
setzung des Kampfes, kann aber trotz aller Bemühungen bei Monterey und dem 
Buc de Villa Hermosa nichts erhalten. Spanien ist bereits 8 Monate mit den 
Subsidien im Rückstande. Da der Kurfürst die Subsidien dringend benöthigt, 
bittet er den Kaiser bei der Krone Spanien und beim Duc de Villa Hermosa 
sich für die Zahlung der Subsidien zu verwenden. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
20. Juli 1675. (Aut.) 

^ [Versicherung der Devotion.] 

20. Juli. Das Ew. Kay. May", mein untertheniger bericht von der gegen 
Schweden durch Gottes gnadt erhaltenen Victori angenehm undt gefellig 
gewessen ^), dessen hab Ich mich billig zu erfreuen undt wünsche, das 
der höchste Ew. Kay. May". Wappen überal mitt völligen Sieg segenen 
undt zu dero unsterblichen ruhmb benedeien wolle, damitt ein gewünschter 
algemeiner fride erworben undt das Römische Reich von allen feind- 
lichen Völckem gewaldt undt last gentzlichen befreihett undt wir in 
stetter ruhe undt sicherheitt inskünftige unter Ew. Kay. May", glorwür- 
digsten Regierung femers leben mögen. Hirnebenst sage Ew. Kay. 
May". Ich underthenigsten danck, das dieselbe mich erinneren wollen, 
meine persohn bey fürfallenden occasionen in acht zu nehmen, verspühre 
darauss Ew. Kay. May", gnedigste Kayserliche gewogenheitt undt ver- 
sorge gegen dero gehorsambsten Churfürst undt werde mich glücklich 
schetzen in underthenigkeitt solches zu verschulden, auch mein bludt zu 
dienst Ew. Kay. May", ferners auf zu opperen. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Feldlager bei Bützow 
12./22. Juli 1675. (Or.) 

[Kriegsnachricbten. Lübeck.] 
22. Juli. Der Kurfürst meldet dem Kaiser, dass er mit seiner Armee vorgedrungen 
und sich zwischen Rostock und Wismar so postirt habe, dass er dem Feinde 

>) Dieses Schreiben liegt nicht vor; gemeint ist der Sieg bei Fehrbellin am 
28. Juni 1675; vergl. Witzleben und Hassel, Fehrbellin; Schottmüller, Fehrbellin (Zeit- 
schrift för preuss. Gesch. XIII.) ; Mehnert, Rathenow und Fehrbellin. 



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Spanische Subsidien. Eriegsnachrichten. Satisfactionsanspracbe Brandenburgs. 839 

die Communication zu Lande aus Pommern nach Wismar und Bremen abge- 
schnitten habe. Ich habe auch bereits die Oerter, so die Schweden in 
Mecklenburg haben, als Wismar, das Ländlein Pool und die Warae- 
münder Schanze recognosciren lassen und erwarte nur mehr schwere 
Stücke, warum ich bereits geschrieben und die Ankunft E'. K. M. Trup- 
pen, um ferner etwas hauptsächliches zu tentiren. Dann so bald selbige 
nebst denen schweren Stücken bei mir anlangen und die dänischen und 
holländischen Flotten sich in See praesentiren werden, welches, wie ich 
die Nachricht habe, ehestens sein wird, will ich suchen einen oder an- 
dern importanten Ort weg zu nehmen und femer, solange diese gute 
Zeit und Saison wehret, mit allem Eifer und Fleisse wider den Feind 
zu agiren. 

Im P. S. vom selben Datum lobt der Kurfürst die Stadt Lübeck für die 
Bereitwilligkeit, mit der dieselbe ihm Proviant gegeben; bittet zugleich den 
Kaiser die Stadt zu beloben und aufzufordern, dem Kurfürsten, falls dieser es 
fordere, mit einigen schweren Stücken zu Hilfe zu kommen »). 



Kaiserliche Erklärung vom 26. Juli 1675 auf Crockows Pro- 
position vom 18. Juli 1675. (Conc.) 

[Satisfactionsansprüche Brandenburgs.] 

Der Kaiser weiss, dass der Kurfürst durch Schwedens Einfall Schaden er- 26. Juli, 
litten hat und bedauert ihn deshalb. Wie nun der Kaiser bisher gezeigt, dass 
er dem Kurfürsten grosstmöglichen Beistand leisten wolle, so werde er es auch 
in Zukunft halten. Was aber die materiam, nemlich vorberührtes Satis- 
factionswesen in sich selbsten anbetrifft, da laufet selbiges in die künftige 
Friedenstractaten und hanget forderist an der Vernehmung der gesammten 
Mitalliirten. Daher kann der Kaiser ohne vorherige Mittheilung an die Alliirten 
und Berathung mit denselben sich zu nichts bestimmt erklären. Sobald er aber 
wissen wird, wie der Kurfürst die Mittheilung an die Verbündeten wünscht, 
wird er treu dazu helfen und für I. Ch. D. alles dasienige beitragen, was der 
Status causae communis und gegenwärtige Umstände so viel immer mög- 
lich zulassen werden. Bezüglich Recklinghausens kann der Kaiser des Kur- 
fürsten Wunsch nicht erfüllen; es sei ja auch im dritten Secretartikel des 
Bündnisses von 1674') ausdrücklich bedungen worden, dass circa religionem et 
Status ecclesiasticos alles auf das genaueste beobachtet und keine Aiienation 



In diesem Sinne lautet das Schreiben des Kaisers an die Stadt Lübeck vom 
8. Aug. 1675. 

') Nicht der Vertrag von 1674, sondern vom 13./23. Juni 1672 enthielt im 3»«« 
Secretartikel eine derartige Bestimmung; Momer 1. c. 366. 



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840 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

geschehen solle. Kann der Kaiser dem Kurfürsten in anderer Weise zu Er- 
langung einer Satisfaction behilflich sein, so ist er gerne dazu bereit'). 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Wien 2. August 1675. 

(Conc.) 

[Lübeck.] 
2. Aug. Auf das Schreiben des Kurfürsten vom 17. Juni hin hat der Kaiser die 

Stadt Lübeck aufgefordert, sich besser vorzusehen und die Besatzung zu ver- 
stärken. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Wien 8. August 1675. 

(Conc.) 

[Subsidien für Brandenburg. Marsch der kaiserlichen Hilfistnippen.] 

8. Aug. Wie der Kaiser schon bisher immer wieder bei Spanien und den Staaten dorch 

seine Minister um die Bezahlung der Subsidien an Brandenburg angehalten, 
so hat er auf des Kurfürsten neuerliches Bitten hin nicht nur an die Konigin 
von Spanien und den Duc de Villa Hermosa in diesem Sinne geschrieben, son- 
dern auch seinem Gesandten Harrach Befehl ertheilt, energisch bei Spanien die 
Zahlung der rückständigen und laufenden Subsidien an Brandenburg zu betrei- 
ben'). Vom selben Datum ist ein zweites Schreiben, in welchem der Kaiser 
dem Kurfürsten in Erwiderung seines Schreibens vom 22. Juli zu den glück- 
lichen Operationen gegen Schweden gratulirt und meldet, dass Coob durch 
Regen im Marsche aufgehalten sei, hoffentlich aber unterdessen beim Kurfürsten 
angelangt sein werde'). 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
29. Juli/8. Aug. 1675. (Or.) 

[Magdeburg! sehe Steuerleistungen.] 

8. Aug. Der Kurfürst bittet den Kaiser nochmals, dahin zu sehen, dass die Land- 

stände des Herzogthums Magdeburg mit doppelter Erlegung der Reichs- und 
Kreissteuern nicht beschwert werden und dass die 4 herrschaftlichen Aemter 
Querfurt, Jüterbog, Dahme und Burg an Magdeburg das gebührende Contingent 
zahlen *). 



J) Vergl. Puf. 1. c. XIII. 40. 

^ Schreiben an die Königin von Spanien, den Duc de Villa Hermosa und an 
Harrach d. d. Wien 8. Aug. 1675. 

*) In der That kamen um diese Zeit die kaiserlichen Truppen nach Mecklen- 
burg; Droysen 1. c. III. j 540. 

*) Ein Memorial Crockows am 26. Aug. dem Kaiser vorgelegt enthält die gleichen 
Ersuchen. 



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Lübeck. Magdeburg. Brandenburg-polnische Beziehungen. Hamburg. 841 

Der Kurftlrst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
10./20. August 1675. (Or.) 

[Bitte um Intervention bei Polen.] 

Frankreich sucht auch Polen gegen den Kurfürsten feindlich zu stimmen, um 20. Aug. 
dadurch den Kurfürsten an den Operationen gegen Schweden zu hindern. In der 
That hat der Woiwode von Pommern ^) erklärt, er könne des Kurfürsten Truppen, 
wenn sie nach Pommern gehen wollten, den Durchzug nicht gestatten und dass 
er auf des Königs von Polen Befehl dies der preussischen Regierung mittheile'). 
Da nun dies dem Kurfürsten sehr schädlich wäre, in den Verträgen mit Polen 
der freie Durchzug aber ausdrücklich vorgesehen sei, so ersucht der Kurfürst 
den Kaiser, seine Autorität bei Polen dahin geltend zu machen, dass es sich 
nicht so von Frankreich und Schweden bearbeiten lasse und von solchem Vor- 
gehen ahstehe'). Wollten auch E. K. M. daneben an dieselbe gelangen 
lassen, dass sie sich meiner als ihres Bundesverwandten anzunehmen 
nicht würden fürbeikönnen , würden sie mich dadurch aufs höchste ob- 
ligiren. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
11./21. August 1675. (Aut.) 

[Hamburg. Verhandlungen mit Münster.] 

Gratulation zum Siege Montecuccoli's über Turenne*). 21. Aug. 

In einem P. S. vom 13./23. Aug. communicirt der Kurfürst 3 intercipirte 
Schreiben an den schwedischen Residenten zu Hambnrg, Graventhal und den 
bei Sachsen gewesenen französischen Residenten Chassan und bittet den Kaiser 
nochmals an Hamburg energisch die Mahnung ergehen zu lassen, die Stadt 
möge ohne Verzug den französischen und den schwedischen Residenten abschaffen 
und keine Wechsel für Schweden oder Frankreich acceptiren, da ein solches 
Verbot den Feinden des Reiches überaus schädlich werden würde. 

In einem anderen P. S. vom selben Datum bedankt sich der Kurfürst für 
die vom Kaiser ihm gemachten Mittheilungen über die Verhandlungen mit Münster, 
verspricht mit Schmising, den er demnächst erwarte, ganz im Sinne des Kaisers 
zu verhandeln ; die üeberlassung der Ortschaften Dortmund, Essen, Gimbom und 
Neustadt an Münster sei ihm aber unmöglich, weil seine Länder so wie so mehr 
als erwünscht in Anspruch genommen seien. 



*) Bakowski. 

') Für die brandenburg- polnischen Beziehungen dieser Zeit Puf. 1. c. XIII. 
58, XIV. 1. 

^ Vergl. auch das Schreiben Brandenburgs an die Staaten vom selben Tage 
ürk. u. Act. III. 461 f. 

*) Gemeint ist die Schlacht bei Sassbach am 27. Juli 1675, in der Turenne fiel. 



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842 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

In einem dritten P. S. dankt der Kurfürst für die vom Kaiser in der Sub- 
sidienangelegenheit an verschiedene Personen gerichteten Schreiben. 



Crockows Memorial; am 3. September 1675 vorgelegt. (Or.) 

[Vermittelung bei Hannover.] 

3. Sept. Da der Kurfürst beschlossen hat, Schweden im Bremischen und Verdenschen 

anzugreifen und fürchtet, dass der Herzog von Hannover sich auf die Seite 
Schwedens schlagen und seine Expedition hindern oder wenigstens erschweren 
werde, ersucht Crockow im Namen des Kurfürsten den Kaiser, ein Abmahnungs- 
schreiben an den Herzog von Hannover ergehen zu lassen. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
27. AugU8t/6. September 1675. (Or.) 

[Plan des Kurfürsten den Herzog von Hannover zu gewinnen. Unterstützung des 
Kurfürsten durch das Reich.] 

6. Sept. E**. E. M. wird verhoffentlich aas meinen vorigen sowohl als andern 

eingelaufenen Berichten bekannt sein, wie nunmehr des H°. Herzogen 
zu Braunschweig- Hannover L^®". auch zu bessern Gedanken und der 
guten Partei zu kommen Hoffnung machen. Wie ich dann aus denen 
von Schweden intercipirten Schreiben ersehen, dass sie auf seine Hülfe 
keine sonderliche Reflexion mehr machen und nur dahin bedacht sein, 
ob sie nicht seine Völker guten Theils an sich ziehen könnten. Ich 
habe dieser Sache etwas nachgedacht und bereits so viel vernommen, 
dass gemelten Herzogs L^®". nicht gern sofort gegen seine vorige Alliirte, 
als Frankreich und Schweden, in i^irkliche Action treten, hingegen ihm 
aber auch schwer und unmöglich fallen wird, seine Leute in seinen 
eigenen Landen zu unterhalten, oder zu licentiren. Bin derowegen auf 
diese Gedanken gerathen, ob nicht dienlich und thunlich sein möchte, 
dass E. K. M. mit gedachten Herzogs L^®°. sich dergestalt in gewisse 
Handlung einliessen, dass E. E. M. auf eine Zeitlang diese Völker in 
dero Erblanden an den polnischen und ungrischen Grenzen auf gewisse 
Masse und Weise, wie solches dienlich befunden würde und hingegen 
dero eigene Völker gegen die allgemeinen Feinde und allenfalls Chur- 
bayem zu ebenmässiger Raison zu bringen, desto bas gebrauchen könnten. 
Dadurch würde meines Erachtens an allen Seiten die gute Intention be- 
fördert, obgedachtes Herzogs L^*»". würde die Entschuldigung benommen 
und man dürfte nicht sorgen, dass bei etwa erfolgender Licentirung seiner 



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Yerhandlungen mit Hannover. Hamburg. Polen. 843 

Völker der Feind dadurch verstärket und einige Advantage gegeben 
werden möchte*). Ob der Kaiser diesen Vorschlag billigt und durchführen 
will, überlässt der Kurfürst ihm. 

In einem P. S. bittet der Kurfürst den Kaiser, da nun das Duplum be- 
schlossen und der ober- und der niedersächsische wie der westphälische Kreis 
nach Auftrag des Kaisers dem Kurfürsten von Brandenburg gegen Schweden 
zu Hilfe kommen sollen*), den besagten Standen die schleunige Beistellung der 
Truppen nochmals an's Herz zu legen, damit sie nicht zu spät kommen»). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Schwaan 
28. August/?. September 1675. (Or.) 

[Hamburg.] 

Der Kurfürst dankt dem Kaiser dafür, dass auf dessen Ermahnungen hin 7. Sept. 
die Stadt Hamburg den franzosischen und den schwedischen Residenten ausge- 
wiesen habe und bittet den Kaiser zu veranlassen, dass der in Hamburg noch 
verweilende schwedische Cassier Kantor und der franzosische Kaufmann du Pre 
gleichfalls ausgewiesen werden, weil sonst der erhoffte Zweck nicht erreicht 
werden würde*). 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Wien 7. Sept. 1675. 

(Conc.) 

[Polens Haltung, üeberlassung von Quartieren an den Bischof von Münster. Vertrag 
des Kaisers mit dem Bischöfe.] 

Auf des Kurfürsten Schreiben wegen Polens Benehmen antwortet der 7. Sept. 
Kaiser mit der Bemerkung, dass der König von Polen durch die Annäherung 
der türkisch-tartarischen Macht*) in eihe Lage gerathen sei, in der ihm der 
Kaiser keine Nachricht mündlich zukommen lassen könne ; eine schriftliche aber 
würde wenig fruchten. Der Kaiser hat deshalb seinem Residenten in Polen 



^ Ueber Brandenburgs Verhandlungen mit dem Herzoge von Hannover, die am 
11./21. Sept. zum Vertrage zwischen Dänemark, Brandenburg und Münster mit Han- 
nover fährten (vergl. den Vertrag bei Dumont I.e. VH.i 305; Mömer I.e. 386 f.), 

Puf. 1. c. xni. 46 f. 

>) Acten bei Pachner 1. c. I. 846 f. 

*) Ein Memoriale gleichen Inhalts übergab Crockow am 25. October 1675. 

*) Am selben Tage wurde auch von Crockow ein Memorial übergeben, in welchem 
dieser neben Wiederholung des im karfürstlichen Schreiben bereits erwähnten, vom 
Kaiser ein ähnliches Schreiben, wie an Hamburg ergangen, für Lübeck forderte, da 
man Nachricht habe, dass Frankreich und Schweden dort Ersatz für Hamburg zu 
finden bestrebt seien. 

5) Vergl. Theat Europ. XI. 755 f. 



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844 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

Zierowski, der zum Erzbischofe von Gnesen^) geht, befohlen, diesen mündlich 
im Interesse des Kurfürsten zu sprechen. Am selben Tage erlässt der Kaiser 
an den Feldmarschalllieutenant Coob den Befehl, vom Kurfürsten die wieder- 
holt erbetene Ueberlassung von Essen, Dortmund, Gimbom und Neustadt an 
den Bischof von Münster als Quartiere zu fordern. An den Kurfürsten selbst 
richtet der Kaiser dieses Ersuchen in einem Schreiben d. d. Wien 15. Septem- 
ber 1675, durch welches er ihn von dem Abschlüsse des Vertrages mit Münster 
in Kenntnis setzt*). 

Votum vom 27. September 1675 die Winterquartiere betreffend. 

(Conc.) 

27. Sept. Crockow hat in einem am 21. Sept. übergebenen Memoriale im Namen des 

Kurfürsten ersucht, man möge wegen der Winterquartiere die Berathung be- 
ginnen und Sorge tragen, auf dass die kaiserlichen und kurfürstlichen Truppen 
ausserhalb der kurfürstlichen Länder gute Quartiere erhalten. Er werde zwar 
noch 1— r2 Monate operiren, allein dann benöthige er solche Quartiere, weil 
seine Länder erschöpft und Pommern von den Schweden ganz verwüstet worden 
sei. Es sei zu hoffen, dass verschiedene Kreise des Reiches sich mit Rücksicht 
auf die vom Kaiser und Kurfürsten dem Reiche geleisteten Dienste zur Ueber- 
nahme einer solchen Last bereit zeigen werden. Auch wiederholte Crockow in 
diesem Memoriale die Bitte des Kurfürsten wegen Verschonung des Erzstiftes 
Magdeburg mit Steuern, die es dem niedersächsischen Kreise leisten solle und 
Anmahnung an die 4 herrschaftlichen Aemter Querfurt, Jüterbog, Dahme und 
Burg die Steuern an Magdeburg zu zahlen. 

Die Räthe halten dafür, dass es das beste wäre, wenn der Kaiser bezüg- 
lich der Winterquartiere sich zurückhalten könnte, da zu besorgen stehe, dass 
Brandenburg nur zum Scheine frage, sich selbst Winterquartiere nach Belieben 
aussuchen und dann mit des Kaisers Genehmigung sein Vorgehen werde recht- 
fertigen wollen. Da es aber mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Allianz 
und auf die gegenwärtige Lage nicht möglich ist, das Begehren der Verbün- 
deten bezüglich der Winterquartiere zurückzuweisen, muss man trachten darüber 
zu einem Entschlüsse zu kommen, wo jedem die Quartiere anzuweisen sind. Das 
zu bestimmen ßlllt aber schwer, da der Kaiser den fränkischen, schwäbische 
wie auch den oberrheinischen Kreis, wo nicht zur Einquartierung der eigenen 
kaiserlichen und mitconiungirten Reichsvölker, doch zu Beschaffung der Lebens- 
mittel nothwendig zu reserviren habe, ferner der Besitz des Kurfürsten von 
Mainz geschont werden muss, um diesen Fürsten in der guten Stimmung, in 
der er sich befindet, zu erhalten. Dazu komme, dass ein Theil des westphäli- 
schen Kreises und das im kurrheinischen Kreise gelegene Fürstenthum West- 
phaleo von weiteren Einquartierungen verschont bleiben müsse, weil es die 



295 f. 



Andreas Olszowski. 

^ Der Vertrag war bereits am 7. Juni geschlossen worden. Dumont I.e. Vll.i 



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Wioterqoartierfrage. 845 

Garnison in Bonn zu erhalten und for die Fortification dieser Stadt zn sorgen über- 
nonunen hat Die Räthe halten daher dafür, man möge dem Grockow münd- 
lich mittheilen, der Kurfürst möge den einmal gefassten Beschlüssen gemäss 
die Unternehmungen gegen Schweden so fortsetzen, dass er im feindlichen Lande 
festen Fuss fassen könne, wenn aber nicht, möge er im eigenen Lande bleiben, 
weil sonst die Gefahr eines Einbruches in die von Truppen entblössten Länder 
drohe. Da es aber wahrscheinlich sei, dass Crockow sich mit dieser Antwort 
nicht befriedigt erklären, sondern die wirkliche Assignirung der Quartiere fordern 
wird, so wäre ihm nebst der Erklärung, dass der Kaiser eventnaliter für seine 
Truppen den fränkischen und den schwäbischen Kreis sammt Eichsfeld, das 
Fürstenthum Westphalen und die jenseits des Rheins gelegenen Länder sich reser- 
vire, schriftlich die Antwort zu ertheilen, dass der Kaiser die übrigen Alliirten 
aber diesen Punkt befragen und sich dann entscheiden werde. Demzufolge wäre 
an alle Alliirten zu schreiben, sie mögen ihre Vertreter gegen den 20. October 
nach Mühlhausen senden, auf dass daselbst über die Vertheilung der Quartiere 
berathen werde ; zugleich aber zu bemerken, es möge auf die Stände die grösst- 
möglichste Rücksicht genommen werden^). Bezüglich Magdeburgs glauben die 
Räthe, dass das eine Kreissache sei und nur auf dem Kreistage erledigt werden 
könne. 

Berathen am 27. Sept., praesentibus Schwarzenberg, Hocher, Königsegg, 
Fürstenberg, Oettingen, Abele und Högell. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Wien 5. October 1675. 

(Conc.) 

[Uebemahme der hannoveranischen Truppen.] 

Das Ersuchen des Kurfürsten wegen Uebemahme der hannoveranischen Tnip- 5. Oct. 
pen und Verlegung derselben in die Erbländer kann der Kaiser mit Rücksicht 
auf den erschöpften Zustand dieser Länder nicht erfüllen. Er empfiehlt daher 
auf der für den 26. Oct. nach Mühlhausen einberufenen Versammlung über die 
Wege des Kurfürsten Pläne durchzuführen in Berathung zu treten. 



Der Kurfttrst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Wolgast 
l./ll. November 1675. (Or.) 

[Mittheilungen über Schwedens Pläne in Polen. Einquartierung im Gebiete des Her- 
zogs Friedrich von Sachsen-Gotha.] 
Der Kurfürst hat von guter Hand erfahren, dass der schwedische Gesandte n. Nov. 
Lilienhöck ^) nach Polen gereist ist und sich geäussert hat, er habe Befehl mit 

^) In diesem Sinne, mit der Festsetzung des 26. Oct. als Tag imd Muhlhausens 
als Ort der Zusammenkunft, ergiengen am 1. Oct. die Schreiben an Brandenburg, 
Dänemark, an die braunscbweigischen Fürsten und an den Bischof von Munster. 

^ Ueber Lilienhocks Aufenthalt in Polen Puf. 1. c. XIII. 58. 



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846 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

I dem Könige von Polen ein Bündnis zu schliessen, dahin zielend, dass der König 



von Polen in das Herzogthnm Preussen einbrechen und dasselbe occupiren möge ; 
er habe femer erklärt, dass zu gleicher Zeit die Schweden einige Auxiliarvölker 
zur See überschicken und an's Land setzen wollten und dass gleiche Offensiv- 
und Defensivbündnisse zwischen Portugal, England, Frankreich und Schweden 
bereits geschlossen seien. Der Kurfürst bittet den Kaiser, dem Könige von 
Polen dringend von der Annahme eines solchen Bündnisses abzurathen und 
zugleich im Falle der Annahme mit kräftiger Zurückweisung kaiserlicherseits 
zu drohen. 

Von Stargard im Mecklenburgischen wendet sich der Kurfürst unter dem 
21. Nov. st. V. an den Kaiser mit der Bitte dem Herzoge Friedrich von Sachsen- 
Gotha nicht so schwere Lasten bei der Einquartierung aufzuerlegen. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Hauptquartier zu Treptow 
in Vorpommern 15./25. November 1675. (Or.) 

[Quartierfrage.] 

25. Nov. Da der Kurfürst aus den Berichten seines Bevollmächtigten in Mühlhausen 

mit Bestürzung vernommen, dass er bei den Quartieren fast gar nicht berück- 
sichtigt worden sei, wendet er sich mit der Bitte an den Kaiser, ihm darin zu 
helfen und verweist im Uebrigen auf die Erklärungen Crockows. 

In der Antwort an den Kurfürsten vom 14. Dec. 1675 bezieht sich der 
Kaiser auf seine dem Crockow gegebene Antwort 2). Am 12. Dec. richtet der 
Kaiser dann ein neues Schreiben an den Kurfürsten, in welchem er ihm, bezüg- 
lich der Bitte den Herzog von Sachsen-Gotha nicht so mit Winterquartieren zu 
beschweren, mittheilt, dass er dieses Land dem Kurfürsten selbst für die Winter- 
quartiere überwiesen habe, so dass dieser um so leichter die Wünsche des 
Herzogs werde befriedigen können. Da der Kaiser vernommen habe, dass ein 
Theil der kurfürstlichen Truppen gegen den unterrheinischen und west^hälischen 
Kreis im Anzüge begrifTen sei, ersucht er den Kurfürsten zur Vermeidung gefilhr- 
Hcher Ck)nflicte die Einstellung des Anzuges zu befehlen, damit das Fürstenthura 
Westphalen, vulgo Sauerland, von aller Einquartierung seitens Brandenburgs 
verschont bleibe. 



Memorial Crockows an den Kaiser. Dat. Wien 25. November 

1675. (Or.) 

[Quartierfrage. Verschonnng der brandenburgischen und Hessen-Gasserschen Länder 

mit Winterquartieren.] 
25. Nov. Als die Vertreter sämmtlicher Alliirten zu Mühlhausen wegen Vertheilung 

der Winterquartiere zusammentreten wollten, wurde daselbst die Nachricht ver- 

Vergl. Puf. 1. c. XUI. 57. 

^ Vergl. das zweitnächste Stack. 



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Schwedens Pl&ne. Quartierfrage. 847 

breitet, dass nicht nur anderwärts bereits eine Vertheilung der Quartiere vor- 
genommen, sondern auch dieselben theils von dem Kaiser in den schwäbischen, 
fränkischen, beiden rheinischen, obersächsischen und westphälischen Kreisen 
bezogen, theils an andere Alliirte verwiesen; auch einige Kreise ganz und 
gar befreit worden seien. Wie nun durch eine solche Mittheilung der Congress 
überflüssig geworden ist, so ist auch der Zweck desselben, eine Einigung unter 
den Alliirten herbeizuführen, durch ein solches Vorgehen nicht erreicht worden. 
Es wäre überaus ungerecht, wenn man den Kurfürsten, der so viel im Interesse 
der deutschen und allgemeinen Sache gethan, so behandeln würde. Am wenigsten 
aber könnte der Kurfürst ein solches Vorgehen vom Kaiser erwarten und daher 
habe er der Nachricht Glauben geschenkt, dass dies ohne Mitwissen des Kaisers 
geschehen sei, in welchem Glauben er auch durch die Erwägung bestärkt 
worden ist, dass der Kaiser wohl nicht so viele Leute nach Mühlhausen zusammen- 
berufen hätte, wenn bereits alles ausgemacht gewesen wäre. Der Kurfürst hofft 
daher, dass der Kaiser die nothwendigen Maassregeln ergreifen wird, um alles 
zu ordnen. Und da der Kurfürst ohne Quartiere unmöglich bestehen kann, 
ersucht er den Kaiser ihm zur Erhaltung seiner Truppen nebst dem Stifte 
Magdeburg und den Graftschaften Barby, Mansfeld und Schwarzburg, die 
fürstlich sächsischen Häuser nebst den erfurtischen Dörfern, Niederhessen, wie 
auch Westphalen und die Feste Recklinghausen nebst Herford, Essen, Verden 
und Dortmund, auch das Fürstenthum Anhalt und die Grafschaft Waldeck als 
Winterquartiere zu assigniren. 

In einem am 28. Nov. eingerichten Memoriale bittet Crockow im Namen 
des Kurfürsten und der Landgräfin von Hessen-Cassel, der Kaiser möge an 
seine Generalität den Befehl ergehen lassen, die Hessen-Casserschen Länder mit 
Winterquartieren zu verschonen. 



Bescheid für Crockow. Dat. Wien 13. December 1675. (Conc.) 

[Quartierfrage.] 

Obgleich der Kaiser des Kurfürsten Begehren mit Rücksicht auf dessen 13. Dec 
ausgezeichnete Dienste für das allgemeine Wohl gerne vollständig erfüllen würde, 
ist dies unter den gegenwärtigen Verhältnissen unmöglich. Als Zeichen seiner 
Neigung erklärt jedoch der Kaiser, dass, falls nicht zu Mühlhausen etwas 
vereinbart ist, oder unterdessen vereinbart wird — in welchem Falle die dort 
getroffenen Abmachungen alleinige Geltung haben sollen — er dem Kurfürsten 
das Stift Magdeburg, beide Fürstenthümer Hessen-Cassel und Anhalt, die fürst- 
lich sächsischen Häuser (ausser Coblenz, Eisenach und der Grafschaft Henne- 
berg, welche der Kaiser zur Einquartierung seiner Völker unumgänglich 
benöthigt, wie auch des Kurfürsten von Sachsen und dessen Brüder Lande 
sämmtlich gleichfalls davon ausgenommen seien), so dann femer die Grafschaften 
Schwarzburg und Stollberg neben dem Mansfeldischen (jedoch mit Vorbehalt 
desjenigen Theiles der kursächsisch ist) und anstatt dessen der gesammten 
Grafen Reuss und Herrn von Plauen zugehörige Länder assignire und dass 



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848 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

diese Länder ihm verbleiben sollen, jedoch mit dem ausdrücklichen Beding, 
dass an jenen Orten, wo schon kaiserliche Völker liegen, die Verpflegung und 
Unterhaltung der kurbrandenburgischen Volker erst vom Anfange künftigen 
Monates Januar angehen und gereicht werden solle. 



Quartierfrage. 

Crockow erklärt in einem Schreiben an den Reichsvicekanzler, er glaube 
nicht, dass der Kurfürst sich mit den Zugeständnissen des Kaisers werde zufrieden 
erklären können und bittet den Reichsvicekanzler, dass wenigstens die fürstlich 
sächsischen Häuser dem Kurfürsten ganz zugewiesen werden möchten. Ganz in 
diesem Sinne lautet denn auch das Schreiben des Kurfürsten vom 10./20. Dec. 
aus Colin a. d. Sp. Am 30. Dec. wiederholt Crockow (Memorial an den Kaiser 
30. Dec. Or.) diese Bitten des Kurfürsten und präcisirt dieselben dahin, es mögen 
dem Kurfürsten über das bereits zugestandene, noch die Länder der Brüder des 
Kurfürsten von Sachsen und die erfurtischen Dörfer angewiesen werden. Allein 
in der Antwort, die dem Crockow am 4. Januar 1676 ertheilt wird, bleibt der 
Kaiser dabei, für den Kurfürsten unter den gegebenen Verhältnissen nichts 
mehr thun zu können. Darauf hin richtet der Kurfürst von neuem d. d. Colin 
a. d. Sp. 12./22. Jan. ein ausführliches Bittschreiben an den Kaiser, in welchem 
er unter Hinweis auf seine Verdienste und seine Noth nochmals um Vermehrung 
der Quartiere bittet. Allein auch dieses Gesuch hatte keinen besseren Erfolg. 
Der Kaiser betonte in seiner Antwort vom 29. Jan. nichts mehr für den Kur- 
fürsten thun zu können und forderte denselben zu gleicher Zeit auf, seine in 
Dorsten und Dortmund widerrechtlich einquartirten Truppen von dort abführen 
zu lassen. Ein neues Schreiben des Kurfürsten vom 18. (28.) Jan. hatte eben- 
sowenig Erfolg. Da versuchte es der Kurfürst mit einem eigenhändigen Schreiben 
d. d. Colin a. d. Sp. 3./13 Februar 1676, in welchem er betonte: Ich hette 
zwahr verhoffet, man würde mehre consideration auff einen treuen Chur- 
fürsten, der Sich alzeitt so devodt gegen Ew. Kay. May^. in allen occa- 
sionen erwiesen, gemacht haben undt mir dassiene auch gegeben haben, 
was andere überflüssig genissen, So theils gegen Ew. Kay. May*^. mitt 
dem feinde verbunden gewesen. Ich muss aber beklagen, das meine 
widerwerttige undt feinde diesses bey Ew. Kay. May^. zu wege gebracht 
haben, das mir in keinerley wege geholflfen wirdt; Nochmehr aber, das 
Ich inutiell gemacht werde Ew. Kay. May^. wie auch den Aligirtten zu 
assistiren, umb das gemeine werck zu aussfuhrung eines algemeinen 
friedens beschleunigen zu helffen ... Es scheindt, das man jalus von mir 
ist, das der höchste meine waffen so augenscheinlich gesegenet undt mir 
misgönnet wirdt. Man entschuldiget Sich damitt. dass Ew. Kay. May". 
Armee nicht gnugsahme quarttir hette; nun wünschte Ich, dassienige 
zu haben zu behuf meiner Armee, was dero Officir undt Generals über 
Ihren Soldt von den Armen leutten erpressen, da woU einer undt der 



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Quartierangelegenbeit. g49 

ander zu 80000 undt 30000 Rtbir. id Ihren quarttiren genossen undt 
ausser dem Reich, Ja gar bis in Italien Übermacht haben undt werden 
Ew. Kay. May^^ von dero eigenützigen officiren hinttergangen, wie solches 
Sich bey dem aufpruch der Armee zu spette finden wirdt. Solcher 
gestaldt nun Ew. Kay. May^. Armee zu unterhalten, oder, wie Ich sagen 
mach, die officir Sich allein zu bereichern, wirdt gewis das gantze Römische 
Reich zu klein*) fallen, dahero so grosse Elachten billig erweckt werden. 
Ew. Kay. May^. ersuche undt bitte Ich nochmals underthenigst, dieselbe 
geruhen wollen, mir aufs eiligste, weill periculum in mora, mehre quarttir 
zu assingniren, auf das Ich meine Armee wider in stände bringen undt 
Ich damitt dienste thun möge, auf das Ich nicht genottringet werde, 
gegen undt wider meinen willen auss höchster nodt einige resolution zu 
nehmen, die Ew. Kay. May'^ undt dem gemeinen Interesse zum nachtheill 
undt schaden gereichen möchte, wogegen Ich hiemitt feierligst protestire 
undt erwahrtte hierauff Schleunige gnedigste erklerung. Bald darauf kam 
Stemberg nach Berlin, mit dem neben anderen Angelegenheiten auch die Quar- 
tierfrage besprochen wurde*). 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat Wien 10. Jannar 1676. 

(Coiic.) 

[Versprechen des Kaisers den Kurfürsten gegen Polen zu schätzen.] 

Der Kaiser verspricht dem Kurfürsten, falls Polen wirklich etwas gegen den- 10. Jan. 
selben unternehmen sollte, dass er ihm treu zur Seite stehen und wirklich assistiren 
wolle; doch glaubt er nach den ihm zugegangenen Mittheilungen, dass Polen 
nnter den gegenwärtigen Verbältnissen kaum mit Schweden ein Bündnis schliessen 
wird. In jedem Falle wird der Kaiser seinem Residenten Zierowski Befehl 
ertheilen, sich auf das genaueste zu informiren und nach Wien zu berichten. 



Mission des Grafen Adolf Wratislav Sternberg. 

1676 Jan.-März. 

Der Kaiser an Sternberg. Dat Wien 12. Janaar 1676. (Cone.) 

Sächsische Truppen; ihre Erhaltung und ihr Durchmarsch durch brandenburgisches 

Gebiet.] 

Stemberg soll erst versuchen, ob der Kurfürst von Sachsen die Verpflegung 12. Jan. 
der unter dem Befehl des Feldmarschalllieutenants Freiherrn von Coob stehenden 

') A = kein- 

^ Vergl. für diese Verbandlungen bezüglich der Quartiere Puf. l..c. Xlll. 57; 
Droysen 1. c. lll.s 555 f. 

Mater, t. Gesch. d. G. Karfürtten. SJV. '2. 54 



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850 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674 — Febr. 1679. 

sächsischen Regimenter übernehmen will; da nun aber zu fürchten, dass wann 
schon des Churförsten zu Sachsen L***". zu Uebernehmung beeder dero 
dermalen bei besagtem Coob stehender Regimenter zu disponiren sein 
sollten, dass es sich dannoch an deme stossen dörfte, dass des Churfürsten 
zu Brandenburg L**«". erstberührten Regimentern wegen der von ihnen 
bei letzterem Durchzug übel gehaltener Disciplin und begangener Excessen 
den Pass nicht verstatten würden, soll Sternberg in diesem Falle, wenn von 
Brandenburg der Durchzug nicht zu erhalten, den Kurfürsten von Sachsen ver- 
mögen, 2 kaiserliche Regimenter, die unter Coob stehen, zu verpflegen; wenn 
das aber nicht zu erreichen, so wirst du, wann du vorderist mit ernanntes 
Churf. zu Sachsen L**. der Einnehmung halber ihrer 1500 Mann oder noch 
einer mehrern Anzahl ein gewisses geschlossen, ... bei Brandenburg mit 
allem Eifer für die Oestattung des Durchzuges eintreten; und nicht 
weniger, dass I. Ch. D. uns zu Bequartirung unserer Soldatesca die von 
ihrer Miliz in dem Mecklenburgischen bezogene 12 Aemter zu dem Ende 
vergönnen und abtreten mögten, damit gedachte unsere Mannschaft erhei- 
schender Notdurft nach untergebracht, recrutirt und zu fernerer Assistenz- 
leistung tauglich gemacht werden könnte. 



Der Kurfürst von Sachsen, bei dem Stemberg vorerst seine Ueberredungs- 
kunst versucht, bleibt fest dabei, blos seine 2 Regimenter, die unter Coob dienen, 
zu verpflegen. (Bericht Stembergs d. d. Dresden 20. Jan. 1676. Aut.). Anfangs 
Februar trifft dann Stemberg, der den Kurfürsten von Brandenburg schon schrift- 
lich von seinem Begehren in Kenntnis gesetzt, (Schreiben vom 19. Jan. 1676) 
in Berlin ein (Bericht vom 7. Februar 1676 aus Berlin). 

Unterdessen hatte der Kurfürst beim Kaiser sich darüber beklagt, dass 
Coob die von Brandenburgs Truppen in Mecklenburg innegehabten, und ihnen 
angewiesenen Quartiere gewaltthätig bezogen habe ; worauf der Kaiser erwiderte, 
er hoffe von einer Gewaltthätigkeit werde nicht die Rede sein können, zu einer 
solchen habe Coob kein Recht und keinen Auftrag; dem Kurfürsten hätte der 
Kaiser aber im Mecklenburgischen keine Quartiere angewiesen. Stemberg 
erhält daher Auftrag, den Kurfürsten zu vermögen, von Winterquartieren im 
Mecklenburgischen mit Rücksicht auf des Kaisers Noth abzustehen (31. Jan. 1676). 
Dazu kommt, dass in Wien Nachrichten einlangen, dass Brandenburg Dorsten, 
Dortmund u. a, m. mit Gewalt mit Quartieren belegt , dass nicht nur der west- 
phälische Kreis, sondern auch Erfurt die Einquartierung durch die Brandenburger 
fürchtet. (Weisungen vom 8. und 12. Febr.) Von alle dem soll Stemberg den 
Kurfürsten abhalten. 



>) üeber Stembergs Mission Puf. I. c. XIV. 17 f.; Tb. Eur. XI. 871. 



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Sächsische Hilfstruppeo. Hannover. 851 

Sternberg an den Kaiser. Dat Berlin 14. Februar 1676. (Or.) 

[Audienz. Erklärungen des Kurfürsten bezüglich der Quartiere. Verbindung mit 
Hannover. Des Herzogs von Hannover Haltung und Pläne. Erklärungen der Kur- 
fürstin. Verhandlungen des Stemberg mit dem Kurfürsten in der Quartier- und in 
der Passfrage. Conferenz mit den kurfürstlichen Räthen. Forderungen Sternbergs. 
Erklärungen des Kurfürsten bezüglich derselben. Anhalts Haltung. Antwort der 
Räthe auf Stembergs Forderungen. Verhandlungen der beiden Parteien. P. S. Des 
Kurfürsten neue Erklärungen.] 

Am sechsten Abends in Berlin angekommen, hat Stemberg am siebenten Februar 14. Febr. 
Audienz. Der Kurfürst erklärt seine Bereitwilligkeit in Verhandlungen einzutreten, 
dieses aber müsste er mir alsobalden ganz deutsch sagen, mehr Quartier 
müsste er haben, sonsten in Entstehung dessen er gezwungen sein wurde 
andere Partei anzunehmen ; er könnte so nicht subsistiren, sondern sammt 
allen seinen Leuten zu Grund gehen. Mit den chursächsischen Herren Ge- 
brüdern wurde er sich leichtlich vergleichen, wann nur E. K. M. durch die 
Finger sehen und damit dissimuHren wollten. In dem hannoverischen Werk 
hätte er etwas in Händen, so er bis dato noch niemand anderen offenbaret 
und vertrauet hätte und thäte es hiemit mir eröffnen: Er getraue ihme 
bei selbigem Herzog viel guts zu richten und habe Briefe von ihme, 
dass er sich mit ihme noch vorm Anfang der Campagna selbsten ersehen 
und in einem und anderen mundlich unterreden wolle; er getraue ihme 
zu erhalten, dass Hannover ihme etliche 1000 Mann überlassen werde ^). 
Seinem fürstlichen Hause Braunschweig-Lüneburg aber thue gedachter 
Herzog ganz nichts trauen; E. K. M. zu Gefall und auf dero Wort und 
Sicherheit werde er mehrers thuen, als auf aller anderen Alliirten kräftigste 
Versicherungen. Wann also E^ K. M. gnädigst beliebig wäre ihme eine 
gnugsame Vollmacht nebenst einer klaren Instruction, wie weit er mit 
Hannover zu tractiren hätte, ehistens zu überschicken, so wollte er sich 
bemühen — absonderlich da E. K. M. in solchem Fall der Herübertretung 
denselben zu Participirung der Conquisten zuzulassen und den Genuss 
einiger Quartier zu vergönnen, auch die garantiam darüber zu ver- 
sprechen, gemeint wären — ihn auf einen guten Weg zu bringen; es 
müsste aber bald geschehen und auf solche Weise, dass keinem anderen 
als ihme, dem Churfürsten, allein dergleichen Commission aufgetragen 
würde'); dann das Werk müsste mit grosser Dexterität, Glimpf und 
Bescheidenheit tractirt werden. Auf eine andere Manier, weniger durch 



*) Brandenburg hatte bereits am I1./21. Sept 1675 im Vereine mit Dänemark 
und Münster einen Neutralitätsvertrag mit Johann Friedrieb von Hannover geschlossen ; 
Dumont 1. c. VII., 305 f.; Puf. 1. c. XIII. 46 f. 

») Vergl. Puf. 1. c. XIV. 17, 23. 

54* 



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852 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

Yiolenz, wurde man allda nichts ausrichten ; er sei so circumspect, dass 
er sich mit denen Quartierständen meistens auf sicher Geld verglichen 
und die Mannschaft in sein Land gezogen habe, ausser etwas weniges, 
so er doch innerhalb 2 oder 3 Tagen längstens bei sich haben könnte. 
Er habe eine viel grössere und bessere Mannschaft als das übrige gesamrote 
Haus Braunschweig zusammen, wollte auch gut davor sein, dass keiner 
von den Alliirten anbeissen werde und er wollte es auch keinem rathen. 
Dass Hannover anfangs mit Frankreich sich eingelassen, dazu hätten ihn 
eben die andere seines Hauses durch das übele Tractament veranlasset; 
der Tractat sei gleichwohl geschlossen und von ihme bona fide eingangen 
worden, indeme der Bischof von Münster sowohl ihne Herzogen von Han- 
nover, als auch die übrige Alliirte, so jetztgedachten Tractat schliessen 
helfen, versichert gehabt^ er sei von E^ K. M. mit gnugsamer Vollmacht 
versehen. Wie ich aber den Churfürsten mit Erlaubnus in diesem Dis- 
curs interrumpirt und gefraget, warum man dann sothane Vollmacht zu 
prnduciren nicht verlanget hätte, ist mir darauf geantwortet worden, ia, 
es wäre freilich geschehen; man hätte es begehrt; von Münster aber 
darauf mit Empfindligkeit gemeldet worden, ob man ihme dann nicht 
gnugsamen Glauben zustellen wollte; obgemelte Vollmacht hätte noch 
andere puncta mehr in sich, welche E. K. M. nicht gerne sehen würden 
kund zu machen und vorzuweisen. Er, der Churfürst, hätte ganz frische 
Briefe von Hannover, in welchen er meldete, öfters angezogener Tractat 
wäre nur zu consideriren als der erste Passus; er werde nach und nach 
ein mehrers thuen; die Herzogin seine Gemahlin^) merke es gar wohl, 
thue nichts als weinen, indeme der Versieux') in seiner letzterer der- 
örtigen Anwesenheit nichts neues geschlossen, sonderen un verrichter Sachen 
hinwider abreisen müssen und dieses könne E. K. M. der Churfürst bei 
seinen Ehren versicheren: Wann der von Crockow zu Wien, oder dero 
andere ministri zu Mühlhausen ein mehrers wider Hannover geredet 
haben sollten, würden sie wie Narren gethan haben, wären auch darüber 
nicht befehlicht gewesen. In summa, auf kein violentes Mittel sei bei 
so gestalten Dingen zu gedenken. Dänemark halte bei Hannover fest, 
den jüngst zwischen Münster und Hannover geschlossenen Tractat') hätte 
er, der Churfürst, bis dato nicht bekommen können; doch aber davon so 
viel Nachricht erhalten, dass derselbe den Herzog von Hannover in 



*) Benedicte Henriette, Tochter des Pfalzgrafen Eduard von Simmem. 

>) Virset; vergl. Puf. 1. c. XIV. 23. 

5) Vertrag vom 29. Oct. 1G75; vergl. Dumont I. c. 314ff. 



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Hannover. Qoartierfrage. g53 

grosse Sicherheit setze. Das übrige wollte er za der Conferenz remittirt 
haben; denen dazu deputircnden Rathen könnte ich alles eröffnen, ausser 
dieses, dass er mit Hannover zusammenkommen würde, welches er aus 
gewissen ihme bekannten Ursachen und motivis gerne bei sich geheim 
halten wollte. 

Die Kurfurstin zeigt sich überaus freundlich, verspricht dem Stemberg alle 
mögliche Assistenz, mit diesem Zusatz, der Baron de Goess als jetziger 
Bischof zu Gurk^) werde ihr Zeugnus geben können, dass sie ihm aus 
mancher Noth geholfen habe. Bei einer neuen Unterredung mit dem Kur- 
fürsten am selben Tage findet Stemberg denselben in allen ganz glimpflich und 
raisonnabel, ausser des Puncts der Quartiere, bei welchem er gemeldet, 
der chursächsischen Gebrüder Länder müsste er zu Quartieren haben, 
man thue auch, was man wolle; und aller Gefahr, auch übeler Conse- 
quentien ungeachtet, welche ich hiebei mit grossestem Glimpf repraesen- 
tirt, hat es dannoch nichts helfen wollen, sonderen klar zu mir heraus- 
gesagt: Es soll ihn dieser oder jener holen, wann er dieses nicht erhielte, 
so wurden E. K. M. ihn verlieren; er brauchete alle Monat uf das 
wenigste hundert und zwanzig tausend Rthlr. seine Armee zu erhalten 
und auszubringen; gute Worte verlange er nicht; wann er nur dieses 
hätte, was E'. K. M. Officiers aus den Quartieren unbillicher Weise 
erpressen, wollte er eine Armee von 30000 Mann halten; specificirtc 
etliche, die da monatlich zu 10, 20 und mehr tausend Thaler für sich 
aliein zu Beutel stecken thäten. Wie er nun so ungeduldig zu werden 
anfieng, habe ich für gut befunden mich zu beurlauben. Am folgenden 
Tage hat Stemberg mit den Gesandten des Königs von Dänemark und des 
Herzogs von Braunschweig-Luneburg eine Unterredung bezüglich der Quartierfrage. 
Auf neuerliche Bittschreiben Coobs verlangt Sternberg vom Kurfürsten von 
Brandenburg den noch nicht bewilligten Pass für die 2 sächsischen und 1 
eisenachisches Regiment; findet diesen aber sehr alterirt darüber, mit diesem 
Vermelden, man suchete sie zu ruiniren und ihren armen durch die 
schwedische Waffen ganz und gar erschöpften und verdorbenen Unter- 
thanen noch das letzte Stück Brod aus dem Maul zu reissen. Die 2 
bei gedachten Regimenteren vorhandene Obristen bekamen dabei schänd- 
liche Epitheta. Auf vieles Bitten Stembergs und auf dessen Versprechen hin 
auf scharfe Disciplin sehen zu wollen, erklärt der Kurfürst endlich, man mögte 
nur 3 Tage Frist geben, damit das nöthige Proviant und die Vorspann 
verschaffet werden könnten; falls aber die geringste Insolenz geschehen 



Goess war Anfang 1676 Bischof von Gufk geworden. Vergl. Deutsche Bio- 
graphie Bd. 9. 



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854 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

würde, so wollto er alle Officier an einer Galgen aufhängen lassen. 
Am selben Tage noch hat Sternberg Conferenz mit des Kurfürsten Käthen 
Somnitz, Generalcommissär Gladebeck und Meinders. Stemberg gibt in der- 
selben die Wunsche des Kaisers kund. 1^ Sobald die Schweden vernichtet, oder 
doch geschwächt sind, soll Brandenburg wider Frankreich und dessen Adhärenten 
den Kaiser unterstutzen. 2°. Der Kaiser hat durch Sternberg die Differenzen 
zwischen Münster und Braunschweig-Lüneburg in der Quartierfrage beizulegen 
versucht, fand daselbst Willen dazu ; der Kurfürst solle nun seinerseits bei dem 
in Hildesheira stattfindenden Congresse dazu beitragen, dass die nothwendige 
Einigung der beiden Mächte zu Stande gebracht werde'). 3^ Der Kaiser hat 
dem Crockow in Wien die äussersten Zugeständnisse in der Quartierfrage gemacht; 
er hofft, der Kurfürst wird sich damit zufrieden geben und den Plan der Ein- 
quartierung in sächsische Länder, Erfurt etc., mit Rücksicht auf die grossen daraus 
zu befürchtenden Unannehmlichkeiten aufgeben. 4^ Da der Kaiser vernommen, 
dass Brandenburg in das Fürstenthum Westphalen Truppen einrücken lassen 
will, dass in Dorsten einige Mannschaft bereits eingerückt ist, ersucht der 
Kaiser den Kurfürsten dies nicht zu gestatten, weil es nach den getroffenen 
Verabredungen mit der Würde des Kaisers nicht zu vereinbaren sei. 5^ Ebenso 
sollen die schwarzenbergischen Herrschaften Gimbom und Neustadt vom Kur- 
fürsten verschont werden. 6^ Das coobische Corps soll mit Winterquartieren 
versorgt; 7«. die Küchelämter des Grafen von Mannsfeld von allen Ein- 
quartierungen befreit werden. Sodann berichtet Sternberg noch von seiner 
Mission in Celle und schliesst mit der Bitte, der Kurfürst möge seinerseits 
alles thun, um den Herzog zum Kampfe gegen Frankreich oder Schweden, 
oder wenn dies nicht zu erreichen, zur üeberlassung von 6000 Mann an den 
Kaiser zu vermögen. Die Räthe nehmen Stembergs Vorschläge ad referen- 
dum. Am folgenden Tage meldete der Churfürst zu mir; ich hätte gestriges 
Tages seinen Käthen eine Proposition eingeschenket, (auf) welche sie 
mir auch wohl Bescheid thun würden. Er wollte mir aber hierüber 
wiederum eins zugebracht haben und beschwörete mich, E'. M. es also- 
bald zu überschreiben und zu berichten, wann man ihn mit den 
Quartieren nicht anders tractiren würde und mit Chursachsen Gebrüderen 
Länderen nicht durch die Finger sehen, so müsste er mit Frankreich 
und Schweden sein Accommodement machen, hernacher werde es Schle- 
sien gelten, welches er allein defendirt hätte. Die Churfürstin sprach 
ibme darüber gewaltig zu, mit Bitten, er sollte sich doch nicht also alte- 
riren, es würde seiner Gesundheit schaden. Er aber continuirte immer- 
fort und sagte, ich redete gut für Mainz, ich redete gut für Sachsen 
und für ihme redete ich gar nichts. Wie dann dasienige, so E. K. M. 



') Ein Vertrag zwischen den beiden Mächten kam am 19./29. August 1676 m 
Stande; Dumont 1. c. VII. i 324. 



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Quartierangelegenbeit 855 

ihme geschrieben, verstanden werden sollte, dass sie ehistens einen zu 
i- ihn abschicken wurden, welcher mit ihme so wohl in dem Quartierwesen, 
' als anderen wichtigen Materien vertraulich communiciren solle, dieses 
habe er nichts anders zu sein geglaubt, als dass ich ihme weitere An- 
weisung der Quartier mitbringen wurde; sonsten wusste er nicht, worin 
die Vertreulichkeit stunde, da man ihn nur zu ruiniren suchete; seine 
besten Länder wären von Schweden verdorben, die clevische müssten 
Frankreich contribuiren. VVohero er dann die Mittel nehmen solle; ich 
sollte diese Extremitäten E^E. M. alsobalden berichten; sonsten mögte 
ich das Uebel, so hieraus erfolgen mögte, schwer zu verantworten haben. 
Stemberg sucht ihn zn besänftigen und betont den guten Willen des Kaisers 
Brandenburgs Forderungen zu erfüllen. Er interrumpirte mich mit unglaub- 
licher Entzündung und sehr hitzigen Worten und sagte, er halte nichts 
auf die blosse Worte, sonderen wollte den Effect sehen; man habe ihme 
viel Subsidien versprochen und nichts bezahlt. Er müsste thuen, was er 
gesagt und gieng darauf mit dem Fürsten von Anhalt davon; in der 
Thür aber wendete er sich um und meldete, er habe zu schreiben, ich 
wollte nur da bleiben; also bliebe ich annoch eine Weile bei der Chur- 
furstin und ersuchete sie nochmalen auf das allerhöchste, sie wollte 
doch dem gemeinen Wesen zum besten ihren bei E^ E. M. imprimirten 
Credit hier anwenden und dem Churfursten dergleichen gefasste böse 
Gedanken möchlichst ausreden. Aber es war ihr selbsten nicht wohl 
darbei und scheint es ihr um des Churfursten Person und Interesse ab- 
sonderlich zu thuen zu sein; glaubete also wie er, die sächsische Quar- 
tiere wären ihnen ja einmal zu vergönnen. 

Der Fürst von Anhalt besucht Sternberg am folgenden Tage, bedauert das 
heftige Auftreten des Kurfürsten und verspricht seinerseits alles für das Inter- 
esse des Kaisers zu thun. Ich befinde aber in der Wahrheit, dass dieser 
guter Fürst in dem churfurstlichen Credit ziemlich callirt und sich in 
denselben hinwider zu bringen mit Einstimmung alles dessen, was er 
nur immer verlanget, suchen thuet. 

Am selben Tage findet die Conferenz mit den kurfürstlichen Käthen statt. 
Ihre Antworten auf die einzelnen Vorschläge Stembergs sind: Ad 1"«. Der Kur- 
fürst ist gerne bereit, wenn die Schweden besiegt sind, gegen Frankreich zu 
kämpfen. Ad 2"">. Brandenburg ist bereit zur Aussöhnung Münsters mit Braun- 
schweig-Lüneburg mitzuwirken, obgleich beide Fürsten, wie sich gezeigt, es mit 
Brandenburg nicht ehrlich meinen. Ad 3"™. Der Kurfürst muss mehr Quartiere 
haben, er kann aus eigenen Mitteln seine grosse 24000 Mann starke Armee nicht 
erhalten. I.Ch.D. erinnerten sich der Versicherung gar wohl, so sie an Chur- 
sachsen als Churfursten gethan, von dero Herren Gebrüder Länderen sie 



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856 VIT. Der Krieg gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1679. 

aber darin nichts gemeldet hätten und diese verlangeten sich mit Chur- 
brandenburg um ein gewisses abzufinden. Die Garnison in Erfurt 
brauche nicht so viel . . . Die von E^ K. M. ihnen assignirte Fiirstenthnmer 
Gotha, Weimar und Altenburg wären von dero darin vorhin gelegenen 
Völkern also ausgefressen und erschöpfet worden, dass es grosso Mühe 
haben werde etwas mehrers darin zu finden; wollten dahero gebeten 
haben, E. K. M. geruheten ihnen die nöthige Quartiere zu verschaffen 
und absonderlich der 3 sächsischen Gebrüder *) Länder ihnen zu assigniren, 
oder aufs wonigste durch die Finger zu sehen und solches nicht zu 
verhinderen. Wobei sie iedoch auch so viel zu verstehen gegeben, dass, 
wann sie jetztgedachte Quartiere erhielten, sie sodann das Erfurtische 
und Eichfeldische nicht so sehr achten, sonderen befreiet lassen wollten. 
Sternberg setzt nochmals alle aus der Erfüllung dieses Wunsches zu gewärti- 
genden Gefahren auseinander und ersucht die Räthe dem Kurfürsten noch- 
mals abzurathen. Ad 4»"». Westphalen zu besetzen hätte der Kurfürst, seitdem 
er erfahren, dass der Kaiser diesen Ländern das Protectorium ertheilt, nicht 
im Sinne gehabt; die Einnahme Dorstens sei aus Furcht vor Ueberrumpelung 
dieses Ortes seitens der Franzosen erfolgt. Ad 5"™. Auf Gimbom habe Branden- 
burg kein Anrecht, da müsse ein Irrthum vorliegen; Neustadt aber sei Streitobject 
zwischen den märkischen Ständen und Schwarzenberg. Sternberg erwidert darauf, 
er hoffe Gimbom werde also verschont bleiben und Neustadt müsse ja auch 
bis zur Austragung des in Speier schwebenden Processes verschont bleiben, falls 
ein solcher, was er nicht wisse, wirklich daselbst anhängig sei. Ad 6"™. Zur 
Unterstützung Coobs könne der Kurfürst nichts thun. Ad 7"". Die Mannsfelder 
Küchelgüter seien jetzt im Besitze Hannovers. — Schliesslich lässt der Kurfürst 
von neuem die Versicherung geben, dass er alles aufbieten wolle, um Hannover 
gegenüber die Interessen des Kaisers zu vertreten. Somnitz fügt dann nach 
Schluss der Conferenz bei, die Erlaubnis des Durchzuges der 2 sächsischen 
Regimenter, welche bereits ertheilt worden sei, gelte nur für den Fall, dass die 
Truppen nicht in der kursächsischen Brüder, sondern in des Kurfürsten eigenen 
Landen einquartiert werden , was Sternberg zurückweist und als höchst geföhr- 
lich bezeichnet, worauf Somnitz die Achsel zuckte, der Generalcommissarius 
von Gladebeck aber, als ein harter, violenter Minister mit grossem Geschrei 
gemeldet: Ich sollte mich erinneren, was I. Ch. D. gestern zu mir gesagt, 
was sie für resolutiones zu fassen gedächten und sollte viel lieber dahin 
bemühet sein, dass ihnen alle satisfactiones mögten verschaffet werden. 
Sternberg antwortet, er habe des Kurfürsten Rede wohl im Kopfe, hoffe aber 
dieselbe sei nicht vom Herzen gekommen. 

P. S. Nach Beendigung der Schreibens wird Stern berg an den Hof gerufen; 

') Gemeint sind August Herzog von Sachsen- Weissenfeis, Christian Herzog von 
Sachsen-Merseburg und Moritz, Herzog von Sachsen-Zeitz. 



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Quartierangele^nbeit 857 

der Karfärst zeigt sich besser gesinnt nnd sagt dem Sternberg, er habe ver- 
nommen, dass der Kaiser Angriffe der Franzosen am Rheinstrome besorge; er 
sei bereit 2 Reiterregimenter, Spaen und Eller, alsogleich und sobald Stettin 
gefallen, was er innerhalb 4 Wochen erwarte, 2 Regimenter zu Fuss, 2 zu Ross 
and 1 Regiment Dragoner zu übersenden ; dies alles aber unter der Bedingung, 
dass der Kaiser des Kurfürsten Wünsche in der sächsischen Quartierfrage erfülle. 
Letzlichen meldete er, im Vertrauen wollte er mir etwas eröflFnen; Frank- 
reich und Schweden hätten ihme durch Engelland einen grossen Theil 
von Pommern offerirt und zwaren mit dieser Condition, dass er von E^ 
K. M. und der Krön Spanien sich separiren solle; Frankreich wollte ihme 
sogar zulassen Dänemark zu assistiren . . . 



Steruberg an den Kaiser. Dat. Berlin 17. Februar 1676. 

(Ant) 

[Quartier- und Passfrage.] 

üeber des Kaisers Rescript vom 29. Januar') hat sich der Kurfürst schreck- 17. Febr. 
lieh %lterirt und ist dermassen unwillig worden, das die Churfirschtin drey 
gantzer schtundeo geweinet undt geklaget hat, man werde den Churfirschten 
umbringen. Stemberg begibt sich an den Hof, wo der Kurfürst ihm sagt; 
Bahren') apprehendiret man, mich lasst man schteckeu; man denck an 
mich, ob Colin nicht selbst widerumb denen frantzosen zu Rheinbergen 
helffen wirdt; ich verlang Dorsten nicht zu geniessen, man gebe mir 
genugsambe assecuration wegen meiner länder Sicherheit, so hab Ich 
weiter nichts da zu fodern. Stemberg sucht ihn zu beruhigen. Vergebens. 
Er sagte weiter, die keyserlichen haben die drey firschtenthumber Gotta, 
Weymar undt Altenburg noch nicht geräumet; er habe E^ M. resolution, 
auch das worth durch mich, das diese firschtenthumer Ihme völlig geräumet, 
undt abgetreten weren, wolto sich seines rechtens gebrauchen undt den 
obstinaten interessirten Schavagoiack ') und Dinewaldt*) heraustreiben; 
wolte mir communiciren, wass vor schpitzfindigc schreiben sie an seinen 
ofßcier geschrieben hetten; sie producirten eine klare contr'ordre von 
gen: commissario, das sie nicht weichen solten bis sie andere quartier 
haben undt bis die Brandenburgische anmarchiren werden; das sey schön 
mit Ihm gehandlet. Was Ihm dieses anginge, das sie keine andere 



•) Liegt nicht vor. 

^ A.; steht für Baiem. 

*) Cbavagnac. 

*) Dänewald. 



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858 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

quartier haben; dessentwegen dörflFte er nicht warten; es seyen schon 
2 Monath, das der Crakau ein decrct dariber erhalten, in dieser zeith, 
da man Ihm nicht foppen wolte, hetto man zeith gehabt Ihnen andere 
zu procuriren. Es seye warhafftig eine schöne entschuldigung, das man 
denen Brandonburgischen die quartier nicht räumen wolle, bis sie kom- 
men .. . Sternberg bittet den Kaiser bald in dieser Sache Abhilfe zu schaflfen. 
Der Pass für die sächsischen Truppen war schon unterschrieben, doch hat ihn 
der Kurfürst wieder zerrissen. Sternberg sucht durch die Kurfürstin die Aus- 
steilung eines neuen zu erhalten. 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Potsdam 21. Februar 1676. 

(Aut.) 

[Quartier- und Passfrage.] 

21. Febr. Am 20. hatte man seitens des Berliner Hofes auf die Nachricht vom Ab- 
märsche der kaiserlichen Völker aus den Brandenburg assignirten Quartieren 
die 2 sächsischen Regimenter passiren zu lassen Ordre gegeben. Wie Ich 
aber anhero kommen undt alle gnaden von S'. Ch. D. empfangen, 
mitt derorselben einer schweinhatz beyge wohnt, haben selbte abermalen 
die nachricht empfangen, dass gedachte E**. K. M. Völker annoch in quar- 
tieren weren undt zwarn sich betten verlauthen lassen, aus seihten nicht 
zu weichen. Nun haben S. Ch. ü. sich so weith moderiret undt mit mir 
davon selbst nicht reden wollen, sondern haben den feldtmarschalk 
Dörfifling zu mir mit allen diesfalss an sie kommenen brieffen geschickt, 
mitt einer artlichen anfrag, ob etwan Ich dieses verursachet hette, mich 
dadurch zu rechen, das man die sächsische Regimenter nicht hette 
passiren wollen; sie würden etwass thun, so dem gantzen gemeinen wesen 
praeiudicirlich sein solte, lieber alss also schpetlich sich tractiren zu lassen. 
Sternberg weist diese Vorwürfe zurück, erklärt aber jedenfalls wäre es besser 
gewesen, wenn der Kurfürst von Brandenburg den Pass für die sächsischen 
Regimenter gleich ertheilt hätte. 



Der Kaiser an Sternberg. Dat. Wien 27. Febr. 1676. (Conc.) 

[Mediation Brandenburgs bei Hannover. Quartierfrage. Drohende Reden der Bran- 
denburger. Dorsten. Unterstützung des Kurfürsten.] 

27. Febr. Die alleinige Mediation Brandenburgs bei Hannover scheint dem Kaiser 
bedenklich ; Sternberg soll dem Kurfürsten sagen, Münster sei schon beauftragt, 
könne also nicht übergangen werden; die Cooperation Brandenburgs nehme der 
Kaiser freudigst an. In der Quartierfrage soll Stemberg ganz allgemein von 



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Qoartierfrage. Hannover. Dorsten. 859 

dem Wunsche des Kakers des Karfürsten Begehren zu erfüllen sprechen, dann 
aber vorbringen, was massen wir uns nimmer eingebildet, dass S. L. die 
Qoartier für dero Miliz so hoch und gar bis in das Churflirstenthum 
Sachsen herauf zu extendiren gedacht seien und dahero des Churfürsten 
zu Sachsen !/•". sowohl bei dem vorgewesten Convent zu Mühlhaussen, 
als mittels ihres Abgeordnetens, des Freiherrn von Gersdorf, die Versiche- 
rung thun lassen, dass besagtes Churfürstenthum mit der Einquartierung 
verschont bleiben sollte'); also dass wir um so viel weniger finden 
thäten, auf was Weise oder mit was Fug S. L. zu dergleichen Ueber- 
nehmuDg angestrengt werden könnten; sondern wir setzten zu gedachtem ' 
Churfürsten von Brandenburg L''. das sonderbare hohe Vertrauen, ersuchten 
auch dieselbe ganz angelegentlich, sie wollten dero weltberühmten Gene- 
rosität nach, mehrerwähntes Churfürstenthum Sachsen, warunter auch 
dero Brüdern Lande begriffen, wo möglich völlig entheben, oder wenig- 
stens sich derentwillen leidentlich vergleichen, damit das Werk nicht 
etwan allem Ansehen nach zu einer höchst gefahrlichen Collision an- 
komme; . . . dannenhero mit Rücksicht auf die allgemeinen Verhältnisse 
hauptsächlich dahin zu insistiren sein wirdet, dass wann endlichen auch 
des Churf. zu Sachsen L***". zu einigem Vergleich sich nit würde gütlich 
bewegen lassen, S. des Churfürsten zu Brandenburg L**«». um angeregte 
schädliche consequentias zu entfliehen, gleichwohl lieber nachgeben, als 
es zu einer Collision gelangen lassen sollten. Anlangend die von des 
Churfürsten L**. und dero ministris beschehene mündliche Bedrohungen, 
hast du nicht zwar immediate S^ L^**"., damit sie sich bei ihrem erhitzten 
Gemüth nicht noch mehrers alteriren, sondern des Fürsten von Anhalt 
L***". so viel zu bedeuten, dass ein solches uns sehr zu Herzen dringe 
und wir uns nicht eingebildet hätten, dass man uns dergleichen zu 
verstehen geben sollte; indeme S^ des Fürsten L**. am besten bekannt 
wäre, wasgestalten wir auf dero zum zweiten Mal allhier zu Wien erfolgtes 
Einfinden und inständiges Anhalten, auch grosse Betheuerungen, uns end- 
lichen und zwar hauptsächlich zu Hülfe des Churfürsten von Brandenburg 
L**. zu obhabenden Krieg resolvirt, diesem nach weit ein bessers Vertrauen 
gehabt hätten, als dass man sich um einiger Sachen willen, deren Dis- 
position doch nicht absolute in unsern Mächten stünde, von uns zu sepa- 
riren, ia gar eine andere Partei zu erwählen vernehmen lassen sollte; 
verhofften aber, es seien sothane ausgegossene Reden mehrers aus einem 
gählingen Unwillen hergeflossen, als dergestalt innerlich vermeint gewesen. 

') Für Gersdorfs Mission in Wien Puf. 1. c. XIII. 41. 



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860 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

Bezuglich Dorstens stellt der Kaiser den Antrag, um die Gefahr der Besetzung 
durch französische Truppen, von der Brandenburg gesprochen, zu beseitigen, 
die Festung Dorsten zu schleifen; falls der Kurfürst einverstanden sei, getraue 
sich der Kaiser den Kurfürsten von Köln dazu zu vermögen. Sternberg soll 
ferner den Kurfürsten drängen, den coobischen Truppen Quartiere anzuweisen 
und zugleich von dem an Chavagnac wegen Räumung der sächsischen Fürsten- 
thümer ergangenen Befehle Kunde thun. Die von Brandenburg in Aussicht 
gestellten Unterstützungen soll Sternberg womöglich schriftlich zu erhalten 
suchen. 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Febr. 1676. (Aut.) 

[Mittheilungen des Kurfürsten über seine Verhandlungen mit Hannover. Spinola's 
Sendung. Ansicht des Kurfürsten über die Vertheilung der Eroberungen. Unter- 
redung bezüglich der Evacuation von Dorsten und bezüglich der Quartiere.] 

28. Febr. Der Kurfürst ist in besserer Stimmung; er erzählt dem Steraberg, sie hetten 

diesen tag einen Expressen an Ilanover abgesendet unter dem praetext 

vor den firschten von Anhaldt einige vsublevation zu erhalten, mit dieser 

gelegenheit aber 3000 Mann zu fuess zu kinflftiger dero Operation in 

Pommern zu begehru, sodan walten sie schon vor E. M. auch ein nahmb- 

haffte zahl Volks zu procuriren nicht unterlassen. Der Crackau hette 

Ihnen geschrieben, E. M. hetten zu gedachten hertzogen den bischoffen 

Rochas unter dem nahmen eines graflfen Spinola *) in weltlichen kleidero 

ohne charactere mit geheim ber Instruction abgefertiget. Ich antwortete, 

es künte sein, wüsste aber nichts davon. Sie Hessen sich ein in die 

materiam der participation der conquisten undt schlugen die landtkharten 

des bisthumbs Bremen undt Ferden auff, sagten, Ihrer meinung nach 

solte man nicht difficultiren an Denemark 2 Aembter in Bremischen, 

wie auch die 2 besste Aembter, so vor zeithen schon zum schtifft Minster 

gehörig gewesen, gedachten bischoffen zu iberlassen, das ihrige solte 

das firschtliche haus Lüneburg-Braunschweig incluso Hanovrlensi in partes 

aequales unter sich theilen undt weilen schtaden*) von allen begehrt 

werde, solte man diese vöstung zu verhiettung aller gelosien rasiren, 

an Minster noch darzu 100 oder 150000 thaler bezahlen. Ich schprach, 

8. Ch. D. solten zu Bremen sich interponiren lassen, auch Ihres orts 

das werk also facilitiren, das man sich untereinander vernehmbe undt 

E. K. M. dasjenige sodan einschicke. Sie continuireten noch weiter, 

') üeber die ünionsbestrebungen Christof Royas' (Roxas) de Spinola in dieser 
Zeit, speciell über seine Mission an den Kurfürsten von Brandenburg vergl. den Auf> 
satz von H. Landwehr in den „Märkischen Forschungen" XX. Bd. 1887. 

^ = Stade; über diese Differenzen Puf. 1. c. XIV. 31. 



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Brandenburg-hannoverische Beziehungen. Dorsten. Quartierfrage. 861 

wie das sie in Bremischen — da man Ihnen nur nach eroberong schtaden 
mit etwas assistiren wolte — nichts verlangten, wohl aber von dem proviant 
undt artillerie, so alldorten in ein undt anderen Platz erobert worden, 
XU participiren. Das haus lyneburg hette sich darzu anerbothen, aber 
Minster allein habe bis dato darzu sich nicht verschtehen wollen. Sie haben 
schtetiner brieff intercipirt, was vor ein noth darinnen vorhanden, dahero 
wollen sie ehist möglichst sich dariber machen; der Vrangl habe sich 
dannoch resolvirt in Schweden zu gehn. Bey dieser gutten coniunctur 
hab ich dieselbe gebethen Dorschten zu evacuiren, dem firschtlichen haus 
Lyneburg auch Recklinghausen zu räumen undt wegen der quartier keine 
gelosia zu geben. Da war das feyer alsobaldt in tach undt sagte zu 
mir, er seye schuldig E'. K. M. befehl zu vollziehen, diesess aber könne 
er nicht thun undt sey Ihm so lang die operationes wehren an diesen 
orth gar zu viel gelegen; man wolte Ihm ruiniren undt er hette durch 
den Krakau die noturfft E^ M. weithleyffig vorschtellen lassen; das Eisfel- 
dische undt Erfurtische habe er schon verlassen ; miesste mir klagen, das 
ohne einiger vergangener Insinuation zween ungarische companien durch 
sein landt gangen undt von Ihnen grausambe insolentien veribet worden . . . 
Unterdessen treffen aber Vertreter der sächsischen Fürsten ein und bieten eine 
Geldentschädigung dem Kurfürsten an, der darauf eingeht und Steruberg um 
Gutheissung und Aufmunterung der sächsischen Vertreter bittet, was dieser mit 
Rucksicht auf die ihm mangelnde Instruction ablehnt. 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Berlin 2. März 1676. (Aut.) 

[Räumung von Dorsten und Neustadt betreffend. Vergleich des Brandenburgers mit den 
Brüdern des Kurfürsten von Sachsen.] 

Auf weiteres Bitten Sternbergs erklärt sich Friedrich Wilhelm bereit Dorsten 2. März, 
zu räumen, wenn der Kaiser es besetzen oder Braunschweig auftragen wolle, 
auf dasselbe ein wachsames Auge zu haben. Auch Neustadt zu räumen erklärt 
er sich bereit Die Nachrichten von der Bewegung der dänischen Flotte erfreuen 
den Kurfürsten sehr'). Die grösste ursach der freide, die sie haben, ist, 
das der vergleich zwischen Ihnen undt denen chursächsischen gebriederen 
allbereith geschlossen auff 26 000 thaler monatlich, welliches die abge- 
sandte mir Selbsten notiiiciret haben. Ich hab nur diesess erinnert, das 
es mitt gutten willen undt ohne unlusst oder einigen widerwillenss 
I'. Ch. D. zu Sachsen geschehe undt ohne dero praeiuditz, welliches sie 
mitt ia hoch undt teyer beteyert. Sie sagten mir auch, sie weren bereith 

') Für Dänemarks Operationen zur See in dieser Zeit; Oebhardi.l. c. 544 f. 



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die meisste Aembter in Mcchel burgischen ohne eintziger compensation 
abzutretten, aber man solle nur mit Denemark darumb handien . . . 



Sternberg an den Kaiser. Dat Berlin 6. März 1676. (Aut) 

[Des Kurfürsten Aeusserungen über Frankreich. Räumung des erfurtischen und 

eisenachischen Gebietes.] 

G. Murz. Sternberg geht auf die Einladung des Kurfürsten hin mit diesem nach Küstrin. 

Sie (der Kurfürst) seindt recht wieder frankreich animirt undt haben 
mir erzehlt, wie schpetlich dero bey frankreich geweste gefangene Soldaten, 
so neylich von dem herrn generalleytenambt graffen Montecuculy dero- 
selben zurückgeschickt worden, weren tractirt undt ibel gehalten worden ; 
sie wolten es denen frantzosen ärger machen; gott solle nur das glick 
wider Schweden verleyhen, so wolten sie alle Ihre kräfften wider frank- 
reich anwenden. : . . Das Erfurtische undt Eisenachische ist auff mein 
inschtendigess undt sehr eifferigess anhalten entlichen geräumet worden. 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Küstrin 9. März 1676. (Ant) 

[Neuburg. Des Kurfürsten Erklärungen über den Neuburger. Des Kurfürsten Kriegs- 
pläne. Verhältnisse in Polen.] 

9. März. Der Kurfürst zeigt sich hoch erfreut, dass der Tractat über die neuburgische 

Werbung zum Schluss gediehen, mit vermelden, unsere partie were umb ein 
guttess wider schterker worden; hingegen künnen dieselbe sich nicht 
genugsamb verwundern — wie der König in Engelandt zu dero gesandten 
zu Lunden gesagt — , das cbur Pfaltz an selbten König biettweiss gelangen 
lassen, er wolte Ihme zu acceptirung der Neutralitet bey frankreich 
helflfen, dan sonsten köute er die gäntzliche ruin seiness landess nicht 
retten; warauff der König geantwortet, weil er den studio mediatoris 
invigiliren wolte, könte undt wolte derselbe in dergleichen partialitet sich 
nicht einmischen; könte er sonsten Ihme in etwass verhilfflich sein, 
wolte er sollichess gern thun. Sie sagten darzu, ob diesess verninfftig 
gehandlet were, da schon dass landt ruinirt, hingegen unsere partie 
schterker als nie, das man allererscht von derselben sich separiren 
wolte. Sie begehreten gutth östereichisch zu schterben undt frankreich 
in ewickeit nie trauen, warbey Ich sie geschterkt undt gelobt ... Sie 

^) Gemeint ist das Bündnis zwischen Spanien und den Staaten einer-, Neuburg 
andererseits vom März 1676; Dumont I. c. VII.i 321 f. 



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Neuburg. Kriegspläne des Kurfürsten. Brandenburg-poluische Beziehungen. §63 

denken nan alle augenblick an die impresa von Stetin . . . Nach eroberung 
diesess Platzess, wollen sie E'. K. M. alle Cavallerie undt Dragoner zu- 
schicken undt nichts alss 3 Regimenter zu Pferdt undt einess Dragoner 
behalten. Man muss sie nun dabey erhalten undt in etlichen anderen 
Excessibus, in materia der quartier, durch die (inger schauen. I. Ch. D. 
sagten zu mir, wie leid ess Ihnen umb dero so treyen undt in Pohl- 
nischen Sachen so wohl erfahrnen rath undt alldorten verbleibenden 
abgesanden, den von Overbeck, were, weilen dessen secretarius schriebe, 
er were in ziegen gelegen; zugleich aber das die frantzösische faction 
in Pohleu sich vermerken Hesse, wan der churfirscht nicht von der partie 
wider frankreich sich separirete, so weite man Ihm, sobaldt nur mit den 
tirken fried würde, in sein landt einfallen*). Ich sagte darzu, der fried 
were noch weith undt dieselbe faction nicht alless möchtig; E. K. M., 
S. Ch. D. undt andere Alliirte hetten noch gutte freindt darinnen; sie 
solten sich nicht abschreken lassen; es könte sein, das sie vielleicht 
mehr vor I^ Ch. D. waffen sich zu befirchten haben wurden. 



Sternberg an den Kaiser. Dat Berlin 13. März 1676. (Aut) 

[Säcbsisch-brandenburgische BeziebuDgen. Des Kurfürsten Erklärungen in dieser 
Frage und über seine Haltung im allgemeinen. Verbandlungen des Sternberg mit 
den kurfürstlichen Ruthen in der Quartierfrage und bezüglich der brandenburgischen 
Unterstützung des Kaisers. Neuerliche Unterredung des Sternberg mit dem Kurfürsten 
in der Quartierfrage. Anhalt.] 

Der kursachsische Hof zeigt sich in der Quartierfrage verbittert. Der Kur- 13. März. 
fürst erklärt Stemberg auf dessen Meldungen in dieser Angelegenheit, ess were 
V. Ch. D. warhafftig leid, das chursachsen sich dariber also alterire, 
aber sie könten mitt gott bezeigen, dass sie widrigen fallss alle opera- 
tiones lassen undt nolcns volens zu anderen resolutionen sich entschliessen 
miessten; sie verlangeten inskünfftige gern so viel möglich derselben 
länder zu verschonen; sie hetten an chursachsen so höfHlche brielT 
ablauffen lassen, hingegen sehr unhöffliche ja grobe andtworten bekommen. 
Nichtsdesstoweniger weiten sie alsobaldt dero gemahlin obr. hoffmeisstern 
undt geheimben rath, den von gnösebeck '), mitt kräfftigen sincerationen 
undt anerbietten dahin abordem, auch wohl ein schtück geldt mittgeben, 
den churfirschten, oder theilss ministem ein schtöck geldt in buesen zu 



*) Für die brandenburg-polnischen Verhältnisse dieser Zeit vergl. Puf. 1. c. XIV. 3. 
^ Thomas Ton Knesebeck; vergl. Klaproth I.e. 364 f.; über seine Sendung Puf. 
I.e. XIV. 55 f. 



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werffen undt sich von allen maledictionen hbenren. Sie wolten hertzlich 
gern die darinnen einlogirte 4 Regimenter zu Pferdt widerumb abmar- 
chiren lassen, aber die Reputation seye impegnirt; darzu könten sie mitt 
warheit sagen, es weisete ess auch der augenschein, das in zwo dero 
provintien, theilss von Schweden, theilss von deroselbst eigenen milice, alss 
in der Uecker undt mittlmark, alle furagen also weren verzehrt undt zuvor 
verderbt worden, das dero cavallerie in ermanglung dieser quartier zu 
grundt gehen miesste. Sie wolten aber so schtrenge ordre halten undt 
alles wass man in natura bekombt an geldt defalciren lassen, dass man 
dariber sich nicht zu beschweren ursach haben werde. Man soll sie 
nur diesmal nicht trost- nnd hilfTloss lassen, sie wollten hingegen bey 
E^ E. M. redlich das ihrige wilss gott wider frankreich aussetzen. 

Dasselbe A^dederholen die kurfürstlichen Käthe. Bezüglich Dorstens sind 
die kurfürstlichen Räthe gegen die gänzliche Evacuirung, sind aber zufrieden, 
wenn mau ihnen gestattet blos 3 Compagiiien dort zu halten ; mit Braunschweig 
wird sich der Kurfürst darüber so vergleichen, dass der Kaiser nicht im geringsten 
in der ganzen Angelegenheit behelligt werden soll. In Mechelburgischen 
betten sie nicht mehr als drey aembter, welliche zu bedeckung Ihrer pro- 
vintzien nothwendig; . . . der Copp soll die andere allbereith Evacuirte 
aembter beziehen, wellichess Ich Ihme auch geschrieben. Ich kan aber 
E. K. M. unterthänigst versicheren, das die von denen zween sächsischen 
undt von dem Eisenachischen Regiment hie gewesste officier mich 
versichert, das nachdeme sie heraus gemarchirt, das Coppische corpo 
genugsambe quartier habe, ja so viel, das fasst auff iedem Soldaten ein 
gantzess dorff komme. Weiters ist in materia der quartier, was Branden- 
burg einmal besitzet, nichts zu erhalten, solte Ich auch 100 Jahr dahier 
bleiben. Aus Neustadt werden die brandenburgischen Truppen abziehen. 
Endlich erklären die Räthe des Kurfürsten, derselbe werde Stemberg schriftlich 
die Bedingungen zukommen lassen, unter denen er dem Kaiser Truppen gegen 
Frankreich zu Hilfe zu schicken im Sinne habe ; diese Bedingungen sind 1^. Dass 
die 3 Regimenter zu Pferd, das spaenisclie, ellerische und frankenbergische am 
unteren Rhein operiren sollen.; der Kurfürst wünsclit zu wissen, unter wessen 
Commando diese Truppen kämpfen sollen; jede Person mit Ausnahme des 
Bischofes von Osnabrück ist ihm recht. 2^ Die Verpflichtung des Kaisers die 
Truppen während der Campagne zu verpflegen und nach derselben für Quar- 
tiere zu sorgen. 3^ Die Generalität des Kurfürsten soll wie die übrige be- 
handelt und in den Kriegsrath gezogen werden. Sobald Schweden besiegt 
sein wird, will der Kurfürst mit seiner ganzen Macht gegen Frankreich los- 
gehen. 

Ein neuerlicher Versuch Stembergs in der Quartierangelegenheit etwas 
beim Kurfürsten zu erreichen bleibt erfolglos. Friedrich Wilhelm gibt die besten 



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Quartierfrage. Unterstätzung des Kurfürsten. Anhalt. Coob. 865 

Versicherungen für die Zukunft ; erklärt aber jetzt keine weiteren Zugeständnisse 
machen zu können. 

Mitt den firschten von Anhaldt hab ich gnädigst anbefohlenermasseD 
geredt undt Ihne an dasjenige erinnert, wass er damahlss zu wien nego- 
tiiret hat. Er ist aber also beschaflfen, das, nur sich bey den H. chur- 
firschten angenehmb zu machen, er allemahl ad gustum reden undt schwartz 
weiss heyssen werde. Er ist hier in der Meinung, das keiner seiner 
freinde auch sich auffihm nicht dass geringste zu verlassen habe; giltet 
auch gar wenig undt hat die churfirschtin zu einer grossen feindtin . . . 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Berlin 16. März 1676. (Aut.) 

[Coob.] 

Der für den sächsischen Hof bestimmte brandenburgische Gesandte') ist heute 16. März, 
abgereist; man thut alless suaviori via suchen. Coob ist in Berlin gewesen 
und heute nach Glogau abgereist. Seine Versuche Quartiere beim Kurfürsten 
zu erwirken, blieben erfolglos; doch versicherte er, dass die Truppen jetzt 
keine Noth leiden. 



Stemberg an den Kaiser. Dat Berlin 23. März 1676. (Aut) 

[Polnisch-brandenburgiscbe Beziebungeu. Gespräche Sternbergs mit dem Kurfürsten 
in dieser Sache. Hannover. Nachrichten aus Dresden.] 

Die Forderungen des hier anwesenden polnischen Gesandten, welcher neben 23. März, 
der Hilfeleistung von 1200 Mann nach den alten Verträgen die Herabsetzung 
des Postportos wünschte, versetzen den krank darniederliegenden Kurfürsten 
in Aufregung'). Sie fahren zu zeithen aus: sie Hessen Ihnen von Pohlen 
nicht auff die fiess treten, weiten vorkommen undt selbst attacquiren. 
Stemberg versucht es ihn zu beruhigen. Ich kan nicht ausschprechen, wie 
confident sie anietzo mich tractiren undt wass vor grosse Expraessiones 
der unverrukten trey gegen E. E. M. dieselbe ausschprechen. Gegen Han- 
nover ist der Kurfürst jetzt etwas eingenommen. Nachrichten aus Dresden 
melden die Beilegung des Streites bezuglich der Quartierfrage. 



Knesebeck. 

«) Puf. I.e. XIV. 5. 



Ibter. K. 0««cb. d. O. Korfursten. XIV. 2. 5Ö 



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Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 16./26. März 

1676. (Or.) 

[Einquartierung im Mannsfeldischen.] 

26. März. Der Kurfürst erklärt, nicht seine sondern hannovranische Truppen seien in 
den dem Grafen Franz Maximilian Mannsfeld gehörigen Aemtern einquartirt; 
daher er nichts daselbst zu thun vermag. 

Vom selben Datum stammt auch das Recreditiv für Stemberg. 



Sternberg an den Kaiser. Dat. Berlin 27. März 1676. (Aut). 

[Sächsisch- brandenburgische Beziehungen. P. S. Evacuation Dorstens.] 

27. März. Der nach Sachsen gesendete kurfürstliche Rath von Knesebeck ist hieher 
zurückgekehrt und meint die Sache in Dresden bezüglich der Länder der 
Brüder des Kurfürsten dahin gerichtet zu haben, das einess theilss S. Ch. D. 
zu Sachsen in der Couniventz verbleiben, andererseits sein herr auch 
alle discretion brauchen werde. Der Kurfürst hat Sternberg gestern ver- 
sichert, sobald er gesunde, werde er mit dem Kurfürsten von Sachsen zusammen- 
kommen. Stemberg gedenkt noch an diesem Tage abzureisen. 

P. S. Bezüglich Dorstens erklärt der Kurfürst dem Stemberg, der nach 
erhaltenem kaiserlichen Befehle die Evacuation fordert, er werde Dorsten eva- 
cuiren, sobald er seine Truppen in's Feld werde rücken lassen; früher unter 
keiner Bedingung; im allgemeinen zeigt sich der Kurfürst sehr alterirt über 
des Kaisers Verhalten in der Quartierangelegenheit. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 
27. März/6. April 1676. (Or.) 

[Unmöglichkeit für den Kurfürsten die Reichsquote an Hilfe dem Kaiser zu leisten. 

Qiiartierfrage.] 

6. April. In Erwiderung des kaiserlichen Schreibens vom 17. Febr. *), in welchem 
der Kurfürst aufgefordert wird seine Kreisquote dergestalt in Bereitschaft zu 
halten, dass man sich derselben bei der nächst bevorstehenden Campagne wider 
die Krön Frankreich bedienen könnte, bemerkt der Kurfürst: Nun habe ich 
in erwähntem gnädigstem Schreiben angemerket, was massen E. K. M. 
davor halten, dass, wann ich gleich das Quantum der Mannschaft, so in 
der mit E'. K. M. getroffenen Alliance enthalten, aufgebracht, ich dennoch 
darüber meine Ereisquotam aufzubringen und zu halten mich nicht ent- 
brechen könnte. Darauf ich dann E'. K. M. unterthänigst anfügen mu.ss, 

^) Liegt nicht vor. 



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Brandenburg-sächsische Beziehungen. Quartierfrage. 867 

da^s ich nicht alleioe das in der Alliance ausgedrückete Quantum, sondern 
^*eit mehr als noch eines so viel bisher auf den Beinen gehabt und 
^wider E'. K. M. und des Reichs Feinden wirklich agiren lassen. Und 
weil dann keiner der kriegenden Theile als ich alleine seine Lande wider 
beide Kronen Frankreich und Schweden versicheren muss, ich auch alleine 
von Schweden attaquiret worden und selbige Krone noch nicht dergestalt 
gedemüthiget, dass ich meine wider dieselbe habende Kriegesmacht 
schwächen könnte, daher dann auch E. K. M. mir einiger Kreise Völker 
zur Assistence zuzuordnen veranlasset worden, zu geschweigen der Ge- 
fahr, welche mir auf unnachlässiges Anhalten der Franzosen und Schwe- 
den von Polen angedrohet wird und dass meine Armee, nachdem sie so 
spät und fast um die Zeit, da die Campagne angehen sollen, in die 
enge Quartiere gekommen, nicht so zeitig wird completiret werden 
können, als wohl nöthig wäre; so habe zu E^ K. M. ich das unterthä- 
Digst« Vertrauen, dieselbe werden ferner nicht begehren, dass ich mein 
Kreiscontingent ander werts hinschicken sollte, sondern vielemehr die 
gnädigste Verfügung thuen, dass der beiden sächsischen und des west- 
phälischen Kreises Völker sich gegen bevorstehende Campagne wirklich 
bei meiner Armee sistiren mögen. 

Am selben Tage übersendet der Kurfürst dem Kaiser ein vom Markgrafen 
von Baireuth eingelangtes Verzeichnis*), was von des Kaisers Officieren in den 
Quartieren mehr verlangt wird, als sie Befehl haben, wodurch er seine früheren 
Behauptungen in dieser Sache bekräftigen will. 



Der Kaiser an den Kurfürsten. „S*. Veit an der Wien" 
18. April 1676. (Conc.) 

[Sendung der brandeuburgischen Ililfstruppen. Des Kaisers Pläne.] 
Der Kaiser ersucht den Kurfürsten, dem von ihm dem Grafen Sternberg 18. April, 
gegebenen Versprechen gemäss 3 von seinen Regimentern und zwar das franken- 
bergische*), ellerische') und spaenische*) — 2400— 3000 Mann stark — an den 



*) Aus diesem Verzeichnisse ist zu ersehen, dass für den Stab des Regimentes 
— das im brandeuburgisch - culmbachischeu Gebiete einquartirt ist — nebst dem 
Ordioarium von 559 Thalern monatlich, ein Extraordinarium von 424^4 Rthlr. ge- 
reicht wurde; nebst dem monatlichen Ordinarium von 383 Rthlr. für die Mund- und 
Pferdeportionen jeder Compagnie, ein Extraordinarium von 218 Va Thaler gereicht 
wird. Ein ähnliches Verzeichnis des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach übersendet 
«Jen Kurfürst unter dem 7./17. April dem Kaiser. 

2) Mülverstedt 1. c. 194. 

') Ebenda 182f. 

«) Ebenda 432 ff. 

55* 



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nnteren Rhein und an die Mosel mit dem Befehle zu senden, sich dort dem M'* 
de Grana zu unterordnen und mit demselben zu kämpfen. Der Kaiser hofft mit 
Hilfe der Truppen Brandenburgs, der beiden Herzoge von Braunschweig, Celle 
und Wolfenbüttel, die 3000 Mann stellen, sowie der 6000 des Bischofs von 
Münster, 5000 des Herzogs Ernst August, Bischofs von Osnabrück und einigen 
1000 Mann kaiserlicher Truppen dort am unteren Rhein und an der Mosel 
etwas vortheilhaftes gegen Frankreich in's Werk setzen zu können und ersucht 
daher um schleunige Verordnung des Kurfürsten von Brandenburg in dieser 
Angelegenheit. 



Memorial Crockows an den Kaiser vom 25. April 1676. (Or.) 

[Unterstützung der kurfürstlichen Werbungen in Sachsen uod Erlass neuer Mahn- 
schreiben an verschiedene Kreise zur Sendung der Hilfe an Brandenburg.] 

25. April. Der Kurfürst ist darauf bedacht, die von den Alliirten erhaltenen Gelder 
zu Rüstungen zu verwenden. Nun weigern sich aber die sächsischen Fürsten 
Werbungen in ihren Ländern zu gestatten. Der Kurfürst bittet daher den Kaiser 
durch seine Vermittelung zu bewirken, dass dem Kurfürsten die Werbungen in 
den kur- und fürstlich sächsischen Ländern gestattet werden. Der Kurfürst 
will mit diesen Werbungen nicht zur Last fallen, verpflichtet sich alles zu zahlen, 
was seine Truppen daselbst verzehren sollten. Am selben Tage überreicht 
Crockow ein zweites Gesuch, in welchem er im Namen des Kurfürsten den 
Kaiser ersucht, an den westphälischen, wie auch an die ober- und niedersächsi- 
schen Kreise aufs neue Schreiben ergehen zu lassen, den kaiserlichen mandatis 
und Reichsconclusis zu Folge ihr Contingent in simple und in duplo dem Kur- 
fürsten gegen die Schweden zu Hilfe zu schicken. 



Der KnrfUrst an den Kaiser. Dat. Colin an der Spree 
5./15. Mai 1676. (Or.) 

[Bitte um Verbot des Handels zwischen Lübeck und den Schweden.] 

15. Mai. In Erwiderung des kaiserlichen Schreibens vom 25. April '), in welchem 

der Kaiser dem Kurfürsten die Gestattung der ungehinderten Fortsetzung eines 
unschädlichen Handels aus Lübeck nach Schweden empfiehlt, bemerkt der Kur- 
fürst, dass der Handel Lübecks mit Schweden ihm überaus schädlich sei, da 
die Schweden von der Stadt Lübeck mit Lebensmitteln, insbesondere mit Sak, 
woran sie grossen Mangel haben, versorgt werden. Auch höre der Kurfürst, 
dass Stralsund und andere Orte, die der Kurfürst in der nächsten Campagne 
angreifen wolle, von Lübeck mit Korn versehen würden. Dazu komme, dass 
überhaupt der Verkehr Lübecks mit Schweden und Pommern dem Kurfürsten 
sehr schade. Der Kurfürst hofft daher, dass der Kaiser mehr Rücksicht auf 

*) Liegt nicht yor. 



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I>es Kaisers PULne. Läbeck-scbwediscber Verkehr. Tbeilung der Eroberungen. 

den Korfürstea als aaf die Stadt Lübeck nehmeo and dieser den Handel mit 
Schönreden verbieten wird*). 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Dat. Neudorf 23. Mai 1676. 

(Conc.) 

[AuflTorderoDg zur Absendung von Bevollmächtigten nach Bremen behufs Berathung 
über die Theilung der gegen Schweden gemachten und zu erhoffenden Eroberungen.] 

Der Kurfürst weiss, was für ein Interims- und Provisionalvergleich unlängst 5. Juni. 
im Haag durcb Intervention der Vertreter des Kaisers, Spaniens und der Genc- 
nilstaaten als Garanten der anderen Alliirten, als Dänemark, Brandenburg, den 
Herzogen von Braunschweig und dem Bischöfe von Münster betreffis der be- 
reits gemachten und noch zu erhoffenden Eroberungen gegen Schweden abge- 
schlossen worden ist*). Der Kaiser hätte sich, falls dieser Vertrag allgemein 
angeDommen worden wäre, so erklärt, dass seine dem allgemeinen Wohl ge- 
neigte Gesinnung ersichtlich gewesen wäre, da er nun aber vernommen hat, 
dass sich nicht nur Dänemark, sondern auch Brandenburg und Münster über 
diesen Vertrag beschwert and eine neue Versammlung zu Bremen verlangt 
haben, hat der Kaiser, da er einen raschen Vergleich wünscht und gegen die 
Versammlung in Bremen nichts einzuwenden hat, seinem Vertreter aufgetragen 
nach Bremen zu reisen und bei Spanien und bei den Staaten das Ansuchen thun 
lassen, das Gleiche anordnen zu wollen. Der Kaiser ersucht den Kurfürsten 
gleichfalls schleunigst seine Bevollmächtigten zu bestimmen, auf dass baldigst 
die Berathung beginnen könne. 



Der Kurfttrst an den Kaiser. Dat Colin a. d. Sp. 
26. Mai/ 5. Juni 1676. (Or.) 

[Bitte um Wahrung der kurfürstlichen Rechte bei den in Bremen zu führenden Satis- 
factionsverhandlungen. Zoll für Dänemark.] 

In Erwiderung des Schreibens vom 23. Mai theilt der Kurfürst dem Kaiser 26. Mai. 
mit, dass er seinem Vertreter genügende Vollmacht zur Verhandlung in Bremen 
bereits gegeben habe'). Ich kann dabei nicht umhin E. E. M. unterthä- 
nigst ZQ ersuchen, dieselbe geruhen dero dorthin Abgeschickten*) dahin 
allergnädigst zu instruiren, damit er sich bei dem vorseienden Tractat, 
meiner, als der Anfangs von den Schweden angefallen und dessen Lande 

J) Vergl. Droysen L c. III., 572 f. 

») Vergl. Puf. 1. c XIV. 29; ürk. u. Act III. 463 ff. 

2) Für Brandenburgs Haltung bei den Bremer Verhandlungen — sein Vertreter 
war Ledebour — Puf. 1. c. XIV. 30. 

*) Als Vertreter des Kaisers war erst Joh. Franz Baron von Landsee, bald dar- 
taf Graf Windischgr&tz in Bremen erschienen; Puf. 1. c. XIV. 33. 



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iDgesammt bei diesem Wosen in die aussersto Kum gesetzet, zu Lrhal- 
tuog einer billigmässigen und convenablen Satisfaction annehmen möge; 
allermassen die Alliirte und Interessirte nicht um Conquesten zu machen 
in die bremische und verdische Lande gegangen, ia nicht einen Fuss 
hierin zu setzen befugt gewesen, wann nicht das Absehen meiner Satis- 
faction dabei gewesen und durch die von E'. E. M. approbirte Reichs- 
conclusa dieser scopus nicht furgestellet worden. So ist^s auch an dem, 
dass meine Völker fast alle Plätze mit einnehmen helfen, daher ich auch 
aus allen solchen Considerationen, nach Anleitung der höchsten Billigkeit, 
bei dem Punkt der Satisfaction principaliter considerirt werden muss, 
welches aber bishero gar nicht geschehen, dass man auch meine Trup- 
pen nicht einmal zur Mitbesatzung der eroberten Plätze verstatten, noch 
mir mein Antheil von denen darin gefundenen Stücken Munition und an- 
dern feindlichen Gütern anweisen lassen wollen. Ich hoffe iedoch, dass 
solches anietzo durch E'. K. M. gnädigste Vermittelung werde redressirt 
und dadurch die so höchstnöthige erspriessliche Einigkeit unter allerseits 
Alliirten unterhalten werden. 

Unter dem 20./30. Mai empfiehlt dann der Kurfürst des Königs von Däne- 
mark Ansuchen um Erhebung des Zolles auf der Elbe zu Glückstadt. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 12./22. Juni 

1676. (Or.) 

[Gratulation zum Abschlüsse des Bündnisses mit dem Bischöfe von Würzburg.] 

•22. Juni. Der Kurfürst gratulirt dem Kaiser zum Abschlüsse der Allianz mit dem 
Bischöfe von Würzburg und Bamberg*), durch das der Bischof sich znr Stel- 
lung von 6000 Mann verpflichtet hat unter der Bedingung, dass solange er diese 
Hilfe leistet seine beiden Stifte nicht mit Quartieren belegt werden sollen. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. „Feldlager gegen der Perner- 
mUnder Schanze" 3./13. Juli 1676. (Or.) 

[Schwedische Propositionen.] 

13. Juli. Der aus Schweden kommende von des Kurfürsten Schiffen gefangene 

Oberst Wangelin') hat dem Generalmajor des Kurfürsten, dem von Schwerin'), 

') Petrus Philipp von Dernbach. 

») lieber dessen Gefangennahme Puf. 1. c. XIV. 46; Th. Eur. XI. 874. 

*) Bogislav V. Schwerin; vergl. über ihn Mülverstedt I c. 425. 



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SatisfactioDSTerbaDdluDgeD. g7] 

eine Proposition gethan and erklärt, wie sehr Schweden einen Particularfrieden 
mit Brandenburg wünsche*). Der Kurfürst ist aber entschlossen treu an der 
Seite des Kaisers auszuharren, hat Wangelin nach Peitz bringen lassen, da- 
mit er dort nicht so gut correspondiren könne und übersendet dem Kaiser die 
schwedische Proposition *). Unter dem 3. Aug. 1676 dankt der Kaiser dem 
Kurfürsten für diese Mittiieilungen. 



Votum vom 24. Angnst über die zwischen Lamberg und 

Hocher einer-, Crockow andererseits den 21. August 1676 

gehaltene Conferenz. (Conc.) 

[Verbandlungen über die verschiedenen Satisfactionsansprüche. Ausgleich wegen Jä- 

gemdorfs. Unterstützung des Brandenburgers bei seinen Unternehmungen gegen 

Schweden. Aufrichtung einer Confratemitat. Polen. Hamburg.] 

Lamberg und Hocher theilen dem Crockow bei der Conferenz am 21. Aug. 21. Aug. 
mit, weil er sich stets dahin erboten habe, wenn der Kaiser dem Kurfürsten 
Vorpommern, falls er es erobern sollte, erhalten wolle, dass er hingegen 
auch im Namen des Kurfürsten für den Kaiser gute Vorschläge thun wolle, 
habe man diese Conferenz veranstaltet und wünsche seine Erklärungen zu ver- 
nehmen. Crockow bezieht sich in seiner Antwort auf sein vor Monaten ein- 
gebrachtes Memorial. Inzwischen habe sich aber die Lage geändert, Schweden 
habe seinen Herrn angegriffen, durch die Gnade Gottes aber hätte sein Herr so 
grosse Erfolge erzielt, dass er jetzt nebst ganz Vorpommern auch die Insel 
Rügen fordern müsse, was der Kaiser ihm hoffentlich gönnen wird, zumal da 
es auch in des Kaisers Interesse liege, dass Schweden ganz vom Reiche ver- 
jagt werde. Die kaiserlichen Commissäre fragten darauf, wie es mit Dänemarks 
und Braonschweigs Praetensionen stehe. 

nie: Er wisse ganz nichts, hätte zwar gehört, dass einige Brief vor- 
handen, welche die verglichene Vertheilung der schwedischen Conquisten 
mitbriDgen sollten; ChurbrandeDburgs Intention gienge dahin, dass man 
ihre auch einen Theil darvon überlassen sollte, doch nicht absolute, son- 
dern mit der Condition, wann man ihro zu Vorpommern völlig verhelfen 
würde, dass sie sodann solchen Theil denen übrigen AUiirten widerum 
überlassen wollten. Er halte vor billig, dass jeder etwas von solche 
acquisti geniesse. 

') Vergl. Puf. 1. c. XIV. 46. 

') Copie des Schreibens des Generalmajors Schwerin an den Kurfürsten d. d. 
Schwerin 26. Juni 1676. 

Wangelin habe ihm mittheilen lassen, er wolle ihn sprechen. Bei der Zusam- 
meokunft hat Wangelin erklärt, er habe Befehl von seinem Konige, zu sondiren, ob 
der Kurfürst zum Frieden neige und a parte mit Schweden verhandeln wolle; Schwe- 
den müsste Frieden haben und wisse, was es dafür zu zahlen habe. 



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i^usiri: tveiieu nun uiiiig, uass jeuer vuu uitssuu ivrieg eiwas naoe 
und bekomme, also seie argumento ducto a simili billig, dass auch E^ 
K. M. dergleichen widerfahre, als welche auf diesen Krieg so viel Millionen 
angewendet, Churbrandenburg zum ersten geholfen und durch dero Waffen 
nicht allein Frankreich ex meditullio imperii und aus denen westphälischea 
und anderen Kreisen getrieben, sondern auch verursacht, dass derselbe 
nicht weiters darinnen grassiren, weniger aber an Schweden einigen 
Succurs habe schicken mögen. Und weilen E. K. M. mit Churbrandenburg 
zum ersten ein Bündnis getroffen und bishero stets mit deroselben in 
guten Vernehmen gewesen, also verseheten sich E. K. M. gegen S. Ch. D. 
dergleichen auch inskünftig und zumalen dessen, dass auch Churbranden- 
burg reciproce für E. K. M. zu Erlangung dero Convenienzien die ge- 
bührende Sorge tragen und dero hierinnen begriffenes Interesse möglichist 
befördern werden, zumal weilen gleichwohl wahr, dass niemand aus denen 
Alliirten das Eroberte sicher und beständig zu geniessen haben würde, 
wann nicht hierüber E^ K. M. Confirmation und garantia erfolgen thäte. 
Erwarten derowegen E. K. M. von ihme, von Crockow, die angebotene 
gute Vorschlag, wären im übrigen ihrerseits P. Ch. D. hierin zu helfen 
und zu willfahren forderist wohlgeneigt, darbei aber zu gedenken, wann 
Churbrandenburg Vorpommern ganz sammt der Insel Rügen verbleiben 
sollte, dass sie dardurch abermal ein grosses Stück Land und folgends 
auch ein grosses Einkommen, nicht weniger mehrers als die andern 
Alliirten bekommen und sich mithin mit Anhenkung Preussens, lieber- 
kommung Stralsunds und anderer Orte mächtig vergrössern thäten. 

Crockow erwidert, der Kurfürst wünsche den Kaiser in etwaigen Ansprachen 
zu unterstützen und ersuche daher um Bekanntgabe derselben. 

Nostri: E. K. M. hätten sich zwar diesfalls dato keines eigentlichen 
positive herausgelassen, allein sich erindert, dass er, Crockow, schon in 
der vorigen Conferenz 1^ wegen Nachlassung der Prätension an Jägern- 
dorf und auch 2^ zu deme ein Hoffnung gegeben E. K. M. widerum zu 
verhelfen, was deroselben hochlöblichem Erzhaus durch den münsterischen 
und osnabrückischen Frieden entzogen worden, sonderlich nachdem 
Frankreich und Schweden so unverantwortlicher Weis das instrumentum 
pacis vielfaltig gebrochen und folgends weder E. K. M. noch dero übrige 
Alliirten solches reciproce zu halten keinesweges mehr verbunden. 
E. K. M. verlassete sich auf dieses Anerbieten und zweiflete gar nicht, 
wann durch Gottes Gnaden die Waffen wider Frankreich noch ferrere 
Progress machen sollten, dass auch Churbrandenburg zu selbigen E^ K. M. 



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Satisfactionsfrage. Confratermit&t zwischen Brandenburp^ und Oestcrrcich. 873 

verhelfcD würden, allein £. K. M. hätten sich dies Orts dato nicht fina- 
liter erklärt, sondern ihro das ferrere vorbehalten und wäre vorderist da- 
hin zu sehen, wie diese Sachen an die übrigen Alliirte zu bringen 
und dahin einzurichten, dass man allerseits noch ferrers beisammen 
bleibe. 

Crockow erinderte sich wohl seiner gethanen vorigen Erklärung, 
sonderlich wegen Jägerndorf; selbige aber wäre nicht pura oder absoluta, 
sondern conditionata dergestalt gewesen, wann E. E. M. vorhero dasienige 
wirklich werden erfüllt haben, was sie diesfalls 1659 und 1664 ver- 
sprochen. 

Nostri: Man hätte es diesseits pro absoluta angenommen und wäre 
von keiner summa zu gedenken. 

Crockow erklärt sich bereit alles an den Kurfärsten zu berichten and 
spricht die Ueberzeagnng aus, dass der Enrfürst alles than werde, um den 
Kaiser zu befriedigen; er halte aber die Büttheilung an die Alliirten fär noth- 
wendig. Die Kaiserlichen meinen, die übrigen Allürten bedürften des Kaisers 
zä sehr, um nicht ihm etwas zuzugestehen ; nothwendig sei allerdings die Eifer- 
sucht Hollands zu berücksichtigen. 

Crockow meint, die Holländer werden eher dem Kurfürsten Vorpommern, 
als dem Kaiser den Elsass gönnen. Die Kaiserlichen erwidern, man habe gute 
Erklärungen von Holland, übrigens könnte der Kurfürst, der bei Holland viel 
gilt, sein Ansehen im Interesse des Kaisers geltend machen. 

Falls der Kurfürst Vorpommern erhalten sollte, wird er, wie Crockow 
meldet, mit Schlesien bezuglich des Verkehres Ordnung schaffen wollen; die 
Kaiserlichen erklären, sie zweifeln nicht, dass der Kaiser seiner Zeit darauf 
Bedacht nehmen werde. 

Crockow fordert femer, die Braanschweiger Fürsten seien aufzufordern, 
den Kurfürsten bei der Eroberung Stralsunds, Greifwalds, Stettins, Anklams 
u. a. m. zu unterstützen. Die kaiserlichen Räthe haben aber Crockow überzeugt, 
dass so etwas von den Braunschweigem nicht zu erwarten sei und ihn endlich 
dazu vermocht, die Meinung zu äussern, dass sich der Kurfürst wohl mit einigen 
1000 Mann zu Fuss vom Kaiser oder von den Holländern zufrieden geben werde 
und 3000 von dem Kaiser oder von den Holländern lieber haben wolle, als 
5000 von den Braunschweigem. 

Ferrers hat er, Crockow, auch von Aufrichtung einer Confraternität 
vermeldet, darvon aber nostri abstrahirt und selbige auf ein andere 
Zeit ausgestellt*). 

Auch bezüglich Polens äussert sich Crockow und bittet um Aufstellung 
einiger kaiserlicher Regimenter an den Grenzen. Die kaiserlichen Räthe ver- 
sprechen darüber dem Kaiser Bericht zu erstatten. Schliesslich klagt Crockow 

>) Für diesen Plan einer wechselseitigen Erbfolge yergl. auch Puf. 1. c. XIV. 19. 



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iioer aas «enenmen aer öiaat HamDurg •; una Diuet um scnane öcnreiDen aes 
Kaisers an die Stadt. 



Memorial Crockows an Laraberg und Hocher. Dat. Wien 
21. August 1676. (Or.) 

[Satisfaction für Brandenburg. Absendung der Hilfstruppen für Brandenburg.] 

2\. Aug. Da Lamberg und Uocher dem Crockow mitgetheilt haben, dass der Kaiser 

dem Kurfürsten zur Satisfaction von Schweden verhelfen wolle, wogegen sich 
der Kurfürst verpflichtet hat, dem Kaiser von Frankreich Satisfaction zu ver- 
scliaffen, ersucht Crockow die Minister, zu veranlassen, dass dem Grafen Win- 
dischgrätz Befehl ertheilt werde, bei der Versammlung zu Bremen dahin zu 
wirken, dass dem Kurfürsten das ganze Herzogthum Vorpommern cum annexis 
depeudentiis et omni jure, wie es die Schweden besessen, zugetheilt werde und 
dass die Alliirten sich verpflichten, dem Kurfürsten auf eigene Unkosten dazu zu 
verhelfen, ihm auch den Besitz desselben zu garantiren, unterdessen aber und 
bis solches ausgeführt möge dem Kurfürsten das Stift Verden nebst ein Paar 
Aemtern im Bremischen eingeräumt und bis dahin gelassen werden*). Femer 
bittet Crockow, dass die lüneburgischen oder die anderen Truppen, die nach 
den Mittheilungen der Räthe in der Conferenz zur Unterstützung des Kur- 
fürsten bestimmt sind, bereit gehalten werden. Crockow bittet, ihm auch wegen 
der übrigen Punkte, die in der letzten Conferenz nicht zur Sprache gekommen 
sind, wie die Satisfaction, die der Kurfürst von Brandenburg von dem Kölner 
fordere, wegen Einziehung der Praebenden und Einführung der Accise eine 
kaiserliche Entschliessung zukommen zu lassen. 



ProtocoU der Conferenz vom 27. Aug. 1676 zwischen Lam- 
berg, Hocher und Crockow. (Conc.) 

[Erklärung der Kaiserlichen bezüglich der beiderseitigen Satisfaction. Befriedigung 
der kurfürstlichen Forderungen. Erbeinigung. Unterstützung Brandenburgs durch 
Reichstruppen. Polnische und hamburgische Angelegenheiten. Erwiderung Crockows.] 

27. Aug. Hocher bemerkt, bezüglich Pommerns sei der Kaiser gegen Brandenburg 
gar wohl gesinnt und bereit, wenn die Lage der Dinge es zulässt, dem Kurfürsten 
die Satisfaction zu verschaffen. Der Kaiser habe seine guten Intentionen immer 
bewiesen, indem er die Alliirten bei ihren Unternehmungen unterstützt habe. 
Falls der Kaiser daher von Frankreich die Satisfaction, zu deren Erlangung 
der Kurfürst ihn zu unterstützen versprochen habe, nicht sollte erlangen kön- 
nen, würde ihm auch etwas von den schwedischen Eroberungen rechtmässig 
zugesprochen werden müssen. Die pommersche Angelegenheit betrifft auch die 

Vergl. Droysen 1. c. III.3 572 f. 

*) Heber des Kaisers Vorgehen in dieser Frage Puf 1. c. XIV. 33. 



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Satisfactionsfrage. Hilfstruppen für Brandenburg. Polen. 875 

anderen Alliirten, daher sind dem Kaiser vorerst die Hände gebunden; Bran- 
denbarg möge in Bremen über die Sache berathen lassen; Windischgrätz wird 
Befehl erhalten Brandenburgs Forderungen zu unterstützen, jedoch unter der 
Bedingung, dass Brandenburg dahin wirkt, dass der Kaiser das ihm abgenom- 
mene wider zurückerhält, gebührende Consideration darauf nimmt, wie der 
Kaiser von Frankreich noch mehr erobern könne und jeden Anspruch auf 
Jägemdorf gegen Pommern aufgibt. Bezüglich Spaniens möge Brandenburg 
Unterstützung der spanischen Sache versprechen, wogegen der Kaiser bei Spanien 
dahin wirken will, dass Brandenburg das Versprochene bezahlt erhält. Bezüg- 
lich Recklinghausens kann der Kaiser aus den früher angeführten Gründen 
dem Kurfürsten keine Hoffnung geben. Bezüglich der suppressio canonicatuum 
bleibt es bei dem instrumentam pacis kaiserlicherseits keine Verordnung zu 
erlassen. Ratione der Accisen ist der Kaiser nicht instruirt, doch bereit, Bran- 
denburg dazu zu verhelfen. 

Bezüglich der Erbeinigung finde der Kaiser die Sache schwer, da die oster- 
reichischen Länder und Böhmen Erbkönigreiche seien, auch nicht nur ad mas- 
coios sondern ad feminas extendirt und consequenter der Kaiser nichts den 
Nachkommen praejudicirliches thun könne; auch Spanien habe mit Oesterreich 
ein gewisses Pactum, das der Kaiser nicht ausser Acht lassen dürfe. 

Bezüglich des Anmarsches der Völker des Reiches zur Unterstützung Bran- 
denburgs wiederholt Hocher das früher gesagte und fügt hinzu, falls man nicht 
haben wolle, dass Frankreich in's Reich einbreche, müsse man schleunigst ein 
Corps an die Mosel senden. 

Die von Polen drohende Gefahr erkennt der Kaiser an; er hat dem Resi- 
denten in Polen*) Befehl ertheilt mit dem Vertreter Friedrich Wilhelms') alles 
zu berathen; für dieses Jahr ist keine Gefahr, die Zeit ist vorgeschritten, die 
Türken haben keine grosse Macht, verhalten sich mehr defensiv als offensiv; 
daher könne man über die zu ergreifenden Massregeln ruhig berathen. Zur 
Ausgleichung des Streites zwischen Hamburg und dem Kurfürsten will der 
Kaiser, was möglich ist, beitragen. 

Crockow dankt für diese Mittheilungen ; erkennt an, dass die Satisfactions- 
angelegenheit nach Bremen gehöre, fordert aber vom Kaiser eine ausdrückliche 
Erklärung, ob der Kaiser dem Kurfürsten zu Pommern und zu dem übrigen 
verhelfen wolle, da er überzeugt sei, dass alle Alliirten sich nach dem Kaiser 
richten werden. 

Brandenburg werde sich gewiss alle Mühe geben, dem Kaiser zu weiteren 
Eroberungen gegen Frankreich zu verhelfen. Bezüglich Jägemdorfs und der 
übrigen Dinge wird er dem Kurfürsten Bericht erstatten. 

Ist weiter l^ K. M. nicht referirt, noch etwas darüber expedirt worden. 
Wien 18. Sept. 1676. 



*) Zierowski. 
*) Hoverbeck. 



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Quartierangelegenheit. 1676 — 1678. 

Der Kaiser theilt dem Earfürsten am 25. Juli 1676 mit, dass er entschlossen 
sei, über die Quartierfrage zu berathen; der Kurfürst erklärt sich damit ein- 
verstanden (Schreiben d. d. Feldlager vor Anklam 3. Juli st. v.) und bittet um gute 
Quartiere. Am 29. Aug. wird Crockow ersucht für sich oder für einen anderen 
kurfürstlichen Vertreter eine Vollmacht für diese Verhandlungen zu verschaffen. 
Die Vollmacht für Crockow ist datirt vom 9. Sept. 1676. Am 30. October über- 
reicht Crockow ein Memorial, in welchem er unter Anführung der grossen 
Leistungen der brandenburgischen Truppen in diesem Jalire und der grossen 
zur Unterhaltung derselben erforderlichen Mittel — monatlich 192500 Rthlr. — 
für die Truppen des Kurfürsten, die er im Ganzen auf 38 Va Regimenter taxirt, 
folgende Quartiere fordert: 1^ Den ganzen fränkischen Kreis, wie ihn der Kur- 
fürst 1674 innegehabt; 2^^ das Herzogthum Westphalen oder das Unterstift Köln 
nebst Recklinghausen; 3° Stift Fulda; 4** Eichsfeld; 5*^ Essen, Verden, Limburg, 
Neustadt, Dortmund ; 6° Quedlinburg ; 7** Sachsen-Gotha, Altenburg, Coburg, Jena, 
Eisenach; 8® das Voigtland und was darin Markgräflich ist und nach Beireuth 
gehört, femer das Gebiet der Reuss, Schönburg und von Zedwitz; 9® Niederhessen; 
lO** Anhalt-Zerbst; 11^ Die von Magdeburg separirten Oerter als Querfurt, Burg, 
Jüterbog, Dahme; Barby; 12° Den Theil von Mecklenburg, der an Pommern 
und an die Mark grenzt. In einer weiteren Eingabe vom 13. Oct. fixirt Crockow 
des Kurfürsten Begehren im äussersten Falle — es scheint ihm gleich damals 
die Unmöglichkeit solche Forderungen zu befriedigen mitgetheilt worden zu 
sein — auf 125000 Thaler. Dass er auch damit nicht durchgedrungen ist, 
zeigt sein neues Memorial an den Kaiser vom 22. Oct. 1676, in welchem er 
unter nochmaliger Betonung der hohen Verdienste, die sich der Kurfürst um das 
Reich und um den Kaiser erworben, um Berücksichtigung seiner Forderungen 
in der Quartierangelegenheit ersucht, indem er zugleich erklärt, dass die bis- 
herigen Erklärungen der kaiserlichen Räthe gänzlich unannehmbare gewesen 
seien ^). Am 5. November erfolgt dann die Entschliessung des Kaisers (Schreiben 
des Kaisers an den Kurfürsten und an Crockow. Wien 5. Nov. 1676. Conc), 
nach welcher dem Kurfürsten von Brandenburg P das Herzogthum Mecklenburg- 
Gtistrow sammt Zubehör, 2^ die an die Grafschaft Mark angrenzenden Gebiete : 
Essen, Verden, Limburg, Dortmund, Eltern, Neustadt, 3° das Fürstenthum Anhalt- 
Zerbst, 4^ das Herzogthum Sachsen-Lauenburg sammt Hadeln, b^ das Fürsten- 
thum Niederhessen, 6° das Stift Herford übergeben werden. Und diese weit 
hinter den Forderungen Brandenburgs zurückbleibenden Zugeständnisse des Kaisers 
wurden noch dadurch verringert, dass der Kaiser in einem Schreiben vom selben 
Datum den Kurfürsten ersuchte Mecklenburg-Güstrow, das so viele Jahre hin- 
durch verwüstet worden sei, nicht zu belegen, sondern mit einer nicht allzu- 
hohen Geldsumme sich zufrieden zu geben. Begreiflicher Weise war der Kurfürst 
mit diesen Anerbietnngen nicht zufrieden. In einem eigenhändigen Schreiben 
vom 20./30. November gab er dieser Stimmung Ausdruck. Ob Ich zwahr verhoft, 
schreibt er, es würden Ew. Kay. May**, auf mein so oftmalliges undt 

') üeber Crorkows Verhandlungen Puf. l c. XIV. 49; Wagner I.e. I. 423 f. 



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billiges ansuchen, mich mitt solchen quarttieren versehen haben, damitt 
meine so sehr strapecirte Armee in etwas Sich erhollen undt zu zukünf- 
tigen früher campangne dem feinde abpruch zu thun capabell sein möge; 
So hab Ich dennoch mitt höchster bestuertzung erfahren müssen, das 
Ew. Kay. May^. so wenig reflection aufif mich, da Ich doch ohne rum zu 
melden in kurtzer zeitt mehr als andere für Ew. Kay. May**, undt dem 
gemeinen wessen gethan, dafür Ich zuvorders Gott zu dancken habe, 
getragen hetten. Ich muss solches meinen misgünstigen beimessen, 
welche mich incapabell machen wollen Ew. Kay. May", ferners treue 
dienste zu leisten undt mich zu anderer resolution zu bringen trachten, 
damitt Ew. Kay. May**, zu dero intent nicht gelangen mögen. Bitte der- 
halben underthenigst mir gnugsame quarttir, so nicht öde und wüste aufs 
aller ehiste anzuweisen, damitt Ich nicht in einen solchen zustandt ge- 
setzet*) undt gezwungen werde, eine solche resolution zu nehmen, so Ew. 
Kay. May**, undt dem gemeinen wessen preiudicirlich fallen möchte, dess- 
fals Ich dan mitt diessem feierlich protestiret haben will . . . 

Und da der Kaiser überdies bald darauf vom Kurfürsten (Schreiben vom 
16. Nov. 1676) forderte, er möge die Fürstenthümer Weimar und Gotha, mit 
denen der Kaiser ein Bündnis geschlossen und denen er Befreiung von jeder 
Einquartierung versprochen habe, mit Einquartierungen verschonen, sendete der 
Kurfürst, der auf diese Forderung einzugehen nicht gewillt war, (Schreiben 
des Kurfürsten an den Kaiser d. d. Colin d. d. Sp. 16./'26. Nov. 1676 Or.) aber eine 
Vermehrung der ihm zugewiesenen Quartiere wünschte, seinen Rath Franz Meinders 
nach Wien (Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser Colin a. d. Sp. 17./27. No- 
vember 1676 Or.) *). Dieser berieth mit den Käthen über diese Quartierangele- 
genheit, hatte auch am 21. Dec. Audienz beim Kaiser, erhielt aber in dem ihm 
ertheilten Bescheide d. d. Linz 24. Dec. 1676 keine besonders günstige Antwort. 
Der Kaiser forderte zunächst vom Kurfürsten, dass er die Herzogthümer Weimar 
and Gotha mit Quartieren verschone und die in's Eicbsfeldische und Reckling- 
hausen'sche gelegten Truppen abführe ; dagegen versprach der Kaiser bei Spanien 
für die Subsidienzahlung wirken und das uuter Coob stehende Corps auf die 
zugesagte Anzahl verstärken zu wollen. Endlich wurde dem Meinders mündlich 
der Vorschlag gemacht, dass die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen wegen 
Räumung der von Hannover wider alles Recht und wider alle kaiserlichen Ab- 
mahnungen bis dato geniessenden Quartiere die Execution übernehmen sollen, 
welche Quartiere Brandenburg dann beziehen konnte. Der Kaiser selbst ist 
bereit, Coob bei diesem Unternehmen, das, wie Meinders meinte, der Kurfürst 
gerne auf sich nehmen werde, mitwirken zu lassen. Wie wenig der Kurfürst 
mit diesen Erklärungen des Kaisers zufrieden war, zeigte sich alsbald. Schon 
am 3. Januar 1677 konnte Franz Meinders dem Kaiser ein Memorial überreichen 



') A = _ 

^ Für Meinders' Aufenthalt in Wien Puf. l. c. XIV. 50 ff. 



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(Or.), in welchem er mittheilte, dass er die kaiserliche Erklärung dem Kur- 
fürsten übersendet, dieser aber ihn aufgefordert habe dem Kaiser vorzuhalten, 
wie wenig solche Erbietungen dem Verdienste und der Noth des Kurfürsten 
entsprächen, dass der Kurfürst noch 120 000 Thaler monatlich zur Unterhaltung 
seiner Truppen benöthige und falls ihm vom Kaiser keine weiteren Quartiere 
angewiesen werden sollten, im nächsten Jahre nicht in der Lage sein werde 
die Sache des Kaisers und des Reiches zu vertreten; er fordere daher im 
allgemeinen Interesse Anweisung von Quartieren in den fürstlich sächsischen 
Ländern, oder anderswo. Und bald darauf wendete sich der Kurfürst in einem 
eigenhändigen Schreiben an den Kaiser mit demselben Ersuchen und mit der 
Bitte, die von Crockow vorzuschlagenden Mittel und Wege zu billigen. (Der 
Kurfürst an den Kaiser d. d. Potsdam 13. Jan. 1677 Aut.). Dieses Mittel bestand, 
wie aus dem Memoriale Crockows vom 30. Jan. 1677 Or. zu ersehen ist, in 
der sofortigen wirklichen Beziehung der Quartiere in jenen Ländern, welche 
der Herzog von Hannover innegehabt hatte. Mit Geldbeiträgen sei dem Kurfürsten 
nicht geholfen, er benöthige wirkliche Quartiere. Diese werden in der That 
bewilligt ; jedoch mit der Einschränkung, dass Stift und Stadt Hildesheim davon 
ausgenommen bleiben müsse und dass der Kurfürst seine im Erfurtischen, 
Eichsfeldischen und im Recklinghausischen liegenden Truppen abführe. (Ant- 
wort an Crockow Wien 10. Febr. 1677. Conc). Auch wurde der Kurfürst direct 
aufgefordert die Räumung aus diesen Gebieten zu veranlassen (Schreiben des 
Kaisers an den Kurfürsten Wien 10. Febr. 1677. Conc). 

Unter dem 16. Februar erklärt sich der Kurfürst zur Räumung der erfurti- 
schen Aemter, Eichsfelds und der Niederlausitz bereit, wenn ihm als Ersatz 
dafür die magdebnrgischen Aemter, Stadt und Stift Quedlinburg, wie auch die 
reussischen, schönbnrgischen und zedwitzischen Länder zur Einquartierung vom 
Kaiser zugesprochen würden (Memorial Crockows an den Kaiser Wien 16. Febr. 
1677 Or.). Eine Antwort des Kaisers auf diese neuen Forderungen liegt nicht 
vor. Geräumt hat der Kurfürst die Länder nicht, da ihn der Kaiser noch Juni 
dazu aufforderte. (Schreiben vom 13. Juni 1677. Conc.) Erledigt war die 
Quartierfrage noch nicht; denn noch im Laufe des Monates März hat der Kurfürst 
(Memoriale Crockows vom 3., 12. und 27. März) die Intervention des Kaisers, 
insbesondere gegen den Herzog von Hannover in Anspruch genommen, am 7. Mai 
durch Crockow um eine Erhöhung der Assignation auf die Stadt Hamburg 
(Memorial Crockows Wien 7. Mai Or.) — was der Kaiser nicht erfüllen zu 
können erklärte (Schreiben vom 3. Juli 1677 Conc.) — und auch sonst um 
energisches Eintreten für seine Forderungen ersucht. Und schon im Mai des 
Jahres begannen seine Bitten an den Kaiser ihn bei den nächsten Winterquar- 
tieren besser zu bedenken (Der Kurfürst an den Kaiser Colin a. d. Sp. 20. und 
28. Mai 1677 Or.). In einem eigenhändigen Schreiben (d. d. Colin a. d. Sp. 
7./17. Jnni) betont der Kurfürst nochmals, wie nothwendig er grössere Winter- 
quartiere habe, um sich zu schützen undt ahn dem Vorsatz nicht ver- 
hindert werde, Ew. Kay. May", wapffen gegen dero undt des Reichs feinde 
durch meine hüiffe sowoll im Elsas als an anderen ortten, wo es nütz- 



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lieh seio wirdt, ferners Siegreich zu machen, wozu Ich mich dan hiemitt 
verpflichte, auch keinen friden inzugehen, biss Ew. Kay. May", vergnüget 
uadt das Ihrige durch Gottes gnadt erlangt haben werden. 

Nachdem darauf der Kaiser am 3. Juli 1677 dem Kurfürsten erklärte, er 
werde frühzeitig die Quartierangelegenheit ordnen und an den Kurfürsten nicht 
vergessen (Der Kaiser an den Kurfürsten 3. Juli 1677 Conc), lässt dieser durch 
Crockow am 4. Sept. ein neues Memorial vorlegen, in welchem er unter neuer- 
licher Betonung der von ihm in diesem Kriege geleisteten Dienste und der Noth- 
wendigkeit seine Truppen ausser Landes einzuquartieren für seine 40 Regi- 
menter folgende Quartiere fordert: 1°. Den ganzen fränkischen Kreis. 2°. Das 
Voigtland, soviel davon den Grafen Reuss und den Hn. v. Schönburg zuständig. 
3^. Die Länder der Brüder des Kurfürsten von Sachsen. 4**. Der sächsischen 
Fürsten Länder. 5^. Stift Fulda. 6<>. Fürstenthum Anhalt. 7°. Grafschaft 
Mannsfeld. 8^ Grafschaft Stollberg. 9°. Stift Quedlinburg. W, Grafschaft 
Barby und die 4 eximirten Aemter von Magdeburg. 11**. Stadt Frankfurt, 
Friedberg und Burg Wetzlar. 12^ Freie Ritterschaft in der Wetterau. I3<*. Besitz 
der Grafen Hanau, Waldeck, Solms, Isenburg. 14°. Herzogthum Westphalen und 
Festung Recklinghausen. 150. Hamburg nebst den 4 Landen (Memorial Crockows 
vom 4. Sept. 1677 Or.). Und wenige Tage darauf forderte der Kurfürt direct 
und indirect durch Crockow vom Kaiser, nicht zu gestatten, dass jemand im 
Magdeburgischen werbe, oder Magdeburg zu Quartieren angewiesen erhalte. 
(Schreiben des Kurfürsten vom 7. Sept. Or. und 27. September Aut. und Memo- 
rial Crockows vom 13. Sept. 1677 Gr.). Dass nicht alsogleich eine Entschliessung 
des Kaisers erfolgte, beunruhigte Crockow sehr. Am 4. October 1677 übergab 
er ein neues Memorial, in welchem er nachzuweisen sucht, dass der Kurfürst 
seine Truppen einerseits noch nicht abdanken könne, andererseits sie nicht 
selbst zu erhalten vermöge und dass es daher Pflicht des Reiches sei den Kur- 
fürsten mit den nöthigen Quartieren zu versehen. Ein neues Verzeichnis der 
dem Kurfürsten im äussersten Falle anzuweisenden Quartiere, das Crockow am 
13. October übergab, bezeichnete zwar einen erheblichen Nachlass gegenüber 
den ersten Forderungen (Memorial Crockows vom 13. Oct. 1677 Or.) '), schien 
aber dem Wiener Hofe noch immer viel zu hoch gehalten. 

Drr Kaiser aber erklärt sich unter dem 16. Oct. bereit, dem Kurfürsten 
nebst seinen eigenen und den von ihm eroberten Ländern als Quartiere anweisen 
zu wollen; P. Erzstift Magdeburg, 2^ Herzogthum Mecklenburg, soweit er es 



*) Nach diesem neuen Verzeichnisse forderte der Kurfürst: Stadt 'Nürnberg, 
Rothenburg, Schweinfürt, Weissenburg, Freie Ritterschaft in Franken; das Gebiet dei 
Markgrafen von Ansbach und Culmbach; Voigtland, soviel davon den Grafen Reuss 
und H«. von Schönburg zuständig; Stift Fulda nebst der freien Ritterschaft; Fürsten- 
thum Anhalt; Grafschaft Mannsfeld und Stollberg; Stift Quedlinburg, Grafschaft Barby; 
die 4 eximirten Aemter von Magdeburg; Niederlausitz; Stadt Frankfurt, Friedberg, 
Stadt und Burg Wetzlar; das Gebiet der freien Reichsritterschaft in der Wetterau, 
Grafen zu Hanau, Waldeck, Isenburg, Solms; Herzogthum Westphalen, Festung Reck- 
linghausen; Hamburg und die 4 Lande; Magdeburg, Dortmund. 



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880 VIL Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674— Febr. 1679. 

vorigen Winter genossen, 3^ Fürstenthum Anhalt, jedoch mit der Bedingang. 
dass dasselbe gegen Zahlung einer Samme von 60000 Thalern von allen weiteren 
Kriegslasten befreit sein solle, 4^. die an die Grafschaft Mark angranzenden 
Gebiete, Essen, Verden, Dortmund, Limburg und Eltern, 5^ Stift und Stadt 
Quedlinburg, 6^. Stift und Stadt Herford, 7°. das Land der Grafen von Schwarz- 
burg, 8°. Grafen von Mannsfeld, 9®. Grafen von Stollberg, 10®. das Voigtland, 
soviel davon den Grafen von Reuss und Plauen und den Hn. von Schönbai^ 
gehörig, wie auch, dass man mit theils Ständen des obersächsischen 
Kreises anstatt der wirklichen Belegung auf ein leidentliches Stück Creld 
vergleiche und letztlichen die Stadt Hamburg mit einem Geldbeitrag von 
50000 ThalemO- 

Der Kurfürst gab sich mit diesen Quartieren zufrieden. Nur um Ermahnung 
des Kaisers an Hamburg und an den Administrator von Magdeburg, das ihnen 
auferlegte zu leisten, ersucht Crockow im Namen seines Herrn, (Memoriale 
Crockows vom 1. und 18. Jan. 1678 Or.) Forderungen, die der Kaiser bereit- 
willigst erfüllt. (Der Kaiser an den Kurfürsten d.d. Neustadt 2. Februar 1678 
Conc). Allein bald darauf fasste der Kurfürst den Entschluss die 4 magde- 
burgischen Aemter, die dem Kurfürsten von Sachsen gehörten, zu belegen und 
rechtfertigte sein Benehmen durch seine Noth und durch den Umstand, dass man 
ihm sächsicherseits versprochen habe, den vom Kaiser ihm aus dem obersächsi- 
schen Kreise zugesprochenen Geldbeitrag zu verschaffen, dies dann aber nicht 
gethan habe. (Der Kurfürst an den Kaiser Colin a. d. Sp. 15./25. Febr. 1678 Or.) 
Der Kaiser, dem von sächsischer Seite aus von der erfolgten Besetzung Barby's 
durch die Brandenburger und von der drohenden Besetzung der 4 magdehurgi- 
schen Aemter Mittheilung gemacht worden war, forderte den Kurfürsten auf, Barby 
zu räumen, von der Besetzung der 4 Aemter abzustehen und sich in der Quartier- 
angelegenheit strenge an die Verfügungen des Kaisers zu halten. (Schreiben des 
Kaisers an den Kurfürsten Wien 23. März 1678 Conc). Der Kurfürst erklärte in 
seiner Antwort vom 8./18. April (Or.), sich dem Befehle des Kaisers fügen zu wollen, 
betonte aber die vollige Erschöpfung seines Landes und fügte hinzu: E. K. M. 
können aber sicherlich glauben, dass es nunmehr mit mir gleichsam ad ex- 
trema gekommen und dass ich endlich zu meiner Rettung und wofern ich 
nicht bald meinen völligen Ruin und unvermeidlichen Untergang für 
Augen sehen will aus unumgänglicher Nothwendigkeit, wann mir nicht 
schleunig geholfen wird, andere Mesures werde ergreifen müssen. Die 
Zahlung der Subsidien bleibt sowohl beim Staat als Spanien gänzlich 
zurück und nichtsdestoweniger wird von mir grosse Hülfe und Beistand 
erfordert. Von Friedenshandlungen und andern wichtigen Sachen werden 
allerhand consultationes gehalten, auch wohl gar ein und andere delibe- 
rationes gehalten, ohne dass mit mir und andern dabei interessirten 

üeber die Quartierfrage im Jahre 1677 Puf. 1. c. XV. 20. 



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Quartierfrage. 881 

Alliirtcn einmal die geringste Commanication gepflogen werde and hat 
man eine Zeit hero davon ein mehres aus denen gemeinen Zeitungen und 
Particularschreiben als von den Alliirten selbst, welche doch dergleichen 
ex foedere zu communiciren schuldig sein, erfahren müssen. Bei Fort- 
setzung des Kriegs in Pommern werde ich auch fast von allen Orten 
destituirety dann in denen wenigen und schlechten Winterquartieren, so 
mir zugefallen, ich meine Armee nicht gebührend verpflegen, weniger wie- 
der recrutiren und in behörigen Stand setzen, am allerwenigsten die 
benöthigte Mittel zur Anschaffung allerhand Eriegsnoth wendigkeiten, 
als Pulver, Proviant, Gewehr und dergleichen, daraus nehmen können. 
Von Hamburg habe er bisher nichts erhalten; vom Kaiser habe er trotz der 
AllianzbestimmoDgen keine Hilfstmppen zu erwarten, Braonschweig zögere ihm 
die mit so vielen Opfern erworbene Hilfsmacht zo senden, von Sachsen habe 
er nach den neuesten Befehlen des Kaisers auch nichts zu hoffen; borgen will 
ihm niemand, seine Länder sind ganz verwüstet. Er bittet daher den Kaiser 
um Rath, wie er sich in dieser Lage benehmen soll. (Der Kurfürst an den 
Kaiser, Potsdam 8. April 1678 Or.). Nach den Beschlössen der Conferenz vom 
10. Mai beantwortete der Kaiser das Schreiben des Kurfürsten am 16. Mai 
dahin, dass er den Korfürsten bedauere, ihn aber daran erinnern müsse, dass 
auch ihm — dem Kaiser — die Subsidien nicht gezahlt worden seien, vielmehr 
die Höhe der röckständigen Subsidien 5 Millionen betrage und dass er des- 
wegen doch nicht den Kampf aufgegeben, vielmehr nicht nur gegen Frankreich 
weitergekämpft, sondern auch den Karfürsten in den Kämpfen gegen Schweden 
unterstützt habe. (Der Kaiser an den Kurfürsten, Laxenburg 16. Mai 1678 Conc.) 
Bezüglich der Winterquartiere für Brandenburg fanden darauf am 14. September 
und 8. November Conferenzen mit Crockow statt'). Als Ergebnis derselben 
liegt der Bescheid des Kaisers vom 9. November 1678 Conc. für Crockow vor, 
in welchem er dem Kurfürsten für den Winter 1678/79 folgende Quartiere an- 
weist. Erzstift Magdeburg; Mecklenburg-Güstrow; Fürstenthum Anhalt nebst 
dem incorporirten Stifte Gemrode; Quedlinburg, Herford, Essen, Verden, 
die Besitzungen der Grafen Mannsfeld, Stollberg, Reuss, der von Plauen, 
Lipp zur Lippe und Lippe -Schaumburg, Herrn von Schönburg; Dortmund 
and Hamburg; iedoch alles mit der Eriäuterung und dem Anhang, dass 
vorderist gedachte Stadt Hamburg allein zu Auszahlung öOOOO Rthlr. 
und zu keinem weitern Quartierlast gehalten ; sodann weiln der westphä- 
lische Kreis bei Aufrichtung des veranlassten Corpo an der Maass, Mosel 
und dem untern Rhein zu Abwendung feindlichen Vorbruchs etwan 
nothwendig mit Mannschaft belegt werden muss, wenigstens die übrige 
ausser demselben gelegene Stände, bovorab das Fürstenthum Anhalt 



') Für die mit Crockow in der Quartierfrage im Jahre 1678 gepflogenen Ver- 
bandlungen vergl. Puf. 1. c. XVI. 82. 

Mater, t. G«8cb. d. 0. Knrfurstoo. XIV. 2. 56 



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sammt dem incorporirten Stift Gernrode und andern Landen, wo es 
andersten möglich, der wirklichen Einquartierung befreiet bleiben; keines- 
wegs aber, ehe es von der kaiserlichen Miliz beschicht, die Quartier be- 
zogen, auch diese Stände zu Reichung eines mehrern, als erstgedachte 
Miliz in beeden fränk- und schwäbischen Kreisen bewilliget wird, nicht 
angestrenget werden. . . . 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. „Hauptquartier Creckow 
vor Stettin" 30. September/ 10. October 1676. (Or.) 

[Friedenscongress zu Nymwegen.] 

10. Oct. Der Kaiser dürfte bereits erfahren haben, was die englischen Minister im 

Haag wegen Ansetzung eines Termins für den aligemeinen Friedenscongress zu 
Nymwegen vorgeschlagen und dass die Staaten sich für den ersten November 
laufenden Jahres entschieden haben, ohne vorher den Alliirten Mittheiiung zu 
machen. Der Kurfürst bittet um des Kaisers Meinung in dieser Frage. Unter 
dem 22. Nov. erwidert der Kaiser, er habe seine Bevollmächtigten, Kinsky, 
Stratman und Kramprich nach Nymwegen beordert und ersuche den Kurfürsten 
ein gleiches zu thun. 



Memorial Crockows an den Kaiser. Dat. Wien 23. Februar 

1677. (Or.) 

[Nothwendigkeit eines energischen Vorgehens gegen Schweden. Mittel dazu. Vortheil 
der Eroberung Stettins für die allgemeine Sache. Bitte um Unterstützung des Kur- 
fürsten und Dänemarks durch den Kaiser.] 

23. Febr. Der Kurfürst hoflPt, der Kaiser wird von der Verfolgung Schwedens nicht 

ablassen, zumal der Muth des Feindes durch den in Schweden^) errungenen 
Vortheil sehr gewachsen ist, dahero die höchste Noth erforderen will, dass 
I. K. M. in Dänemark von allen Alliirten kräftigst succurriret und in 
dem Stande erhalten werden, damit sie des Feindes Macht und gefahr- 
liche disegni von dem römischen Reich und den Erblanden divertiren 
und dem Feinde in dem seinigen genügsame Occupation geben können. 
Es wird aber damit der Sachen nicht gänzlich geholfen, sondern höchst- 
nöthig sein, dass auch in Pommern die operationes mit gleichmässiger 
vigor proseguiret und zumalen, dass die Stadt Stettin fordersamst per 
forza angegriffen und bezwungen werde ... So lang dieselbe noch in 
der Schweden Hände, ist allemal zu befürchten und können sich solche 
casus zutragen, dass die Schweden wieder aufkommen und eine Armee 



') Vergl. für den Kampf in Schonen Carlson 1. c IV, 645 ff. 



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auf den deutschen Boden bringen, massen die operationes in Schonen 
und in der See bei Gott und dem Glück stehen und man davon um 
destoweniger respondiren kann, als die Anstalten bis dato noch gar 
schlecht gemachet sein. Wie gefährlich Schweden dem Reiche werden könne, 
wisse der Kaber. Die Mittel, welche zur Verhütung solcher Gefahr er- 
fordert werden, sein so excessiv nicht. E'. K. M. allergnädigster Wille 
ist von Anfang gewesen, dass sie ein corpo von 8 — 10000 Mann wider 
die Krön Schweden wollten agiren lassen; wann anietzo eine solche 
Anzahl kaiserlicher Völker wider diese Krön anziehen könnte, würde ein 
mehrers von E'. K. M. nicht desideriret werden, wann das coobische 
Corpo anstatt der Cavallerie mit noch etwas Fussvolk verstärkt S'. Ch. 
D. gelassen wird und der von den Herren Herzogen von Lüneburg S^ 
Ch. D. versprochener Succurs erfolget, daran S. Ch. D. im geringsten 
nicht zweifeien, so werden dieselbe ihr äusserstes thun die Stadt Stettin 
mit Gewalt anzugreifen und getrauen sieh dieselbe nechst göttlicher Hülfe 
zu bezwingen, ausserdem aber finden sie sich dazu nicht bastant. Wann 
solches geschehen, was wird nicht dem allgemeinen Wesen vor ein Vor- 
theil zuwachsen, obangezogene höchstgefahrliche Gefahr und schädliche 
resolutiones werden dadurch verhindert, die Schweden behalten in Pom- 
mern nicht so viel terreno, dass sie eine Armee an Land bringen können; 
bei solchem Zustand wird sich kein Mensch vor sie declariren dürfen 
noch wollen, S. Ch. D. sein desimpegniret und können beides, E^ K. M., 
dero hohen Erzhause und V. K. M. in Dänemark kräftige Assistenz leisten. 
Es ist an dem, dass die grosse Macht des Königes in Frankreich und die 
Gefahr der Niederlande eine starke Gegenwehr erfordert; S. Ch. D. appre- 
bendiren solches allerdings und achten sich bei diesem Wesen nicht 
weniger interessiret, als bei dem Schwedischen selbst; allein dasjenige, 
was S. Ch. D. verlangen,, ist also beschaffen, dass dadurch die operationes 
gegen Frankreich nicht können gehindert werden. Der Abgang der 
4 — 5000 Mann, welche E. K. M. ausser das coobische Corpo gegen 
Schweden employiren, wird bei so grosser Force, welche von kaiserlichen, 
spanischen und holländischen Völkern, wie auch von so vielen alten 
ond neuen AUiirten wider Frankreich geführet wird, kaum zu spüren 
sein, hergegen wird diese Accession den Operationen gegen Schweden 
nicht allein ein grosses importiren, besonderen auch per consequentiam 
dem französischen Wesen ein grösser pondus geben, als wann diese 
Truppen daselbst wirklich agireten. Diesemnach ist an E. K. M. S^ Ch. 
D. meines gnädigsten Herren allorunterthänigstes Bitten, E. K. M. geruhen 

56* 



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884 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

allergnädigst nicht allein das coobische Corpo mit mehrer Infanterie za 
verstärken und dasselbe bei S'. Cb. D. zu lassen, besonderen auch I^ K. M. 
in Dänemark einen namhaften und erklecklichen Succurs zuzuschicken. 



Bescheid für Crockow. Dat Wien 6. März 1677. (Copie.) 

[Unmöglichkeit des Kurfürsten Forderungen ganz zu befriedigen. Anerbietongen des 

Kaisers.] 

6. März. Der Kurfürst wird sich erinnern, dass die 8— 10000 Mann dem Kurfürsten 

zu einer Zeit versprochen worden sind, als die Schweden aggressores gewesen 
sind und des Kurfürsten Lande wirklich angegriffen hatten, wie ja auch in dem 
Bündnisse bestimmt sei, dass ein Theil dem anderen zur Hilfeleistung erst ver- 
bunden sei, wenn ein Angriff im eigenen Lande des einen oder anderen Theiles 
erfolge. Im übrigen ist es Pflicht dort zu helfen, wo die grösste Noth ist und 
das ist jetzt im römischen Reich, den kaiserlichen Erbländem, den Niederlanden 
und Dänemark. Der Kurfürst ist mächtig genug sich gegen den ihn bedro- 
henden Feind zu wehren, dagegen sind die Spanier in den Niederlanden und 
Dänemark allein nicht mächtig genug dem Feinde zu trotzen und dahero 
gleichsam ohnverantwortlich sein würde, dass man den geringeren Feind 
mit grosser Macht bestreiten, dem stärkeren aber desto mehrers Luft machen 
sollte; anbei der Prinz von Oranien sich ausdrücklich erklärt, dass er 
nicht könnte noch wollte in's Feld rücken, es wäre dann, dass die kaiser- 
liche Hauptarmada per diversionem die ihrige bedeckte, welches endlichen 
allerhöchstbesagte L K. M. mit Hintansetzung ihrer eigener Convenienz 
und ohngeachtet dero Erblauden in dem Breisgau nahender feindlicher 
Gefahr auch vorhabenden sengen und brennens bewilliget, um nur di 
concerto zu gehen und die Kriegsoperationen zu beförderen; also dass 
sie von gedachter dero kaiserlicher Armada, wann nicht das Hauptwerk 
in Hazard gerathen sollte, einige Völker um so viel weniger hinweg 
schicken können, als von Nöthen ist 2 Armaden auf die Beine zu bringen, 
um durch die eine die französische Waffen in dem Elsass und Breisgau 
einzuhalten und mit der andern desto freier zu agiren. . . . 

Um aber seine volle Neigung für den Kurfürsten zu zeigen, erklärt der 
Kaiser sich bereit, das coobische Corps, das zu Beginn der nächsten Campagne 
wohlausgerüstet erscheinen werde, dem Kurfürsten noch weiter zu überlassen, 
jedoch nur unter der Bedingung, dass der Kurfürst mit seinen Truppen 
und mit Hilfe der ihm — dem Kurfürsten — von Braunschweig-Lüneburg zu- 
kommenden 4000 Mann den Konig von Dänemark unterstütze. Ganz in diesem 
Sinne schrieb der Kaiser auch dem Kurfürsten (Wien 5. April 1677), dem er 
auch durch Stratman mündlich von seinen Entschlüssen Mittheilung machen 
liess. (Weisung an Stratman 7. März 1677). 



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Forderungen des Kurfürsten. Investitnr mit Vorpommern. 885 

Der Korfüret an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 7./17. Juni 

1677. (Or.) 

[Bitte um ein schriftliches Versprechen bezüglich der Erwerbung Vorpommerns ffir 

Brandenburg.] 

E. E. M. gerohen sich allergDädigst zunicke za erinnern, wasgestalt n. juni. 
ich zu verschiedenen Malen sowohl durch meinen geheimden Rath, den 
von Crockow, als auch neulich durch meinen geheimden Rath, Franz 
Meinders, unterthänigste Ansuchung thun lassen, E. E. M. wollten sich 
allergnädigst erklären, dass mir das schwedische Pommern, wann das- 
selbe durch des Höchsten Beistand dem Feind abgenommen und in 
meine Gewalt kommen würde, zur Satisfaction conferirt werden sollte* 
Kon haben mir zwar dieselbe beiderseits berichtet, E. E. M. hätten sich 
darauf gnädigst mündlich herausgelassen, dero ministri auch die Ver- 
sicherung gethan, dass nach Eroberung diesesLandes sie mir solches herzlich 
gern gönnen und lassen wollten. Wie wohl ich nun gnugsame Ursache^ 
hätte mit sothaner gnädigsten mündlichen Erklärung zufrieden zu sein 
bevorab weil mir dero hohes kaiserliches Wort eine heilige und unzer- 
brüchliche Versicherung ist; jedennoch weiln sowohl zu Nymwegen als 
anderswo desfalls einige zweifelhafte Reden geführt worden, so finde 
mich gemüssiget, E. E. M. um eine allergnädigste schriftliche Erklärung 
desfalls unterthänigst anzulangen. . . Die Gründe, welche Brandenburgs 
Forderung rechtfertigen, anzufahren, sei unnothig. Dem Eorfürsten sei das Land 
mit Gewalt von den Schweden genommen worden und er habe es dann durch 
glückliche Operationen znm grossen Theile wiedergewonnen. Es seind auch 
Die meine Gedanken gewesen dieses durch's Schwert eroberte Land 
anders als ein Reichslehen von E. E. M. zu recognosciren und desfalls 
gebührende Erinnerung zu thun. Um so eher könne der Kaiser ihm daher 
die schriftliche Erklärung geben*). 



Relatio conferentiae vom 23. Juli mit Crockow. 1677. (Conc.) 

[Verbandlungen über die Satisfactionsfrage. Jägerndorf. Klagen Crockows über 
Spaniens Vorgehen. Forderungen Crockows bezüglich der Unterstützung der kurfürst- 
lichen Kriegspläne. Zusammenfassung der brandenburgiscben Forderungen.] 

Am 23. sind anf Befehl des Kaisers Lamberg und Hocher mit Crockow 23. Juli, 
zusammengetroffen. 

Crockow erklärt, der Kurfürst wünsche Unterstützung seiner Unternehmungen 
in Pommern und seiner Satisfactionsansprüche. Nostri: Man erinderte sich 



») Ueber die Verhandlungen in dieser Zeit vergl. Puf. 1. c. XV. 4. 



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gleichergostalt der priorum und zumal dieses, was von Churbrandenborg 
wegen loco dictae satisfactionis ratione Vorpommern und der Insel Rügen 
und deren Garantirung begehrt und ihre darauf ex parte E'. E. M. 
geantwortet worden, dass nemlich solche Begehren auch die andern 
AUiirten betreffen und man sich dahero darüber mit selbigen nothwendig 
vorhero zu vernehmen hätte, sonsten sie de ruptura foederum atque 
eorum non observantia billich klagen, benebens auch folgen würde, wann 
E. E. M. diesfalls die begehrte garantiam versprechen thäte, dass sie 
ehender auch anderergestalt nicht als mit Ueberlassung Vorpommern 
und Rügen an Churbrandenburg einigen Frieden eingehen könnten oder 
wollten, da doch in besagten foederibus klar begriffen, dass E. E. M. 
kein dergleichen momentosum ohne der anderen AUiirten Vernehmung 
und Einwilligung vornehmen wollten; zudem, so würden dergleichen 
auch die andern Mitconfoederirte als Dänemark, Braunschweig und 
Münster von E^ E. M. begehren und sich auf die erfolgende Abschlagung 
mächtig beleidigter befinden, auf thuende gleichmässige Zusagung aber 
die Sachen dahin bringen, dass kein Frieden zu hoffen wäre, derowegen 
sich zeitlich mit bedeuten anderen Confoederirten zu verstehen und vor- 
derist der Generalstaaten hierinnen führende Meinung zu erforschen, damit 
sie sonst nicht ein widrige Ursach und Vorwand überkommen möchte sich 
mit Frankreich besonders zu begleichen und zu beklagen, dass man ihnen 
die getroffene Bündnus nicht gehalten hätte; vorderist weilen sie denen 
einkommenen Nachrichten nach dermalen vermeinen sollten, dass sich 
Churbrandenburg weit mit einer geringern Vergnügung befriedigen könnten, 
also dass die Sachen dahin kommt, auf dass Churbrandenburg zeige, 
ob und wie E. E. M. dergleichen garantiam non obstantibus memo- 
ratis foederibus auch ohne ihren eigenen und zugleich allgemeinen 
Schaden eingehen mögen. Im übrigen ist der Kaiser bereit alles zu thun, 
was ohne seinen und der AUiirten Schaden geschehen könne. 

Crockow: Kurbrandenburg habe sich wegen der Insel Rügen Dänemark 
gegenüber so erklärt, dass von dieser Seite nichts zn besorgen sei '). Bezüglich 
Jägemdorfs habe er sich zum Aufgeben dieser Prätension gegen eine Summe 
Geldes, Meinders aber zu Linz ohne Geldentschädigung positiv und absolut 
erklärt. 

Er findet es Recht, dass man über die Satisfactionsangelegenheit auch mit 
den übrigen Allürten sprechen soll, doch könnte der Kaiser als Oberhaupt des 



*) Dänemark sollte die Insel den Schweden entreissen imd dann für sich be- 
halten; vergl. Dioysen I. c. IlLj 583; Pnf. 1. c. XIV. 51. 



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Satisfactionsangelegeubeit 887 

Reiches eine EventaalerklSrang abgeben ond dem Karfursten, für den Fall, dass 
Brandenbarg Pommern erhalten sollte, die Investitnr gleich jetzt ertheilen. 

Die Kaiserlichen geben zu, dass diese Forderung eine conditionata gegen- 
ober der absoluta von früher sei; yerlangen aber zu wissen, was Brandenburg 
dagegen leisten will. 

Crockow erklärt, der Kurfürst sei geneigt dem Kaiser reciproce ad avitica 
patrimonia zu verhelfen, es sei aber hart, dass er sich dazu verbinden solle, weil 
solches auch von den übrigen Alliirten abhänge. Zugleich beklagt sich Crockow 
über die schlechte Behandlung der kurfürstlichen Gesandten seitens der kaiser- 
lichen, femer darüber, dass Spanien den Austausch der Niederlande gegen 
Rückgabe der brandenburgischen Eroberungen bezwecke, wozu der Kurfürst 
niemals seine Einwilligung geben werde. Churbrandenburg wisse die anda- 
menta gar wohl, wann Spanien, Frankreich, Holland und andere unter 
sich einig, dass man vermeine, dass man hernach die andern darnach 
tanzen machen werde, es wirdet sich aber sicherlich das Widerspiel zei- 
gen ; schliesslich verhoffend, weilen sich Dänemark und Münster bereits za 
dieser garantia verstehet, dass auch E. E. M. solche nunmehr nicht wei- 
ters difficoltiren werden; gleichwie auch reciproce Churbrandenburg zu 
E^ K. M. Gegensatisfaction das seinige treulich thuen werde. 

Crockow bittet femer um wirkliche Assistenz bei den Operationen und um 
gute "Winterquartiere; dabei deducirt er, dass der Churfurst Stettin nicht 
erobern, weniger sonsten bestehen könnte, sondern sich nothwendig mit 
dem Haus von Braonschweig setzen musste, als welches von Churbranden- 
burg sine omni exceptione die garantiam diesfalls verlanget. E. E. M. 
hätten Churbrandenburg 10000 unter Coob versprochen, solche aber 
Die bekommen; heuer hätte Churbrandenburg gegen den Stratman nur 
4000 begehrt, die könnte er auch nicht haben, hingegen hätte er 4000 
Mann an die Maas denen Spaniern zu Hilf geschickt, verliere also der- 
gestalt 8000 Mann und würde vor Stettin nichts richten können, hätte sich 
wenigist auf die ihme von E'. E. M. durch den Stratman zu Wesel und 
soDsten versprochene 4000 Mann verlassen, hoffete sie auch annoch, son- 
derlich weilen Gottlob die Gefahr in Polen und Oberungarn numehr auf- 
hören thäte^). Endlich betont Crockow die Quartierfrage und fordert gute Quar- 
tiere für Brandenburg. 

In einem besonderen „Extract Protocolli" (Or.) fasst dann Crockow seine For- 
derongen zusammen: V. Dass I. K. M. sich allergnädigst declariren S'. Ch. 
D. bei diesem Kriege zu dem ganzen schwedischen Pommern zu verhelfen 
und, bis solches erobert, die Waffen nicht nieder zu legen. 2^ Nach- 
dem die kaiserliche hohe ministri ein und anders Bedenken eingewant, 

») üeber die Verhältnisse dieser Lander im Jahre 1677 Th. Europ. XI. 1044 ff. 



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888 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 — Febr. 1679. 

warum I. E. M. sich vor anitzo hierüber positive nicht erklären könntea, 
so ist von dem Abgesandten dergleichen Declaration gesuchet worden, 
dass nemlich I. K. M. oventualiter versprechen, im Fall das schwedische 
Pommern durch die churfürstlichen oder alliirten Waffen soUte einge- 
nommen werden, dass alsdann I. E. M. S. Ch. D. dabei allergnadigst 
schützen und mainteniren, auch durch dero allerhöchste Autorität es 
dahin bringen wollen, damit gedachtes Vorpommern S^ Ch. D. und dero 
hohem Hause durch den Frieden loco satisfactionis von der Eron 
Schweden und vor so vieln dem heiligen römischen Reiche geleistete 
Dienste, als eine justissimis armis mit so vielen Blut und Eosten ge- 
machte Conqueste ohn einige andre Condition als diejenige, welche nach- 
gehonds specificirt^ überlassen und zugeeignet werde, cum ulteriori pro- 
missione, S. Ch. D. darüber, wie gebräuchlich, allergnädigst zu investiren 
in mehrer Erwägung, dass hiebei diejenigen Inconvenientien, welche ra- 
tione der Holländer beim ersten Punct angeführet, gänzlich cessiren, dass 
auch das Reich mit Fuge nichts dawider zu sagen, dass keiner von den 
Alliirten von Pommern etwas praetendiret und dass dergleichen Eventual- 
Versprechungen in similibus casibus nicht ungebräuchlich, welches alles 
bei der Conferenz mit mehrerm ausgeführt, und dafern es nöthig, weit- 
läuftiger kann deduciret werden. 

3°. Dass S'. Ch. D. hierüber eine schriftliche und verbindliche Ver- 
sicherung ertheilet werde und wird de modo et forma derselben weiters 
zu reden sein. 

4*. S. Ch. D. versprechen hingegen um dero allerunterthänigste 
Dankbarkeit und Devotion zu bezeugen, dass sie auf solchen Fall, da 
sie nemlich ganz Pommern bekommen und dessen anietzo versiciiert 
werden, die ganze jägerndorfische Sache mit allen S^ Ch. D. deshalbeo 
competirenden Praetensionen fahren lassen und davon gänzlich abstehen 
wollen. 

5^ S. Ch. D. werden auch an sich nichts ermangeln lassen, damit 
I. E. M. dero Satisfaction von Frankreich erlangen mögen. Zu solchem 
Ende wollen S. Ch. D. den Allianzen zu Folge I. E. M. nach aller 
Mügligkeit assistiren, so bald sie dero Sachen in Pommern ausgefiibret, 
wie auch nicht weniger alle mügliche consilia aller Orten anwendeo, 
damit die sämmtliche Alliirte zu dergleichen Sentimenten mögen gebracht 
werden; dafern auch P. E. M. allergnädigst geflele wegen dero verlangeten 
Satisfaction sich specialius zu expliciren, so werden S. Ch. D. sich dar- 
über näher und zwar dergestalt herauslassen, dass daraus S^ Ch. D. 



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Forderungen Brandenburgs. Abberufung Crockows. Investitur mit Vorpommern. 889 

treueste Devotion zu P. E. M. allergDädigsteo contento erhelleo wird. 

Endlich bittet Crockow mn Hilfe gegen die Schweden und am gute Winter- 
quartiere. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Colin a. d. Sp. 22. Fe- 
bruar St. V. 1678. (Or.) 

[Abberufung Crockows.] 

Theilt dem Kaiser mit, dass er seinen Gesandten Georg Lorenz von 22. Febr. 
Crockow aas Wien abbemfen müsse. Unter dem 7./17. März 1678 wird dann 
an Stelle des vor Jahren verstorbenen Residenten Andreas Nenmann, dessen 
Geschäfte in der Zwischenzeit Crockow gelahrt, Ferdinand Persins als Resident 
des Earförsten dem Kaiser empfohlen. (Der Knrfnrst an den Kaiser. CöUn 
a. d. Sp. 7./17. März 1678 Or.) 



Protocoll der am 3. April 1678 gehaltenen geheimen Conferenz 
wegen der Ertheilung der Investitur mit Vorpommern. (Copie.) 

Es ist coDsiderirt worden, dass man mit P. Ch. D. confoederirt sei 3. April, 
ond nicht, weilen die foedera sich auf holländische und spanische sabsidia 
fundiren, welche aber nit erfolgen; möchten also endlich sagen, dass 
sie die pacta zu halten nit schuldig wären und scheint, wann I. M. 
sich derselben versichern wollen, dass ad foedera nova zu gedenken seie, 
welches aber auch gefahrlich, weilen sie daraus argumentiren wurden, dass 
sie von Observirung der Pacte entbunden wären. Solchemnach müsste 
man es dahin ankommen lassen, dass diese foedera noch den Bestand 
hätten und dass I. E. M. demienigen, was sie versprochen, nachkommen 
wollten, versehete sich von ihnen, dass sie dergleichen thuen wurden. 
In summa, es «scheint diese Sachen ziemlich schwer zu sein, man gebe 
eine abschlägige Antwort oder eine willfahrige, weilen die Circumstantien 
geändert; die negativa möchte Anlass geben mit dem Feind zu pactiren, 
die affirmativa ein grosses impegno verursachen und den Frieden ver- 
hindern, auch einen langwierigen Krieg nach sich ziehen; dahero die 
Antwort also einzurichten, dass es zu I^ M. praejudicio nit gereichen 
möge ; so wäre auch dahin zu sehen, den von Crockow mit gutem abzu- 
fertigen, weilen die von Nymwegen eingelangte Nachricht vermag, dass er 
anstatt des Somnitz kommen möchte. Solchemnach die Antwort also 
zu ertheilen, dass ncmlich I. E. M. der Ch. D. zu Brandenburg die 
acquisti gerne gönnen und ihr lieb sein wird, wann deroselben das 



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vTiucK Ulli uicurers zuiogie, su viei auer uio ganuiua uoi»reu6, uauu tsr, 
von Crockow, die Ursachen selbsten vernommen bei vorigen Conferentien, 
was für obstacula wären, wie er dann darauf bewogen worden zu ver- 
melden, dass nemlich mit der Condition, wann nemlich Churbrandenburg 
Vorpommern vorhero erobern werde, man die Specialerklärung der 
Investitur halber verlange, mit Reservirung der Gegensatisfaction für 
I. K. M. Ungeachtet aber aller der hierbei vorfallenden Bedenken und 
Difficultäten, so thäten I. E. M. aus absonderlichen gegen L Ch. D. 
tragenden freundoheimlichen Inclination sich dahin erklären, dass alles 
dasienige, was sie in Vorpommern erobert haben oder noch erobern 
werden, wann solches durch den Friedenschluss P. Ch. D. zuerkennt 
werden sollte, dass sie darüber die Investitur zu ertheilen kein Bedenken 
haben werden; doch mit der Condition, dass I. D. bei den foederibus 
verbleiben und keinen Frieden ohne I. E. M. eingehen, auch dero Satis- 
faction befördern wollen. 

Dem von Crockow könnte hierbei remonstrirt werden, dass er mit 
Vernunft ein mehrers nit begehren könnte, dann wann es mit allge- 
meinen Reichs- und Friedenschluss erhalten wirdet, ist es desto bestän- 
diger und beschicht mit mehrerer Reputation. Sollte aber die Investitur 
erfolgen und selbige hernach, wie es mehrmalen geschehen, cassirt 
werden, gereichte es zu der grösst^n Disreputation, wie es mit der dem 
Herzogen zu Friedland über Mecklenburg gegebenen Investirung beschehen 
ist, zu deren Aufheb- und Cassirung man damals hart kommen seie. 

Wann er mehrere Hilf begehren sollte, könnte von ihme vernommen 
werden, quibus conditionibus er solche verlange ; man vermeine ein 4000 
Mann wären in Dänemark nützlicher den Feind von fern zu halten, wie dann 
ohne solchen Succurs Stettin erobert worden') und wäre wegen des in 
der Insel Rügen erfolgten Unglücks in Dänemark die Hilf mehrers von 
Nöthen '), also dass, wann I. E. M. von dero Völkern was zu entrathen, 
solches ehender nach Dänemark zu commandiren wäre, der Hoffnung, 
weilen Eönigsmark nicht über 5000 Mann stark seie, dass denenselben 
die churfürstlichen Waffen genugsam gewachsen. 

Der Kaiser hat dieses Gutachten gebilligt und befohlen, dass Lamberg, Hocher 
und Königsegg dem Crockow davon Mittheilung machen. Bezüglich Jägemdorfs 
sei nicht viel zu machen, diese Angelegenheit vielmehr so mit durchlaufen zu 
lassen. 



') Stettin war am 23. Dec. nach mehrmonatlicher Belagerung genommen worden; 
vergl. Droysen 1. c. III., 601 ff.; Puf. 1. c. XV. 18; Tbeat. Europ. XI. 1037 ff. 
2) Vergl. Droysen 1. c. III.3 634; Gebhardi 1. c. 573. 



Brandenburgs Inyestitur mit Vorpommern. Polen. 891 

Protocoll der Conferenz vom 14. April 1678 unterzeichnet 
eigenhändig von Lamherg, Hocher, Königsegg einer-, Crockow 

andererseits. (Or.) 

[Brandenburgs Investitur mit Pommern. Gegenleistung des Kurfürsten. Unterstatzung 
Dänemarks. Jägerndorf. Brandenburg-staatiscbe Beziebungen. Verhältnis Branden- 
burgs zu Polen. Verabschiedung Crockows.] 

Die kaiserlichen Minister theilen dem Crockow die Beschlüsse des Kaisers 14. April, 
bezüglich der Investitur Brandenburgs mit Vorpommern*) mit. 

Crockow dankt für die Anerbietungen und erklärt bezüglich der Gegen- 
leistungen Brandenburgs, der Kurfürst werde, sobald er mit Schweden fertig 
ist, sich gegen Frankreich wenden, auch im übrigen die Interessen des Kaisers 
bei den Friedenstractaten beobachten. Im üebrigen hält Crockow für nothwendig, 
dass der Kaiser Dänemark in dem Kampfe gegen Schweden mit Hilfstmppen 
unterstütze. Bezüglich Jägemdorfe verbleibt es bei dem vorigen, dass nemlich 
der Kurfürst von seinen Praetensionen gänzlich absteht, wenn die Sache wegen 
der angebotenen Investitur zum Effect kommt Von einem Vertrage zwischen 
Brandenburg und den Staaten, von dem die kaiserlichen Minister nach eingelau- 
fenen Nachrichten als einem bereits geschlossenen sprechen, behauptet Crockow 
nichts zu wissen, vielmehr nach dem Tenor des vom Kurfürsten an die Staaten 
wegen des besorgten einseitigen Friedens abgelassenen Schreibens behaupten 
zu können, dass sein Kurfürst derartige Particolarverträge mit den Staaten 
nicht schliessen werde*). 

Auf die Frage der Deputirten, was Crockow bezüglich Polens wisse, ant- 
wortet dieser, der Kurfürst habe versucht die litthauische Armee durch Geld 
an sich zu bringen, damit die Schweden nicht durch Liefland einbrechen 
könnten, allein da 200000 Reichsthaler begehrt wurden, sei der Kurfürst da- 
von abgestanden'). Dem Pac^) habe der Kurfürst 10 — 12000 Thaler anbieten 
lassen, was diesem aber zu wenig erschienen sei. Es sei zu beklagen, dass 
vom Kaiser und von den anderen Alliirten in dieser Angelegenheit nicht mehr 
geschieht; der Kurfürst würde es sehr gerne sehen, wenn der Kaiser und der 
König von Dänemark sich mit zur Zahlung von Subsidien entschliessen würden; 
jeder Vi; wenn Dänemark nicht könne, möge der Kaiser Vi, der Kurfürst Vi 
zahlen. Die kaiserlichen Räthe nehmen die Sache ad referendum. 

Schliesslich hat sich Crockow zur Geheimhaltung der Beschlüsse dieser 
Conferenz verpflichtet. 

Unter dem 16. April 1678 meldet der Kaiser dem Kurfürsten die Verab- 



1) Dieselben entsprechen den Beschlüssen der Conferenz vom 3. Apnl 1678. 

>) In der That hatte Brandenburg mit den Niederlanden am 26. Febr./8. März 
1678 eine Defensivallianz auf 10 Jahre nach nächstfolgendem Frieden geschlossen; 
Dumont L c. VU., 342ff.; Puf. 1. c. XVI. 97 ff.; Mömer 1. c. 402ff.; vergl. ürk.u. Act 
III. 514 ff.; Droysen 1. c. III., 625 f. 

') üeber die brandenburg-polnischen Beziehungen in dieser Zeit Puf. 1. c. XVI. 67. 

*) Michael Pac, der litthauische Grossfeldherr. 



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scnieaung trockows, mit dessen Benenmen er sicn überaus zufneden erklärt, 
(Der Kaiser an den Kurfürsten 16. April 1678 Conc.) 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat, Potsdam 18. Mai 1678. 

(Or.) 

[Dank für die gegebenen Versprechungen und Versicherung der Devotion. Jägern- 
dorf. Staatisch-brandenburgiscbe Allianz. Polnische Verbältnisse.] 

18. Mai. Der Kurfürst dankt dem Kaiser für seine dem Crockow gegebenen Erklä- 

rungen und erkenne mich dabei absonderlich hoch verbunden vor die 
abermalige allergnädigste Versicherung, dass E. K. M. mir dasienige, 
welches ich von den schwedischen Landen allbereits erobert oder noch 
bekommen möchte, von Herzen gerne gönnen, die Fortsetzung der Waffen 
gegen Schweden befordern, bei denen Friedenstractaten zu Erhaltung 
meiner Satisfaction höchstgültige officia beitragen, hiernechst auch mir die 
Investitur über dasienige, welches mir bei dem Frieden zugeleget werden 
möchte, allergnädigst ertheilen wollen. Gleichwie nun E. E. M. zu dero 
oftermal contestiretem allergnädigstem Vergnügen in der That verspüret, 
dass ich deroselben und dero hohen Hauses Interesse mir alle Zeit mit 
grossem Eifer angelegen sein lassen, also würde ich auch nicht ermangeln 
E^ K. M. Satisfaction, so viel an mir ist, nach aller Mögligkeit zu befor- 
dern. Ich werde auch ebenmässig bei denen aufgerichteten foederibus 
fest und unveränderlich verbleiben, versichere mich aber daneben, dass 
die sämmüiche Herrn Alliirte dergleichen thun und dasienige, welches 
ihnen vermöge des Allianz oblieget, gebührend praestiren werden, woran 
es bis dato gar sehr ermangelt und künftig wohl noch mehr ermangeln 
dürfte. Wegen Jägerndorf bleibe ich bei meiner vorigen Erklärung und 
weil ich keinen andern casum praesupponire, als dass das ganze schwe- 
dische Pommern mir loco satisfactionis verbleiben und E. E. M. an dero 
höchsten Orte nachdrücklich dazu cooperiren, mir auch vermöge der 
aufgerichteten foederum kräftigst assistiren werden, so bin ich des noch- 
maligen Erbietens, dass ich auf solchen Fall E^ E. M. zu unterthänigsten 
Ehren und zu Bezeugung meiner rechtmässigen Praetension auf gemeltes 
Herzogthum ganz und gar abstehen will. 

Die Tractaten, welche ich mit den Generalstaaten kürzlich pflegen 
lassen, gehen blos allein auf eine Renovation und Erläuterung meiner 
mit dem Staat von langen Jahr her gehabten uud iotzo expirirten ÄlHaoz 
und haben wir zugleich etKÜche Privatirrungcni abthuti lassen, dabei 
aber nichts gehandelt noch geechloj^i^cnj welches die hohe Alliirte in- 



Verfaandlongen in der Satisfactionsangelegenheit g93 

gesammt oder jemands von ihnen toachiren, oder ihnen zum Praejudiz 
gereichen könnte. Sobald auch der Tractat ratificirt, werde ich nicht 
ermangeln, E'. K. M. davon unterthänigst Part zu geben ^). Was das 
polnische Werk betrifft, wäre es wohl sehr gut gewesen, wann man sich 
deshalben bei Zeiten vereinbaret und zu Hintertreibung der noch stets 
continuirenden französischen und schwedischen Machinationen^ — von 
denen E^ E. M. mein Rath und Resident Persius allerunterthänigste 
Apertur wird gethan haben, — zureichende Mittel bei Zeiten vor die 
Hand genommen hätte. E'. E. M. ist allergnädigst erinnerlich, wie auf 
dero gnädigstes Ansinnen ich schon vor etzlichen Monaten meinen 
geheimen Rath und Abgesandten, den von Crockow, zulänglich hierüber 
instruiret; ich habe mich auch inmittelst, ohnerwartet des damaln vor- 
geschlagenen Concerts, mit Aufwendung grosser Summen Geldes pro 
communi causa dergestalt angegriffen^ dass bei jetzigem Zustande meiner 
ganz erschöpfe ten Lande, mir vor anitzo ein mehres zu thun sehr schwer 
ja fast unmüglich fallen will. So wurde ich abermal genöthiget werden, 
E. E. M. ganz gehorsamst zu ersuchen, wann nun die Gefahr nicht cessiret, 
sondern vielmehr täglich zunimmt, ... sie wollen dieses so hoch impor- 
tirendes Werk dero kaiserlichen Sorgfalt anbefohlen sein lassen und die 
Verfugung thun, dass aber dieienige Gelder, welche bereits ausgezahlet 
oder zu diesem Behuf annoch parat sein, noch eine erkleckliche Summe 
aufgebracht und nach der Sachen Notdurft zur rechter Zeit angewant 
werde. Ich bleibe sonsten bei der durch meinen geheimen Rath und 
Abgesandten, den von Crockow, beschehenen Erklärung, dass nemlich, 
wann I. E. M. zwei tertias zu diesem Behuf anwenden, ich, so schwer 
als es mir auch wird, eine tertiam beitragen will, werde auch das 
secretum durch die meinige der Gebühr nach wohl observiren lassen. 
In einem P. S. wiederholt der Karfnrst seine Erklarangen bezüglich Polens. 



^) Der Austausch der Ratificationen erfolgte erst Ende des Jahres 1678. 
^ Für die schwedischen und französischen Machinationen in Polen TergL Puf. 
l c. XV. 21 ff. u. a. 0.; Droysen 1. c. III., 631 f. 



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894 VII. Der Krieg gegen Schweden. Öct. 1674 — Febr. 1679. 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Colin a, d. Sp. 
7./17. Juni 1678. (Or.) 

[Klage über der Holländer Vorgeben bei den Friedensverhandlungen und Bitte an den 

Kaiser den Kampf fortzusetzen. Sendung Crockows nach Wien. Zusammenkunft 

des Kurfürsten mit Georg Wilhelm.] 

17. Juni. Ich zweifele nicht E. K. M. werden nach dero mir bekannten Eifer 

vor die Glorie und Sicherheit des deutschen Reiches und vor das ge- 
meine Beste mit nicht geringem Unwillen empfinden die grosse Praeci- 
pitanz, so man in den Niederlanden zuwider denen geschlossenen Trac- 
taten in Schliessung eines disreputirlichen, schädlichen und unsicheren 
Friedens, wodurch Frankreich das so lang intendirte Arbitrium obn 
Widersprechen erhält, gebrauchet '). E'. K. M. ist auch nicht verborgen, 
wie dass ich bishero vor die gemeine Sicherheit und zu Erhaltung eines 
ehrlichen und beständigen Friedens alles das Meinige^ ja Gut und Blat 
zugesetzet, und ob es zwar scheinet, als ob man mich verlassen and 
gleichsam als ein Opfer meiner Feinde Willen und Discretion übergeben 
wolle, so habe ich doch das unterthänigste sichere Vertrauen zu E'. K. M., 
dieselbe werden sich durch einiger Aliiirten unbesonnene Praecipitaoz, 
welche endlich zu ihrem eigenen Schaden und Verderb ausschlagen 
möchte, nicht bewegen lassen, sondern durch ihr höchstes Exempel und 
vigoureuse consilia die gute Partei so lang beizubehalten suchen, bis 
man einen ehrlichen und beständigen Frieden wird erhalten können. 
Ich vermeine ohn Massgebimg, dass noch Mittel übrig mit Ehr und Re- 
putation diesen Krieg zu endigen und weil die höchste Noth erfordert, 
dass desfalls in Zeiten ein gutes Concert gemachet werde, solches aber 
durch Schreiben nicht wohl geschehen kann, so bin ich entschlossen 
meinen geheimen Rath, den von Crockow, innerhalb 2 Tagen an E K. 
M. unterthänigst abzuschicken und durch ihn meine unmassgebliche ge- 
horsamste Gedanken zu eröffnen, auch darauf E'. E. M. gnädigste Mei- 
nung und Befehl zu vernehmen. 

Eine Zusammenkunft mit dem Herzoge Georg Wilhelm zu Braunschweig- 
Lüneburg, die der Kurfürst veranstaltet, wird, wie er hofft, guten Erfolg haben^. 



Der Vertrag zwischen Frankreich und den Staaten wurde erst am 10. August 
1678 geschlossen; Dumont I.e. VII.i 350 ff. üeber die Verhandlungen Frankreichs 
mit den Staaten vergl. Mignet 1. c. IV. 544 ff.; Basnage 1. c. IL 914 ff. 

^ Ueber die Beziehungen Brandenburgs zu den Braunschweiger Fürsten in 
dieser Zeit Puf. 1. c. XVI. 53 ff. 



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Brandenburg bittet nm Fortfübrang des Krieges. Fnedensfrage. 895 

Bescheid für Crockow. Dat Wien 20. Juli 1678. (Copie.) 

[Fnedensfrage. Allgemeine Lage. Haltung des Kurfürsten und der übrigen Alliirten. 
Notbwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens und genauer Bestimmung der Art des 

Kampfes gegen Frankreich.] 

Der römischen kaiserlichen Maiestät unserm allergnädigsten Herrn 20. Juli. 
ist in Unterthänigkeit referirt worden, was sowohl der churbranden- 
burgische allhier anwesender Abgesandter, Herr von Crockow, als einiger 
andern dero Confoederirten ministri bei gegenwärtigen so gefahrlichen 
Zertrennung der gemeinen Sachen und zu einem Particularfrieden der 
Krön Spanien und Generalstaaten der vereinigten niederländischen Pro- 
vincien an einem und der feindlichen Eron Frankreich am andern Theil 
sich veranlassenden Coniuncturen höchstgedachter I^ K. M. ihrerseits da- 
hin wohlmeinend vorschlagen wolle: Wie nemlich solcher Austretung der 
Krön Spanien und Generalstaaten ungehindert die gemeine Sache gleich- 
wohl von I^ K. M., des Reichs and der übrigen Alliirten Seiten gegen 
die Krön Frankreich fortgesetzet und dieselbe zu Eingehung eines billichen 
und reputirlichen Friedens, als sie noch im Monat Aprilis nechsthin allen 
hohen Alliirten insgesammt und einem ieden absonderlich gleichsam vor- 
zuschreiben sich angemasset hat, gebracht werden könne'). 

Der Kaiser erkennt dieses Bemühen der Alliirten an, zweiflen aber auch 
zuvorderist nicht, dass wie der Krieg zu Erhaltung einer üniversalsicher- 
heit und Friedens gesammter Hand angetreten worden, also man auch 
höchst- und hoher Alliirten Seiten, absonderlich bei gegenwärtigen so 
gefährlichen Coniuncturen, zu Annehmung eines billigen Friedens dis- 
poniret, oder doch — da zu dessen Abhandlung oder auch Einrichtung 
der abzielenden engeren Zusammensetzung eine geraumere Zeit höchst 
nöthig erfordert wird — zu Eingehung eines Üniversalarmistitii nicht 
weniger als I. E. M. selbsten um so mehr werden geneigt sein, je näher 
sie erkennen, dass allenfalls deren gegen Frankreich liegende Land- 
schaften dem ersten französischen Anfall und Verwüstung nicht ohne 
Gefahr dos gänzlichen Verlustes exponiret sein würden, ehe man die 
engere Zusammensetzung feststellen und den behörigen Widerstand ein- 
richten könnte. 

Welchem nechstdann, da I. E. M. vernehmen, wasgestalten einige 
mehr wohlerwähnter Alliirten über derlei engere Zusammensetzung zu 

') Die Erklärung Frankreichs Tom April 1678 ist abgedruckt bei Basuage 1. c 
n. 914 f.; Mignet 1. c. IV. 550ff. 



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896 VII. Der Krieg gegen Schweden. Oct. 1674 —Febr. 1679. 

Kopenhagen bereits eine Zusammenkunft und Unterredung vorgehabt'), 
sie zuvorderist von obgemelten H°. Abgesandten die nähere Nachricht 
verlangen, was in ietztgemelter Zusammenkunft oder anderer Orteo 
möchte geschlossen, oder auch in wie weit er möchte befelcht sein, 
darüber hochgedachter I'. E. M. Communication zu thun und dieselbe 
zur Miteintretung und auf wasgestalt zu ersuchen. 

Wobei sie alsdann auch der freund- brüder- oheim- und gnädigsten 
Zuversicht leben, dass wie wohlernennte hohe Alliirten von Selbsten 
gnugsam befinden, dass die höchste Notdurft und gesammtes Heil erfor- 
dere, dass ein jeder mit Hintansetzung alles Privatrespects, Vortheil und 
Eigennützigkeit sich in proprio angreife und mit dessen Zusetzung die 
gemeine Sache salviren helfe und mithin sich zu Removirung dessen 
um so geneigter resolviren werden, was bishero alle gute operationes 
und effectus gegen dem Feind verwirret, aufgehalten, confundiret, frucht- 
und kraftlos gemacht hat, also dieselbe auch unter einst erkennen wer- 
den, wie schädlich es der gemeinen Sache bishero gefallen, dass man 
sich der Direction und Operation der gesammten Waffen, wie auch der 
Einqartiening halber so wenig verstehen, vergleichen und befriedigen 
wollen, und demnach zu Vermeidung fernerer dergleichen höchst schäd- 
lichen Collisionen und Confusionen sich nicht allein über Anzahl der 
benöthigten Auxiliararmee gegen Frankreich, wie dieselbe, auch durch 
was Mittel zu erhalten und wie bald zusammen zu bringen seie, resof- 
viren, auch erklären werden, unter was Haupt und Commando diese Völker 
stehen und demnach schon vor diesem wegen des Generalats — um 
willen über Formirung eines Eriegsheer zwischen der Maas und dem 
Rhein ein gewisser Vorschlag von I'. K. M. beliebet worden — , ob es bei 
deme und allerhöchstgedachter P. K. M. die Direction wegen der Kriegs- 
operationen verbleiben solle?, darüber dann ihre gnädigste Herrn Princi- 
palen die allhier habenden ministros zur Einrichtung des Werks aufs 
ehiste also instruiren werden, dass mehrhöchsternannte I. K. M. zu der 
gemeinen Sache, auch des heiligen, römischen Reichs und ihres löblichen 
Erzhauses Bestem und Sicherheit weiters darin schreiten und sich eines 
beständigen entschliessen können. Massen sie dann darunter ihre väter- 
liche Vorsorge, sowohl in obermelter Direction der Waffen und ihrer 



1) Zu Kopenhagen fanden Berathungen des Königs Ton Dänemark mit dew 
Kurfürsten yon Brandenburg und dem Bischöfe von Münster statt, die im August zu 
einem Bündnisse gegen Schweden führten. Vergl. Hörner 1. c. 405 f.; Puf. 1. c. XVI. 
57; Droysen 1. c. III., 634f. 



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Kampf gegen Frankreich. Kriegsnachrichten.' 897 

OperatioDen, ak auch bei Eioqaartier- nod UoterbringaDg der Volker 
Csoviel es der Sachen Zustand iedesmal ertragen kann) dergestalt noch 
femer vorxukehren nicht unterlassen werden, wie es die Notdurft und 
Billigkeit, auch ihr höchstes kaiserliches Amt selbsten erfordert und nach 
sich ziehet'). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. „Auff meinen Jagt Schiffe 
bey der Stalbroder Fehr" 14/24. September 1678. (Or.) 

[Kriegsnachrichten.] 
Gleichwie alle meine actiones E^ E. M. Gloire und das gemeine 24. Sept. 
Beste fumemlich zum Ziel haben, so kann nicht umhin E. K. M. zu 
den glucklichen Success, womit der höchste Gott meine vorgehabte 
Attaque auf Rügen gekrönet, mit schuldigstem Respect zu gratuliren; 
dann wie ich am 10./20. dieses mit meinen zusammengebrachten Krieges- 
und andern Schiffen und Fahrzeug bei Peenemünde zu Segel gangen 
und dem Feinde am 12./22. bei Palmerort eine fausse mine gemachet, 
habe ich am 13./23. unfern Putbus auf der Insul Rügen in des Feindes 
Praesenz und ungeachtet seines Canonirens glücklich debarquiret, den 
Feind repoussiret, mich sofort an denselben gehangen, von ihm noch den 
Tag und die darauf folgende Nacht über 200 Gefangene, ein schön 
Metallenstück und eine Estandarte bekommen und denselben nach der 
alten Fehrschanze sich zu retiriren gezwungen. Heute am 14./24. hat 
mein Generalfeldmarschall*), welcher dem Feinde unaufhörlich nachgesetzet, 
durch gottlichen Beistand gedachte alte Fehrschanze stürmender Hand 
erobert und nachdem etzliche hundert in der ersten Furie niedergemachet, 
hat man daselbst über 700 Gefangene und 2500 Pferde mit voller Mon- 
tirung nebst allem Canon, so in der Schanze gewesen, bekommen '). 
Crockow soll die Details berichten. 

Unter dem 15. Oct meldet dann der Kurfürst die Einnahme Stralsunds und 
übersendet eine Abschrift des darüber mit Königsmark geschlossenen Ver- 
gleiches*). 

') Vergl. Puf. 1. c. XVI. 81. 
•) Derffllnger. 

>) Für den Zug des Kuifursten nach Rügen Droysen 1. c. lll.s 639 ff.; Puf. I.e. 
XVI. 60. 

*) Vergl. Puf. I. c. XVI. 61 f.; Droysen I. c. III., 642f.; Th. Europ. XI. 1161 f. 



Haler, t. Gesell, d. O. Karfireten. XIV. 2. 57 



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898 VII. Der Kriepr gegen Schweden. Oct 1674— Febr. 1^79. 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Wrangeisburg 7./ 17. Not 

1678. (Or.) 

[Brobernng Greifswalds. Ho£fhang auf Erhaltung Pommeras im brmndenb m giacA « 

Besitze.] 

17. Nov. Gleichwie das heilige romische Reich von der Krön Schweden ioDer^ 

halb der negst verflossenen 50 Jahren einen unsäglichen Schaden erlitte 
und zum öftern dessen gänzlicher Ruin und Verderb sehr nahe gewe^w, 
also kann es Gott nimmer gnugsam danken, dass durch dessen kräftigte 
Beistand der deutsche Boden, insonderheit bei E^ K. M. höchstgepriesenen 
Regierung, von diesen fremden Gästen nunmehro gänzlich gesäubert and 
dieses Herzogthum Pommern, woraus zu verschiedenen Malen ganz 
Deutschland als mit einer Flut überschwemmet worden, unter meine Bot- 
mässigkeit, dahin es von Gott und Rechtswegen gehöret, nunmehro 
gänzlich gebracht ist, indem auch die Stadt und Festung Greifswald« 
welche allein noch übrig gewesen, sich heute an mich ergeben . . . 
Der Kurfürst hofft, weil E. K. M. und das ganze Reich dabei aufs höchste 
interessiret sein, dass ich bei dem geruhigen Besitz dieses Landes, worin 
mich die allwaltende Hand Gottes geführet, kräftiglich geschützet werde, 
dass dieselbe sich auch meiner hierunter in Gnaden und mit Nachdruck 
annehmen werden. — 

In dem Antwortschreiben vom 10. Dec. 1678 gratulirt der Kaiser dem Kor- 
fursten zu diesem grossen Erfolge. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Marienwerder 12./22. Jan. 

1679. (Or.) 

[Kriegsnacbrichten.] 

22. Jan. Der Kurfürst hat die Weichsel überschritten und denkt den Marsch gegai 

den Feind zu beschleunigen. Sonsten erhalte ich gleich itzo die sichere 
Nachricht, dass der Feind auf Bartenstein zugangen und daselbst stehe 
und gehet allhier die Rede, ob suche derselbe durch Masuren nach E^ 
K. M. Erblande durchzudringen und sich mit denen in Ungarn gewesenen 
Truppen zu coniungiren ...*). Sollte der Feind dahinwerts seinen Marsch 
nehmen, so werde ich nicht ermangelen demselben nachzugehen und zu 
E^ K. M. und dero Erblande Dienst nicht weniger als vor meine eigene 
zu fechten. 

') Ueber die Kriegsoperationen dieser Zeit; Droysen I.e. III.3 655 ff.; Puf. 1. c 
XVII. Iff 



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Kriegsnachrichten. 899 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Preuschmark 13./23. Jan. 

1679. (Or.) 

[Kriegsnachrichten.] 

Der Feind hat, wie der Kurfürst von seinem Generallieutenant Gortzke ^) 23. Jan. 

vernommen, auf die Nachricht vom Anmärsche des Kurfürsten den Plan nach 

den Erblanden zu marschiren aufgegeben und den Rückzug angetreten. Der 

Kurfürst denkt den Feind verfolgen zu lassen und hat zu diesem Zwecke 

Oortxke Befehl ertheilt, sieb mit den 4000 Reitern und Dragonern und den 

lOOO Musketieren, die er bei sieb bat, und 1600 Pferden und 1200 Dragonern, 

die der Kurfürst ihm zusendet, an den Feind zu hängen und denselben zu 

zwacken and abzumatten, damit er nicht entkomme'). Der Feind ist sehr 

geschwächt; die Zahl der Ueberläufer sehr gross und alle sagen aus, dass die 

Schweden kaum 8000 Mann stark sind und über 2000 Kranke haben. Ich hoffe 

vermittelst göttlicher Hilfe sie noch zu ereilen, oder zum wenigsten das 

Fussvolk und die Artillerie abzuschneiden, sollte ich ihnen auch bis in 

Liefland nachgehen müssen. 



Der KurfUrst an den Kaiser. Dat. Kuckerneese 24 Jan./3. Fe- 
bruar 1679. (Or.) 

[Kriegsnachrichten.] 

Als Fortsetzung seines Berichtes vom 13./23. Jan. meldet der Kurfürst, 3. Febr. 

dass der Generallieutenant Gortzke die Feinde aufgehalten und viele Gefangene 

gemacht habe. Am 16./26. Jan. bin ich zu Königsberg angelanget, allwo 

ich nur einen Tag geruhet und entzwischen die Regimenter avanciren 

lassen, so dass ich mit der ganzen Armee am 18./28. zu Labiau gestanden, 

allwo ich auf erhaltene Nachricht, dass der Feind seinen Marsch von 

Insterburg nach der Tilse gerichtet hätte und also kaum eine Tagereise 

mehr von mir wäre, eine starke Partei von Reutern und Dragonern bis 

auf 5000 Mann unterem Generallieutenant Gortzke und noch eine andere 

unterem Generalmajor Treffenfeld*) von 800 Pferden und 200 Dragonern 

detacbiret mit Ordre den Feind zu recognosciren, denselben im Marsche 

aufzuhalten und ihm allen möglichen Abbruch zu thun. Ich avancirte 

inzwischen mit dem Fussvolk, der Artillerie und übrigen Reutern den 

19./29. bis Gilge und den 20./30. bis Kuckerneese, allwo ich sichere 

Nachricht erhalten, dass der Feind den vorigen Abend zur Tilse, so nur 

Joachim Ernst ?. Gortzke; vergL Müherstedt I.e. 211. 

») Droysen L c III., 656. 

*) Joachim Hennings von Treffenfeld ; vergl. Hülverstedt I. c. 455. 



57 



* 



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Denselben Tag glückete es meiner unter'm Generalmajor Treffenfeld aus- 
geschickten Partei dergestalt, dass er am hellen Tage dem Feinde ein 
Quartier enleviret und darin 3 Regimenter Dragoner und eines zu Pferde 
ganz geschlagen und ruiniret, und hat der Feind daselbst 8 Dragoner- 
fahnlein, welche mir auch noch selbigen Abend praesentiret worden, nebst 
2 Standarten und ein Paar Pauken verloren. Bei anbrechender Nacht 
retirirte sich der Feind von Tilse über den Memelstrom, worauf ich 
auch sofort aufbrach und weil verlautete, dass er seinen vorigen Weg 
bei der Memel vorbei nach Kurland, welches auch der richtigste und 
bequemste ist, nehmen wollte, resolvirete ich demselben vorzubeugen und 
richtete meinen Marsch auf einen Ort. so der Heidekrug genannt, zu; am 
selbigen Tage als den 21./31. geriethe vorgedachter mein Generallieutenant 
Gört/.ke mit seiner unterhabenden Partei im Marsche an des Feindes Arriere- 
garde, wobei sich der Feldraarschall Hörn selber befunden, warf selbige nach 
einem harten Gefechte über'n Haufen und ruinirte sie totaliter, so dass bei die 
1200 Mann auf den Platz geblieben und bei 200 Mann gefangen, auch dabei 
des Feindes meiste und beste Bagage nebst vielen Munition- und Pro- 
viantwagen genommen worden. Dieser Verlust des Feindes und weil 
er auch einige Nachricht von meinem Dessein gehabt, machete dem- 
selben seinen Marsch ändern, dergestalt, dass er sich die darauf folgende 
Nacht ganz zur rechten Handwerts geschlagen und seine Retirade mitten 
durch Samoyten, Litthauen und Kurland zu nehmen Vorhabens ist; ob 
er nun zwar dadurch wieder einen Vorsprung von 5 Meilen bekommen, 
habe ich ihm doch einen Tag und Nacht bis Samoyten gefolgt, ihn 
aber, weil er mehr lauft als marschiret, mit der Infanterie und Artillerie 
nicht einholen mögen; dahero ich dann um meiner Leute, welche einen 
Marsch von mehr als 100 deutscher Meilen gethan, in etwas zu schonen, 
auch weil der Feind nicht mehr in meinem Lande, sondern bereits im 
polnischen Gebiete gewesen, demselben nicht länger mit der Armee folgen 
mögen. Ich habe aber dennoch meinen Generalmajor Treffenfeld mit 
1000 Pferden beordret, demselben nfichzugehen und Abbruch zu thun ') 
und vernehme ich gleich itzo, dass auch die Samoyten aufsitzen und 
nebst meinen Leuten den Feind verfolgen sollen. Alle Gefangene, wo- 
runter viel Oberofficierer, berichten einhellig, dass der Feind ganz ruiniret, 
dass er keine 2000 gesunder Mann mehr habe und dass die Reuter so 
abgemattet, dass sie im reiten von den Pferden stürzen und todt bleiben. 



») Vergl. Droysen I. c. III.3 657 f.; Puf. I. c. XVIL 5 f. 



Rriegsnachrichten. 901 

Und ist leicht zu ermessen, wie viel der Feind wieder in Liefland 
bringen werde, da er annoch bis dahin 40 Meilen durch Samoyten, 
Liitthauen und Kurland in dieser grimmigen Kälte mit der Einwohner 
Unwillen und Widerstand und sehr enge und böse Wege zu marschiren 
hat. Ich aber habe billig dem Höchsten zu danken, dass durch seinen 
Beistand der Feind, unerachtet er sich ausgeruhet und in guten Quar- 
tieren gestanden, hergegen meine Leute innerhalb 14 Tagen bei die 
lOO Meilen in dieser Saison marschiret, innerhalb 2 Tagen, wie ich ihn 
oar mit der Cavallerie erreichen können, ruiniret und aus dem Lande 
gejaget worden. E'. K. M. habe ich solches um so viel lieber hinter- 
bringen sollen, weil ich anitzo wieder freie Hände bekommen, um mich 
des heiligen römischen Reichs Angelegenheiten mit mehren Nachdruck 
anzunehmen und dadurch einen redlichen Frieden befördern zu helfen; 
wie ich dann, sobald nur meine Leute in etwas ausgeruhet, einige Re- 
gimenter nach meine Churlande wieder voran marschiren zu lassen 
entschlossen hin. 



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vm. 

Erste Mission 

des Grafen Johann Philipp Lamberg. 

Fehr. 1680 -Febr. 1682, 



Einleitung. 



Noch in Königsberg, wo er von den Mühen des mit ungewöhnlichem Er- 
folge gegen die Schweden unternommenen Winterfeldznges ausruhte, um sich 
zu neuen entscheidenden Kämpfen gegen den Verbündeten des besiegten Karl XL, 
gegen den mächtigen Franzosenkönig, vorzubereiten, empfieng Friedrich Wilhelm 
die Nachricht, dass Kaiser Leopold am 5. Februar 1679 in seinem und im 
Namen des Reiches mit Frankreich und Schweden einen Frieden geschlossen 
habe, durch den die volle Restitution der eroberten Gebiete an Schweden, auf 
der Ludwig XIV. beharrt hatte, zugestanden, und Kaiser und Reich verpflichtet 
worden seien, den Alliirten nicht nur keinerlei Hilfe zu leisten, sondern alles 
was in ihrer Macht stünde zur Beendigung des zwischen Frankreich und Bran- 
denburg geführten Kampfes beizutragen. Friedrich Wilhelm wollte Anfangs an 
die Richtigkeit dieser Mittheilung nicht glauben. Er wollte den Gedanken 
nicht fassen, dass der Kaiser und die Fürsten des Reiches sich wirklich ent- 
schlossen haben sollten die Ueberlegenheit der ftanzösischen Nation in einer 
60 unzweideutigen Weise anzuerkennen, dass sie endgiltig darauf Verzicht ge- 
leistet haben sollten, die beiden Grossmächte, die seit dem Abschlüsse des 
westphälischen Friedens zum Schaden der deutschen Nation einen übergrossen 
Einfluss auf die Entwickelung der deutschen Reichsangelegenheiten genommen 
hatten, vom Reichsboden zu vertreiben, dass sie den Zustand, wie er durch die 
Friedensschlüsse von 1648 festgesetzt worden war, von neuem anerkannt und 
sich bereit erklärt haben sollten, die Feinde des deutschen Volkes in ihrem 
Bemühen zu unterstützen, ihm — dem Kurfürsten von Brandenburg — das 
von ihm in jahrelangen, mühevollen Kämpfen eroberte, ihm ~ seiner Ansicht 
nach — von Rechts wegen zugehörige Gebiet wider zu entreissen. Wie hätte 
ihn auch nicht der Gedanke mit Entsetzen erfüllen sollen, dass alle seine Be- 
mühungen vergebens gewesen, dass das Blut seiner Soldaten frachtlos ge- 
flossen, dass er genöthigt werden sollte, das Land, dessen Erwerbung ihm für 
die weitere Entwickelung seines Staates von der wesentlichsten Bedeutung 
schien, das er unter ausserordentlichen Schwierigkeiten erobert hatte, an 
den verhassten Rivalen herauszugeben. Einen um so tieferen Eindrack hat es 



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906 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

auf ihn gemacht, als er sich überzeugt hatte, dass die ihm zugegangenen Mit- 
theilungen auf Wahrheit beruhten, als er wahrnahm, dass die Mächte, die er 
mit dem ganzen Aufgebote seiner Kräfte unterstützt hatte, ihn im Stiche 
Hessen. Er hat einen Moment daran gedacht, allein den Kampf gegeo 
den überlegenen Gegner aufzunehmen, dann aber sich in das unabänderliche 
gefügt, den werthvoUen Besitz dem Schwedenkönige herausgegeben, seinen 
Unmuth aber nicht dem Könige von Frankreich, vor dem er sich beugen mosste, 
sondern den Verbündeten gezeigt, von denen er sich verrathen glaubte» 

Es kann nicht unsere Aufgabe sein in diesem Zusammenhange die Frage 
zu erörtern, ob Friedrich "Wilhelm berechtigt war, in dem Vorgehen seiner 
Verbündeten und speciell in der Haltung Leopolds Verrath zu erblicken, ob 
seine Ansicht von der Möglichkeit einer erfolgreichen Fortführung des Kampfes 
ohne die Mitwirkung der Spanier und Niederländer nicht mehr der Ansfloss 
eines heissen Begehrens als der ruhigen Ueberlegung war, ob das Vorgehen 
Leopolds nicht blos eine unvermeidliche Folge des Abfalles der übrigen Ver- 
bündeten und der ihm vom Osten her drohenden Gefahr war. Für unsere 
Betrachtung genügt es hervorzuheben, dass Friedrich Wilhelm sich vom Kaiser 
verlassen fühlte und im Unwillen darüber, zugleich von Widerwillen gegen seine 
Nachbarn erfüllt und in der Besorgnis bei ruhigem Verhalten sein Ansehen 
ganz einzubüssen, sich zu einem Schritte bewegen Hess, der mit seiner bisherigen 
Politik im Widerspruche stand und für die weitere Entwickelung der allge- 
meinen und specieU der i deutschen Verhältnisse von verhängnisvoUen Folgen 
begleitet war. Denn wenn Friedrich Wilhelm sich auch im Verlaufe seiner 
Regierung wiederholt von dem Kaiser abgewendet und Ludwig XIV. ange- 
schlossen hatte, so war dies bisher immer in einer Weise geschehen, die ihm 
dem Reiche gegenüber freie Hand Hess und ihm die MögHchkeit gewährte, 
seine Pflichten als Reichsfürst zu erfüllen. Jetzt aber, wo er sich durch den 
Vertrag vom 25. October 1679 verpflichtete, dem Sohne Leopolds seine Stimme 
zu versagen, faUs die Wahl desselben vom Kaiser gewünscht nnd vorgenommen 
werden soUte und sie dem Könige von Frankreich, dem Dauphin, oder irgend 
einer anderen dem französischen Hofe genehmen Person zu geben, wo er 
gleich vielen anderen deutschen Fürsten von Ludwig XIV. eine jährHche Sab- 
sidie annahm, um seine Truppen, die er bei den geringen Einnahmen seines 
Landes auf eigene Kosten nicht erhalten konnte, deren Abdankung aber sein Ver- 
derben herbeigeführt hätte, zu bezahlen % sank er von einem gleichberechtigten 
Bundesgenossen zu einem Vasallen herab, der bereit sein musste, den Wünschen 
seines Herrn auch dann Rechnung zu tragen, wenn sie seinem, oder dem In- 
teresse des Reiches entgegenliefen. Es ist fraglich, ob Friedrich Wilhelm, in- 
dem er den Eingebungen seiner Leidenschaft und der Noth des Augenblickes 
folgend sich gänzHch dem Könige von Frankreich anschloss, sich der Folgen 
dieses Schrittes bewusst wurde, ob er die Gefährlichkeit der Ansprüche, die m 
erheben Ludwig XIV. sich bereits entschlossen hatte, vorhergesehen hat Ge- 
wiss ist aber, dass er, sobald die Reunionskammem ihre Thätigkeit begannen, 



>) Vergl. Mörner 1. c. 4l3ff., 704ff. 



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Einleitang. 907 

in eine öbenns onangenehme and schwierige Lage gerieth. Denn wenn Lud- 
wig XIV. aach keine Anspräche aof Besitzangen des Kurfnrsten erhob, die 
Freondschaft desselben vielmehr um so mehr pflegte, je lebhafter der Wider- 
stand gegen seine Verfügungen wurde, so konnte dem scharfen Blicke des 
Karfursten die grosse Ge^hr nicht entgehen, die in der immer wachsenden 
Macht des westlichen Nachbarn lag und er konnte an der Richtigkeit der Be- 
hauptungen seiner firäheren Verbündeten nicht zweifeln, welche nicht müde 
wurden zu betonen, dass der Tag nicht ferne sei, an welchem sich das Ueber- 
gewicht der Franzosen in einer auch dem Kurfürsten von Brandenburg ver- 
derblichen Weise offenbaren werde. Dass er trotzdem den immer erneuerten 
Bemühungen der früheren Allürten gegenüber ihn zum Eintritte in ihre neue 
Einigung zu bewegen sich ablehnend verhielt, von der Wiederaufoahme des 
Kampfes gegen Ludwig XTV. nichts wissen wollte und in immer engere Be- 
ziehungen zum französischen Hofe trat, hatte seinen Grund nicht allein in dem 
Hasse gegen seine früheren Verbündeten und in dem Mistrauen in die ihm von 
denselben gemachten Anerbietungen, sondern auch darin, dass er an die Mög- 
lichkeit eines erfolgreichen Widerstandes gegen die überlegene Macht der Fran- 
zosen in den nächsten Jahren nicht glaubte und es in seinem Interesse gelegen 
frmd sich bis dahin durch den Anschluss an Ludwig XIV. seinen Besitz und die 
Mittel zur Erhaltung seiner Armee zu sichern, auf der doch in erster Linie sein 
Einfluss unter den europäischen Fürsten beruhte. Dieser Ueberzengung von 
der UnZweckmässigkeit aller zur Demüthigung Frankreichs in Vorschlag ge- 
brachten Pläne, wie von der Unzulänglichkeit der den Verbündeten zur Ver- 
fügung stehenden Mittel hat der Kurfürst auch bei den Verhandlungen Ausdruck 
gegeben, die er mit den Vertretern der verschiedenen Fürsten an seinem Hofe 
in den fünf ersten Jahren nach dem Abschlüsse des Friedens von S^ Germain 
en Laye gepflogen hat, von denen jene mit dem Abgesandten des Wiener Hofes 
in den im Nachfolgenden mitgetheilten Actenstücken zur Anschauung gelangen. 
Noch im Jahre 1679 war in Wien die Frage aufgeworfen worden, ob es 
nicht dem Interesse des Kaisers entsprechen würde, die im Verlaufe des Krieges 
abgebrochenen Beziehungen zu Friedrich Wilhelm durch die Absendung eines 
neuen Gesandten an den Berliner Hof wieder aufsunehmen. Obgleich man nun 
allgemein die Zweckmässigkeit eines solchen Schrittes einsah, beschloss man, 
um einer eventuellen beleidigenden Zurücksetzung des betreffenden kaiserlichen 
Vertreters vorzubeugen, sieh vorerst über die Stimmung am Hofe des Karfürsten 
zu Orientiren. Der im Nachfolgenden mitgetheilte Bericht des zu diesem Be- 
hufe nach Berlin gesendeten Otto von Banz, eines in österreichischem Dienste 
stehenden Staatsmannes, der in jenen Jahren als Vertreter Leopolds in Dresden 
wirkte, zeigt, wie heftig gegen Schluss des Jahres 1679 der Groll des Kur- 
fürsten gegen den Kaiser war. Von Beiträgen zur Sicherung des Reiches wollte 
er nichts hören; auf die Klagen des Gesandten über Frankreichs Vorgehen, 
über die Thätigkeit der Reunionskammem, erwiderte der Kurfürst, der Kaiser 
werde sich schon helfen; er selbst weigerte sich etwas zu thun, während er 
dringend Ersatz für Jägemdorf und die Bezahlung 'der rückständigen Subsidien 
von Spanien und von den Niederländern forderte. Der Bericht Otto's von Banz 



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908 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

bennruhigte die Wiener Regierung sehr. Man konnte sich nach den von ihm 
gemachten Mittheilungen darüber nicht täuschen, dass Brandenburg wenig xur 
Sichemng des Reiches beitragen, dass es kaum gelingen werde, den Knrfui^ten 
zum Kampfe gegen Frankreich zu vermögen. Aber man glaubte doch den 
Versuch einer Anknüpfung wagen zu müssen. In dem weiter unten abge- 
druckten Gutachten der kaiserlichen Räthe wird ganz ausdrücklich die Zweck- 
mässigkeit betont, im Hinblicke auf die schwierige Lage der 4 rheini- 
schen Fürsten und auf die schwankende Haltung Baiems den Brandenburgs 
zu versöhnen und die Absendung eines kaiserlichen Gesandten an den karforst- 
lichen Hof als eine unerlässliche Nothwendigkeit bezeichnet. Dass zn diesem 
Amte der Sprosse eines der ältesten österreichischen Adelsgeschlechter, einer 
der vornehmsten Kavaliere des Reiches, der spätere Cardinal und Fnrsterzbischof 
von Passao, Graf Johann Philipp Lamberg*), der Sohn des Obersthofmeisters 
Johann Maximilian Lamberg ausersehen wurde, geschah gewiss nicht ohne Ab- 
sicht. Allein die Bemühungen Lambergs, an denen er es während seines ersten 
Aufenthaltes am Hofe des Kurfürsten nicht fehlen Hess, waren, wie aus den im 
Folgenden mitgetheilteu Acten hervorgeht, von keinem besonderen Erfolge be- 
gleitet. Denn so oft auch Graf Lamberg dem Kurfürsten die Nothwendigkeit 
vorhielt, die immer deutlicher hervortretenden Ausschreitungen der franzosischen 
Regierung zurückzuweisen, so dringend er ihm an den zur Wahrung der ge- 
meinsamen Interessen geplanten Vorkehrungen theilznnehmen rieth, immer 
wieder begegnete er der Behauptung des Kurfürsten, dass an dem jammervollen 
Zustande nur jene schuldig seien, die den Nimweger Frieden geschlossen, dass 
auf die Erklärungen der Holländer und Engländer nichts zu geben, unter den 
gegebenen Verhältnissen Widerstand gegen Frankreichs überlegene Macht un- 
möglich sei, am allerwenigsten aber vom Kurfürsten gefordert werden könne, 
als erster entschieden gegen Frankreichs Ueberhebungen aufzutreten und sich 
damit die Rache des beleidigten Bundesgenossen auf den Hals zu laden. Dieser 
Auffassung entsprach es auch, dass Friedrich Wilhelm von einer Stärkung der 
Reichskriegsverfassung nichts wissen wollte, auf das immer erneuerte Drängen 
Lambergs mit dem Vorschlage antwortete, jeder möge sich so gut als möglich 
rüsten, um im geeigneten Momente bereit zu sein und an diesem Grundsatze 
auch festhielt, als Lamberg ihm die ünzweckmässigkeit seiner Vorschläge nach- 
wies und ihm für den Fall der Nachgiebigkeit in diesem Punkte das grösst- 
möglichste Entgegenkommen des Kaisers in allen anderen Dingen versprach. 
Immer mehr musste sich Lamberg, der anfänglich die Lage nicht all zu un- 
günstig aufgefasst, vielmehr die Hoffnung ausgesprochen hatte, dass es bei An- 
wendung entsprechender Mittel gelingen werde den Kurfürsten für die Sache 
der Verbündeten zu gewinnen, überzeugen, dass von Friedrich Wilhelm nichts 
als die wenig besagende Versicherung zu erlangen sein werde, den Kaiser nicht 



Biographisches über diesen im Jahre 1651 geborenen, 1712 gestorbenen 
Staatsmann bei Wurzbach, Bieg. Lexikon XIV. 31 f., daselbst auch Literaturangaben. 
Unrichtig ist, wenn Wurzbach* angibt, Lamberg sei 1679—1682 Vertreter des Kaisers 
beim Neuburger gewesen. 



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Einleitung:. 909 

verlassen za wollen. Und diese jedem energischen Vorgehen gegen Frankreich 
abgeneigte Stimmung des Kurfürsten steigerte sich noch, als derselbe durch die 
Wegnahme des Schiffes ^Carlos 11.^ in neue heftige Conflicte mit Spanien ge- 
rieth. Vergehens hot Lamherg Satisfaction für Jägemdorf, reichliche Snh- 
»dien, das Generalat üher die Reichsarmee ; der Kurfürst fuhr fort seinem Zorne 
ober des Kaisers und der übrigen Verbündeten Haltung im letzten Kriege 
wiederholt Ausdruck zu verleihen und alle Schuld an den bereits eingetretenen 
Qod noch zu erwartenden Unfällen dem nimwegischen Frieden beizumessen. 
Selbst die treuesten Anhänger des Kaisers am kurfürstlichen Hofe glaubten 
dem kaiserlichen Gesandten nicht verhehlen zn können, dass unter den ge- 
gebenen Verhältnissen nicht die geringste Aussicht sei den Kurfürsten zu 
energischen Massregeln gegen Frankreich zu bewegen und sprachen die Be- 
fürchtung des gänzlichen Anschlusses Friedrich Wilhelms an den König von 
Frankreich aus. In der That hat denn auch der Kurfürst, obgleich er immer 
wieder behauptete sich mit Frankreich in keine nähere Verbindung eingelassen 
ZQ haben, noch im Januar 1681 eine Defensivallianz mit Frankreich geschlossen, 
darcb die er, gegen entsprechende Berücksichtigung seiner besonderen Interessen, 
die Bestimmungen des Nimweger Friedens zu Gunsten Frankreichs anerkannte 
und sich bezüglich der Reichsangelegenheiten zu einer Haltung verpflichtete, 
die einer wahrhaft deutschen Politik nicht ganz entsprach'). Es war nur die 
natürliche Folge dieser mit Frankreich getroffenen Vereinbarung, dass Friedrich 
Wilhelm den Werbungen der staatischen ^) und kaiserlichen Gesandten fortan kein 
Gehör schenkte, das Ansinnen Leopolds, einen Particularvertrag mit Oesterreich 
zu schliessen, mit Entschiedenheit zurückwies, lebhafter als je die Nothwendig- 
keit der Herstellung des Friedens betonte, vom Reiche Satisfaction für den im 
vorigen Kriege eriittenen Schaden, von Spanien und von den Staaten die Bezahlung 
der schuldigen Subsidien, vom Kaiser aber Berücksichtigung seiner alten An- 
sprüche auf Jägemdorf und der neuen auf Liegnitz, Brieg und Wohlau forderte. 
Ja selbst, als durch die Einnahme Strassburgs auch den Kurzsichtigsten die Ge- 
fahr klar geworden war, die dem ganzen Contingente von dem übermächtigen 
Frankreich drohte, als durch die Initiative des Prinzen Wilhelm von Oranien 
im October 1681 die Association zwischen den Niederlanden und Schweden zu 
Stande gekommen war, welcher in Kürze auch der Kaiser und eine Anzahl 
deutscher Fürsten beitraten, war Friedrich Wilhelm zu einer Umkehr nicht zu 
vermögen. Denn auch jetzt erklärte er, indem er alle Schuld den Mächten bei- 
mass, die 1678 und 1679 den Frieden mit Frankreich geschlossen, in die Asso- 
ciation nicht eintreten zu wollen und betonte, dass, so gross auch die von 
Ludwig XIV. drohenden Gefahren wären, unter den gegebenen Verhältnissen 
an offenen Widerstand nicht zn denken sei. Es kann kein Zweifel darüber be- 
stehen, dass der Kurfürst von Brandenburg nur seiner Ueberzeugung Ausdruck 
gab, wenn er die zum Kampfe gegen Frankreich in Vorschlag gebrachten Pläne 
für undurchführbar erklärte; gewiss ist aber, dass auch sein Mistrauen in die 



*) Defensivallianz vom l./U. Jan. 1681; Morner I.e. 418ff., 708ff. 
5) Vergl. Urk. u. Act. IIL 600 ff. 



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910 Vrir. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. IßS- \ 

Erklärungen der verbündeten Mächte bezüglich der ihm bestimmten Entn^ 
digungen, die Hoffnung seinen Uebertritt später nnter vortheilhafleren Bedii- 
gungen vollziehen zu können, der Groll gegen die Machte, denen er die Sdnü 
an seinen Verlusten zuschrieb, sowie der Aerger über die hervorragende BöDe. 
welche der Konig von Schweden unter den Alliirten spielte, Friedrich WiIWä 
bewogen haben, die im Jahre 1681 mit Frankreich geschlossene AUianx sa Be- 
ginn des Jahres 1682 zu erneuern und dahin auszudehnen, dass er sieh nr 
Garantie der durch die Reunionen gewonnenen Gebiete, auch Strassburgs, ver- 
pflichtete *). 

Aas den im dritten Bande der Urk. und Act. ') und den im NachfolgeDda 
mitgetheilten Actenstücken ist zu ersehen, dass die Pläne und üandioDgen des 
Kurfürsten den Vertretern der verschiedenen Mächte nicht verborgen geblieben 
sind. Allgemein verbreitete sich, trotz aller Dementirungen des Kurfürsten aod 
seiner Räthe, die Kunde von der Verbindung Brandenburgs mit Frankreich iind 
die Bitterkeit, mit welcher der Kurfürst von der Staaten und Spaniens Tor- 
gehen sprach, die Strenge, mit der er Stratmans Aeusserungen in Frankfurt 
gegen die Kurfürsten beurtheilte ^), wie nicht weniger die Zuvorkommenheit 
mit welcher R^b^nac, Ludwig XIV. Vertreter am kurfürstlichen Hofe, behandelt 
wurde, Hessen in die Richtigkeit dieser Mittheilungen von der zunehmenden 
Herzlichkeit der Beziehungen Brandenburgs zu Frankreich keinen Zweifel auf- 
kommen. Noch vor seiner Mitte Februar 1682 erfolgten Abreise von Bertin 
hat Lamberg die bestimmte Nachricht von der Unterzeichnung eines nenea 
brandenburg-französischen Vertrages erhalten. 

Der Stil der Berichte Lambergs ist ein etwas trockener; doch geben die- 
selben ein im allgemeinen richtiges und deutliches Bild von den Vorgängen am 
Hofe des Kurfürsten, über die Lamberg in erster Linie durch die Mittheilungen 
des Fürsten Johann Georg von Anhalt genaue Kunde erhielt. 



Vertrag vom 12./22. Jan. 1682; Mörner I.e. 426 fr. 

») Urk. u. Act III. 553 ff. 

3) Vergl. für diese Dinge Puf 1. c. XVIII. 46, 50. 



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VIII. Erste Mission des Grafen Johann 
Philipp Lamberg. Febr. 1680— Febr. 1682. 



Banz an den Kaiser. Dat. Prag 11. November 1679. (Or.) 

[Klagen des Kurfürsten über des Kaisers Verbalten beim Friedensschiasse mit Frank- 
reich. Erwiderung des Banz. Aeusserung des Kurfürsten über des Kaisers Vorschläge.] 

Banz ist am 11. Oct. in Potsdam eingetroffen und wnrde sogleich zur 11. Nov. 
Audienz zugelassen. Der Kurfürst beklagte sich, dass er in einen solchen 
elenden Stand gesetzet, so grausamen Schaden erlitten, so unverhofft 
und unvermuth, sowohl von seinen hohen Allürten, als auch dem ge- 
sammten romischen Reich, nicht weniger von E. E. M. Selbsten wäre 
verlassen und der Friede inscio et excluso se gemacht, ia was ihm am 
mehristen kränken und zu Herzen gehen thäte, denen Franzosen noch 
dazu die Passage ihne zu persequiren inaudito exemplo zugestanden, 
seiner Miliz aber um propria nur zu defendiren verweigert worden;... 
ahndete beinebens sehr hoch dieses, dass man ihme sowohl von E^ M. 
Hof ans durch den von Crockow, als zu Nymwegen durch den von 
Blaspeil stets ein änderst sinceriren, interim aber clam zu dem Frieden 
schreiten und selbigen zeichnen lassen. In quo passu er, H'. Churfürst, 
gegen ein und anders Subjectum, in specie aber gegen Monsieur Strat- 
man sehr passionirt sich erzeigete, weilen dieser letztere sub commina- 
tione perdendae aetemae salutis, uti fraternalia sonabant, dem von Blaspeil 
öfters contestirt und sincerirt hätte, dass man den Frieden ad minimum 
sine praevia notitia D. Elect. Brandenburgici keinesweges eingehen würde, 
so doch hernach gleichwohl geschehen. . . . Der kaiserliche Gesandte ant- 
wortet darauf, sucht des Kaisers Vorgehen zu rechtfertigen und das erregte 



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912 Vlir. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. t6^ 

Gemuth des Earfürsten zu bernhigen, dabei gleichwohl nicht oDterlasseod 
pro exigentia rei bei Touchiruog ein und anderer Materie Essig mit ein- 
zusprengen, ich will sagen, sensim sine sensu et quasi pedetentim den 
guten Herren zugleich mit vorzustellen, dass das Iliacos intra moros 
seinerseits fast mehr passirt als anderwerts, wie ich dann S^ D. fein 
sachte all dasjenige ein- und andermal recapitulirte und in memoriam 
revocirte, was ich deroselben in antecessum schon im Lager vor Stettin 
gleichsam vorgesagt und dargestellet; wie, wo und auf was Art and 
Weis ihres Orts von der rechten Bahn geschritten, in ein und andern 
excedirt, die meisten Glieder und Stande im Reich exacerbirt und wider 

sie selbst gravi ter irritirt worden Es gelingt Banz auf diese Wdse d^ 

Kurfürsten zu beruhigen. Dann wird er der Kurfurstin, dem Karprinzen and deo 
Ministem vorgestellt, die alle traurig sind. Der Kurfürst^ forderte sdiriitliclie 
Uebergabe der Forderungen des Kaisers, zu der sich Banz entschliesst; der 
Kurfürst setzt dann eigenhändig seine Ansichten hinzu *}. Banz ersieht aus der 
Antwort, dass jemand mitgewirkt haben muss und erf^rt, dass dies Jena ge- 
wesen sei und fordert vom Kurfürsten Audienz unter 4 Augen, die ihm am 17. Oct 
gewährt wird. Banz nimmt hier die Gelegenheit wahr dem Kurfürsten ausführ- 
lich des Kaisers Benehmen zu erklären und zu zeigen, dass Leopold dem Kur- 
fürsten wohl will. Er glaubt Eindruck gemacht zu haben, da er fortan besser 
behandelt wird und mehr Zutrauen findet. Der Fürst von Anhalt bestätigt die 
Ansicht des Gesandten. Der Kurfürst empfiehlt ihm in neuerlichen Unter- 
redungen ganz besonders die Subsidienforderung an Spanien und die Satisfac- 
tionsansprüche an das Reich. 



Vorschläge des Kaisers an den Kurfürsten und des letzteren 
Antwort auf dieselben. Dat. Potsdam 8./18. Oct. 1679. (Aut) 

18. Oct. l^ wärdt von der Römischen Keyserl. Mey. in hehrgebrachten engen 

vertrauen E. Churf. Dr. hocherleuchtes guttachten und einrathen allergo, 
verlanget, wass wegen der oiTerirten Pohlnischen defensiv-alliantz zu 
thun und zu ergreiffen etwa sein mögte. 

Antwort des Kurfürsten: Bey diessem ersten punct halte Ich dafür, 
dass wan der König undt die Repub. von Ihrer Kay. May^. eine Alliants 
begeren würden, dieselbige doch vornemlich wider den Erbfeindt, den 
Türeken, gemeinet undt würden Ihre Kay. May^. sonder zweiffelb nicht 
nuhr die Chron Pollen, sonderen die gantze Christenheitt Ihre dadurch 
zum höchsten obligiren. 

') Vergl. das folgende Stack. 



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Des Abte» Banz Vorschlige und Friedrich Wilhelms Aniwoiien 913 

2". Nicht weniger vors andere, was wegen Sicherung eines freyen 
rackens im Römischen Reich und allso circa Punctum Securitatis Publicae 
vorzukehren und vorzunehmen sein mögte, umb dess lieben Teutschen 
^atterlandes so hochbenöthigte ruhe und Sicherheitt zu conserviren. 

Antwort des Kurfürsten: Weill Ihre Kay. May", zu Nimägen Ihren 
friden geschlossen undt dabey sonder zweiffell dero eigene undt des heyl. 
Rom. Reichss sicherheitt beobachtet, so muss Ich glauben, dass man 
Sich nichts zu befahren, zumahl auch der Pabst, wie Ich berichtet wor- 
den, so viell den Tärckischen Krig betrift, Ihrer Kay. May**, einen freien 
rucken zu machen versprochen, undt wan der von Ihrer Kay. May**, ge- 
schlossene fride dem R. Reiche keine gnugsame sicherheitt geben solte, 
So muste Ich gestehen, dass diesser punct von grossen gewicht undt 
schwerer deliberation, weill Ich leider erfahren, dass Ihre Kay. May**, 
undt mitt derselbigen des Reichs coniungirten macht undt deren Alliir- 
ten das Reich nicht einmahll in seine vorige sicherheitt undt harmoni 
erhalten können, viellmehr dasselbige undt dessen getreue undt Ihrer 
Kay. May**, bestendige Alliirten in den bekanntten zustandt gerathen; 
diesser punct gehöret auch zu weitteren nachdencken undt were der ge- 
samten Stande gedancken darüber zu vernehmen. 

3". Wobey drittens die materi wegen der Festungen Homburg und 
Pitsch et annexas contraventiones in Alsatia ex Parte Regni Galliae 
wegen selbiger Reichsritterschafft, zehen Statten und der Statt Stras- 
burg etc. mitt einlauffen; wie dergleichen Vergewaltigungen, so post con- 
firmatam modo pacem vorgenommen worden, zum füglichsten beygelegt 
und redressirt und allso der fridensefifect und gemeine Reichsruhe er- 
worben und bestendig erhalten werden mögte. 

Antwort des Kurfürsten. 

Was im Elsas undt mitt den Yestungen hombourg undt Bitsch vor- 
gangen, hab Ich vermeindt, es were alles dem mitt Ihrer Kay. May**, 
geschlossenen friden gemes, Indem, Ob man gleich davon ein zeitt vor- 
hero von diesen vorhaben gehöret, dennoch nichts vernommen, dass da- 
wider solte erineret oder sonst desshalb nur etwas geschriben sein; es 
wirdt aber aussgesprengt , als wan ein nebenreces aufgerichtet were. 
Selten aber Ihre Kay. May**, dafür halten, dass es dem aufgerichten 
friden nicht gemes, so zweififele Ich nicht, Sie werden desshalb an ge- 
hörige ortte einkommen undt was Sie nöttig undt dienlich ermessen in 
acht nehmen. 

4^ Ingleichen weil vorkombt, das der nacher Regenspurg geschickte 

Mater, t. Gesch. d. O. Kurfuraten. XIV. 2. 58 



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914 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 16S0— F«^. l€9i 

Königliche Französische minister Verjus allda votum et seasionem k 
Imperio suchen werde, was E^ Churf. D. höchstvemunfTtige gedaiick:^ 
und sentiment bey diesem passu beywohnen mögten. 

Antwort des Kurfürsten. 

Bey dem 4., weill Ich nicht weiss, wie undt welcher gestaldt der 
Königliche franschösische Minister Verius votum undt session suchen 
möchte, so kan Ich auch desshalb meine bestendige meinuog nicht m- 
öfnen. Nachdem aber Ihre Kay. May*\ die Chron Schweden in Ihra: 
friden volkomlich restituiret undt derselbigen das verlohrene votum undt 
Sessionem also auch widergegeben. So werden dahero Ihre K. Mar^. 
in Franckreich ohne zweiffell auch occasion nehmen; man wirdt aber in 
dieser gantzen sache den vertrag des Königlichen Ministri undt dan der 
Sämbtlichen Stände meinung dabey zu gewartten haben. 

Hiebey ersuche Ich den herrn Prelaten bey S. Kay. May", anzuhal 
ten, damitt Ich einmahll zu dem meinigen, so mir von forsten von 
Lichtenstein mitt unrecht vorenthalten wirdt, wider gelangen undt mir 
Jagerendorff einreumen zu lassen undt dassjenige, so sider der zcitt & 
getragen nehbenst den zienssen ausszallen lassen weiten. 

Weillen auch die Chron Spannien mir ahn Supsidien ein grojjs^ 
schuldig verbleibet, Als ersuche Ihre Kay. May". Ich durch dero hoch- 
giltenden vermögen bey Spannien beförderen zu helffcn, damitt Ich meine 
Zahlung ehist bekommen möge. Ich erbitte mich auch ein erkleckliches 
daran fallen zu lassen. Diesses wirdt nun der herr abgesantter Seiner 
Kay. May", allerunterthenigst fürtragen undt solche meine unverfengliche 
gedancken unbeschwerdt hinterbringen undt verbeleibe Alzeitt des herrn 
bestendiger freundt. 

Potsdam den 8. Oct. Anno 1679. 

Otto Abbas. Friderich Wilhelm Churfürst. 



Votum d. d. Prag 18. Nov. 1679 über des Abtes Otto von 
Banz Relation vom 11. Nov. 1679. (Conc.) 

[ürtbeil der kaiserlichen Räthe über den Brandenburgers Erklärungen. Noth wendig- 
keit eines guten Einvernehmens mit Brandenburg. Mittel dazu.] 

18. Nov. I^ie Räthe halten dafür, dass der Abt es an Fleiss und Geschicklichkeit 

nicht habe fehlen lassen. Soviel aber das Werk und die von ihme pro- 
ponirte Puncten selbst betrifft, findet man nicht, dass ichtwas hauptsach- 
liches, worauf mit Bestand ein Fundament gesetzt werden könne, ausge- 
richtet worden, sondern die vom H". Churfürsten beigefügte glossae ziem* 



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Gutachten der Räthe ober des Abtes Banz Bericht. 915 

lieh spitzig, auch die Erklärung ganz dilatorisch und was er za thun 
gewillet seie gar nicht klar herauskomme. So seien seine Erklämngen 
bezüglich Polens, bezöglich der allgemeinen Sicherheit ond der franzosischen 
Unternehmungen za allgemein gehalten. 

Nun ist zu consideriren, dass vor allen Dingen billich zu beobachten, 
wie Churbrandenburg bestmöglichst cultivirt und ihme zu mehrerer Aba- 
lienatiou nicht Änlass gegeben werde, sintemaln weiln die 4 Chur- 
fursten am Rhein durch die benachbarte französische Macht gänzlich 
intimidirt worden, dergestalten, dass wann schon theils deren wohl in- 
tentionirt, sie dannoch solches öffentlich scheinen zu lassen ihnen nicht 
getrauen und wann das französische Vorhaben an dem churbairischen 
Hof Platz finden und vor sich gehen sollte, alsdann 5 Churfiirsten dies- 
seits verloren gehen und niemand als Chursachsen und Brandenburg 
übrig verbleiben würden, warmit es annoch diese Beschaffenheit hat, 
dass obwohln der Churprinz in Sachsen E^ E. M. ganz ergeben, iedoch 
selbiger ein schlechter Oeconomus ist und dessen Freundschaft E^ E. M. 
Hofkammer ziemlich beschwerlich fallet, mithin das Werk dermaln fast 
einzig darauf ankommet, dass zu Rettung des Deutschland gegen die 
Krön Frankreich unter denen Churfursten einige andere Hilfe nicht als von 
Churbrandenburg zu hoffen und per Consequenz zu diesem Churfursten 
ein mehreres Vertrauen in Zeiten zu zeigen seie, damit, wann nicht bessere 
Anstalt gemacht und die gute Einverständnus wiederum beigebracht 
werden, sondern Churbrandenburg abalienirt bleiben sollte, nicht etwau 
die übrige Churfursten in Kleinmüthigkeit gerathen und auf E^ E. M. 
und dero hochlöblichen Erzhauses Hilfe ein schlechtes Vertrauen setzen 
dörfen. Die Räthe sind dafür, dass demnächst ein Gesandter an den karfürst- 
liehen Hof abgeordnet werde. Inmittelst wäre dem H". Churfursten zwar 
nicht immediate von E^ E. M., weiln an sie wegen oberwähnter Puncten 
er nicht selbst geschickt, oder ichtwas schriftliches hat gelangen lassen, 
sondern durch ernannten Abten von Banz, als welcher es ad referendum 
genommen, so viel in Antwort zu bedeuten, dass er des Churfürstens 
petita E^ E. M. allerunterthänigst vorgetragen und dabei vermerkt, dass 
dieselbe ihme in allem zu willfahren geneigt seien, auch einige Gelegen- 
heit nicht aus Händen gehen lassen würden, wariu sie ihre dessen löb- 
lichem Churhause zutragende absonderliche Anneigung bezeugen und das 
alte beederseits hergebrachte gute Vernehmen wiederum vöUiglich bei- 
briügen und restabiliren könnten. Was nun sowohl die gesuchte Re- 
commendation an Spanien wegen Entrichtung der rückständigen Sub- 
sidien, als dass E. E. M. demselben zu Bewilligung einiger Römermonaten 

58* 



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das erstere zu bewerkstelligen kein Bedenken . . . , würden auch zu dem 
andern, wann es der Herr Churfürst durch die seinige zu Regensburg 
anbringen liesse, gern verhelfen, thäten sich aber herentgegen zu dem- 
selben versehen, er würde gleichfalls seiner Gesandtschaft zu Regensburg 
gemessen mitgeben vorhero das kaiserliche Begehren in puncto aequiva- 
lentis für Freiburg nachdrücklich zu secundiren und nicht weniger be- 
fürderen zu helfen, damit der punctus securitatis publicae dermaleinst 
festgestellt werden mögte. Ingleichen hätte der Abt von Banz wegen 
des foederis mit Poln, dass der Zierowski derenthalber fcrnerweiteii 
Anwurf zu thun befelcht worden und des Verlaufs zu erwarten stehe^ 
anzuregen, von denen übrigen Puncten aber zu abstrahiren. Bezüglich 
Jägerndorfs empfehlen die Räthe neuerliche Nachforschungen. 

Berathen zu Prag 18. Nov.; praesentibus Schwarzenberg, Hocher, Konigsegg, 
Abele und Högell; beschlossen wie eingerathen am 20. Nov. 1679. 



Banz an den Kurflirsten. Dat. Prag 2b. Nov. 1679. (Cop.) 

[Spanische SubsidienangelegeDbeit. Satisfaotionsausprucbe BrandeDburgs an das 

Reicb.] 

25. Nov. Banz hat dem Kaiser Mittheilung von den Erklärungen des Kurfürsten 

gemacht. Der Kaiser hat sogleich bei Spanien wegen der Bezahlung der rück- ^ 
ständigen Subsidien zu verhandeln Befehl ertheilt. Der Kaiser ist auch bereit, 
falls der Kurfürst zu Regensburg Satisfaction für den im letzten Kriege er- 
littenen Schaden fordern sollte, ihn in seinen Bemühungen zu unterstützen, 
hofft jedoch, dass der Kurfürst seinerseits des Kaisers Forderung wegen eines 
Aequivalentes für Freibnrg unterstützen wird. Im übrigen wird der Kaiser wegen 
der polnischen, wie wegen der Reichsverhältnisse einen eigenen Gesandten an 
den Berliner Hof abordnen. 



Instruction für Johann Philipp Graf von Lamberg und für 
den Abt Otto von Banz. Dat. Prag 29. Februar 1680. 

(Copie.) 

[Zweck der Mission. Frankreicbs bedrohlicbes Vorgehen. Notbwendigkeit der Ab- 
wehr. Verbandlungen bezüglich der Reichssicberheit. Plan einer Allianz mit England 
und mit den Staaten. Oesterreicb-polnische Allianzverhandlungen. Jägern dörfische 

Streitfrage.] 

29. Febr. Lamberg hat sich über Dresden, wo sich ihm der Abt Otto von Banz an- 
schliessen wird, nach Berlin zu begeben. Der Abt, der nur einige Tage in 



Instruction fär Lamberg und Otto von Banz. 917 

Berlin verweilen soll, erhält Befehl Lamberg genaue Information über die Zu- 
stände am Berliner Hofe zu ertheilen. 

Nach erfolgter Audienz beim Kurfürsten soll der Abt demselben vorhalten, 
deroselben wurde annoch in unabfalligem Andenken ruhen, was niassen 
an sie er allschon unter'm 25. Nov. des letztverwichenen Jahrs neben 
andern berichtet, weiln wegen Feststellung des puncti securitatis publicae 
viele trift- und wichtige Dinge unterlaufen^) und sich taglich mehr und 
mehr ereignen thäten, dass wir dannenhero für gut und rathsam, ja des 
allgemeinen Wesens Dienst nöthig zu sein erachtet hätten, um derent- 
willen, wie auch einiger anderer den statum publicum betreffender 
Sachen halber, zu ihre ein eigenes subjectum abzuordnen. Die Absen- 
dnng habe sich verzögert 

Soviel nun das Hauptwerk an sich selbsten betrifft, ist denenselben 
vorhin guten Theils bekannt..., was von der Krön Frankreich sowohl 
in dem Elsass und unsern V. Oe. I^anden als anderstwo auf des Reichs 
Boden für Gewaltthaten verübet und wie dardurch nicht allein der letzt- 
hin zu Nimwegen geschlossener Frieden nicht vollstrecket, sondern sel- 
bigem, nicht minder dann dem vorherigen westphälischen Friedenschluss, 
in viele Wege Schnur gerad zuwider gehandlet , auch in Italien und 
sonsten für starke Kriegsrustungen französischerseits angestellt, ia sogar 
denen auswärtigen Potentaten und Republiquen, was diese zu thun oder 
zu lassen und mit weme sie Bündnussen einzugehen haben, gleichsam 
Gesetze vorgeschrieben werden wollen, sintemalen denen Generalstaaten 
der vereinigten Niederlanden unter harter Bedrohungen sich der zu 
Garantirung besagten nimwegischen Friedens von des Königs in Engel- 
land L***". auf dem Fuss des vorher darüber aufgerichteten Tractats ver- 
langter näherer Allianz zu enthalten eingesagt, herentgegen solche mit 
ermelter Krön Frankreich zu schliessen begehrt, auch die hierunter von 
gedachten Generalstaaten nach der Hand erfolgter Entschuldigung übel 
aufgenommen und ihnen bedeutet worden, dass man innerhalb eines 
Termins von 8 Tagen rundaus wissen wollte, ob selbige darzu einver- 
steben mögten oder nicht; dergestalten, dass aus diesem und mehr an- 
dern dergleichen Proceduren nicht unklar zu schliessen ist, dass des 
Königs in Frankreich L^*°. Ziel und Zweck einzig und allein dahin ge- 
richtet seie, wie sie dero Macht erweiteren und entweder durch aller- 
hand unstatthafte Vorbildungen und leeres Versprechen, oder mittelst 
deren hin und wider vorgehender Thätlichkeiten und dardurch ein- und 



Ceb«r diese Pl&ne vergl. Fester Richard, Die armirten St&nde 26 ff. 



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übleu Anfang nach je länger je mehr um sich greifen und mit der Zeit 
einer Univorsalmonarchiae und völliger Beherrschung unterziehen könnea ; 
sie auch in diesem ihrem unbefugten Verfahren um so viel mehr ge- 
stärket werden und endlichen die Rettungsmittel mit allzu spät fallender 
Reue umsonsten sein dörften, wann man immer stillschweigen und wider 
die so vielfältig verübende attentata nicht von Reichs wegen geziemende 
Ahndung vornehmen sollte. 

Der Kaiser hat nicht nur sowohl zu Regensburg, als auch beim fran- 
zösischen Gesandten am kaiserlichen Hofe de Vitry^) um schleunige Abstellung 
ersucht, sondern auch, weiln sothanem weitaussehendem, gefährlichem Be- 
ginnen mit behörigem Nachdruck zu steuren und das Ziel zu stecken 
einiges anderes zulängliches Mittel nicht erscheinet, dann dass Chur- 
Fürsten und Stände mit uns, als ihrem höchsten Oberhaupt, sich recht- 
schaffen zusammensetzen und zu diesem Ende der punctns securitatis 
publicae ohne ferneren Anstand vor die Hand genommen, einfolglich 
durch dessen Erörter- und Feststellung dem heil. röm. Reich seine be- 
ständige Sicherheit und Ruhestand beigeschafft werde, hin und wider 
an denen churfürstlichen Höfen sondiren lassen, was man daselbst 
für Meinungen führe, wie ein und anders anzugreifen sein mögte. Da 
sich aber fast niemand schriftlich and bestimmt geäussert hat, vielmehr die 
Sache nach Regensburg verwiesen worden ist, es auch scheint, dass wenig 
Lust zur Festsetzung puncti securitatis vorhanden, der Erfolg des am 10. Febr. 
abgefassten Reichsgutachtens zweifelhaft ist, soll Banz den Kurfürsten er- 
suchen, ihre vernünftige Gedanken zu eröffnen, was sie vermeinten, dass 
dabei zu beobachten wäre. Denn da nicht zu hoffen steht, dass Frankreich 
mit den Contraventionen aufhören wird, ist es nothwendig, sich gegen alle Ge- 
fahren im Osten und Westen des Reiches zu waffnen. Der Kaiser wünscht des 
Kurfürsten Ansicht über die Art dieser Rüstung kennen zu lernen. Der Kaiser 
hält für nothwendig, möglich rasch die Frage über die Reichssicherung in 
Regensburg zu erledigen; Baiem hat die Versicherung gegeben, in die Ver- 
handlungen einzugehen, dasselbe sei von den übrigen Kurfürsten zu hoffen. 

Nächst diesem haben sie, Abgesandte, aus dem Anschluss zu er- 
sehen*), was von gewissen Orten her über den punctum securitatis pu- 
blicae für ein Project entworfen worden, welches ihnen zu dem Endo 
communicirt wird, dass er Abt bei I^ I/. davon in genere einige An- 
regung thue und gleichsam für sich selbsten per modum quaestionis an- 

Der Marquis de Vitry war gegen Ende des Jahres 1679 als Gesandter Frank- 
reichs am Wiener Hofe erschienen; vergl. Recueil des Instructions I. 69 ff. 
^ Liegt nicht bei. 



Instruction für Lamberg und Otto von Banz. 919 

fr&^e, ob uod wio ein und anders, so darin enthalten, stattfinden und zu 
pr&oticiren sein mogte, und da man anfragen sollte wo dergleichen Vor- 
schlage herruhreten, oder wer der Autor seie, nur so viel zu melden, 
das» solche von einigen getreuen und wohlmeinenden Patrioten und 
Stäoden des Reichs geschehen. Von der Oberdirection und Commando 
der Waffen aber ist von ihme allerdings zu abstrahiren, weiln man um 
derentwegen in schwere Dif&cultaten einrinnen und dardurch das Haupt- 
iverk gar in's stecken gerathen dörfte, sondern es wird davon alsdann 
desto fuglicher geredet werden können, wann vorderist die quaestio an? 
und das quantum der Mannschaft festgestellt ist. 

Sollten nun I. L., wie in diesem Project unter andern Erwähnung 
geschieht, etwan auch der Meinung sein, dass, wann ausser beeder österr. 
und burgundischen Kreisen, die übrige 8 Kreise zum Exempl 30000 
Mann aufbrächten, wir alsdann 15 000 darzu stossen mögten, dieses aber 
und dass wir halb so viel als das gesammte Reich lieferen sollten eine 
allzu grosse Disproportion sein, uns auch die Verschickung der Mann- 
schaft in's Reich, bevorab des dupli desto beschwerlicher fallen würde, 
als wir solche ausser unsern Erbkönigreich und Landen mit grossen 
Kosten verpflegen müssten und zu deren Unterhalt so wenig von dem 
Reich als der Krön Spanien wegen Burgund einiger Geldbeitrag zu ge- 
warten wäre; so hat er Abt sothane Disproportion und benebens, da 
sich darzu einige Gelegenheit ergibt, so viel anzuregen, was massen bis- 
hero die Erfahmus gezeigt, dass, wann wir uns in die Waffen gesetzt 
und einen starken eiercitum auf die Beine gebracht, solches von Theils 
Chur>Fnrsten und Ständen nicht allerdings wohl aufgenommen, sondern 
darab eine unzeitige gelosia gefasst worden; herentgegen, wann wir es 
unterlassen, ein und anderer auszusprengen sich nicht gescheuet, als 
thäten wir das Reich wider andringenden fremden Gewalt zu schützen 
nicht vermögen. . . . 

Der Kaiser ist zu einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Kurfürsten, 
falls diese als nützlich erkannt werden sollte, bereit. 

Dem Stratman hat der Kaiser befohlen im Haag wegen Antrag eines 
Bündnisses zu sondiren, dahero er Abt nicht weniger bei P. L***°. vor sich 
Anfragweis den Anwurf zu thuen hat, ob sie nicht thuenlich erachten, 
wann sich eine Gelegenheit ereignete, dass wir und das Reich mit denen 
Generalstaaten der vereinigten Niederlanden sowohl als des Königs in 
Engelland L^*°. (welche darzu nicht ohngeneigt) eine Allianz einzugehen 
und diese Occasion nicht zu verabsäumen hätten. 



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920 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680- Feb. 1682. 

Und dieweiln theils Ständen ganz sinistre beigebracht worden, als 
wann wir uns mit der Krön Frankreich wegen des Elsasses in gewisse 
Particulartractaten eingelassen und diesfalls in guter Verstandnus stan- 
den, so wird sothaner widriger Bericht und ohngleiche Gedanken ein ond 
andern Orts zu benehmen, auch, da von P. L. wegen Aufhebung des 
Reichstags Meldung geschehe, so viel zu bedeuten sein, was massen 
auch wir unsers höchsten Orts sehr gern wollten, dass dem allerseits 
beschwerlichem, so lang wehrendem Reichstag dermaleinst sein End ge- 
geben werden mögte; . . . mit Rücksicht aaf die Umstände aber die fernere 
Subsistenz, bis man sehe, wo ein und anders hinauslaufe und dass zu 
solchem Ende oftgedachter punctus securitatis publicae erörtert werde, 
höchst nothwendig wäre. Der Kaiser hofft, der Kurfürst wird dies einsehen 
und Mittel zur raschen Erledigung der schwebenden Fragen vorschlagen. 

Die Gesandten haben dem Kurfürsten von dem Stande der österreichisch- 
polnischen Allianzverhandlungen Mittheilung zu machen^) und zu eroffnen, 
dass wir nicht unterlassen würden mit deroselben über den weitem 
Verlauf jedesmals vertreulich zu coramuniciren, auch annoch der bestan- 
digen Meinung verbleiben, wofern mit der Krön Polen einige Bündnus 
geschlossen werden sollte, dass gleichfalls I. L. darzuzuziehen und mit 
einzubegreifen seien; mithin zu solchem Ende sie ganz angelegentlich 
ersuchten, sie wollten uns ebensowohl über die ietzige polnische Be- 
schaffenheit dero vernünftige Gemüthsmeinung in engem Vertrauen ent- 
decken. 

Sollten dann I. L., wie ohnschwer zu ermessen, wegen ihrer ver- 
meinten Praetension auf Jägerndorf einige Anregung thuen, so wäre von 
unsern Abgesandten so viel zu antworten, dass sie zwar derenthalber 
nichts in commissis hätten, jedoch seie ihnen äusserlich so viel bekannt, 
dass wir jeder Zeit dahin geneigt gewesen P. L. hierunter unsere Ge- 
wogenheit wirklich zu erzeigen und sie dahero darvorhielten das beste 
zu sein, wann I. L. deswegen durch einen eigenen an unserm kais. 
Hof negotiiren lassen würden. 

Für Fuchs, dessen Freundschaft sehr nützlich sein könnte, werden den 
Gesandten 600 Gulden mitgegeben. 

') Für die Österreich-polnischen Beziehungen dieser Zeit vergl. Klopp, 0. Das 
Jahr 1683 und der folgende grosse Türkenkrieg 73 ff. 



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Lambergs Unterredungen mit dem Kurfärsten. Dessen Erklärungen. 921 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 17. April 1680. (Or.)*) 

[Audienz beim Kurfürsten. Verbandlungen über die polnischen Angelegenheiten. 
RadziwilPsche Prinzessin. Einfluss der Kurfürstin. Ablehnende Haltung des Kur- 
färsten gegen England. Punctus securitatis.] 
Am 15. bat Lamberg in Potsdam Audienz und theilt dem Kurfürsten mit, 17. April. 



Die Berichte über die gemeinsame Thätigkeit des Abtes Ton Banz und des 
Grafen Lamberg sind nicht mehr erhalten. Nach dem uns erhaltenen Referate vom 
29. April 1680 war der Inhalt der beiden von dem Abte von Banz und dem Grafen 
von Lamberg unterzeichneten Berichte vom 10. und 15. April folgender: „Auf den 
▼on ihnen vermög instructionis gethanen Vortrag, welcher vom H". Churfürsten mit 
grosser Aufmerksamkeit angehöret worden, hat der Churfürst soviel geantwortet, dass 
weiin dieses sonderiich circa punctum securitatis sehr wichtige Materien wären, so 
wollte er hierüber mit ihnen beeden weiters durch gewisse Deputirte conferiren lassen, 
diesen einzigen sensum anfügend, wäre man ihme verwichen besser, da Zeit wäre, an 
die Hand gegangen und ihne nicht so verlassen, so brauchete es ietzo dieses alles nicht 
und stände allerseits besser, welche formalia aber er, Herr Churfürst, remota omni pas- 
sione seu succensione proferiren thite. Worauf sie dann sowohl bei der Churfürstin, 
als hernach dem Fürsten Johann Georg zu Anhalt Audienz gehabt, welcher sich in 
vielen Dingen recht confident erzeigte und zu Erhebung E^ K. M. allergnädigsten In- 
tention ihnen gute Nachricht in verschiedenen Sachen sowohl quoad roaterialia als 
personalia spontanee gegeben, auch bei EKheilung der Revisita in Vertrauen Apertur 
gethan, welche ministri an selbigem Hof dermaln aufrecht und welchen zu trauen 
oder nicht.^ Am folgenden Tage bei der Verhandlung mit Meinders und Jena wie- 
derholte der Abt, was er in der Audienz dem Kurfärsten gesagt; die Räthe nehmen 
es ad protocoUum; Jena aber sagte im Gespräche scheinbar im Scherze «sein Herr 
thite am besten es mit Frankreich zu halten, um seines Schadens sich wider zu er- 
holen, auch einen Theil von spanischen Niederland oder Holland mit wegnehmen zu 
helfen," endlichen aber nach allerhand Discursen, wäre er mit diesen Worten heraus- 
gebrochen, „wann es ja sein und darzu kommen würde, dass sein gnädiger Herr mit 
E*^. K. M. und dem Reich wieder Partei nehmen sollte, dass vor allen ihme der Rücken 
sowohl wegen der Schweden als Polen vorher frei gemacht, benebens auch bessere 
Versicherung ald vorhin geschehen, gegeben werden müsste. Der Meinders aber hätte 
bei dieser fast gegen 3 Stunden gewehrten Conferenz nicht viel Wort gemacht, sonsten 
da Spanien, England und Holland erwähnt worden, gesagt, dass sie gute Nachricht 
hätten, in was schlechten terminis es zu Madrid und in Spanien stünde, dass also 
dermaln kein grosser Staat auf selbige Krön zu machen, Engelland aber, wann selbiger 
König mit seinem Parlament in Einigkeit stünde, könnte das meiste peso geben, auch 
sodann Holland ein mehrers thun, ausser diesen würde es sonsten schlecht hergehen **. 
Meinders hat dem französischen Gesandten Reb^nac von der Mission der kaiserlichen 
Gesandten Mittheilung gemacht; Reb^nae zeigte sich darüber und über des Kurfürsten 
frenndlicbes Benehmen gegenüber den kaiserlichen Gesandten misgestimmt ^Sodann 
hätte er Abt von Banz bei seiner Urlaubsaudienz den H<*. Churfürsten in Gegenwart 
des Grafen von Lamberg nochmaln erinnert, ob er also bei seiner Abreis in anteces- 
sum E'. K. M. die ihme Morgens vorhero geget>ene Resolution und etliche Tage über 
verspürte gute Intention circa punctum securitatis publicae allemnterthänigst über- 
schreiben könnte und sollte; insonderheit, dass er H'. Churfürst die Proposition an? 



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922 VlII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. I68i 

was der Kaiser ihm ratione des foederis offensivi et defensivi polonici aufgetragen '). 
Der Kurfürst antwortet: |: Sie wollten E. K.M. in höchstein aoterthin. 
Vertrauen sich desfalls mit den Polen nicht zu übereilen gewarnet haben, 
sondern riethen vielmehr solches nach Möglichkeit aus dem Weg und 
indessen zwar das Negotium offen zu halten, mit verbindlicher Einlas- 
sung aber temporisiren; Ursach, weilen sie die gewisse Nachricht einge- 
zogen, das8 selbiger König noch erst unlängst von Frankreich ad urgen- 
dum istud foedus angefrischet worden, so sie für kein gutes Omeo, son- 
dern dahin augesehen zu sein urtheilen mössten, dass wann E. K. M. 
sich sofort sammt Polen in einen Türkeukrieg eingewicklet befanden, 

beliebet, circa modum aber femers zu reden sein würde, zu welchem Ende er Graf 
von Lamberg daselbst länger zu subsistiren hätte, zumaln E. K. M. zu ibme das feste 
Vertrauen trugen, dass er hierinnen seinem hocberleucbten Verstand und preisbarer Ex- 
perienz nach circa modum den besten Vorschlag thuen könnte. Worauf er, Herr Chur- 
fürst, gegen sie beede diese Formalien gebraucht. Er könnte und wollte E. K. M. unter- 
thänigst versicheren, dass er ein treuer Diener wäre und sich keineswegs vom Reich 
und andern seinen H». Mitchurfürsten separiren würde, sondern seines Ortä alles 
nach Möglichkeit beizutragen nicht ermangeln wollte, was zu Conservation des römi- 
schen Reichs und gemeinen Vaterlands nützlich sein würde, mit dem chursächsiscben 
Vorschlag wegen 3—4000 Mann aber wäre es wohl zu wenig, sondern man müsste sieb 
andersten fassen. Er, Churfürst zu Brandenburg, wäre noch in diesem Stand, dass 
er auf den Bedörfungsfall de facto mit 10— 12000 Mann in*s Feld gehen und anziehen 
könnte und vermeinte er, dass das Reich zum wenigsten neben E. K. M. mit 2 Ar- 
maden eine jede von 30 000 Mann bestehend, nebenst einem Corpo volante von 8 bis 
10 000 Mann agiren müsste, wann es einen Effect haben sollte und dass von E'. K. M., 
ehe und bevor man dies Verfassungswerk an die gesammte Reichsglieder brächte, 
an alle Churfürsten geschrieben und deren Gutachten in der Enge vorher allergnädigst 
einzuholen wären. Als sie nun aber versetzt, dass es bereits geschehen und weiln die 
am Rhein liegenden Chur- und Fürsten, als welche der Gefahr am negsten, dermaln 
mascule herauszugeben sich nicht in solchen Stand befinden thäten, dahin zu sehen 
wäre, wie vor allen neben E'. K. M. die mächtigsten Häuser als Chur-Baiem, Sachsen, 
und Brandenburg hierinnen einig und andern Ständen bono exemplo vorzugeben 
und selbige pro communi patriae salute zu animiren sich verstehen mögten Hier- 
auf hätte er Herr Churfürst erwähnet, dass nun zu erwarten stünde, was E. K. M. 
auch andere seine H». collegae sich hierüber weiters resolviren wurden.** In den sächsi- 
schen Actenbeständen des Wiener Archives findet sich ein Schreiben des Abtes Otto von 
Banz vom 15. April aus Dresden, in dem er sich auf seine und Lambergs gemeinsam 
ausgefertigte Berichte beruft und nachträglich noch über die Haltung des Kurfürsten 
von Brandenburg meldet, derselbe sei mit Schweden sehr zerfallen, auf das Haus 
Braunschweig schlecht zu sprechen und auch mit dem Könige von Frankreich nicht 
so zufrieden, wie allgemein behauptet wird. (Bericht des Otto v. Banz vom 15. April 
1680. St. A.) 

') Johann Sobieski hatte dem Kaiser durch den Prinzen Radziwill eine Allianz 
gegen die Türken angetragen. Der Wiener Hof verhielt sich nicht ablehnend. Vergl. 
Klopp, Das Türkenjahr. 1683 73 f. 



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Polnische Angelegenheiten. Reichsangelegenheiten. England. 923 

diese sodann einen besondern Frieden schliessen, E. M. aber mit der 
völligen Kriegslast in Arena allein worden sitzen; massen es sei mit 
einem Wort mit selbigem der französischen Fraction allzu gubematorisch 
beigethanem König sich keiner Seiten zu verlassen; zudeme seien selbiger 
magnatum Gemuther und verborgene intentiones ihme Churfursten durch- 
aus bekannt und gewiss, dass solche allein dahinaus gerichtet, wie sie 
den König mit einem Krieg behangen und mittelst alsdann fuhrenden 
grosseren Gewalts dessen zu der Souverainitat gerichtetes Vorhaben so 
viel fuglicher unterbrechen mögen. Das Werk selbst und die Zeit wer- 
den zu Tag legen, dass die Polaken endlich auch sogar die Moscoviter 
würden hinterfuhret haben. Bei welchem allem auch der König sich 
möglichst zu fassen hätte, damit im Fall er mit den Gedanken seinem 
Sohn ') zu der Krön zu verhelfen zu frühzeitig losbrechen und Litthauen 
68 in andere Weg zu verhindern sich nicht im Stand sehen wurde, 
solches von der Krön Polen nicht eine gänzliche unfehlbarliche Sepa- 
ration zu treffen und moscovitischer Protection sich unterwürfig zu 
machen Anlass nehmen möge. So hätten E. K. M. nicht weniger ein 
Aag ob demienigen zu halten, was an Seiten Polen noch ferner schäd- 
liches in Ungarn könnte verursacht werden, massen (wie der Churfurst 
mir zwar in höchster Geheim anvertrauet, aber nachmalu nicht gestan- 
den haben wollte) er noch erst für 2 Tagen vom Rebenac') selbsten in 
Erfahrung gebracht, dass das in Ungarn bekanntes instrumentum, Mon- 
sieur Boham, neben einen andern Officier sich verschienenen Freitag 
mit ihme, Bebenac, zu Berlin in persönlicher Unterredung befunden, so- 
dann geraden Wegs wieder nach Polen gekehret'). Nicht weniger wäre 
ihro aus Polen Bericht eingegangen, welchermassen der Akakik^) allda 
um gewisse französische Carossen und andere Ding frei durchzufuhren 
Pass nach Siebenbürgen gesucht und der König sich zwar öffentlich ver- 
lauten lassen, welchergestalt er in Ansehung, wie er mit E^ K. M. be- 
griffen stünde, solches nicht eingehen könnte; dieses alles aber von ihme, 
Churfursten, für ein blosses Spiegelfechten, im Gegentheil aber so viel 



Jakob. 

*) Fran^ois de Pas Oraf v. Rebenac, ausserordentlicher Gesandter Ludwig XIV. 
am Berliner Hofe. Yergl. über ihn Lettres inedites des Feuquieres publ. par Etienne 
Gaflois IV. XVI. ff.; Puf. 1. c 1. XVIII. 

*) lieber die französisch-polnischen Beziehungen Klopp 1. c. 72. 

*) Der bekannte französische Agent Akakia. Vergl. R^cueil des instructions I. 
Antriebe 87 f. 



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genaue und enge Allianz und Yerständnus wollte : | *). 

Hienechst habe mich auf den punctum des Fürsten Casimir Radziwill 
von der Clees bei E'. K. M. mehrmalen angosuchter allergnädigster In- 
tcrcession umständlich begeben und so viel antwortlich erhalten, dass S. 
Ch. D. solcher kaiserlichen Vorschrift alles mögliche beizutragen nicht 
umhin würde, fanden sich indessen vermög väterlichen Testaments als 
Gerhab gehalten, diesen passum matrimonii der Fürst-Radziwillischen 
hinterlassenen Pupillin selbsteigenem freien Willen lediglich zu über- 
lassen. Es könnte sich aber um selbigen P'ürst Radziwill bewerben; mit 
dergleichen Antwort dann er Fürst bereit ehemal befriedigt gewesen zu 
sein von sich scheinen lassen. Auch wolle der Kurfürst die Prinzessin 
älter werden lassen. Soviel aber E^ K. M. in ünterthänigkeit desfalls zu 
hinterbringen ich mir obliegend befinde, ist, dass ich sehe oder doch 
genugsam abzunehmen habe, auch von andern in Vertrauen benachrich- 
tigt werde, |: dass S. Ch. D. solchen boccone schwerlich aus Händen zu 
lassen*), sondern vielmehr auf steetiges Anliegen der Churlürstin für 
ihren ältisten Prinzen Ludwigen^) aufzubehalten gesonnen sei. Und hat 
sie, Churfürstin, bei dem Churfürsten in allem ein gar nachdrückliches 
Wort und grosses Gewicht, auch die Vorhand bereits soweit gewonnen, 
dass, wie die Herzogin Sachsen-Lauenburg*) mir eigenmündig vermeldet, 
selbige, als der Churfürst denen beiden Jüngern Prinzen mit auf die Jagd 
zu fahren erlaubet, sich vernehmen lassen dörfen, wanngleich der Chur- 
fürst solches zehenmal befehle, würde es dannoch ohne ihre Einwilligung 
nicht geschehen. So verliert sie auch noch immerfort weder Zeit noch 
Augenblick sich in solcher Potenz fester zu setzen und ist anbei dero 
Affection und Beitrag in denen negotiis mehrers mit Realitäten als 
Worten zu gewinnen, als deren höchstes Anliegen das Aufbringen ihrer 
Kinder ist, welcher notitiae dann Frankreich wirklich zu gebrauchen an- 
gefangen : {. 

Gegen jede Einigung mit England spricht sich der Kurfürst deutlich aas. 

Hierauf unterliesse ich nicht wegen des modi den punctum securi- 
tatis einzurichten einen Anwurf zu thun, worauf S. Ch. ü. gleichsam in 

») Vergl. Klopp 1. c. 74. 

3) Ueber die üeirathsangelegenheit dieser Fürstin Louise von Radziwill Puf. 
1. c. XVIII. 27 f.; Droysen 1. c. 712. 

') Ludwig statt Philipp; denn so hiess der älteste Sohn Dorothee^s. 
*) Marie Hedwig Auguste f 1681. 



BraodeDburg nnd Eoglaod. Unterredung: Lambert mit dem Kurfürsten. 925 

die Bed fallend, solchen, da die beste Soldaten abgedankt und in fran- 
zösischen Dienst getreten, sehr schwer zu sein meldeten. . . . 



Laniberg an den Kaiser. Dat Berlin 21. April 1680. (Aut.) 

£Fuchs. Des Bischofs von Münster Stellung zu Frankreich. Versicherungen Southwells.] 

Lamberg übergibt dem Secretar Fucbs, der seine Neigung für den Kaiser 21. April. 
kand thut, ein Geschenk von 600 Gulden im Namen des Kaisers. Der Ver- 
treter des Biscbofes von Münster') verwahrt sich dagegen, dass sein Herr mit 
Frankreich im Bunde sei. Sonthwell ^), der englische Gesandte, versichert Lam- 
berg der besten Gesinnung seines Königes gegen den Kaiser. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. April 1680. (Or.) 

[^Ungünstige Meinung des Kurfürsten von dem Konige von England und von dem 

Stande der Niederlande. Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über Dänemark, 

über den Bischof von Münster, über den punctum securitatis und über die Haltung 

Brandenburgs, speciell zu Frankreich.] 

Soothwell theilt Lamberg den Verlaof seiner bisherigen Verhandlungen mit 28. April. 
dem Kurfürsten von Brandenburg und mit dessen Käthen mit '). Lamberg spricht 
darüber mit dem Kurfürsten, der ihm sagt, | : es sei sich auf Engelland gar 
nichts zu verlassen, indeme sie die unfehlbarliche Nachricht hätten, dass 
der König noch wirkliche pensiones von Frankreich ziehe, so ihre genüg- 
samen Anlass zu argwohnen gebe, dass alle diese an Seiten England 
beschehende Abschickungen keinen andern Zweck haben, als von dem 
Parlament unter Vorwand der Allianz ein Summa Geld heraus zu locken 
und, nachdem er deren habhaft worden, seinem Dessein so viel vigoroser 
nachzusetzen, nemlich parlamentum zu unterdrucken, Frankreich unter- 
dessen in dem Curs seiner Entreprisen wo nicht positive zu helfen, doch 
wenigst ungehindert fortfahren zu lassen. ... Es fügte sich indessen der 
ßiscars auf den Zustand der vereinigten Provinzen, den der Churfürst 
nicht weniger für sehr misslich urtheilte und kurzhin geheime Nachricht 
überkommen zu haben bedeutete^ dass gegen Prinzen von Oranien sich 

») Bischof von Münster ist damals Ferdinand II. von Fürstenberg. 1667—1683. 

*) Robert Southwell war beauftragt, Friedrich Wilhelm zur Erneuerung der vor 
9 Jahren abgelaufenen Allianz mit England zu vermögen. Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 3, 
4; Droysen I. c. llLj 711; ürk. u. Act. IIL 567 ff.; Klopp, Gesch. des Fall des Hauses 
Staart II. 247 ff.; Auszüge aus Southwells Briefen bei Raumer, Beiträge zur Gesch. 
Kuropas III. 433-478. 

») Puf. I.e. XVIIL3,4. 



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wären, dahero auf selbige Republic kein sonderbarer Grund zu machen :{. 
Ich wendete mich nechstdeme auf dasjenige, so die gemeine Advisen 
wegen Dänemark an den Tag geben, wie nemlich S. E. M. mit etlich 
Regimentern die Grafschaft Oldenburg zu besuchen herauszukommen 
bedacht; ob S. Ch. D. hierüber etwas näheres einkommen und was doch 
solche arrairte Herauskompst in scopo et recessu führen möchte. Worauf 
S. Ch. D. sich vernehmen lassen, dass sie diesen motum des Königs 
meistens auf Brauuschweig-Celle angesehen hielten^); möchten ihres Orts 
wohl leiden, {: dass selbiges Haus in etwas castigirt würde, massen es 
dergleichen um S. Ch. D. verdient, wie sie dann zu seiner Zeit wohl 
würden zu gedenken wissen, dass selbige Herzogen ihre dann und wann 
in dero Kriegsoperationen Hindernus in den Weg gelegt. : | Auch von 
den Rüstungen des Bischofs von Münster spricht der Kurfürst. Die Aufiforde- 
rung Lambergs in Regensburg zu erscheinen, lehnt Friedrich Wilhelm mit Rück- 
sicht auf seine schwankende Gesundheit ab. Ich aber berührte demnechst 
den punctum securitatis und dass das Reich sich noch in quaestione 
an? befände, das quo modo aber zu keinem Stand gerathen wolle; da- 
hero E. K. M. nach dero hohem Vertrauen zu S^ Ch. D., die sich in 
quaestione an? so löblich und rühmlich erkläret, nunmehr auch in der 
andern quo modo? ein gleichmässiges verhoffe . . . und extendirte ich 
mich sofort nur per modum discursus und eines Privatsentiments durch 
das mir desfalls von Hof aus nebenst meiner Instruction mitgegebene 
Project, vermög dessen das Reich nach seinen Kreisen in simplo 30000, 
I. M. aber 15 000 Mann in das Feld stellen, deren duplum also auf den 
Erforderungsfall auf 90 000 Mann hinauslaufen würde. Worauf der Chur- 
fürst schnell geantwortet, dass eine solche Reichsarmee von mehrentheils 
untüchtigen Völkern, so Officieren als Gemeinen, bestehen und im Feld 
mit ihnen nichts auszurichten, dahero auch solches Project ganz unpracti- 
cirlich sein würde. Er vor seinen Theil könne ohne Entblössung seiner 
Festungen ietzo gleich annoch 15 000 und bei wirklich angehendem Krieg 
in wenig Zeit auch wohl 20 000 Mann in das Feld bringen, Bayern und 
Sachsen könnten sich nach Vermögen und jenes zwar leichtlich bis auf 
12000, das gesammte Haus Sachsen aber bei ietzo waltenden guten 
Verständnus auf 20000 Mann angreifen. E. K. M. aber solle zu freiem 
Belieben stehen mit soviel Macht als sie könnten oder wollten gleich- 
falls anzuziehen, wann es gleich 40 ä 50000 Mann sein sollten. Ich 



*) lieber die brandenburg-dänischen Beziehungen dieser Zeit Puf. 1. c. XVIII. 24. 



wurde, sähe aber nicht allerdings, woher die Subsistenz zu nehmen. 
Worüber S. Ch. D. sich abermal ganz prompte herausliesse, | : dass, wann 
man mit solcher Macht in Feld und in der Moderation begriffen, sich 
alsdann die Mittel schon finden würden, worab ich schliessen müssen, 
dass dero Absehen diesfalls wie in vorigem Krieg auf die mittlere und 
geringere Stände des Reichs gerichtet sein dürfte. :{ Es fundirt aber 
dieselbe solche dero Meinung auf deme, dass eine allgemeine Reichsver- 
fassung von der Krön Frankreich ieder Zeit, gar nicht aber diese von 
E^. K. M. und ihnen Churfürsten auf diesen Weg an die Hand genom- 
mene Defensionsstellung, könne gehindert werden. Ich thäte hierauf mit 
Respect die Anfrag, ob dann E. K. M. sich {: P. Ch. D. Armada in allen 
Vorfällen versichert halten könnten :|; welches sie mit deme beantwortet: 
E. K. M. könnte ich versichern, dass sie sich von des Reichs Interesse 
nimmermehr absondern, sondern allezeit fest bei demselben haftend ver- 
bleiben und E. M. darin secundiren helfen wollten. Solche und andere 
familiäre und gnädige Bezeigungen bemuthigten mich, unter andern 
gleichsam mit einer respectuosen Scherzred anzuführen, welchermassen 
geurtbeilt würde, als ob S. Ch. D. mit Frankreich in Allianz begriffen, 
worauf sie lachend versetzet, sie wüssten solches Spargiment wohl. Ich 
aber in meiner angenommenen Weis fortfahrend belegte solches mit 
gleicbmässigem gemeinem Ruf in Polen, allwo dero dort subsistirende 
Secretarius des französischen Residentens ßethune Haus alltäglich fami- 
liariter frequentiro. Der Churfürst, um mir solches Nachdenken, wie er 
sagte, candide zu benehmen, widersetzte, es geschehe, die im Friedens- 
tractat ihme an Seiten Frankreichs auf Termin verwilligte Satisfactions- 
gelder der 300000 Reichsthaler zu versichern*), allermassen ermelter 
Secretarius auch bereit so viel Nachricht gegeben, dass die erste 100000 
Reichsthaler in kurzem zu Hamburg erleget werden sollten. | : Er mel- 
dete zu mehrer seiner Entschüttung von solchem Verdacht des fernem 
in engem Vertrauen, dass er noch iüngster Tagen durch den französi- 
schen Abgesandten') auf die Art wie neulichst Holland zu üefension- 
allianz mit Frankreich ersucht worden, deme er aber mit folgendem be- 
gegnet, dass er nicht absehen könnte, wohin solche Allianz nöthig sei 
ietzund, da durch den Fried alles in Ruhe und Sicherheit gesetzt. : { 

*) Zweiter Secretarlikel des Vertrages von St. Germain en Laye 29. Juni 1679 
Möroer 1. c. 411. 

2) Rebenac. Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 7. 





Der Kaiser an Lamberg. Dat. Frag 1. Mai 1680. ((Jone.) 

1. Mai. Nach dem Votum der Conferenz vom 29. April erklärt sich der Kaiser mit 

Lambergs Vorgehen einverstanden, fordert ihn auf den Kurfürsten womöglich zu 
persönlichem Erscheinen in Regeusburg, jedenfalls aber zur Billigung der Ver- 
sammlung und der kaiserlichen Pläne in puncto securitatis zu bewegen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 12. Mai 1680. (Or.) 

[Erklärungen des Vertreters des Bisebofes von Münster. Unterredung Lambergs mit 
Amerongen über die brandenburg-bolländischen Dififerenzen, mit Fuchs über die all- 
gemeine Lage und über das gegen Frankreich einzuschlagende Verfahren. Des Fuchs 
Erklärungen. Gleiche Erklärungen des Meinders und Jena. Urtheil Lambergs. Mit- 
theilungen Southwells.] 

12. Mai. Der Vertreter des Bisebofes von Münster hat nach erhaltener Weisung 

seines Herrn erklärt, dass dieser mit Frankreich weder eine Allianz geschlossen 
habe, noch eine solche zu schliessen gedenke. 

Mit Amerongen hat Lamberg wegen Zahlung der rückständigen Subsidien 
an Brandenburg gesprochen. Worauf die Sach ex fundamento fürsteilig zu 
machen, er vorderist angeführet, dass zwischen beiden hohen Parteien 
unterschiedliche Allianztractaten passiret, namentlich anno 1672 ver- 
mittelst seiner von Amerongens, kraft dessen dem Churfürsten monatlich 
80000 Reichsthaler Subsidien zugesagt worden*). Welcher Tractat, 
nachdem er durch des Churfürstens mit dem Könige in Frankreich anoo 
1673 erfolgtes Accommodement von Selbsten zerfallen'), sei in anno 1674 
durch den holländischen ministrum von Achtienhoven') eine neue Ver- 
bündnus adjustirt*), in selbigem aber die obi^e Summa der Subsidien 
um ein merkliches verringert, dabei in terminis versehen worden, dass 
keinem Theil ohne den andern frei stehen solle mit der Krön Frank- 
reich in den Frieden zu treten. Nun habe sich aber anno 1676 ereignet, 
dass die H**. Staaten einen vortheilhaften Frieden in Händen gehabt, 
solches auch dem Churfürsten glaubwürdig fürgelegt, anbei declariret, 
dass sie mit den Kriegsspesen und Geldsubsidien nicht länger gefolgen 
könnten; S. Ch. D. aber, so eben damal in dem Flor ihrer Conquesten 
versiret, habe von dem Frieden nichts wissen wollen, die Geldsubsidien 

') üeber die Allianz vom 26. April/6. Mai 1672 ürk. und Act. HI. 189ff.; über 
Amerongen ebendaselbst 192 f. Der Vertrag bei Mörner 1. c. 359 ff. 

^ Gemeint ist der Vertrag von Vossem vom 6. Juni 1673; Mörner I.e. 373 ff. 
5) Isaac Pauw v. Achtienhoven; vergl. Urk. u. Act. III. 393 f. 
*) Act. u. ürk. III. 389 ff. 



Yerhandlangen Lambergs mit AmeroDgen. 929 

mit gaDzlichem Stillschweigen übergangen, indessen bloshin auf die Fort- 
setzung des Kriegs angedrungen, bis endlicii der holländische Fried anno 
1678, der brandenburgische aber anno 1679 erfolget und sei zwischen 
diesen beiden Frieden anno 1678 durch den von der Tocht') Namens der 
H"*. Generalstaaten mit dem Churförsten abermal ein Yerfass und neuer 
Tractat vollzogen und in selbigen der von anno 1674 durchgehend ex- 
pressim confirmirt worden'). Was derowegen des Churfürstens praeten- 
siones anlange, distinguire er von Amerongen 3 tempora; das erste von 
1674 — 1676 und seien seine U°. principales die in solchen beiden Jahren 
verfallene subsidia abzustatten so schuldig, als wenig herentgegen sie 
sich zu deme, was nach in änno 1678 geschlossenem Frieden der Chur- 
fürst praetendire, jemal verstehen oder bekennen wurden noch könnten. 
Was aber das intervallum von 1676 nach dem Churfürsten notificirter 
Friedensbemächtigung bis zu dessen wirklichem Erfolg anno 1678 an- 
lange, darinnen militire zwar seiner Meinung nach die klare Billichkeit 
auch der Sinn und der Verstand aufgerichteter Allianz gänzlich für die 
H". Generalstaaten; diese wollten jedoch um guter Freundschaft willen 
sich darüber in Composition einzulassen nicht widrigen, würde auch wohl 
einige Satisfaction erfolgen, die aber nicht völlig in Bereitschaft, sondern 
tbeils in Schiffen oder andern Effecten bestehen dörfte. Es würde aber 
vielleicht das fördersamste sein, wann der Churfürst und Prinz von 
Oranien persönlich zusammentreten sollten, als welches dem Werk seine 
abbelfliche Maass gewaltsam beschleunigen würde. Soviel mich jedoch 
bei allem diesem bedanken will, so haben die H°. Staaten in dem letzten 
Tractat von 1678, in welchem der vorhergehende von 1674 per omnia 
simpliciter, einfolglich auch die Geldsubsidien, ungeachtet allbereit ge- 
troffenen holländischen Friedens confirmirt worden, in ihrer Sach ein 
starkes übersehen und steifet sich der Churfürst fümehmlich auf solches. 
Dessen allen aber unangesehen scheinet es, dass die H°. Holländer weder 
zu den ersten noch letzten, strittigen noch unstrittigen residuis, weder 
in Baarschaft noch Effecten sich bequemen werden, es wäre dann, dass 
durch einen sich etwan von neuem eröffnenden Noth- und Hülfbedürfungs- 
CelII sie dessen capaci gemacht würden '). 

Bei günstiger Gelegenheit theilt Lamberg dem Fachs den Inhalt der Be- 



Jakob Y. der Tocht vergl. ürk. u. Act. lU. 198. 
«) Vergl. ürk. u. Act. lU. 512ff. 

^ Vergl. Urk. n. Act III. 569 ff. and das Schreiben Sonthwells an den Prinzen 
▼on Oranien ebendaselbst 571 ff. 

Mater, s. Gescb. d. 0. Karfurst«n. XIV. 2. 59 



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darinnen bestehend, dass einige selbiger Orten sich erkläret eine persön- 
liche Erscheinung... mit E^ K. M. sich nicht entgegen sein zu lassen. 
|: Wobei ich des fernem mit einiger Gemüthsempfindung geahndet, dass 
der Churfiirst gegen alle französische contraventiones pacis sich ganz 
unbeweglich und unemp6ndlich erfinden Hessen, vielmehr selbige für 
einen Effect pacis ultimae qualificirten , mich auch loco einer verläng- 
lichen Resolution wegen des modi der Gegenverfassung mit deme, dass 
ein jeglicher sich in Postur setzen sollte, abzuweisen bedacht schienen; 
solches alles aber ein sehr ungewisses, weitschichtiges und weitaussehen- 
des Werk sei, wodurch der Churförst die so löblich gefasste Resolution in 
quaestione an? nicht secundire, sondern vielmehr der Zeit und Coniunc- 
turen erwarten zu wollen an den Tag gebe. Worauf er Secretarias 
Fuchs mich vorderist hoch und theur versichert, dass ich seinen Worten 
sicherlich trauen und glauben möge; demnach contestiret, ich könnte 
der gänzlichen Gewissheit leben, des Churfürsten Intention und Absehen 
ziele ganz nicht auf Ausflucht oder Partiacularzweck, sondern führe wahr- 
haftig das heilsame Nachdenken, dass in Ansehung Frankreich bei so 
ungemeiner Kriegsmacht ante tempus nicht zu irritiren und in imperium 
zu ziehen sei, man sich inmittelst, ein ieder für sich, also gefasst machen 
und halten könne, dass man nachmal, wann das momentum rei gerendae 
da sei, simul et semel zusammentreten und dem feindlichen Einbruch 
nicht in visceribus imperii, wie sonsten unfehlbarlich geschehen würde, 
sondern in limine begegnen und seinen unbillichen demarches einhalten 
könne, zumalen die allgemeine Reichsverfassung aus kundbaren Ursachen 
und der klaren Erfahrenheit ganz unmöglich und eine unpracticirliche 
Sache seie. So wüsste er auch eben nicht, wann dem Churfürsten er- 
laubt sein könnte bei E'. K. M. anzufragen , ob sie dero Waffen zusam- 
menstossen wollten, ob, sagte er, alsdann E^ K.M. es anständig sein, 
sie auch eine solche Mannschaft in das Feld stellen würde, so dem Feind 
gnug gewachsen sein möchte. Ich widersetzte, E. K. M. würde leichtlich 
(die aggregirte Völker eingerechnet) mit 40000 Mann aufkommen, wo- 
rauf er replicirte, man wisse salvo respectu wohl worinnen theils unserer 
Stärke bestehe und dass gemeinlich mehr auf dem Papier als in natura 
befindlich. Als ich ferner anführte, es hätte nicht den Verstand sich 
sofort öffentlich zu erklären und aufzusitzen, sondern der Churfürst als 
der mächtigste von denen Churfürsten sollten nur denen ander mit Rath 
und That zum guten Beispiel werden und selbige zu gleichmässer der- 



uistiif^er IV6AU1UUUU uur norumiitJiuug auiujuuu. vvuiuutsr tsr mir %u ue- 

mathe führte, ich möchte bei mir selbst erwägen, ob der Churfürst nicht 
sowohl als die Churfürsteii an den Rhein mit dero clevischen Landen der 
Gefahr gleich a fronte ausgestellet und dass die Franzosen den Weg über 
Wesel und so ferner herein gar wohl kenneten und derowegen nicht verdenk- 
lieh sein könne, wann man dermalen gegen so nahe Feinde mit öffent- 
licher Herauslassung der erste zu sein an sich hielte, in Erinnerung, wie 
übel es einem voriges Mal dabei ergangen, da man von allen Seiten 
verlassen worden. Ja, dafern man sich auch von neuem angreifen und 
eine wirklfche Resolution nehmen sollte, sähen sie nicht, wie man des 
Rückens gesichert, da man zu glauben habe, da^ Haus Brannschweig sei 
zum Theit mit Frankreich befangen. Frankreich verlange nur einen 
»cbeinbareü Vorwand und die Gelegenheit mit dem Churfürsten zu 
brechen und sei ausser allen Zweifel zu setzen, dafern es, bevor man in 
genügsamer Bewaffnung stehe, vernehmen sollte, dass jemand für R K. M. 
sich erklärt, es einen guten Theil der übrigen Mitglieder durch Forcht 
und Hoffnung au sich bringen, die ali^o declarirte aber, in/,wischen man 
weder von E'', K/M. noch dem Reich geschützet werden könne, uaver* 
Stehens über einen Haufen gerennet werden würden, zamalen auch ins- 
gemein geglaubt werden müsse, dass die Reichsglieder schwerlich mehr 
also, wie in der vergangenen Zeitj für E. K. M. würden können unter eine 
Meinung gebracht werden. Er, Fuchs, wolle dasienige, so er mir 
für ungefähr drei Wochen in der ersten Ansprach allein von weitem 
zu vcrslehen gegeben, nunmehr deutlich zu eröffnen keinen Verschub 
mehr brauchen; nemltch es werde der Churfürst durch den französi- 
schen Abgesandten') vermö(^ eingereichten memorialis auch raündtichen 
Vortrags, theils mit promissis sich auf diesen Frieden still und 
ruhig (zn) halten, theils aber und auf den Fall man gegen ihne Liga 
suchen sollte mit Drohungen und insgemein unter so stattlichen motivia 
und rationibus zu einer Defonsivallianz eingeladen, daas ob^war der Chur- 
fürst sich bestmöglichst zu enLschütten der beständigen festen Resolution 
verharreten, man dannoch sieb leicht einbilden könne, wie dero dabei 
zu Muth sein müsse, da unter andern sie sich tn keinerlei Weis gegen 
iemand in dem geringsten, worab Frankreich nur einen Verdacht schöpfen 
möchte, heraus lassen dörfe^ äolang sie sich nicht anderwiirtshero ge- 
schuUet sehen würde ^). Mit Engel I and das Werk an:&ugreifen, da äolcbe» 

^ Reben ac. 

^) Für die frnnzüsi ach -brandenburgischen Beziehungen Pnf. l c- XV HL 7; 
Drajsen 1. c. UK| 7091 

59* 



932 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

durch seine Abgesandte aller Orten gar za viel Eund gemacht, dass die 
angetragene Allianz auf Frankreich angesehen, wurde anders nichts sein, 
als diesem mächtigen König ein wohlbefugtes Ombrage zu machen, 
welches zwar Elector nicht achten würden, dafern nur auf Engelland ein 
sicherer Grund zu bauen stände, welchem König aber, wann es ihme 
Ernst damit wäre, dergleichen Allianz zu seinem gerühmten Zweck 
nicht nöthig fallen würden, allermassen, wann er mit dem Parlament 
sich in gutes Vernehmen gesetzt, ihme sein Reich mit Kräften genug an 
die Hand gehen würde denen Franzosen entweder durch die wirkliche 
Gegenwehr oder deren Vorzeigung den Kopf zu bieten und das Umsich- 
greifen einzustellen. Und aus eben der Ursach seien zu angeführter 
Vereinigung mit dem Parlament die auswärtige Allianz im wenigsten 
erfordert, als deren Concurs England zu seinem Zweck gar nicht be- 
dürftig sein würde. Der Abgesandte^) könne zwar ganz aufrichtige Ge- 
danken und Meinung fähren, seie aber nichts neues, wann man fremden 
Gewalten etwas scheinliches färbilden wolle, man dessen vorderst seine 
eigene ministros als instrumenta berede, an deren Wort man nachmal 
nicht wolle gebunden sein; lasse sich also in dergleichen Fall nicht 
sehen, an wen man sich nachmal zu halten hätte. Es sei auch der Ur- 
sachen sehr bedenklich sich mit Engelland verbindlich zu machen, weilen 
der König dermal mehr als jemalen von des Prinzen York') consiliis 
gubernirt werde. Lauderdale, Madame Levcland und Buckingham seien 
eine Kett*), deren einiges Ziel dahin gerichtet, den Prinzen York mit 
Hilfe des Königs in Frankreich zum Königreich zu bringen. Da ich 
hingegen versetzte, solches laufe dem französischen Interesse schnurgerad 
zuwider, als welches nicht geschehen könne, es sei dann vorher das Par- 
lament zu Boden geworfen, bedeutete er, dass Frankreich es zweifelsohn 
dahin nicht werde gelangen lassen; inmittelst aber mit dergleichen Zu- 
sagen besagten Prinz York amusiren und dahin zu fähren trachte, damit 
selbig Königreich in Uneinigkeit zerfalle und Frankreich um so viel mehr 
wider das Reich zu operiren Luft habe. Ich stellte ihm für, Holland 
würde ja die angetragene Defensivallianz nicht so standhaft ausgeschlagen 
haben, dafern es sich nicht des Rückens als Engelland versichert wüsste. 



^) Southwell. 

^ Jakob, der nachfolgende König Jakob IL; für diese Verbältnisse Ranke, Engl. 
Gescb. Y. 270ff.; Macaulay History of Kngland Taucbnitz Edition I 244 ff. und Klopp 
Onno, Der Fall des Hauses Stuart II. 237 ff. 

^ Lauderdale und Buckingham, Minister Karl IL; vergl. Macaulay I.e. 1.210; 
Klopp 1. c. II. 250. 



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ünterreduDg Lambergs mit Fuchs, Jena und Meinders. 933 

Er aber antwortete, solche ergangene Resolution, welche durch des Prinzen 
von Oranien Faction gleichsam erpresset und abgedrucket worden, wurde 
sich mit der Zeit noch genugsam bereuen lassen und sei gar zu klar, 
dass Friesland und Groningen, ja auch Amsterdam keinerlei Wege ein- 
willigen wollen. Zum Schloss betont Fachs nochmals, Elector werde 

sich sicherlich mit Frankreich in Bündnus nicht einlassen, ja er sei der 
Meinung, dafalls E. K. M. eine wirkliche Armee von 30—40000 Mann 
in's Feld stellen könnte, alsdann vielleicht mancher Churfurst freier 
sprechen würde. Er wolle mich indessen auch versichert haben, der 
Churfurst mache Anstalt bei seiner Kammer, damit er künftig allzeit 
aaf allen Erforderungsfall 15000 Mann frei in das Feld stellen und als 
einen perpetuum militem halten könne; habe aber dermalen von 15 bis 

20000 wirklich auf den Beinen :| Meinders theilt dem Lamberg fast 

mit denselben Worten die Lage der Dinge mit. 

Jena, der den Lamberg besucht, berichtet gleichfalls im Sinne der übrigen 
Räthe über des Kurfürsten Haltung, über die ihm im letzten Kriege zugefügten 
Beleidigungen und betont, wie ungerecht es sei vom Kurfürsten zu fordern, dass 
er als erster sich ofifen gegen Frankreich erkläre. Auf England und Holland 
könne der Kurfürst nicht rechnen. Von einem persönlichen Erscheinen Friedrich 
Wilhelms auf einer Versammlung zur Ordnung der allgemeinen Angelegenheiten, 
deren Lamberg Erwähnung thut, erklärt Jena, sei bei der Krankheit des Kur- 
fürsten keine Rede, wohl aber von Abordnung einer Gesandtschaft. 

Ans welchem allem dann E. K. M. ohne mein allerunterthänigstes 
Anfuhren zweifelsohn von selbsten allergnädigst absehen werden, dass 
dieser Churfurst und dessen ministri mit deroselben beizutreten und sich 
zu erklären noch wohl zu vermögen wären, dafern nur erkleckliche Mittel 
furhanden selbige gegen die auswendige grosse Macht sowohl, auch deren 
benachbarten führende Anschlag und consilia eines zuverlässlichen 
Schutzes zu versichern. 

Bevor noch Jena sich von Lamberg beurlaubte kam der englische Gesandte 
Southwell und berichtete, wie wenig Hoffnung auf Erfolg er bei dem überaus 
mistranisch gewordenen Kurfürsten habe; er sehe, dass der Kurfürst die eng- 
lische Allianz nicht wünsche und zweifle nicht, dass er alsbald werde abbe- 
rufen werden. Femer berichtet Southwell von den Bemühungen Frankreichs 
bei Dänemark, um dieses gegen das Reich aufzubringen und von den Ver- 
sprechungen, die es dafür mache; insbesondere ködere es Dänemark mit der 
Erwerbung Hamburgs. Da nun der kaiserliche Resident Rondeck ') aus Hamburg 
von der Furcht der Bewohner vor dem Anmärsche dänischer Truppen meldete, 

^y Ueber die Beziehungen Hamburgs zum Kaiserbofe in dieser Zeit Gallois, L G., 
Geschichte der Stadt Hamburg 1853 Bd. L 466 f. und H. Iff. 



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welche ihm aber alle versicherten, dass Hamburg von Dänemark nichts zu be- 
fürchten habe. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Mai 1680. (Or.) 

[Unterredung Lamberts mit dem Kurfürsten über dessen Erscheinen in Regensburg. 
Geringe Aussicht auf Erfolg. Verhandlungen über dieselbe Angelegenheit mit den 
kurfürstlichen Räthen und mit der Eurfürstin. Schriftliche Erklärungen Lambergs in 
dieser Frage an den Kurfürsten; dessen Antwort Meinung Lambergs über die 
zögernde Haltung des Kurfürsten.] 

19. Mai. Lamberg hat dem Befehle des Kaisers entsprechend den Kurfürsten von 

dem Plane des Kaisers mit den Kurfürsten gemeinsam über den punctum securi- 
tatls publicae zu verhandeln in Kenntnis gesetzt und ihn um sein personliches 
. Erscheinen ersucht s). Ueber welche ihro unversehene Proposition und 
deren nait inehrem beschehene Ausführung, an I^ Ch. D. ich merkliche 
Veränderung des Angesichts und der Färb wahrzunehmen gehabt, welche 
auch darauf wie vormals mehr und fast alle Zeit, wann keine erheb- 
liche replicae beifallen wollen, eingewendet, wann der spöttliche Fried 
nicht wäre gemacht worden, es solcher Sorg nicht nöthig gewesen sein 
würde. Es sei mein Anbringen ein Werk von grossem Nachdenken, 
ihro daher mit deren Räthen zu überlegen. Und da ich um desto deut- 
licher Beantwortung willen meinen Vortrag punctatim erneuern wollte, 
wurde der Churfürst zu der Tafel berufen und in dem dahin verfügen 
klagte er über die ungewöhnliche gleich damal erst empfundene Schmerzen 
im Rücken und Knien, meldend, dass ihme die mcdici eine Cur an die 
Hand gegeben, um deren und selbigen seiner Leibsbehaftungen willen er 
die vorgehabte Reis nach Pommern einstellen müssen. Aus welchen 
praemissis ich dann den Schluss bei mir selbst machte, dass nach der 
Tafel die negativa, sich wie vor auf die beschwerliche Unpässlichkeiten 
fundirend, erfolgen würde. 

Auf .vieles Zureden Lambergs entschliesst sich der Kurfürst mit seinen 
Räthen Jena, Meinders und Fuchs über Lambergs Anbringen zn berathen. 
Diese Käthe meinen, man möge von Lamberg eine schriftliche Eingabe fordern. 
Lamberg sucht die Kurfürstin zur Unterstützung des kaiserlichen Begehrens der 
persönlichen Reise des Kurfürsten zu bewegen, was ihm auch endlich gelingt. 
Die schriftliche Erklärung hat er abgefasst und dem nach Berlin zurückgekehrten 



*) Bodo V. Gladebeck; vergl. Isaacsohn 1. c. II. 184; Klaproth 1. c. 366. 
2) Thomas Knesebeck; vergl. Klaproth 1. c. 364. 
») Vergl. Puf. 1. c. XVIIL 5. 



r 




Unterrediingeii Lamben^s mit dem Karfärsten ober die Regensb. Versammlting. 935 

Knrförsten übergeben '), der daraaf nicht geantwortet hat, sondern nnr die Be- 
merkang fallen Hess, wanim der Kaiser des Kurfärsten Vorschlag nicht gebilligt 
habe, dass nemlich EL E. M., wie auch Chur-Baiom und Sachsen und sie 
sich jedes Orts particularirter in Waffen setzen sollten, damit wann Frank- 
reich wegen solchen Congresses etwan Jalousie und Ressentiment fassen 
würde, man nicht mit Gefahr einer gänzlichen über einen Haufen Werfung 
des gesammten romischen Reichs ohne Gegenwehr und blos stunde. 
Dann betonte auch der Kurfürst seine Unpässlichkeit. 

Bei solchem allem und sonsten anderem ist mir unschwerlich ab- 
zonehmen gewesen, dass ein und andere mit Geld gewunnene ministri 
demselben sich einig und allein bei der Neutralität zu halten und das 
Werk zu keiner öffentlicher endlicher Erklärung kommen zu lassen ein- 
rathen, wodurch Frankreich dann so viel zuwachset, dass, wann gleich 
sie den Chnrfürsten zu keiner Allianz bewegen können, dannoch anderen 
Churfärsten und mächtigern Ständen im römischen Reich der Muth etwas 
rechtschaffenes zu resolviren benommen wird, in Erwägung der mächtigste 
von ihnen sich desfalls aus der Schlingen ziehe. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 26. Mai 1680. (Or.) 

[Verhandlungen des Kurfärsten mit South well. Antwort des Kurfärsten auf den 
Antrag Lambergs bezüglich der Reicbssecuritat Urtheil Lambergs ober dieselbe. 
Des Kurfärsten von der Pfalz neuerliche Heirath. Anhalts Ansichten über Branden- 
burgs Haltung bei einein Einfalle Frankreichs in Italien.] 

Der englische Gesandte übergibt Lamberg Abschriften der von ihm dem 26. Hai. 
Karfarsten äbergebenen Proposition wegen Emenemng des im Jahre 1671 zn 
Ende gegangenen englisch-brandenbnrgischen Bündnisses vem Jahre 1661 '), so- 
wie der Antwort des Kurfürsten, welche höflich aber ablehnend ist'). South- 
well gibt jede Hofifnong auf, jetzt beim Karfürsten etwas durchzusetzen und 
will bald ahreisen^). Lamberg spricht ihm zu, er möge noch einige Zeit ver- 
weilen. 

Hienechst habe die geheime Nachricht erhalten, dass meine sub 
copia mitkommende und um mehrer Secretirung willen dem Churfürsten 
unter eigenhändiger Verfassung eingereichte Proposition ^) dannoch in 



') Puf. 1. c. XVIII. 5; vergl. auch weiter unten. 

^ Memorial d. d. Berlin 5. Mai 1680; Inhalt bei Puf. 1. c. XVIII. 3; die Allianz 
vom 20. Juli 1661 war auf 10 Jahre geschlossen. Puf. I. c IX. 27; Mömer 1. c 254 ff. 

>) Antwort des Kurfürsten d. d. 11./21. Mai 1680. Inhalt bei Puf. 1. c XYUI. 4. 

*) Vergl. Klopp, Der Fall etc. II. 252. 

^ Die Proposition wurde am 18. Mai übergeben und enthielt die Aufforderung 
an den Kurfürsten, zur Berathung über die Sicherung des Reiches gegen Frankreichs 



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der Churfürst bei so hoch anwachsender Gefahr sich doch verlässlich 
declariren möchte, gelanget, er mit diesen Formalien ausgebrochen: 
Ständen Kaiser und ich noch wie vorhin in wehrendem Kriege, so wollten 
wir dem Franzosen jetzund den Tüffel zeigen. Auf welche Wort obser- 
virt worden, dass die Räthe Jena und Meinders *) stark erröthet. üner- 
achtet ich auch sonst den Churfürsten und dessen Räthe in viele Weg 
zu versichern gesucht, dass E. K. M. jeden erforderenden Falls sich annoch 
im Stand befänden 40 000 Mann in das Feld zu stellen, will solches dan- 
noch bei fortanhaltender Unruhe in Ungarn und eingebrochener Schwierig- 
keit der Bauren keines Orts etwas verfangen, noch genügsame Beglau- 
bigung finden. Bei Ablesung gedachten meines schriftlichen Vortrags 
haben sowohl der Churfürst als Jena im geheimen Rath sich clare ver- 
nehmen lassen^ es sei alles angebrachte dem wahren Verhalten gemäss 
und sonsten nicht zu widersprechen, die Conjuncturen aber litten nicht 
sich mit einer völligen Erklärung herauszulassen und vernehme ich femer, 
Jena habe auch sonsten sich verlauten lassen, dafern der Churfürst sich 
anietzo declarirte, würde an E^ K. M. Hofe man sich dessen pro medio 
bedienen wollen andere Chur- und Fürsten damit zu animiren, mit deme 
das secretum in die Weite gerathen, des Churfürsten Intention bios- 
gegeben ^ selbiger der Gefahr ausgesetzet und dannenhero grosse Unge- 
legenheiten zugezogen werden. Es hat femerweitig auf den in meinem 
Vortrag eingebrachten Puncten, dass bei einer persönlichen Zusammen- 
tretung man suchen würde S*". Ch. D. mögliche Vergnügung zu verschaffen, 
eben besagter Jena angeführet, es würde damit bewandt sein, wie mit 



Vorgeben sich personlich einzufinden und dem Kaiser zu rathen, wo und wann die 
Versammlung abzuhalten und welche Reichsfnrsten zu derselben einzuladen wären. 
Der Kaiser ist der Ansicht, dass auf dieser Versammlung vorerst der punctus securi- 
tatis publicae vorgenommen werden soll; doch ist er auch bereit, die Fragen der 
Beendigung des Reichstages und die Mnnzangele^enheit daselbst zur Sprache zu 
bringen. Die Rücksicht auf Frankreich dürfe den Kurfürsten nicht abhalten zu er- 
scheinen, da ja einige von Frankreich näher bedrohte Stände sich mit der Versamm- 
lung bereits einverstanden erklärt haben und andererseits eine solche Versammlung 
allein die Hoffnung auf eine entsprechende Rüstung gewähre. Auf Frankreichs Frie- 
densbetheuerungen aber sei kein Verlass. Der Kaiser hofft daher, dass der Kurfürst, 
der trotz seiner Krankheit mehrere Jahre hindurch seine Armee persönlich comman- 
dirt habe, auch diesmal sich als Held zeigen und persönlich erscheinen werde. Vergl. 
Puf. 1. c. XVIII. 5. 

') A = Menarts. 



Ansicht Lambergs von Braodenburgs voraussichüicher Haltung. Verhandl. etc. 937 

dem bei dem Prager Congress aono 1652 bescbehenem Versprechen *), 
da heroachmals auf EöDigs Ferdinandi IV. mildester Gedächtnus erfolgte 
Wahl ood Krönung für den Churforst noch wegen Jägemdorf, noch in 
anderem, einige Satisfaction gesehen worden. 

Bisher hat Lamberg noch nicht vom Kurfürsten erfahren können, ob der- 
selbe geneigt ist, Kurbaiem wegen des Congresses und zur Beförderung puncti 
secoritatis so anzueifem, wie Kursachsen es gethan. 

Vorgestern Morgens zwischen 8—9 Uhren ist mir durch einen ge- 
heimen Secretarium auf meine eingegebene oftermelte Proposition die allhie 
in original! gehorsamst beigefügte, zwar von dem Rath Jena mit wenig 
oder keinem einigen sonst gewöhnlichen Reverential- und Submissions- 
termino versehene chnrfurstliche Antwort erfolget') und obzwar selbige 
sich nicht eben auf alle meinen Puncten specialiter extendiret, berührt 
sich doch in specie die Substanz insoweit, dass S. Ch. D. dermalen, wie 
matmassenlich auch fürohin, zu einer persönlichen Zusammenkunft schwer- 

Ueber die Verbandlangen zn Prag Urk. n. Act IV. 915 ff.; Erdmannsdörffer 
Waldeck 93f. 

>) Das Original dieser Antwort d.d. Colin a. d. Sp. 13./23. Mai 1680 liefet bei. 
Der wesentliche Inhalt lautet: Der öble Zustand des deutschen Reichs seit dem Ab- 
schlüsse des nimwegischen Friedens ist nicht zu leugnen. Der Kurfürst mochte dem 
Kaiser gerne rathen, wie eine Besserung zu erzielen; da er aber bedenkt, was für 
einen schlechten Ausgang die Sache genommen habe, als das ganze Reich in bester 
Lage sich befunden, muss er Anstand nehmen jetzt etwas zu sagen, wo die Deutschen 
nicht geröstet, Frankreich aber an den Grenzen gerüstet und zum Kampf bereit stehe. 
Ob die vom Kaiser gewünschte Versammlung dem Reiche die nöthige Sicherheit bringen 
werde, wird der Erfolg zeigen; dass Frankreich etwas gegen die Versammlung haben 
werde, so lange dieselbe über des Reiches Wohlfahrt und Ruhe berathe, bezweifle er. 
„Soviel Ir. Ch. D. wissend, gebe Frankreich für, dass dasienige, was es thäte, demselbigen 
aus denen Friedenschlüssen gebührete und würde es dahero vor allen Dingen auf eine 
Untersuchung und auf den Verstand und Interpretation dieser Schlüsse ankommen.*' 
Mit einer Versammlung in Regensburg oder in einer anderen Stadt ist der Kurfürst ganz 
einverstanden. »Wann auch l'. Ch. D. Zustand also beschaffen, so wollten sie sich 
gleichfalls an beliebten Ort und auf gesetzte Zeit einfinden; dieweil aber bekannt, 
wie sie sich befindeten und dass die Beschwerungen mit denen Jahren nicht ab- sondern 
zunehmen, so wurden I. K. M. sie wohl entschuldiget halten ; sie erboten sich jedennoch 
dahin die Ihrigen abzuschicken und dem heiligen römischen Reich ihren Rath nicht 
zu entziehen. ... I. K. M. möchten versichert sein, dass I. Ch. D. sich von dem Reich 
zu separiren oder zu trennen nicht begehrten. I. Ch. D. lebeten der Hoffnung, es 
würden 1. K. M. in Frankreich, wann deroselbigen alles mit gehörigen Umständen vor- 
gestellet, sich nach dero weltbekannten Generosität dergestalt erklären, wie es recht 
wäre, die Friedenschlüsse es erforderten und wie es mit derselbigen Gloire und ver- 
sicherten Intention, die Christenheit in Ruhe und Friede %u lassen und zu erhalten, 
übereinkäme und allerdings gemäss wäre**. Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 5. 



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938 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feh. 168 • 

lieh sich bequemen, sondern durch ihre ministros erscheinen wurden. E^i 
wird auch vorgehende meine allerunterthänigste Relation mit mehrerm 
ergeben haben, dass die vornehmste ministri den Churfursten gleichsam 
in der Neutralität und dahin zu halten suchen, damit, wie selbiger sich 
auch mehrmalen mündlich gegen mich expliciret, er in nichten der erste 
sich erklären möge. 

Was sonsten der Churfürst öfters von sich zu vernehmen gegeben, 
er warne gleichsam E. K. M. um mit der Krön Engelland sehr behutsam- 
lieh umzugehen, solches will mich fast bedunken, und zwar aus unter- 
schiedlichen Umständen, es seie nur zum Vorblatt angesehen, um äusser- 
lich durch solche angemasste Beisorg auch sein Verfahren zu iustificiren, 
da er doch vielmehr im innerlichen verlangen mag , dass E. K. M., die 
Krön Spanien, wie auch die Generalstaaten mit Engelland eintreten und 
schliessen, er, der Churfürst, aber dadurch seine Mesures nachmal ausser 
der Gefahr desto gewisser zu nehmen die Gelegenheit habe. Im übrigen 
wird der Buchstab mehrgedaehter Antwort darlegen sie sei dergestalt 
auf Schrauben gesetzet und verfasst, dass man kecklich sie an Frank- 
reich zeigen und ein oder ander solcher Partei anhängiger churfarst- 
licher Minister sich noch dadurch bei selbiger Krön ein meritum machen 
möchte . . . 

Es hat mir sonst der Churfürst zu vernehmen gegeben, welcher- 
massen Churheidelberg sich abermal und zwar mit einem Mägdlein ge- 
meinen Stands trauen lassen^), anbei die Sachen dahin antrage, damit 
auf den Fall der Churprinz ') ohne männliche Succession verfallen sollte, 
sein aus deren von Degenfeld erzieleter ältister Sohn zu der Chur und 
Pfalz gelangen möge, deme er auch zu solchem End die Gouvernementen 
seiner Platz und mehr andere Gewalt eingeräumet haben und zu Behuf 
und Mantenirung dessen allen französische Protection suchen solle*). 

Von Fürst zu Anhalt habe auf beschehene Anfrag, im Fall der 
König in Frankreich dieses Jahr das Reich unangegrifiFen lassen, seine 
Waffen aber nach Italien wenden sollte, ob alsdann der Churfürst dazu 
still sitzen und Frankreich zu seinem Vortheil agiren lassen wollte, dieses 
in Antwort und engem Vertrauen erhalten, dass, da Frankreich seine 
Conquesten ausser Reichs suchen würde und dabeneben dies Orts, um sich 
neutral zu halten, Geld offeriren, er, der Fürst, selbsten der Meinung 

Das Fräalein von Bernau. Vergl. Hänsser, Geschichte der Pfalz II. 686. 

») Karl. 

5) Vergl. Häusser 1. c. 684 ff. 



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Des Kurforsten Erkl&rangen bezaglicb Englands. Southwell. 939 

sein musste, es wurde der Churfiirst besser sich in selbige Krieg keines- 
weges eiDmischen, soDdern in Ruhe zu verbleiben suchen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 2. Juni 1680. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit Anhalt aber die Lage der Dinge. Bemühungen Rebenacs. 
Erklärungen Southwells über Englands yoraussicbtUches Vorgehen.] 

Der Fürst von Anhalt bittet Lamberg, nicht offen mit ihm so viel za ver- 2. Juni, 
kehren, weil das ihm schaden und dem Kaiser nichts nützen könne. Im 
geheimen wolle er für Gestenreich thätig sein, habe den Kurfürsten auch 
gesprochen, aber fest gefunden, dass ohne Realität, in specie ohne eine 
Verfassung an Seiten E^ K. M. . . . ein mehrers verlässliches, als was von 
ihme bereit geschehen, nicht zu gewarten sein werde. Es gehe auch 
der Ruf, dass mit E^ K. M. Particularinstruction der Markgraf von Baden 
in kurzem sich allhie einfinden wurde'). Wofern aber selbiger nicht 
Realitäten mit sich bringe, wollte er, Fürst von Anhalt, nicht dazu ein- 
gerathen haben, weilen man es nur für Amüsements ansehen und auf- 
nehmen würde. Wohl aber gelangten E^ E. M. anietzo zweifelsohne 
baare Mittel und damit die Commodität in die Hände wegen Jägern- 
dorf etwas wirkliches zu demonstriren, so den Churfürsten zu einer ver- 
länglichen Erklärung grösslich animiren würde. Der französische Gesandte 
gibt dem Kurfürsten gute Versprechen für den Fall, dass er sich nicht mit an- 
dern Mächten verbinde. Der englische Gesandte erklärt dem Grafen Lamberg, 
weilen hiesiger Hof die offerirte Zusammensetzung und Allianz nicht 
amplectiren wollen, nach dessen Exempel auch von denen andern Reichs- 
fürsten sich desfalls nichts zuverlässig und verlängliches zu versprechen 
sei, als hätte Engelland resolviret die Mesures seiner Sicherheit in parti- 
culari und für sich selbst zu nehmen, welches um so viel leichter und 
fürdersamer geschehen werde, weilen sich nunmehr daselbst alles zu 
einer vollkommener erwünschten Einigkeit schicke und anlasse. 



Markgraf Herrmann von Baden kam in der Tbat bald darauf nach Berlin. 
Für seine Mission daselbst Puf. 1. c. XVlll. 6. 



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i^uiijuci^ üu ucii rvciiuci. um, i3t;riiii v. oixni lvov. \yJi'J 

[Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über die allgemeine Lage. Des letzteren 

Betheuerung nach keiner Seite hin gebunden zu sein. Gute Erklärungen des ban- 

noveranischen Vertreters Schmidt. Ansicht der brandenburgischen Räthe über die 

Zweckmässigkeit der Beilegung der jägemdorfischen Differenz.] 

0. Juni. In der Streitfrage zwischen Brandenburg und Braunschweig bezuglich 

Borkums erklärt der Kurfürst mit dem Rechtswege einverstanden zu sein, 
nur bitte er, dass mit Rücksicht auf die Verhältnisse nicht die Justiz etwan 
der Politika Platz mache. Da Lamberg den Kurfürsten in guter Stimmung 
findet, bringt er den Discurs auf die gegenwärtige Lage, thut auch der 
Friedenscontraventionen Frankreichs Erwähnung *). Ich habe wohl ab- 
nehmen können, dass dieselbe sich so gut ia fast besser als dies- 
seiten von solchem allem informirt hielten und die französische Un- 
befugnus erkennten; wüssten sich aber ohne Gefahrbesorgung dero ia des 
allgemeinen gänzlichen Untergangs nicht also zu resolviren, wie sie 
sonsten zu thun sich erzeigten, dafern dasjenige zu Werk gerichtet wäre, 
was sie bereit mehrmalen an die Hand gejjeben und man in einer Postur 
stünde, worinnen man sich ohne so augenscheinliche Gefahr declariren 
könnte. Ich nähme dannenhero Anlass etwas freier doch mit gebühr- 
lichem Rospect meine Gedanken fürbrechen zu lassen, dass nemlich 
allem Ansehen nach die so hoch erwünschte Declaration an Seiten des 
Churfürsten für den Tag nicht ehe kommen würde, bis die für Pommern 
von Frankreich versprochene 300 000 Reichsthaler in Sicherheit ge- 
bracht'), worauf der Churfürst unverlangt widersetzet: Er sei an 300000 
Reichsthalcr nicht gebunden, wüsste sich auch auf allen Fall deren zum 
Theil zu erholen, allermassen des französischen Residentens zu Hamburg 
Sohn, Baron de Bidal, von dem General Derfflinger in den Ländern über 
der Oder eine Herrschaft gekauft, die ihme, Herrn Churfürsten, bei Zu- 
rückbieibung der versprochenen Gelder an Abschlag an der Hand sein 
würde; Bidal aber sich zu Paris könne indemnisiren lassen. Wie deme 
allem, so sage er, Herr Churfürst, noch und abermal, versicherend und 
betheurend, er seie weder mit Frankreich noch anderwärts engagirt, son- 
dern allerdings frei und ungebunden und werde sich vom Reich nicht 
trennen. Der hier anwesende hannoveranische Gesandte, Schmidt, gibt Lam- 
berg die Versicherung, dass das ganze braunschwcigische Haus die besten Ge- 
sinnungen hege und dem Kaiser, wenn er sich in Waffen setzen wollte, gerne 



^) Vergl. die Erklärungen des Kaisers an das Reich bei Pachner von Eggenstorff 
1. c. II. 242 ff. u. a. 0.; Londorp XI 45 ff.; Diarium XLIV. 86 ff. 

^ Nach dem Vertrage von St. Germain en Laye; Morner 1. c. 411. 




Unterredung Lambergs mit dem Kurförsten. Jägerndorf. Allianz mit England. 941 

folgen wurde. Mehrere brandenburgische Minister machen Lamberg darauf 
aufmerksam, wie nützlich die Beilegung der jägemdorfischen Streitfrage den 
allgemeinen Verhältnissen werden könnte. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Juni 1680. (Or.) 

[Des Kurfürsten abiebnendes Yerbalten bezüglich einer Allianz der Reicbsstände mit 

England.] 
Dem kaiserlichen Befehle entsprechend hat Lamberg dem Kurfürsten die 19.Jani. 
Eroffnang von einer kaiserlichen nach Engellaod vermeinten Schickung 
gethan^) und als der Herr Churförst darüber bei seinem mehrmaligen 
Erinnern sich mit selbiger Krön nicht zu praecipitiren bestanden, ich 
aber dieienige Grund, so E^ K. M. Befelchschreiben mir an die Hand ge- 
geben, . • . mit mehrerm eingewendet, beriefe sich der Churfürst nochmal 
auf die Prorogation des Parlaments'), welche mit des Königs in Engel- 
land angerühmter guter Intention allerdings nicht einstimme; ich aber 
versetzte, E'. K. M. Vorhaben sei eben nicht so gar eilig fortzuschreiten; 
auch wann gleich endlich solche Allianz dem Reich nicht fruchten, sie 
wenigst auch nicht schaden und selbiges gleichwohl sich eigener behöriger 
Schntzung zu bedienen haben wurde, auch zu Benehnrang so hoch be- 
sorgter Jalousie bei Frankreich das foedus gegen niemand specialiter be- 
namten, sondern in genere als eine Defensivallianz eingerichtet werden 
könnte; verbliebe der Herr Churfürst darauf, dass bei allen solchen 
Umstanden es danooch sicherer wäre, bis das Reich in Verfassung stünde, 
noch etwas innen zu halten. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Jnni 1680. (Ant.) 

[Friedrich Wilhelms Ansicht von dem Plane Dänemarks gegen Lübeck und über die 
Politik Englands. Beriebt des Kurfürsten über seine Unterredung mit Rebenac wegen 
des gesetzwidrigen Vorgebens Frankreichs im Elsass und am Rhein. Vorsichtsmass- 
regeln, welche der Korfarst für die Anwesenheit des Markgrafen von Baden in Berlin 

▼orschlägt] 

Aus allerunterthänigster devotion sowohl, als S'. Ch. D. absonder- 19. Juni, 
liehen ersuchen, finde mich gehalten folgendes £^ K. M. a parte aller- 
unterthänigst zu hinderbringen. Er, Herr Churfürst, habe die gehaimbe 
sichere nachricht, die dänische demarches seyen angesehen auf die Reichs 
Statt Lübek, welches gleichwie es so wänig zu E^ E. M. als sein Chur- 



') Gemeint war der Graf Franz Sigismund Thun; Klopp 1. c. II. 253 ff. 

^ Das Parlament war am 27. Mai 1679 prorogirt worden. Ranke 1. c. V. 256. 



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felch anlangen, wesen Er sich solchen fahls würde zu verhalten haben. 
Die Englische negotia betrefend, habe ihne der Conte de Rebenac ein 
originalschreiben eines Ministri zu Paris in cifris aber mit obstehender 
decifrirung lesen lasen, inhalts; das band zwischen denen Königen in 
Frankreich und Engelland seye noch von solchen krefften, dass kein aus- 
ländischer Minister solches schwächen oder den könig zu beruefung des 
Parlaments bringen würde. Er, Churfürst, halte den Rebenac nicht ca- 
pace solches schreiben aus einer politischen finesse erdicht zu haben 
und ob mann^ wie ich anführte, glauben wolte, es seye solche finesse zu 
Paris geschmidet, so stelle Er alles diseitiger willchur anhaim; schlose 
aber mit disen worten: Herr Graf, Ihr werdet sehen, wie Ihr mit Eng- 
land fahret, gedenket an meine red, wann kein Parlament wird zusam- 
men beruefen sein*). Es vermeldet der H. Churfürst dess ferneren: Er 
habe gegen mehr erwehnten Rebenac wegen dess französischen verfahren 
im Elsas und an dem Rhein sich beschweret und deutlich erkläret, der 
könig mache sich in seinem unbillichen verfahren zum kläger und 
richtern, gehe in allem via facti; werde aber der geringste stand dess 
Reichs darüber umb seine libertät gebracht, so ziehe solche die Seinige 
nach sich, dahero Er gezwungen sein würde, dazu (zu) thun; warauf Re- 
benac versezet. Er gestehe, dass Er seines königs demarches disfahls 
nicht zu verthättigen wise; Es rühre aber alles von dem Louvois her, 
gegen welchen beede Colbert') und andere eine faction formirt, ihne zu 
ruiniren. Er vertrawe solches ihme, Churfürsten, als eine sacb, warauf 
sein, Rebenac, leib und leben stehe, jedoch seye aus tragender devotion 
gegen E. K. M. Er, Churfürst, bewogen worden, deroselben es durch mich 
gegenwertig zukommen zu lasen. Bey discurirung über dess Margrafen 
von Baaden ankunfft und negotiation fiele der Berr Churfürst von selbsten 
auf die gedanken, umb Frankreich keine Jalousie zu machen werde 
nöthig sein dem werk einen euserlichen praetext zu geben, warzoe Er 
nichts tauglichers finde, als den mit der Ottomannischen Porten allge- 
mach zu end lauffenden stillstand, als wardurch E. E. M. bewogen seyen 
sich wider allen Türkischen anfall umb hülff bey denen Standen umb 
zu thuen. Desswegen Er auch auf dess Rebenac unfehlbahres anfragen, 



Diese Stelle abgedruckt bei Klopp, 0., Geschichte des Falles des Hauses 
Stuart II. B. Anhang 472. Vergl. eb. 249 ff. 

^ Der berühmte Finanzminister Jean Baptiste Colbert und sein Bruder Colbert 
de Croissy, seit 1679 Minister der auswärtigen Angelegenheiten. 



Des Kurf. Verhaudlungen mit R^benac. Markgraf von Baden. 943 

was dess H°. Margrafen anherokunfft bedeutet oder nach sich ziehe^ 
schärzweis zu verstehen geben will, dass hochermelter eine Carta bianca 
allbeliebiges mit dem Churfürsten einzugehen mit sich bringe, bey 
weitem dessen anhalten aber wolle Er solchen den erstangeführten Tür- 
kischen praetext anhenken; ia Es würde vileicht nicht auser weeg sein, 
dafem E. K. M. bey dem König in Frankreich umb eine dergleichen 
assistenz wnrklich negotiren liese, umb selbigen dardurch zu amusiren. 
Im übrigen aber bezeugte Er, Herr Churfürst, wie sonderbahr Er vor 
gatt befinde, dass E. K. M. durch ermelten Margrafen das vorhabende 
werk bey denen Standen treiben läse; mann solle nur fortfahren und das 
Reich unter der band in verfasung bringen, damit ein jeder sich nach 
seinem vermögen in postur seze und wann das simplum nicht erkläkich, 
werde mann nachmahl leichtlich zu dem duplo gelangen können. Er seines 
orts stehe berait mit 15 000 man alle augenblük anzuziehen und da der 
zustand dess Reichs ein anderes erforderet, sich demselben in allweeg 
zu proportioniren und zu dem gemainen Interesse alles bey zu tragen, 
was die möglichkeit zutragen würde. Bey volendung dises discurs aber 
ist Er, Churfürst, auf seine an Jagemdorff hafftende praetension gefallen, 
warnber Er wohl dermahleneins ainige satisfaction zu sehen verhoffte')... 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 23. Juni 1680. (Or.) 

[Ankunft des Markgrafen von Baden. Soatbwell bittet um Fortsetzung der Verhand- 
lungen des Kaisers mit dem Könige von England.] 

Ceremonialfragen verzögern die Verbandlungen des hier eingetroffenen Mark. 23. Juni, 
grafen von Baden >). 

Der englische Gesandte bittet Lambeig dem Wiener Hofe zur Fortsetzung 
der Verhandlungen mit dem englischen Konige zu rathen^). Lamberg hält die 
Erklärungen desselben für aufrichtige. 



1) Vergl. Puf. I. c XVIII. 8. 

2) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 6. 

*) üeber die österreichisch-englischen Beziehungen und die Gründe der Ver- 
zögerung der Abreise Tbuns vergl. Klopp 1. c. 11. 266. 



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944 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

Der Kaiser an Lamberg. Dat Pardubitz 26. Juni 1680. 

(Conc.) 

[Schilderung des feindseligen Vorgehens der Franzosen. Nothwendigkeit der Abwehr. 
Forderung einer bestimmten Erklärung seitens Friedrich Wilhelms. Nachrichten über 
England, Braunschweig, Münster. Reichstag; persönliches Erscheinen auf demselben. 
Generalat. Streit mit Braunschweig bezüglich Borkums. Jägemdorf. Vorschlag einer 
dänisch-brandenburgischen Allianz mit Einschluss des Kaisers.] 

26. Juni. Nach dem Votum der Conferenz vom 21. Juni 1680 wird Lamberg vom 
Kaiser aufgefordert, nach Danksagung für des Kurfürsten gute Erklärungen, fol- 
gendes vorzubringen: Wasmassen zu wünschen gewesen wäre, das8 die 
Eron Frankreich mit deme, was ihro der nim wegische Friedensschluss 
eingeräumt, sich gütlich vergnügt und nicht, wie bekannt, sothanen Frie- 
den so vielfaltig infringirt hätte, auch je länger, ie weiters um sich 
greifen und die Stände des Reichs ohne einigen Respect auf Chur- und 
Fürsten dergestalten eigenmächtig drücken thäte. Obwohln wir nun zu 
diesem Ende die hiebevor von besagten Ständen eingelangte schwere 
Klagen dem an unserem kaiserlichen Hof gewesten königlich-französi- 
schen ministro Vitry schriftlich zustellen lassen, der gänzlichen Zu- 
versicht, es würde gebührende Abheifung erfolgen, alles in Ruhestand 
verbleiben und dasienige beobachtet werden, warzu selbige Eron in Eraft 
vorberührten nimwegischen Friedenschlusses verbunden wird; so habe 
aber ernannter Vitry sich mit deme, dass er zu Änhör- oder Annehmung 
dieser Reichsgravaminum nicht befelcht seie, entschuldigt; auch ob er 
schon endlichen solche angenommen und seinem Herrn eingeschickt, dan- 
noch nachgehends vorgewendet, dass ihme darauf einige Antwort nicht 
zukommen; nicht weniger werde man mit dem Verjus^) zu Regensburg 
zusammenzutreten und dergleichen zu ahnden deswegen verhindert, dass 
derselbe sich zu legitimiren unterlasse, benebens unserem nacher Paris 
destinirten Abgesandten, dem Grafen von Mannsfeld, der Pass und Zutritt 
an selbigen Hof unter immerwehrendem Vorwand der Contagion und 
ungeachtet derselbe in 7 Wochen allbereit sich in einem ganz gesundem 
Ort als Augsburg eingefunden und also den terminum der Quarantena 
längstens erfüllet wider aller Völker Gewohnheit difficultirt, zweifelsohne 
alles nur zu dem Ende, damit man diesseits an weiterer Remonstrirung 
oberwähnter Beschwerden gehindert werde, des Eönigs L^*°. aber Zeit 
gewinnen in ihren bisherigen sich täglich vermehrenden ohnbilligen 6e- 



^) Louis de Verjus, Graf von Creci, der bekannte Gesandte Frankreichs in Ber- 
lin, dann in Regensburg. 



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Vorgeben zur Franzosen. Vorschläge der Abwehr. 945 

waltthaten am so viel freier zu verfahren und die Thor zu gütlicher 
Abhandlung allerdings zu sperren*); wie dann nicht aliein der Anschluss 
zeigete auf was Weise in den churpfalzischen Landen ganz eigenthätig 
verfahren wurde*), sondern anbei unterschiedlicher Orten, ia in Strass- 
burg Selbsten^ geglaubet werden wolle, dass man französischerseits einen 
Anschlag auf selbige Stadt habe und solche hinweg zu nehmen trachte, 
bei welchem Erfolg der ganze obere Rheinstrom verloren gehen, die 
negstgelegene Chur- und Fürsten sich unter französisches Joch ergeben 
und selbiger Discretion leben müssten; demnach der Schluss leichtlich 
zu machen seie, dass sie von diesem ihrem ambitiös- und unersättlichem 
Vorhaben so schlechter Dingen abzuweichen gar nicht gemeint; wie wir 
uns aber dabei unsers obhabenden kaiserlichen höchsten Amts und be- 
schwomen Wahlcapitulation gar wohl erinnerten, also befindeten wir 
auch, dass dem Werk also stillschweigend und . mit gebundenen Händen 
länger zuzusehen fast unverantwortlich falle und hätten uns dannenhero 
beständig entschlossen unsere vorhin auf den Beinen habende Mannschaft 
dergestalten zu recrutiren und zu verstärken, dass wir einen ansehn- 
lichen exercitum von 30—40000 Mann in's Feld zu stellen vermögen 
wurden, nicht zwar in der Meinung dardurch zu einem neuen Krieg 
Anlass zu geben, zumaln wir die Vergiessung so ohnschuldigen Christen- 
bluts scbeueten, sondern blos und allein um sowohl das heilige römische 
Reich bei seiner deutschen Libertät und Ruhestand gegen alle sich ab 
Oriente oder occidente hervorthuende Feinde kräftiglich zu schützen, als 
einen jeden getreuen Stand desselben bei dem Genuss mehrangezogenen 
nimwegischen Friedensschlusses mit Nachdruck zu manuteniren. Wann 
uns aber das Werk allein ohne anderwerte Beitretung anzugehen nicht 
wohl zugemuthet werden könne, so setzten wir zu des Churfürsten von 
Brandenburg L***". das feste Vertrauen, sie würden einiges weiteres Be- 
denken nicht haben sich nunmehro positive zu erklären, was für eine 
Anzahl Eriegsvolks sie auf den Nothfall hinzuzustossen gedächten, auch 
wo und auf was für Zeit man sich der Coniunction zu versicheren habe. 
Im übrigen wird dem Lamberg aufgetragen dem Brandenburger mitzatheilen, 
dass Baiem sich schon zur Stellung von 4000 Mann zu Fnss und 1500 Mann 
zu Pferd bereit erklärt habe und noch mehr verspricht und um Geheimhaltung 
der ganzen Angelegenheit zu bitten. Ueberdies soll Lamberg den Kurfürsten 
ersuchen, seine Rathschläge wegen Ordnung der Reichskriegsverhältnisse zu 

') Vergl. Klopp 1. c. IL 324. 

^ Vergl. H&osser 1. c. II. 639 ff. ; für die Klagen des Pfölzers an das Reich, Pachner 
Ton Eggenstorff 1. c. II. 250ff.; Theatrum Europ. XII. 134ff.; Londorp I. c. XI. 66 ff. 

Mater, s. G«tch. d. O. Karfüraten. XJV. 2. 00 



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946 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feh. 1680— Feb. 1682. 

geben, demselben Mittheilang von dem Allianzanerbieten Englands durch den Ver- 
treter dieser Macht in Wien, Shelton, und von der beabsichtigten Sendung Thans 
nach London machen <) und versichern, dass der Kaiser dem Kurfürsten von dem 
Erfolge dieser Mission Kunde geben wolle. Können im übrigen nicht wohl ab- 
sehen, warum des Königs in Engelland L^«"., wann selbige andersten mit 
dem Parlament verglichen, (allermassen an uns dessentwegen von vor- 
nehmen Orten unterschiedliche gute Versicherungen beständig einlaufen) 
nicht zu trauen sein solle, sondern dienen uns die zwischen dir und 
selbigem ministro') sowohl als dem fürstlich Braunschweig -Lünebur- 
gischen vorgeloffene Discurs zu guter Nachricht. Dass der Bischof von 
Münster 3) sich mit Frankreich in ein Bündnis einzulassen denke, dürfte nicht 
richtig sein, da der Bischof dem Kaiser eine Allianz habe antragen lassen. 
Der Kaiser hofft, Brandenburg werde sich auch ferner mit Frankreich in keine 
Allianz einlassen. 

Soviel die persönliche Zusammenkunft betrifft, müssen wir fast auch 
der Meinung sein, wann man erst in rechter Postur stehe, dass man 
alsdann auf dem Reichstag oder anderer Orten desto sicherer erscheinen 
und freier votiren könne, warüber wir uns nach unserer Ankunft zu Linz 
eines weiteren entschliessen wollen und wäre inmittelst zu melden, weiln 
wir mit Chur- und Fürsten zusammen zu kommen verlangten, theils aber 
in Betrachtung der französischen Bedrohungen oder der Contagion hal- 
ber*) zu erscheinen abgehalten werden dörften, dass der Zeit das Werk 
noch etwas Anstand leiden müsste, gleichwohln dahin zu gedenken seie, 
dass nicht etwan unterdessen der Reichstag aufgebebt, sondern offen und 
die Stände bei einander gehalten . . . würden, damit man auf erheischen- 
den Nothfall daselbst den punctum securitatis publicae anzugreifen und, 
wo möglich, in einen verlässlichen Stand einzurichten nicht gehindert 
werde. Sollte dann von P. L***°. wegen des Generalats über die Armada 
ichtwas weiters angebracht werden, so hast du darauf zu bedeuten, dass 
davon bei künftiger Erörterung der quaestionis quomodo zu reden sein 
würde. . . . Betreffs Borkums kann Lamberg neuerdings erwähnen, dem 
Kurfürsten werde sein Recht werden; der von Frankreich versprochenen 
300 000 Reichsthaler soll Lamberg keine Erwähnung mehr thun, . . . herent- 
gegen kann dem secretario Fuchs in der jägerndörfischen Sachen be- 
deutet werden, wann bei uns L L. dero Praetension förmlich anbringen 

') Vergl. über die Stellung des Kaisers- zu England Klopp 1. c. IL 242 ff., 253 f. 

2) Southwell. 

^) Ferdinand II. von Färstenberg. 

*) Vergl. Pachner von Eggenstorff I. c. IL 248 f. 



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Friedrieb Wilhelms Er8€beinen auf dem Reichstage. Des Kaisers Erkl&rangen. 947 

mögtOD, 80 worden wir diesfalls ein Uebriges thun und ihro, soviel die 
Mittel zaliessen, an Hand gehen. Und dieweiln aus oberwähnten deinen 
Relationen so viel abzunehmen, auch sonsten leichtlich zu erachten ist, 
dass es sich hauptsächlich an dem stossen dörfte, dass I. L. dero Völker 
nicht wohl ehender anziehen lassen, oder aus dem Land schicken wer- 
den, sie haben dann vorderist den Rücken frei und die Versicherung, 
dass die &on Schweden und andere benachbarte still sitzen und wider 
sie nichts feindseliges anfangen würden, als hast bei P. L. du den Vor- 
schlag zu thun, ob sie nicht dem Werk vorständig zu sein erachteten, 
wann zwischen des Königs in Dänemark L<^. und ihro ein Bündnus ge- 
schlossen und von deroselben bei des Königs L"*^". der ungesäumte An- 
trag... geschehen mögte, auf dass wir mit eingenommen würden, bei 
welchem Erfolg etwan die Krön Schweden, wo nicht zu diesseitiger Bei- 
tretung, wenigstens zu Eingehung einer Neutralität zu disponiren wäre. 
Dienet dir zur Nachricht, dass wir nicht weniger über dieses beeder 
Churfürsten zu Bayern und Sachsen L.L. sentimenti in engem Vertrauen 
durch unsere der Orten anwesende ministros einholen lassen, auch den 
Grafen von Thun dahin instruiren, des Königs in England L**^. zu ver- 
mögen, auf dass sie nachdrückliche officia zu gleichem Ende zu interpo- 
niren sich beliebeten. 

Was negst diesem die von des Churfürsten zu Brandenburg L***°. 
an die Generalstaaten annoch praetendirende rückständige Subsidien an- 
langt, hast du dich hierin als einer uns nicht angehender Sachen passive 
und uns ausser allem impegno zu halten. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 30. Juni 1680. (Or.) 

[Abreise des Markgrafen yon Baden nach Hamburg. Lambergs Ansicht über das 
Verbiltnis Brandenburgs zu Frankreich. Ablehnende Haltung des Kurfürsten gegen- 
ät>er dem Plane einer Einigung mit England. Unterredung mit Jena aber die Reichs- 
sicherheit und aber die ungarischen Verhältnisse. Klagen Jena's und des Kurfürsten 

über Spaniens Vorgehen.] 

Der Markgraf von Baden ist nach Hamburg gereist; der Kurfürst hat 30. Juni, 
demselben verschiedene Wege vorgeschlagen, auf denen die Sicherheit des 
Reiches zu erhalten sein werde. Nach des Markgrafen Rückkunft wird 
weiter darüber berathen werden. Inmittelst lässt sich der Herr Churfürst 
sehr angelegen sein die ruckständige 300000 Reichsthaler von Frank- 
reich einzubringen, zumalen auf Anliegen der Frau Churfurstin deren 

60* 



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948 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

ältestem Prinzen ^) solche Summa unter anderm zum Apanage vermeinet 
ist. Frankreich entgegen, dessen allen wohl kundig, trachtet den Herrn 
Churfursten vielmehr zu amusiren, wozu dann allem Ansehen nach der 
wegen der Herrschaft Wiedenbruch, so im Pommern gelegen und dem 
Baron Bidal zuständig ist, auf die Bahn gebrachte Kauf zum Mittel 
dienen musss, massen solcher Bidal nachmals detracta larva sagen kann, 
er wisse sich des in Frankreich angewiesenen Eaufschillings nicht zu 
versichern, womit er sodann den Praetext nehmen wird den Kauf ab- 
zubrechen. Der Kurfürst, den Lamberg für die von englischer Seite angestrebte 
Einigung zu gewinnen sucht, erklärt die Sache sei jetzt noch nicht seinem 
Interesse entsprechend. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Beriin 7. Juli 1680. (Or.) 

[Erklärungen des Kurfürsten bezüglich puncti securitatis. Kälte des Kurfürsten gegen- 
über Soutbwell.] 

7. Juli. Der Kurfürst erklärt bezüglich puncti securitatis , Lamberg möge den 

Kaiser im Namen des Kurfürsten ersuchen; Sie wollten geruhen |: seinen 
desfalls gethanen Vorschlag in Erwägung zu ziehen, keinen Augenblick 
müssig vorbei zu lassen, dero commissarios an die Kreise abzufertigen 
und in dem Vortrag sich keinesweges von der quaestione an? behindern 
zu lassen, sondern alsbald auf den modum der Bewerkstelligung zu fallen, 
wobei der Churfürst als in einem und andern Kreisausschreibender Fürst 
seines Orts sich also bezeigen wollte, wie es einem gegen E. K. M. de- 
voten und über des Reiches Ehr und Wohlfahrt eiferenden Churfursten 
zukomme :|. Unter hiezwischen gekommener Tafel, da auch der eng- 
lische Minister sich zur Stell befände, zeigte der Herr Churfürst sich 
eines absonderlich wohlgestellten Gemüths, erwähnte eines von papst- 
licher Heiligkeit an den König in Frankreich für etlich Monaten erlassen 
Schreibens^); befahle uns solches zu communiciren und Hesse über dessen 
Inhalt und dass gegenwärtiger Papst') die Coufidenz hätte diesem König 
in so resolvirten terminis zuzuschreiben eine sonderbare Vergnügung und 
Estime blicken. 

Die nach der Tafel gegen den Herrn Churfursten von uns beiden 



*) Markgraf Pbilipp. 

») Vermutlich das Breve vom 27. Dec. 1679. Vergl. Ranke, Gesch. der Päpste 
III. 113. 

^ Innocenz XL Vergl. Ranke, Gesch- der Päpste 6. Auflage III. 111 ff. 



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Brandenb.-franzos. BeziebuDgen. Verbandlungen Lambergs mit dem Eurf. u. Jena. 949 

zugleich angelassene Discursen fährten mich von selbsten auf die mit 
Engelland getroffene spanische ') Allianz, über welche aber bei dem Herrn 
Churfnrsten eine so deutliche Kaltsinnigkeit sich äusserte, dass der eng- 
lische Minister bei der Rückkehr eine merkliche Bestürzung und wie 
wenig Hoffnung er mehr übrig habe etwas fruchtbarliches in seiner hie- 
sigen Negociation zu verrichten von sich gestellet, zumalen auch alle 
chorfurstliche ministri solche Zeitung von ihm mit gleichmässiger In- 
differenz angehöret hätten. Der Kanzler Jena, mit welchem Lamberg am fol- 
genden Tage spricht, gibt betreffs des Punktes der Pienipotenz des Veijus an das 
Reich die besten Versicherungen bezüglich des vom Karfürsten geplanten scharfen 
Vorgehens in dieser Sache. Dann kommt Jena auf den punctum securitatis zu 
sprechen {:und recommendirte stark den ab Electore an Hand gegebenen 
modum unverlangt zu amplectiren und dieses mit solchen terminis, dass 
ich nicht zweiflen konnte, vorgeführter des Churfürsten Discurs wäre 
aus dieses seines Canzlers Mund gezogen. Selbiger fragte mich sodann, 
wessen man sich auf die geschöpfte Resolutionen des Hofs zu verlassen 
hätte. Ich wendete hierüber alle gute Versicherung ein und eröffnete, 
was mir Pflicht und Treu halben zugelassen sein wollte, welches er mit 
diesen Worten versetzte „das Werk werde den Meister loben und kein 
Augenblick mehr zu versäumen sein**. Er bewunderte ferner höchlich, 
dass das ungarische Unwesen noch auf kein verlängliches Ort zu bringen 
und hielte dafür, dass gleichwohl solches aus dem Weg zu räumen bei 
diesen Coniuncturen sehr vorträglich sein würde, wann auch gleich E^ 
K. M. allerhöchste Autorität etwas dabei zu leiden scheinen sollte, an- 
gesehen solches geschehen würde dem König in Frankreich selbige Di- 
version zu benehmen, massen durch dessen Fomentation die rebelies 
weit mehr als aus eigenem Willmut bei ihrer Hartneckigkeit unter- 
halten würden und was diesmal um der übelen Zeit willen E. K. M. 
ihnen nachsehen möch^, solches könnte bei erfolgenden besseren Jahren 
redressirt werden. 

Jena, wie der Kurfürst selbst, beklagen sich über Spaniens Vorgeben, das 
noch immer die Satisfaction der Restanten nicht leiste, so dass des Kurfürstep 
Minister nach 3jährigem Aufenthalte in Madrid unverrichteter Dinge nach Hause 
zu kehren genöthigt worden sei ^). 

>) Klopp l. c. II. 255. Der Vertrag vom 10./20. Juni 1680 abgedruckt bei Du 
Mont I.e. VII., 2 ff. 

«) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 10; Droysen I. c. III., 710. Der brandenburgische Ge- 
sandte in Spanien hiess Roucq. 



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950 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

Laraberg an den Kaiser. Dat. Berlin 24. Juli 1680. (Or.) 

[Des Kurfürsten Antwort auf die ihm von Lamberg nach der Weisung vom 26. Juni 
gemachten Erklärungen, insbesondere bezüglich Dänemarks, Braunscbweigs und der 
Pfalz. Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über die gegen Frankreichs Aus- 
schreitungen einzuschlagenden Wege. Unterredung Lambergs mit Jena über dieselbe 
Frage. Des Kurfürsten Entscheidung in der englischen Angelegenheit.] 

24. Juli. Lamberg theilt dem Kurfürsten den Inhalt der Weisung vom 26. Juni 

mit*). Dieser verspricht weitere Berathangen pflegen zu lassen. Zwar 
die Krön Dänemark belangend, Hesse er sich alsobald in familiari 
discursu vermerken, dass dero Botschafter zu Paris mit Frankreich in 
Handlung befangen, solches auch von allhiesigem ministro Ahlefeld be- 
kräftiget würde und machte es ihme nicht wenig Gedanken, was es doch 
nach sich ziehen dörfte, dass der König in Dänemark auf franzosische 
Interposition im Begriff stehe gegen den Herzogen zu Gottorp sich nun- 
mehr freundlicher anzulassen und zu vergleichen'). So stünde er, der 
H. Churfürst, auch an, was das Haus Braunschweig eigentlich im Schild 
führe'), angesehen, wie die genannte Nachricht eingeloffen und er mir 
in Vertrauen gemeldet haben wollte, der Herzog zu Celle *) so ungemeine 
contestationes an Frankreich thun lassen, auch nunmehr mit seinen Brü- 
dern, dem Herzogen zu Hannover^), in sehr gutem Vernehmen stünde, 
welches etwas nachdenkliches in sich führen müsste, deme jedoch auf 
allen Fall, so es praeiudicirlich sein wollte, vielleicht unschwer zu be- 
gegnen sein würde vermittelst Schweden, welche Eron gegen selbiges 
Haus in einem unglaublichen Hass stünde^) und Hesse sich auch gar wohl 
abnehmen, wie gern der H. Churfürst wegen versagter Passage dessen 
Truppen nach dem Clevischen Revange zu haben die Gelegen finden 
möchte. Es trüge S. Ch. D. ferner der Discurs auf die Meldung, welcher- 
massen Churpfalz ihre die französische unbilliche Verfahrungen schrift- 
lich vorgestellet 0) dero sie mit wenigem antw|prtlich zu verstehen ge- 
geben, es hätte letztbesagter Herr Churfürst sich solches alles selbst bei- 



1) Vergl. p. 945 ff. 

^ üeber das Verhältnis Christian V. zu Christian Albrecht von Holstein-Gottorp 
und über die jahrelangen Streitigkeiten vergl. Puf. 1. c. XIX. 62 ff.; Waitz, Schleswig- 
holsteinische Landesgeschichte, Kiel 1864, 124 ff. 

*) üeber Braunscbweigs Haltung F. L. Maller, Wilhelm III. von Oranien und 
Georg Friedrich von Waldeck I. 56, 68f. 

*) Georg Wilhelm. 

*) Ernst August. 

«) Vergl. Maller 1. c. I. 69. 

Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 17. 



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Verhandlungen Lambergs mit dem Kurfürsten und mit Jena. 951 

xumessen, als welcher gegen alles von hiesigem Hof beschehenes vor- 
sagen und warnen, dass solche Unordnung darab entstehen wurde, dan- 
noch auf dem nimwegischen Friedenschluss bei E^ K. M. und dem Reich 
so stark angedrungen hätte; wodurch ich Änlass genommen R Ch. D. 
zu Gemuth zu fuhren, dass gleichwohl das Werk damit nicht gehoben, 
sondern solche französische Unbefugnussen und Thätlichkeiten es dabei 
nicht bewenden lassen, sondern taglich mehrers anwachsen und hier und 
da bald diesem bald ienem etwas abzwacken, endlich dero clevische 
Land selbst der Gefahr die nächste sein worden, wann man bei solchem 
Unwesen still sitzen und müssig zusehen wollte. Sie versetzten mir 
hierauf, dass sie die Gefahr zwar je länger je mehr erkenneten, sähen 
aber nicht, wie das Werk ohne allgemeinen Reichsconsens möge einge- 
richtet werden. Ich bezeugte, dass solches mit E'. K. M. Gedanken über- 
einstimmig wäre; nur verlangten dieselbe dermalen Bericht einzuziehen, 
was die faruehmere Stand des Reichs auf allen Nothfall zu leisten ge- 
sonnen sein mochten. Ueber welches sich S. Ch. D. nicht in forma, 
sondern nur ad alia transeundo mit deme vermerken Hessen, dass Sil- 
vi US am braunschweigischen Hof die von Engelland angetragene Subsidien 
nur auf Krieges-^ die Herzogen aber auch auf Friedenszeiten wollten 
verstanden haben*). 

Endlich bittet Lamberg um Geheimhaltung seiner Mittheilungen, was der 
Kurfürst verspricht; nur Jena soll Nachricht von denselben erhalten. Jena, 
der darauf mit Lamberg verhandelt und seine dem Kaiser geneigte Gesinnung 
wiederholt betont, erklärt im Namen des Kurfürsten: L Ch. D. bedankte sich 
nochmal vorangefuhrtermassen, wollten mit dero unterthänigsten Devotion 
niemal aus Händen gehen; beklagten dabei höchstens, dass L K. M. in 
Frankreich dergestalt ohne ßefugnus das Reich beunruhigen und ein und 
anderer Churfurst also zur Ungebühr bedränget werde; dass S. Ch. D. 
die dem Reich daher anwachsende Gefahr in völliger Erkenntnus hätten; 
könnten sich aber pro hie et nunc weiter nicht als sie bereit gegen den 
Markgrafen von Baden und mich gethan vernehmen lassen, nemlich, 
wofern E. K. M. und das Reich zu einem Schluss gelangen wurden, sie 
sich von demselben keineswegs wollten absondern. Was aber das quan- 
tum, locum et tempus coniunctionis armorum belange, hätten sie mehr 
Yolks wirklich auf den Beineu als Churbayern und Sachsen beide ver- 
sprochen hätten, mit welchem sie auf allen gäben Fall zur Hand sein 
könnten. Bäten dahero allerunterthänigst, E. E. M. möchten sich mit 



1) Gabriel Silyius; vergl. über seine Mission Müller I.e. 62 f. 



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würde ihro unmöglich fallen sich in ermelton quaestionibus der erste 
positive zu erklären; E. K. M. wollten sich gefallen lassen das Werk 
bei einem und andern Churfürsten zu poussiren und sich deren besser 
zu versichern. Als ich hierauf fürgestellet, wessen sich Chur-Bayern und 
Sachsen gleichwohl resolviret, versetzte er, Jena, dass zwar auch der 
Abt von Banz bereit für einig Monaten allhie mit mir anwesend der- 
gleichen gegen sie angeführet, man habe aber darauf von beiden Höfen 
Erkundigung einziehen lassen und befunden, dass man nicht eben solche 
Particularmeinungen allda führte; würde aber seines Bedünkens das för- 
derlichste sein, dafalls Churbayern von solcher dero gefassten Resolution 
S'. allhiesigen Ch. D. schriftliche Apertur thun würde. So hätten die- 
selbe auch in Erwägung gezogen, dass E'. K. M. petitum wegen der Con- 
junction auf einen Nothfall gerichtet, dieser aber insoweit annoch nicht 
vorhanden sei; dabei E. K. M. dero Armee zu recrutiren und auf 40000 
Mann zu verstärken gewillet, solches aber ebensowohl annoch nicht voll- 
zogen wäre. Als ich ihme hierüber beweglich zu Gemüth geführet, dass 
S. Ch. D. mir nicht ein- sondern mehrmalen zugesagt hätten sich mit 
den andern zu proportioniren , bäte er mich, ich piöchte doch bei P. Ch. 
D. in solchem negotio so gar pressirende Instanz zu thun etwas an 
mich halten, inmittelst aber gleichwohl sehen, wessen dieselbe sich et- 
wan gegen mich zuversichtlichens würden verlauten lassen. Bei der Krön 
Dänemark würde seinem Herrn wegen einer Bündnus ferner anzusuchen 
schwer fallen, weilen allbereit kurz auf den Friedenschluss ein Anwurf 
dessen geschehen, aber daselbst nicht annehmlich erscheinen wollen, da- 
hero auch dero Minister unverzüglich von dannen zurückgerufen worden. 
Was des Reichs fernere Angelegenheit wegen der Stadt Strassburg be- 
treffe, wäre bei der Gesandtschaft zu Regensburg bereit die Verordnung 
geschehen, alles bestermassen zu secondiren, würde auch I. Ch. D. wegen 
Subsistirung oder Verlegung des Reichstages sich fortan mit den majori- 
bus conformiren und E^ K. M. allergnädigsten Intention darinnen . . . 
keineswegs entgegen sein. Wegen allergnädigster Communication in 
englischen Sachen bezeugten I. Ch. D. dero allerunterthänigste Dank- 
nehmigkeit; müssten dero Gedanken darüber dermalen noch in suspenso 
halten, bis bei einem sitzenden Parlament sich äussern würde, ob die 
gute Verständnus so gross als man ausgebe, woran zu zweiflen sie noch 
viel Ursach hätten, ohne dies aber von selbiger Krön nichts zu hoffen 
wäre. 



L - 



VerbandluDgen Lamberga mit Jena. Anhalt ober den Berliner Hof. 953 

Neue Bemähangen Lambergs ein mehreres vom Kurfürsten zu erhalten, 
bleiben erfolglos. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Juli 1680. (Or.) 

[Anhalts Mittheilungen über die Parteien am kurfürstlichen Hofe, über das Vorgehen 

der französischen Partei und über die Haltung des Kurfürsten. Nothwendigkeit einer 

Satisfaction für Jägemdorf. Weigerung des Kurfürsten sich mit Geld abfinden zu 

lassen. Rüstungen des Kurfürsten zur See. Urtheil Lambergs darüber.] 

Die Rüstungen zur See seitens des Kurfürsten beunruhigen den Grafen 28. Juli. 
Lamberg, der eine Unternehmung Brandenburgs gegen Spanien furchtet*). Er 
sacbt von dem an den Hof zurückgekehrten Fürsten von Anhalt etwas darüber, 
sowie über die Haltung des Kurfürsten überhaupt, zu erfahren. Anhalt be- 
neblet, er habe seit seiner Rückkehr so viel bemerken können, {: dass die mir 
bekannte französische Kette Meinders^ Fuchs and Grumbkow, wozu auch 
zuletzt der Churfurstin Favoritin, von Wangen, hineingezogen worden, 
deroselben Gemüth ganz irrig gemacht, al^ dass er, Fürst, solches 
anietzo ganz verändert gefunden, zumalen sich Elector durch den fran- 
zösischen Abgesandten bereden lassen, dass sein König dieses ganze Jahr 
durch absolute keinen Krieg eingehen, sondern seines Orts den Ruhe- 
stand vollkommenlich behaupten wolle; dass auch der Ruf wegen Strass- 
burg von Churfürsten pro terrore panico gehalten werde und als eine 
Sach; so nicht ad effectum gereiche. Der Fürst befinde auch Electorem 
auf einer ganz festen Resolution über die an E. K. M. durch mich be- 
schehene Declaration sich im geringsten nicht femer specialiter einzu- 
lassen, bevor ihme wegen der Praetension von Jägemdorf Satisfaction 
erfolget sei, welches dann von Fürsten sowohl als mir für ein von der 
französischen Faction zu Assequirung ihres Intents an die Hand genom- 
menes scheinbares Mittel angesehen würde, als welche den Electorem 
dahin zu bringen trachtet, damit er ohne solche Wirklichkeit zu E'. K. 
M. höchsten Intention nichts beiträgliches categorisches resolviren könne, 
da sie andemtheils wohl vermuthen können, I. K. M. werde zu solcher 
Sachen nicht so leichtlich schreiten, demnach das ganze Werk stecken 
bleiben. Dannenhero sein Fürsten zu Anhalt unvorgreifliche Meinung 
wäre, dafalls I. K. M. einer Particularallianz mit dem Churfürsten oder 
dessen Beistands sehr benöthigt sein sollten, dass solchenfalls auf einige 
Satisfaction zu gedenken sein würde, oder wo nicht, so hielte er für zu- 
träglicher mit femer pressanter Instanz gemach zu gehen, um etwan den 



») Vergl. Droysen I. c. III.j 714. 



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954 Vnr. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

Churförsten nicht gänzlich dadurch zu überwerfen, zumalen man doch 
versichert sein könne, dass auf den hohen Nothfall selbiger sich gleich- 
wohl von E^ E. M. und dem römischen Reich nicht separiren, sondern 
als ein treuer Churförst sich erzeigen werde, massen er, Fürst, verge- 
wissert sei, dass der Churförst mit Frankreich einiger Wege nicht in 
Allianz befangen stehe :|. 

Lamberg theilt dem Fürsten von Anhalt mit, dass der Kaiser nicht abge- 
neigt sei in der jägemdorfischen Angelegenheit etwas zn thun. Anhalt räth 
dem Kurfürsten davon Mittheilung zu machen. Dies geschieht, der Kurfürst er- 
klärt aber, sich mit Geld unter keinerlei Umständen begnügen zu wollen. 

I : Wegen oberwähnter sechs neu designirter Schifft) ist mir von 
dem Fürsten so viel Lichts ertheilt worden, dass I. Ch. D. schon vor- 
längst bei Frankreich Anwurf gethan, im Fall sie bei Spanien und Hol- 
land kein Satisfaction wegen ihrer Restanten erlangen könnte, ob Frank- 
reich ihm darzu verhülflich erscheinen möchte, welcher aber zur Antwort 
hinwiderum wissen lass^, dass weilen solche Subsidien in wehrender 
wirklicher Kriegsbefahung gegen einander paciscirt worden, es seiner 
Autorität sehr praeiudicirlich fallen würde seinem damaligen Feinde 
anietzo dazu an die Hand zu gehen :|. Vermeinte also der Fürst solche 
Ausrüstung der Schiff werde vielmehr zu Convoitirung der Ostindien- 
fahrer angesehen sein. Ich konnte aber dannoch gleichsam soviel ab- 
nehmen, dass im Fall per hazard ihnen etwan ein spanisch- oder hollän- 
disches Schiff in dem Wege kommen sollte, es wohl anstatt Repressalien 
interim angehalten werden könnte. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 4. August 1680. (Or.) 

[Des holländischen Gesandten Ansichten über die Rüstungen des Kurfürsten zur See. 

Dortmund.] 

4. Aug. Der holländische Gesandte meint, die Rüstung des Kurfürsten zur See sei 

auf Rio de la Plata gerichtet; auch meldet der holländische Gesandte den Eot- 
schluss der Staaten, die Subsidienrestanten bis 1676 dem Kurfürsten zu 
zahlen >). Die Stadt Dortmund sucht Schutz beim kaiserlichen Gesandten gegen 
Bedrückungen des Kurfürsten. 

') Vergl. Droysen I. c. Jll 3 7, 14. Aum. 
2) Vergl. ürk. u. Act. 111. 584. 



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Jigerndorf. Rüstungen Brandenborgs zar See. Massregeln gegen Frankreich. 955 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 14. August 1680. (Or.) 

[Rebenacs Bethenerungen der Friedensliebe des französischen Königs finden Glauben 
bei Friedrich Wilhelm. Ausstreuungen der französischen Partei über die schlechte 

Lage des Kaisers.] 

Rebenac erklärt dem Kurfürsten ununterbrochen, sein Herr sei überaus 14. Aug. 
friedlich gesinnt und findet mit seinen Betheuerungen Glauben beim Kurfürsten*). 
Der Fürst von Anhalt glaubt seinerseits auch, dass vom Kurfürsten mit Rück- 
sicht auf dessen Ueberzeugung von der Aufrechterhaltnng des Friedens durch 
den König von Frankreich nichts mehr, als wozu er sich bereit erklärt, werde 
za erhalten sein. Die Gegenpartei am kurfürstlichen Hofe thut überdies alles, 
den Kurfürsten von der üblen Lage, in der sich der Kaiser befinde, zu über- 
zengen. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 19. August 1680. (Cönc.) 

[Nothwendigkeit der Bereithaltung der Truppen gegen Frankreich. Vorschläge zur 

Einigung in der Jägemdorfer Angelegenheit Des Kaisers Bemühungen am spanischen 

Hofe zu Gunsten Brandenburgs.] 

Die Schreiben vom 9. Juni bis 4. August hat der Kaiser erhalten. Lam- 19. Aug. 
bei^ soll trachten den Kurfürsten zu einer energischen Erklärung mit Rücksicht 
auf die zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen zu vermögen und dass dieselbe 
ihre Mannschaft in solcher guten Bereitschaft halten wollten, damit sel- 
bige auf den Nothfall wirklich anziehen, sich mit denen unserigen und 
andern Auxiliarvölkern coniungiren, einfolglich man auf diese Weise 
dem andringenden unbilligen Gewalt gesammter Hand kräftiglich begegnen 
möge. In der jägemdorferschen Sachen dörfte bei deren Vornehm- und 
genauerer Ergründung sich weit ein anders finden, als churbrandenbur- 
gischerseits vorgegeben wird, iedoch um P. L. Gemuth um soviel 
mebrers zu praepariren und zu besänftigen, zumaln sie auf diese Satis- 
faction stark andringen, als ist von erst berührtem Ungrund zu abstra- 
hiren und herentgegen inhaerendo prioribus deroselben zu bedeuten, was 
massen das beste Mittel sein würde, wann sie ein eigenes Subjectum mit 
denen bedürftigen Documenten anhero schicken mögten, damit man das 
Werk aus dem Fundament überlegen, beederseits gehörige Information 
einasieben und dahin sehen könnte, wie es in der Güte gehoben werde. 
Nun würde zwar gut sein, wann der Jena dahin zu bereden wäre, dass 
er zo Annehmung eines gewissen Stück Gelds einrathen thäte; allein 
scheinet darzu fast wenig Hofihung, weiln er nicht minder, dann des 
Gh. L. Selbsten, solches für unverantwortlich haltet Nichtsdestoweniger 



J) Vergl. Puf. L c. XVIU. 7. 



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956 VHI. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

hast du bei demselben auf den Fall, dass I. L. zu erstermelter Ab- 
schickung nicht zu vermögen, dahin anzutragen, auf dass man die Ge- 
danken einiges Vergleichs eröffne und, da man darmit nicht heraus 
wollte, endlichen in Vertrauen und für dich selbsten den Anwurf zu 
thun, was er vermeine, dass sonsten für ein zulängliches Mittel, um end- 
lichen dermaleneinst hieraus zu kommen, zu ergreifen und ob nicht P. L. 
einige arbitri aus Chur- oder Fürsten des Reichs, (indeme wir zu einigen 
Ausländischen grosses Bedenken haben .würden), anständig sein mögten. 
Der Kaiser setzt seine Bemühungen am spanischen Hofe um Zahlung der Sub- 
sidienrestanten fort und hofft auf Erfolg. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 8. Sept 1680. (Or.) 

[Vorschläge des Kurfürsten bezüglich der Reichssicherheit ungünstige Ansicht dw- 
selben über die Herzoge von Celle und Wolfenbüttel sowie über den Kurfürsten von 
Sachsen. Entgegnung Lambergs. Unterredung des Lamberg mit dem Kurfürsten 
über Baiem, Schweden und über die jägerndorfische Angelegenheit. Zurückweisung der 
französischen Mediation in dem Streite Brandenburgs und Braunschweigs durch die 
erstere Macht. Erklärungen Jena's im Auftrage des Kurfürsten bezüglich der Reichs- 
sicherheit und Brandenburgs Haltung in dieser Frage. Weigerung des Kurfürsten 
einen Gesandten zur Schlichtung des jägerndorfischen Streites nach Wien zu senden.] 

8. Sept Lamberg theilt dem Kurfürsten mit, was der Kaiser ihm am 19. August 

überschrieben. Der Kurfürst dankt für die Bemühungen des Kaisers bei Spanien. 
Was meinen Vortrag wegen einer Specialentschliessung (in der Sicher- 
heitsfrage) anlangte, könnten sie als über eine sehr wichtige nachdenk- 
liche Sach sich nicht alsofort categorice herauslassen. So viel sie aber 
für sich allein diesmal sonsten ihre Gedanken eröffnen möchten, wäre, 
dass ohne gehorsamste Massgebung vielleicht zuträglicher sein würde, 
dafalls dermalen zu Bewerkstelligung der Werbungen nicht eben neue 
Regimenter auf den Fuss gebracht, sondern zu Verhütung unnöthiger 
Jalousie die alte solchergestalt recrutirt und verstärkt würden, damit 
man aus denselben allenfalls neue Regimenter aufstellen und demnach 
jeder Zeit in guter Verfassung verbleiben möchte. Sie hätten folgenden 
modum den fürträglichsten befunden, dass wann bei Friedenszeiten ein 
altes Regiment von 1000 Köpfen bestünde, sie bei fürkommenden Wer- 
bungen den halben Theil davon einem neuen Obristen übergäben, durch 
alle neue Compagnien austheilten und sodann von neuen Leuten diese 
compliren, die alte aber recrutiren Hessen, welchergestalt in kurzer Zeit 
diese neue neben den alten zu guten Soldaten gediehen. 



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Verband], über die Reichssicherheit a. über Anderes zwischen Lamberg u. Fr.Wilh. 957 

Der Kurfürst erklärt auch, er halte die Herzoge von Celle und Wolfen- 
buttel für Anhänger Frankreichs. Ebenmässiges wollte ihro auch von Chur- 
Sachsen beigebracht werden und dass die franzosische Partei sich da- 
selbst rühmte, wie sie auch des Churprinzens sich nicht weniger mit 
ebistem versichert hielten. Ich versetzte: Solches könnte nichts an- 
ders als französische Arglist sein, deren sie sich bedienten, die Fürsten 
gegen einander mistrauig und irre zu machen und welcher dann sich 
meistens blos gebe, dessen würden sie sich praevaliren. Solche meine 
Meinung desto glaublicher zu machen, diente mir allerunterthänigst bei- 
kommender von dem englischen ministro zu Hannover, Silvio, an den 
allhiesigen Envoye selbigen Königs erlassener Anschluss^), aus welchem 
ich dem Herrn ChurfSrsten mit mehrerm dargestellet, was für Fund und 
artificia die Franzosen mit einem und andern Fürsten zu spielen und 
solches zu hintergehen in hergebrachter Uebung hätten, und was Chur- 
sachsen anlange, würde S'. Ch. D. noch in Andenken schweben, welcher- 
gestalten selbiges vermittelst eines noch fürhandenen Handbriefleins der 
erste gewesen, so gegen E. K. M. wegen der allgemeinen Sicherheit sein 
Parere von sich gestellet. So hätte ich auch S^ Ch. D. selbigen Chur- 
prinzens eigenhändige Versicherung fürgelesen, dass selbiger von der 
französischen Partei in keinerlei Wege sich habe noch werde gewinnen 
lassen. Worüber der H. Churfürst auf seine ehemalige W^arnung ge- 
diehen, dass sich auf Chursachsen nichts zu verlassen und selbiges der- 
malen nicht 1500 Mann zu Feld stellen könnte. Gegen dieses wollte 
ich des Praelaten von Banz mir zugeschickte Liste noch auf dem Fuss 
stehender sächsischer Soldatesca fürlegen; S. Ch. D. aber vermeinten, 
es wäre sehr leicht viel auf das Papier zu bringen, meldeten auch 
femer, wann das Werk zur Action kommen sollte, trügen sie Bedenken, 
ob solche Auxiliarvölker was taugen würden und ob sie denen die ihrige 
beistossen sollten. Dieses sähe ich für gut an unbeantwortet zu lassen; 
wendete mich aber auf die Churbayrische Sachen, sondirend, ob über 
selbige churfiirstliche nunmehr verificirte Erklärung S'. Ch. D. noch 
einiger Zweifel beiwohnen möchte. Auf welches dieselbe mir begegnet, 
sie hätten ihren ministrum') zu Regensburg mit daselbstigem churbayri- 
schen ministro über sothane Specialerklärung in Vertrauen sprechen 
lassen, solchen aber dessen ganz unwissend befunden. Welches ich dann 



^ Ein Auszug dieses Schreibens d. d. Celle 12./22. August 1680 liegt bei. Eng- 
lischer Gesandter in Berlin ist noch Soutbwell. 
*) Gottfried Jena. 



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958 Vni. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1683. 

unschwer mit deme beantworten können, dass solche Specialerklarungen 
ein dermalen in das höchste Interesse des Reichs einlaufendes arcanam 
seie, so man unter dergleichen nur zu denen offenbaren regensburgischen 
Reichsgeschäften deputirte ministris nicht pflege kommen zu lassen. 

S. Ch. D. fielen hiemit auf die Krön Schweden und deren Demarches, 
mit Bedeuten, dass selbige sich so zu Wasser als Land in Armatur zu 
setzen höchstens bemuhet wäre^) und auf mein Anfragen, ob es mit 
französischen Mitteln beschehe, sagten sie vergewissert zu sein, dass 
Frankreich die Schweden verlassen und sich völlig an die Krön Däne- 
mark, sich deren zu ihrem Intent zu gebrauchen, gemacht habe, auch 
dass die französische nach Hamburg remittirte Gelder, so den Argwohn 
wegen der Schweden verursacht, auf S. Ch. D. wegen nunmehr zu End 
laufenden vierten Termins der pommerischen Abtretungsgelder angesehen 
seien, massen ihre von dannen die Vertröstung beschehen, dass hie- 
nechstens die Abstattung der völligen Summa auf einmal folgen werde. 
Im übrigen aber legten sich einige Anzeigen herfur, dass ernannte Krön 
Schweden wohl wiederum Lust haben möchte etwas an I. Ch. D. zu 
versuchen. Man dringe auf einen Kreistag im Niedersächsischen und 
wann S. Ch. D. solchen vigore instrumenti pacis ausschreiben sollten, 
würde vielleicht Schweden wegen der Competenz vermeinen eine Ursach 
zu disgusto überkommen zu haben. Solchem aber zu entgehen seie er, 
der H. Churfürst, bedacht, bloshin an den Herzogen zu Celle als mit- 
ausschreibenden Fürsten ein und andere Nothdurft des Kreises gelangen 
zu lassen und, im Fall auch dieser sich auf einen Kreistag bewerfen 
sollte, alsdann zu antworten, dass dessen noch dermal keine Noth wen- 
digkeit fürhanden, sondern was ietzo fürfalle gar wohl nur durch eine 
Communication unter den Ständen möge gerichtet werden. 

Auf die Erklärungen Lambergs in der jägemdorfischen Angelegenheit er- 
klärt der Kurfürst, er erwarte von solchen Verhandlungen nichts mehr. Einige 
Tage darauf theilt der Karfärst dem Lamberg mit, dass der franzosische Ge- 
sandte die Mediation seines Herrn in den Streitigkeiten zwischen Brandenburg 
und Braunschweig angetragen, die er aber mit der Erkiäning zurückgewiesen 
habe, dass es nur ganz unbedeutende Differenzen seien und daher die Mediation 
einer dritten Macht nicht nöthig wäre. Am Abend des 7. September erklärt dann 
Jena dem Grafen Lamberg im Auftrage des Kurfürsten: Sie lebten der unter- 
thänigsten Zuversicht E. K. M. würden in keiner Ungnad vermerken, 
dass dieselbe über dero bereit ein- und andermalig gegebenen Ver- 
sicherung sich von E^ K. M. und dem Reich keinesweges zu separiren, 



*) Vergl. CarlsoD, Gesch. Schwedens V. 9 ff. 



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ünterredangen Lambergs mit dem Karf. aber Schweden, JägerndoK etc. 959 

sich specialer nicht herauslassen könnten, mochten auch nicht wohl be- 
greifen aus was Ursach E. K. M. auf solche Particularerklärung der 
4000 zu Fuss und 1500 zu Pferd, oder auch eines mehrern dergestalt 
andringen thäten, zumalen S. Ch. D. ein grosseres dann Chur-Bayem und 
Sachsen sammentlich auf dem Fuss hätten, E. K. M. seiner Devotion 
versichert und in Gleichnus, wann ein Freund den andern seiner Treu 
und Freundschaft gewiss machte, dieser billich sich damit zu begütigen 
und auf weitere sonderbare determinationes nicht eben so heftig zu trei- 
ben hätte. Er, Kanzler Jena, hätte mir bereit vorhin in Vertrauen bei- 
gebracht, es würde furträglicher sein auf I. Ch. D. nicht also stark an- 
zugehen, wie es dann noch ietzo gewiss wäre, dass die Zeit das beste 
für E. K. M. erarbeiten wurde. Da ich aber hingegen angeführt, welcher- 
massen die verlangte nähere Erklärung S^ Ch. D. gleich anfangs von 
sich gestellten Antwort und Parere gleichförmig sei, vermittelst deren 
an die Hand gegeben worden, I. E. M. möchten bei ein- und anderem 
Churfürsten dessen Gedanken über die Einrichtung des puncti securitatis 
publicae einholen lassen und nach Maass, dass solche ausfallen würden, 
S. Cb. D. sich deren zu conformiren nicht entgegen sein lassen wollte, 
wurde mir widersetzet, warum dann die Churfürsten nicht selbsten unter 
sich communicirten? Ich herentgegen bedauerte, dass unter denen Stän- 
den des Reichs so grosse Jalousie und so geringes Vernehmen sei. Die 
Ursach dessen masse der Kanzler dem nimwegischen Frieden bei, als 
wodurch die Reichsglieder beides disarmirt und disuniret worden. End- 
lich begäbe er sich fragsweis dahin, ob dann E. K. M. mit einer Special- 
erklärung von sechsthalbtausend Mann mehrers als mit einer General- 
versicherung, dass man mit gesammter Mannschaft und allen Kräften 
von dero und dem Reich sich nicht absondern wollte, gedienet sein 
würden, oder ob sie sich auf die von Chur-Bayem und Sachsen ver- 
sprochene Mannschaft, die noch nicht bei Händen sondern erst geworben 
werden müsste, mehrers zu verlassen hätten und ob man glauben könnte, 
dass sein gnädigster Herr mit etwan nur 5500 Mann zu Feld ziehen 
würde? Ich wollte zu Fürkommung alles weitläuftigen beantwortens ver- 
sichern, dass die versprochene churbayrische und chursächsische Mann- 
schaft wirklich parat stünde; der Canzler aber wendete ein, dass man 
des Widerspiels hiesigen Orts allerdings versichert lebte. 

Von der Absendang eines Gesandten nach Wien, um in der jägemdorfischen 
Angelegenheit zu einer Einigung zu gelangen, will der Karfürst nichts wissen. 



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960 VriT. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 -Feb. 1682. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 27. Sept. 1680. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Fürsten von Anhalt über die jägemdorfische Ange- 
legenheit und über des Kurfürsten Haltung zur Frage der Sicherung des Reiches. 
Klagen Jena^s über das Vorgehen des kaiserlichen Bevollmächtigten in Regensbnrg 
in der Magdeburger Angelegenheit. Erklärungen Jena's in der Jägemdorfer Fra^e 
und bezüglich der Haltung des Kurfürsten. Ansicht Lambergs über die Pläne des 
Kurfürsten. Dänische Allianzanträge. Beziehungen des Kurfürsten zum Prinzen ?on 

Oranien.] 

27. Sept Der Fürst von Anhalt, zu dem sich Lamberg nach Dessau begibt, ver- 
sichert, er werde, sobald er in Berlin angekommen, alles aufbieten, nm den 
Kurfürsten und Jena zu bewegen, sich mit einer Geldsatisfaction in der Jägern- 
dorfischen Angelegenheit zufrieden zu geben. Was aber die churfurstliche 
categorische Resolution betreffe, könne er nicht in Abred sein, dass er 
Selbsten bei sich anstehe, ob über den H. Churfursten, ungeachtet al- 
bereit gegebener Erklärung, dass er sich mit andern Fürsten und Reichs- 
ständen conformiren wollte, dermalen etwas werde zu gewinnen sein, so 
lang nemlich Frankreich still sitze, nicht mit weitem Gewaltthätigkeiten 
um sich greife und keinen Stand über einen Haufen werfe. Er, der 
Fürst, finde sich indessen gehalten zu glauben, dass^ dafern es auf eine 
rechte Thätlichkeit ankommen und die andere Reichsstände sich zusam- 
men setzen sollten, S. Ch. D. sich sodann keinesweges dem Werk ent- 
ziehen, sondern das ihrige nach Möglichkeit gleichfalls beitragen würden. 
Damit aber der Herr Churfürst nicht etwan in particulari, sondern E^. 
E. M. Intention gemäss mit anderer Stände Beitrag sich proportiooiren, 
auch zu einer absonderlichen Allianz mit E^ K. M. desto leichtlicher za 
ziehen sein möge, hielte er, Fürst, sehr füglich und zuträglich, dass vor- 
gemeltermassen die jägemdorfische Sach auf ein gedeihliches Ort ge- 
bracht würde Ausser deme oder dergleichen anderwärtiger Demul- 

cirung seie er fast des Glaubens, dec Herr Churfürst werde die Waffen 
schwerlich in die Hand nehmen, so lange Frankreich auf dem west- 
phälischen Frieden zu beharren sich annehme und gegenwärtige contra- 
ventiones als ein ihme durch die nimwegische Tractaten gegebenes 
Recht qualificire. 

Jena, zu dem sich Lamberg nach seiner Rückkehr nach Berlin begibt, er- 
klärt, I. Ch. D. hätten sich gegen ihne jüngst höchst schmerzempfindlich 
vernehmen lassen, welchermassen E^ K. M. österreichischer Deputirter «u 
Regensburg bei Fühmng des neuburgischen voti in der magdeburgischen 
Sach sich abermalen mit Einmischung E^ K. M. Autorität und Androhung 



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J&gemdorf. ßrandenburg-spaniscbe Differenzen. 961 

schwedischer Gewalt vernehmeD lassen, wovon er die particalaria zu 
commaniciren versprochen^) 

In der jägemdorfischen Angelegenheit betont Jena von Neuem, der Kurfürst 
könne sich mit einer Geldsatisfaction nicht einverstanden erklären; bekräftigt 
aber die Ansicht, dass die Absichten des Kurfürsten durchaus nicht auf Tren- 
nung von Kaiser und Reich in den allgemeinen Angelegenheiten gerichtet seien ; 
doch möge Lamberg davon abstehen, weitere Erklärungen vom Kurfürsten unter 
den gegebenen Verhältnissen zu fordern. Welches alles ich dann anderswohin 
nicht ausdeuten kann, | : als man wolle zusehen bis Frankreich mit wirk- 
licher Feindseligkeit weiter in das römische Reich setze, alsdann der 
Herr Churfurst wegen haltender guter und starker Mannschaft der noth- 
wendigste sein und wie in vorigem Krieg die Mesures nach dem Privat- 
interesse mehrers als auf das publicum einzurichten gedenken werde. : | 

Der dänische Gesandte Ahlefeld hat dem Kurfürsten eine Allianz im Namen 
seines Herrn angetragen, hat aber keine Antwort erhalten, was ihn sehr be- 
kümmerte; es scheint, als wolle der brandenburgische Hof nichts mit Dänemark 
zu thun haben. 

Der Prinz von Oranien hat eine Zusammenkunft mit dem Kurfürsten zu 
Magdeburg gewünscht, welche trotz aller Gegenbemühungen Reb^nacs auch 
stattgefunden haben würde, wenn nicht die in jenen Gegenden grassirenden 
ansteckenden Krankheiten die Zusammenkunft verhindert hätten; der Kurfürst 
hat nun den Prinzen eingeladen hieher zu kommen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. BerUn 30. Sept 1680. (Or.) 

[Wegnahme des Schififes „Carolus II.'' Aufregung darüber. Mutmassliche Folgen.] 

Lamberg berichtet über die Wegnahme des SchifTes ,Carolus IL" durch die 30. Sept. 
brandenburgische Flotte und über die Aufregung, welche dieses Ereignis nicht 
nur in Spanien, sondern auch in den Niederlanden hervorgerufen ^. Man glaubt, 
die Staaten werden fordern, dass man den in Königsberg weilenden Urheber 
solchen Anschlags, Namens Raule, abstrafe ^. | : Weilen es aber das Ansehen 
hat, dass das Werk meistlich aus des Electoris Kopf selbst herrühre, als 
dörfte schwerlich dazu resolvirt werden. Nachdemalen aber aus^ einem 



») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 12. 

*) Für diese Angelegenheit Urk. u. Act. III. 585 ff. und die dort citirte Literatur. 
Das Schiff „Carolus II.*' war von den unter Befehl des Cornelius van Beveren ausge- 
laufenen 6 Fregatten im Kanal gekapert worden. Es war mit brabanter Spitzen und 
Leinwand beladen. Stuhr, P. F., Gesch. der See- imd Colonialmacht unter Friedrich 
Wilhelm, 23 ff. 

*) Marincdirector Benjamin Raule; vergl. Isaacsohn I.e. II. 287; Stuhr, P. F., 
L c 4f. Neuestens Schuck, R., Brandenburg-preussische Colonialpolitik 1647—1721. 

Mat«r. z. Geflch. d. 0. Kurfürsten. XIV. 2. 61 



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962 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

QDgereimten Ding gemeinlich noch mehr zu folgen, Frankreich aber sich 
in alle Handel einzuflechten pfleget, so stehet zu befahren, im Fall 
Spanien und Engelland, auch Holland sich zusammenstellen und über 
solchen Affront Satisfaction begehren würden, I. Ch. D. sich in franzö- 
sische Protection und Allianz werfen und der Krön Frankreich nicht 
einen neuen Krieg Thür und Thor öffnen würde :|. So kann ich hiebei 
nicht umgehen in behörige Reflexion zu ziehen, was so von S'. Ch. D. 
selbst, als auch mehrmal von dem Kanzler Jena mir gesagt worden, 
von diesem zwar: Ich sollte nur etwas in Geduld stehen, die Zeit würde 
das beste operiren, von jenem aber: Es stünde ihre noch etwas bevor, 
dessen sie gern den Ablauf sehen möchten; welches zweifelsohn beides 
dahin gezielet, dass sie abwarten wollten, |:wie E. K.M. und Spanien 
sich bei nunmehr in das Werk gestelltem Anschlag verhalten und an- 
lassen würden, ihnen aber der Weg, sich an Frankreich zu halten, offen 
bleiben möchte:!. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 6. October 1680. (Or.) 

[Hittheilnngen des Fürsten von Anhalt über die 'Schiffsangelegenheit, über die Pläne der 
französischen Partei und über seine Unterredung mit dem Kurfürsten. Bedenken An- 
halts betreffs der Stimmung des Kurfürsten. Bericht Anhalts über die Versuche R^ 
bönacs, ihn für die französische Partei zu gewinnen. Aeusserungen Röbenacs. Noth- 
wendigkeit Jena zu belohnen. Zweck des Aufenthaltes des braunschweigischen Mi- 
nisters Platen.] 

6. Oci I : Was in meiner an E. K. M. unterm 30. Sept. allerunterthänigst ab- 

gelassener Relation das churbrandenburgische attentatum gegen die Krön 
Spanien betreffend meiner damaligen geringfügigen Muthmassung nach 
allergehorsamst hinterbracht, stimmet gleichsam in allem mit deme über- 
ein, was der Fürst von Anhalt in gestriger mir ertheilter Audienz eröffnen 
wollen, wie nemlich solcher Commercienanschlag einig und allein vom 
secretario Fuchs und von einem also genannten Kammerjunkern Balter 
herrühre, so aus ihrer Particulareigennützigkeit und dem Gewinn, so sie 
bei solcher neuen Handelschaft als Mitinteressirte zu hoffen haben, S. 
Ch. D. zu dergleichen ünterfahungen mittelst der Hoffnung eines grossen 
Gewinns verleitet, deme dann dieselbe gleich zugeschlagen. Was aber 
die Execution zu Ostende anlange, solche rühre her aus des Churfürsten 
eigenem Capriccio; dann was der Privatgewinn über dessen Gemüth für 
einen Ascendenten gewonnen seie unter andern daraus abzunehmen, 
dass gleich bei Ergreifung des Anschlags der Churfürst zu seiner Be- 
werkstelligung die beste Gefälle angegriffen und dem secretario Fuchs 



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Erklärungen Anhalts an Lamberg betreffs des Berliner Hofes. 963 

za dem Ende auf Verordnimg auszahlen lassen. Der Schnitt, so dieser 
hiebei mösste gemacht haben, stehe leicht zu ermessen. Ich wider- 
setzte fragweis, ob Meinders und die übrige Glieder der französischen 
Partei solches ruhig ansehen und nicht hindern wurden. Worauf mir 
die Antwort fiele: Die andern mangleten anderwärtig ihrer Gelegenheit 
nicht den Beutel zu spicken; der Churfurst werde aller Seiten trefflich 
beschnitten. Wer solches ändern wollte, würde übel anlaufen und an- 
ders nichts als die Reputation einer Privatpassion und eines Verleumders 
davon bringen. Sonsten stehe man des Schiffs halber gleichwohl noch 
wegen Schweden in Sorgen, dass solche es anhalten möchten, als welche 
vorhin gegen Dänemark ressentirt, dass man armirte Schiffe durch den 
Sund habe passiren lassen. 

Soviel nun das attentatum selbst betrifft, hätte die übelgesinnte 
Partei so viel mehrem Antrieb gehabt den Churfürsten in seiner ge- 
fassten Meinung zu stärken, als sie die Wirkungen solcher Sachen, nem- 
lich dass derselbe hiedurch so viel leichter in das französische Interesse 
zu ziehen sein würde vorsehen können, wie sie dann, dass Frankreich 
inmittelst ihme seine Häfen verwilligt, vor ihme, dem Fürsten, in sonder- 
barer Geheim gehalten hätten. Es wäre zwar anfanglich das Werk 
allein auf Repressalien gegen Seeland angesehen gewesen; nachdeme aber 
dieses mit Abstattung der Halbscheid seiner Schuld sich eingestellet, 
sei es auf die Spanier gefallen, welche, wann sie in tempore etwas besser 
entgegen gegangen sein würden, der Churfurst sich mit dem dritten Thei^ 
der forderenden 18 Tonnen Golds würde zufrieden gestellt haben. So- 
bald nun die Zeitung des Ablaufs dem Churfürsten zugekommen und 
zugleich Meinders und Fuchs sich bei ihme eingefunden, hab hierauf er, 
der Fürst, denselben ganz verändert und folgende formalia gegen ihne 
meldend angetroffen: Die Spanier haben mich wie einen „Bernhäutter^ 
tractirt, meine ministros, so ich ö Jahr bei ihnen gehalten, spöttlich ab- 
gefertiget und keine Zeit, wann sie mir von rückständigen Subsidien 
einen Heller zahlen wollten, benennet; dahero was ich vorgenommen, 
dazu bin ich mit den Haaren gezogen worden. Das Haus Oesterreich 
sucht in allen Wegen mich zu choquiren und sollte er, der Fürst, sich 
von seinem obristen Stallmeister, dem de la Panie, informiren lassen, 
wie generös der König in Frankreich, unangesehen er dessen öffentlich 
erklärter Feind gewesen und ihme in seinen fernem Progressen im Nie- 
derland durch die Diversion gegen die Schweden sehr verhinderlich ge- 
fallen, bei denen nimwegischen Fricdenstractaten hätte handien lassen, 

61* 



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964 Vm. Erste Mißsion des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

da der König ihme, de la Panie, kürzlich Selbsten gesagt, dass E'. E. M. 
plenipotentiarii, der Bischof von Gurk') und Stratman, denen Franzosen 
ZQ vernehmen gegeben, der Churfurst würde bald zur Raison und za 
einem Frieden zu vermögen sein; ja es wisse er, König, selbst, dass 
man bei dem kaiserlichen Hof die consilia geführet, Pommern an Schwe- 
den, Preussen an Polen, Magdeburg und Ball an Sachsen, Minden und 
Halberstadt an Braunschweig und die clevische Land an Pfalz-Neuburg zu 
bringen. Der König in Frankreich aber habe in dergleichen nimmer- 
mehr einwilligen wollen, sondern unangesehen er dessen Feind, dannoch 
seine Meriten angesehen, dahero er die Behauptung aller erzählten Landen 
dem König zu danken habe. Er, der Fürst, habe nachmal mit la Panie 
gesprochen, der ihm alles solches von Wort zu Wort wiederholet, auch 
angehenket, des Churfürsten Minister Spanheim') zu Paris habe ihm 
noch iüngst geschrieben, der König hätte ihme für ihne, de la Panie, ein 
köstlich Kleinod einhändigen lassen und wüsste er nicht, womit er die 
Gnad verdienet. Ob nun solches zwar bei allen anderen dem Fürsten 
ein verwerflicher Discurs gewesen sein würde, scheint er dannoch bei 
dem Churfürsten eine Impression zu machen und finde er, Fürst, den- 
selben dergestalt änderst, dass er nicht unklar erkenne, es könnte der- 
selbe bei dieser Coniunctur sich leichtlich an Frankreich henken, um 
still zu sitzen, Geld annehmen und dessen Schutz und Protection sich 
untergeben; sintemal die französische Partei dem Churfürsten die Con- 
tagion in denen Erblanden und Unruhe in Ungarn dergestalten vorge- 
malet, dass sich derselbe gegen ihn, Fürsten, verlauten lassen, wie man 
sicher mit E^ K. M. in Allianz treten könne, da man solche zu manu- 
teniren unfähig und mit denen Hausunruhen genugsam beschäftigt sei. 
Er, Fürst, bedaure an seinem Ort, dass zu E'. K. M. höchstem Interesse 
er mehrers nicht beitragen könne. Dann da er ohne dem allen hiesigen 
ministris ein Splitter in den Augen sei, könne er wohl abnehmen, dass 
sie zwei extrema, nemlich durch Promessen von Frankreich ihn auf ihre 
Partei zu ziehen, oder aber durch disgusta ihn zu selbstiger Begehrung 
des Abschieds zu bringen, versuchen würden. So hätte über das all- 
schon von Zeit seiner Ankunft der französische Minister Rebenac sich 
an ihn gemacht und bereden wollen, welchermassen, wann in der Sachen 



') Jobann VU. von Goess. 

^ Vergl. für Ezechiel Spanbeims Vertretung des Kurfürsten in Paris (seit Mai 
1680) Ranke, Franz. Gesch. V. 2G8ff. 



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Rebenacs Thätigkeit. Bericht Anhalts über seine Unterredungen mit R^benac. 965 

von Ascanien ') E'. K. M. österreichische Gesandtschaft gleich des Chur- 
forsten seine ihre vota geführet und wie es der Verjus unter der Hand 
zu portiren gesucht hätte, wurde die Sach aller Wege zu genügen aus- 
geschlagen sein. Er, der Fürst, aber habe geantwortet: Der Envoye 
müsse nicht wohl informirt sein, gestalten er Selbsten alle protocolla von 
der Sachen gelesen und nichts gefunden habe, als was er gewünschet. 
Hierüber hätte ihme der Rebenac seines Königs Freundschaft und auf 
Begebenheit alle möglichste Assistenz anerboten, auch sich deutlich ver- 
nehmen lassen, dass er alles dran wenden wollte, ihne in seines Königs 
Interesse zu ziehen; hätte sich ferner sobald auf den Discurs von des 
Fürsten von Oranien Anherokunft beworfen und vorstellig gemacht, dass 
ihm desselben Negotiation an hiesigem Hof nicht unbekannt wäre, nem- 
lichen den Churfürsten mit denen Staaten und Haus Braunschweig in 
eine Bündnus zu bringen und vor dem Fürsten Ludwig, im Fall der von 
Oranien ohne Succession mit Tod abgehen sollte, seiner öüter Erben 
einzusetzen, antragen wolle'); dann wegen seiner habenden Officien in denen 
Niederlanden hätten die Staaten nicht einwilligen wollen gleiche Dispo- 
sition zu thun. Er wundere aber, mit was Grund der Fürst solches 
thun könne, da doch bekannt, dass seine Länder auch auf die Kunckel 
fallen, einfolglich unter aller 4 seines Vaters hinterlassene Schwestern 
oder dero Kinder zu theilen seien, welchenfalls er, der Fürst von An- 
halt, sich zu versichern hätte, dass sein König für allen andern seiner 
Gemahlin Partei sich würde lassen empfohlen sein*). Der Fürst von 
Anhalt erklärt dem Lamberg, er habe all' diese Anerbietungen zurückge- 
wiesen. Der Fürst von Anhalt theilt auch mit, dass Friedrich Wilhelm ein 
Rechtfertigungsschreiben über die Wegnahme des Schiffes an Spanien und an 
die übrigen Mächte ergehen lassen werde. Er (der Fürst von Anhalt) sehe in 
summa nicht allein, dass der Churfürst, sondern auch des Churprinzen 
Gemüth gegen E. K. M. durch die französische Partei von kurzer Zeit 
her gewaltig eingenommen ; indeme der letztere, als er ihme, Fürsten, die 
aufgesetzte Lista, welche er zu seiner neugebornen Prinzessin zu Ge- 
vattern zu bitten gesonnen, primo loco den König in Frankreich gefun- 
den^) und da er solches gewundert und warum man E. K. M. nicht dahin 

«) Vergl. Pachner von Eggenstorff 1. c. IL 189 ff., 265. 

3) Vergl. ürk. u. Act. III. 600 und Anm. 

•) Die 4 Schwestern Wilhelm II. waren Louise Henriette, erste Gemahlin Frie- 
drich Wilhelms von Brandenburg; Emilie Albertine Agnes, Gemahlin Wilhelm Frie- 
drichs; Henriette Katharina, Gemahlin Johann Georg IL; und Marie, Gemahlin Ludwig 
Heinrichs, Pfalzgrafen v. Simmern. 

*) Der Sinn dieses sprachlich confusen Satzes ist klar, 



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k 



966 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

erbitten wollten, habe der Prinz ihmo darauf unverholen geantwortet, E. 
K. M. hätten seinen Herrn Vätern gegen alle gegebene Versicherungen 
verlassen, hingegen vom König in Frankreich seie alle Protection zu 
hoffen. Was ihne, Fürsten, doch endlich wiederum tröste, wäre, dass 
als erstgemelte Lista dem Churrürsten vorgezeigt worden, er den König 
in Frankreich propria manu ausgestrichen. . . . 

So aber E. K. M. eine sondere Allianz an den Churfürsten oder ein 
enges und beständiges Vernehmen verlangen sollten, müsste er, Fürst, 
fortan auf seiner ersten Meinung verharren, dass Jena, als welcher allein 
allen gegenwärtigen übelen Dispositionen das Gegengewicht zu geben 
fähig sei, für allen Dingen mittelst bewusster 4000 Thaler zu gewinnen 
wäre : |. Ueber Platens *) Aufenthalt in Berlin meldet auf Befragen Lambergs 
Anhalt, derselbe habe die Stimmung des hiesigen Hofes in der Frage der se- 
cuhtas publica zu erforschen gesucht; von einer Particularallianz sei niclits 
gesprochen worden'). 

P. S. Lamberg übersendet eine Copie des kurfürstlichen Schreibens an 
Spanien betreffend die Wegnahme des Schiffes „Carlos II." 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 13. Oct. 1680. (Conc.) 

[Nothwendigkeit den Kurfürsten für ein energisches Vorgehen gegen Frankreich zu 

gewinnen und ein gutes Einvernehmen zwischen Brandenburg und Sachsen herzustellen. 

Kummer über die Wegnahme des Schiffes. Jägerndorf.] 

13. Oct. Lamberg soll den Kurfürsten überzeugen, wie nothwendig es sei, damit 

weder die Stadt Strassburg, noch einig anderer importanter Ort am 
Rheinstrom in französischen Gewalt gerathe, auch lauter ohnbegründetes 
Vorgeben seie, dass die Krön Frankreich, so lang einige Allianzen nicht 
aufgerichtet werden mögten, still sitzen würde. Lamberg soll trachten 
seine Beliebtheit bei dem Kurfürsten von Sachsen dahin auszunützen, auf dass 
das Verhältnis Brandenburgs zu Sachsen ein möglichst gutes werde. In den 
Reichstagsangelegenheiten möge Lamberg den Kurfürsten zur Unterstützung der 
kaiserlichen Pläne zu gewinnen trachten. Das Vorgehen Brandenburgs gegen 
Spanien hat den Kaiser unangenehm berührt, umsomehr als nach den letzten 
Erklärungen der spanischen Regierung eine Abzahlung der schuldigen Subsidien 
zu erwarten war. Bezüglich der Jägerndorfer Angelegenheit hat Lamberg bei 
seinen bereits gegebenen Erklärungen zu verbleiben. 

^) Franz Ernst von Platen, Minister Ernst Augusts von Hannover. 
*) ücber den Aufenthalt Platens in Berlin und über den Zweck desselben Puf. 
1. c. XVIII. 25. 



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PlateiL Verhandlungen Friedrich Wilhelms mit dem Prinzen von Oranien. 967 

Lamberg an äen Kaiser. Dat Berlin 25. Oct. 1680; (Or.) 

[Yerbandlungen des Prinzen von Oranien mit dem Kurfürsten. Wendung durch das 
Eiogreifen der kurfürstlichen Ratbe. Unterredung Lambergs mit dem Prinzen. Dessen 
Erklärungen. Bericht des englischen Gesandten über die Conferenzen des Prinzen 

mit dem Kurfürsten.] 

...Was DUO des Prinzen von Oranien allhie unternommene Negotiation 25. Oct. 
betrifft ^)^ ... hat er ganz vertreulich sich vernehmen lassen, sein fur- 
nehmster Zweck sei, den Herrn Churfürsten zu der englischen VerbOndnus 
zu vermögen, mit dem Herzogen zu Celle das gute Vernehmen zu wider- 
bringen und mit Vorstellung, was in fernerweitiger Vorenthaltung des 
weggenommenen Schiffes für Inconvenienzen zu befahren, dessen Resti- 
tution bestens zu persuadiren und wollte er mich versichern, dass er zu 
gemeiner Ruhe und Sicherheit das möglichste beizutragen nicht umhin 
werde. In Negotiirung dieses ist ein und anderer Tag verflossen, wo- 
rüber dann in geheimer Alleinsprechung mit dem Prinzen der Herr Chur- 
fürst sich zu Restitution ermelten Schiffes willfahrig erzeiget. Es seind 
aber die ministri Jena, Meinders und Fuchs nicht sobald zu Rathschla- 
gung dessen gezogen worden, als S. Ch. D. sich gegen den Prinzen 
darinnen widerum ganz anderen Sinnes vermerken lassen und nichts 
davon wissen wollen, solang bis die Krön Spanien 500000 Reichsthaler 
baar werde erlegt haben. Erst weiteren Bemühungen des Prinzen gelang es 
den Kurfürsten zu billigeren Bedingungen zu vermögen'). Bei dem Abschied 
hat der Prinz E^ K. M. Nachfolgendes unterthänigst hinterbracht zu wissen 
Verlangen bezeuget; nemlich, dass er von dem H°. Churfürsten für der 
Beurlaubung in vertreulichem Discurs versichert worden, sie seien mit 
Frankreich nicht allein in keiner Allianz befangen, sondern gedächten es 
auch nicht zu werden; von dem römischen Reich wollten sie sich nim- 
mermehr trennen, doch könnten sie dem Prinzen nicht bergen, dass sie 
von E'. K. M. durch den nimwegischen Frieden sehr übel tractirt wor- 
den, auch noch jetzo ihre das Herzogthum Jägemdorf vorenthalten werde 
und sie nach so langen Jahren zu keiner Billichkeit gelangen könnten; 
dergleichen wäre ihre Spanien ein so grosses rückständig und dannoch 
von keiner Satisfaction zu hören. Ob ihre dann zu verübelen, dass sie 
das ihrige zu suchen bedacht? Wegen Beitretung mit E^ K. M. in die 
englische Allianz hätte er, Prinz, ein mehrers nicht gewinnen mögen. 



*) üeber die Reise des Prinzen Wilhelm von Oranien nach Berlin; Urk. n. Act. 
IIL 588 Anm.; Droysen L c. IIL, 718. 

^ Puf. 1. c. XVIII. 11; Droysen 1. c. 717 ff. 



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968 ^UI- Srs^ Mission des Grafen JoL. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

als dass der Herr Charfurst sich auf die Sitzung und den Ablauf des 
Parlaments beworfen, bevor dessen er sich zu nichts zu entschliessen 
wüsste. Er, Prinz, wäre jedoch der Meinung, E. K. M. würden ein grosses 
gewonnen haben, wann sie den Herrn Churfürsten in dessen Prätensionen 
zu besänftigen sich gnädigst wurden belieben lassen. Es wollte der 
Prinz weiter fortfahren, wurde aber durch Zwischenkompst und Abschied- 
nehmung des Chur- und der andern jungen Prinzen unterbrochen, nach 
welchem sich dann die Gelegenheit nicht mehr fügen wollen. So viel 
ich aber von dem englischen Envoyö vernommen, wäre das fernere ge- 
wesen, dass der Prinz endlich und nach vielen schweren Instanzen den 
Herrn Churfürsten bewogen, die alte gute Verständnus und das Vertrauen 
mit dem Herzogen zu Celle wiederum unter die Hand zu nehmen^). 
Und weilen solche Instanz mit Fleiss in Gegenwart der Frau Churfurstin 
beschehen, die auch das ihrige, als fortan selbigem Haus sehr geneigt, 
eiferig hinzugethan, haben sich I. Ch. D. endlich darin ergeben und 
solches gute Vernehmen einzurichten ihme, Prinzen, überlassen, auch zu- 
gesagt, im Fall der Herzog einen ministrum anhero schicken würde, sie 
alle Willfahrigkeit erzeigen wollten. Derowegen dann der Prinz willens 
ist sich noch einen Tag zu Wolfenbüttel , 2 zu Celle und 3 zu Han- 
nover aufzuhalten, um alles in guten Stand zu setzen, demnächst sich 
nach Holland zu verfügen. Es hat mir der von Amerongen auch sonsten 
eröffnet, dass der Herr Churfürst, um die Generalstaaten zu Abstattung 
seiner noch theils praetendirender Subsidien so viel leichter zu vermögen, 
ihnen die Schenkenschanz gratuito zu überlassen verwilliget'). Er hat 
mir femer unverhalten, wessen er von seinen Principalen mit gestriger Post 
beordert worden, nemlich es in alle mögliche Wege bei dem Herrn Chur- 
fürsten auf die Relaxation des spanischen Schiffes anzutragen. Er hoffe aber 
nicht auf Erfolg, zumalen der Churfürst sich bereit verlauten lassen, im 
Fall Engelland und Holland Spanien in der Sach zu schützen sich unter- 
nehmen sollten, er sich an Frankreich zu henken und Schutz zu suchen 
gemüssiget finden würde. 



') Für Wilhelms von Oranien Bestrebungen in dieser Zeit Tergl. Klopp 1. c. II. 
286; Müller I.e. I. 68 ff. 

^ Vergl. ürk. u. Act. lU. 590. 



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Erkllrungen des Prinzen von Oranien. Scbiffsangelegenbeit. 969 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 30. Oct 1680. (Or.) 

[Amerongens Bemdbungen bebafs Beilegung des Streites wegen des spaniscben Scbiffes. 
Ratbscblag Spaens, wie ein Conflict zwiscben Brandenburg und Spanien zu ver- 
meiden sei.] 

Amerongen sucht den Korförsten zur Rückgabe des weggenommenen 30. Oct 
Schiffes zu bewegen *) und betont Lamberg gegenüber die Gefahr eines Krieges, 
falls der Kurfürst nicht nachgeben sollte. 

P. S. Gleich nach Schliessung gegenwärtigen Allerunterthänigstens 
werde von General Spaen in bei mir gegebener visiti verstandiget, er sorge 
sehr, die Misverständnus zwischen der Eron Spanien und hier laufen auf 
einen offenbaren Krieg hinaus. Seines Ermessens würde das förderlichste 
dagegen sein, dass E. K. M. sich in das Mittel schlüge und zweifle er 
nicht, im Fall sie in der jägemdorfischen Sach dem Herrn Churfürsten 
zu condescendiren geruheten, ihro derselbe das Aggiustament mit Spanien 
deferiren uud völlig zu Händen stellen würde. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 1. Nov. 1680. (Or.) 

[Scbiffsangelegenbeit.] 

Berichtet nach Mittheilungen Amerongens über dessen Unterredungen mit 1. Nov. 
Jena in der Schiffsangelegenheit >). Der englische Gesandte Southwell hat auf 
sein Memorial in dieser Angelegenheit keine Antwort erhalten^). 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 5. Nov. 1680. (Conc.) 

[Notb wendigkeit einer Allianz gegen Frankreich. Unricbtigkeit der Geröcbte über 
beabsichtigt gewesene Tbeilung der brandenburgiscben Länder. Belohnung Friedrichs 

Ton Jena.] 

Aus den Berichten Lambergs hat der Kaiser ersehen, in welch ungünstiger 5. Not. 
Stimmung sich der brandenburgische Hof befindet. Lamberg soll trachten die 
Stimmung daselbst zu bessern und dem Fürsten von Anhalt die Versicherung 
geben, dass an den Reden wegen beabsichtigt gewesener Tbeilung der branden- 
burgischen Länder kein wahres Wort sei. Die Schreiben des Kurfürsten in der 
spanischen Sache sind mehr Ludificirungs- als Entschuldigungsschreiben^). 

Dass sonsten der Churfürst wegen vorhabender Bündnus mit Eng- 
land priora erholet, bleibt dermaln an seinen Ort gestellt und wird der 



Vergl. ürk. u. Act IH. 590ff. 

>) Vergl. ürk. u. Act. III. 591 ff 

*) Vergl. ürk. u. Act IH. 588, 593. 

*) Das Schreiben an den König von Spanien bei Londorp 1. c. XI, 23. 



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970 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Pbilipp Lamberg. Feh. 1680— Feb. 1682 

Ausgang ein mehrers zeigen, stehet auch dahin, was mit dem Prinzen 
von Oranien verabredet werden möge. Du aber hast dich dahin zu be- 
arbeiten, dass womöglich eine Allianz dem gemeinen Wesen zum besten 
aufgerichtet und zu unserm und des Reichs Praeiudiz nichts geschlossen 
werde und kannst du im Uebrigen gedachten Prinzen wegen des engel- 
ländischen Wesens negst Bezeugung unsers in dessen Befürderung haben- 
den Eifers wohl soviel bedeuten, dass, wann es daselbsten zu einem 
gewissen Schluss ankommen sollte, es alsdann unsem dahin abgeschick- 
tem Kämmerern und Malteserritter, dem Grafen von Thun, an behöriger 
Instruction nicht ermanglen würde. 

Bezüglich der Belohnung Friedrichs von Jena soll Lamberg dem Fürsten 
von Anhalt sagen, wenn der in Regensburg befindliche Bruder Jena's^), der 
sich so schlecht aufführt, abberufen wird — unter dem Vorwande des Antrittes 
des ihm übertragenen Kanzleramtes im Halberstadtischen — Friedrich von Jena 
nicht nur alsogleich die Hälfte der noch rückständigen 4000 Rthlr. erhalten, 
sondern auch sonst belohnt werden würde. 



I^amberg an den Kaiser. Dat Berlin 8. Nov. 1680. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit Friedrich Wilhelm über die Reicbsangelegenheiten. Be- 
rathuog Lambergs mit Anhalt über ein Mittel den Kurfürsten zur Zahlung seiner 
Quote an die Reichskriegscassa zu vermögen. Neuerliche Unterredung Lambergs mit 
dem Kurfürsten über Errichtung einer Reichskriegscassa. Erklärungen Friedrich Wil- 
helms bezüglich des spanischen Conflictes und seiner Stellung zu Frankreich und über 
die von dieser Macht drohenden Gefahren. Jägerndorfische Sache. Parteiungen am 

schwedischen Hofe] 

8. Nov. Der Kurfürst, den Lamberg aufsucht, ist bettlägerig, die Kurfürstin bei ihm, 

daher ein eingehendes Gespräch nicht möglich. Soviel aber per familiäre 
colloquium von P. Ch. D. vernommen, wäre, dass sie von vertrauter Hand 
die Nachricht eingezogen, es führe der Herr Churfürst zu Mainz die Ge- 
danken den Reichstag, soviel an ihn wäre, aufzuheben, welches P. Ch. 
D. aus dem Sinn zu reden und für einen französischen Fund auszu- 
deuten (ich) versuchte, dieselbe anlangend, sie wollten nur auf allen 
Fall ihrer Seiten dero ministrum zu Manutenirung des Convents instru- 
iren, E. E. M. würden dero höchsten Orts bei Churmainz die Sach auf 
gerechtem Wege zu halten auch nicht unterlassen. Vom Fürsten von 
Anhalt sucht Lamberg zu erfahren, auf welche Weise man den Kurfürsten am 
besten zur Erlegung seiner Quote für die Reichskriegskassa bewegen könnte. Der 
Fürst theilt ihm mit, es würden I. Ch. D. auf sothanen Fürtrag zur Ant- 



1) Gottfried Jena, 



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Allianz gegen Frankreich. Jena. YerbandlangenLambergs mit Friedrich Wilhelm. 971 

wort erfolgen lassen, dass sie ihre desfalls in der Matricul aufgezeichnete 
Summa zu Erhaltung dero wirklich bereit auf dem Fuss habender Völker 
anzuwenden würde gehalten sein. Ich widersetzte fragweis, im Fall 
deroselben zugleich an die Hand gegeben würde, dass E. E. M. bei dem 
Reich darob sein wollten, damit, was auf den Notfall I. Ch. D. mehrers 
an Volk als dero Antheil ertrüge beistossen sollten, solches ebenmässig 
aus ermelter Cassa oder sonsten von dem Reich erstattet und unter- 
halten würde, ob sie alsdann desto eher sich möchten zu solchem Bei- 
trag bequemen? Diesem geringen Fürschlag wurde sobald Beifall ge- 
geben, auch noch hinzugesetzt, dass solches ein Mittel sein würde den 
Herrn Churfürsten desto eher zu einer cathegorischen Resolution zu ver- 
mögen, wann er sehen sollte, dass E. E. M. wegen des durch den nim- 
wegischen Frieden erlittenen Schadens, im Fall er ein mehrers für des 
Reichs Wohlfahrt leisten sollte^ ihme von dannen in ein oder anderen 
Wege etwas Ergetzung zukommen zu lassen sich allergnädigst annehmen 
wollten. Auch betont Anhalt nochmals die Nothwendigkeit einer ^Onadenbe- 
zeugong für den Kanzler Jena. 

Am 6. hat Lamberg Audienz beim Kurfürsten, dem er mittheilt, dass 
die meisten Kurfürsten und Fürsten bezüglich puncti securitatis sich dafür 
ausgesprochen durch einen gemeinen Reichsschluss eine Reichskriegscassa zu er- 
richten und dass der Kaiser vom Kurfürsten von Brandenburg die Gutheissung 
dieses Beschlusses erwarte. Der Kurfürst erklärt die Sache im geheimen Rathe 
erwägen zu wollen. Bezüglich der Schiffswegnahme sucht der Kurfürst sein 
Vorgehen zu rechtfertigen und als Lamberg meint, des Kurfürsten Benehmen 
habe die Furcht erweckt, als wolle, er sich auf die Seite Frankreichs schlagen, 
versichert Friedrich Wilhelm, dass er annoch ganz freier Hand sei und mit 
Frankreich in einige Wege sich nicht habe verbündlich gemacht. Im 
Fall man aber ihne auf eine Extremität treiben sollte, würde er sich ge- 
nöthiget finden, Hilf zu suchen, wo er könnte und sei er kürzlich ent- 
schlossen den durch das iüngste holländische Flacat^) empfangenen Af- 
front zu ressentiren und die Generalstaaten zu dessen völligem Widerruf 
anzuhalten, oder er würde darauf mit gleichmässigen Revocatorien seiner 
Unterthanen begegnen und sollte inzwischen einer von denen Schiffs- 
burschen dem Placat zu pariren sich unterfangen, hätte er befohlen 
(dieses waren die formalia) solchen a dispetto der Holländer als einen 
Ausreisser aufhenken zu lassen. Hierüber hielte ich mich geflissen S. 
Ch. D. bestens zu besänftigen, ihre, im Fall die Bach auf Extremitäten 
kommen sollte, die üble Suiten und wie ein gewünschtes Spiel Frank- 



^ Vom 8. October; vergl. ürk. u. Act. III. 589 und 593 ff. 



L 



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972 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

reich dadurch überkommen würde, zu repraesentiren. Sie aber ver- 
meineten, solches alle läge an der Krone Spanien, sie ihres Orts ver- 
langten keine Weiterungen, könnten aber auch ohne die gerechte Satis- 
faction keiner Seiten nichts praestiren, sondern wollten sich von oftge- 
melter Krön für allen Dingen zufrieden gestellet wissen. Wegen ihres 
Fürhabens und Anschlags auf die spanische Schiff hätten sie sich mit 
Frankreich im geringsten nicht verglichen, oder es mit dero überlegt, 
(dessen Widerspiels ich zwar sonsten anderwärtsher wohl versichert), 
sondern einig und allein der Krön Dänemark wegen Passirung des Sunds 
communiciret und möchte mir gar wohl unverhalten bleiben, dass letzt- 
ermelte Krön mit ihrer ebenmässigen Forderung blosser Dingen der Ur- 
sachen zurückhalte, damit sie den Ablauf dieses Handels abwarten 
und sodann auch ihres Orts herfürbrechen möge. . . . 

Ich bewarfe mich hienechst, dem Herrn Churfürsten die französische 
gegen den westphälischen und nimwegischen Frieden laufende Thätlich- 
keiten zu Gemüth zu führen und dass, dafern man weiter zusehen sollte, 
dem Reich der gänzliche Untergang bevorstünde. Demselben nun wäre 
zwar nicht entgegen die Erkenntnus der Gefahr zu gestehen, auch mich 
wissen zu lassen, es wäre ihm Nachricht eingeloffen, ob stünde die 
Stadt Strassburg in procinctu mit Frankreich zu capituliren und sich 
dero unterthänig zu machen, welches mir so viel mehr Anlass gegeben, 
I. Ch. D. zu animiren und um eine cathegorische Resolution für das 
Reich anzusuchen. Diese aber widerlegten solches mit deme, dass sie 
in iüngstem Kriege alles das ihrige für das Reich angewendet, durch 
den nimwegischen Frieden aber übel dafür wären belohnet worden, deme 
sie dann deren Gewohnheit nach die Ursach alles Unheils zulegten. 
Auf weiteres Znreden Lambergs erklärte der Knrfurst, er werde die Sache der 
Reichskriegscassa im geheimen Rathe besprechen. Aehnlich wie der Karfarst 
äussert sich Jena und betont insbesondere die Nothwendigkeit gegen Holland 
energisch vorzugehen. . . . Die jägerndorfische Angelegenheit wird jetzt gar 
nicht hervorgehoben; Lamberg glaubt, man hebe sich die Sache für einen ge- 
eigneteren Zeitpunkt auf und bittet um Instruction. Von der Krön Schwe- 
den hat mir der Herr Churfürst eröffnet, es erregten sich daselbst 2 
Factionen, deren eine den König wiederum mit Frankreich zu ver- 
wicklen, die andere aber an E. K. M. und das Reich fest zu machen 
suchte^). 



^) lieber die damaligeD Verhältnisse in Schweden; vergl. Carlson 1. c. 48 ff. 



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M 



Unterredungen Lambergs und Amerongens mit dem Karfärsteo. 073 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 15. Nov. 1680. (Or.) 

[Amerongens Verhandlangen mit dem Karforsten. Mittbeilungen Amerongens an 
Lamberg Ton des Kurfürsten Aeusserungen über den Kaiser. Ansicht Lambergs. Unter- 
redung mit dem Kurfürsten über die französische Antwort auf das Schreiben des 

Reiches.] 

AmeroDgen berichtet dem Lamberg über seine Unterredung mit dem Kurfürsten 15. Not. 
bezüglich der schwebenden Streitigkeiten. Er könnte mir anbei in Yer- 
trauen nicht verhalten, dass der Discars den Churfursten auch über 
meine obhabende Negotiation getragen und der ihme zu erkennen gegeben 
hätten , dass E. K. M. dero Armee auf 40 000 Mann zu verstärken und 
zugleich die Reichskriegscassa aufzurichten gesonnen und es die Meinung 
hätte, dass ein ieglicher Stand des Reichs dazu contribuiren solle. Er, 
Churfnrst, sehe wohl wo die consilia hinausliefen und wollte sich zu 
keinem Sklaven machen lassen und hätte man ihne am kaiserlichen Hofe 
auch sonsten also tractirt, dass er nicht Ursach hätte diesen Vorschlägen 
zu deferiren. Er, von Amerongen, hätte hierauf angefuget, von mir 
mehrmalen vernommen zu haben, solches Werk beruhe auf dem, dass 
I. Ch. D. ein taugliches subjectum an E^ E. M. Hofe schicken und dero 
Gerechtsame vorstellen lassen wollten. Die aber hätten versetzt, solcher 
Vorschlag wäre bereit mehr geschehen und seiner Seiten vollenzogen, 
aber nichts als leere Wort davon gebracht, unerachtet die Restitution 
des Herzogthums Jägemdorf zu mehrmal versprochen worden. Aus so- 
thanem Discurs habe soviel abzunehmen gehabt, es wolle der Vorschlag 
wegen der Reichscassa denen churfurstlichen ministris der Ursach nicht 
eingehen, weilen alsdann der Churförst nicht mehr necessarius sein, 
noch die Winterquartier seines Gefallens würde nehmen können. Ich 
werde mich solchen Advertissements an Zeit und Orten zu gebrauchen, 
auch die mir allergnädigst an Hand gegebene motiva zu Convincirung, 
dass solche Reichscassa zu nichts als des Reichs selbst eigener Sicherheit 
gerichtet, dextere und beweglich fürzustellen geflissen sein. Sorge iedoch 
der Ursach wenig zu erhalten, weilen der Churfürst seines Particular- 
interesse halben lieber zu sehen scheinet, dass alles ad extrema komme 
und der punctus securitatis publicae tumultuarie an Hand genommen, 
sodann seine Völker, als zu der Reichsdefension nöthig, durch assignirte 
oder selbst genommene Quartier mit fremden Mitteln unterhalten, des 
Charfürsten Land aber verschont werden, da im Gegentheil bei stehen- 
der Reichscassa solches alles ordentlich zugehen und kein Stand für dem 
andern desfalls einigen Vortheils geniessen dörfte. 



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A 



974 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

Am 14. neue Unterredung mit dem kranken Kurfürsten. Dieser meldet, 
er habe die französische Antwort auf das zu Regensburg von den versammelten 
Ständen ergangene Schreiben erhalten ^). Worauf ich gleichsam lächlend 
gefragt, ob solche nach des Reichs Vergnügen ausgefallen. I. Ch. D. aber 
antwortete mir nicht in forma, sondern mit ihrer nun fast zu einem Sprich- 
wort gediehenen Klag, der nimwegische Fried sei an allem Ursach. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 26. Nov. 1680. (Conc.) 

[Anerbieten der Vermittelung in dem Streite des Eurfarsten mit Holland und Spanien. 

Geld für Jena.] 

26. Nov. Lamberg soll trachten den Kurfürsten von Gewaltmassregeln in der Streit- 
sache mit Spanien und Holland zurückzuhalten und die Mediation des Kaisers 
anbieten. . . . Die Wechsel über die 4000 Reichsthaler für Jena werden über- 
schickt, Lamberg soll durch Anhalt dem Jena davon Mittheilung machen, zu- 
gleich aber betonen lassen, der Kaiser hoffe, Jena werde bewirken, dass sein 
Bruder in Regensburg sich besser aufführe. £r selbst solle den Kaiser in allen 
Fragen unterstützen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 29. Nov. 1680. (Or.) 

[Unterredung Jena^s mit Lamberg über die Reicbskriegscassa, über die Scbiffswegnahme 
und über den Zweck der Reise des Prinzen Ludwig nach Preussen. Entscheidung des 
Kurfürsten in der Reichskriegscassafrage. Vergebliche Versuche Lambergs den Kur- 
fürsten in dieser Angelegenheit zu besseren Entschlüssen zu vermögen. Bemerkungen 
Friedrich Wilhelms über seine Stellung zu Baiem und Sachsen.] 

29. Nov. In der Angelegenheit der Reichskriegscassa hat Jena gesagt, dass nach 
den gemachten Vorschlägen sein Herr deterioris conditionis als andere 
unbewaffnete sein würde, indeme diese nur ihr simplum in Geld bei- 
trügen, der Herr Churfürst aber eben solches praestiren und noch anbei 
seine Mannschaft unterhalten müsste. Auf die Entgegnung Lambergs, man 
werde ja gerade die Truppen Brandenburgs werben müssen, antwortet Jena, 
der Kurfürst werde seine Truppen nicht abgeben. Jena verspricht dann die 
Sache dem Kurfürsten zu empfehlen, betont aber, dass er die Durchführung für 
schwierig halte. 

Der Discurs trüge uns hienechst auf die bei Ostende beschehene Prise 
und eröffnete mir der Kanzler, was er seines Orts dem Churfürsten für- 
stellig gemacht und sie mit diesen Worten angeredet habe, dass die- 



^) Das Schreiben der Reichsstände vom 27. Juli (abgedruckt Theatr. Europ. XII. 
137 ff) betrifft die Verletzung des Friedens durch Frankreich; Ludwig XIV. Antwort 
ebendaselbst 141 ff. 



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Unterredung Lambergs mit Jena. 975 

ienige Rathe, so dasselbe an Hand gegeben, entweder dero statnm nicht 
verstunden, oder za Fleiss dieselbe dahin einzufahren gesucht, auf dass 
sie den ersten Angriff thun und zu Vollnziehung der französischen disegni 
der Urheber sein sollten. . . . Die Schiffausrüstung hätte bereit mehr 
als 1 Million gekostet baar und der besten Gefall und gehöre ein grosser 
Verlag dazu eine Flotte zu unterhalten und im Fall dem Churfiirsten 
ein Unglück damit zustehen sollte, würde es dero äusserster Schade sein. 
Er führe weiter gegen mich fort, man hätte solche Anschlag vor ihme 
verborgen bis sie zur Extremität gelangt, so aber dannenher gerühret, 
weilen die bei dem Handel Interessirte ihne, Canzlem, anfangs zum Prae- 
sidenten dieses commercii zu machen ersucht, er aber dasselbe refusirt 
und dem Churfursten bedentet hätte, dass er mit andern Geschäften 
genugsam überhäufet, allzeit bei Hof sein müsste, demnach deme, was in 
Preussen gehandlet würde, nicht abwarten könnte. Dieses hätte ver- 
ursacht, dass man Mistrauen in ihne gesetzt und bezeigte er sich mit 
dem secretario Fuchs und Raule als fumehmsten Interessenten sehr übel 
zufrieden. Im üebrigen vertheidigt Jena das Vorgehen des Kurfürsten gegen- 
über Holland und Spanien. Hierüber beflisse mich zu vernehmen, worauf 
doch des Prinzen Ludwigs Reise nach Preussen angesehen und ob sich 
in Wahrheit befinde, was mir zu Ohren gekommen, dass es die Prin- 
zessin Radziwill betreffe und Frankreich sich anerboten, demselben bei 
dem König und Senat in Polen zu deren Gütern in Litthauen zu ver- 
helfen. Hierauf bekräftigte er mir das Gegentheil mit diesen Formalien: 
Ich sollte ihn für einen Schelmen halten, wann sein gnädigster Herr dies- 
falls von Frankreich die geringste Assistenz suche. Besagten Prinzens 
Reis ziele einigst dahin die Vermählung gewiss zu machen, die Copu- 
lation fürgehen zu lassen und damit denen besorglichen neuen statutis 
auf dem Reichstag furzubiegen, sodann aber seine Reisen ein paar Jahre 
fortzusetzen. Ich fragte , ob alle Strittigkeiten wegen I^ Ch. D. In- 
digenats beigelegt und sie in Polen Güter zu geniessen befugt wären. 
Er aber vermeinte, wann nur die Vermählung versichert, dem übrigen 
wohl zu helfen sein würde, da es so wenig in Polen als Lithau an Freun- 
den ermangle ...'). 

Einige Tage später lässt der Kurfürst dem Lamberg seine Entschliessnng 
in der Reichskriegscassafrage dahin kund thnn, er habe das Werk fleissig über- 
legt, fanden es aber in keinerlei Wege zu dero für des Reichs Sicherheit 



') üeber diese Streitigkeiten und Frankreichs Haltung Puf. I. c. XVIII. 29 f. 



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976 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1662. 

gefassten latention beiträglich, angesehen es sehr langsam hergehen 
würde alle Stand auf die Reichskriegscassa einstimmen zu machen, her- 
nach dieselbe einzurichten, dann ferner die assignationes zu schlichten 
und wann solches alles geschehen würde dannoch das Reich ohne Mann- 
schaft stehen; auf einen wirklichen feindlichen Einbruch aber erst Völker 
zu werben würde zu spät sein und wann demnach einige Stand zu 
Boden geworfen, würden solche unnützlich werden, das Werk in's Stecken 
gerathen und zerfallen. Lamberg sacht den Kurfürsten in Potsdam auf und 
bemüht sich ihn von dieser Ansicht abzubringen, allein vergebens. Das einzige, 
wozu ihn Lamberg bewegt, ist die Versicherung, dass wann die andere Chur- 
fürsten und Stände auf die vorgeschlagene Reichskriegscassa es antragen 
und einstimmen würden, sie sich sothanem Reichsschluss ganz nicht ent- 
gegensetzen, sondern ihren ministrum befehligen würden sich denen 
maioribus zu conformiren. Dass sie aber sich gleich ietzo erklären 
sollten, würde ihre der Drsach nicht können angemuthet werden, weilen 
es allzu gefahrlich gefallen wolle abermal der erste sich verfänglich zu 
machen. Uebrigens gaben sie mir die vorhin mehrmal beschehene Ver- 
sicherung, dass sie sich vom Reich keineswegs trennen, sondern mit dero 
conclusis ieder 2«eit beihalten würden. 

Hierauf ergäbe sich die Gelegenheit des Discurses S'. Ch. D. vorzu- 
stellen, wie zum allgemeinen Interesse absonderlich gedeihlich sein würde, 
wann dieselbige sich mit Churbayem und Sachsen in enger und steter 
Communication zu stehen möchten belieben lassen, auf dass sie, was 
selbige Churfürsten zu Einrichtung des puncti securitatis publicae für 
Gedanken führten, soviel mehrers in Erfahrung bringen, also die Not- 
durft in der Enge abhandlen möchten. Hierüber fügten mir dieselbe an, 
dass sie mit dem Churhaus Bayern in absonderlicher Communication, die 
sie doch mehrmalen ausdrücklich zu suchen nicht ermanglet, von dort 
aus aber nicht cultivirt worden, niemal gestanden. Mit Chur-Sachsen 
aber würden sie die Freundschaft durch Abschickung eines Cavaliers zur 
Condolenz ^) zu befestigen in alle Wege bedacht sein. ... So wüssten 
sie auch nicht, was sie von Churbayern eigentlich schliessen sollten, 
angesehen ihre die Nachricht einkommen, ob wäre es mit Frankreich 
weit näher befangen, als es vielleicht E^ E. M. möchte sein hinterbracht 
worden. 



Johann Georg II. war am 22. Aug. 1680 gestorben. 



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Eatscbeidiing Fr. Wilh. in der Eeicbskriegskassafrage. Brandenb. u. Sacbsen. 977 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 6. December 1680. 

(Or.) 

[Erklärungen des Kurfürsten über sein Verbalten gegenüber den Staaten. England. 
Amerongens Erklärungen über das Verhalten des Kurfürsten. Jena.] 

Der Kurfürst sucht in einer Unterredung mit Lamberg sein Verhalten 6. Dec. 
den Staaten gegenüber zu rechtfertigen. Engel land betreffend gaben sie 
alle Hoffnung auf, dass für das allgemeine Wesen dannenher etwas er- 
spriessliches folgen würde. Amerongen theilt dem Lamberg mit, er finde die 
brandenburgischen Minister viel besser gestimmt*). Jena zeigt sich mehr und 
mehr E^ E. M. devot zu sein, wie er dann iüngsthin gegen mich seines 
Bruders condotta improbiret und solche zum Theil der mit Verjus haben- 
der Freundschaft beigemessen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 13. December 1680, 

(Or.) 

[ürtheil des Fürsten von Anhalt über des Kurfürsten Beziehungen zu Sacbsen und 
Braunschweig. Des Kurfürsten Bemerkungen über die Rüstungen der Türken, über 
sein Verhältnis zu Spanien, über die französische Partei in den Niederlanden, über 
Dänemark, Schweden, England. Klagen des Kurfürsten über das Hans Braunscbweig* 
Gottfried Jena in Regensburg. Jägerndorf.] 

Der Fürst von Anhalt, den Lamberg über die Beziehungen des Kurfürsten 13. Dec. 
zu Sachsen und Braunschweig ausfragt, erklärt, es sei beiderseits nur ganz all- 
gemein verhandelt worden'). Der Kurfürst erklärt, wie der Kaiser habe auch 
er Nachricht, dass man in Constantinopel stark rüste; es wäre daher nicht übel 
getban, sich in Verfassung zu setzen ^). . . . Bezüglich der Wegnahme des spani- 
schen Schiffes erklärt er nochmals, damit nichts feindliches gegen Spanien im Sinne 
gehabt zu haben. Gleichwie ich sonsten I. Ch. D. in Bespect ersuchet die 
Einrichtung der Werbungen in secreto zu halten, welches sie mir auch 
zugesagt, also haben dieselbe mir hiowider in Vertrauen zu vernehmen 
gegeben, wie sie von sehr erheblichem Ort aus dem Haag berichtet 
worden, dass die Generalstaaten mit Frankreich in die alte Allianz zu 
treten gänzlich entschlossen und würde solches in kurzem ausbrechen. 
Für dem Prinzen von Oranien wäre solches vorhin verhalten worden und 



Vergl. Urk. u. Act. III. 599. 
») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 25, 26. 

^ Für die Rüstungen der Türkeo und bezüglich der Gefahr vor einem Einfalle 
derselben vergl. Klopp, 0., Das Türkenjahr 1683 u. s. w. 70ff. 

Mater, t. 0«teh. d. 6. KurfurM«u. XIV. 2. 62 



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978 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Laroberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

danoenher als dieser es nunmehr za hindern gesucht, allschon zu spät 
gewesen. Ich stellte für, dass solches etwan ein französisches stratagema 
sein dörfte P. Ch. D. bevorstehendes Accommodement mit denen General- 
staaten wegen der Placaten zu stören. Die aber versicherten mich, dass 
sie dessen von allzu gewissem Ort informiret. Es hätten ferner die 
Kronen Schweden und Dänemark sich per ministros verglichen einander 
hinfahre nicht mehr anzugreifen, noch zu hindern, sondern ihr beider- 
seitiges Interesse mittelst Frankreich zu suchen, selbiges in seinen An- 
schlägen zu secondiren und herentgegen bei deme zu gesinnen, dass auf 
den Fall künftigen Krieges im Reich der Einen die Weser, der Andera 
die Elbe zur Disposition stehen und beide darüber von der Krön Frank- 
reich sollten geschützet werden '). Nicht weniger hätten I. Ch. D. aus 
Engelland die Nachricht, dass das Parlament die Ueberhand gewinne 
und grosse Zerrüttungen erfolgen würden'); worauf ich angefüget, dass 
ie weniger Hilf von aussen, ie mehrer Nothwendigkeit von innen zu 
sein scheine desto enger zusammen zu treten und auf die gemeine Sal- 
virung selbsten zu gedenken; welchen Anwurf aber I. Ch. D. zu beant- 
worten nicht beliebt, sondern geahndet, dass das Haus Braunschweig 
etliche von Magdeburg mit Getreid kommende Schiflf unter Vorwand 
der Contagion nicht allein angehalten, sondern auch das Volk davon 
wider zurückgewiesen, also das Getreid verderben müsste, welches kein 
nachbarliches Verfahren wäre, worüber dann dieselbe sich sehr alterirt 
bezeigten und klagten, dass solches Haus sich in allen Begebenheiten 
so widrig anliesse und würde der Fall sich darthun solches seiner Zeit 
nach der Billichkeit zu ressentiren. 

Anhalt hat mit Jena wegen dessen Bruders Benehmen gesprochen, Jena 
hat sein Eingreifen zugesagt. 

Wegen der jägerndorfischen Sach hat der Fürst ferner bei ihme an- 
gefragt, warum anietzo so rigide auf Widersteilung des Herzogthuma 
Selbsten gehalten würde, da gleichwohl man sich vorhin mit Geld und 
vielleicht wenigerem als ietzo zu hoffen stünde contentiren hätte wollen. 
Es wurde geantwortet: Dazumal wäre es das tempo gewesen, so aber ver- 
absäumet worden. | : Der Fürst fragte weiter, ob es dann nicht noch an- 
ständig sein könnte, angesehen P. Ch. D. mit dem Geld vielleicht mehr, 
als einem inmitten der kaiserlichen Länder gelegen Fürstenthum möchte 



') Far die wirklichen Pläne Schwedens in dieser Zeit vergl. Garlson 1. c V. 52 ff. 
^ För die Verbandlungen des Oct 1680 zosammengetretenen Parlamentes Ranke, 
Engl. Gesch. V. 277 ff.; Klopp 1. c. II. 275 ff. 



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k 



Erklärungen des Kurfürsten. Der Kaiser und die brand-span. Scbiffsfrage. 979 

gedienet werden. Der Kanzler versetzte, es konnte sein, dass etwan die 
Conioncturen sich änderten und sich das tempo wieder darstellte, welches 
alsdann besser zu beobachten sein wurde:!. 



Der Kaiser an Lamberg. DaL Linz 17. Dec. 1680. (Conc.) 

[Instruction für Lambergs Verhalten in der Schiffswegnabmefrage.] 

Der Kaiser fürchtet weitere Verwickelungen lin der spanischen Schiffs- 17. Dec. 
angelegenheit; Lamberg soll daher die Mediation auf Engelland und die 
Generalstaaten der vereinigten Niederlanden zwar befürdern, da aber 
selbige etwan uns zugemuthet werden wollte, es dextre decliniren und 
blos in denen terminis guter Ofßcien beharren; herontgegen dich da- 
hin zu bearbeiten habest, damit von weiterer Thätlichkeit abgestanden, 
auch der churbrandenburgische Regimenteranzug nach denen clevischen 
Landen eingestellt werde. . . . Damit nun des Churförsten L^^°. von dero 
weitaussehenden bedrohlichen Gedanken abgebracht werden und sich end- 
lichen auf gelinderen Weg leiten lassen mögen, so befinden wir das zu- 
länglichste Mittel zu sein, dass ernannte Generalstaaten die Hände von 
der Sachen nicht abziehen, sondern auf dem ergangenen avocatorio fest 
bestehen, dannenhero du mit dem von Amerongen (iedoch ohne Mel- 
dung, also seiest du dessen befelcht) in höchster Enge ganz vertreuliche 
Unterredung zu pflegen und ihne dahin anzufrischen hast, dass er sowohl 
bei seinen Principalen, damit das Placat in vigore verbleibe und nicht 
widerum cassirt oder revocirt werde, daran sein, als sonsten an dem 
churbrandenburgischen Hof noch ferner die Inconvenientien beherzt vor- 
stellen wollte. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 27. Dec. 1680. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten aber die Schiffsangelegenbeit und aber das 
Verhältnis zu Spanien überhaupt. Pftiziscbe Klagen über Bedrückungen durch Frank- 
reich. Des Kurfürsten Ansicht darüber und über die Beziehungen Schwedens zu 
Dänemark, sowie über seine Stellung zu Polen. Unterredung Lambergs mit Meinders 
und Jena über die spanische Streitfrage. Rathschläge des Letzteren.] 

Die Zurücksendung des an den König von Spanien erlassenen Schreibens *) 27. Dec. 
dnrch des Kaisers Residenten im Haag^) hat den Kurfürsten sehr unangenehm 



>) Gemeint ist wohl das Schreiben TOm 22. Sept 1680; Londorp 1. c. XH. ! 
Vergl. Klopp I. c. IL 267 f. 
^ Kramprich. 

62^ 



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980 Vlll. träte Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1660 — Feb. 1681 

berührt. Lamberg sacht nachzuweisen, dass dies nur geschehen sei, um eine ani- 
mose Antwort der Spanier zu verhindern, womit sich der Kurfürst aber anfangs 
nicht zufrieden gibt, ^ielmehr die neuerliche Expedirung in Aussicht stellt. Als 
darauf Lamberg die bedenklichen Folgen eines solchen Vorgehens klarlegt, ant- 
worteten L Ch. D. mit einem sonderbaren Eifer und Gemüthsbewegung, mir 
aber zu innerlicher Vergnügung, man würde den Nachklang von ihro nimmer- 
mehr erleben, dass sie ein Ursacher neuer Unruhe sein sollten. Sie wüssten 
von keiner Bündnus mit Frankreich und versicherten mich nochmal dessen, 
was sie also oft contestiret, dass sie vom Reich und dessen Interesse sich 
keinesweges separiren wollten. Sie hätten bei der Krön Spanien ein mehrers 
nicht gesucht als die Billichkeit und nur auf die äusserste Nothdrängnus 
dasienige an die Hand genommen, was solchenfalls auch bei Particularen 
würde zulässig gewesen sein. Ein solches würde das ergangene Schrei- 
ben zu erkennen gegeben haben. Sie wollten mir aber durch dero mi- 
nistros so bewandte Fürschläg communiciren lassen, welche thunlich sein 
und dargeben würden, dass sie ein mehrers nicht bei der Sach thun 
könnten. Und weilen Spanien die Mediation nicht erkennen wollte, er- 
wähneten sie ferner, dass auch ihres Orts sie sich deren entschlagen 
müssten. Ich versetzte, dass solches den 15. October beschehen, wir 
aber nunmehr auf dem End des Jahres stünden und mittler Zeiten sich 
zu Madrid viel veränderliches zutragen und das verworfene hätte am- 
plectirt werden können und wären meines wenigen Erachtens in der- 
gleichen Entlegenheiten der Oerter die Resolutionen bis auf das gewissere 
auszustellen. Dieses Einwenden bezeigten I. Ch. D. nicht ungenehm zu 
halten; Hessen sich auch weiter vernehmen, dass an dero Hof sich der 
churpfalzische Rath und Secretarius Schmettau befände, um die von 
Frankreich gegen seinen H**. Churfürsten verübende Thätlichkeiten und 
in specie dieses fürsteilig zu machen, dass Frankreich gleich ietzo im 
Werk begriffen einige churpfalzische Afterlehen in der Grafschaft Spon- 
heim unter die olsässische praetensiones mitzuziehen. Worüber S. Ch. 
D. sich bezeugten resolvirt zu sein dem französischen Envoye Rebenac 
gut rund zu erklären, sie würden ein solches nicht gestatten. . . . Nechst- 
deme meldeten sie noch des festen Glaubens und von Neuem berichtet 
zu sein, dass die Verständnus zwischen Dänemark und Schweden sicher 
und dieser Krön von dem dänischen Botschafter Juel angetragen worden, 
sie beide nordische Potenzen möchten künftighin ihre Conquesten gegen 
und unter sich beiden zu suchen einander verschonen und solche viel- 
mehr mit Hilf Frankreichs bei und in dem Reich zu suchen. Mit der 
polnischen Republik vermeinten I. Ch. D. in gutem Vernehmen zu sein 



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Span.-bnmd. Differenzen. Pfölzische Klagen über Frankreich. Punctum secnritatis. 981 

ubd obzwar dero Sohn, dem Prinzen Ludwig, sie theils das Indigenat 
dispatiren wollten, hofften sie iedennoch die Possess der litthauischen 
Radziwillischen Güter zo behaupten. . . . 

Nach Berlin zurückgekehrt hat Lamberg eine längere Unterredung mit 
Jena und Meinders wegen der spanischen Angelegenheit^). In einer weiteren 
Besprechung mit Jena macht Lamberg auf die übergrossen Forderungen Bran- 
denburgs an Spanien aufmerksam. Jena aber vermeinte ^ wann die Krön 
sich nur zum billichen verstehen wollte, dass quoad liquidationem die 
Sach schon ihr Ort finden würde; wollte auch mir zu Bezeugung seiner 
allerunterthänigsten Devotion gegen E. K. M. particulariter in höchstem 
Vertrauen an die Hand gegeben haben, dass nachdem ihme wohl wissend 
wie grosse praetensiones auch E. E. M. an die Krön Spanien hätten, es 
anietzo mittelst deren eine gute Gelegenheit sein würde auch die Jägern- 
dorfische Streitsach abzuthun, wann nemlich die Krön Spanien dahin 
gehalten würde etwas mehrers an Land als sonsten die churfürstliche 
praetensiones portirten einzuräumen. Er, Jena, würde dadurch zu E^ 
K. M. Diensten bei dem H^ Churfürsten zu cooperiren desto fähiger 
werden. Könnte mir anbei nicht verhalten befehligt zu sein die auf 
Jägemdorf habende Gerechtsame auf französisch an König von Engelland 
einzuschicken. Lamberg ersucht dringend dies zu unterlassen. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 2. Januar 1681. (Conc.) 

[Punctum securitatis.] 

Der Kaiser hat sich durch Frankreichs und der Pforte Vorgehen genöthigt 2. Jan. 
gesehen punctum securitatis publicae beim Reichstage in Regensburg vor- 
zubringen, ohne sich vorerst mit dem Kurfürsten von Brandenburg weiter zu 
berathen '). Lamberg soll dies dem Kurfürsten klar machen und denselben um 
Unterstützung der kaiserlichen Sache angehen. 



I) Das Protocoll dieser Sitzung ist erbalten. Das Ergebnis ist, dass die kur- 
fürstlichen Minister nachweisen, dass Spanien anstatt der 2068 409 Rthlr., die es im 
letzten Kriege an Brandenburg zu zahlen verpflichtet gewesen, blos 299 750 Rthlr. 
gezahlt habe, daher 1 768 659 Rthlr. Brandenburg schulde. Der Kurfürst würde gerne 
ein Stück Landes als Pfand bis zur Abzahlung dieser Summe nehmen. ^Und im Fall 
dieselbe sich hierüber auf ein Stück von Geldern resolviren wollte und dessen die 
Versicherung an die beliebte roediatores, als dermal Holland, beschehen sein würde, so 
wollten I. Ch. D. das bei Ostende abgenommene Schiff sammt aufgehebten Waaren 
unverzüglich zu Händen besagter Mediatoren stellen.^ 

^ Das Decret vom 15. Jan. dict Regensburg 17. Jan. abgedruckt bei Pachner 
von Eggenstorff 1. c. IL 288 ff.; für die Verhandlungen über diesen Gegenstand Fester 
I.e. 29ff.; Wagner 1. c. L 519 f. 



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982 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 6. Januar 1681. (Or.) 

[Gratulation zur Geburt der kaiserlichen Prinzessin. RadziwilPscbe Göter. Spanische 

Streitfrage.] 

6. Jan. Der Kurfürst und die Kurfürstin gratuliren zur Geburt der kaiserlichen 

Prinzessin*). Die Polen machen Schwierigkeiten in der Radziwill'schen Güter- 
angelegenheit'). In der spanischen Schiffsangelegeoheit ist alles im alten Stande. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Linz 10. Januar 1681. (Conc.) 

[Französiscb-staatische Allianzpläne. Jägerndorf. Brandenbnrgische Satisfactions- 

anspräche.] 

10. Jan. Auch aus dem Haag wird dem Kaiser gemeldet, dass die Frage einer 
Allianz der Staaten mit Frankreich im Hinblick auf die ungünstige Position 
Englands aufgeworfen worden sei. Lamberg soll näheres darüber zu erfahren 
suchen und Amerongen die grossen Gefahren vorhalten, die in einem solchen 
Falle ganz Europa drohen würden. 

Den Vorschlag Jena's, von Spanien ein grosseres Stück Landes zu fordern, 
um so die jägerndorfische Sache zugleich beizulegen, kann der Kaiser nicht 
billigen, doch ist er im Uebrigen bereit Brandenburgs Forderungen an Spanien 

auch femer zu unterstützen Betreffend die von Brandenburg gesuchte In- 

demnisation wegen des beim letzten Krieg erlittenen Schadens'), ist mit Rücksicht 
auf ein dadurch geschaffenes Praecedenz die Bewilligung nicht möglich, mit Rück- 
sicht auf die jetzt in Berathung stehende Securitätsfrage die Zurückweisung nicht 
empfehlenswerth, also dass vielmehr P. L***". das Werk lediglich anheim zu 
stellen^ ob? und wann sie es an die Reichsversammlung zu Regensburg 
gelangen lassen wollten, mit angehenkter Contestirung, dass wir sonsten 
unserer vorhin gethanen Erklärung gemäss deroselben ein solches wohl 
gönneten. Weil aus den letzten Reden Anhalts und Jena's zu ersehen, dass 
noch nicht alle Hoffnung verloren ist durch Geld die Jägerndorfer Streitfrage 
zu erledigen, erhält Lamberg die in dieser Sache nothwendige Information und 
für Jena werden 4000, oder für jetzt wenigstens 2000 Reichsthaler übersendet. 



1) Marie Elisabeth; vergl. Pachner 1 c. IL 286. 
«) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 30. 
») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. a 



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J&gerndorf. Brandenbnrgs Satisfactionsanspräche. Massregeln gegen Frankreich. 983 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 31. Janaar 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über Frankreichs Vorgehen und über die zu 
ergreifenden Sicherbeitsvorkebrungen. Des Kurfürsten Verhältnis zu Polen. Ame- 
rongen erkl&rt die Behauptung Ton einer Allianz der Staaten mit Frankreich für 
eine Erfindung. Der Kurfürst leugnet eine Allianz mit Frankreich geschlossen zu 
haben. Desselben Erklärungen über die Beziehungen Schwedens zu Dänemark. Jena's 
Erklärungen über des Kurfürsten Haltung. Lambergs Ansicht über die Lage der 

Dinge.] 

Auf die Auseinandersetzungen Lambergs, betreffend die Securität, antwortet 31. Jan. 
der Kurfürst, er wolle die Sache im geheimen Rathe besprechen, theile dem Lam- 
berg aber mit, dass er sich R^benac gegenüber sehr scharf über Frankreichs 
Vorgehen beklagt und dass R^b^nac an den Konig von Frankreich darüber zu 
berichten sich bereit erklärt nnd hinzugefügt habe, Ludwig XIV. werde gewiss 
das Recht gelten lassen. Lamberg meint, das hindere nicht sieh in Verfassung 
ZQ setzen. Bezüglich Polens erklärt der Kurfürst, die Republik sei für den 
Prinzen Lndwig, der König gegen ihn; er, der Kurfürst, werde alles thun, um 
die Rechte seines Sohnes zu wahren. Von Amerongen [erfährt Lamberg, dass 
an den Reden von einer Allianz zwischen den Staaten nnd Frankreich, — wie 
Amerongen vom Prinzen von Oranien selbst erfahren — , kein wahres Wort 
sei*). Ebenso leugnete der Kurfürst Amerongen gegenüber den Abschlnss 
einer Allianz zwischen Brandenburg und Frankreich '). Im Uebrigen aber rüstet 
der Kurfürst an einer grossen Flotte Die beide nordische Kronen be- 
langend, verharret L Ch. D. wenigst äusserlich in ihrer ersten Meinung'), 
dass sie beiderseiten bei Frankreich sich um Bündnus bewürben und 
gegen das Reich sich gebrauchen lassen wollten. Angesehen aber mich 
Graf von Mannsfeld ^) zu Paris berichtet, dass des H°. Churförsten Alli- 
anz daselbst auch mit Ausschliessung der Schweden gesucht würde, 
anderseiten gleichfalls verlauten wollen, als ob der Herr Cburfürst mit 
der Krön Dänemark zu Erbebung beiderseiten gleichmässiger Praeten- 
sionen gegen die Krou Spanien zusammen spannen wollten, so stünde 
dahin, ob sothane depraedicirte Allianz beider Kronen nicht ein selbst 
gemachter Vorwand sei, um gedachtes mit^ Dänemark etwan habendes 



1) Für die Haltung der Staaten in dieser Zeit Klopp 1. c. II. 234; Müller 1. c. 
65 ff. 

*) In der That hatte Friedrich Wilhelm bereits am l./l I.Jan. 1681 einen Ver- 
trag mit Frankreich geschlossen, durch den sich Frankreich (Art. 20) yerpflichtete, in 
einem brandenburg-spanischen Kriege den Kurfürsten zu Wasser und zu Lande zu 
unterstützen. Vergl. Momer L c. 418ff. Abdruck 708ff.; Droysen 1. c. 719f. 

3) Vergl. Urk. u. Act III. 601 ; für die wirkliche Haltung der beiden Staaten 
Carlson 1. c. V. 170ff. 

*) Kaiserlicher Gesandter in Paris. 




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984 Vin. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

Absehen, sa viel mehr ausser allem Verdacht zu halten ').... Jena er- 
klärt bezQglich der Liga Frankreichs mit Brandenbarg: Lamberg sollte ihn 
für einen Schelmen halten, wann ihm das mindest von dergleichen 
Allianz bewusst wäre. Meinders und Fuchs hätten auch den Angriff 
gegen Spanien für ihm verborgen gehalten; es könnte sein, dass sie 
beede Zeit seiner Krankheit ein Project gemacht hätten; von solchem 
allem aber sei ihm nichts bewusst; was ihm aber bewusst sei, wolle er 
frei heraussagen, nemlich dass Elector auf Vernehmung der spanischen 
Bedrohungen bei Frankreich angefragt, ob, auf den Fall sie von ienen 
zu Wasser angegriffen würden, dero Schiff sich in französischen Häfön 
retiriren dörfte und was für Schutzes sie dannenhero sich zu getrösten 
hätten. So sollte ich auch für ein gewisses Zeichen halten, dass so lang 
keine Regimenter aus Preussen marschirten, man sich versichern könnte, 

dass gegen Spanien nichts aufgerichtet worden Mit Meinders, Fuchs 

und seinem Bruder in Regensburg zeigt sich Jena nicht zufrieden. Jena ver- 
spricht alles zu thun, um den Kurfürsten bezüglich der kaiserlichen Pläne in 
Regensburg zu günstigen Entschliessungen zu bewegen. Auch der Kurfürst gibt 
gate, nur zu allgemein gefasste Erklärungen in diesen Dingen ab; trotzdem 
kann Lamberg nicht umhin, die Lage für darchaus nicht so harmlos anzusehen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 3. Februar 1681. (Or.) 

[Haltung des kurfürstlichen Hofes bezüglich puncti securitatis. Jena^s Vorgehen gegen 
seinen Bruder Gottfried in Regensburg.] 

3. Febr. Bezüglich puncti securitatis publicae bleibt der kurfürstliche Hof, wie 

Lamberg aus Jena's Reden ersieht, dabei, dass das Werk im Vortrag allein 
generice auf eine Reichsverfassung angetragen, wie solches aber in specie an- 
zugreifen den Reichsständen vorzuschlagen überlassen werden sollte. Auf 
weitere Erörternngen Lambergs erklärt Jena, dass L Ch. D. auf nichts als 
die Billichkeit zielten und von einem allgemeinen Reichsschluss nicht ab- 
seits gehen würden. Femer versichert der Kanzler Jena, er habe seinem 
Bruder nach Regensburg energisch geschrieben sich zu massigen und dem Kur- 
fürsten eingerathen, in Regensburg dem Verjus — dem Vertreter Frankreichs — 
erklären zu lassen, er halte das Verfahren Frankreichs für ganz unbillig. 



Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 24. 



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Punctum securitatis. Gottfried Jena. Dänisch-schwedische Pl&ne. 985 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 10. Februar 1681. (Or.) 

[Ahlefelds Mittheilungen über die Pläne Dänemarks und Schwedens. Erwiderung des 

Kurfürsten. Erklärung des Kurfürsten sich mit Frankreich nicht verbunden zu haben. 

Eben solche Erklärungen Anhalts. Jägerndorf. Unterredung Lambergs mit Jena und 

Friedrich Wilhelm über die spanische Streitfrage.] 

Ahlefeld *) hat dem Kurfarsten mitgetheilt, was massen die Kronen 10. Febr. 
Schweden und Dänemark sich vornehmlich der Ursachen zu vereinigen 
entschlossen, damit sie in der baltischen See gegen Polen und Holland 
Meister des commercii sein mochten, auch weilen sie gegen die chur- 
fnrstliche Schiffrüstungen Jalousie geschöpft; secundario aber, um sich 
mit Frankreich gegen das Reich zu binden und sich der Weser und 
Elbe zu ihren Quartieren zu bemächtigen; worüber I. Ch. D. nicht ge- 
ringe Apprehension gefasst, doch sich gegen den von Ahlefeld vernehmen 
lassen, wie sie dessen bereits vorhin auch anderwertshero verständigt 
worden, wüssten ihm aber wohl zu helfen, als die ohne dem zu einem 
Defensionsschluss mit Hannover gelanget'), nicht weniger zu gleichem 
End mit dem chursächsischen ministro Gersdorf zu tractiren den ge- 
heimen Rath Meinders anschicken'), auch auf ebenmässigen Fuss sich mit 
Münster und einfolglich mit dem westphälischen Kreis zu binden suchen 
würden. Der Kurfürst, der mit Lamberg von diesen Dingen spricht, erklärt, 
und wann auch gleich beide nordische Kronen bei fürkommender Ck)n- 
iunctur etwas gegen das Reich feindliches unternehmen sollten, vermeinten 
sie mit einer Armee den Oderstrom gegen Schweden zu versichern, mit 
einer andern aber in Holstein alsobald und Dänemark gleichsam in das 
Herz zu gehen. Aus welchem doch einigermassen abzunehmen, dass I.Ch.D. 
für das Reich annoch gute Gedanken fuhren müssten. Nach so vollende- 
tem Discurs habe den von Ahlefeld ersucht bei dem Churfursten dextre 
zu sondiren, ob sie dem von unterschiedlichen Orten kommenden Verlaut 
nach gegen Spanien mit Frankreich eingetreten wären, der mir solches 
treulich zu vollziehen versprochen, auch folgends in Gegenwart des von 
Amerongen antwortlich überbracht, welchermassen er unter churfürst- 
lieber Parola wäre versichert worden, dass I. Ch. D. noch ganz frei und 
ungebunden wären. Auch der Forst von Anhalt gibt ähnliche Versicherungen. 
Den Vorschlag Lambergs die Jägemdorfer Sache dadurch beizulegen, dass der 
Kaiser das Geld zur Einlösung eines und anderen mit Schulden belasteten Amtes 



>) Ehemals Vertreter des Königs von Dänemark am brandenbuipschen Hofe. 
») Vertrag ^om 21. Jan. 1681; Mömer 1. c. 422f. 
3) Vergl. Piif. 1. c. XVUI. 26. 



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986 Vill. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

hergibt, auf das der Kurfürst nach Abiehen des Administrators zu Magdeburg 
besonderes Verlangen gezeigt hat, billigt Anhalt und verspricht mit Jena weiter 
darüber zu berathen. Dem Kanzler Jena hält Lamherg vor, dass er gesagt, 
es sollten die Waaren des spanischen Schiffes nicht verkauft werden und dass 
dies jetzt doch geschehen solle. Jena sagt, er habe damals nur von dem Fall 
gesprochen, dass keine neue Verbitterung eintrete, was aber durch Spaniens 
Weigerung der Annahme der Mediation Hollands und Englands geschehen sei. 
Lamberg erwidert, er wisse nur von einem Aufschub, aber nicht von einer de- 
finitiven Weigerung der Mediationsannahme und räth nochmals von dem Ver- 
kaufe der Waaren ab. Jena meint, er möge darüber mit dem Kurfürsten 
sprechen. Dies geschieht, der Kurfürst ist aber nur zu einem 14tägigen Auf- 
schübe zu vermögen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 14. Febr. 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit Jena über die spanische Streitfrage. S&tisfactionsan- 
sprüche Brandenburgs an das Reich. Mittbeilungen Anhalts über das Bündnis des 
Kurfürsten mit Frankreich. Belohnung für Jena. Unterredung mit Friedrich Wilhelm 
über England und über die allgemeine Lage, sowie über den Verkauf der Waaren des 
spanischen Schiffes. Des Kurfürsten Ansicht über Holland und Polen. Zusammen- 
kunft Friedrich Wilhelms mit dem Kurfürsten yon Sachsen. Mittfieilungen Anhalts 
über das branden burg-hannoTerische Bündnis.] 

14. Febr. Jena wiederholt die Gefahren, welche hei neuerlicher Weigerung Spaniens, 

die Mediation Hollands und Englands anzunehmen, drohen und bringt auch die 
Indemnisationsfrage vor. Lamberg hetont, dass in letzterer Frage der Consens 
des ganzen Reiches erforderlich wäre; Jena aber meint, wenn nur der Kaiser 
wolle, würden die anderen nichts dagegen haben. Die Sache sei von geringer 
Bedeutung; es handle sich blos um die Aufhebung zweier Dompraehenden zu 
Halberstadt und dreier oder vierer im Mindischen ; im Magdeburgischen aber sei 
seines Wissens keine katholische Dompraebende mehr übrig. 

Von Anhalt erfährt Lamberg am folgenden Tage, er hahe von Fuchs ge- 
hört, dass zwar der Churfürst sich mit Frankreich wirklich verbunden, 
solches aber allein auf den Fall zu verstehen sei, im Fall sie von 
Spanien angegriffen'^'wiirden, im Uebrigen aber, was das römische Reich 
angehe, sich absolute eine freie Hand vorbehalten hätten^). Zu solchem 
wären aber I. Ch. D. lediglich bewogen worden, um willen Spanien sie 
so stark bedrohet und Fuen Mayor*) von Seeland wirkliche Assistenz 
begehrt hätte. Dessen aber ungeachtet, vermeinte er, Fürst, wann Spanien 
nur die geringste Anzeig von einer Satisfaction von sich legen sollte, 
solches alles abgethan sein, Elector völlig gewonnen und noch darzu der 



Dass dem nicht so ist, lehrt eine einfache Betrachtung des Vertragsinstm- 
mentes. 

^ Spanischer Gesandter im Haag. Vergl. Urk. u. Act HL 585. 



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Brandenb.-spaniscbe Differenz. Brandenb-franz. Beziehungen. Holland. 987 

Krön Spanien anhängig gemacht werden konnte. Lamberg beklagt sich 
über dieses Vorgehen des Kurförsten und ersucht Anhalt die Pankte der bran- 
denbargisch-französischen Allianz zu erforschen. Die Wechsel über 4000 Thaler 
für Jena kann Anhalt nicht nehmen, weil er bestimmt weiss, dass Jena eine 
Quittung darüder nicht ausstellen wird; Anhalt ist bereit seinerseits die 4000 
Thaler zu quittiren. Lamberg ersucht um Instruction in diesem Punkte. Der 
Kurfürst, zu dem sich Lamberg hierauf begibt, bemerkt, ob sie nicht treulich 
geratben hätte, dass E. K. M. sich mit Engelland nicht zu übereilen hätte, 
nachdeme nun die That erweise, was sie bereit vor 5 Monaten vorge- 
sagt '). Ich versetzte, E. E. M. hätten sich mit selbigem conformirend 
bishero zurückgehalten und zumalen es nun dahin angekommen zu sein 
scheine, dass von aussen nirgendsher für das deutsche Reich etwas bei- 
hilflich oder erspriessliches zu hoffen, wohl aber alles übel zu besorgen, 
wäre die innerliche Zusammensetzung, um welche sich E. K. M. so eiferig 
bewürben, soviel nothwendiger. Worauf sie alsobald sagten, dass eben 
zu solchem Ende sie allbereit ihre Gesandtschaft hätten instruiren lassen. 
Ich fragte, ob solches auch über die modos speciales der Securität be- 
scbeben wäre? Sie antwortete mir hierauf, dass ermelte Gesandtschaft 
zwar dahin nicht immediat« befelcht, dann sie anstehen müssten, ob die 
von E'. K. M. bescbehende Vorschlägt) von dem gesammten Reich wür- 
den eingewilliget werden. Im Fall aber von Seiten E^ K. M. man damit 
nicht auskommen und sich Beschwerden desfalls erzeigen sollten, wüssten 
sie mit keinem bessern Vorschlag beizutreten, dann dass E. K. M. dem 
Reich solche selbst an Hand zu geben überliesse, wodurch ihres Dafür- 
haltens soviel ehender zu gemeiner Sicherheit zu gelangen sein und ein 
und anderer Stand nicht so leicht auf die Gedanken kommen würde, als 
ob E. K. M. einig Particularabsehen dabei hegeten. Bezuglich des l^aaren- 
verkaufes erklärt der Kurfürst vom 25. Febr. an noch 14 Tage zu warten; ver- 
sicherte femer, dass man, wenn Spanien nur verhandeln wollte, wohl zu einem 
Ergehnisse gelangen konnte. 

Sie fielen demnach auf die Holländer und wollten mich versichern, 
dass sich allda von neuem grosse factiones gegen den Prinzen von 
Oranien formirten und sie sehr, besorgten, dass Groningen, Friesland und 
die Stadt Amsterdam sich nach nunmehr cassirtem Parlament in Engel- 
land, um sich gegen Frankreich in Sicherheit zu stellen, mit selbigem 
auch wider Willen des Prinzens zu binden suchen werden. . . . Wegen 



') Das Parlament war am 10./20. Jan. 1681 prorogirt worden, nachdem der Ver- 
such einer Einigung gescheitert war. Vergl. Ranke, Engl. Gesch. V. 291. 
^ Gemeint ist die Proposition Tom 15. Jan. 1681. 



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988 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

Polen meldeten I. Ch. D., dass die von dem König controversirte Stritt- 
sach des Indigenats nunmehr allein darauf beruhe, dass sie demselben 
50000 Reicbsthaler abfolgen Hessen, welches sie jedoch nicht zu thuo 
gesonnen wären, sondern es durch die Republik zu behaupten getraueten. 
Mit dem Kurfürsten von Sachsen werde er zusammenkommen, vornehmlich um 
sich mit ihm wegen Sicherheit der beiden sächsischen Kreise za unterreden. 

Von Anhalt erfährt Lamberg, als er den Kurfürsten verlässt, über die 
Allianz mit Hannover, dass der Herzog, auf den Fall Elector einiger Seitea 
im Reich angegriffen werden sollte, mit 2000, vice versa aber der Chur- 
fürst ihm mit 4000 Mann assistiren sollte 0. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 21. Februar 1681. (Or.) 

[Erklärungen des nach Potsdam gekommenen Kurfdrsten Ton Sachsen. Ansicht Lam- 
bergs über den Zweck des von diesem vorgeschlagenen Bündnisses.] 

21. Febr. Der Kurfürst von Sachsen ist in Begleitung seiner Frau und des Prinzen 

Christian am 19. d.M. nach Potsdam gekommen '). Lamberg gegenüber erklärt 
der sächsische Kurfürst: Ich komme nicht anhero Intrigues zu machen, 
sondern mit dem H°. Churfürsten zu Brandenburg bekannt zu werden 
und gute Nachbarschaft zu stiften. Im übrigen zeigt sich in einigen Unter- 
redungen, dass der Kurfürst vpn Sachsen in der Securitätsfrage für die An- 
sichten Brandenburgs eintritt und durchaus nicht für die in Regensbnrg vorge- 
schlagenen 7 Punkte eingenommen ist^). Soviel ich aber hinc inde ein- 
nehmen können, solle die mit Churbrandenburg intentionirte Bnndnus so- 
wohl ein als anderer Seiten meistlich dahin angesehen sein sich beider 
sächsischen Kreis halben zu vereinbaren^ um bei ereignendem Krieg alle 
auswärtige Winterquartier und Durchzug abzuhalten, sich aber deren 
allein auch über ihre geringere benachbarte Nebenständ zu unterziehen, 
hernach etwan nur nach eines oder andern Particularinteresse oder 
nur pro libitu E^ K. M. und dem übrigen Reich zu succurriren *). Anhalt 
verspricht genau die Bestimmungen dieser Allianz zu erforschen. 



^) Vergl. § 6 des Bündnisses vom 21. Jan.; Mörner 1. c. 422. 

2) Urk. U.Act. III. 601. 

') Gemeint sind die 7 Punkte des Decretes vom 15. Jan.; vergl. Pachner I.e. 
II. 289. 

*) Vergl. auch Urk. u. Act III. 601. Die Allianz kam erst am 8./18. Apal za 
Stande; vergl. Mörner I.e. 424 ff. 



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ßrandenburg-^chsische Beziehungen. Reichsangelegenheiten. Jena. 989 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Februar 1681. (Or.) 

[Mittheilnngen Anhalts über die sächsisch - brandenburgiscbe Allianz. Spanischer 
Waarenyerkauf. Jena. Jägemdorf.] 

Anhalt theilt mit, dass eine Defensivallianz zwischen Brandenburg und 28. Febr. 
Sachsen geplant, aber noch nicht vollständig ausgearbeitet sei, dass die däni- 
schen Rnstnngen die beiden Fürsten sehr beunruhigt hätten^). Am folgenden 
Tage hat Lamberg Audienz beim Kurfürsten von Sachsen, der ihm von der 
beschlossenen aber noch nicht ausgearbeiteten Defensivallianz Kunde gibt. 

Den Verkanf der spanischen Waaren hat der Kurfürst auf den 1. April st v. 
verschoben; im übrigen bleibt er bezüglich Spaniens bei den gefassten Be- 
schlüssen'). Anhalt hat dem Jena von den 4000 Reichsthalem Kunde gegeben, 
welche anzunehmen dieser sich nach längerem Sträuben unter Bethenerung 
seiner Devotion gegen den Kaiser bereit erklärte. Jena räth die Jägemdorfer- 
sache jetzt ruhen zu lassen, da jetzt kein geeigneter Moment zur gütlichen* Bei- 
legung sei. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat Linz 1. März 1681. (Conc.) 

[Instroction bezüglich der Reichsangelegenheiten. Belohnung für Jena.] 

In die Indigenatsstreitigkeiten des Kurfürsten will sich der Kaiser nicht 1. März, 
mischen. Lamberg soll dem Kurfürsten sagen, der Kaiser hoffe, dass der 
Kurfürst seinen Gesandten in Regensburg Befehl ertheilt haben werde, in 
puncto securitatis bestmöglichst den Kaiser und dessen Vertreter zu unter- 
stützen. Und weil nach Lambergs Relationen der Kurfürst gewünscht habe, 
dass man in der communicirten formula decreti die Specialitäten, besonders was 
wegen der armirten Stände erwähnt war, dass sie auf der Anderen Ansuchen 
einige Mannschaft hergeben möchten, auslassen thäte, hat der Kaiser seiner Ge- 
sandtschaft dies zu thun befohlen. Selbst wegen der Dompraebenden einen 
Vorschlag in Regensburg machen, kann der Kaiser nicht; doch will der Kaiser, 
wenn Brandenburg selbst den Vorschlag macht, ihn unterstützen. 

Es ist gegen den Willen des Kaisers geschehen, dass wegen der 4000 
Thaler die Sache vom Hof aus an die Kammer in Schlesien remittirt wurde; 
man wird dort strengstes Geheimnis anbefehlen. Eine Quittung hat Lamberg 
von Anhalt nicht zu begehren. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 10. März 1681. (Or.) 

[Aufnahme der Antwort des Reiches auf die Erklärungen Frankreichs am knrförst- 

licben Hofe.] 

Die Antwort aof die „contraventiones^ Frankreichs, Namens des Reiches, lo. März. 

Gleiche Mittheilungen von Amerongen Urk. u. Act III. 601. 
«) ürk. n. Act. III. 601. 



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990 Vill. Erste Missioo des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Peb. 16S2. 

hat hier Beifall gefunden'), gleichwohl ist keine Aussicht, dass sich dieser Hof 
zu etwas entscheidendem entschliessen werde, bevor die spanische IMfferenx 
beigelegt ist 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 21. März 1681. (Or.) 

[Unterredung mit Friedrich Wilhelm ober die Reichssicherheit, über Frankreichs Ver- 
halten und über Spanien. Ansicht Larobergs über den Conflict Brandenburgs mit 
Spanien. Erklärungen des Meinders und Jena^s in dieser Angelegenheit Dank Jena*a 
für die erhaltene Belohnung. Polnische Indigenatsstreitigkeit.] 

21. März. Auf die Mittheilungen Lambergs im Sinne der Weisung vom 1. Mfirs er- 

widert der Kurfürst, er danke für des Kaisers gute Gesinnung und für die 
Concessionen in puncto securitatis; er werde seinen Gesandten in Regensburg 
befehlen, mit des Kaisers Vertretern yertrauliche Correspondenz zu fuhren, 
die Sache eifrig zu betreiben und darauf zu sehen, dass die Sache zu eioem 
Schlüsse komme. Im Uebrigen und bis man sehe, wessen sich die Krön 
Frankreich auf die in puncto contraventionum unlängst abgegebene 
Reichsreplik vernehmen lasse und wie es mit der veranlassten Com- 
mission ablaufe, wüsste er, der Herr Churfurst, zu des Reichs Interims- 
versicherung nichts zulänglicher, als dass ein ieder Stand sich nach 
seinem besten Vermögen in Postur setze. Der Kurfürst theilt dem Lam- 
berg den wesentlichen Inhalt der mit Hannover und Sachsen geplanten Allianzen 
mit Auf die vom Verkaufe der spanischen Waaren abmahnenden Reden Lam- 
bergs erklärt der Kurfürst, nicht mehr lange warten zu können, da Spanien 
keine Anstalten zur Ausgleichung der Streitfrage treffe. Ich konnte aber im 
Uebrigen wohl verspüren, dass sie ihre Zufriedenstcllung mehrentheils 
zu Wasser holen und die Spanier zu- Land anzugreifen sich schwerlich 
resolviren wurden. Sie setzten aber diese formalia bei : Spanien bedrohet 
mich im Clevischen anzugreifen, dahero ich auf meiner Hut stehen muss 
und des Erfolgs zu erwarten habe. Ich habe aber entzwischen 3 Arti- 
glerien aufzurichten die Anstalt gemacht, deren eine in Preussen, die 
andere in der Mark, die dritte im Clevischen verbleiben solle, habe auch 
entschlossen, mich bei der auf den 10. Mai st. v. ausgeschriebener Hul- 
digung zu Magdeburg einzufinden und von dannen nach Bielefeld. . . . 
zu verfugen. Ich konnte anbei einigermassen abnehmen, dass sie von 
dannen sich wohl gar nach Cleve erheben dörften. Auch Jena und Anhalt, 
mit denen Lamberg conferirt, erklären, der Kurfürst werde zu Lande nichts thun, 
bezüglich der Actionen zu Wasser könnten sie nicht gut stehen. Jena, dem 
Lamberg die 4000 Thaler gegeben, hat sich sehr bedankt und gute Dienste 
versprochen. 

>) Vergl. Theatr. Europ. XIL 273. 



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Verhandlongen Lamberts mit dem Kurfürsten. Jena. Polniache Indigenatsfrage. 991 

P. S. Der Earfürst klagt über des Palenkönigs Vorgehen in der Indige- 
natsangelegenheit *). 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 24. März 1681. 

(Or.) 

[Brandenburg-bannoTeriscbe Allianz. Gratulation' Frankreicbs zur Heiratb des Pnnzen 
Ludwig. Halberstadt- und mindische Dompraebenden. Einzug des Prinzen Ludwig 

in Berlin.] 

Lamberg übersendet unter dem 24. März eine Abschrift der zwischen 24. März. 
Brandenbnrg nud Hannover bis auf die Ratification geschlossenen Allianz*) und 
berichtet, dass der Konig von Frankreich ein herzliches Oratnlationsschreiben 
an den Kurfürsten gelegentlich der Vermählung des Prinzen Ludwig gerichtet, 
was den Anhängern Frankreichs Gelegenheit biete, die gute Freundschaft 
zwischen Brandenburg und Frankreich zu betonen. Ferner berichtet Lamberg 
von den Bemühungen Jena's wegen Extinction der halberstadt- und mindischen 
Dompraebenden, und dass er — Lamberg — ihm privatim vorgestellt, dass 
dergleichen ohne geistlichen Consens und Dispensation bei denen Katho- 
lischen nicht geschehen, solche aber einiger Dingen nicht zu hoffen stunde, 
dafem nicht der katholischen Religion in andere Wege ein majus bo- 
Dum, Exempelweis durch Erbauung katholischer Klöster und Zulassung 
dos katholischen exercitii, wo etwan de facto noch keines wäre, zuwachsen 
sollte. Gegen sein Vermuthen hat Lamberg aber erfahren müssen, dass nicht 
nur Jena ein solches Zugeständnis nicht verworfen, sondern auch der Kurfürst 
sich dazu geneigt gezeigt habe. Lamberg hat daher betont, dass er diesen Vor- 
schlag nur Beispielsweise gemacht habe. In dem Schreiben vom 28. März be- 
richtet Lamberg vom Einzüge des Prinzen Ludwig in Berlin und dass der Kur- 
fürst mit Pplen in der Indigenatsangelegenheit nicht zufrieden sei. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat Linz 2. April 1681. (Conc.) 

[Veriialten zu den Separatverträgen Brandenburgs. Plan einer osterreichiscb-branden- 

burgischen Particularallianz. Polnische Indigenatsstreitigkeit Spanischer Gonflict 

Sicbeniog Strassburgs und Speiers.] 

Gegen Separatbündnisse, falls diese zum Vortheile des Reiches angesehen 2. April, 
sind, ist der Kaiser nicht, doch soll Lamberg Jena und Anhalt fragen, ob es nicht 
dem im Werk begriffenen allgemeinen Friedensschlüsse hinderlich sein werde. 



') Vergl. Puf. 1. c. XVIIl. 30. 

^ Vergl. Mömer 1. c. 422 f. und 424; der Vertrag ist vom 21. Januar; der Se- 
paratartikel vom 25. März. 



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992 VIH. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

wenn vor dessen Abschlüsse solche Sonderbnndnisse eingegangen werden i). In 
jedem Falle soll der Kurfürst neuerdings seinen Gesandten in Regensborg 
Befehl ertheilen punctum securitatis im Sinne des Kaisers mit allem Eifer 
zu betreiben. Auch soll Lamberg, jedoch vorsichtig, zu erfahren suchen, ob 
Brandenburg für den Abschluss einer Particularallianz mit dem Kaiser bis zu 
erfolgendem Beschluss der allgemeinen Securität zu bewegen sein würde. In 
die polnische Indigenatsangclegenheit soll sich Lamberg nicht mischen. 

Sodann ist zwar nicht unzeitig zu besorgen, es dörfte die gütliche 
Beilegung der zwischen der Krön Spanien und mehrernanntes Chur- 
fürsten von Brandenburg L***». erregter Mishelligkeit aus denen von dir 
angeführten Ursachen ie länger ie schwerer fallen, dazumaln I. L. sich 
endlichen zu ihrer Sicherheit völlig in französischen Schutz zu werfen 
resolviren mögten; iedoch will bei gegenwärtigem gefährlichem Zustand 
des Reichs nicht rathsam sein, dass wir uns der Sachen, (obwohln wir 
deren schiedliche Abthuung sehr gern sehen thäten), . . . operose an- 
nehmen, also dass des Fürsten von Anhalt lA und des Jena Rath, dass 
nemlichen das odium vielmehr auf andere zu wälzen, dermaln bei 
beecierseits gegen einander verbitterten Gemüthern der beste ist. . . . 

Was aber die Gedanken betrifft, dass der Stadt Strassburg Sicher- 
heit nicht wohl andersten dann durch Einlegung einiger Reichsvölker 
und der Stadt Speier vermittelst einer Neutralität vorgesehen werden 
könne, dienet dir zur Nachricht, dass wir besagte Stadt Strassburg durch 
unsern Residenten daselbst bereits zu mehrmalen erinnert, dass sie sich 
hiezu verstehen wollte, auch solches zu ßenehmung aller unzeitigen 6e- 
losia etwan von ein- und auderm der augsburgischen Confcssion zuge- 
thanem Chur- oder Fürsten zu beschehen hätte. Es hat aber dieses 
alles bis dahero nicht verfangen, iedoch wäre gut, wann ^ie annoch 
durch anderwerte officia zu solchem vermögt werden könnte. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 18. April 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten und mit Jena ober die Reicbsangelegenheiten. 
Jägerndorf. Spanischer Waarenverkauf] 

18. April. Auf die dem Lamberg aus Regensburg zugekommenen Nachrichten, dass 
Brandenburgs Vertreter in der quaestio an? der Securität sich sehr kalt gezeigt 
und nur in den allgemeinsten Formen ihre Zustimmung gegeben haben, beschwert 
sich Lamberg bei Jena und bei dem Kurfürsten, erhält aber nicht die gewünschte 



') Vergl. für diese Sonderbändnisse und für die Parteiangen im Reiche in dieser 
Zeit im allgemeinen; Müller 1. c. L 48ff.; Fester 1. c. 42ff. 



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Spanisch'brand. Beziehungen. Strassbnrg. Oesterreicb-brandenb. Bündnis. 993 

Antwort Lamberg fordert von dem Kurfürsten eine Erklärung, wie seine Ver- 
treter in der Frage qnomodo sieb erklären würden und bemüht sich den Kur- 
fürsten zu yermögen, sie zu vertraulicher Oorrespondenz mit den Vertretern des 
Kaisers anzueifem, erhält aber nur die Antwort, die kurfürstlichen Vertreter 
seien schon instruirt Lamberg glaubt daher, der Kurfürst werde erst sehen 
wollen, ^wohin die majora gehen**. In der jägemdorfischen Sache bleibt es 
dabei, dass jetzt keine günstige Gelegenheit zur Beilegung der Differenz ist 
Der Verkauf der spanischen Waaren hat in Königsberg begonnen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 28. April 1681. (Or.) 

[Verhandlung mit Jena über ein österreiebisch-brandenburgiscbes Particularbündnis. 
Ablehnende Haltung Jena's. Bemerkungen Jena's über die Allianz Brandenburgs mit 
Hannover und Sachsen, über die Reichskriegscassa, über die Gerüchte von des Kaisers 
Plänen bezüglich des Herzogs Ton Lothringen, über Strassburgs Rettung. Mitthei- 
lungen des Kurfürsten über die Einträglichkeit der Accisen und des Papierstempels, 
über den Zweck seiner Reise nach Pyrmont, über eine Allianz mit Oesterreich. 

Testamentsangelegenheit.] 

Lamberg sondirt zuerst bei Jena, ob S. Ch. D., E'. K. M. Intention nach, 28. ApriL 
bis dass der punctus securitatis pablicae völlig aasgearbeitet, neben an- 
deren Chur-Fürsten und Standen zu einer Particularallianz sich wurden 
vermögen lassen, auf dass bei nechstvorstehendem Congress der König 
in Frankreich nicht etwan sub clypeo seine durch beide Frieden ver- 
meintlich erhaltene Dependentien durchdrucke, oder etwan gar denen 
Reichsconclusis vorbiege und durch Gewaltthätigkeiten noch weiter in 
das Reich eindringe und was E. K. M. zu vollziehen mir des mehrern 
allergnädigst anbefohlen. Hierüber wollte mir der Kanzler Jena antwort- 
lich in Vertrauen unverhalten, sein Herr wurde sich bei gegenwärtigen 
Beschaffenheiten mit E*^. K. M. schwerlich zu einer Particularbündnus ver- 
stehen. Ich nähme aber ex instant! wahr, dass er soviel sagen wollte, 
dass vor völliger Erörterung der spanischen und polnischen Mishellig- 
keiten I. Ch. D. nicht gern bei Frankreich einen Verdacht würden er- 
wecken wollen; vermeinte jedoch, dergleichen Allianz wurde um so viel 
weniger Beeiferung wirken können, als sie zu niemands Beleidigung, 
sondern allein zu höchstnöthiger eigener Beschätzung angesehen, dadurch 
denen der Gefahr nechstgelegenen Standen zu desto freier Herauslassung 
ihrer Stimmen Anlass gegeben und sodann der punctus securitatis 
publicae so viel forderlicher auf ein gewünschtes End wurde gerathen 
können. 

Er überginge aber diese meine motiva mit Stillschweigen und ver- 

Ifater. z. Gesch. d. G. Karfurgten. XIV. 2. 63 



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994 VIII. Brate Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

setzte, dass er zwar es seines Orts secundiren wollte, doch wegen der 

Aufkompst damit besorgt sein musste Hienechst fahrte ich selbigem 

weiter zu Gemüth, dass, indeme der Herr Churfurst mit Aufrichtong 
einer beiderseitigen Defensivallianz mit Chursachsen und mit Braun- 
schweig-Hannover begriffen und es damit bis zu der Ratification und 
Auswechslung seine Richtigkeit hätte, die Krön Frankreich gleichwohlen 
kein Ombrage hierüber zu fassen beginne, diese Allianz zweifelsfrei auf 
weit festeren Fuss würde gestellet sein, wann I. K. M. und etwan Chor- 
bayern, auch wen I. Ch. D. ferner dazu bequem hielten, mit sollten 
hineingezogen werden. Hierüber erwähnete mehrberührter Kanzler, ob- 
wohl das allhie projectirte foedus mit Chursachsen kürzlich zu Finster- 
walde durch den geheimen Rath Meinders zum Schluss gebracht worden'), 
so tauge doch noch dieses, noch das Hannoverische, soviel als eine 
Bohne und hätten es sowohl Chursachsen, als der Herzog zu Hannover 
dahin verstanden, dass sie sich mit hiesigem Herrn Churfürsten in das 
spanische Werk mit nichts befangen und solchen Puncten soviel als aus- 
genommen haben wollten Die sächsischen ministri haben bei der 

Conferenz mit Meinders sich vernehmen lassen, man solle zu Bewerk- 
stelligung der quaestio quomodo in puncto securitatis publicae meistlich 
dahin sehen, damit bei Verwilligung des quanti ein ieder solches interim 
bei sich behalte und vor wirklichem Krieg die Reichsvölker in kein 
corpus gebracht werden, massen widrigenfalls es manchem Reichsstand 
zu hart sein müsste in währendem Frieden mit Quartieren belegt zu 
werden... und setzte Jena bei, man sei bei Chursachsen sowohl als 
allhie der Meinung, E'. K. M. Intention mit der allgemeinen Reichscassa 
werde nimmermehr zur Wirklichkeit gereichen, angesehen mehre ntheils 
Stände den Verdacht haben könnten, als ob E. K. M. solche nur zu dero 
Particularinteresse, und um eine freie Hand darüber zu haben, praetendirten, 
vorderist da dero Gesandtschaft zu Regensburg etwas eiferig darauf ge- 
drungen'). Dannenhero er, Kanzler, noch beständig eingerathen haben 
wollte von solchem Specialmodo zu abstrahiren und das odium von sich 
auf andere zu schieben. Dann dass E. K. M. bei Ereignung eines Kriegs 
einer so despotischen Autorität wie in vorigem habhaft werden sollten, 
dessen müsste er in Zweifel stehen, oder sehr abusirt sein. Und wann 
gleich die Reichssicherheit dermal nicht eben allerdings nach E^ K. M. 
Vorschlag und Intention ausfallen sollte, sei ia gleichwohl besser, dass 



') Vertrag vom 8./18. April 1681. Momer 1. c. 424ff. 
') Vergi. Londorp 1. c. XI. 301. 



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YerbandluQgea Lambergs mit Jena. • 995 

sie, da dud die qaaestio quomodo id motu, qaocunque modo stabilirt, 
als ganz ohne Effeet zerschlagen wfirde. Zu schleunigster Ausarbeitung 
aber dieses unter Händen habenden Werks finde er an seinem Ort kein 
znliinglicher Mittel, dann dass E. K. M. bei dem Reicbsconvent durch dero 
Gesandtschaft vor allen Dingen auf die Verwilligung des quanti, es sei 
nun in duplo, triplo, oder wie es der Nothdurft erachtet wurde, antreiben 
lassen sollten. Wann solches festgestellt, konnte die Gesandtschaft denen 
Standen vortragen, weilen nunmehr das quantum nach denen Reichscon- 
stitutionibus resolvirt, dass zu gleicher Austheilung dessen E. E. M. für 
notJiwendig erachteten allen Kreisausschreibenden Fürsten und Obristen 
per rescripta zu intimiren und die Gewalt zu ertheilen, damit sie alle 
und jede Kreisstand nach Ausweis der Matricul ihre Mannschaft auf 
den Fuss zu stellen und zu deren Verpflegung, auch zu allen andern 
Kriegsgereitschaften die Vorsehung zu thun, anhalten möchten. Dafem 
aber einige mit der Mannschaft aufzukommen nicht fähig, sollten die 
Kreisobriste oder ausschreibende Fürsten solche von der ihrigen ersetzen 
und von jenen nach eines jeden Proportion verpflegen lassen. Ebenso 
solle es bei der Artillerie gehalten werden. Es sei im Uebrigen die chur- 
furstliche Gesandtschaft zu Regensburg ratione quanti zu instruiren re- 
solvirt, dass I. Gh. D. sich mit dero Contingent nach Proportion anderer 
Churfarsten und der Matricul conformiren und solches zu der Reichs- 
sicherheit allezeit auf den Beinen halten wollten. Jena theilt dem Lamberg 
femer mit, dass man am karfurstlicben Hofe jetzt eine Gopie der zwischen Schwe- 
den ond Dänemark geschlossenen Allianz besitze, ans welcher za ersehen, dass die 
beiden Staaten in allen Angelegenheiten nur gemeinsam vorgehen wollen '). Zum 

Abscheid bedeutete mir Jena zur Nachricht, dass von der französischen 
Faction der Ghurfurst beredet zu werden gesucht wfirde, ob wurde von E'. 
K. M. mehr gedacht einen Krieg zu Wiedereinsetzung des Herrn Herzogens 
zu Lothringen selbst anzufahen, als denen Differentien mit Frankreich durch 
einen schiedlichen Weg des Congresses abzuhelfen. Dass dem so sei, hat Lam- 
berg auch bei seiner Unterredang mit dem Kurfürsten merken können, der über- 
haupt gezeigt, dass er keine Lust habe mit dem Kaiser in eine Allianz zu treten. 
Sie wollten mir aber wegen der Stadt Strassburg unverhalten, nachdeme 
selbige fremde Mannschaft einzunehmen Bedenken trüge, sollte man 
etwan trachten ihre mit einem genügsamen quanto an Geld zu assistiren, 
wozu L Ch. D., wann andere auch ein billiches thäten, ihres Orts 10000 
Reichsthaler hergeben wollten; um aber dessen guter Verwendung auf 
die Völker (so etwan Schweizer sein könnten) versichert zu sein, sollte 

') Ueber die dänisch-schwed. Beziehungen in dieser Zeit Carlson I. c. Y. 29 ff. 

63* 



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996 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

man von Reichswegen einen Commendantcn hineinlegen, wozu sie einen 
guten und der Stadt annehmlichen farzuschlagen wussten. 

Bei einer Fahrt zum neuen Lustbaas Glienlcke') erzahlt ihm der Kurfürst 
von dem guten Fortgang der anstatt voriger Contributionen neueingefuhrter 
Accisen, mittelst welcher allein die Landstadt soviel einbrachten, als vorhin 
das ganze Land an Contribution gethan; der Adel sei dem zwar noch 
etwas entgegen, sie verhofFten es aber gleichwohl noch auf guten Weg zu 
bringen. Mir aber wird ad partem von diesen Accisen viel widriges 
referirt und an dem Ausgang, auch deren Zulänglichkeit, stark gezweifelt. 
Ferner meldeten L Ch. D., sie hätten sonsten noch einen fundo zu ihrer 
Sfachen Artiglerie an der Hand durch den Stempel des Papiers, welchen 
sie auch E^ E. M., als die so grosse Länder hätten, für ein sehr erträg- 
liches Werk angerathen haben wollten. Der Kurfürst beklagt sich auch 
über des Herzogs zu Celle Benehmen, gaben mir femer in Vertrauen zu 
vernehmen, |: ihre Reis nacher Pyrmont beschehe zwar die Frau Chur- 
furstin dahin zu begleiten, vornehmlich aber von der verwittibten Kö- 
nigin zu Dänemark'), auch Churfurstinnen zu Sachsen *) und Pfalz ^) die 
geheime Rathschläg der Krön Dänemark und der Häuser Braunschweig 
zu penetriren^):|. Ich thäte endlich noch einen An wurf wegen der Parti- 
cularallianz, sie aber beschieden mich anstatt der Antwort, dass sie mir 
bei dero morgigen Anherokunft den tenorem des sächsischen foederis 
wollten zukommen lassen, woraus zu ersehen sein wurde, dass auf der- 
gleichen Seitenallianzen sich nichts zu verlassen Sonsten ist mir in 

Vertrauen wisslich worden, |: die churfürstliche Hereinkunft sei meistlich 
angesehen das churfürstliche Testament völlig zu Standen und alles vor 
der magdeburgischen Reis auf ein Ort zu bringen, wie dann der Churfurst 
sich gegen einige Confidenten verlauten lassen, sie befanden in sich, dass 
sie nicht lang mehr zu leben hätten, wollten dannenher die Vorsehung 
in tempore thun; auch dass unangesehen die französische Faction sich 
sehr bemuhet die Prinzen zweiter Ehe abzutheilen, der Churfurst dan- 
noch dabei verbleibe, selbige nur mit einem von der Chur dependiren- 
den Appenagio abzufertigen in Geld oder Land und sonsten alles bei 
einander und bei gedachter Chur zu lassen ^):{. 

*) A = Kliningen. *) Sophie Amalia. 

*) Anna Sophie, Tochter Friedrich III. von Dänemark. 
*) Wilhelmine Emestine, Tochter Friedrich III. von Dänemark. 
^ Üeber die Zusammenkunft zu Pyrmont Droysen l. c. 724. 
^ Ueber die Testamentsangelegenheit in dieser Zeit Droysen, Das Testament 
des grossen Kurfürsten, G. d. p. P. IV. 4 144 ff. 



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Accise. Papierstempel. Reicbsaogelegenheiteo. Jägemdorf. 997 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 2. Mai 1681. (Or.) 

[Unterredung mit Jena über die Reichsangelegenheiten. Rathschlag Jena's zur Bei- 
legung der jägemdorfischen Streitfrage. Spanischer Ck)nflict Haltung des Hofes R^ 

benac gegenüber.] 

Uebersendet eine Abschrift der schwedisch-dänischen Allianz vom 27. Sep- 2. Mai. 
Umher 1679*). 

Jena sagt mir, I. Ch. D. werde keinem in E'. K. M. decreto an dero 
commissarios beim Reichsconvent circa modum der Verfassung enthal- 
tenen Punkten entgegenstreben, als allein dem dritten^, wegen einer all- 
gemeinen Reichscassa, so iedoch durch die Ereiscassen könne ersetzt wer- 
den, und dann dem siebenten*), vermög dessen die bewaffnete Stande 
ihre geübte Völker denenienigen zu gutem, so mit keiner tauglichen Mann- 
schaft aufzukommen wussten, hergeben sollten. Uebrigens seien dieselbe 
bereit sich mit dem Reichsconcluso ratione quanti, ob es gleich auf 
60000 Mann hinauslaufen sollte, zu conformiren. |: Nachdem wir auch 
hierüber auf die jägerndorfische Sach gerathen, vermeint er, es könnte 
sich mit der an Sachsen nunmehr gehörigen Grafschaft Barby ein gute 
Gelegenheit darzu ergeben, auf welche der Churfarst ein Aug geworfen 
sie käuflich einzuhandlen, als die mit Schulden fibersetzet und die 
sächsische darauf haftende Lehenschaft mit der Magdeburgischen, : | auf 
die im westphälischen Friedensschluss an Sachsen übergetragene 4 Aemter 
praetendirenden Lehenbarkeit, könnte umgetauschet werden und falls 
dieses von keinem Erfolg sein sollte, wollte er dannoch |: bedacht sein, 
damit eines von solchen 4 Aemtem^) möge feilgemacht und sodann die 
jägerndorfische Sach mit gefördert werden möchte, weilen man sodann 
baares Geld benöthigen würde :|. Die spanischen Mishelligkeiten gewinnen 
durch das bisher anscheinende Glück zur See und neuerschollene Prise 
3 er reichbeladener Schiff solche Weiterung, dass I. Ch. D. zum hollän- 
dischen ministro und mir unverholen gesagt, dass nun mit dem Carolo 
IV. wiederum 3 Fregatten in See geloffen, um sich mit denen bei Amerika 
schwebenden zu coniungiren, welche dann nach eingeloffenem Bericht den 
Sund bereit passirt wären ^). Sofalls -Spanien sich der geringsten Gegen- 
wehr anmassen wird, stehet die völlige Ruptur darauf und dass I. Ch. D. 

Der Friede wurde am 26. Sept geschlossen ; abgedruckt bei Du Mont 1. c. 
VII. 1 425 ff. Vergl. Carlson, Gesch. Schweden IV. 732. 
>) Vergl. Pachner 1. c. H. 289. 
») Vergl. Pachner 1. c. II. 289. 
*) Querfurt, Jüterbog, Dahme, Burg. 
*) Vergl. ürk. u. Act. UI. 604. 



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998 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

sich auch wider dero anfänglichen Vorsatz in franzosische Arm werfen 
dörfte, zumalen selbige Eron ihre durch die für das polnische Indigenat 
offenbarlich einwendende starke ofBcia nicht ein geringes vorgetragen 
und empfängt von Zeit hierfiber eingeloffener Nachricht der französische 
Minister Rebenac, zwar mehr von der Frau Churfurstin als dem Herrn 
Churfürsten, täglich und für iedermäniglich grosse Caressen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 5. Mai 1681. (Or.) 

[Differenz zwischen Friedrieb Jena und dem Kurfürsten. Urtheil Blumentbals über 
Gottfried Jena. Ansicht Lambergs Yon der yoraussichtlichen Haltung des Kurfürsten 
gegenüber Frankreich. Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über Frankreich 

und Spanien.] 

5. Mai. Zwischen dem Kurfürsten und dem Kanzler Jena ist wegen Einhebung der 
Accisen im Magdeburgiscben und Halleschen ein Zwist ausgebrochen, Jena be- 
gab sich auf sein Gut, die Franzosen triumphiren, doch glaubt Blumenthal*), 
Jena^s Freund, der Kurfürst werde Jena zurückberufen. Blumentbai versichert 
auch, Gottfried Jena in Regensburg hätte neben der ihm von dem Kanzler Jena 
übersendeten Instruction eine zweite erhalten. Aus den Reden des Kurfürsten 
ersieht Lamberg, dass Brandenburg nichts thun werde, was Frankreich belei- 
digen könnte. I. Ch. D. gaben mir weiter zu vernehmen, sie würden von 
Rebenac fortan versichert, dass der König dieses Jahr keinen Krieg er- 
heben werde. Ich versetzte, dass ich solches nicht allein für dieses, 
sondern auch viel folgende Jahr herzlich gern glaubte, wann das Reich 
ihne, den König, im Frieden mehr wegnehmen lasse, als er im Krieg 
hoffen dörfte. Lamberg sucht den Kurfürsten bezüglich Spaniens günstig zu 
stimmen, der Kurfürst verspricht mit dem von den spanischen Niederlanden 
hiehergesendeten Baron d'Hostel^) freundlich zu verhandeln und erklärt femer : 
Ich mösste nicht ehrlich handien, wann ich Spanien im Niederland an- 
greifen wollte; solches werde ich nimmermehr thun, hingegen auch von 
selbiger Krön, dass sie mir im Clevischen den geringsten Schaden thue, 
nicht gedulden. 



>) Christof Caspar von Blumenthal. 
>) Vergl. Puf. LcXVm. 11. 



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Brandeuburg-französiscbe Beziehungen. Reicbsangelegenheiten. 999 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 9. Mai 1681, (Or.) 

[Aussöhnung Friedrich Jena's mit dem Kurfürsten. Mittheilungen über d^HosteFs 
Unterredungen mit dem Kurfürsten.] . 

Die Aussöhnung zwischen dem Kurfürsten und Jena ist bereits erfolgt. 9. Mai. 
Dem Baron d'Hostel wurde vom Kurfürsten auf seine Klagen über Frankreichs 
Vorgehen in Luxemburg geantwortet, Rebenac versichere ihn und von Paris 
habe er gleiche Nachricht, dass der Konig bereits Befehl ertheilt, die Truppen 
aas Luxemburg abzuführen. Im Uebrigen glaubt d'Hostel, dass der Kurfürst 
sich mit Spanien aussöhnen will. 

Unter dem 23. Mai übersendet Lamberg eine Abschrift der brandenburg- 
sächsischen Allianz vom 8./18. April 1681 *). Jena, der Kanzler, betheuert, von 
einer zweiten an seinen Bruder abgegangenen Weisung nichts gewnsst zu haben 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Halle 14. Juni 1681. (Or.) 

Berichtet über des Kurfürsten Reise nach Magdeburg und Huldigung da- 14. Juni, 
selbst'). Der Kurfürst hat Lamberg seine Neigung, sich mit Spanien friedlich 
zu einigen, kund gethan. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Oedenburg 14. Juni 1681. 

(Conc.) 

[ReicbsaDgelegeuheiten. Brandenburg-spanischer Conflict. Jägemdorf.] 

Der Kaiser bleibt dabei, dass die Specialbündnisse der allgemeinen Reichs- U. Juni, 
hicherheit eher hinderlich als forderlich sein würden und obwohlen der 
Kanzler Jena erwähnet, dass die Kreisausschreibenden Fürsten und 
Obristen zu unverlangter Bewerkstelligung der resolvirten Verfassung 
erinnert werden mögten, wie auch, dass man sich zu einer Reichscassa 
schwerlich verstehen würde, so hat es iedoch die Bewaodtnus, dass, ehe 
und bevor das Werk an die Kreise gebracht werde, man sich vorhero 
der GeneralrepartitioD halber, wie viel nemlichen einem ieden Kreis von 
denen 40000 Mann zuzulegen seie, auf dem allgemeinen Reichstag ver- 
gleiche, zumaln sonsten in den Kreisen nichts verlässliches geschlossen..., 
wie dann auch die Reichscassa nicht nur zu Verpflegung der Miliz, son- 
dern benebens zu Bestreitung der Ärtigliaria, Munition, Proviants und 
übrigen Kriegsbedürftigkeit höchstens von Nöthen sein will'). Der Kaiser 
ist bereit wegen gütlicher Beilegung des spanisch -brandenburgischen Conflictes 

1) Mömer 1. c. 424 ff. 

^ Puf. 1. c. XVIII. 12; Theat. Europ. XII. 284f. 

3) Vergl. Pachner 1. c. II. 312f.; Fester 1. c. 31 f. 



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1000 VIII. Erste Mission de» Grafen Joh. PhiKpp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

dem W* de Grana nnd dem in Wien weilenden spanischen Berollmächtigten 
die nöthigen Weisungen zukommen za lassen. 

Mit der von Jena in Vorschlag gebrachten Art die jägemdorfische Sache 
zu ordnen, ist der Kaiser einverstanden, jedoch soll Lamberg nicht vergessen 
zu betonen, dass es nicht dahin zu verstehen seie, als ob wir uns in die 
^Corpora" gedachter Grafschaft Barby oder eines von vorermelten Aem- 
tem einzulassen nnd den Werth zu deren Erhandlung auf uns zu nehmen 
gedächten, sondern dass wir die letztmals anerbotene Summe des Cbur- 
fursten L^. zu erlegen nicht ermanglen würden. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Lttgde bei Pyrmont 11. Juli 

1681. (Or.) 

[Geremonialfragen. Haltung des Eurfärsten in der französischen Frage. Erklänmgen 
des dänischen Ministers. Mittheilungen Amerongens über Brandenburgs Pläne. Barby.] 

11. Juli. Mit dem Hanse Brannschweig sind sehr bedenkliche Ceremonialstreitigkeiten 

vorgefallen*). Trotz aller Klagen gegen Frankreich ist der Kurfürst von Bran- 
denburg za keiner entscheidenden Action gegen dasselbe zn bewegen. 

Nachdeme ich mich auch vor wenig Wochen gegen Ch. D. und den 
dänischen ministrum') vernehmen lassen, berichtet zu sein, ob wäre die 
Allianz zwischen Frankreich und Dänemark bis auf die einige Ratifi- 
cation zu Standen gebracht, hat besagter Minister mich vor einig Tagen 
nomine regio wissen lassen, S. M. hätten, was Frankreich belange, noch 
ganz ungebundene Hand, verlangten auch mehr mit E^ K. M. und einig 
Reichsständen als mit einiger äuserlicher Potenz sich verbindlich zu 
machen. Er bat zugleich um raschen Beginn der Verhandlungen ... So hat 
mir auch der holländische Minister von Amerongen vertrauet, es hätte 
der aus dem Haag unlängst wieder anhero gekehrte churfnrstliche Rath 
von Diest') den Prinzen von Oranien beim Abschied gefragt, ob derselbe 
nicht eine Allianz zwischen dem Staat, König zu Dänemark, Churbran- 
denburg, Münster und dem Haus Braunschweig vor erspriesslich hielte, 
deme der Prinz deutlich geantwortet hätte, dass ohne E. K. M. ganz kein 
Nachdruck bei dem Werk sein wurde. Wegen Barby ist es bisher zu 
nichts gekommen. 

Vergl. Droysen I.e. III., 724. 

^ Bachwald. 

') Seit December 1680 war Friedrich Wilhelm y. Diest brandenburgischer Ge- 
sandter im Haag. Ueber seine Thätigkeit daselbst Urk. u. Act. III. 555 u. a. 0. Vergl. 
Isaacsohn 1. c II. 178 ff. 



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Jägemdorf. Mittbeilungen des dänischen und des staatischen Gesandten. 1001 

Der Kaiser an Lamberg. Dat Neustadt 16. Juli 1681. 

(Conc.) 

[Mediation des Kaisers in dem brandenburg-spanischen Conflicte.] 

Spanien bat dem Kaiser die Mediation in der spanisch-brandenbnrgischen 16. Juli. 
Schiffgfrage angetragen; da nun Lamberg schon früher berichtet hat, dass anch 
Brandenburg der Mediation des Kaisers nicht abgeneigt sei, so ist der Kaiser 
bereit solche Mediation zu übernehmen, doch erst wenn Lamberg darch Nach- 
forschungen sich überzeugt, dass Brandenburgs Ansprüche nicht zu hohe sind. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Juli 1681. (Or.) 

[Erklärungen des Kurfürsten über die Gesinnung der braunscbweigischen Fürsten. 
Pfalzische Beschwerden gegen Frankreich. Des Kurfürsten Verhalten in der spani- 
schen Streitfrage.] 

Das gute Vernehmen zwischen dem Kurfürsten von Brandenburg und dem 28. Juli. 
Hause Brannschweig ist wieder hergestellt. Es haben I. Ch. D. mir selbsten 
zu vernehmen und an £. E. M. allerunterthanigst gelangen zu lassen an 
die Hand gegeben, sie hatten den Herzogen zu Hannover in seinem inner- 
sten durchaus gut reichisch und resolvirt befunden seinen letzten Bluts- 
tropfen für die Ehr und Wohlfahrt Deutschlands dran zu strecken, in 
welchem Sentiment auch alle dessen ministri stünden. Celle aber, so- 
viel I. Ch. D. auch durch den Herzogen zu Hannover penetriret, stehe 
darauf seines verblichenen Bruders*) Fusstapfen nachzugehen und bei 
entstehendem Kriege die Neutralität zu erkiesen. Auf Wunsch des Kur- 
fürsten von der Pfalz hat sich der Kurfürst von Brandenburg bei Rebenac über 
des französischen Königs Vorgehen gegen den Pfölzer beklagt. Ueber Spaniens 
friedliche Absichten war der Kurfürst sehr erfreut, in die von Lamberg gefor- 
derte sofortige Restitution des den Spaniern abgenommenen Gutes willigt er 
aber nicht, erklärt sich jedoch bereit, das Duplum derjenigen Summe, auf die 
es geschätzt werde, sich von der Schuld abrechnen zu lassen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Beriin 11. Aug. 1681. (Or.) 

[Verbandlungen Lambergs in der spanischen Angelegenheit. Brandenburg-däniscbe 
Beziehungen. Erklärungen des Kurfürsten über die allgemeine Lage.] 

Lamberg sucht durch die Kurfürstin und durch Jena in der spanischen Schiffs- 11. Aug. 
frage auf den Kurfürsten zu wirken. Die Gegenpartei arbeitet stark und hat 
den Kurfürsten vermocht, zu erklären, er werde vor Beginn der Mediation nichts 
restituiren und als Lamberg Gelegenheit fand mit dem Kurfürsten selbst über 



Johann Friedrich starb am 18. Dec. 1679. 



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1002 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

diese Sache za reden, fand er, dasa derselbe nicht zur Restitution, wohl aber 
zur Einstellung weiterer Repressalien zu bewegen sein werde *). Jena räth ihm 
darauf, vom Kurfürsten die üebergabe des Schiffes an den Kaiser zu fordern. 
Buchwald, der dänische Gesandte, ist wieder zurück, wünscht Rath vom Kur- 
fürsten, was in gegenwärtiger Lage zu thun sei. Von Verhandlungen zu einer 
Allianz wird jetzt von beiden Seiten abgesehen, der Kurfürst von Brandenburg 
meint, von des Prinzen von Oranien Rückkunft aus England hänge alles ab^. 



Unter dem 15. August berichtet Lamberg von neuen Verhandlungen mit 
dem Kurfürsten in der spanischen Angelegenheit, die aber um keinen Schritt 
weiter führen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 1. Sept. 1681. (Or.) 

[Erklärungen des polnischen Gesandten. Marineangelegenheiten.] 

1. Sept. Der polnische Gesandte Niemeritsch, Woiwode von Kiew, hat dem Kur- 

fürsten freundliche Botschaft seines Herrn gebracht, doch ist nicht, wie man 
früher vermuthete, von einer Heirath des königlichen Prinzen mit einer hiesigen 
Prinzessin gesprochen worden'). 

Es ist zu Anfang voriger Woch mittelst eines churfürstlichen aus 
Afrika mit Waaren zurückgelangten und in Preussen eingeloffenen 
Schiffs Zeitung anhero kommen, welchermassen das andere voriges Jahr 
ebenmässig dahin abgesegelte churfürstliche Schiff auf den Eüsteo von 
Guinea bei Castel-Mina ohne Volk, Waaren und Geschütz, dessen es 36 
Stück aufgehabt, am Strand liegend gefunden worden und dass ihm 
solches auf dem hoben Meer durch der holländisch-westindischen Com- 
pagnie Schiff widerfahren sein solle ^). Solches hat allhie gewaltige 
Animosität und Bedrohungen verursacht, worunter man auch mit Ver- 
gessung aller französischen so in sacris als politicis empfindender Vio- 
lentien von neuem angefangen dem französischen ministro die vorige 
gute Mienen zu zeigen. Es versichert aber der holländische hiesige 

Minister, dass ihme davon nichts bewussi Es wird aber aus vielen 

Gründen gemuthmasset, es habe besagtes Schiff nicht zwar von Ch. D., ... 
sondern von dem sogenannten Seecommissario Raule geheime Instruction 
gehabt, bei Castel-Mina, all wo die westindische Compagnie das Gewerb 

') Ueber das Eingreifen des staatischen Gesandten in diese Angelegenheit yergl. 
Urk. u. Act. III. 607. 

>) Für die Reise Wilhelms nach England vergl. Klopp 1. c. II. 836 ff. 

») Vergl. Puf. l. c. XVIII. 29. 

*) Vergl. ürk. n. Act. III. 608; Borcke, „Die brandeuburg-preussische Marine" 
29; Puf. l. c. XVIII. 32; Schuck l. c. I. 142 ff. 



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Marine&Dgelegenbeiten. Gottfried Jena. 1003 

viel Jahr her privative von allen andeni Nationen in Possess gehabt, 
von den Mohren Gold einzntaoschen, wie auch von dem in einem all- 
dortigen Floss reichlich befindlichen Waschgold wegzuholen und dass es 
darfiber von denen Schiffen der westindischen Compagnie betreten und 
also damit verfahren worden, welches dann um so viel weniger befremd- 
lich, als es die Holländer auch von der Eron Engelland ^nicht leiden, 
deren sie vor 20 Jahren 6 wohl armirte königliche Schiff der Ursach 
halben bei Castel-Mina weggenommen und ihr ius in darauf entstandenem 
Kriege behauptet^). Es macht sich Raule, der auch über andere seine 
Commission betreffende Punkten Rechenschaft geben sollen, nunmehr krank^ 
ist ihm beinebenst sein nach Holland geschicktes Weib allda arrestirt 
worden, scheinet also die cburfürstliche neue Seefahrt ziemliche Anstoss 
zu leiden. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat Oedenburg 7. Sept. 1681. 

(Conc.) 

[Oesterreich-d&nische AIlianzTerbaudlungen. Gottfried Jena's Abberafung betreffeDd.] 

Mit Dänemark verhandelt der Kaiser am eine Allianz ; Lamberg kann in 7. Sept 
Berlin sagen, dass der Kaiser es sehr gern sähe, falls das Bnndnis zu Stande 
komme, wenn Brandenburg eintreten würde. Die Abbernfang des Jena aus 
Regensborg wäre gewiss sehr wünschenswerth ; doch räth der Kaiser in dieser 
Angelegenheit sehr vorsichtig za Werke zu gehen, damit nicht das Gegentheil 
dessen erfolge, was man bezwecke. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 22. Sept. 1681. (Or.) 

[Friedrieb Jena^s Erklärungen bezöglieb der Abberufung seines Bruders. Stellung 
Brandenburgs zu den österreicbiscb-däniscben Allianzverhandlungen.] 

Jena erklärt, der Knrfurst wurde sich gewiss schärfer gegen Frankreich 22. Sept. 
erklären, wenn der spanische Conflict nicht vorhanden wäre. Die Abhemfung 
Gottfried Jena's ans Regensburg hält der Kanzler nicht für zweckmässig, doch 
verspricht er seinem Bruder nochmals zu schreiben und ihm Rücksichtnahme 
auf die Bedürfriisse des Kaisers zu empfehlen. Was E'. K. M. mit der Krön 
Dänemark vorhabendes foedus anbelanget, darüber habe bei Kanzlern 
Jena, Fürsten zu Anhalt, vornehmlich aber bei Ch. D. selbst sondiret, 
ob auf dessen Erfolg sie sich gleichfalls einzutreten portirt finden wür- 
den, aber keine Formalrenitenz verspüren mögen, also dass es sich etwan 



Vergl Ranke, Engl. Gesch. V. 9 ff. 



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1004 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 -Feb. 1682. 

wohl damit schicken dörfte. Die wirkliche Unternehmung aber E^ K. M. 
Mediation in der spanischen Streitbefangnus könnte solchem Werk einen 
trefflichen Vorschub mittheilen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 3. October 1681. (Or.) 

[Raule. Erklärungen des Kurfürsten in der spanischen Streitfrage. Seeangelegen- 
beiten. Ansicht Lambergs über die vom Kaiser zu ergreifenden Massregeln.] 

3. Oct. Raule ist wieder in Gnaden aufgenommen. Dem englischen Agenten Poalay 

gegenüber, der im Namen des Königs von England den Wunsch nach Aus- 
gleich des spanisch -brandenburgischen Conflictes aussprach, erklärte der 
Kurfürst in die Rückgabe des Schiffes nicht willigen zu können; auch zeigte 
er sich sehr entrüstet über die Holländer und mit Rücksicht auf Raul^'s Ver- 
sicherung, dass seine Flotte denen der 2 nordischen Mächte und der vereinigten 
Niederlande gewachsen, auch etwas stolz; auch ist das Gerücht im Umlaufe, 

dass neuerdings 5 Schiffe nach Guinea abgesegelt seien Andererseits wird 

berichtet, dass Spanien jetzt 16 Schiffe zur Sicherung der Flotte zusammen 
habe. Ich aber habe aus solchem und vorgehenden, auch |: des Chur- 
fürsten mir bekannten genio abzunehmen, dass im Fall die Krön Spanien 
nur etwas mehr Kräften zu See aufbringen und von Holland einige 
Asseurance für Niederland erscheinen sollte, mau die Sachen allhier um 
ein gutes wohlfeiler geben und von dermaliger Hitze abbrechen dörfte, 
wie dann auch auf glückliche Entwerdung der Unruhe in Ungarn man 
allhier ganz andere Mesuren nehmen und E^ K. M. alsdann erfolgender 
Mediation vornehmlich deferiren würde:!. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Beriin 6. October 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über die allgemeine Lage und über die 

Verhältnisse im Reiche.] 

6. Oct. ^^^ Kurfürst gibt Lamberg Kunde von seinen an die Staaten gerichteten 

Beschwerden und theilt ihm mit, dass er Entschädigung binnen Monatsfrist ge- 
fordert habe. Sollten die Staaten diese nicht leisten, werde er schon Mittel fin- 
den sich zu entschädigen. Sie setzten deme weiters bei, Nachricht einge- 
nommen zu haben, dass der Staat sich mit Spanien, Engelland und Schwe- 
den zu associiren suche '). Von Engelland aber wären I. Ch. D. versichert, 
dass selbiges annoch von Frankreich seine pensiones ziehe; von Spanien 
abstrahirten sie völlig, Schweden aber, sagten sie, suche damit nichts an- 



^) Für die Politik der Staaten, insbesondere Wilhelms, in dieser Zeit Müller 
1.0. L 67 ff. 



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Spanisch-brandenb. Differenzen. Unterredungen Lamberts mit Fr. Wilh. 1005 

ders, als sich bei Frankreich wiederum necessarium zu machen und vorige 
pensiones zu erobern, würde sich dannenhero am End mit dieser Asso- 
ciation eben wie vorhin mit der Triplen Allianz ausweisen. Es finde sich 
nunmehr aller Orten alles in solcher Verwirrung, dass nicht auszufinden, 
wessen man sich eigentlich zu halten. Ich versetzte, das nächste, 
sicherste und fürträglichste würde sein, wann das gesammte römische 
Reich sich unter guter Einigung und Verständnus mit E^ K. M. festsetzte. 
Worauf I. Ch. D. mit Eifer herausgebrochen: Man suche am kaiserlichen 
Hof vielmehr das churfürstliche Collegium in seinen Praerogativcn zu 
schwächen, als in guter Verständnus beizubehalten; angesehen das letzte 
kaiserliche Commissionsdecret genugsam ergebe^), dass man solches mit 
dem fürstlichen, ja sogar mit dem städtischen coUegio parificiren und 
desienigen entsetzen wolle, was auch fremde Potenzen demselben für 
dem fürstlichen beilegen wollen. Er werde sich aber dies unter keinerlei 
Umstanden bieten lassen, habe schon Sachsen davon Mittheilung gemacht. Lam- 
berg versucht vergebens ihn zu beruhigen. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat Oedenburg 8. October 1681. 

(Conc.) 

[Sicherung gegen Frankreich. Mediation in der spanisch-brandenbnrgiscben Streit- 
frage.] 

Der Franzosen Vorgeben bei Strassburg«) zeigt, worauf sie es abgesehen 8. Oct. 
haben, so, dass wann nicht mit mehrerm Eifer und Nachdruck zu der 
Sachen gethan wird, nicht unzeitig zu besorgen stehet, es dörfte in 
kurzem noch femer ein- und anderer der Gefahr am negsten unter- 
worfener Stand zu Grund gehen und in französische Dienstbarkeit ge- 
rathen; es erfordere daher die Sicherheit des heiligen römischen Reichs, 
dass man nicht nur die Anzahl deren von Reichswegen geschlossener 
40000 Mann, sondern auch die übrige allschon in eventum beliebte 
20000 feststelle und wirklich aufbringe'). Das soll Lamberg beim Kur- 
fürsten befürworten. Unter dem 17. Oct. theilt der Kaiser dem Lamberg mit, 
dass er mit der Mediation in der spanisch-brandenburgischen Streitfrage warten 
wolle, bis er Nachricht habe, wie sich Spanien auf Brandenburgs Forderungen 
— Erlegung von 100 000 Reichsthalern nebst einer besonderen Regalirung der 
Kurfurstin — äussere. 



*) Vergl. Pachner von Eggenstorff IL 326. 

2) Vergl. Legrelle, Louis XIV. et Strasbourg; Rousset 1. c. IIL 33ff. 

*) Vergl. Pachner 1. c. IL 216, 225; Fester 1. c. 34 ff. 



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1006 vni. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Potsdam 17. Oct. 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit Friedrieb Wilhelm über die gegen Frankreichs Vorgeben 

zu ergreifenden Massregeln. Frankfurter Versammlung. Urtheil Lambergs über des 

Kurfürsten und Jena's Aeusserungen in dieser Frage.] 

17. Oct. Lamberg stellt dem Kurfürsten die aus der Eroberung Casale's und Strass- 

burgs') dem Reiche drohende Gefahr vor. Der Kurfürst sohreibt alles dem 
nymwegischen Frieden zu und sagt, er wisse nicht zu rathen. Ich beflisse 

mich bei P. Ch. D. zu sondiren, ob mit E'. K. M. neben andern Chur- 
fursten sich einiger Orten zu ersehen und dem Reich bei gegenwärtigen 
Coniuncturen mit Rath und That beihändig zu erscheinen nicht zuwider 
fallen wollte. Die wollten vermeinen, dergleichen Zusammenkunft wurde 
dem König in Frankreich desto gewaltsamer in das Reich zu dringen 
nur desto mehr Anlass zuspielen. Und sintemalen man noch in keiner 
gehörigen Postur stünde, würde man dabei sehr übel fahren. Wären 
vielmehr der Meinung, man sollte dem Congress zu Frankfurt seinen 
Fortgang lassen'), wodurch man der Krön Frankreich ihre Unbefugnus 
publice auf das Blatt legen könnte; inmittelst wäre Zeit gewonnen, um 
sich in solchen Stand zu setzen, dass man ihro mit mehrerm Ernst 
zusprechen und sie etwan noch wohl zur Raison vermögen könnte. 
I. Ch. D. bewürfen sich aber annoch meistlich dahin, dass sie mit Chur- 
bayern, Chursachsen und Hannover über das gegenwärtige Frangent sich 
berathen wollten. Da ich nun weiter zu vernehmen suchte, wessen sie 
dann hofften, dass man sich von der Krön Dänemark bevortheilen könnte, 
vermeinten sie selbige Krön wurde sich ohne Subsidien schwerlich zu 

einiger Bündnus verstehen 

Der Herzog von Hannover hat anfragen lassen, was zu thun sei. Jena be- 
greift das Werk mit dem Congress also, dass dessen Fortsetzung eine 
approbatio der französischen Verfahrung, die Unterbrechung aber eine 
ruptura sein würde. Auf mein Einwenden, dass die Ruptur von Seiten 
Frankreich allschon offenbar beschehen, antwortete er; dass demnach 
E. K. M. als römischer Kaiser befugt, ia gehalten sei, mit einer Armee 
an den Rhein zu gehen, so dann kein Stand sich darinnen zu concur- 
riren entbrechen würde noch könnte. So habe ich auch Zeit dieses 



') Beide Städte fielen am selben Tage — 30. Sept. — in die Hände der Fran- 
zosen; Klopp 1. c. n. 348. 

^ üeber die Frankfurter Versammlung Puf. 1. c. XVIII. 33; Wagner I.e. I. 
527 ff.; Müller 1. c. 1. 73 ff. Das Reicbsgutachten und die Instruction für die Vertreter 
des Reiches bei Londorp I. c. XI. 307 f. 



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Hassregeln gegen Frankreich. Die Frankfarter Versammlang. 1007 

meines Anwesens sowohl bei Ch. D. als Kanzlern Jena genugsam ab- 
nehmen können, dass Chorbrandenbnrg nicht weniger als die, so mit 
ihme in Bundnns stehen, die Reichssicherheit nicht auf eine allgemeine 
ordentliche Verfassung, sondern vielmehr in der Nebenstand Landen auf 
Binlegong ihrer Völker antragen, vorschützend, dass solche Nebenständ 
am Rhein doch sonsten wegen Nähe der französischen Macht dem Reich 
unnutzlich und nur für Frankreich vortheilig sein würden. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 24. October 1681. (Or.) 

[Erklärungen Jena's bezäglich der gegen Frankreich zu ergreifenden Massregeln.] 

Jena versichert, man habe brandenburgischerseits an Sachsen und Han- 24. Oct 
nover den Rath ergeben lassen, sich zn rüsten. Unterdessen werde man sehen, 
was die Stände in Regensbnrg sagen werden. Jena wiederholte, dass der 
erste motns bei E^ K. M. stehen würde und sein gnädigster Herr ihm 
klar gesagt habe: Es wäre nunmehr Zeit, dass E. K. M. sich Kaiser zu 
sein erwiesen. Man besorge aber, dass das ungarische Wesen, über dessen 
schlechten Stand*), sowie über die von den Türken drohende Gefahr, Rebenac 
nicht müde werde zn berichten, ein energisches Eingreifen des Kaisers in die 
Reichsangelegenheiten verhindern werde. Amerongen meldet, dass die west- 
indische Compagnie von dem kurfürstlichen SchifiTe nichts wisse. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 31. October 1681. (Or.) 

[Unterredung mit Jena über Brandenburgs Toraussicbtiicbe Haltung in der französi- 
schen Frage. Parteiungen am kurfürstlichen Hofe.] 

Jena versichert, der Kurfürst sei für die Fortsetzung des Frankfurter Con- 31. Oct 
gresses; man möge einen Protest bezuglich Strassburgs voranschicken; der Kur- 
fürst werde gewiss, wie zn den 40000 Mann, so auch zu den 20000 seinen 

Theil beitragen Ich führte sofort familiariter (bei Jena) an, ob wäre 

dem Verlaat nach die Krön Frankreich nach der Ueberwältigung Strass- 
burgs durch ihre Partei, namentlich Meioders, gewaltig bemühet, S. Ch. 
D. mittelst einer monatlichen grossen summa Gelds zu einer Neutralitat zu 
bringen. Ob nun zwar der Kanzler wegen Werths oder ünwerths diesen 
Gerüchts sein Unwissen fürstellte, unterliesse er doch nicht in Vertrauen 
zu bekennen, dass dergleichen Cabala zu unterbrechen ihm der Ursach 
nicht möglich sei, weilen alles hinterrücks seiner und durch die franzö- 
sische Partei und das Frauenzimmer getrieben würde und müsste er 



») Vergl. Wagner 1. c. 566 flf. 



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1008 VIII. Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

sich fast vorstellen, |: dass der Churfurst endlich einwilligen möchte, 
wann ihm nur von Frankreich zugelassen würde mit seiner quota zum 
römischen Reich zu concurriren : |. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 7. Nov. 1681. (Or.) 

[Zurückhaltende Erklärungen des Kurfürsten. Mittheilungen des dänischen Gesandten.] 

7. Not. Der Kurfürst, mit dem Lamberg über die von allen Seiten drohenden Ge- 

fahren spricht, betont, dass so lange der Kaiser nicht Frieden mit dem Osten 
habe, nichts zu hoffen sei; gegen Schweden und Dänemark zeigt sich der 
Kurfürst misgestimmt; im allgemeinen verspricht der Kurfürst, sich von den 
übrigen Ständen in ihren Beschlüssen gegen Frankreich nicht absondern zu 
wollen. Buchwald ') versichert Lamberg, sein König würde mit dem Kurfürsten 
viel freier verhandeln, wenn er nicht furchten würde, dass, was er sage, Rebenac 
zu Ohren komme. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Oedenburg 12. Nov. 1681. 

(Conc.) 

[Zweckmässigkeit der Fortsetzung des Frankfurter Congresses.] 

12. Nov. Der Kaiser vertheidigt sich gegen den Vorwurf, als sei er durch sein Ver- 

halten beim nymwegischen Frieden Ursache der Einnahme Strassburgs durch die 
Franzosen. Der Kaiser ist wie Brandenburg der Ansicht, dass es bei dem gegen- 
wärtigen Stande der Dinge, bei der Uneinigkeit im Reiche und bei der unzu- 
länglichen Rüstung vieler Reichsstände das zweckmässigste sei, den Congress zu 
Frankfurt fortzusetzen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 14. Nov. 1681. (Or.) 

[Brandenburg-spanischer Conflict. Erklärungen des Kurfürsten. Hittheilungen des 
Kurprinzen über die Reichsfeindlichen Bestrebungen des Meinders und der französi- 
schen Partei. Unterredung Lambergs mit dem Kurfürsten über die Reichsangelegen- 
heiten. Erklärungen desselben bezüglich seiner Flotte und der Verhandlungen mit 

den Staaten.] 

14. Nov. Der Kurfürst, zu dem sich Lamberg begibt, als er vernommen, dass zwischen 

der spanischen und brandenburgischen Flotte ein Treffen beim Cap S'. Vincent 
vorgefallen, bei welchem 3 brandenburgische Schiffe in den Grund gebohrt und 
2 gefangen genommen worden seien, versichert dem Lamberg, dass nur 3 Schiffe 
Brandenburgs dagewesen, die sich nach 2 stündigem Kampfe in den Hafen Lagos 
zurückgezogen hättten. Lamberg sagte, es wäre besser gewesen, wenn der Kampf 
gar nicht stattgefunden hätte; er hoffe, dass der Kurfürst nichts neues nnter- 



1) Dänischer Gesandter am kurfürstlichen Hofe. 



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Frankfurter CoDgress. Brandenburg-spanischer Conflict. Reichsangelegenheiten. 1009 

nehmen werde, zumal die spanische Silberflotte eintreffen und Spanien dann 
dem Kurfürsten etwas werde zukommen lassen. Der Kurfürst versichert an 
einem Plane zu arbeiten, nach welchem bei geringen Geldopfem seitens Spaniens 
die Beilegung der Streitigkeiten erfolgen könnte. Es ist mir aber auderseiten 
sehr misfallig von dem Churprinzen zu vernehmen gewesen, wie er mir 
in höchstem Vertrauen eröffnet, dass der Meinders in itingstem geheimen 
Rath mit Eifer, obzwar er allein, dahin votiret, I. Ch. I). könnten bei 
gegenwärtiger Beschaffenheit sich auf keine andere Art considerirlicher 
machen, als wann sie zu der Reichsarmee ihr Contingent beitrügen, im 
übrigen aber ihre die freie Hand vorbehielten. Nun obzwar, wie der 
(.'hurpriuz meldet, hierinnen kein eigentlicher Schluss gefallet worden 
und sich der Herr Churfürst das weitere reservirt habe, so stünde doch zu 
befahren, dass Meinders mit seinen Adhaerenten das Uebergewicht geben 
dörfte. Bei einer neuen Unterredung mit dem Kurfürsten, in welcher dieser 
des Herzogs von Celle Benehmen tadelt, ruft Lamberg dem Kurfürsten die von 
demselben in früherer Zeit geäusserte Meinung, vermöge eines Reichsschlusses 
alle Neutralität abzustellen, in's Gedächtnis. Sie antworteten aber hierauf 
nicht gerad zu, sondern dass sie bei Anfang des vorigen Kriegs das ihrige 
gethan hätten, nun nicht mehr Rath zu schaffen wüssten; bewürfen sich 
darauf wiederum auf ihren Seehandel, mit Bedeutung Nachricht erhalten 
zu haben, dass in Königsberg wiederum 2 von ihren Schiffen aus Guinea, 
das eine mit 36000 Gulden in Goldsand, das andere mit Elephanten- 
zähnen, Feigen und dergleichen eingeloffen und getrösteten sie sich mit 
ihrer Schifffahrt so glückselig zu sein, dass mit der Zeit dadurch besseres 
Gold mit Prägung ihrer Dukaten in das Reich kommen würde. Auch 
mit den Generalstaaten hofft er bald in vollem Einvernehmen zu sein'). Be- 
züglich Erhöhung der Reichsarmee auf 60 000 Mann ') erklärt der Kurfürst dem 
Lamberg, er habe bereits die entsprechenden Befehle nach Regensburg ergehen 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 24. Nov. 1681. (Or.) 

[MittbeiluDgen Amerong^ens über seine Verhandlungen mit dem Kurfürsten. Dessen 
wenig günstige Erklärungen. Unterredimg Lambergs mit dem Kurfürsten über die 
staatischen Verhältnisse. Ablehnende Haltung Friedrich Wilhelms gegenüber der 
scbwediscb-holländiscben Allianz. Ostfriesische Frage. Erklänmgen des Kurprinzen. 
Mittbeilungen des dänischen und des holländischen Abgesandten über despectirlicbe 
Aeusserungen des Kurfürsten über den Kaiser.] 
Amerongen'^theilt dem Lamherg den Inhalt seiner auf Abschluss einer Allianz 24. Nov. 
zielenden Unterrednngen mit dem Kurfürsten mit; ebenso macht er ihm von 

') Vergl. Urk. u. Act. III. 622 ff. 
^ Vergl. Pachner 1. c. IL 332. 

Mat«r. z. «each. d. G. Kurfursteu. XIV. 2. 64 



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1010 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

den Anerbietungen der Staaten, die Subsidien bis 1676 ganz zu erstatten, Mit- 
theilung; von einem üeberfalle eines brandenburgischen Schiffes seitens der 
westindischen Cpmpagnie habe man nichts eruiren können *). Er habe Befehl, 
falls der Kurfürst sich der Association nicht anschliessen wolle, zurückzukehren. 
Auf Lambergs Fragen bekennt er vom Kurfürsten bisher mehr unvergnügliches 
als seiner Negociation zuträgliches vernommen zu haben'). 

Lamberg besucht darauf den Kurfürsten, det mir ganz deutlich zu ver- 
nehmen gegeben, wie sehr ihre der Generalstaaten anietzo fuhrende Con- 
duite misfiele, angesehen sie sich solchergestalt biosgegeben und sich 
mit dem schwächsten Ort von allen, nemlich Schweden, eingelassen 
hätten ^, anderer Seiten aber auf des französischen Gesandtens im Haag, 
des d'Avaux, eingerichtetes Memorial*) solche forchtsame Antwort er- 
theilet*), wodurch Frankreich deren Unvermögenheit genugsam erkennen 
und denen, so sich mit ihnen verbindeu würden, auf den Leib zu geben 
Anlass gewinnen thäte. Lamberg sagt, die Staaten dürften dies nur als An- 
fang betrachtet haben und willens sein jetzt andere Fürsten, in erster Linie 
Brandenburg, hineinzuziehen. Hierauf konnten sie den gegen Schweden 
tragenden tiefen Widerwillen nicht verhalten, sondern stellten mir mit 
Eifer vor, sie wollten mit Schweden all ihre I^benszeit nichts mehr in 
gutem zu thun haben. Er habe jedes Bündnis zurückgewiesen. 

Wegen der ostfriesischen Sache sind heftige Schreiben zwischen den Staaten 
und Brandenburg gewechselt worden^). 

|:Sonsten hat mir der Churprinz abermaln ganz offenherzig ver- 
trauen wollen, wie sehr es ihme zu Herzen gehe, dass sein Herr Vater 
von der französischen Partei so irr gemacht würde, er aber solches zu 
wenden nicht vermöchte, sondern nur göttlicher Allmacht heimstellen 
müsse, dass solche seinem Herrn Vätern heilsame Gedanken eingeben 
möchte und dass der secretarius Fuchs sich E^ K. M. Interesse in allem 
und vor allen andern entgegensetze .. .:|. 



J) Vergl. ürk. u. Act. III. 629. 

>) Vergl. ürk. u. Act. IIL 626 ff. 

*) Gemeint ist der Associationsvertrag vom 10. Oct. zwischen den Staaten und 
Schweden; abgedruckt bei Londorp XI. 133; vergl. Carlson 1. c. V. 170 ff. 

*) Das Memorial d'Avaux' vom 8. Nov. 1681, abgedruckt Wagenaar, Vaderl. 
Bist. IV. 66. 

*) Vergl. ürk. u. Act III. 628. 

^ Vergl. ürk. u. Act. III. 608 ff. üeber die Streitigkeit selbst — die Fürstin 
Christine Charlotte hatte in ihren Differenzen mit den Ständen die Generabtaaten 
als Vermittler angerufen, die Stände widerum den Kaiser, der den Fürsten des west- 
pbäliscben Kreises die Ordnung der Angelegenheit aufgetragen hatte — vergl. Puf. 1. c. 
XVin. 3L Onno Klopp, Geschichte Ostfrieslands 395ff.; Droysen I.e. UL, 733f. 



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Amerongens Yerbandl. mit Fr. Wilh. Crtheil Fr. Wilb. ober des Kaisers Politik. 1011 

|: So solle E^ K. M. ich auch ferner in allerunterthänigstem Ge- 
horsam nicht anberichtet lassen, wasmassen einige von dem Churfursten 
sowohl gegen dem dänischen^) als holländischen') Abgesandten geführte 
Discm^ E'. E. M. Respect und Autorität apud exteros sehr praeiudicir- 
lich fallen, angesehen mir beide, doch unter höchster Verschwiegenheit 
und ohne dass sie es mir gesagt zu haben gestandig sein wollten, be- 
deutet; der erste zwar, dass der Churfürst zu ihme gesprochen: Ich 
hätte in meiner Negociation noch nie nichts solides'), sondern lauter 
leere Wort und Vertröstungen, sowohl von E'. K. M. wegen Jägemdorf, 
als von Spanien wegen der Satisfaction, vorgebracht. Der holländische 
Abgesandte aber sagt mir, der Churfürst habe zu ihme gesprochen, dass 
man nicht wisse, wessen man sich auf E. E. M. zu verlassen hätte und 
scheine es gleichsam, ob wäre weder Eaiser noch römisches Reich mehr 

vorhanden :| Aus allen solchen und obigen Umständen aber werde 

ich noch mehr auf meinem in vorigen allerunterthänigsten Relationen 
erwähneten Mutmassen bestätigt, dass der Churfürst von Frankreich neu- 
tral zu bleiben Pension annehmen dörfte... 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 8. Dec. 1681. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit dem Korfärsten über die Frankfurter Versammlung und über 
die gegen Frankreich einzuschlagende Politik und über die Association. Aeusserungen 
Friedrich Wilhelms über Schweden, über sein Verhältnis zu Dänemark und über Eng- 
land. Ansicht Lambergs über den Grund des zurückhaltenden Benehmens Friedrich 
Wilhelms. Jena's Bemerkungen über Stratmans verletzende Aeusserungen in Frankfurt.] 

Bezüglich der Ceremonialfragen in Frankfurt besteht der Kurfürst auf seinem 8. Dec. 
Beschlösse nicht nachzugeben. 

Sie Hessen sich ferner nicht unklar vernehmen, ob wären sie fast 
geneigt in den von Seiten Frankreichs gethanen Vorschlag einzuwilligen, 
nemlich selbige Krön bei demienigen zu lassen, was sie von Zeit 
des nymwegischen Friedens gewaltthätig an sich gebracht und dieses 
vomemlich aus der Ursach, weilen Churbayem und Sachsen ihrem 
erhaltenen Bericht nach eben dahin und zwar solcher Gestalt inclinirten, 
dass ermelter Krön bei gegenwärtiger Beschaffenheit solche limites ge- 
setzt würden, wodurch das römische Reich sich eines Ruhestands wenigst 
auf eine Zeit versichern und inmittelst in die anietzo noch nicht bei 



1) Buchwald. 

*) Amerongen. 

*) Im Orig. »solches*. 

64» 



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1012 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

Händen habende Gegenwehr besser sitzen könne ^), welches sie vornehm- 
lich dahin zielen wollten, weilen E. K. M. die Hand in Ungarn noch 
nicht frei hätten, also an Frankreich ein mehrers als sonsten billich 
zu lassen dermal eine Nothwendigkeit scheinen wollte. Ich habe nicht 
ermanglet hierauf ein und ander ratioues entgegen zu fügen, anbei dextre 
zu sondiren getrachtet, nachdeme E. K. M. den zwischen Holland und 
Schweden gemachten tractatum garantiae mit einzugehen entschlossen^), . . . 
ob I. Ch. D. sodann belieben möchte, ihn gleichergestalt und zu einer 
Zeit durch ihren daselbstigen Residenten unterzeichnen zu lassen; 
ferner auch ihren ministrum zu Regensburg zu instruiren, damit 
selbiger beim Reichsconvent antrage, dass vermög eines einhelligen 
Schlusses das ganze Reich mit hineintrete. ... S. Ch. D. aber versetzten 
mir hierauf, dass sie sich diesfalls noch keines eigentlichen entschliessen 
könnten, die Sach aber in Erwägung nehmen wollten; sie wusste sich 
aber nicht zu enthalten abermal auf die Krön Schweden loszugehen 
und zu bedauren, wie übel es dem Reich gedeihen würde, wann sie 
wiederum sollte hinein geführet werden. Wornach sich die Rede auf 
Dänemark getragen und ich gleichwohl soviel abnehmen können, wie es 
dann auch des dänischen Envoye') gethane Discursen bekräftigen, dass 
zwischen sothaner Krön und hiesiger churfürstlicher D. noch nichts ver- 
bindliches aufgerichtet^). Und obzwar hiesiger Seiten ein Gedanken 
gewesen neben der Krön Dänemark und etlich uncatholischen Reichs- 
ständen einige Mannschaft in Köln und andere Plätze mehr am Rhein 
zu legen, so habe doch hinc inde so viel penetriren und abnehmen 
können, dass dieses Vorhaben der Ursach wider zerfallen, weilen man 
vorgesehen, dass sodann die Garnison auch durch eine Armee müsste 
secundirt werden, welche man aber nicht recht abzuschicken getrauet. 
Ferner wollten I. Ch. D. behaupten, dass von der Krön Engelland sich 
keines erspri esslichen für das gemeine Wohlwesen zu getrösten und 
selbiger König noch fortan mit Frankreich in genauer Verständnus lebe ^). 

') Für die Haltung Brandenburgs in dieser Zeit Fester 1. c. 46 ; Muller 1. c. 
74 ff.; Droysen 1. c. III.j 719; natürlich vertreten Müller und Droysen verschiedene 
Standpunkte. 

2) Der Kaiser trat am 28. Febr. 1682 dem Vertrage vom 10. Oct. 1681 zwischen 
Schweden und den Staaten bei, die Acten darüber bei Du Mont VII. j 19 f. Für die 
Haltung des Kaisers und seiner Räthe Müller 1. c. 71f. 

5) Buchwald. 

*) Die Bündnisse wurden in der That erst am 31. Jan. und 8. Juni 1682 ge- 
schlossen; Mörner 1. c. 428 f., 432f.; Puf. I. c. XVIII. 70. 

'•') Vergl. ürk. u. Act. HI. G38. 



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Frankfurter Congress. Massreoreln gegennber Frankreich. Stratman in Regensburg. 1013 

Vom Haas Braunschweig, glaubten sie, würde ausser etwan des Her- 
zogens zu Hannover keiner sich in die Association einlassen. Bei Däne- 
mark und hiesiger Ch. D. zwar scheinet die ürsach, dass man mit Ergrei- 
fung deren so röckhaltig, guten Theils zu sein, weilen die Holländer sich 
inregen der ruckständigen Subsidien noch nicht nach deren Verlangen 

erklären wollen *). Jena berichtet dem Lamberg von Stratmans scharfen 

BemerknngeD in Regensburg gegen Mainz und gegen die Kurfürsten überhaupt und 
bittet ihn beim Kaiser zu veranlassen, dass so etwas nicht mehr vorkomme und 
dass Stratman dafür zu Recht gewiesen werde und die Kurfürsten Satisfaction 
erhalten, da sie sich nicht sagen lassen konnten, sie seien nichts anderes als 
der polnische Adel*). 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 12. Dec. 1681. (Or.) 

[Beschwerde Friedrich Wilhelms über Stratmans Vorgehen in Regensbarg. Ame- 
roDgens Klagen über des Kurfürsten ablehnendes Verhalten den Staaten und dem 
staatisch-schwediscben Bandnisse gegenüber. Plan Amerongens den Kurfürsten auf 
andere Gedanken zu bringen. Jena's Mittheilungen über das gegen Stratman ge- 
plante Strafverfahren und über des Kurfürsten Ansicht von den Plänen des Kaisers.] 

Der Kurfürst beklagt sich über Stratmans Vorgehen. Lamberg erklärt, es 12. Dec. 
durfte ein Misverständnis vorliegen; wenn aber nicht, dann werde der Kaiser 
gewiss des Stratmans Vorgehen misbilligen. Lambergs Versuche vom Kurfürsten 
etwas über sein Verhalten Frankreich gegenüber zu erfahren, bleiben ohne Er- 
folg. Von Amerongen vernimmt Lamberg, dass dessen Verhandlungen hier ab- 
gebrochen seien, der Kurfürst habe ihm erklärt, dass die mit Schweden, 
seinem ärgsten Feind, getroffene Allianz weder sie noch ihre Kinder und 
Kindskinder wollten in Vergessenheit kommen lassen')... Es bezeugte 
mir dieser Abgesandter femer, wie «ehr der Herr Churfnrst durch die 
französische Partei zu seiner eigenen Ruin, vordorst auch durch den 
Raule, zu seinen Schifffahrten verleitet würde und vermeinte er dem all- 
gemeinen Wesen das verträglichste zu sein^ wann die von auswärtigen 
Potenzen allhie befindliche ministri abgefordert und der Churfurst mit 
dem französischen allein gelassen wurde, wie er dann solches seiner 
Seiten bei dem pensionario Fagel angebracht und Genehmhaltung er- 
wartete^ nicht zweifelend, es würde der Herr Churfurst demnächst auf 
andere Gedanken kommen und von gedachten Potenzen um Freundschaft 
ersuchen proprio motu. So ist auch ofterwähnter von Amerongen auf 

») Vergl. ürk.u. Act. nL633flf. 

>) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 33; Droysen 1. c. III., 727. Stratman war neben dem 

Grafen Rosenberg Vertreter des Kaisers auf diesem Congresse. 

») Vergl. ürk. u. Act. IIL 639. 



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1014 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

den Churfürsten ungehalten, dass selbiger die an Seiten Dänemark 
führende gute Gedanken sich mit denen Staaten zu setzen, in alle Weg 
zu unterbrechen suche, auch ferner von dem holländischen Abgesandten 
zu Kopenhagen *) benachrichtigt worden, es hätte der französische Abge- 
sandte allda zum Brandenburgischen ^) gesagt: Nun sei es Zeit, dass 
Frankreich mit Dänemark und dem Churfürsten von Brandenburg binde 
und ihnen wieder zu Pommern, Wismar etc. verhelfe, um das undank- 
bare Schweden zu strafen und dörfte sich wohl endlich durch dergleichen 
falsche Hoffnungen Churbrandenburg eher als Dänemark einführen lassen, 
angesehen der dänische Minister im Haag denen Staaten mit vielem con- 
testirt habe, sein König würde sich vom gemeinen Interesse nicht separiren. 
Jena theilt dem Lamberg mit, dass bezüglich Stratmans an das karfürstliche 
CoUegium bereits geschrieben worden, inhalts, dass selbiges oder dessen Ge- 
sandte zu Frankfurt mit ihme nicht mehr umgehen, E. K. M. auch aller- 
unterthänigst ersucht werden sollte, ihn seines characteris zu entsetzen, 
an einem Ort im Reich in Haften zu behalten und nach Verbrechen ab- 
strafen zu lassen. Die clevische Regierung habe Befehl Stratmans Güter zu 
confisciren. Der Kurfürst will diese Gelegenheit ergreifen, um seinem Zorne Luft 
zu machen. Er (Jena) fügte ferner an, dass P. Ch. D. die Nachricht ein- 
geloffen, E. K. M. schwiegen der Ursach zum Verlust von Strassburg 
gänzlich still, weilen sie beschlossen hätten, sich des Reichs änderst 
nicht, als wann sie in ihren Erblanden angegriffen würden, anzunehmen, 
welches um so mehr bekräftigt würde, weilen auch zu Regensburg dero 
Gesandtschaft nicht mit Ernst auf die wirkliche Aufstellung der 40000 
Mann Reichsvölker andringe, desgleichen von E'. K. M. Hof aus der 
niedersächsische und westphälische Kreis zu Ausschreibung ihrer Kreis- 
tag, wie es wohl nöthig wäre, nicht angehalten würden. Im üebrigen 
erklärt Jena nicht zu wissen, wie sich sein Herr in all' den grossen Fragen 
entscheiden werde. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Dec. 1681. (Or.) 

[Umtriebe der französischen Partei.] 

19. Dec. I)ie Herzoge von Hannover und Celle kommen nach Berlin ; man hofft sie 

werden den Kurfürsten zu reichsfreundlicherer Stimmung vermögen; die fran- 
zösische Partei will den Kurfürsten dahin vermögen, dass, wann nur die Krön 



*) Moeriugh. 

^ Friedrich von Brandt. 



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Amerongen über den Kurfürsten Französische Partei am Berliner Hofe. 1015 

Frankreich eine schriftliche Versicherung von sich stellen wollte, sich 
mit dem, so sie dem Reich unrechtmässig entwendet, zu befriedigen und 
femer nichts thätliches vorzunehmen, man selbiger auch wohl Strassburg 
konnte in Händen lassen. Rebenac soll der Kurfurstin ein Geschenk von 6000 
Thalem, bestehend in Diamanten, doch nur private nomine gegeben haben. 
Aach Fuchs soll 1000 Thaler empfangen haben. 



Lamberg an den Kaiser, Dat. Berlin 22. Dec. 1681. (Aut.) 

[Glänzende Anerbietungen der Franzosen. Ostfriesische Angelegenheit] 

Gestern hatte der franzosische Gesandte Rebenac eine längere Audienz 22. Dec. 
beim Kurfürsten, dem er im Namen seines Herra so gute Anerbietungen ge- 
macht haben soll, dass man fast für ein geschlosenes werk haltet, er (der 
Karfurst) werde solche ergreifen') und dass der Ursachen so stark von 
der französischen parthey auf ihn gedrungen werde, weilen mann befahre, 
dass Selbiger bei ankunfft der H°. Herzogen zu Braunschweig der guten 
parthey beyzutretten vermöget werden dörflfte. In der ostfriesischen Sache 
erklärt der Kurfürst eine Einmischung Braunschweigs oder der Staaten nicht 
dulden zu wollen. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat Oedenburg 23. Dec. 1681. (Or.) 

[Ungarische und scblesiscbe Angelegenheiten. Nothwendigkeit des Anschlusses Bran- 
denburgs an die Alliirten. Schuldlosigkeit Stratmans.] 

Lamberg soll dem Kurfürsten erklären , dass die ungarischen Angelegen- 23. Dec. 
heiten nicht schlimm stünden und Aussicht auf baldige vollständige Beilegung 
der Zwistigkeiten vorhanden sei'); auch soll er des Kaisers Vorgehen in 
Schlesien in Religionsangelegenheiten rechtfertigen*). Er soll den Kurfürsten 
auffordern, den Streit mit Spanien beizulegen und nachdrücklich gegen die An- 
nahme der Neutralität sprechen. Ebenso soll Lamberg trachten dem Kurfürsten 
seine schlechte Meinung betreffs der Niederlande und Schwedens zu nehmen 
und ihn zur Miteintretung in die zwischen Schweden und den Staaten geschlossene 
Allianz zu vermögen. Die gegen Stratman vorgebrachten Beschuldigungen sind 
durchaus unbegründet. 

') Für die brandenburg- französischen Beziehungen in dieser Zeit Droysen 1. c 
729 f. 

*) Für die Verhandlungen in dieser Zeit vergl. Klopp, Das Turkenjahr 1683, 
91 f., die officiellen Acten im Tbeat. Europ. XIL 313 ff.; Londorp 1. c. XI. 150ff. 

') Ueber die SteUung des Kaisers zu Schlesien in religiösen Dingen vergl. Grün- 
hagen Geschichte Schlesiens II. 370 ff. 



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1016 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680 — Feb. 1682. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 29. Dec. 1681. (Or.) 

[Mittheilungen des Kurfürsten über franzosische Friedensanerbietungen. Jena's und 
Buchwalds Aeusserungen über des Kurfürsten Haltung. Accise.] 

29. Dec. Lamberg hat versucht zu erfahren, worin Rebönacs Anerbietungen bestehen. 

R^benac hat stark in den Kurfürsten gedrungen die Association zwischen Schwe- 
den und den Staaten zu trennen, auch hat er dem Kurfürsten ein Project vor- 
gelegt, unter welchen Umständen der König den Frieden mit Deutschland zu 
erhalten willens sei. Der Kurfürst theilt dem Lamberg den Inhalt dieses Pro- 
jectes mit, das, wie er hinzufügt, von dem Bischöfe von Strassburg') verfasst 
worden sein dürfte. Der wesentliche Inhalt dieses Projectes ist: Frankreich 
lässt alle seine Forderungen an das Reich fallen, wenn es im Besitze des bis- 
her Genommenen — auch StrassbAgs — belassen wird. Bei allen folgenden 
Kriegen bleiben die spanischen Niederlande neutral; endlich ist der König von 
Frankreich bereit 50000 Mann dem Kaiser gegen die Türken zu Hilfe zu 
schicken^). In weitere Unterredungen lässt sich der Kurfürst mit Lamberg 
nicht ein. Jena, mit dem Lamberg dann über dieses Anerbieten spricht, meint, 
der Kurfürst sei wirklich der Ansicht, man möge Frankreich lassen, was es 
habe. Er erzählt ferner, der dänische Gesandte Buchwald habe dem Kurfürsten 
die Mittheilung gemacht, sein König wolle in die Association eintreten, bitte 
aber vorher den Kurfürsten um Rath; Jena hofft, dass dies und die Einwirkung 
der bald ankommenden braunschweigischen Fürsten den Kurfürsten vielleicht 
auf bessere Wege bringen wird. Buchwald erzählt selbst dem Lamberg, der 
Kurfürst habe erklärt, er werde in 14 Tagen seine Antwort erfolgen lassen. 
Der Kurfürst will auch von den fremden Gesandten die Accisen einnehmen; 
der kaiserliche Gesandte hat sich geweigert sie zu zahlen. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 9. Januar 1682. (Or.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten über den Stand der Dinge in Ungarn, über Strat- 
man, über den spanischen Conflict, über die Association. Ansicht Lambergs über 
die voraussichtliche Haltung des Kurfürsten in dem Conflicte mit Frankreich. Jena's 
Erklärungen über die Verhandlungen Brandenburgs mit Frankreich und Rathschlag 
für den Kaiser. Amerongen.] 

9. Jan. Lamberg theilt dem Kurfürsten den günstigen Stand der Dinge in Ungarn 

mit; dieser will aber nicht glauben, dass die volle Ausrüstung erfolgen oder, 
wenn sie erfolge, lange dauern werde. Bezüglich Stratmans verspricht er neue 
Erkundigungen einzuziehen. In der spanischen Satisfactionsangelegenheit zeigte 
sich der Kurfürst zu einem Vergleiche geneigt. In die Association einzutreten, 
weigert sich der Kurfürst und zeigt überhaupt, dass er mit Frankreich nicht 
zu brechen wünsche, dörfte auch deswegen bei entstehendem Krieg gegen 
oftermelte Krön ausser dem schuldigem Contingent in nichts ergiebiges 



') Franz Egon von Fürstenberg. 

») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 45; Droysen 1. c. 729 f. 



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Frankreichs Friedensanerbietuiigen. Verhandlungen Lamberts mit Fr. Wilh. 101 7 

concurrlren, sondern übrigens neutral bleiben wollen. Die entscheidende 
EntSchliessung des Kurfürsten dürfte aber von dem Resultate der Mission des 
Fuchs n»ch Kopenhagen abhängen , dessen Auftrag dahin geht, Dänemark gegen 
Holland und Schweden einzunehmen und vom Eintritte in die Association gegen 
Frankreich abzuhalten 0. Als ich vernommen, |: dass in des Kanzlers Jena 
Haus von selbigem und Meinders mit dem französischen Abgesandten 
Conferenz gehalten worden, habe ich bei ermeltem Kanzler um ver- 
treuliche Eröffnung, was sothane Neuerung mit sich führe, angesucht, 
welcher mich darauf versichert, dass er es auf churfürstlichen Befelch 
thun müssen und zwar noch nichts geschlossen, jedoch der Hof in seinen 
principalisten Personen fast gänzlich französisch sei. Er hätte dem Chur- 
fürsten seine Meinung treulich eröffnet :|, also stünde ihm als einem 
Diener nichts anders bevor, als in deme zu gehorsamen, was er nicht 
ändern könne. Und ob er gleich sothane Conferenz ein secretum domini 
nennet, so habe ich dannoch so viel abnehmen mögen, dass sie meistens 
dahin angesehen, um Dänemark von der Association abzubringen und 
den Churfürsten das französische Friedensproject einwilligen zu machen. 
Er, Kanzler, sagte mir auch ferner in Vertrauen, dass Frankreich an Däne- 
mark eine Defensivallianz, grosse Geldsummen und Schonen anbiete'). 
Seine grösste Hoffnung setzte er iedoch auf den Herzogen zu Hannover, 
als der I. Ch. D. noch wohl auf bessere Gedanken führen könne. Er 
gäbe mir ferner in bona confidentia an die Hand E^ K. M. zu hinter- 
bringen^ es würde ohne Massgebung vielleicht nicht ausser Wege sein, 
wofern dieselbe entweder von der Reichsversammlung cathegorische Er- 
klärung begehrte, was das Reich bei gegenwärtigen Coniuncturen zu 
thun gesonnen, ob ihm das französische Project ') oder die Defension be- 
liebte, dann E. K. M. sich allein in Gefahr nicht begeben könnte, doch 
aber bereit wären, wann's das*) Reich füglicher erkenne, mit einzutreten, 
oder aber, wann der Rücken in Ungarn genugsam frei, hätten E. K. M. 
iustissimam causam mit einer Armada an den Rheinstrom zu gehen und 
würden sich noch wohl Nachfolger finden; sonsten stehe zu besorgen, 
dass die meiste Reichsständ vorgemeltes Project annehmen dürften. 
Amerongen sagt dem Lamherg, er werde die Subsidien nicht zahlen, bis er des 
Kurfürsten Intention kenne*). 

') üeber des Fuchs Sendung nach Kopenhagen Puf. 1. c. XVIII. 43. 
2) Vergl. ürk. u. Act. III. 643. 

*) Project vom 15. Dec. 1681 gedrackt bei Pachner I. c. II. 367 f.; zur Sache 
vergl. Fester I.e. 40f.; Klopp 1. c. 352 ff.; Puf. 1. c. XVIII. 50. 

*) Im Orig. „was dem«. ^) ürk. und Act. III. 640 ff. 



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1018 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feh. 1682. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Jan. 1682. (Or.) 

[Erklärungen des dänischen Gesandten Lilienkron. Erfolglose Verhandlungen desselben 

mit dem Kurfürsten. Brandenburgs Sendung an die 3 geistlichen Kurfürsten. Ein- 

fluss der Kurfürstin. Beziehungen zu den Staaten.] 

19. Jan. Der dänische Gesandte Lilienkron, der in Hannover war und sich nach 

Wien begibt, ist in Berlin angekommen und hat dem Lamberg mitgetheilt, dass 
sein Konig die besten Intentionen habe und dass sein Herr sowohl als der 
Herzog von Hannover alles aufbieten werden, um den Kurfürsten umzustimmen. 
Lilienkron hat dann mit dem Kurfürsten und Jena in diesem Sinne gesprochen, 
ohne besonderen Erfolg zu erzielen ; er bekennt vielmehr, dass die Sach allhie 
auf ihre äusserste Crisin gelanget und der Churfürst von französischen 
Artificien sich mehr als zu viel eingenommen befinde. Der Kurfürst soD 
an die 3 geistlichen Kurfürsten eine Gesandtschaft haben abgehen lassen, um 
sie für das französische Project zu gewinnen und Jena versichert, der Kurfürst 
habe bereits Antwort, dass die geistlichen Kurfürsten für dieses Project stimmen 
werden ^). Der mächtigste Einfluss auf diese Franzosenfreundliche Stimmung des 
hiesigen Hofes wird der Kurfürstin zugeschrieben. Der Grimm des Kurfürsten 
gegen die Generalstaaten wird immer grösser; insbesondere seitdem ein bran- 
denburgischer Schiffshauptmann einen Brief des auf Castel-Mina in Gefangen- 
schaft sitzenden Hauptmanns vorgezeigt, in welchem gemeldet wird, dass der 
Schaden von den Holländern und ausserhalb deren Octroi's geschehen^ 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Wien 23. Jan. 1682. (Conc.) 

[Aufklärung über die scbwedisch-dsterreichischen Beziehungen.] 

23. Jan. Damit der Kurfürst über die Sendung Wenzels von Althan nach Schweden 
nicht beunruhigt werde, soll Lamberg ihm mittheilen, dass diese Absendung 
die Antwort auf des Oxenstjemas Reise nach Wien sei ^) und nur die allseitige 
Garantie des Friedens des römischen Reiches contra quoscunque invasores et 
turbatores pacis bezwecke*). Frankreichs Projecten sei nicht zu trauen, der 
Kaiser hofft, der Kurfürst werde sich noch von seinen Ansichten abbringen 
lassen. Die Accise nicht zu zahlen, war ganz recht. 

üeber diese Missionen vergl. Puf. I.e. XVlll. 34 ff. 

>) Vergl. ürk. u. Act. HI. 643 f. 

') Gabriel Oxenstjema; dessen Rede an den Kaiser am 7. Juli 1681 bei Lon- 
dorp I.e. XI. 127 f. 

*) üeber die Österreich-schwedischen Beziehungen in dieser Zeit Carlson 1. c V. 
181 f. Die Rede Altbans in Schweden bei Londorp I.e. XI. 434 f. 



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Lilienkrons Yerhandlangen. Schwedisch-österreichische Beziehungen. 1019 

Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 6. Febr. 1682. (Or.) 

[Ankunft des Herzogs Yon Hannover. Dessen gute Erklärungen und erfolglose Ver- 
bandlnngen mit dem Kurfürsten. Aeusserungen Platens. Nachrichten über des Fuchs 
Mission in Kopenhagen. Säcbsisch-brandenburgische Beziehungen. Amerongens be- 
vorstehende Reise nach Dresden. Aeusserungen des sächsischen Gesandten über 
Brandenburg, Jena^s über Sachsen und Hannover.] 

Der Herzog von Hannover ist angekommen und hat Lamberg erklärt, alles 6. Febr. 
aufbieten zu wollen, nm den Koifürsten zum Eintritt in die Association zn ver- 
mdgen; zu gleicher Zeit erklärt er, er habe sich entschlossen zu rüsten, hoffe 
innerhalb dreier Monate 12000 Mann auf den Beinen zu haben und räth dem 
Kadser Trappen an die Grenze zn senden, welchenfalls er dann auch nicht 
zweifle, |:wann gleich der Churförst zu BraDdenburg dermal nicht be- 
weglich sein sollte^ er doch nach der Hand sich bei der allgemeineo 
gaten Partei einstellen würde. Dem fügte er ferner bei, obgleich der 
Charfarst za Brandenburg ausbleiben sollte, er, Herzog, dessen unge- 
achtet von einmal gefasster Resolution mit E'. K. M., Churfürsten in 
Baiem, Sachsen, Holland, Bamberg und Hessen-Cassel, auch andern mit 
Mannschaft versehenen Reichsständen, sich festzusetzen, nicht abweichen 
wollte. Worunter er sich auch einigermaassen vermerken Hesse, dass 
zu einer Verbindung zwischen ihme und Churfürsten in Bayern E. K. M. 
sonderbar viel beitragen könnte : { '). 

Der Herzog begann seine Verhandlungen mit dem Kurfürsten, fand aber bald, 
dass jeder Versuch, ihn zum Eintritt in die Association zu vermögen, vergebens 
seL Ebensowenig gelang es dem Herzoge den Kurfürsten von der Verderblichkeit 
des französischen Friedensprojectes zu überzeugen'). Der Herzog theilt dem 
Lamberg mit, der Kurfürst behaupte, auch der Kaiser wolle sich mit Frankreich 
auf Kosten Strassburgs vergleichen. Platen, des hannoverischen Herzogs Mi- 
nister, fügt noch hinzu, man habe dem Herzoge mitgetheilt, der Kurfürst von 
Brandenburg habe sichere Nachricht, E. K. M. würden gänzlich stillstehen, 
als die denen französischen Thätlichkeiten noch femer und so lang zuzu- 
sehen resolyirt hätten, bis sie um Einsehung von den Ständen des Reichs 
bittlich angelangt würden, üeber des Fuchs Mission in Kopenhagen sind ver- 
schiedene Nachrichten im Umlauf; von vertrautem glaubwürdigem Ort aber 
habe ich erst gestern in Erfahrung gebracht, Dänemark sei zwar mit 
Frankreich noch nicht engagirt, auf hiesige Vorstellungen aber entschlossen 
zu sondiren, in was conditiones Frankreich sich einlassen möchte, ange- 
sehen es den Frieden dem Krieg ebenmässig vorziehe, der H. Churfürst 

Ueber die Haltung Ernst Augusts in dieser Zeit Fester I.e. 44f.; Möller 
L c. 68 ff. Was Ernst August hier vorgab, waren im wesentlichen die Pläne Waldecks. 
>) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 40. 



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1020 VIIL Erste Mission des Grafen Joh. Philipp Lamberg. Feb. 1680— Feb. 1682. 

aber sich möge gefallen lassen, dass ieder Theil mit Frankreich a part 
tractire, gleichwohl unter einander genau darüber correspondirten, also 
dass, wann der von Lilienkron in seinen Vorträgen nicht riusciren sollte, 
wohl zu befahren sein wird, Dänemark werde französische consilia ergreifen. 

Der sächsische Gesandte Haugwitz hat sich über das Benehmen des Kor- 
fursten von Brandenburg sehr beklagt und hervergehoben, sein Herr werde 
nicht unterlassen den Kaiser in jeder Gefahr zu unterstützen. Er zeigt sich 
aufgebracht über des Meinders hieher gesendete falsche Berichte nod hat dar- 
über an seinen Herrn geschrieben. Amerongen will nächster Tage nach Sachsen*). 
Auch Lamberg gegenüber äussert sich der sächsische Gesandte in überaus gut 
kaiserlicher Weise; auch er ist für die Absendung einer kaiserlichen Armee an 
die Grenze; in jedem Falle ist er gegen die Annahme des französischen Projectes. 

Auf Vernehmen, dass allererst zwischen Haugwitz, auch Kanzlern Jena 
und zurückgekehrtem Meinders Conferenz gewesen, habe ich von dem 
ersten occasione der Revisite soviel Nachrichtliches eingezogen, es sei ver- 
anlasst, obgleich Chursachsen nicht eben mit hiesigen Friedenssentimenteo 
künftig einzustimmen sich bequemen sollte, dessen unangesehen alle gute 
Nachbarschaft und das unlängst aufgerichtete foedus in seiner ganzen 
Extension bei Kräften erhalten werden sollte, wobei Churbrandenburg 
weiter versichert, sich vom Reich keineswegs abzutrennen'). |:Von 
dem Kanzler Jena aber habe darauf weiter verstanden, dass der Chur- 
fürst zu Sachsen viel ehender als Hannover von der guten Meinung ab- 
zubringen sein mögte, wann von E^ K. M. oder anderwerts her selbiger 
nicht nachdrücklich angefrischet und bei Zeit verknüpfet würde :|. Es 
legte auch ermelter Kanzler des Herzogen Beständigkeit sonderbar grossen 
Ruhm zu, beifügend, dass er in nichts allhie verändert worden, weder 
zur rechten, noch linken weichen wollen, sondern ganz unbeweglich mit 
eben den Intentionen, wie anhero gelangt, also nach Haus gekehret sei *). 

Mitte Februar verlässt Lamberg Berlin (Recreditif des Kurfürsten vom 
6./ 16. Febr. 1682. Gr.) und begibt sich nach Wien, wo er folgendes Schreiben 
an den Kaiser richtet. 

') Meinders war als Vertreter Friedrich Wilhelms nach Sachsen gegangen. Vergl. 
Puf. 1. c. XVIIl. 26. 

2) Vergl. Urk. u. Act. III. 645 Anm. 

3) Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 78. 

*•) Für die Haltung Hannovers in dieser Zeit Müller 1. c. 76 f.; Ernst Augusts 
ürtheil über den Kurfürsten und dessen Hof ebendaselbst 79. 



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Brand.-säcbs. Beziehungen. Brand.-franz. Allianz. Abreise Lambergs von Berlin. 1021 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Wien 19. März 1682. (Aut.) 

[Französisch -brandenburgischer Vertrag. Memorial Lambergs. Dessen Inhalt. Ant- 
wort Jena's. Abscbiedsaudienz Lambergs.] 

Lamberg bat erfahren, dass der Kurfürst deswegen so schwer von der An- 19. März, 
nähme des französischen Friedensprojectes abzuhalten sei, weil er von Frank- 
reich für den Fall der Annahme eine grosse Summe Geldes und Unterstützung 
seiner Forderungen an Holland und Spanien versprochen erhalten habe. Auf 
weiteres Nachforschen erfahrt Lamberg von Anhalt, dass bereits ein Ver- 
trag zwischen Brandenburg und Frankreich abgeschlossen worden*), üeber 
Dänemark gibt es verschiedene Ansichten, Jena versichert, es werde sich mit 
Frankreich verbinden, Brandt 2) meint, es werde viel lieber sich mit dem Kaiser 
verbinden. Lamberg entschliesst sich, um vom Kurfürsten eine bestimmte Er- 
klärung zu erhalten, auf Rath Jena's ein Memorial zu entwerfen, das im ge- 
heimen Rathe gelesen werden soll. Die wesentlichsten Punkte desselben sind: 
1^ Der Kaiser hofft, der Kurfürst werde sich vom Reiche nicht trennen und 
keine Particularverhandlung mit Frankreich beginnen. 2°. Der Kaiser will, 
dass die Stände sich mit ihm zur Garantirung des westphälischen Friedens ver- 
binden. 3**. Der Kaiser hofft, der Kurfürst werde sein Contingent zur Auf- 
stellung eines Reichsheeres auch künftig zu leisten bereit sein. Dieses Memorial 
wurde verlesen und Jena erhielt den Auftrag, dem Lamberg mitzutheilen 
ad 1""*: Dass ihme, Canzlern, von einer churfürstlichen bündnus mit 
Frankreich nichts bewust währe, ad 2"": I. Ch. D. trögen darüber noch 
bedenken, ad 3"": Der H'. Churfürst wollte wünschen, dass die Sachen 
in dem Reich dergestalten beschaffen währen, dass eine durchgehende 
meinung könte gefast werden. Sie findeten die coniuncturen dergestalten 
bewant, dass Sie den frieden dem krieg vorziehen mästen. Lamberg 
beschliesst darauf, da Jena und Anhalt erklären, eine Aenderung in des Kur- 
fürsten Ansichten sei nicht zu hoffen, seine Abschiedsaudienz zu begehren, 
welche ihm ertheilt wird und bei welcher der Kurfürst jedes politische Gespräch 
vermeidend sehr freundlich von Lamberg Abschied nimmt. In Dresden, wohin 
sich Lamberg von Berlin begibt, erklärt der Kurfürst, er hoffe im Mai 12000 
Mann marschbereit zu haben. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Wien 6. April 1682. (Aut.) 

[Mittheilungen Jena's über den Plan des Kurfürsten gegen Abtretung Trinidads an 
ihn, allen Ansprüchen an Spanien zu entsagen. Weitere Mittbeilungen Jena^s bezüg- 
lich des spanisch-brandenburgischen Conflictes.] 

Der Kurfürst hat, wie Lambergs Secretär diesem meldet, durch Jena Lam- 6. April. 

') Der Vertrag war bereits am 12./^2. Jan. 1682 geschlossen worden. Vergl. 
Droysen I.e. 111.$ 729f.; Abdruck bei Mörner 715ff. 
^ Brandenburgischer Gesandter in Dänemark. 



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1022 VIII. Erste Mission des Grafen Job. Philipp Lamberg. Feb. 1680- Feb. 1682. 

berg davon in Kenntnis zu setzen befohlen, dass er, nm den Beweis zu liefern, 
wie wenig er auf Spaniens Geld erpicht sei, sich bereit erkläre, auf alle For- 
derungen zu verzichten, falls Spanien die Insel Trinidad ihm für seine männ- 
liche Descendenz allein, doch absque nexu feudali, überlassen will. Jena empfiehlt 
diesen Vorschlag sehr und hofft von dessen Annahme sehr guten Erfolg für 
des Kaisers Sache. 

Unter dem 2. Mai meldet Lamberg, Jena habe seinen Secretär ersucht, ihm 
mitzutheilen, dass der Kurfürst auf erhaltene Nachricht, dass die Krone Spanien 
neben Willfährigkeit feines billigen Vergleichs sich bereit erklärt gleich anfangs 
ein Stück Geld zu zahlen und dann das übrige, Befehl gegeben habe, jeden 
Angriff auf spanische Schiffe einzustellen. Der Kurfürst hoffe, dass auch Spanien 
gleichen Befehl erlassen werde. 



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Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 
1682-1684. 



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Einleitung. 



Die Nachrichten von dem Falle Strassburgs und Casale's, von dem Vor- 
marsche der französischen Armee gegen die für jede Offensive gegen Frankreich 
unentbehrliche Festung Luxemburg, verursachten eine ungeheuere Erregung» 
Allerseits begann man inne zu werden, dass es sich bei dem systematischen 
Vordringen der französischen Heere doch um etwas mehr als um die Regu- 
lirung der Grenzen, dass es sich um die Sicherung des französischen üeberge- 
wichtes in ganz Europa handle und man konnte sich nicht verhehlen, dass dem 
Könige von Frankreich die Durchführung seiner Pläne gelingen werde, falls mit 
dem herrschenden Systeme nicht gebrochen, falls nicht in energischer, zielbe- 
wusster Weise der Kampf gegen den rücksichtslosen Gegner aufgenommen wer- 
den sollte. Niemand hat klarer und deutlicher das Endziel der französischen 
Politik aufgedeckt, niemand eifriger und unermüdlicher zum Kampfe gegen 
Ludwig XIV. aufgefordert, als Prinz Wilhelm von Oranien, der seit Jahren einer 
der vornehmsten Gegner des Königs von Frankreich, die jüngsten Gewaltthaten 
desselben benützte, für seine Idee, — die Herstellung des europäischen Gleich- 
gewichtes durch die Zurückweisung der französischen Uebergriffe — neue An- 
hänger zu gewinnen. In der That erzielte er unerwartete Erfolge. Die Asso- 
ciation der Niederlande mit Schweden, seit langem geplant, kam im October 
1681 zu Stande; viele deutsche und ausserdeutsche Fürsten zeigten Neigung 
derselben beizutreten. Auch am Wiener Hofe drang die Erkenntnis durch, dass 
nur durch einen neuerlichen Kampf dem unaufhörlichen Vordringen Frankreichs 
Einhalt geboten, dass nur mit den Waffen in der Hand der König von Frank- 
reich zur Annahme erträglicher Friedensbedingungen werde bewogen werden 
können. Hatte ja doch der Vertreter Ludwig XIV. in Frankfurt, wo seit langem 
über die Herstellung eines dauernden Friedens berathen wurde, wenige Wochen 
nach der Einnahme Strassburgs ausdrücklich erklärt, sein Herr und König werde 
niemals seine Zustimmung zu einer Vereinbarung geben, durch die ihm Strassburg 
entrissen würde und man wusste, dass Ludwig XIV. es mit solchen Erklärungen 
ernst meine. Um so dringender erschien den Vertretern der Kriegspartei am 
Wiener Hofe eine entschiedene Erklärung der zu Regensburg versammelten 

Mater, s. Gesch. d. 0. Kurfürsten. XIV. 2. 65 



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. ilireii Vertreter weder bezüglich 

II Forderungen Friedrich Wilhelms 

iMvollmächtigte, obgleich Leopold 

werde den irre geleiteten und in 

t liaftlichkeit schwer zu behandelnden 

iLTctheilten Berichte Lamhergs zeigen, 

Wiener Hofes in diesem Punkte war 

iinor von neuem den Kurfürsten und 

und mit Geldsubsidien nicht sparte. 

iiltnissen und bei den schweren Con- 

'les Jahres 1682 mit den Staaten*) und 

n l>raunschweigischen Fürsten gerieth^), 

-Ml ohne Erfolg blieben, dass Friedrich 

. dass mit Rücksicht auf die Unzulänglich- 

igung stehenden Mittel der Kampf (regen 

Mission ItamliofLS srrliif jrrh' ('[sh^Uiws im 

iiien (inij^e das (^i*knni>1i' oVL'nn^cndc 1>[k u* 

Hl» wenn flicser gauü im Sinn«^ (Irr von Frio- 

r^k-non ErkHimnLreti vorn Knistr Im Hiiiblicku 

auf rlin von u\hi\ Seiton droitonil« n Urfnljn'n 

' om.H evt'nlnollon Knogf^ mit laulwi«^ XlVp, 

idcti8 auf Ofivnd <for von Ffankrckh in Vorj^clilaij 

\io mn\ das Vcr^priH'Inn; gnl». sr^ln Ilrrr \V( rdo nn- 

i!^ des Frirdori?? d\p zur Siclioriinf,^ d^s Rrirlu'g. 7a\t 

(jndjgen Vorkclirnngeii trcßVn und ein Sproinlbfindnifi 

iitxa d<\^ Reiclie?? enigf-lHii, =50 wnrdc ihm Sritrn?^ der 

iiden Krie^'spartoi nm Wiener Ilofo nicht mit Unrorht 

ständnis der Sfbwüclic — und ein wie lies iäire in der 

aä unter (\m von BntJidenbury empfohlenen Ikdiniiiin^^m — 

vog sei Frankreichs Uebermutbe zu iR'gegnen; dass d^is 

Ludwig XIV. annehmbare Frieden^sliL^HnjLjmngen /Ji crliiiltiMu 

Waffen s€i. I>ie AccommodatiOTi. die der Kurfrirsl etn|dnljl. 

^f vcsrworfen. Eine neue Gesandlschaft dio des jinigofen iMIo 

,,b^T ■wdcho sieh nur wenige Docnmcnte im Wiener Archiv *' vor- 

,j 'h bUeb ohne Erfolg* Ja selbst die Xneljrlcbt von demAnj^njfc 

i-gi0c|jte den Knegsdfer der WicniT TJei^Nt^nmg ^^egrn Fratduoirli 

f^ ^ii'bt Hilfe gegen die O^manerr, sniydiTii getreu Ludwi^'^JilW 

'^^^sot^ Vertreter auf dem Revclisiagt! tai Rt'gtnislim'g. Und norli 



.# 



Ifrt- "jV. ^34. 





fsen I.c.lll.j7;iijfr.: l'iif. l.i-.XVIlt.rif!f 
'■vi Orlioh, licwliiclitc i!.-; |ii'ciiü^ii>flii-ii 
llff.L Ptif. I.e. XVIII, Wf. 



1028 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

immer gab man am Wiener Hofe die Hoffnung nicht auf den Kurfürsten von 
Brandenburg zur Gutheissung dieser Pläne zu vermögen. Lamberg war gegen 
Ende des Jahres 1682 wieder kurze Zeit in Berlin gewesen und wenn es ihm 
auch nicht geglückt war des Kurfürsten starren Sinn zu brechen, so hatten 
der Kurprinz, der Minister Fuchs, insbesondere aber Johann Georg von Anhalt, 
der eifriger als alle üebrigen die kaiserlichen Interessen am Berliner Hofe ver- 
trat, davon gesprochen, dass die Gelegenheit den Kurfürsten zu gewinnen 
günstig sei, dass das Vorgehen Ludwig XIV. in Orange denselben tief gekrankt 
habe und dass er bei entsprechender Berücksichtigung seiner Forderungen wohl 
zur Umkehr zu bewegen sein würde. Und im April des Jahres 1683 hatte der 
Fürst von Anhalt an den in Wien weilenden Lamberg geschrieben, er möge 
nur kommen und Geld zum Ausgleiche der spanischen Subsidienfrage mit- 
bringen; er hoffe das beste. In der That wurde Lamberg, sobald der spanische 
Hof seine Einwilligung zur Fortführung und Beendigung der Verhandlungen 
gegeben hatte, nach Berlin mit dem Auftrage gesendet, nach dem Ausgleiche 
der bestehenden Differenzen, den er möglichst beschleunigen sollte, den üeber- 
tritt des Kurfürsten und die Ueberlassung einiger tausend Mann zur Sicherung 
des Reiches zu fordern. Im besten Vertrauen auf das Gelingen seiner Aufgabe 
reiste Lamberg nach Berlin. Die Verhandlungen, die er daselbst gepflogen hat 
und über die im Folgenden berichtet wird, sind höchst interessant An die 
Möglichkeit den Kurfürsten zum Eintritte in die Association zu vermögen 
dachte nicht einmal die dem Kaiser günstig gesinnte Partei am Berliner Hofe, 
schon wegen der hervorragenden Rolle, welche Schweden in derselben spielte; 
aber sie schlug als Ausweg die Errichtung eines Specialbündnisses vor, durch 
das ein gemeinsames Vorgehen der beiden Mächte erzielt werden sollte. So- 
bald jedoch Lamberg ein Project eines solchen Vertrages entwarf, in dem- 
selben die Erhaltung der westphälischen und nimwegischen Friedensschlüsse 
ihrem wahren lohalte nach als Grundlage der Einigung bezeichnete und vom 
Kurfürsten Unterstützung des Kaisers, Spaniens oder anderer „dem Reiche zu- 
gewendeter Länder" im Falle eines Angriffes forderte, zeigte sich, wie breit die 
Kluft war, welche die beiden Mächte schied. Denn Friedrich Wilhelm wollte 
von keiner Bestimmung wissen, durch die er, wenn auch indirect, in Conflicte 
mit Ludwig XIV. gerathen konnte, mit welchem er — was dem Wiener Hofe 
unbekannt blieb — im April des Jahres 1683 eine neue Allianz, vornehmlich 
gegen Schweden und Braunschweig, geschlossen hatte ^). Die Wirkung dieser 
gänzlich verschiedenen Auffassung von dem, was unter den gegebenen Verhält- 
nissen dem Kaiser und dem Reiche fromme, zeigte sich auf das deutlichste, 
als die Türken, deren der Wiener Hof sich leicht erwehren zu können vermeint 
hatte, in Eilmärschen gegen Wien vordrangen und die Belagerung dieser Stadt 
begannen. Denn obgleich der Kurfürst sich zur Entsendung einer grösseren 
Truppenzahl bereit zeigte und obgleich Leopold die Mitwirkung der durch ihre 
Tapferkeit weithin berühmten brandenburgischen Soldaten lebhaft gewünscht 
hätte, kam die geplante Einigung nicht zu Stande. Vornehmlich desshalb, weil 

^) Vertrag vom 20./30. April 1683; vergl. Mörner I. c. 439 f. 



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Einleitung. 1029 

Friedrich Willielm den Kaiser, indem er demselben Hilfe gegen die Türken zu- 
sagte, zum Abschlüsse eines längeren Waffenstillstandes mit Frankreich zu ver- 
mögen bestrebt war, wahrend die Wiener Regierung von einem Waffenstillstände 
nichts wissen und des Kurfürsten übrige Forderungen nur dann zu erfüllen ge- 
neigt war, wenn dieser sich die Verwendung seiner Truppen auch gegen andere 
Feinde, auch gegen Frankreich, gefallen lassen wollte. 

Ein besonderes Interesse gewinnen die im Folgenden mitgetheilten Acten 
über die zwischen dem Fürsten von Anhalt — der von Friedrich Wilhelm zum 
Abschlüsse des Vertrages über die Türkenhülfe an den Kaiser gesendet wurde — 
und den kaiserlichen Käthen geführten Verhandlungen dadurch, dass bei den- 
selben der schroffe Gegensatz der Auffassung des Fürsten von Anhalt zu jener 
des Kurfürsten hervortritt. Denn obgleich der Fürst von Anhalt die jeder gegen 
Frankreich gerichteten Verpflichtung abgeneigte Stimmung Friedrich Wilhelms 
wohl kannte, hat er sich nicht nur zur Unterzeichnung eines Vertragsentwurfes 
entschlossen, durch dessen Gutheissung der Kurfürst sich als erklärter Gegner 
Ludwig XIV. bekannt hätte, sondern er ist in dem Bestreben die seiner Ansicht 
nach zweckmässige Einigung der beiden Mächte zu Stande zu bringen so weit 
gegangen, dass er entgegen der ihm ertheilten Weisung die Verhandlungen mit 
dem Wiener Hofe abzubrechen, es über sich nahm den Kurfürsten zur An- 
nahme des Vertrages zu vermögen. Allein es zeigte sich alsbald, dass die Käthe 
des Kaisers richtig geurtheilt hatten, als sie behaupteten, Friedrich Wilhelm werde 
sich entweder gar nicht, oder doch nur gegen Forderungen, die zu erfüllen 
Leopold niemals in der Lage sein werde, zum Kampfe gegen Frankreich ver- 
stehen. Denn obgleich gerade gegen Ende des Jahres 1683, unter dem Ein- 
drucke der glänzenden Erfolge gegen die Ungläubigen, ein neuer Aufschwung 
der Frankreich feindlichen Mächte erfolgte, antwortete der Brandenburger auf 
die wiederholten Schreiben des Fürsten von Anhalt nach langem Schweigen 
mit der Erklärung, er könne sich zum Eintritte in eine gegen Frankreich ge- 
richtete Allianz nicht verstehen, da unter den gegebenen Verhältnissen keine 
Aussicht auf einen erfolgreichen Widerstand sei. Wenn trotz alledem die 
Wiener Kegierung sich zu Beginn des Monates Februar 1684 zu einer neuer- 
lichen Sendung Lambergs an den Berliner Hof entschloss, so beweist dies nur, 
wie sehr der Wunsch den verhassten Gegner zu besiegen die Einsicht der leiten- 
den Persönlichkeiten trübte. Denn dass, wenn überhaupt seit dem Herbste des 
Jahres 1683 eine Aenderung der kurfürstlichen Politik stattgefunden haben 
sollte, diese nur zu Gunsten Frankreichs sich vollzogen haben konnte, daran 
hätte man am Wiener Hofe mit Kücksicht auf des Kurfürsten Haltung auch dann 
nicht zweifeln dürfen, wenn man von dem neuen Vertrage Brandenburgs mit 
Frankreich *) keine Kenntnis besessen hätte. Was an den von Lamberg über 
diese seine letzte Mission am Berliner Hofe im Folgenden mitgetheilten Berichten 
am meisten auffallt, ist, dass Lamberg, der bis dahin stets an die Möglichkeit 
gegen entsprechende Zugeständnisse den Anschluss des Kurfürsten an die Alli- 
irten bewerkstelligen zu können gedacht und in diesem Sinne gewirkt hatte, 

») Allianz vom 15./25 Oct. 1683; Morner I.e. 450 f. 



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1030 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

diesmal bald nach seiner Ankunft in Berlin der Ueberzeugung Ausdruck ver- 
lieh, dass eine Umkehr Friedrich Wilhelms nicht mehr zu hoffen sei. Ja, Lam- 
bergs Mistrauen gieng jetzt so weit, dass er auch den Versprechungen, welche 
der Brandenburger für den Fall des Friedensschlusses [des Kaisers mit Frank- 
reich gab, keinen Glauben beimass, vielmehr die Meinung äusserte, der Kurfürst 
werde auch dann die spanischen und schlesischen Forderungen in den Vorder- 
grund rücken und ohne entsprechende Zugeständnisse in diesen Dingen mit 
Leopold die seit langem vorbereitete Allianz nicht abschliessen. Dass er trotz- 
dem auf die Aufforderung des Kurfürsten und dessen Räthe hin Projecte ent- 
warf und auf die ihm übersendeten Gegenprojecte antwortete, entsprach seiner 
Auffassung von den Pflichten eines Gesandten und der Furcht, durch schroffe 
Zurückweisung jeder Verhandlung, Friedrich Wilhelm zu noch feindseligerem 
Vorgehen gegen den Kaiser zu reizen. Aber nach wie vor blieb Lamberg 
dabei, dass vom Kurfürsten von Brandenburg nichts zu erwarten sei und gab 
seinem Unmuthe über dessen selbstsüchtige Politik in seinen Berichten wieder- 
holt bezeichnenden Ausdruck; wie denn diese Berichte eine bei Lamberg sonst 
nicht zu findende Kraft und Leidenschaftlichkeit verrathen. Mit der Abreise 
des kaiserlichen Gesandten von Berlin hörten die Beziehungen der beiden Hofe 
für's erste auf. Das im Folgenden mitgeth eilte Gutachten der kaiserlichen Mi- 
nister zeigt, dass man auf Lambergs Berichte hin sich — Mitte März — ent- 
schloss, von jedem weiteren Versuche abzustehen Friedrich Wilhelm zur Theil- 
nahme an dem Kampfe gegen Frankreich zu bewegen. Der Kurfürst seinerseits 
aber unterliess nicht nach wie vor in Regensburg durch seine Vertreter und 
durch Schreiben an den Kaiser für den Abschluss eines längeren Waffenstill- 
standes mit Frankreich einzutreten, ein Ziel, das er schliesslich, wesentlich durch 
den Verlauf der Begebenheiten unterstützt, erreichte. 



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IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 

1682—1684. 



Instruction für Lamberg. Dat Wien 23. April 1682. (Copie.) 

[Nothwendigkeit Brandenburg für die Sache des Kaisers za gewinnen. Frankfurter 
Congress. Zweck desselben. Französisch -brandenburgischer Vertrag. Testament. 
Nothwendigkeit Brandenburg von jeder Action gegen Schweden abzuhalten. Nach- 
forschung ob es einen dänisch-brandenbnrgischen Vertrag gibt. Jägemdorf. Aner- 
bietnugen an die Eurfürstin. Spanisch-brandenburgischer Conflict Meinders. Ham- 
burg.] 

Mit Röcksicht auf die genaue Kenntnis Lambergs von den Verhält- 23. April, 
nissen am kurfürstlichen Hofe sind keine langen Auseinandersetzungen nothig. 
Welchem nach, da bei gegenwärtigen schweren Conjuncturen und Zustand 
des heiligen Reichs absonderlich des Churförsten zu Brandenburg L**«". 
sammt einigen dero Mitchurfursten und Stande fast irr und von den 
nöthigen Rettungsgedanken zu andern gefahrlichem abwendig zu werden 
und unter denen nordischen Kronen zu des gemeinen Wesen höchstem 
praeiudicio factiones zu erwachsen scheinen, also dass, da nicht weniger 
der Occident dem heiligen Reich, als der Orient unseren Erbkönigreich und 
Landen zugleich androhet, auch von dem Nord aus eine sehr gefahrlich 
und widrige Diversion und Verwirrung bevorstehen will, es desto nöthigcr 
sein wird, dass selbiger Orts ein wachtsames Aug gehalten werde und zu 
solchem End ermelter unser Abgesandter sich ohne Zeitverlierung dahin 
wieder begebe, der Gefahr bestmöglichst zu steueren und mehr gedachtes 
Churförsten L"*^". zu heilsamem Gedanken zu bringen sich äusserist an- 
gelegen sein lasse. Zu diesem Behufe erhält er Information über den Zustand 
des Reiches und neue Gredenzschreiben. Hiernegst nun, da des Churförsten 



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1032 IX. Lamberc: in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

r/^". in die Kieinmüthigkeit und Mistrauen abzufallen scbeineD, dass wir 
und das Reich zu einer rechtschaffenen und jetztmaliger Nothwendigkeit 
proportionirten Verfassung nicht zu bringen sein werden und dahero 
nicht allein vor sich selbsten auf die Gedanken gerathen, sondern auch 
andere ihre Mitchurförsten und Stände dahin zu ziehen sich in alle Weg 
befleissen*), dass man der unlängst zu Frankfurt beschehenen französischen 
also genannten Friedensproposition') Gehör geben und mit Abandonni- 
rung so vieler auch seithero des jüngstem Frieden zu Boden geworfener 
und hinweggerissener Stände, auch dannoch neulichst ohne einzig ge- 
gehabten An- oder Zuspruch entwendten Reichsschlüssel und so hoch 
importirende Stift und Stadt Strassburg zurücklassen uud nur das übrige 
zu salviren suchen solle ; kann er Abgesandter sich gegen dieselbe wohl 
vernehmen lassen, wie wir dergestalt der je länger je weiters androhen- 
den Ruin und Ueberwältigung des römischen Reichs ferners zuzuschauen 
ganz nicht gemeint seien und nicht allein unsere selbst eigne Armatur 
möglichst verstärken, sondern auch das gesammte Reich zur Gegenwehr 
und abdringenden Defension in die behörige Verfassung zu bringen alles 
angelegenen Fleiss uns bemühen thun, um zu sehen, ob hierdurch I. L**"*. 
zu bessern Gedanken und Ergreifung gleichmässiger Resolution sich 
möchten bewegen lassen. Sonsten aber so viel die französische alsoge- 
nannte Friedensproposition hierüber belanget, wird ermelter unser Abge- 
sandter in dieser materia desto behutsamer bei T. L**'". zu gehen haben, 
damit sie solche unsere Resolution und Anstalten nicht in den Verstand 
ziehen, als wollten wir in gänzlicher Verwerfung erstangeführter französi- 
scher Proposition den zu Stabilirung des Friedens nacher Frankfurt ver- 
anlassten Congress an sich selbsten aufheben und dissolviren. Sondern 
er wird vielmehr der Zeit nach I'. L***". dieses zu remonstriren haben: 
Wie merklich ermelter Congress vornehmlich dahin und zu nichts änderst 
veranlasset worden, als dass sowohl die vergewaltigte Reichsstände über 
ihren gravaminibus, als Frankreich über seinen desfalls praetendirenden 
Rechten gehört und sofort eins und andere zu Bestätigung des Friedens 
und allgemeinen Ruhestandes componirt und verglichen werden. Und 
wie unförmlich es dahero und gegen dem Reich unverantwortlich fallen 
würde, wann man auf einmal so vieler Stände Recht und gravamina 



') Bezieht sich auf die Sendung Brandenburgs an die rheinischen und an die 
anderen deutschen Forsten, Puf. 1. c. XVIII. 34 ff. 
*) Die Proposition bei Pachner I.e. II. 367 f. 



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Instruction far Lamberg. 1033 

gleicilsam verwerfen und zu der in ermelter Proposition entworfenen noch 
fernere Cedirung schreiten sollte, zumalen da die Reichsdeputation darzu 
zu instruiren, oder ihre Vollmacht dahin zu extendiren, niemand gedacht, 
noch dazumal vor dem Fall der Stadt Strassburg darauf gedacht werden 
können, und auch an sich selbsten keinem Stand des Reichs ichtwas 
seine Lehen betreffend, um unseren als domini directi und des Reichs 
Consens zu disponiren, zukommen thut. Wie es aber an deme seie, dass 
nunmehr, da die mehriste Praeliminardifßcultaten, so das Werk bishero 
aufgehalten haben, in so weit gehoben zu sein scheinen^), dass in völliger 
Zusammentretung der Deputation zu Frankfurt man sich zuvorderst super 
modo et ordine vergleichen wird, in welchem das Hauptwerk vorzunehmen 
und abzuhandlen seie, also stehe uns um so weniger zu, vor solchem 
und ehe die gravirte Stände mit ihren ]^otdurften auf dem darzu ange- 
stellten Congress werden gehört sein, ichtwas zu resolviren oder zu er- 
klären, als welches sodann erst von uns und dem Reich zu geschehen 
habe, inzwischen aber nicht anständlichers sein werde, als dass (massen 
von uns bestandig beschicht) bis dahin alle extrapropositiones oder Hand- 
lung dorthin nacher Frankfurt, als auf den allerseits darzu bestimmten 
Ort, verwiesen, im üebrigen aber vielmehr dahin getrachtet werde, wie 
in sammentlicher guten Ein verstand nus und Verfassung die Sach soviel 
möglich noch in integre zu erhalten und allenfalls zu salviren sein mögte. 
Wie aber unterdessen allem gleichsam verlässlichen Verlaut nach 
des Churfursten L***". mit der Krön Frankreich einige Allianz geschlossen 
und vermutlich auch schon ratificirt haben und sich an jetztgedachte 
Eron so gar zu henken intentionirt scheinen, dass sie selbigen Königs 
L^«". auch zum künftigen executore ihres Testaments zu ernennen Vor- 
habens'), wird unser Abgesandter ihme angelegen sein lassen, dass er von 
solcher Allianz eine Abschrift oder wenigst die contenta erhalte und zu 
unserer nöthigen Nachricht ehistens überschicke, zugleich aber auch unter 
der Hand gar behutsamlich ... sich bewerbe auf den Grund ermelten Chur- 
fursten Testaments und vorhabenden Executionsanordnung zu kommen 
und wo ermelterraassen möglich auch darvou einige Abschrift uns ein- 
zuschicken. Deme wir auch anfügen wollen, wie dass wir benachrichtiget 
seind, ob wäre von des Königs in Frankreich L**®". des Churfursten von 
Brandenburg L***". mit der Condition, dass I. L**®". die Acceptation der 



Vergi. Fester 1. c 49. 

*) In der That war dies geschehen; vergl. Droysen Gesch. d. p. P. IV.4 149. 



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1034 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

angedeuten französischen Proposition im römischen Reich erheben 
würden, ein gewisse summa Gelds jährlich versprochen worden^). 

Zuvorderist aber, da nicht wenig zu besorgen, dass des Churfursten 
L**'°. sich noch ferners auch auf Instigation und Antreiben der Krön 
Frankreich mit Dänemark nicht allein zu sammentlicher Eintreibung der 
ihnen von der Krön Spanien und denen Generalstaaten noch restirender 
Subsidien, sondern absonderlich auch gegen die Krön Schweden ver- 
binden thue, würde unser Abgesandter wohl thun, wann er einige gute 
Gelegenheit ersehen könnte, P. L^*°. in privato discursu die Confusioo, 
auch uns und dem gemeinen Reichswesen daraus bevorstehendes grosses 
Nachtheil, wann Pommern angefochten und mithin der ganze westphäli- 
sehe Frieden im Reich selbst zertrümmert und umgestossen werden 
sollte, vorzustellen, welche durch Unternehmung ein oder anderer solcher 
Gewalt- oder Feindthätlichkeiten unausbleiblich entstehen müsste; da 
nemlichen neben dem mit der Krön Frankreich im Reich sowohl, 
als mit dem Türken in unseren Erblanden befahrenden Defensionskrieg, 
auch Spanien, Schweden, Dänemark, Sachsen, Braunschweig, Holland 
und I. L^®°. dergestalt zerfallen und mithin diese Potenzen nicht allein 
zu allem Succurs für uns und das Reich untüchtig gemacht, sondern 
wir noch darzu uns etwa des Reichs und desfalls Krön Schweden schul- 
digen Garantie halber darein zu mischen sollten benötigt finden; da dann 
auch absonderlich des Churfursten L^*°. nicht würden ausser Acht za 
lassen haben, wie leicht auch die Krön Polen, wann sie I. L^^. in solche 
Weitleuftigkeit schon eingeflochten sehen würde, zu Recuperirung des 
herzoglichen Preussen') der Krön Schweden beitreten und also den 
ganzen Nord zu fast unabtreiblicher Gefahr der Nachbarschaft in völligen 
Kriegsbrand setzen könnte, alles zu dem Ende, dass, wann ja I. L^^. uns 
mit völligen ihren Kräften beizutreten annoch Bedenkens tragen, sie die- 
selbe gleichwohl auf alle Noth in integre erhalten und unterdessen nur 
ihr Reichscontingent beitragen, im übrigen aber sich also still oder 
neutral halten wollten, dass dem gemeinen Wesen darunter in nichten, 
weder directe, weder per indirectum geschadet, oder mehrere Gefahr ond 
Noth zugezogen werde; allermassen die Neutralität, die doch bei allge- 
meiner Reichsangelegenheit dessen keinem Stand zusteht, gleichwohl auch 



^) Die Subsidienbestimmangen sind in den §§ 6 und 7 des Vertrages vom 
12/22. Jan. 1682 enthalten; Morner 1. c. 717. 

*) Durch die Verträge von Wehlau und Bromberg 1657 war Friedrich Wilhelm 
souverainer Herr des vormaligen polnischen Lehensstaates Preussen geworden. 



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Instruction für Lamberg. 1035 

in sich Selbsten nicht bestehet, wann selbe allein auf uns und das römi- 
sche Reich in genere, auf dessen Stände und unsere Alliirte aber nit 
singulariter gemeint ist. 

Lamberg soll auch trachten zu erfahren, ob Brandenburg mit Dänemark 
einen Vertrag geschlossen und wenn dies der Fall, die Abschrift desselben sich 
zu verschaffen suchen*). 

Bezüglich Jägemdorfs hat der Kaiser, obgleich die Forderung des Kurfürsten 
ganz unberechtigt ist, sich wiederholt zur Zahlung einer namhaften Summe 
Geldes bereit erklärt. Da Lamberg bisher keine günstige Gelegenheit gefunden 
hat die Sache vorzubringen, ist der Angelegenheit längere Zeit nicht Erwähnung 
geschehen; Lamberg soll aber zu erfahren trachten, ob jetzt Aussicht vorhanden^ 
dass der Kurfürst sich mit einer Summe von 180 000 Thalern zufrieden geben 
würde. Der Kurfürstin kann Lamberg sagen, dass der Kaiser bereit ist, ihr, 
wenn sie ihren Gemahl bewegt für diese Summe seinen vermeintlichen An- 
sprächen auf Jägemdorf zu entsagen, bis 20 000 Thaler zu verehren. Bezüglich 
der spanisch-brandenburgischen Misverständnisse wegen der restirenden Subsidien 
und deshalb weggenommenen spanischen Schiffes soll Lamberg sich erkundigen, 
wieviel der Kurfürst von der praetendirten Summe von 1 800 000 Gulden nach- 
lassen wolle und anbei sich dennaln noch nur Anfragsweis vernehmen 
lassen, ob bei Liquidirung und Vergleichung auch Moderirung solcher 
Hauptsummen die Sach nicht zu vergleichen stünde, wann wir die Krön 
Spanien bei dermaliger Enge der Mittelen dahin vermögten, dass sie V. L**"». 
die vermelte 80 000 pesos de contado zur Angab und hernacher jährlich 
bis zur völligen Bezahlung eine moderirte Summ etwa von 40 — 50000 
reales de ä ocho abstatten thäte, annebenst zu verstehen gebend, dass 
wir von P. L**'". einer solchen Moderation darunter annoch gewärtig 
wären, dass wir uns der aufgetragenen Mediation zu unternehmen Ursach 
und zu deren Erhebung Hoffnung haben könnten. Der Kaiser hat Meinders 
den Ritterstand verliehen, Lamberg soll sehen den Kurfürsten gegen die von 
Dänemark, wie gemeldet wird, vorhabenden Pläne gegen Hamburg zu stimmen. 



') Am 31. Jan. war eine Defensivallianz zwischen Dänemark und Brandenburg 
auf 10 Jahre geschlossen worden; Mömer 1. c. 428 f. 

Am 8. Juni wurde dann der Vertrag über gemeinsame Operation zur Herstellung 
des Friedens und eventueller Cooperation mit Frankreich geschlossen. Yergl. auch 
Puf. 1. c. XVIII. § 70; den Vertrag verschweigt Puf. 



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1036 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682— 1684. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Wien 25. Mai 1682. (Aut) 

[Mittheilungen aus Berlin über die Bemühungen der Franzosen Brandenburg und 
Dänemark zum Kampfe gegen den Kaiser zu Termogen. Rastungen Brandenburgs. 

Rath für den Kaiser.] 

25. Mai. Lambergs Secretär meldet aus Berlin: Er habe oehmlich von dess 

V. Buchwald dänischen abgesandten Secretär alda per tertium et qoartum 
heraus und in erfahrung gebracht, wie sehr sich Frankreich bewerbe 
Dänemark und Chur-Brandenburg dahin zu vermögen, dass, wann I. E. M. 
das sogenante franzosische fridensproject nicht in allen seinen puncten 
annehmen würde, beede gegen das Haus Oesterreich hostiliter mit agiren 
sollen, wobey dann nicht wönig remarquable, dass der H. Churfurst zwey 
regimenter aus Preussen, so bis auf 2000 mann und wie andere wollen 
noch höher recroutiret worden, würklich marchiren und die quartier über 
der Elb, dem einen bey Magdeburg, dem anderen im Saal Creys nächst 
Thüringen, assigniren lasen. Solte mann nun vernehmen, dass auch Dane- 
mark mit einiger Mannschafft in das Oldenburgische rücken liese, währe 
nich ohne grund zu befahren, Chur-Brandenburg würde sofort mehrera 
Theil Seiner Völker in das Clevische legen, umb den Nider-Sächsischen 
Creys allarmirt zu halten und hierdurch den dritten articul der mit 
Frankreich habenden alliantz folge zu leisten *). Es würde dahero einiger 
zu Berlin für E. K. M. höchtes interesse wohlgesinter ministronim 
allerunterthänigster Meinung nach den H". Churfürsten von sothanen ge- 
fährlichen demarchen nichtes ehunter abhalten können, als wan E. K. M. 
unverzieglich zwey oder drey regimenter in Schlesien zu rücken aller- 
gnädigst beorderen möchten. 

Lamberg an den Kaiser. Dati Berlin 20. Juli 1682. (Or.) 

[Der Kurfürst rechtfertigt sein Benehmen. Anhalts Mitlheilungen über die Besserung 
der Lage, über die Haltung des Fuchs und über die Rathlosigkeit der französischen 
Partei, ßerathung Lambergs mit Anhalt über die Beilegung der spanischen und 
jägerndorfischen Differenzen. Bereitwilligkeit Anhalts für den Ausgleich zu wirken.] 

20. Juli. Der Kurfürst versichert, sich vom Reiche nicht trennen zu wollen. Warum 
sie aber bis anhero mit der Krön Frankreich Frieden zu treffen und 
deren die Stadt Strassburg in Händen zu lassen eingerathen, wäre der 
ürsach beschehen, weilen sie bei gegenwärtiger Beschaffenheit des römi- 
schen Reichs nicht sehen noch abnehmen könnten, wie selbiges den 



') Vergl. Mörner 1. c. 427. 



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Vorgehen der Franiosen. Stimmang in Berlin. Anhalts Erklärungen. 1037 

Krieg zu fuhren und den Franzosen besagte Stadt widerum aus Händen 
zo drehen gewachsen sein würde ^). Man sollte sie aber ein anderes be- 
greifen machen, so wollten sie der Yeraunft und Geböhr alsobald zu- 
treten. Der Kurfürst sowohl als die Kurfarstin nehmen ihn überaus freund- 
lich anf. 

Der Fürst Ton Anhalt theilt Lamberg mit, welchergestalt die französi- 
sche Partei den Mut gewaltig sinken zu lassen beginne, angesehen sie 
die Verstärkung E^ E. M. Waffen und die mehr und mehr herfurbrechende 
Apparenz zu Erlängerung des armistitii mit der Porten vor ihre Ruin 
und Untergang bei dem Churfürsten ansähen, wie dann nach iüngst be- 
schehener öffentlicher Ablesung der dem Crockow') ertheilter Instruction, 
worinnen alle obiectiones, so ihm gegen bisherige churfurstliche Betragung 
beschehen möchten, auch die Ursachen, so den Churfürsten dahin bewogen, 
enthalten seind'), der Secretarius Fuchs zu dem Fürsten gekommen und 
sich desselben Schutz völlig unterwerfend förgestellt, wie er wohl sähe 
und klar abnehmen müsste, dass das Werk zwischen dem Churfürsten 
und der Krön Frankreich keinen langen Bestand mehr haben könnte, 
sondern durch mit dem Reich erfolgende Ruptur gänzlich zerfallen 
würde. So gäbe auch die Krön dem Churfürsten also wenig und trac- 
tirte ihn so schlecht, dass es ein Spott wäre. Es bedeutete mir der 
Fürst weiter, dass die französisch gesinnte den Churfürsten ferner mit 
Listen zu hintergehen ganz verlegen finden und nicht wissen, ob sie 
denselben bei Frankreich zu erhalten die Fürstellung E'. K. M. geringer 
Kriegsmacht, oder aber deren Grosswerdung auf den Fall die ungarische 
Unruhe gedämpft würde, unternehmen sollen; wie sie dann in der T hat 
mit so gegen einander laufenden Zeitungen aufziehen, dass eine der 
andern Grundrichtung ist. Es komme in summa alles auf E^ K. M. con- 
siderirliche und beständige Kriegsmacht an, wann diese im Stand und 
der Rucken frei sein werde, so werde sich alles und aller Orten im Reich 
zu dero Dienst ergeben. Hienechst nun suchte ich bei dem Fürsten 
Beirath und Einschlag, was für Weg und Mittel, die spanische und 
jägemdorfische Werk beizulegen, ergreiflich sein wollten. Und als ich 
demselben auf unbefehren die conditiones eröffnet, Hesse er sich solche 
über alle Massen gefallen, dafür haltend, wann nur die Krön Spanien 



') Für die Haltung Brandenburgs in dieser Zeit Droysen 1. c. 111. 3 7,'Uff. 
*) A = Orackau. 

») Inhaltsangabe bei Puf. 1. c. XVIII. 56; Droysen 1. c. in.3 736 f.; daselbst auch 
Auszüge aus Crockows Berichten. 



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1038 J^- Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

mit der ersten Angab und dem Churförsten belieblicher Versicherung 
der Ort, wo {: die Gelder in ihren Terminen zu erheben, zuhielte 
und dann E. K. M. wegen Jägerndorf ein gleiches zu thun resolvirte, 
er Fürst sodann den Churfürsten sowohl als die Churförstin für E. 
K. M. und dero hohes Erzhaus zu erwerben getraue. Ich versetzte 
darauf, dass eine conditio sine qua non sein würde, sich von der Krön 
Frankreich völlig abzuziehen und zu E^ K. M. zu treten. Auf hierüber 
beschehene schriftliche Versicherung und Erklärung könnte sich der Fürst 
vergewissert halten, dass weder E. K. M. noch die Krön Spanien das 
versprechende abzuführen ermanglen würden :|. Der Fürst antwortete, 
eines müsste er mir unverhalten, nemlich, wann der Churfürst nur also 
beobachtet werden könnte, dass der Schwall der französischen Waffen 
nicht völlig auf ihn fiele, die Sach um so viel leichter zu erheben sein 
würde ... Inmittelst verspräche mir der Fürst solch importantes Werk in 
Gottes Namen anzugreifen und nach seiner allerunterthänigsten Devotion 
also zu übernehmen, |:dass er keinem ministro, sondern allein der Chur- 
fürstin die Eröffnung thun wollte, sie auch zu der Geheimhaltung ver- 
binden, anbei mir die Antwort und den Weg, so ich ferner zu halten 
hätte, hinterbringen :|. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 24. Juli 1682. (Or.) 

[Audienz. Beharren des Eurförsten bei seiner Ansicht von der Notbwendigkeit mit 
Aufgabe Strassburgs den Frieden mit Frankreich zu schliessen. Urtbeil desselben über 
den Frankfurter Congress. Gottfried Jena. Mittheilungen Anhalts über seine Ver- 
handlungen mit der Kurfürstin.] 

24. Juli. Am 23. Juli hat Lamberg Audienz beim Kurfürsten, der auf Lambergs Er- 

klärungen von der Noth wendigkeit energischer Entschlüsse gegen Frankreich 
und auf die Betonung von des Kaisers Rüstungen erwidert, er würde gerne wün- 
schen, dass der Kaiser so geröstet wäre um gegen Frankreich vorgehen zu können, 
er könne aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht sehen, wie man 
Strassburg zurückerobern wolle, müsste dahero noch fortan bei ihrer Mei- 
nung beharren, dass ein Fried mit Frankreich, welcher universaliter 
garantirt würde, dermalen dem Kriege vorzuziehen. Es würde sodann 
zu Versicherung des Reichs vorträglich sein eine stätige Macht von 
40000 Mann auf den Beinen und aus den Kreisen zu erhalten, welche 
aber in die Stadt am Rhein und ferner auf die Grenzen zu verlegen. Sie 
könnten sich auch sonsten nicht bereden, dass durch eine blosse Zusam- 
menziehung E^ K. M. und des Reichs Armeen denen Franzosen eine Spann 
breit Erdreichs widerum aus den Händen zu ziehen, oder die conditiones 



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Fried. Wilh. über den Frieden. Anhalts Mittheilungen. 1039 

aaf den Tractaten zu verbessern, angesehen die Franzosen vermeinten, 
dass ihnen anch bei offenem Kriege durch Zwang wenig würde abzu- 
haben sein. Es wurde sich auch auf erfolgende wirkliche Ruptur herfür- 
thun, ob nicht sowohl die Krön Schweden eine SchadloshaltuDg vom 
Reich, als auch das Haus Braunschweig wegen leistender Dienste Satis- 
faction auf die Stifter suchen würde und sollte ich mich versichern, dass 
S. Ch. D. solches nicht aus leerem, sondern allerdings gutem Grund und 
Nachricht redeten. Sie wiederholten demnach das allbereit öfters ge- 
sprochene, Weichermassen sie gegen das Reich nichts fürnehmen, weniger 

sich von selbigem abtrennen wollten Wegen des Frankfurter Con- 

gresses verlangte er selbsten, dass solche Tractaten mit mehrerm Ernst 
getrieben würden und zeigte sich mit des churmainzischen directorii Con- 
duite und Verzögerungen nicht in allen Stücken zufrieden. 

Auf Anhalts Antreiben beim Kanzler Jena hat dessen Broder in Regens- 
burg um seine Enthebung angesucht, welche ihm jedoch vorerst, auf Meinders 
Rath, nicht ertheilt worden ist. Das sächsische Votum ist dem Jena bereits 
genommen worden. 

Nachdeme ich bis anhero und zum Schluss gelangt, liesse { : mich 
der von Anhalt zu' sich entbieten, worbei er mir sofort mit fröhlichem 
Gemüth berichtet, dass der Vortrag bei der Churfürstin sehr angenehm 
gewesen und ihm von dannen zu Antwort erfolget, dass sie zu Hinlegung 
der spanischen Mishelligkeit alles fürderliche beitragen, für beschehener 
Communication aber mit dem Churfürsten zu nichts verbindlich machen 
könnte. Als auch der Fürst fragweise an sie gelangen lassen, im Fall 
die Krön Spanien von 4 — 500 000 Thalem , E. K. M. aber wegen Jägern- 
dorf sich auf 180000 heraus liesse, ob sie den Churfürsten sodann zu 
E'. K. M. und des Erzhauses Dienst und Interesse völlig zu gewinnen 
hielte, wäre ihm versetzt worden: Es würde der Fürst sich noch wohl 
erinnern, dass der Churfürst wegen Jägerndorf sich bishero zu keinem 
Geld verstehen wollen und dass sie nicht wüsste, ob die zu Abführung 
der spanischen Praetension erbetene summa annehmlich sein würde. Er, 
Fürst, aber erachtete, dass unter 500 000 die Sach schwerlich zu erheben 
und vielmehr dahin zu trachten sein möchte, damit eine summa die 
andere übertragen und um so viel leichter beide Praetensionen abgethan 
werden möchten. Demnechst hätte die Churfürstin auch befragt, was 
dann etwan der Churfürst an E. K. M. oder die Krön hinwiderum zu 



*) üeber die Verhandinngen zu Frankfurt in dieser Zeit Puf. I. c. XVIII. 45 ff. 
Pachner I.e. II. 385 ff. 



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1040 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

praestiren hätte und hoffte sie, es würde an selbigen nichts gesonnen 
werden, wordurch für der Welt er sich als einen unbeständigen und 
bundbrüchigen prostituiren, auch bei E^ K. M. selbst ausser alles Ver- 
trauen und Credit setzen könnte. Diesem aber wäre von ihm, Fürsten, 
sobald mit deme, so durch mich bereit vorhero an die Hand gegeben war, 
begegnet worden, nemlich, es könnte gegen Frankreich die Entschuldigung 
also genommen werden, dass, da der Churfürst sich so in- als ausser 
Reichs beworben die französische Intention wegen Strassburg und das 
darauf gerichtete Friedensproject annehmlich zu machen, er gleichwohl 
nichts darinnen verfangen können, gestalten die majora noch immer in 
contrarium verblieben, also der Churfürst, wo er nicht fortkommen könnte, 
der Sach den Lauf lassen müsste. Dieses hätte sich die Churfürstin 
nicht übel gefallen lassen, mit der Versicherung, dass was sie zu beider- 
seitiger guten Verständnus beitragen könnte, an ihr es nicht erwinden 
sollte :|. Der Fürst glaubt, es würde sehr vortheilhaft sein, wenn der Kaiser 
dem Prinzen Philipp '), als dem Augapfel der Kurfürstin, ein Regiment verleihen 
würde. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 27. Juli 1682. (Or.) 

[Mittbeilungen Jena^s über des Kurfürsten Erklärungen an Frankreich. Mittbeilung 
der kaiserlichen Pläne an den Kurfürsten durch die Kurfürstin.] 

27. Juli. Der Kanzler Jena meldet dem Lamberg, der Kurfürst habe durch Meinders 

Rebenac mittheilen lassen, er rathe dem Könige von Frankreich die in dem frank- 
furtischen Friedensprojecte enthaltenen Forderungen herabzusetzen; auch habe 
der Kurfürst Befehl gegeben, das mainzische Directorium in Frankfurt um Fort- 
setzung der Publication des „conclusi deputatorum'* anzugehen''). Auch sonst 
sucht Jena, wie er Lamberg mittheilt, im Interesse des Kaisers zu wirken; 
bittet aber um Geheimhaltung. Die Kurfürstin hat von dem, was ihr Anhalt 
gesagt, dem Kurfürsten Mittheilung gemacht; dieser verlangt strengste Geheim- 
haltung. 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 7. Aug. 1682. (Or.) 

[Ansicht Lambergs über die Pläne des Kurfürsten. Erklärungen Fr. Wilh. bezüglich 
der ihm gemachten Anerbietungen zum Ausgleiche der Differenzen mit Spanien. An- 
halts Ansicht. Mittbeilungen über die Unterredung zu Itzehoe. Inhalt der französisch- 
brandenburgischen Allianz. Rebenac. Kurfürstin.] 

7. Aug. ^^r Kurfürst wird durch die Furcht vor den Waffen Frankreichs von jedem 

entscheidenden Schritte abgehalten; dazu kommen die Einflüsterungen der fran- 

*) Der älteste Sohn Sophie Dorothea'«, der zweiten Gemahlin Friedrich Wilhelms. 
2) Für die Verhandlungen in Frankfurt, Pachner 1. c. IL 397 ff. 



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Spanisch-brandenburgische Differenzen. Brand.-dinische Beziehungen. 1041 

zösischen Partei, welche den Krieg mit den Türken als unvermeidlich hinstellen. 
üeber all solches fasse ich den Verdacht, ob werde mit der Resolution 
zu Fleiss der Ursach langsam gegangen, damit sich inzwischen das 
türkische Werk mehrers äussere, |: der Churfiirst vielleicht dem Erzhaus 
magis necessarius werde und bei demselben seine conditiones verbesseren 
möge. Sonsten hat der Fürst zu Anhalt sowohl bei dem Churfürsten 
als der Churfurstin wahrgenommen, dass sie sich zwar vielleicht mit 
der Angab von 100000 Thaler, nicht ab6r nachmalen mit den 50000 
jährlich :|, als einer allzulangen Zahlungsfrist, befriedigen, sondern die 
völlige Zahlung längst inner ein paar Jahr und auch auf diesem Termin 
genügsame Caution erwarten wurden. Er, Fürst, könnte auch nicht so 
positive versprechen, ob er es zwar anfangs änderst vermeint, dass sie 
sich für alles mit 500000 Thaler würden beschlagen lassen. Der sicht- 
bare Erfolg dieser Angelegenheit ist bisher der vertraute Verkehr des Kurfürsten 
mit dem Fürsten von Anhalt. Dieser letztere bittet den Kaiser, sein Land mit 
Quartierassignationen zu verschonen. Was sonsten bei der Untersuchung 
zu Itzehoe auf den Teppich gekommen, wird E^ K. M. durch den Grafen 
Berka zweifelsohn umständlich sein .hinterbracht worden'). Soviel aber 
habe ich von 2 oder 3 churfürstlichen ministris in Vertrauen vernommen, 
dass der König in Dänemark die Schweden im Bremischen anzugreifen 
inclinirt gewesen und zu dem End vom H°. Churfürsten 6000 Mann be- 
gehrt habe, mit dem Beding, dass nach Bemächtigung Bremens er hin- 
gegen alle seine Macht dem H". Churfürsten zur Ueberwältigung Pom- 
merns herstellen wolle, welches aber der Herr Churfürst in alle Weg 
deprecirt habe. Von dem Inhalt der churfürstlichen mit Frankreich 
habenden Allianz habe ich hinc inde soviel penetrirt, dass der Herr 
Churfürst, im Fall Frankreich angefallen werden sollte, mit 6000 Mann 
zu succurriren, Frankreich hingegen in Friedenszeiten 100000 Thaler 
iährlich, bei wirklicher Hilfleistung aber das supplementum, soviel auf 
6000 Mann Unterhalt gehörig, praestiren und wann der Herr Churfürst 
angefallen würde, mit 20000 zu Hilf zu gehen, oder wo nöthig, Diver- 
sion zu machen, gehalten sein sollte. Auf den Fall aber der König in 
Frankreich über den Rhein gehen und mit dem Reich brechen, oder 
weiter um sich greifen würde, alsdann sollte weder der Herr Churfürst 
noch die Krön Dänemark an die Allianz gebunden sein^. So ist mir 
ferner von vertrautem Ort zukommen, welchermassen dem Grafen Re- 



») üeber die Zusammenkunft Puf. I. c. XVIII. 70. 
^ Yergl. den wirklieben Inhalt bei Morner 1. c. 427. 

Mater, x. Geach. d. Q. KarfursUn. XIV. 2. 66 



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1042 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

benac ganz nealich von dem Croissy ein scharfer Verweis zukommeo« 
um willen er mit dem General Derflflinger nicht sittlicher amgegaogeo, 
sondern so uns^estara mit selbigem gebrochen.^ Die Karfurstin hat wie- 
derholt Anhalt gefragt, ob er wisse, wie es mit den ungarisch -türkischen Ver- 
hältnissen stehe. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 12. Aug. 1682. (Or.) 

[Spanisch-brandenburgische Differenzen. Ansiebt Anhalts über dieselben. Jigemdoif. 

Ansicht Lambergs über die zum Ausgleiche des spanisch - brandenburgischen Con- 

flictes zu ergreifenden Massregeln. Testamentsangelegenheit] 

12. Aug. Auf Wunsch des Kurfürsten hat der Fürst von Anhalt ohne Mitarheitnng 

Lambergs ein Projeet für die Beilegung der brandeuburgisch- spanischen Diffe- 
renzen entworfen»). Der Kurfürst machte Bemerkungen zu diesem Projecte, 
theilte dasselbe Jena und Fuchs mit und mit Hilfe dieser wurde dann ein 
neues Projeet entworfen'). Ob nun wohl das churfürstliche Begehren in 
der total summa von 7 — 800000 Thaler, in der Angab aber von 
200000 Thaler redet, hält sich iedoch der Fürst versichert, dass der Chur- 
fürst in jener mit 600000, in dieser mit 100000 (sich) werde befriedigen 
lassen. Im Fall nun sothane 600000 Thaler der Krön dermal etwas 
hart kommen sollten, wäre der Fürst der Meinung, es könnte die Er- 
leichterung in Protrahirung der Zahlungsfristen etwan bis auf 5 oder 6 
Jahr gesucht werden . . . Der Kurfürst wünscht, dass Lamberg die Ange- 
legenheit zu Ende führe. 

Die Jägerndorfer Angelegenheit hat der Fürst nicht berührt, da er hofft, 
wenn erst die spanische Sache durchgeführt ist, leichter damit an's Ziel zu 
kommen. Der Fürst hittet, Spanien möge gleich mit dem äussersten dessen, 
was es bieten könne, hervortreten, um die Sache zu beschleunigen. Lamberg 
glaubt, es könnte die von dem Kurfürsten geforderte Summe um ein bedeu- 
tendes herabgemindert werden, wenn nur gute Anerbietungen seitens Spaniens 
gemacht würden und ihm etwas Geld zur Austheilung am kurfürstlichen Hofe 
zur Verfügung stehen würde. 



1) Der wesentliche Inhalt dieses Projectes ist: Im Ganzen will Spanien 4 bis 
500000 Thaler zahlen und zwar gleich 100000 Thaler, wegen des Uebrigen will es 
sich auf Termine vergleichen; ferner verpflichtet sich Spanien ein ansehnliches Geschenk 
für die Kurforstin und ein Regiment für den Prinzen Philipp zu gewähren. Wegen 
des Schiffes Karl 11. bleibt es bei dem, was geschehen, nichts wird vom Kurfürsten 
diesbezüglich gefordert werden. Will der Kurfürst auf solche Anerbietungen nicht in 
Unterhandlung treten, so bleibt alles in statu quo. 

^) Der wesentliche Inhalt dieses Projectes lautet: Der Kurfürst ist principiell 
geneigt in Verhandlungen einzutreten. Er fordert P. 7—800000 Thaler und zwar 
gleich 200000 Thaler, den Rest längstens in 3—4 Jahren; das Schiff Karl II. wie 
die übrigen Prisen bleiben dem Kurfürsten. 



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Spanisch-brand. Differenzen. J&geradorf. Lamberg terlässt Berlin. 1043 

Eine neuerliche Audienz beim Kurfürsten hat keinen anderen Erfolg, als 
dass der Kurfürst wiederum versichert, Strassburg könne nicht zurück erobert 
werden Was die Sondirung wegen des Inhaltes des kurfürstlichen Testa- 
mentes betrifft, darüber hat Lamberg erfahren können, dass dem Markgrafen 
Ludwig Minden, dem Prinzen Philipp Halberstadt, dem Prinzen Albrecht 
Lauenburg und Butow, dem Prinzen Christian Ludwig das Meisterthum über 
den Johanniterorden in den kurfürstlichen Landen bestimmt worden sei, 
das übrige aber bei der Kur bleiben soll '). Es habe zwar die Frau Chur- 
fürstin stark darauf gedrungen, dass es zu Itzehoe vom Königin Dänemark 
unterschrieben werden möchte, wegen guter Verstandnus aber dieses 
Königs mit dem Churprinzen nicht damit auskommen mögen. Ob aber 
der Frau Churförstin anderwärtige Gedanken, den König in Frankreich 
pro executore testamenti zu ersuchen, vollzogen worden, solchem habe 
noch nicht auf den Grund kommen mögen, werde es iedoch an weiterem 
Fleiss nicht erwinden lassen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 14. August 1682. (Or.) 

[Nothwendigiieit der Erlegung einer Summe zum Ausgleiche in der spanischen Streit- 
frage. Abreise Lambergs von Berlin.] 

Solange die Erlegung der ersten haaren Summe nicht stattgefunden, ist in 14. Aug. 
der spanisch-brandenburgischen Frage nichts zu hoffen, da Fuchs und Meiiiders, 
der von der Sache Kenntnis erhalten, den Kurfürsten überzeugen wollen, dass 
die Sache seitens des Kaisers nicht ernst genommen werde. Die ihm befohlene 
Reise an den sächsischen Hof, um den Kurfürsten von Sachsen für die Reichs- 
sache zu gewinnen, wird Lamberg antreten. 

Ende des Monates verlässt denn auch Lamberg Berlin, nachdem er noch 
im Berichte vom 23. August dem Kaiser gemeldet: Ich spüre ganz deutlich, 
dass wann die Unruhe in Ungarn gestillt und die Krön Spanien dem 
Herrn Churfürsten nur mit etwas baarem von denen Restanten an Hand 
zu gehen sich ungesäumet resolvirte, derselbe von ietziger Conduite ab- 
stehen, das französische Friedonsproject verlassen und mit E^ K. M. und 
dem hochlöblichsten Erzhaus sich vollkommenlich conformiren würde. 



ProtocoU der mit Crockow am 20. August 1682 gehaltenen 
Conferenz. (Conc.) 

[Ansicht des Kurfürsten über die den Friedensanträgen Frankreichs gegenüber einzu- 
nehmende Haitang. Satisfactionsansprüche Brandenburgs an das Reich. Ceremonial- 
fragen. Antwort der kaiserlichen Räthe.] 
Anfang Juli 1682 hatte der Kurfürst Lorenz Georg von Crockow wieder 20. Aug. 

Vergl. die richtigen Angaben bei Droysen G. d. p. P. VI.4 147. 

66* 



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1044 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

nach Wien gesendet (Creditif vom S.Juli 1682 Or.)^); mit Crockow verhandeln 
Hohengran ') und Königsegg. Crockow führt weitläufig in seinen Proposition (Or.) 
aus, was der Kurfürst in seinem magdeburgischen Votum zu Regensburg wegen 
Annahme der französischen Friedensproposition hat ablegen lassen *) und hebt die 
dem Reiche wohlgeneigte Stimmung des Kurfürsten hervor. Darauf betont er, dass 
der Kurfürst von der Berechtigung der Klagen der Reichsstände gegen Frankreichs 
Vorgehen überzeugt sei und sofort bereit wäre die Waffen zu ergreifen, wenn das 
gesammte Reich sich mit Muth und Kraft zusammenthäte. Wann aber S. Ch. D. 
alle Umstände , wie es in einer rechten Deliberation geschehen müsse, 
etwas näher beleuchteten, so sehen sie mit nicht geringem Leidwesen, 
dass die Gemüther im römischen Reich durch viel Interessen, Jaloosien, 
Suspicionen und Mishelligkeiten, auch durch den nymwegischen Frieden 
zertrennet, also dass weder eine einmüthige Zusammensetzung, noch eine 
Beständigkeit in den consiliis zu hoffen. Und wäre am Tage, wie in 
denen Reichsversammlungen zu keinen Resolutionen, wie es zumalen in 
einem Kriege erfordert würde, zu gelangen sei und welcherge^talt ofter- 
malen aus geringen Sachen grosse Uneinigkeiten entstehen. S. Ch. D. 
betrübte sich von Herzen über einen so dissonanten Zustand des Vater- 
landes, sähen es gerne besser, finden aber kein Mittel es sofort zu ändern. 
Zudem so fehlete überall der nervus rerum gerendarum. Das ganze 
Collegium der Herrn Churfürsten, welche vermöge der Fundamental- 
gesotze des römischen Reichs Hauptsäulen und eines römischen Kaisers 
innerste Räthe wären, riothen den Frieden. Wann S. Ch. D. die Augen 
auf die Nachbarschaft wendeten, so sehen sie zwar wohl einige obhan- 
dene AUianztractaten, wie wenig man aber sich auf AUiirte (zu) verlassen, 
hätten die vorige Zeiten bezeiget. Bngelland wollte den Frieden und 
hätte sich Frankreich von denen nichts zu besorgen; in den vereinigten 
Provinzen riethen die mehresten den Frieden; weil auch die commercia 
die Seel ihres Estats wären und dieselbe in einem Kriege grosse Hinder- 
niss empfunden, so wäre daraus abzunehmen und hätte es die Erfahrung 
sowohl zu Münster als Nymwegen gegeben, wieweit man sich in einem 
Kriege auf dieselbe zu verlassen. Der König von Dänemark wünschte 
und suchte den Frieden mit grosser Eifer; andre AUiirte würden vielleicht 
mehr Assistenz an Gelde und sonsten bedürfen, als man von ihnen zu 



>) Vergl. den Inhalt der Instruction bei Puf. 1. c. XVlll. 50; Droysen I.e. 736 f.; 
Vergl. ürk. u. Act. 111. 648. 

^ Der Hofkanzler Hocber wird so nach der im Jahre 1671 ihm geschenkten Herr- 
schaft genannt. 

') Dieses magdeburgische Votum bei Londorp IX. 360f.; Puf. I.e. XVllI. 53; 
die österreiebiscbe Antwort XVIII. 54. 



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Conferenz mit Crockow ober den Frieden mit Frankreich. 1045 

gewarten. Die vorige Zeiten hätten gewiesen, wie fatal dem römischen 
Reiche die auswärtige Hilfe wäre, hingegen hätten I. K. M. und das römi- 
sche Reich bei einem Kriege schwere diversiones zu vermuthen; wie das 
ungrische und türkische Wesen beschaffen, wäre genugsam bekannt. Der 
Friede in Ungern würde sehr theuer zu erkaufen und schwerlich zu er- 
halten sein und dennoch vielleicht ein Feur in der Asche übrig bleiben; 
in summa alle die Inconvenienzen, welche die üble Successe des vorigen 
Krieges verursachet, wären nicht allein annoch vorhanden, sondern noch 
mehr gehäufet. 

üahero S. Ch. D. nach reifer Ueberlegung der Sachen nicht anders 
judiciren könnten, als dass bei einem neuen Kriege nicht allein alle die 
mala, die einen Krieg begleiten pflegen, dem römischen Reich bevor- 
stehen, besondern auch bei gegenwärtigem obberührten Zustande viel- 
mehr Apparenz sei noch ein mehrers zu verlieren, als etwa das Ver- 
lorne zu recuperiren. Weswegen dann S. Oh. D. der unmassgeblichen 
MeinuDg sein und dero Gedanken P. K. M. in unterthänigster Treue dahin 
gehorsamst eröffnen müssen, dass, bei solcher der Sachen Bewandtnus, 
es dem römischen Reich viel rathsamer und zuträglicher sei, diesesmal 
den Frieden dem Krieg vorzuziehen, als alles mit der Form Selbsten 
auf die Spitze zu setzen und es dem ungewissen, ja, dem Ansehen 
nach, höchstschädlichen Ausgang eines blutigen Krieges zu committiren. 

Zu solchem Ende halten S. Ch. D. unmassgeblich vor rathsam und 
nöthig, ersuchen auch I. K. M. gehorsamst, sie wollen dero kaiserliche 
Sorgfalt dahin richten, damit 

1. die Friedenstractaten auf alle Weise befördert; 

2. die sich ereigende obstacula aus dem Wege geräumet. Zu 
solchem Ende 

3. die materialia durch das österreichische Directorium zu Regens- 
burg in dem Fürstencollegio zur Umfrage gebracht und die Deputirte 
zu Frankfurt mit gnugsamer Instruction versehen werden; 

4. dass nicht durch frühzeitige Zusammeuführung der Völker oder 
sonsten Anlass und Gelegenheit zu einiger Weiterung gegeben werde 
und endlich 

5. die von Frankreich proponirte conditiones, wiewohl man sie 
gern besser wünschete, lieber angenommen, als ein so höchstgefährlicher 
Krieg veranlasset werde. 

Jedoch gehen S^ Ch. D. Gedanken nicht dahin, dass man sofort ohne 
Handlung alles abandonqiren, besoqdern, dass man die Xractateq n)it 



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1046 IX- Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

Ernst continuireD und alle Bemühung thun solle die französische Pro- 
position zur Moderation zu bringen; dafern aber solches nicht zu erhalten, 
so sei es dennoch besser, dasjenige was weg ist zurück zu lassen, als 
mit höchster Gefahr noch ein mehrers zu verlieren den Krieg zu er- 
wählen. Dabei müsse man nicht weniger auf die künftige Sicherheit 
bedacht sein und derselben prospiciren 

1. durch clara pacta, welche nicht einen so obscurun sensum und 
ambiguam interpretationem mit sich führen, als die Münsterische und 
Nym wegische; 

2. durch eine gute Verfassung und perpetuum militem; 

3. durch eine Garantie der vornehmsten Chur- und Fürsten des 
Reichs, als Churbaiern, Chursachsen, Churbrandenburg, Churpfalz, Mainz, 
Köln, Braunschweig-Lüneburg, Münster. S. Ch. D. wären bereit mit P. K. 
M. zu solchem Ende ein Specialfoedus zu Defension des römischen Reichs 
und der Erblande contra quoscunque einzugehen, darin die benachbarte 
Potentaten auch könnten gezogen werden. 

Man hoffete Frankreich würde den Frieden halten und die erworbene 
Gloire und Avantage nicht wieder in Compromis setzen. Sollte über 
alles bessers Hoffen Frankreich aufs neue einen Krieg anfangen, so 
würden auch diejenige, welche jetzo zum Frieden rathen, wann sie sehen, 
dass derselbe auf keine Weisiö zu erhalten stände, die Waffen ergreifen 
und communem causam machen. 

Und würde dienlich sein, dass in dem Frieden ein gewisser modus 
componendi controversias, welche sich etwa künftig ereigen könnten, 
verabredet würde,* damit man aus keiner Ursache zum Krieg kommen 
dürfte. Indessen wäre nicht rathsam, dass man durch einen Krieg, in 
welchem bei gegenwärtiger und obangeführter Beschaffenheit der Sachen 
so gar wenig Apparenz zu einem guten Success vorhanden, sich in 
diejenigen mala praecipitire, welche man ex longinquo befürchtete und 
Frankreich einen Praetext gebe noch weiter zu gehen, sondern dass man 
gegenwärtig aus obangeführten Ursachen den Frieden dem Kriege vor- 
ziehe; zumaln da man zum Kriege nicht resolviren könnte, ehe und 
bevor der Friede mit dem Türken gemachet, welches nicht anders als 
mit Cedirung considerabeler Oerter zu höchstem Praejudiz und künftiger 
Unsicherheit der Erblande geschehen könnte. 

Man gebe zu bedenken, ob nicht der Krieg gegen den Türken cum 
majore spe successus könnte geführet werden, weil die türkischen Fron- 
tieren nicht wohl versehen und die Festungen in schlechtem Zustande, 



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Conferenz mit Crockow bezüglich des Friedens mit Frankreich. 1047 

der Hof uneins uod was zum Kriege gehöret bei weitem nicht sowohl 
gefasset wäre, als io Frankreich. Bei einem Kriege wider Frankreich 
würde die Christenheit sich partagiren und in 2 Haufen reiten; hingegen 
wurde ein Türkenkrieg die Christenheit mehr vereinbaren und zusammen- 
bringen; das Reich und benachbarte Potentaten würden I^ K. M. unter 
die Arme greifen, S. Ch. D. würden auch nicht ermangeln das ihrige dabei 
zu thun. 

Schliesslich bittet Crockow im Namen des Karförsten um Satisfaction vom 
Reich für den im letzten Kriege erlittenen Schaden und um Ordnung der 
Ceremonialstreitigkeiten in einer die kurfürstliche Praeeminenz berücksichtigen- 
den Weise*). 

Die kaiserlichen Käthe nehmen diese Erklärungen ad referendum; sie für 
sich erklären, dass auch sie der Meinung seien, der Friede sei besser als der 
Krieg, nur müsste man einen Frieden zu erhalten suchen, der eine Sicherheit 
gegen weitere Ausschreitungen biete. Dass Frankreich sich an Friedensbe- 
stimmungen nicht halte, habe sich gezeigt; seine Ansprüche durch die Rennions- 
kammem boten den Beweis dafür, dass es dem Konige von Frankreich niemals 
an Praetexten fehlen werde ungerechte Forderungen zu stellen. In keinem 
Falle aber sei der vom Kurfürsten vorgeschlagene Weg des Geständnisses der 
eigenen Schwäche der richtige, um sich vor Frankreichs Forderungen zu sichern, 
sondern da man Frankreich zu bessern Conditionen sowohl als zur 
Sicherheit des Friedens bewegen wollte, würde nichts kräftiger und er- 
spriesslicher sein, als wann das Reich, absonderlich aber der Churfürst 
zu Brandenburg, mit E^ K. M. mit Rath und That fest zusammenhalten 
and untereinst vornehmlich auch dahin sehen thäten, dass der Krieg auch 
also gestillet werde, damit wann er etwa in Deutschland cessirt, nicht 
in Italien oder sonsten, wo E. K. M. und das Reich stillsitzend nicht 
bürden zusehen können, transferirt und nur mutatio loci daraus werde. 

Die Erklärung des Kaisers auf Crockows Eröffnungen liegt nicht vor; am 
26. October fertigt der Kaiser das Recreditif für Crockow aus^). 

Votum vom 4. September 1682 auf Lambergs Relationen vom 
20. Juli bis 19. August 1682. (Conc.) 

[Spanisch-brandenburgiscbe Differenz betreffend.] 

Die Rathe halten dafür, dass das Hauptnegotium, nemlich des Kurfürsten 4. Sept. 
Einigung mit Spanien, zugleich important und delicat ist. Important, weil 



^) Für diese Frage vergl. die zahlreichen Acten bei Londorp 1. c. XL; eine 
brandenburgische Vorstellung speciell 1. c. XI. 484 f. 

') Für die Verhandlungen Crockows in Wien Puf. 1. c. XVUI. 60 ff.; D^oy8e^ 
1. c. 737 ff. 



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1048 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Brandenburgs Stellung von der Entscheidung in dieser Frage abhängt, delicat 
aber auch in deme, da der Tractat ganz auf E. K. M. fallen will, dieselbe 
aber noch nicht gesichert sein, ob und wie weit es der Krön Spanien 
darmit Ernst seie, auch wie weit sie sich mit derselben Approbation in 
die Sach einlassen möchten und ob die Krön sich deme in specie bequemen 
werde, was der Fürst von Anhalt vorgeschlagen hat; item, wie sie her- 
nacher mit dem vergleichenden quanto und Terminen also zuhalten werde, 
dass nicht etwa die Säumnus und Abgänge an E. K. M. möchten gesucht 
werden sollen, massen die churfiirstlicherseits suchende cautiones klar 
gnug dahin coUimiren ; da im übrigen, wann nur der Churfurst dardurch 
wieder herbeigebracht werden könnte, die gehorsamste Deputirte den an- 
haltischen Vorschlag*) also beschaffen befinden, dass er von Spanien so 
wenig als von E'. K. M. zu verwerfen wäre, wie dann zuvorderst auch 
ermeltem Fürsten die Erkanntnus und Estime, die E. K. M. ob dieser 
seiner so treu und eifrigen Beiwirkung trügen, durch den Grafen von 
Lamberg zu bezeigen wäre. Wie aber sich anbei nicht weniger E. K. M. 
als die gehorsamste Deputirte erinnern werden^ unter was vor Bedenken 
und Praecaution sie gleich von Anfangs die partes formalis mediatoris 
hierunter zu decliniren sich vorgenommen haben, bis sie vorhin etwas 
nähers beede Parteien würden sondirt haben, ob beederseits dergleichen 
Gedanken und propositiones vorhanden, die durch eine Mediation frucht- 
barlich zusammengebracht und erhebt werden möchten; jetzo aber es 
an deme ist, dass die Krön Spanien sein oifertum per Pausch gethan, 
der Churfurst auch per Pausch tractiren zu lassen erbietig ist, da er 
doch sonsten per calculum sowohl die alte als neue Subsidienrestanten 
auf viel Millionen würde gezogen haben und jetzt per Pausch sich mit 
7 oder 800 000 Reichsthalem will befriedigen lassen und was dergleichen 
mehr ist, so zu Erhebung des Werks abzuzielen scheinet; also stehet es 
nun ferner zu E'. K. M., inwieweit sie sich ferner in das Werk interpo- 
nendo möchten einzulassen haben; da dann annoch das sicherste sein 
und das filum negotii auch ein anders noch zur Zeit nicht wohl leiden 
wird, als dass dem spanischen Botschafter allhier'), wie auch nacher 
Spanien gehenden kaiserlichen Botschafter') aus dem Werk dergestalt 
communicirt werde, wie es ermelter Fürst von Anhalt sammt dem Grafen 
von Lamberg vor gut befunden haben, mit beigefügter Remonstration 



») Vergl. p. 1042 Anm. 1. 
^ Bur^omanero. 
') Mannsfeld. 



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Spanisch-brandenb. Conflict. Fried. Wilh. Reise nach Regensburg. 1049 

obangefShrter sowohl Con- als iDconvenienzen, so dem gesamraten Erz- 
baas aus dem Vergleich oder Zerschlagung dieses Werks entstehen 
können . . . und benebenst auch, wie gleichwohl die 7 oder 800 000 Reichs- 
thaler, so der Churfurst per Pausch annehmen will, ein leidentliches 

gegen deme sei, was der Churfurst aufrechnen könnte; alles zu 

dem End, damit sich die Krön Spanien darüber resolvire und gefasst 
mache, demnechsten aber auch eine Vollmacht cum facultate substitu- 
endi ihrem Botschafter allhier übermache, damit derselbe sofort den 
Grafen von Lamberg oder jemand andern an den churbrandenburgischen 
Hof bestellen oder substituiren könne. 

Von alledem ist dem Lamberg Mittheil ung zn machen, mit dem Befehle 
den Enrförsten bei guter Hoffnung zu erhalten, zugleich aber die Hauptsumme 
sowohl als die Zahlungstermine möglichst günstig zu gestalten, dabei aber 
sich auch sorgfaltigst zu hüten und vorzusehen, damit E. K. M. in proprio zu 
einiger Praestation, Caution oder sonst auf einige Weis nicht impegnirt 
oder obligirt würden, woraus der Churfurst sich an E. E. M. zu halten 
möchte Anlass nehmen können. 

Berathen den 4. September 1682; praesentibus : Schwarzenberg, Hocher, 
Königsegg, Bewer und Koch. 

Die entsprechende Weisung an Lamberg ist dat. 10. Sept. 1682. 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 18. Dec. 1682. (Or.) 

[Unwahrscbeinlichkeit des persönlichen Erscheinens Friedrich Wilhelms in Regensburg. 
Dessen Furcht vor den Türken. Mittheilungen Anhalts und des Korprinzen ober 
Frankreichs Verbalten zu Brandenburg. Vorschläge Anhalts und des Kurprinzen über 
die zur Gewinnung des Kurfürsten einzuschlagenden Wege. Schreiben Anhalts an den 
Kaiser. Ansicht Lambergs und Amerongens über den Kurfürsten. Ostfriesische An- 
gelegenheit Anhalt weigert sich als Vertreter Friedrich Wilhelms nach Regensburg 

zu gehen.] 

Der Kurfürst von Brandenburg erklärt, mit Rücksicht auf seinen leidenden 18. Dec. 
Zustand nicht sagen za können, ob er personlich nach Regensbnrg werde 
kommen können. Sie zeigten nicht geringe Bestürzung über die an- 
dringende grosse Törkengefahr, auf ihrer Meinung bestehend, dass das 
Reich mit 2 so mächtigen Potenzen als Frankreich und dem Türken 
den Krieg unmöglich zugleich führen könnte '). Von Anhalt und dem Kur- 
prinzen erfährt Lamberg, dass nicht allein der Herr Churfurst, sondern 
auch die Frau Churfürstin wegen des französischen Verfahrens mit 



^) Vergl. Puf. 1. c. XVllI. 80. 



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1050 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

Oranien, sich gegen selbige Krön sehr öberworfen befanden, der geheime 
Rath Fuchs gegen den Meinders, so ihm allzubass tractiren will, gänz- 
lich zerfallen und nun das rechte tempo wäre den H°. Churfursten voo 
der französischen Partei völlig ab- und auf E'. K.M. Seite zu bringen*). 
Die beiden Männer, Anhalt and der Kurprinz, halten dafür, dass das beste 
Mittel dazu sein würde, dass der Kaiser auf die spanischen Subsidienfordemngen 
einen Vorschuss von 300 000 Thaler gäbe^). Sie wollten beider Seiten ver- 
sichern, dass solchergestalt alles nach E'. K. M. Intention eingerichtet 
und nichtes als mit Erfüllung der Conditionen zu praestiren sein sollte, 
wobei dann auch erwähnte spanische Streitsach auf einmal aus dem 
Weg gehoben werden könnte, der H'. Churfürst fürohin zu E^K.M. eine be- 
ständige Obligation tragen und sich im übrigen von Spanien mit 200000 
Thaler an Salz für all seine praetensiones befriedigen lassen wollte. Zu 
welchem Accomodament auch der Fuchs den Fürsten versichert alle 
zuträgliche officia seines Orts mit einzuwenden, auch dass die Frau 
Churfürstin selbst solchen Vortrag, wann nur Geld fürhanden, mit beiden 
Armen umfassen würde. Da all dieses dem Gesandten sehr erwünscht, aber 
auch unverhofft erschien, Hess er sich vom Fürsten von Anhalt in Gegenwart 
des Kurprinzen ein Schreiben an den Kaiser versprechen, das der Fürst auch 
verfasste*). Lamburg glaubt nicht, dass Anhalt das Schreiben an den Kaiser 
gerichtet hätte, wenn der Kurfürst nicht einverstanden wäre. Auch Amerongen 
glaubt, dass der Kurfürst die Schwenkung zum Kaiser vollziehen werde, wenn 
ihm von Spanien Satisfaction gegeben wird. 

Bezüglich Gretsils hat der H^. Churfürst sich motu proprio verlauten 
lassen und gegen mich entschuldigt, dass die Schickung der Völker auf 
anfangliches Verlangen der Fürstin, nachmals aber auch zu Behuf der 
Stand und Beibehaltung derer Privilegien beschehen sei; er intendirte 
aber darunter nichts, als dass zwischen beiden Theilen der Vergleich 
ie eher, ie besser erfolgen möchte ^), zu E^ E. M. Belieben setzend, einige 

') Vergl. Klopp 1. c. II. 376; Ludwig hatte das Erbe des Printen Ton Oranien, 
das Furstenthum Oranien, besetzt, die Mauern von Orange niederreissen lassen. 

*) Vergl. Klopp Onno, Das Türkenjahr 1683, p. 264. 

^ Das Schreiben Anhalts (Aut) lautet: Weil meine alleninterthänigste treuste 
devotion gegen E. K. M. mich verbindet keine gelegenheit vorbeystreichen zu lassen, 
wodurch zuforderst zu E^ K. M. undt dan auch dem gemeinen wesen zum besten 
einiger nutzen undt vortheil zu hoffen undt zu gewartten stehet, so habe ich t>ey des 
H". graffen von Lamberg itzigen anwesenheit am Churbrandischen Hoff ihme meine 
unvorgreiffliche gedancken in höchster confidentz eröfnen wollen, nicht zweifelnde, es 
werde obbemelter H^. graff E''. K. M. allerunterthänigsten undt getreusten raport da- 
von abstatten. Potsdam 7./I7. Dec. 1682. 

*) Vertrag vom 8./18. Nov. 1682 bei Mömer 1. c. 436 ff.; Puf. I.e. XVIII. 31. 



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Franzosisch-brandenb. Beziehungen. Ostfriesland. 1051 

von dero in OstfrieslaDd habendeD Mannschaft zu der seinigen zu verfiigea; 
sobald auch ermelter Vergleich erfolgt sein wurde, stunde er bereit seine 
beide Compagnien auf kaiserl. alllergnädigsten Befehl wider abzufordern. 
Ich habe aber in diesem negotio unter der Hand erfahren, dass der Herr 
Churfürst in geheim berichtet gewesen, ob hätte das Haus Braunschweig 
einen Anschlag auf die Stadt Embden gehabt, um die ostfriesische 
Stand nochmal zu Unterhalt seiner Völker desto leichter geniessen zu 
können und weiss ich fast nicht, ob mit ermeltem Haus, soviel ich von 
dessen ministris zu Dresden und hier abnehmen können, die Sach so 
gar leer sei, denn beide eiferen sich über sothane impresa in Namen 
ihrer Principalen aufs heftigste und hat der hiesige dem H". Churfürsten 
von beiden Herzogen zu Celle und Hannover als tutoribus um Abrufung 
der Völker ein Schreiben behändigt ^). 

Lamberg fand den Fürsten von Anhalt, als er ihn fragte, ob er, falls der 
Kurfürst verhindert wäre, nach Regensburg an dessen statt sich begeben wolle, 
nicht geneigt, das zu thun. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 26. Dec. 1682. (Or.) 

[Reise des Kurfürsten nach Regensburg betreffend.] 

Die Gegenpartei sucht die Reise des Kurfürsten nach Regensburg zu hinter- 26. Dec. 
treiben, Lamberg suchte deren Plähne zu durchkreuzen ; allein ohne Efolg. Er 
übersendet des Kurfürten Antwort an den Kaiser"'^). Der Kurprinz, Anhalt und 
Fuchs bleiben dabei, dass jetzt die günstigste Gelegenheit sei den Kurfürsten 
ganz zu gewinnen^. 



') Vergt. Klopp, Gesch. Ostfrieslands 405; ürk. u. Act. III. 660; Wiarda VI. 178; 
Stuhr 1. c. 50ff. 

^ Der Kurfürst schreibt am 8./I8. Dec. Potsdam. Er wäre gerne nach Regensburg 
gekommen, kann aber nicht; bedauert den Ansturm der Türken und empfiehlt drin- 
gend Frieden mit Frankreich. 

») In einer Weisung vom 7. Jan. 1683 erhält Lamberg, der unterdes Berlin- 
schon verlassen hatte, Befehl, in Berlin, sobald er dahin zurückkehre, auszuforschen, 
ob der Kurfürst, falls Leopold ihm 300000 Thaler vorschiesse, sich mit Spanien 
allein, oder mit dem ganzen Erzhause einigen wolle. Nur im letzteren Falle ist der 
Kaiser zu solchen Zugeständnissen bereit; vergl. Klopp, Das Türkenjahr 1693 p. 264. 



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1052 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Mission Schwerins in Wien. 

Memorial Schwerins an den Kaiser. Dat. Wien 1. März 1683. 

(Or.)') 

[Rechtfertigung der kurfürstlichen Politik. Noth wendigkeit des Friedens. Rathschläge 
Friedrich Wilhelms. Ceremonialfragen und Satisfactionsansprüche. Schlesische An- 
sprüche.] y 

1. März. Schwerin hat dem Kaiser in der Audienz die Lage der Dinge auseinander- 

gesetzt und der Kaiser es für gut befunden mit ihm berathen zu lassen. Da 
aber die Erkrankung der kaiserlichen Minister diese Berathungen verhindert 
habe, die Noth aber eine rasche Erledigung erfordere, sieht sich Schwerin ge- 
nöthigt dem Kaiser schriftlich das Begehren des Kurfürsten vorzuhalten*). 

Der Kurfürst, beginnt Schwerin, hat seit mehr als 40 Jahren trotz allem 
Wechsel der Verhältnisse nichts anderes im Auge gehabt als das Interesse des 
Reiches und nichts mehr gewünscht, als neben der Befestigung der Herrschaft 
des Kaisers dem Reiche Ruhe und Sicherheit zu verschaffen; insbesondere der 
letzte Krieg zeuge für die Richtigkeit dieser Behauptung. Gleichmässigen 
Zweck zu erhalten, rathen und befördern S. Ch. D. jetzt den Frieden 
und vermeinen nicht, dass die diversitas mediorum ad eundem finem 
conducentium einiger anderen Veränderung, als der Conjuncturen, nach 
welchen alleine die consilia einzurichten und die actiones zu dirigiren 
seind, werde zugeschrieben werden können. Welchergestalt aber die 
jetzige Coniuncturen beschaffen, in was vor einer ungemeiner und ge- 
fährlichen crysi sich das liebe Vaterland befinde, solches, wie es leider 
genugsam am Tage^ sollte man billig mehr gedenken als exprimiren, 
damit den Widersacheren die Gelegenheit sich unser Unglück zu Vortheil 
zu machen nicht suppeditiret werden möchte. 

Alleine weilen kein beständiges consilium zu formiren, wo genuina 
rerum facies verholet wird, so halten S. Ch. D. als ein alter, erfahrener, 
höchsterleuchteter und getreuer Rathgeber davor, dass es jetzt nicht Zeit 
sei zu flattiren, weniger die consilia auf dasienige, so mehr dem Ver- 
langen als der Mügligkeit gemäss, zu richten, sondern weilen ein guter 
Rathgeber allezeit für den bösen, nie aber für den guten Ausschlag seines 
gegebenen Rathes zu stehen schuldig, indem jenes von unser Vorsichtig- 
keit dependiret, dieses aber dem Glück und Veränderung des Ausschlages 
der Sachen unterworfen ist; so lasset S'. Ch. D. die unterthänigste Devotion 



Das Credenzschreiben für Schwerin ist datirt Colin a. d. Sp. 10. Jan. 1683. 

^ Für den Aufenthalt Schwerins in Wien yergleicbe die Auszöge aus den Be- 
richten Otto's von Schwerin bei Oriich 1. c. 11. 493ff.; Puf. I.e. XVUI. 82ff.; Droysen 
I.e. 744 ff. 



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Memorial Schwerins. 1053 

und UDgefarbete Liebe und Treue, so sie gegen E. K. M. und das liebe 
Vaterland tragen, nicht zu, unter einigem Schein, Hoffnung oder Vor- 
wand zu verhelen, dass je mehr sie praesentem rerum statum betrachten, 
je fleissiger sie dasienige so zu hoflfen gegen deme so zu befürchten gegen 
einander auf die Wageschaal legen, je. genauer sie unsere Macht und 
Verfassung gegen die feindliche Anstalt überlegen, sie die Verhängnus 
einer sonderbaren Fatalität besorgen müssen. 

Dann wanner hat das liebe Vaterland nach ausgestandenem Kriege 
und Unruhe so wenig Zeit gehabt sich zu erholen, die verlorne Mann- 
schaft zu ersetzen und das verhehrete Land wieder zu cultiviren als 
jetzt? Wanner hat die Pracht und der Uebermuth das Vaterland mehrers 
Geldes entblösset und es eben denen zukommen lassen, welche sich 
dessen wider uns bedienen? 

Wanner ist die Werbung, der commeatus et transitus durch an- 
steckende Seuchen so gehemmet und gesperrt gewesen, als jetzt? 

Wanner ist eine schlechtere Harmonie im heiligem römischem Reiche 
als jetzt gewesen, da die heilsamste consultationes wegen schädliche und 
ungegründete Eingriffe in der Observanz und Gerechtsame derer, denen a 
tempore immemoriali per sanctissimas constitutiones et per capitulationes 
eine Praeeminenz gebühret, verzögert und fruchtlos gemachet worden? 

Wanner seind die auswärtige Potentien, auf deren Beispringung man 
sich des gemeinen Interesse halber einige Rechnung machen könnte, in 
schlechterer Verfassung gewesen, als jetzt, da bei einigen diversi respectus 
seind, bei anderen aber eben diejenige Motiven, deren man sich zu 
Colorirung der jüngesten schädlichen Trennung und Abandonnirung be- 
dienet, annoch subsistiren? 

Wanner seind die Allianzen selbst, so bis dato zu Defendirung des 
gesammten Reiches gemachet worden, nachdenklicher und von weiterem 
Aussehen als jetzt gewesen; da einige derselben wohl ehe einen Krieg 
in septentrione als den Frieden in Oriente et occidente beförderen möchten, 
zumaln da man sich derselben bereits in der zwischem dem Könige 
in Dänemark und Herzogen von Gottorp entstandener Irrung zu bedienen 
und darauf zu provociren keine Scheu traget^); andere aber, als die so- 
genannte Waldeckische Allianz') wegen des in derselben befindlichen 

Ueber die Differenzen des Königs von Dänemark mit dem Herzoge von Uol- 
stein-Gottorp vergl. Allen, Gesch. Dänemarks. IL 118 ff. 

') Gemeint ist das Laxenburger Bündnis vom 10. Juni 1682; vergl. Du Mont 
VH.j 22 ff.; für den hervorragenden Antheil Waldecks an dem Zustandekommen des- 
selben, Müller I.e. I. 81 ff. und Waldecks interessante Berichte 1. 153 ff. 



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1054 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

nie erhöreten modi et scopi allerhand Bedenken verursachet; also dass 
S. Ch. D., welche die Notdurft desfalls hiebevoren bereits vorstellen 
lassen*), sich um so viel mehr gemössiget finden selbiger zu contradi- 
ciren, als durch neulich publicirte Apologie gedachter Allianz') nicht 
alleine die Sache selbst fernerhin iustificiret, sondern gar S. Ch. D. un- 
bedachtsamer uud freventlicher Weise eines Manquements von Respect 
und Devotion gegen E. K. M. und nöthigen Eifers für das gemeine Beste 
beschuldiget werden wollen: weshalb man sich gegen den Concipienten, 
welcher vielleicht so unbekannt nicht ist, quaevis competentia reserviret. 

Wanner ist das römische Reich von dem Erbfeinde des christlicheo 
Namen angegriffen worden, dass nicht das Königreich Ungarn cum 
comrauni fide in Christum salvatorem auch communem causam defendiret, 
als jetzt, da es leider libertatem fidei christianae apud infideles zu 
suchen und fidelibus sich zu entziehen gemüssiget wird? 

Wanner ist die Krön Frankreich näher und in besserer Verfassung 
gewesen durch Praevenirung einer annoch in weitem Felde stehender 
Opposition sich des ganzen Rheinstromes ohne Mühe und Opposition zu 
bemächtigen und also wohl gar eine dissolutionem status publici in im- 
perio zu verursachen als jetzt? 

Wanner hat endlich das heilige römische Reich zugleich ab Oriente 
et ab occidente blos stechen und so zu sagen um den Rest spielen 
müssen, als jetzt, da des ganzen heiligen römischen Reiches Wohlfahrt 
an einer einzigen unglücklichen Action, als an einem seidenem Faden 
henket ? Aus all diesen Granden bleibt der Kurfürst bei seinem Rathe, nem- 
lich bei entstehender genügsamer Macht zur Resistenz, die Rettung des 
Vaterlandes in der Prudenz zu suchen und der sowohl S'. Ch. D. als dem 
ganzen römischen Reiche obschwebender gefährlicher Verhängnus durch 
Acceptirung eines angebotenen Friedens vorzubeugen. 

Der Kurfürst gibt zu, dass der Friede — durch den Strassburg an Frank- 
reich fallen soll — unangenehm ist; aber es sei eben die Frage, ob dieses 
Opfer nicht besser ist, als nach verlorenem Kriege ein noch grösseres bringen 
müssen ? 

Der Kurfürst hält daher dafür: Dass es jetzt wohl nicht darauf ankom- 
men dürfte, ob das römische Reich ohne demienigen, so die Krön Frank- 
reichs praetendiret, subsistiren könne oder nicht; sondern alleine, ob 
futurae securitati und dass es nach so vielfältigen Frieden, bei welchen dem 



') „Cburbrandenburgiscbe Declaration über die Laxenburgische Allianz^. Du 
Mont 1. c. 24f.; Londorp 1. c. XJ. 432f. 

^ Vergl. Droysen 1. c. 743 Anm.; Orlich I.e. II. 499; Möller I. c. 86 f. 



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Memorial Schwerins. 1055 

römischen Reiche alle Zeit etwas abgangen, endlich bei diesem verbleiben 
iwerde, genugsam versehen werden könne; zumalen da es scheinet, ob 
besorge man ein anderwärtiges nicht weniger praeiudicirliches Feuer, 
wann dieses gleich gelöschet werden sollte. 

Alleine, wann man gleich nicht alle Zeit das beste hoffen, noch fidem 
poblicam sowohl in pace sancte habenda, als foederibus stricte servandis 
admittiren müsste, sintemal auf allem Falle sowohl die foedera als trac- 
latus pacis ihre Anstösse gelitten; wie hat man jemalen bessere Hoff- 
nung zu etwas deutliches und bestandiges haben können als jetzt, da 
a parte des Königes in Frankreich de intentione et consensu alles bändig 
und indisputirlich einzurichten mit so klaren Worten Versicherung ge- 
geben worden; von Seiten des gesammten römischen Reiches deutscher 
Nation aber nicht zu praesumiren, dass bei einer so allgemeinen Ver- 
sammlung der gesammten Reichsstande non plus videant oculi quam 
oculus; darum weil dasienige, so bei dem nymwegischen Frieden der 
Eilfertigkeit und Separation halber nicht attendiret und dem Könige 
in Frankreich durch den undeutlichen Sinn zur eigengefalliger Auslegung 
Anlass gegeben, jetzt, mit Zuziehung des gesammten Reiches, dergestalt 
enodiret, cancelliret und deutlich verfasset werden kann, dass auch ne 
quidem umbra dubii übrig bleibe; 

weilen den obhandenen Tractaten mit inseriret worden kann und 
muss, dass bei entstehender Misverstandnis und unverhoffeter ungleicher 
Auslegung, gleichwohl von keinem Theile alsobald zur Thätligkeit ge- 
schritten, sondern nach einem gewissen und utrinque placidirtem modo 
conoponendi dissidia verfahren werden solle, darrait das römische Reich 
sich hiernächst so leichtlich keines unvermutheten Ueberfalles zu befahren 
haben möge; 

weilen zugleich auch Versehung geschehen kann und muss, in was 
vor Verfassung und steter Bereitschaft einiger nöthiger Mannschaft das 
römische Reich sich, auch gegen unvermuthete Gefahr, halten und linden 
lassen wollte; 

weiln die Allianzen, so E. K. M. mit der Krön Schweden ^ 9 dem 
Churfürsten von Baiern*) und dem fürstlichen Hause Braunschweig') ge- 
machet und alle in ordine ad pacem eingerichtet sein sollen, nicht alleine 



1) Vertrag vom 12. Oct. 1682, Du Mont 1. c. VII., 37 ff. 
*) Defensitbündnis vom 26. Jan. 1683; Da Mont I.e. VIL* 54 f. 
*) Bändais zwischen Oesterreicb und Braunscbweig vom 24. Jan. 1683; Du Mont 
l.c VII., 51 ff. 



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1056 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

ihren Zweck erreichen und ihre Kraft behalten, sondern auch wohl eine 
Accession anderer fremden Potentien, denen mit der Stabilirung eines 
beständigen Friedens im römischen Reiche nicht wenig gedienet, be- 
kommen können ; 

weil das ganze römische Reich sich nicht entziehen kann noch 
wird diesen unanimiter und geschlossenen Frieden zu garantiren und 
ob dessen strictissimam observantiam beständig zu halten; 

weil S. Ch. D. überdem auch erbötig, ja ganz willig und bereit seind, 
wann einmal ein beständiger, richtiger und deutlicher Friede mit der 
Eron Frankreich gemachet, ob dessen Garantie und Festhaltung sowohl 
mit E'. K. M. selbst, als mit allen anderen so darbei einigermassen in- 
teressirt seind, sich aufs allergenaueste und beständigste zu verbinden, 
auch solche Mesuren zu nehmen, damit man vermittelst göttlicher Hülfe 
von der Seiten weiter nichts widriges sich zu versehen haben, sondern 
auf allem Falle denen, so den Frieden brechen wollten, gebührend zu 
begegnen Mittel finden möge; 

ja, weiln E. K. M. und das ganze römische Reich auf solche Art 
freie Hände bekommen mit gesammter Hand und allen Kräften denen 
gefährlichen und blutdürstigen Desseinen des Türken entgegen zu gehen, 
S. Ch. D. auch alsdann in Staat und Vermögen werden gesetzet werden 
E. K. M. wider den Erbfeind mit einer erklecklichen Hülfe gehorsamst 
unter die Arme zu greifen. 

Der Kurfürst hofft daher, dass der Kaiser aas alF diesen Gründen nicht 
verabsäumen wird den Frieden zu schliessen und sich nicht durch Rücksichten 
auf auswärtige Mächte davon wird abbringen lassen. 

Angesehen es nur ein vorgefasster Wahn, dass der König in Frank- 
reich nach geschlossenem Frieden mit dem römischen Reiche seine Macht 
gegen Flandern, Italien oder die Schweiz wenden und durch Vergewalti- 
gung selbiger Potentien endlich auch das römische Reich subjugiren 
werde; sintemal der König in Frankreich überalle sinceriren lasset, 
dass nicht dieses, sonderen die Beruhigung der ganzen Christenheit sein 
Absehen sei. 

Ferner bittet der Kurfürst um Ordnung der Ceremonialstreitigkeiteu in einer 
der Praeeminenz der Kurfürsten entsprechenden Weise und um Zuweisung der 
vom Kurfürsten so oft begehrten Satisfaction vom Reiche für die im letzten 
Kriege erlittenen Schäden. 

Endlich kann auch S'. Ch.D., meines Herrn, rechtmässige Anforderung 
auf das Herzogthum Jägerndorf, wie auch auf die vor einigen Jahren 
eröflfneten Fürstenthümer, Brieg, Liegnitz und Wohlau nicht unbekannt 



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Memorial Schwerins. Anhalts Mittheilungen. 1057 

sein. Ob nun zwar S. Ch. D. auch dieses gerne abgethan und zur Richtig- 
keit gebracht sehen, so wollen sie gleichwohl der jetzigen gefahrlichen 
und andere Sorgen erfordernder Coniuncturen halber E*^. K. M. vor dieses- 
mal darmit nicht beschwerlich fallen; leben gleichwohl der zuversicht- 
lichen Hoffnung, dass sobald die Zeiten sich etwas werden gebessert 
haben, E. K. M. S^ Ch. D. auch dieserwegen dermaleins Recht und billig- 
massige Satisfaction zu geben sich gnädigst nicht entziehen werden. 

Der Bescheid für Schwerin d. d. Wien 18. März 1683 ist gedruckt bei Lon- 
dorp 1. c. XI. 578 E; Auszug bei Puf. 1. c. XVIII. 86. 



Fürst Johann Georg von Anhalt au Lamberg. 
Dat. 4. April 1683. (Copie). 

[Notb wendigkeit der Wahrung des Geheimnisses bezuglich der im Interesse des Aus- 
gleiches des spanisch-brandenburgischen Conflictes gepflogenen Verhandlungen. Rath- 
schläge Anhalts. Haltung Sachsens.] 

E'. Excellenz werthes Handschreiben vom 11./21. Marti *) habe ich 4. April. 
wohl erhalten ; was dessen Inhalt aber mir vor Verwunderung verursachet, 
können E. Excellejiz ohnschwer abnehmen; meine Widerungen und re- 
monstrationes werden unnöthig und überflüssig sein, weil ich nichts 
sagen kann, als dasienige, was E'. Excellenz von mir allbereit ist in 
Vertrauen eröflfnet worden und sie nicht wird entfallen sein. Dann E'. Exe. 
ist ja sowohl als mir wissend und bekannt, dass das bewusste arcanum 
hat ein arcanum bleiben müssen, bis dass es seine Maturität erreichet 
habe und warum ärgert man sich am kaiserlichen Hof, dass der Schwerin 
(es seie unbesonnener Weise oder durch des Churfürsten von Brandenburg 
Anstiftung) sich also vernehmen lassen? E. Exe. wissen ja wohl, dass 
man Bedenken haben muss das arcanum denen bekannt zu machen, 
oder in ihren Instructionen etwas zu verändern, wodurch das arcanum 
kein arcanum geblieben wäre. Dann was Meinders weiss, das weiss der 
französische Abgesandte Rebenac, was der Jena zu Regensburg weiss, 
das ^eiss der Verjus, Schwerin, Sebbeville') etc. und was derCrockow 



^) Liegt nicht vor. Aus dem Inhalte des vorliegenden Schreibens kann geschlossen 
werden, dass Lamberg sich dem Fürsten von Anhalt gegenüber darüber beklagt hatte, 
dass die Vertreter des Kurfürsten in Wien der in den letzten Zeiten eingeschlagenen 
Wege zum Ausgleiche der brandenburg-spanischen Differenzen keine Erwähnung 
geth&n. 

*) Sebbeville, französischer Gesandter in Wien ; vergl. Puf. L c. XVIIL 85 ; Re- 
cueil des Instructions I. 80 ff. 

M«t«r. z. Gesch. d. G. Karfursten. XIV. 2. 67 



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1058 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

weiss der Yitry; aber daran hätte man sich nicht kehren sollen'); dann 
alles kommt allein darauf an, dass wann E. Exe. zu rechter Zeit zu 
Berlin mit Wechselbriefen hätten erscheinen können und der Churfurst von 
Brandenburg solche angenommen, so würde sich alles übrige von selbsteQ 
gefunden, auch ein und andere verlangende gegenpraestationes von 
Selbsten die Hand geboten haben und hätten ja E. Excellenz nicht von 
Nöthen gehabt einen Heller auszuzahlen, bis die vom Churfürsten von 
Brandenburg verlangende conditiones wären eingangen worden '). Aber 
E. Exe. wollen mir verzeihen, ich remarque assez, que ce n'est pas 
la oü le souiler blosse und muss alles dahin gestellet sein lassen. Es 
thut aber mir in der Seelen wehe, dass dem König in Frankreich, 
dessen ministris, Meinders und anderen ihres gleichen alles zum besten 
ausschlagen muss, und eine so unvermuthe Verweilung am kaiserlichen 
Hof sich in's Mittel geleget. Zum wenigsten hat es der Churprinz zu 
Brandenburg und ich mit P. K. M. wohl und aufrichtig gemeinet; wann 
aber der Himmel oder andere klügere collegia nicht wollen, allors, comme 
allors, Geduld; auf diese Weise wird mein und E^ Exe. Credit, Offertea 
und Promessen auf eine grausame Bankerotte ablaufen und wird E. Exe. 
wohl thun, um keine finstere Gesichter und spöttische Augen zu ersehen, 
zu Wien zu verbleiben. Nur dieses will ich in Vertrauen erinderet 
haben: Prenez bien garde, que vous ne perdiez pas aussi l'Electeur de 
Saxe. Ich habe mit Chursachsen zu Düben sehr öffentliche vertreuliche 
Unterredung gehalten und überaus grosse Gnaden und Civilität empfangen 
und hat der Churfurst mich aus seiner grossen zu mir tragenden Confi- 
denz wegen unterschiedlichen importanten Sachen zu Rathe gezogen. 
Ich vermeine P. K. M. hierinnen keine Uudienst gethan zu haben. Mein 
Gott, wie viel gutes könnte doch in diesen bösen Zeiten dennoch ge- 
stiftet werden, wann guter Rath wollte gefolgt werden. 



Votum vom 22. April 1683. (Conc.) 

[Spaniscb-brandenburgische Differenz. Verbandlungen Fuen-Mayors und Grana's. 
Einwirkung des Prinzen von Oranien. Entschliessung des Madrider Hofes. Beratbung 
der kaiserlichen Räthe und Lambergs darüber. Ihre Entscheidung. Instruction für 
Lamberg. Vornahme der Verhandlungen. Bedingungen Spaniens. Nothwendigkeit 
den Kurfürsten für die Sache des Kaisers zu gewinnen.] 

22. April. Der aus Spanien zurückgekommene Courier, auf welchen E^ K. M. 

Abgesandter Graf von Lamberg wegen seiner mit Churbrandenburg zu 

') Vergl. Klopp, Das Jahr 1G83, 264. 

2) Anhalts Vorschlag gieng dahin, Laraberg solle 2 Wechsel nach Berlin bringen, 



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Spaniscb-brandenburgiscbe Differenzen. 1059 

dessen HerbeibringuDg veranlassten Negociation bis anhero gewartet, bat 
von Madrid in substantia so viel zurückgebracht, dass wie jetzt gedachter 
Charfurst nicht weniger dergleichen Adjustamentstractat, sowohl mit 
denen Generalstaaten, als mit der Krön Spanien, durch den holländischen 
ministrum, den von Amerongen, auch im Haag habe anspinnen lassen; 
80 habe von dort aus der spanische Minister Don Balthasar de Fuen- 
Mayor^) dem Marches de Grana*) referirt, es hätte gedachter Graf von 
Lamberg dorthin geschrieben, als wann das ganze Werk sich mit 
200 000 scndos de contado würde adjustiren lassen, da doch der Chur- 
fürst auch von denen Generalstaaten andere 200000 scudos und noch 
darüber an die Krön Spanien andere 300000 scudos an Salz und also 
zusammen 700000 Reichsthaler begehre... Der Prinz von Oranien 
habe nicht weniger diesen Tractat bei dem Marches de Grana sehr emsig, 
und dass er aufs kürziste geschlossen wurde, nachtreiben lassen, deme 
der de Grana aber durch ermelten Fuen-Mayor hinwider habe antworten 
lassen, dass er zwar die Sach approbirte, wie aber E. K. M. die Hand 
schon sowohl in dieser als vorhin schon in der Vergleichungssach zwischen 
Spanien und Brandenburg hätten, könnte er Marches de Grana sich nicht 
wohl darbei weiters einlassen, als etwa ein Project zu formiren, in 
virelchem gegen Zurücklieferung des Schiffs Carlos segundo mit seiner 
Armatur nacher Ostende, (als welches er vor indispensabl halte), man 
dem Churfiirsten 150000 reales de a ocho oder endlich auch 200000 
in richtigem Wechsel versprechen thäte; die 300000, so der Churfürst 

in Salz begehre, sollte man auf 200 000 zu reduciren suchen Auch 

müsste man den Tractat dahin verclausuliren, dass der Churfürst aller 
femern Praetension gegen Spanien renunciire und neben völliger Herum- 
tretung zur österreichischen Party und Eingehung der Garantie, der 
Fuen-Mayor auch dahin negociiren solle, dass der Churfürst 1 oder 2000 
Mann zu Fuss aus Cleve nacher Geldern ganz unvermerkt, und als wann 
sie abgedankt wären, hinumlasse. 

Auf diese Mittheiiungen de Grana's und auf die kaiserlichen Schreiben hin, 
hat sich der spanische Hof unter dem 28. März in dem Antwortschreiben an 
den Kaiser') dahin resolvirt, dass in Consequenz dessen, dass der König 
dieses Compositionswerk schon von seinem Anfang her E*". K. M. anver- 



einen auf 200000 Thir., den anderen auf 100000 Thir. lautend. Von dieser letzteren 
Summe sollte die Kurfnrstin 80 000, Fuchs und andere Minister 20 000 Thir. erhalten. 

^) Vergl. ürk. u. Act. III. 652 ff. 

*) Spanischer Gouverneur in Brüssel. 

^ Die Copie dieses Schreibens vom 28. März liegt vor. 

CT* 



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1060 IX. Lamberg ia Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

traut habe, es also noch ferner unter dero Legalität und sichern Direc- 
tion verbleibe und demnach der König zu solchem End sowohl, als das 
gemeine Beste und Conservation des gemeinen Erzhaus zu befördern, 
die Verordnung ergehen lassen, dass der Marches de Grana und Fuen- 
Major in Vereinigung mit E'. K. M. im Haag residirenden ministro'), ihre 
diligentias zur Erhebung solchen Adjustaments fortsetzen und E^ K. M. 
über den Verlauf und Erfolg berichten sollten, auf dass unter dero 
Direction und Approbation es continuirt und aufs thun- und reputir- 
lichste, ohne einige fernere Ordre zu erwarten, geschlossen werde. 

Massen der König zu solchem End seine behörige Vollmacht dem de 
Grana zuschicke, auch zur Sicherheit der Negociation (der engen Mittel 
ohngeachtet) resolvirt habe, dass diejenige 200000 pesos effetivos darza 
applicirt und in Niederland remittirt werden, welche zur Assistenz selbiger 
Länder destinirt waren, damit sie also in Bereitschaft und dem Churfursten 
sowohl als dem Prinzen von Oranien gleichsam im Gesicht stehen. 

Die Räthe haben nun mit Lamberg über diese Angelegenheit berathen und 
gefunden, dass indeme dieses Negotium dergestalt auch im Haag mit denen 
Generalstaaten, mit dem Prinzen von Oranien und mit dem Marches 
de Grana a parte tractirt wird, dass es weder ein solches Geheimnus, 
wie allhier hat wollen daraus gemacht werden, weder an deme seie, dass 
der Churfürst selbst von der Negociation noch nichts gewusst und ihme 
erst nach Gewissheit der Gelder die Proposition durch die Churfürstin 
in Unterhandlung des Fürsten von Anhalt und des Churprinzen sollen 
gemacht werden, indeme man an die Generalstaaten und den Marches 
de Grana nicht per obliquum wie anhero, sondern directe zugefahren; 
item dass deme nicht also, dass man mit der Krön Spanien hierunter 
nicht, sondern zu mehrerer Sicherheit der Bezahlung allein mit E^ K.M. 
dergestalt habe tractiren wollen, dass sie das baare Geld hergeben und 
hemächst sich dessen an der Krön Spanien erholen sollten; zumaln er- 
hellet, dass der Prinz von Oranien die Proposition auch auf Geld für 
den Churfursten dem Marques de Grana durch den spanischen ministrum 
Fuen-Major ohne einige Meldung E^ K. M. Caution, Fideiussion, oder 
Selbstbezahlung habe thun lassen'); wie dann auch, dass in dessen ge- 
nügsamer Anmerkung und in solchem Verstand der König in Spanien 
die Hand nicht allein in dem Tractat, sondern auch allenfalls auf dem 



*) Kramprich. 

^ För die Verhandlungen über diese Angelegenheit im Haag vergl. Urk. o. Act. 
III. 651 ff. 



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BerathuDg über die Mission Lambergs. 1061 

remittirenden Geld also halten will, ut Don succedente compositione es 
in des Marches de Grana Händen bleibe und alsdann ad illum usum 
applicirt werde, wohin es vorhero schon dcstinirt gewesen, allein dass 
die Negüciation unter E'. K. M. Direction und Approbation sollte geführt 
and geschlossen werden; dass mithin auch E. K. M. änderst nicht werden 
thon können, als solchem Weg nachzuhängen und demnach meistens 
anietzo dahin zu sehen ist, wessen darauf der Graf von Lamberg in 
prosecutione dieser Negociation an den churbrandenburgischen Hof zu 
iüstniiren sein wird. Worbei dann zuvorderst beobachtet worden, dass 
er im Namen E^ K. M. insoweit in diese Negociation schon eingetreten, 
dass er dem Fürsten von Anhalt anbefohlener Massen E^ K. M. P. S. 
abschriftlich zu Händen gestellt ; darin E. K. M. sich erklären, dass gegen 
die tractirende Herumtretung des Churfursten, sie anstatt der Krön 
Spanien die stipulirte 300000 Reichsthaler alsobald baar per Wechsel 
darlegen wollten und er, Fürst von Anhalt, darauf das Werk nur an- 
bringen und poussiren sollte. Wie nun aber E. E. M. solches dermalen 
amsoweniger bindet, da der Fürst von Anhalt beständig schreibet, dass 
ohne wirklicher Erscheinung des Gelds er die Sach nicht einmal anzu- 
bringen getraue und da benebenst von dort aus durch den von Amerongen 
der Tractat mit der Krön Spanien und Holländern selbst, als Principalen 
in causa, veranlasset worden, woraufhin denselben dorthin zu verweisen 
auch ex parte E^ K. M. um so freier stehet, da desthalben in ihrem Namen 
noch kein Proposition geschehen und noch darüber die Krön Spanien 
als Principal und zwar auf Veranlassen des Churfursten den Tractat 
Selbsten zur Hand behaltet und E'. K. M. nur die Direction darüber zu- 
stehet und solchemnach, wann E. K. M. auch über die von der Krön Spa- 
nien in baarem anerbietende 200 000 Thaler die von E'. K. M. vertröstete 
300 000 Thaler dem Churfursten vollmachen wollten, sie der zulegenden 
100000 Thaler halben wenig Regress an die Krön Spanien haben würden. 
Allein ist auch hauptsächlich dahin reflectirt worden, dass wie die Chur- 
furstin und einige churbrandenburgische in diesem negotio wohl inten- 
tionirte ministri für sich ein particulare dabei und zwar die Churfürstin 
selbst auf 80 000, die ministri aber auf 20 000 Reichsthaler zu machen 
suchen, also leicht zu erachten, dass das ganze Werk leicht würde zerrinnen 
und invertirt werden, wann sie durch Derivirung des Tractats in dem 
Haag ausser solcher Hoffnung sollten gesetzt werden. . . . 

Deshalb haben die Räthe für gut befanden, dass Lamberg nach Berlin 
eile und vom Kurfürsten Antwort auf den dem Schwerin ertheilten Be- 



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1062 IX- Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

scheid^) fordere; benebenst aber diese Herbeibringungssach mit dem Fürsten 
zu Anhalt, auch Churprinzen und, wann diese es für gut befindeten, ferners 
auch mit der Churfürstin und wohlintentionirten Ministren vertreulich 
überlege, wie dieselbe nach oberzählten Umständen sich anlasset und 
der Tractat darüber nunmehr änderst nicht als nacher dem Haag de- 
volvirt werden könnte; mit dem Ersuchen, dass sie zu dessen Incaminir- 
und glücklichen Schliessung einen Weg als den andern ihr bestes 
beitragen möchten und dabei sich versichert halten wollten, dass wie 
E^ K. M. die Direction des Tractats von der Krön Spanien überlassen 
werde, also sie dabei zuvorderst auch dahin sehen und die Sach ein- 
richten lassen würden, dass sich die Churfürstin und ministri obverstan- 
dener Massen der verabgeredten Recognition würden zu erfreuen haben. 

Dem Lamberg sei eine Vollmacht zu diesen Verhandlungen auszustellen 
und dem Könige von Spanien, dem Grafen von Mannsfeld, Marches de Grana, 
sowie Kramprich davon Mittheilung zu machen und zu erwähnen, der Kaiser 
hoffe, man werde seitens der Holländer und Spanier alles thun, um die Ver- 
handlungen im Haag zu einem erwünschten Ende zu fuhren. 

Also und da im Uebrigen, die materialia sei baten des Tractats be- 
treffend, die von der Krön Spanien proponironde und sonst unterlaufende 
conditiones sehr raisonable, billig und fundirt seind, als nemlich, dass der 
Churfürst von beeden, Spanien und Holland, zusammen 700000 Reichs- 
thaler empfangen sollt, welches er gleichwohl fast in IVa Jahr von Frank- 
reich nebst einem so grossen discapito seines eignen sowohl als des 
Interesse publici nicht erapfienge, horgegen aber das nullo jure ent- 
führte spanische Schiff mit der Armatur allein und zwar in Zurück- 
behaltung der darauf gefundenen so kostbaren und hochsteigenden Waaren 
und Ladung restituiren und sich des löblichen Erzhaus Interesse zu seiner 
selbsteignen Conservation associiren, der gemeinen Garantie beitreten und 
etwa ein paar tausend Mann seiner Völker unter der Hand herumlassen 
soHe, so möchte der Graf von Lamberg solche denen Churfürstlichen mög- 
lichst einzureden suchen, doch dabei seine officia ad instar mediatoris 
zu Erreichung des abzielenden Zwecks dahin nemlich zu richten 
meistens geflissen sein, dass endlich auf die thunligste Weg die wirk- 
liche Herumtretung des Churfürsten erfolge, zumaleu auch dahin die 
Sach zu disponiren suchen, dass wann ja spanischerseits nur 200000 
Reichsthaler in paratis, an Salz aber 300 000 wollten hergegeben werden, 
dass auf diese 300000 eine Anticipation auf 100 000 eingericht würde, um 
die Churfürstin und minlstros gleich anfangs darmit zu obligiren und zu 

1) Puf. 1. c. XVIIl 85. 



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Berathung ober die Mission Lamberts. Verhandlungen Larabergs mit Fr. Wilh. 1063 

contentiren. Lamberg möge tracliten, bald von Grana Nachricht zu erhalten, 
wie es mit den Salzassignationen stehe, damit man sieht, wie es mit der Auti- 
cipation einzurichten sei, wie er (Lamberg) lieber, als die Churfürstin 
und ministros diesfalls disconsolirt zu lassen, endlich auch denenselben 
gutsprechen könnte, dass E. K. M. gedachte 100 000 ex proprio her- 
schiessen würden, welche doch hernacher von denen 300000 an Salz 
wider einzubringen wären. Das Schiff aber Carlos segundo belangend, 
gleichwie hinc inde dessen Restitution oder Zurücklassung auf die Re- 
putation meistens ankommen wird, könnte er Graf von Lamberg endlich 
dahin trachten, dass solches E'. K. M. oder wohl auch denen Generalstaaten 
ad manus tertias ausgefolgt und von deroselben sodann dem König 
wider zurückgestellt würde *). 



Lanaberg an den Kaiser. Dat. Berlin 13. Juni 1683. (Or.) 

[Unterredung Lambergs mit Friedrich Wilhelm über die zur Abwendung eines grossen 
Krieges im Norden Europa's zu ergreifenden Massregeln. Erklärungen Friedrich Wil- 
helms ober seine bisherige Politik. Rechtfertigung derselben. Pläne Schwedens. 
Furcht yor und Antipathie des Kurfürsten gegen Schweden. Anhalts Mittheilungen über 
Umtriebe der Franzosen. Sein Urtheil über die Unzulänglichkeit der kaiserlichen 
Anerbietungen. Unterredung Lambergs mit Anhalt und Fuchs über eine eventuelle 
Allianz Brandenburgs mit dem Kaiser und über die spanische Streitfrage. Zustim- 
mende Erklärung des Kurfürsten in quaestione an foederis. Bericht Amerongens über 
seine Verhandlungen mit dem Kurfürsten. Gute Versicherungen der Kurfürstin und des 

Kurprinzen.] 

Am 10. Juni hat Lamberg Audienz. Er betont die Bemühnngen des 13. Juni. 
Kaisers die Forderungen Brandenburgs bei Spanien durchzusetzen. Einfolglich 
habe die sowohl ab orieute als occidente eindringende Crisio und dass 
deren änderst nicht als durch eine Universalzusammensetzung und Ga- 
rantie zu begegnen fürgestellet, mithin S. Ch. D. von wegen E'. K. M. 
aufs nachdrücklichste ersucht das im Norden bedrohlich anrückende 
Feur nach Vermögen abzukehren und sodann ferner die Sach wegen 
Jevern und dass der H'. Churfürst durch seine Vermittlung und Ab- 
mahnung bei Dänemark einen dadurch nach dem niedersächsischen und 
rheinischen Kreis sich ziehenden Krieg und andere der Krön Spanien und 
dem Haus Anhalt hochpraeiudicirliche Neuerungen fürkommen und abhalten, 
annebenst nicht weniger und beim Beschluss, dass sie des Herzogens von 
Lothringen, als eines von Frankreich unbillich destituirten Reichsmitglieds, 
Interesse auf dem Reichsconvent zu Regensburg durch dero ministros secun- 



*) In diesem Sinne lautet die Instruction für Lamberg vom 28. April 1683. Gonc. 



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1064 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

diren helfeo wollteo, inständigst recommendiret. Der Kurfürst dankt, con- 
testirend, wie sie gewisslich niemal andere Gedanken als zu des Reichs 
Bestem gefuhret, all ihre consilia auf Erlangung Friedens mit der Krön Frank- 
reich darum gerichtet, weilen sie noch diese Stund sich nicht bereden könn- 
ten, dass das römische Reich zweien so mächtigen Feinden auf einmal za 
widerstehen genügsamen Vermögens sei. Sie wollten aber E. K. M. in 
unterthänigster Aufrichtigkeit versichern, dass seine gegen Frankreich bis- 
her gebrauchte Conduite in der That die fürnehmste ürsach gewesen, dass 
die wirkliche feindselige Thätlichkeiten selbiger Krön gegen das Reich 
bis dato annoch zurückgehalten worden ; dass er, der H^ Churfurst, aber 
sich in gute Verfassung gesetzt und zum Marsche auf einen Notfall fertig 
gemacht, zu solchem sei von der Krön Schweden ihm so viel mehr 
Ursach und Anlass gegeben worden, als selbiger König sich gegen einige 
in Vertrauen vernehmen lassen, dass er gegen den Churfurst von Bran- 
denburg den in vorigem Krieg erlittenen Schimpf und Schaden unfehl- 
bar, es sei gleich über kurz oder lang, revangiren mösste *); wie er dann 
vom König in Dänemark noch ferner in Vertrauen wäre gewarnet worden 
gegen Schweden in alle Weg auf guter Hut zu stehen, zumalen diese 
Krön, wie der dänische Minister Biermann neulichst allhie mit Original- 
schreiben belegt hat, an ermelten König noch ganz iüngst eine Offensiv- 
allianz gesonnen und offerirt hätte ihme das brandenburgische Pommern 
zubringen zu helfen^). Er, der H^ Churfurst, hätte auch neben dem die 
sichere Nachricht, dass weilen der Krön Schweden Desseius, um sich im 
Reich zu erweitern, nicht von statten gehen wollten, man sich daselbst 
wiederum und von neuem mit Frankreich festzusetzen auf die Gedanken *), 
mithin Graf Magnus de la Gardie zu voriger königlicher Gnad und Ver- 
trauen gekommen wäre^). Er hätte E. K. M. allschon vorlängst gegen 
die Krön Schweden behutsamlich zu verfahren uuterthänigst anerinnem 
lassen, dann ihme allzuwohl bekannt, dass Schweden nicht zu des Reichs 
Besten, sondern blos zu selbsteigener Gross werdung oder Vortheil den 
Fuss mittelst einer considerirlichen Mannschaft in dasselbe wieder zu 
setzen intendire. Es konnte in summa S. Ch. D. ihr gegen mehrermelte 
Krön überworfenes Gemüth unmöglich also bergen, dass ich nicht ge- 
nugsam hätte wahrnehmen sollen, wie sie ipso facto zu E^ K. M. völlig 

Vergl. Droysen 1. c. 749; Carlson 1. c. V. 261 ff.; Puf. 1. c XVIII. 90. 
*) lieber Biermanns Verhandlungen in Berlin ürk. u. Act. III. 689 u. a. 0. 
3) Vergl. Carlson 1. c. V. 262 ff. 

*) Magnus de la Gardie war der Führer der französischen Partei; sein Gegner 
Bengt Oxenstjerna; vergl. über ihr Verhältnis in dieser Zeit Carlson 1. c. V. 266 f. 



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Erklärungen Fr. Wilb. Brand.-schwediscbe Beziehungen. 1065 

äbertreten wurden, falls nur Schweden nicht mehr dero Alliirter wäre. 
Der Earfürst verspricht endlich, die Sache des Herzogs von Lothringen unter- 
stützen zu wollen. Der Fürst von Anhalt theilt dem Lamberg mit, dass die 
franzosische Partei die Pläne Lambergs erfahren und den Kurfürsten und die 
Knrfürstin beredet hätten, was Lamberg vorhringe, seien leere Reden, wobei sie, 
I : am die Churfürstin für Frankreich desto mehr zu gewinnen, dero ver- 
sprochen dem Prinz Philipp das schwedische Pommern zu verschaffen, 
ihme zu der Souveränität : | darüber zu verhelfen und dabei zu garantiren. 
Wobei dann auch Graf Rebenac dem Churfürsten monatlich 50 000 Thaler 
offerirt und dagegen stipuliren wollen das schwedische Transport in 
Pommern abzuhalten, beinebenst verheissen, dass wann das Haus Braun- 
schweig in favor Schwedens ebe Diversion unterfahpn sollte, sein König 
mit einer Armee über Rhein gehen und selbigem eine Gegendiversion 
machen würde. Mit den Anerbietungen Lambergs in der spanischen Streit- 
frage, 150000 Thaler in Geld und 200000 in Salz, glaubt Anhalt nicht, dass 
etwas werde durchzusetzen sein. Bald darauf hat Lamberg eine neue Berathung 
mit Anhalt und Fuchs ^); dabei habe ich mit dem Fürsten genommener 
Abred nach sub motivo, dass bei noch stehender Unvollkommenheit des 
puncti securitatis publicae zu Regensburg '), E. K. M. die Sicherheit des 
Reichs mittelst Particularbündnissen mit denen Reichsgliedern suchen 
müsste, den Vortrag auf die Allianz zwischen E^ K. M. und S^ Ch. D. 
gethan und alles, was dem H°. Churfürsten bei der Audienz von mir 
vorgetragen worden, wiederholet, welches sie ad calamum genommen. 
Was aber die Beilegung der spanischen Streitsach belangt, habe ich blos 
per generalia angedeutet, dass ich mich solche aus dem Grund zu heben 
allergnädigst befehligt fände und bloshin befragt haben wollte, ob L Ch. 
D. wegen der Allianz mit E'. K. M. die quaestionem an? zu decidiren 
belieben möchten. Sie beide Hessen hierinnen sich antwortlich ver- 
nehmen, dass sie darüber nicht instruirt, doch alles ad referendum an- 
nehmen. . . . Nach hierauf erstattetem Rapport wurde mir folgenden 
Tags als 10*«" huius von dem Fürsten hinterbracht, dass L Ch. D. in 
puncto foederis mit E^ K. M. die quaestionem an? affirmative resolvirt 
hätten. Der Fürst von Anhalt bittet Lamberg bei der für den nächsten Tag 
festgesetzten Conferenz das Maximum seiner Zugeständnisse zu machen, worauf 
Lamberg ihm im Vertrauen mittheilt, dass, falls durch die Kurfürstin die Resti- 
tution des Schiffes bewirkt werden könnte, alsdann die 100 000 Thaler für die 
Kurfürstin und für die mithelfenden Minister nicht fehlen sollten. Der Fürst 
halt aber auch diese Anerbietungen für zu gering. 

Vergl. ürk. u. Act III. 713. 

^ Für die Verhandlungen zu Regensburg Pachner 1. c. II. 434, 439. 



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1066 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

Ferner den Churfürsten in die Association zu bringen und dadurch 
neben den König in Schweden zu stellen, hielt der Fürst für eine aller- 
dings unüberwindliche DiflTicultät, vermeinte aber, dass durch das foedus 
mit E'. K..M. der effectus und in substantia alles, was von der Associ- 
irung könnte gehofft werden, zu erheben stünde. Deswegen dann und 
in Erwägung, dass auch das Haus Braunschweig ein wirklich Alliirter 
und doch in der Association nicht begriffen ist, meines unvorgreiflichen, 
allorunterthänigsten Ermessens der Erfolg einer so guten und hochver- 
langten Sach durch Festhaltung auf der churfürstlichen Associirung nicht 
zu hindern wäre, zumal da auch dem Bericht aus Holland nach die 
Spanier selbsten von sothaner Praetension abgewichen. 

Amerongen theilt dem Lamberg mit, er habe bei seiner Ankunft Befehl 
gehabt dem Korfürsten seitens Spaniens und der Generalstaaten zugleich 
400000 Thaler in Geld und 200000 in Salz anzutragen, dafür sollte das Schiff 
„Karl IL** zurückgestellt werden, der Kurfürst mit dem Kaiser, Spanien und 
den Generalstaaten eine Allianz contra quoscnmqne schliessen und in den „Tractat 
von Garantie" miteintreten. Auf Befinden aber, dass dergleichen condi- 
tioncs hie nicht annehmlich, seien ihm aus dem Haag nach und nach 
andere Bericht zukommen, als unterm 11. Febr.^): Fuen-Mayor hätte an- 
gebracht, das Schiff sollte nur von der Frau Churfürstin an die Krön 
Spanien verehrt werden und darauf von dannen ein proportionirtes Regal 
erwarten. Wie auch vom 23. Febr., dass die Krön über die 200000 
Rthlr. an Geld sich noch zu 300000 Thaler an Salz möchte vermögen 
lassen*). Ferner vom 7. April '): Es hätte der Fuen-Mayor ex commissione 
des Marques de Grana dem Prinz von Uranien hinterbracht, besagter 
Marques hätte die 200000 contant in acceptirten Wechseln bereit er- 
halten, wegen der 300 000 in Salz aber würde in Spanien nunmehr allein 
noch ratione temporis et loci der Lieferung tractirt. In litteris des Fa- 
gels vom 4. Mai*) wurde berichtet, Spanien sei nun auch bereit von 
der Particulardefensivallianz und endlich auch von der Association ab- 
gewichen, habe aber fürgeschlagen, Elector solle sich allein gegen die 
zukünftige neue französische attentata in Niederland wegen Succurses 
verbindlich machen, auf fürkommende Händel aber wegen der bisherigen 
Conquesten, oder da von Spanien selbst der Angriff gegen Frankreich 
beschähe, blosser Dingen still sitzen und sich neutral halten und dass 



Vergl. Urk. u. Act. 111. 658. 

•'') Vergl. Urk. u. Act. III. G59. 

«) Vergl. Urk. u. Act. 111. 688. 

*) Vergl. Urk. u. Act 111. 690 ff. 



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Berathongen Lamberts mit den kiirförstlicben Ministem. Der Kurprinz. 1067 

sobald Dach EiDwilligung dieser PuncteD die Krön Geld zahlen wollte 
lassen. Der Kurfürst hat nun Amerongen die Antwort ertheilen lassen: 
Es werde ihm zwar schwer fallen von der Allianz mit Frankreich, ohne 
von dannen neue gegen das Reich gegebene Ursach empfangen zu haben, 
abzustehen, bevorab, da selbige Allianz in sich selbst ganz innocent, 
aach nur studio promovendae pacis gemacht sei, zu Niemandens Prae- 
Judiz gereiche, er dannenher pro foedifrago möchte angesehen werden, 
auch mit seinen Ländern sothanenfalls der Gefahr vielleicht zum ersten 
und meisten ausgesetzt sein. Jedoch wollte er erwarten, beides, was 
für Zumuthnngen von Spanien ihme beschehen und was für Secnritat 
und anderes ihme hinwiderum praestirt werden wollten, dann er als ein 
gebranntes Kind sich nicht gern zum zweitenmal wollte einführen lassen*). 
Ferner habe ich von dem von Amerongen mit Bestürzen vernehmen müssen, 
dass das | : Salzwerk zu Lamata und Cadix, von wannen die Lieferung 
beschehen solle , bereit für mehr dann 20 Jahren an Particularkaufleut 
in Holland überlassen worden, welches, wofern ihm also seie und aus- 
brechen sollte, wunderliche revolutiones in den Handel bringen dürfte : |. 
Sonsten hat bei vorgestrig abendlicher später Besuchung der Fürst zu 
Anhalt mir vertreulich und mit Freuden eröffnet, dass, nachdem er der 
Frau Churfüfstin hinterbracht, welchermassen ihr Regal in salvo stünde, 
er zwar nicht versicheren, doch gute Hoffnung machen wollte, dass I. Ch. 
D. das abgenommene Schiff ex generositate an die Krön restituiren 
werde. 

Der Kurprinz lässt sich beim Kaiser für sein Vertrauen bedanken und hat 
geäussert, wie höchst eiferig und nachdrücklich er sich das Werk wolle 
angelegen sein lassen, nicht nur aus innerlicher Inclination zu E^ K. M. 
Dienst, oder aus Lieb zum allgemeinen Besten des Vaterlands, oder in 
Ansehung seines Herrn Vaters und seines eigenen Interesse, sondern 
über all solches auch aus eingewurzelter Aversion gegen die Franzosen, 
als die unter anderm noch neulich |: seinem Stiefbrüdern zu dem Herzog- 
thum Pommern ihme zum Praeiudiz hätten verhelfen wollen :|. Es hat auch 
ermelter Churprinz dem geheimen Rath Fuchs Ijerzgreifend zugesprochen, 
er solle sich diesmal einen ehrlichen Mann praestiren und seinen besten 
Fleiss thun, so wolle er ihn dessen sein Leben lang in Gnaden entgelten 
lassen. Gegen die Einmischung der Staaten in die schlesischen Praetensions- 
angelegenheiten hat Lamberg protestirt'). 

>) Vergl. ürk. u. Act III. 708 ff. 
») VergL ürk. u. Act. III. 716 f. 



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1068 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684: 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Juni 1683. (Or.) 

[Project eines österreichisch -brandenburgiscben Bündnisses. Aufnahme desselben 

seitens des kurfürstlichen Hofes. Verhandlungen Lambergs mit den Räthen Friedrich 

Wilhelms. Jägerndorf. Subsidien. Das sächsisch-österreichische Bündnis.] 

19. Juni. Auf Wunsch der brandenburgischen Minister hat Lamberg ein Project einer 

brandenburgisch-österreichischen Allianz*) verfasst, jedoch nur vorgelesen; ich 



*) Der wesentliche Inhalt dieses Projectes lautet: P. Zweck des Bundes ist die 
Erhaltung des Friedens. 2^. „Sothaner Fried, soviel das röm. Reich betrifft, soll ge- 
gründet sein auf die westphälische und nimwegische Friedensschlüss und deren wahren 
Verstand zu Aufhebung aller auswärtigen Vergewaltigungen, sogen. Reunionen, praeiu- 
dicirlicher attentatorum und usurpationum im römischen Reich". 3°. Der Kurfürst und 
der Kaiser wollen einmüthig dahin trachten, dass der allgemeine Friede der gesammten 
Christenheit zum Nutzen möge gestiftet, befestigt und erhalten werden. 4°. Bündnisse, 
die diesem widersprechen, sind beiderseits aufzuheben. 5^. Beide Theile trachten ihre 
Verbündeten zur Billigung ihrer Pläne zu bewegen. 6^. Kaiser und Kurfürst werden 
alles tbun, um den punctum securitatis publicae auf dem Reichsconvent zu seiner voll- 
kommenen Wirklichkeit zu bringen. 7^ Inzwischen wird eine Defensivallianz errichtet 
zwischen dem Kaiser und Brandenburg. 8^. Beide Theile trachten ihre Bundesgenossen 
zum Eintritt in diese Defensivallianz zu bewegen. 9*^. Dieses Defensivbündnis verpflichtet 
den Kaiser, wenn der Kurfürst in seinen Ländern in oder ausser Reichs feindlich an- 
gegriffen werden sollte, demselben mit . . . tausend Mann zu Hilfe zu kommen, wogegen 
der Kurfürst verpflichtet ist, wenn des Kaisers Lande, oder das Reich, \, oder Spanien» 
oder andere ihren dem Reich zuverwandten Landen'^ feindselig, es sei sub praetextu 
reunionum, bedrohlicher evocationum oder wie es Namen haben mag, durch offenbare 
Waffengewalt oder andere violente Tbätlichkeiten angegriffen würden", mit . . . tausend 
Mann zu Hilfe zu kommen. W. Wenn von den im Defensivbündnisse begriffenen 
Mächten 2 oder mehr auf einmal, oder einer an 2 oder mehr Orten angegriffen würde, 
sollen die Contrahenten nicht gehalten sein ihre Hilfsquote mehr als einmal zu stellen. 
11^. Wird einer im eigenen Lande angegriffen, so braucht er dem anderen keine Hilfe 
zu schicken. 12^ Bezüglich Religion, Commando etc. wird berathen werden. 13. lieber 
die Operationen soll gemeinsam berathen werden. 14<*. Der Kurfürst verspricht inner 
. . . Monaten von der Ratification an gerechnet dem Kaiser die Truppen nach Ungarn 
zu schicken. (Dazu ist bemerkt: Dieses wurde von den kurfürstlichen Ministem weder 
versprochen noch angenommen.) 15°. Wenn die kurfürstlich rheinischen Lande in 
Gefahr kommen sollten, will der Kaiser, Spanien und die übrigen Alliirten, die noch 
aufgenommen würden, wie es Zeit und Conjunctur leiden, zu Hilfe kommen. 16^ Der 
Kurfürst überlässt der Krone Spanien 2000 seiner clevischen Soldaten ohne Entgelt. 
(Hiezu wurde schlechte Hoffnung gegeben). 17^ Das Bündnis soll dauern für das 
Reich und die einzelnen Fürsten, die keine Particularallianzen mit dem Kaiser oder 
Kurfürsten haben, bis punctum sec. pub. und die allgemeine Reichsverfassung zu 
völligem Stand und Richtigkeit wird gebracht sein. Zwischen beiden Contrahenten 
aber auf . . . Jahr, oder allgemein bis der Zweck — der allgemeine Friede — erreicht 
sein wird. 18**. Wenn bezüglich der Dauer mit einer der in das Bündnis einzu- 
nehmenden Mächte etwas anderes bestimmt würde, soll es gehalten werden. 19. Strei- 
tigkeiten zwischen den Verbündeten, oder eines Verbündeten mit einem dritten Fürsten 



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Project des Österreich -brand. Bündnisses. Verhandlungen darüber. 1069 

habe dabei vermerken könneo, dass, obgleich die Eintretung in die 
Garantieallianz, auch Ueberlassung der 2000 Mann clevischer Völker fast 
soviel als unmöglich zu erheben, dannoch herentgegen die churfürstliche 
Herübertretung und Abandonnirung dem entgegen strebender Allianzen, 
nebenst der Praestation einiger Völker in Ungarn, sogar auch die Resti- 
tution des Schiffs Carlos IL, weilen ich fest darauf bestanden, nicht so 
verzweiflet als das anfängliche Aussehen sein wollen. Im Verlaufe der 
Conferenzen brachten dann die Minister des Kurfürsten die schlesischen Prae- 
tensionen vor, worauf Lamberg sich auf die dem Schwerin vom Kaiser gegebene 
Resolution bezieht •) ; die kurfürstlichen Minister lassen es dabei bewenden, ver- 
langen aber im Fall eines Bündnisses mit dem Kaiser zur Erhaltung der kur- 
fürstlichen Truppen eine Unterstützung vom Kaiser oder vom Reich in Quartieren, 
Assignationeu oder in baarem Gelde. Lamberg sucht die Ungerechtigkeit dieser 
Forderung darzuthun, allein die kurfürstlichen Minister bleiben bei derselben 
und stellen ihr petitum auf 300 000 Thaler jährlich *) Bezüglich des Loth- 



sollen gütlich beigelegt werden. 20^. Brandenburg verzichtet auf alle Praetensionen 
an Spanien und gibt das Schiff Karl IL zurück. 21. Dafür zahlt Spanien dem Kur- 
fürsten 100000 Rthr. in baarem Gelde und 300000 in Salz. 22«. Kaiser und Kur- 
fürst versprechen alles aufzubieten, um die Differenzen zwischen Dänemark und Hol- 
stein-Gottorp auszugleichen. 

In die Secretartikel wäre aufzunehmen: P. Der Kaiser verspricht der Frau Kur- 
fürstin, dass Spanien ihr 80 000 Thaler baar geben wird. (Dieser Artikel ist von den 
kurfürstlichen Ministern selbst an die Hand gegeben worden.) 

2°. Wenn der Kaiser gegen Osten frei, verpflichtet sich der Kurfürst, falls mit 
Frankreich noch keine Einigung erfolgt, offensiv gegen dasselbe vorzugehen. (Dieser 
Artikel wurde ganz in suspenso gelassen.) 

») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 85. 

2) Extract des Protocolls vom 16. Juni 1683. 

Die kurfürstlichen Minister bringen vor. 1°. Bezüglich Jägerndorfs will der Kurfürst 
Satisfaction, wenn nicht Jägemdorf, doch ein Aequivalent; der Kurfürst will auch des 
Efi'ects halber sich etwas gedulden, wenn nur die Sache geordnet sei. 2^ Wegen der 
3 Fürstenthümer bleibt der Kurfürst bei dem, was er bereits durch Schwerin dem 
Kaiser habe mittheilen lassen. (Lamberg erklärt nicht instruirt zu sein). 3^. Der Kur- 
fürst kann die 34 000 Mann und mehr, über die er verfügt, nicht erhalten, wenn die 
Subsidien ausbleiben, die Frankreich ihm zahlt; er hofft daher, der Kaiser werde ihm den 
Unterhalt für Va seiner Truppen verschaffen. A9. Bezüglich der spanischen Offerten hofft 
der Kurfürst, man werde bei dem bleiben, was man im Vorjahre versprochen, 200 000 
Rthlrn. in Geld und 300000 in Salz. 5^. Soll der Kaiser bei den Generalstaaten für die 
Praetensionen Brandenburgs eintreten. 6^. Weil die letzte Offerte von Frankreich in 
300 000 Thalern bestünde, hofft der Kurfürst vom Kaiser und Reich mit einem Gleichen 
versehen zu werden. Am 17. findet dann eine neue Berathung statt. Lamberg fragt, 
ob der Kurfürst nicht weniger als 300 000 JThaler nehmen würde; die Minister sagen, 
300 000 Thaler sei nicht viel, doch wollten sie, wenn es ad effectum komme, tentiren, 
dass noch etwas nachgelassen werde. Auf die Frage Lambergs, mit wie viel Truppen 



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1070 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

ringers erklärt der Kurfürst bei seiner guten Ansicht beharren zu wollen, nur 
glaube er, dass in diesem Momente, wo die Türkengefahr so gross, die Sache 
nicht aufzunehmen sei. Der sächsische Kammerdirector Boose ist hiehergekom- 
men und berichtet, dass das Bündnis seines Herren mit dem Kaiser perfect sei, 
der Kurfürst auch in die Association eintreten werde*). 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Juni 1683. (Or.) 

[Braunscbweigs Vorgehen im Bremischen und in Ostfriesland. Pläne der franzosischen 
Partei. Ratb des Meinders, still zu bleiben. Rathschläge des Fürsten von Anhalt. 
Nothwendigkeit den Kurfürsten zu gewinnen. Geplante Zusammenkunft des Königs 
von Dänemark und des Kurfürsten von Brandenburg. Kaiserfreundliche Haltung 

Derfflingers.] 

28. Juni. Das Vorgehen Braunscbweigs in Bremen und in Ostfriesland erregt Be- 

sorgnis am kurfürstlichen Hofe. Meinders und R^benacs Pläne gehen dahin, 
diese Zurücksetzung Brandenburgs so zu benützen, dass Frankreich und 
Dänemark gesammter Hand einen Ort im Bremischen angreifen und dem 
H". Churfürsten damit in Pommern freien Arm machen, auch bei ihm 
dadurch vorigen Appetit darnach wieder erwecken sollen^); wie ich dann 
ferner von vertrauten Orten versichert worden, dass nachdeme Meinders 
von denen churfurstlichen neuen Gemüthsdispositionen noch zu Hamburg 
Wind bekommen'), er von dannen aus sofort eingerathen habe, dass 
weilen selbige Conferenz fruchtlos abgeloffen, S. Ch. D. sich weder mit 
Frankreich noch jemand andern verbindlich machen, sondern ein tertium er- 
wählen und bloshin still sitzen sollte, angesehen sich noch wohl die Gelegen- 
heit ergeben würde ein oder andern Orts hin mit grossem Vortheil um Hilf 

der Kurfürst dem Kaiser in Ungarn zu Hilfe kommen würde, antworten die Minister, mit 
mehr als der Kaiser vermuthe, vielleicht mit 10 — 12000 Mann. Auf die Frage, ob 
im Falle die Geldpraestation erfolge, „I. Cb. D. in den Eintritt in die „Allianz von 
Garantie" willigen und den Frieden von der Krön Frankreich, auf welcherlei Mass 
und Weg 1. K. M. und das Reich es gut befinden, zu erbalten mit behülflicb sein 
wolle", antworten die kurfürstlichen Minister, wenn in Fortsetzung der Tractate sieb 
zeigen werde, wie weit die Geldunterstützungen des Kaisers gehen, werde sich der 
Kurfürst in p^ garautiae so vernehmen lassen, dass in effectu daran nichts sollte 
desiderirt werden. Auf die Frage, ob der Kurfürst etwas dagegen haben würde, wenn 
der Kaiser die dem Kurfürsten bestimmte jährliche Geldsumme von den Stiftern Pader- 
born und Münster irgend einbringen mochte, antworten die kurfürstlichen Minister, 
der Kurfürst lasse dem Kaiser freie Hand, wenn nur nicht in die beiden Stifter mit 
solcher Härte gednmgen werde, dass andere Schwierigkeiten dadurch entstehen. Vergl. 
auch ürk. u. Act. III. 723. 

^) lieber die Sendung Boose's an den brandenburg. Hof Puf. 1. c. XVIII. 101. 

^ Vergl. Drojsen 1. c. 750; ürk. u. Act. III. 725. 

') Ueber die Hamburger Zusammenkunft Puf. 1. c. XVIII. 98; Droysen 1. c. 751. 



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Pläne der franz. Partei. Rath Anhalts. Derflflinger. 1071 

gerufen zu werden, unterdessen sie die in casum einer solchen Neutralitat 
(wie ich vom Fürsten zu Anhalt, Feldmarschall Derfflinger, geheimen Rath 
Fachs und Obermarschall Canitz versichert werde) iährlich offerirte 300000 
Reichsthaler geniessen könnten, ohne sich in etwas verbindlich zu machen; 
in Hoffnung, dass bei etwa einem unglücklichen Fall in Ungarn dem Herrn 
Churfürsten der Lust nach Pommern von selbst wieder kommen, auch 
die französische Garantie über alldortige eingebildete Conquisten desto 
leichter sein möchte.. Wiewohlen nun ermelter Fürst mich anbei ver- 
sichert, dass sothane Proposition vom H". Churfürsten platter Dingen 
verworfen worden, so stehet er dannoch in Sorg, dass wann zu dessen 
neuen Propositionen sich die Mittel der 300000 Thaler iährlich nicht 
aasfänden, Frankreich ein als andern Weg widerum die Hand gewinnen 
und das Feur im Norden dannoch entstehen könnte. Deswegen rath 
Anhalt dringend die Summe zn geben, |:uud vermeinet er endlich (so er 
doch nur zu mir geredet haben wollte), wann nur ein dem Churfürsten 
annehmliches quantum versprochen werde, ob es gleich künftighin pro 
more nicht so richtig einlaufen sollte, dannoch pro hie et nunc ein so 
grosses gewonnen sein würde '), woraus dann meinem wenigen Bedünken 
nach des Fürsten Aufrichtigkeit und Begierde zu P. E. M. und des Reichs 
Besten erhellet und man ihn nicht beschuldigen kann, ob liebte er 
I. K. M. nur so weit, als es dem Churfürsten Nutzen brächte : |. Die von 
der französischen Partei gewünschte Zusammenkunft zwischen dem Könige von 
Dänemark und dem Kurfürsten von Brandenburg dürfte nicht zu Stande 
kommen'). Es verdienet auch sonsten hiesiger Feldmarschall Derfflinger 
nicht einen gemeinen Ruhm, dass er dem H°. Churfürsten platter Dingen 
unter Augen gesagt, er wolle sich lieber in Stück zerhauen lassen, als 
die churfürstliche Armee gegen S^ Ch. D. Ehr und Gewissen, auch ihre 
und des Reichs Wohlfahrt, zu commandiren, unangesehen ihme sowohl 
von deroselben als dem Grafen Rebenac grosse Geldofferten deswegen 
beschehen seind und gleichwohl ganz gewiss ist, dass der Herr Churfürst 
sothane seine Armee keinem andern als ihm vertrauen wird ...'). 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Wien 7. Juli 1683. (Conc.) 

[Bedrängnis durch die Türken. Nothwendigkeit der brandenburgiscben Hilfe.] 
Ich verhalte euch in höchster Eil nicht, welchergestalt die völlige 7. Juli. 

>) Vergl. Klopp, Das Jahr 1683, 267. 

») Vergl. ürk. u. Act III. 725. 

3) Vergl. Klopp, Das Jahr 1683, 266. 



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1072 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

türkische Macht aaf mich und diese gute Stadt dergestalt andringet, 
dass ich mich benöthiget finde inner wenig Stunden von hier mich zu 
retiriren. Lamberg soll den Kurfürsten ersuchen, seine Hilfe so rasch als 
möglich zu senden»). 

Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Potsdam 14. Juli st v. 

1683. (Or.) 

[Bereitwilligkeit den Kaiser gegen die Türken zu unterstützen. Creditif für Anhalt.] 

14. Juli. Er ist entschlossen auch bei der neuen Gefahr die des Kaisers Erblande 

bedrohen den Kaiser, wie bei vielen früheren Gelegenheiten, zu unterstützen 
und sendet zu diesem Behnfe den Fürsten Johann Georg von Anhalt an den 
Kaiser *). 

Kurprinz Friedrich an den Kaiser. Dat Potsdam 15. Juli 

St. V. 1683. (Aut.) 

[Versicherung der Devotion gegen den Kaiser.] 

15. Juli. Nachdehm zu Ew. Keyserl. May", meinet vielgeliebten Herren Vet- 

tern, des Fürsten von Anhalt Ld., in gewissen meines Herren Vatters 
Gnd. angelegenheiten abreisen, habe ich nicht unterlassen sollen, die- 
selbe mit diesen aufwärtigen ziehlen an Ew. Keyserl. May^^ zu begleiten, 
umb mich in dero zu meinen höchsten frewde bereits wircklich ver- 
spürte Keyserliche hulde und genade je mehr und mehr unterthänigst 
zu insinuiren. Und wie ich nicht zweifele, Ew. Keyserl. May"., werden 
darin gegen mich zu verharren allergnädigst geruhen; Als habe dieselbe 
ich hingegen meiner stets wehrenden schuldigsten devotion und dass ich 
solche, wie auch meine unterthänigste begierde, alles was zu einigem 
Ew. Keyserl. May", contentement strecken möchte, jederzeit so viel an 
mir ist gehorsam bst zu verrichten bey einer jeden sich ereugenden ge- 
legenheit im wercke Selbsten erweisen werde, hiemit in unterthänigkeit 
versichern wollen; Welches dan auch hochg^ S. Ld. auf mein geschehenes 
ansuchen meinentwegen mit mehrem mündlich thun werden. 

») Für den Türkenkrieg im Jahre 1683; Klopp, 0., Das Jahr 1683 und der 
Türkenkrieg bis 1699; Renner, Y., Das Jahr 1683; Die Flucht aus Wien Klopp 
1. c. 204 f. 

») Vergl. Klopp, Das Türkenjahr 1G83, 267. 



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Des Kurprinzen Friedrieb Devotion gegen den Kaiser. Lamberg in Berlin. 1073 

Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 18. Juli 1683. (Or.) 

[Ruckiiebr Lambergs ans Dresden. Krankheit des Kurfnrsten. Verhandlungen mit 
Anhalt und Fuchs wegen der Türkenhilfe. Forderungen der brandenburgischen Mi- 
nister. Erklärungen des Kurfürsten. Anerbieten TOn 12 000 Mann gegen entsprechende 
Bedingungen. Plan der Mission Anhalts nach Wien.] 

Nach Beendigung seiner Mission in Dresden '} ist Lamberg nach Berlin zo- 18. Juli, 
rfickgekehrt Die bedenkliche Erkrankung des Kurfürsten verhinderte eine so- 
fortige Unterredung}Lambergs mit demselben. Lamberg bespricht sich deshalb mit 
Anhalt und Fuchs , stellt den Zustand in Ungarn dar und hält um den soforti- 
gen Abmarsch von 6000 Mann an, verspricht dafür 200000 Reichsthaler jähr- 
lich, wenn der Kaiser bei der Einbringung der Assignationen auf Münster und 
Pftderbom vom Kurfürsten nicht gehemmt werde '). Worauf Rath Fuchs das 
Wort für dem Fürsten genommen'), sprechend, dass seinem Erachten 
nach der Herr Churfürst von einem Succurs gegen den Erbfeind nicht 
abgeneigt, sondern bloshin de quanto et modo die quaestio sein würde. 
Die summa der 200000 Tbaler wollte er yersichem allra gering zu 
sein; damit jedoch E'. K. M. Kammer etwas verschonet würde, wollte er 
vorgeschlagen haben, seinem gnädigsten Herrn noch darüber anstatt 
100 000 Reichsthaler iährlich das Fürstenthum Ostfriesland zu assigniren, 
mit dem expressen Zusatz, dass doch kein anderer Stand des Reichs 
selbiges so hoch und dergestalt bei schwebender Mishelligkeit zwischen 
Regentin und Standen annehmen oder geniessen würde, S. Ob. D. auch 
nimmermehr zugeben könnte, dass das Haus Braunschweig etwas davon 
ziehe. Wegen Münster und Paderborn wollte er gerathen haben be- 
hutsam zu gehen; I. Ch. D. stellten zwar E^K.M. gänzlich anheim, woher 
sie die 200000 Thaler nehmen wollten; sollte es aber von gedachten 
Stiftern mit Gewalt geschehen, würden sie denselben, vi foederis, sowohl 
als auch den ostfriesischen Ständen gegen anderwärtige assignationes 
beizuspringen gehalten sein und sei es so viel weniger verdenklich ihre 
Ostfriesland zu assigniren, als von der Regentin dessen Assignation 
bereit vorlängst dem Haus Braunschweig anerboten worden; die Stand 
sich auch desfalls ganz gerne mit S'. Ch. D. vergleichen würden. Uebri- 
gens und wann auch dieselbe meinem Verlangen nach einig quantum 
zum Succurs resolvirte, würde solches nach der Proposition der 2 — 300 000 
Reichsthaler genommen werden und dabei auch nöthig sein die chur- 
fürstlichen Völker auf dem Marsche in denen Erbländem mit Brod, Bier 



») Vergl. ürk. u. Act. III. 729f. 

8) Vergl. ürk. u. Act. lU. 739. 

>) Für des Fuchs Verhalten Klopp 1. c. 270 f. 

Mater, i. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 2. 68 



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1074 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1662—1684. 

und Salz, auch hart und rauh Fatter zu versehen. Gleichwie nun aber 
all dieses demienigen, so eben ermelter Fuchs in vorigen Conferenzen, 
auf den Fall von E'. K. M. 300000 Thaler eingewilligt würden, geäussert, 
nicht beikommen will und daraus genug abzunehmen, dass man die 
Seiten allhie nach den Coniuncturen spanne oder ablasse, als habe 
fuglich erachtet solches sub rato anzunehmen, damit der H^ Churfürst 
qualicunque modo sich mit einem corpo impegnirte und um so mehr 
von Frankreich abgezogen wurde. Nachdeme aber demselben darüber 
referirt worden und er vernommen, dass mein petitum sich nur auf 
6000 Mann erstreckt, ist er völlig von allem abgewichen und bis zu 
dieser Stund darauf bestanden, wie er mich dann allnoch gestern früh 
bei erlangter Audienz versichert, E^ E. M. in gegenwärtigem frangenti 
mit 12000 Mann, so in 6 Regimentern zu Fuss, das übrige in Reiterei 
und Dragonern besteben sollte, nebenst 24 Stück Geschütz unter Commando 
seines Feldmarschalls DerfRinger zu Hilf zu kommen; dann mit einem 
wenigem weder E'. E. M. geholfen, noch seinen Völkern gerathen sein 
würde. Er recommendirte aber E^ E. M. vor allem nachdrücklichst den 
Frieden mit Frankreich und in ihne neben Churmainz das Vertrauen zu 
setzen, selbigen durch ihre officia von ermelter Eron, mit so guten Con- 
ditionen (Strassburg ausgenommen) als es dem Reich immer zum vor- 
träglichsten sein möchte, zu erheben. Inmittelst hätte er bereit dem 
Foldmarschall Derfflinger Befehl ertheilt, seine beste und älteste Regi- 
menter gefasst zu halten. Zumalen ich nun den Vorschmack bekommen, 
dass der H'. Churfürst sothanen Frieden bei E'. E. M. zu fördern den 
Fürst zu Anhalt an dero Hof zu schicken, mithin auch erwähneten Succurs 
offeriren zu lassen, einigermassen bedacht worden; als bewerbe mich 
äussersten Fleisses solche Intention so viel mehr zu fördern, als mit 
ermeltem Fürsten auch ratione modi et quanti des Succurses und der 

Gegenpraestationen wird können adiustirt werden Inmittelst wäre so 

viel gewonnen, dass auch der blosse Ruf des churfürstlichen Succurses 
von 12 000 Mann viel erspriessliches wirken und die französischen Waffen 
unter Hoffnung eines Friedens in suspenso halten kann. 



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VerbandlungeD Lambergs in Berlin. Brandenburg-spanisober Gonflict. 1075 

Votum vom 19. Juli 1683. (Conc.) 

[Ansiebt und Ratbscblag der Räthe bezüglich der Tom Kaiser in dem brandenburg- 
spaniscben Conflicte zu beobachtenden Politik. Massregeln gegen die Unterstützung 
der brandenburgischen Praetensionen durch die Staaten. Jägerndorf. Bemerkungen 
zu dem lambergischen Projecte des osterreich-brandenburgischen Bündnisses. Instruc- 
tion für Lamberg bezüglich der Subsidien, der Allianz, der Hilfe gegen die Türken 
und des Friedens mit Frankreich.] 

Die Räthe finden, dass die Verhandlungen mit Brandenburg dreierlei be- 19. Juli, 
treffen : 1**. Den Ausgleich zwischen Spanien und Brandenburg. 2°. Die Wider- 
vereinigung des Kurfürsten mit dem Kaiser und 3®. die Hilfe gegen den Erbfeind. 
Die Räthe finden es nun befremdend, dass Spanien jetzt über die 500000 
Thaler, von denen es früher gesprochen und die der Kaiser auf ihre Erklärungen 
hin in Berlin hat anbieten lassen, noch weitere 100 000 Thaler ohne Mittheilnng 
an den Kaiser in Berlin anbietet, da dies der Repotation Lambergs und des 
Kaisers schade. Auch scheine es, dass Holland und Spanien überhaupt die 
Angelegenheit mit Brandenburg selbst auszumachen und den Kaiser und Lam- 
berg bei Seite zu lassen wünschen; massen dann Lamberg bei gegenwär- 
tigen ConiunctureD und Nothstand ohne deme die Zeit schwerlich wird 
gewinnen können dem deshalben im Haag vorhabenden Tractat nachzu- 
reisen ^); doch aber da sich bei Steckung dieser Composition nachfolglich 
auch die Widerherbeibringung des Churfürsten und die also angezettelte 
Allianz und gute Einverständnus stecken möchten und aber zu vernehmen, 
dass die Assignation auf 300 000 Thaler an Salz sehr unsicher und dahero 
die Caution darüber von E^ K. M. möchte begehrt werden; so möchte 
dem Marches de Grana darunter zugeschrieben und erstlich zwar nur 
Erkundigungsweis dasienige angeführt werden, was oben von der neuerlichen 
plus oblatione wegen des entführten Schiffs an die Churfürstin erwähnet 
worden; er anbei aber auch erinnert werden, dass er sich die Richtig- 
keit der Salzassignationen, oder doch allenfalls die Stellung einer gnug- 
samen und annehmlichen Caution darfür wollte angelegen sein lassen, 
damit das in so guten Weg gebrachte Werk sich daran nicht stosse und 
rückgängig werde, zumalen Frankreich den Churfursten durch allerhand 
Avantage auf seiner Seit zu confirmiren suchet. Da aber auch die General- 
staaten und deren Minister zu Berlin') den Churfursten in seiner Prae- 
tension auf die 3 Fürstenthümer in Schlesien zweifelsohne in Ansehung 
der Religion zu steifen suchen und dahero sich der Interposition oder 
Recommendation an E. E. M. gleichsam unternehmen, möchte dem 
Eramprich mit Information in der Sach zugeschrieben und er darauf be- 

>} Für die Verhandlungen im Haag vergl. Urk. u. Act. lU. 725, 734 ff. 
^ Amerongeu. 

68» 



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1076 tX. Lamberg In Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

felcht werden, dass er die Staaten von solcher Interposition and Ein- 
mischung in fremde Händel nachdrücklich abmahnen und divertiren solle. 
Zumalen aber auch der Churfürst die jägerndorfische Praetension wieder- 
um hat rühren und eine verlässliche Resolution und Richtigkeit urgiren 
lassen, bei welcher er sodann noch etwas in Geduld stehen wollte, der 
Graf von Lamberg aber darauf gefragt, ob sich solche Geduld bis zu 
Endigung dieses Krieges erstrecken würde, so auch der Fürst von Anhalt 
nit vor unthunlich angesehen, als möchte solches dem Grafen von 
Lamberg approbirt werden, mit der Erinnerung, dass er dann darauf auf 
die ihm vor diesem in instructione mitgegebene Oblation sich zur Richtig* 
keitmachung anerbieten solle. 

Andertens nun das sich veranlassende foedus betreffend, hat man 
bei obangehörtemLam bergischen Project *) angemerket; 1^ wie darin alle die 
conditiones einfliessen, welche sowohl Spanien, als E. E. M. beim Anfang 
der Negociation zur churfürstlichen Reduction pro re communi angesehen 
haben und mithin auch die Eintretung in den Associationstractat, Ein- 
gehung einer Particularallianz mit Spanien und Ueberlassung der 2000 
Mann clevischer Mannschaft, davon doch wie oben gehört die Eron 
Spanien schon nachgelassen haben sollen; 2^. dass der brandenburgi- 
schen ministrorum dabei gethane Erinnerungen dahin gehen, dass in die- 
sem foedere nichts influire, was dem mit Frankreich habenden foedere (so 
sie ganz innocent und unnachtheilig nennen) zuwider sein möchte, als da 
ist, dass sie den Churfürsten wider die von Frankreich bereits verübte 
Einbruch nicht verbinden, auch sich wegen Italien, Mailand und Lothringen 
nicht einlassen wollen, welches ein klares Zeichen ist, dass der Churfürst 
der Eron Frankreich in selbigem foedere das praeteritum gebilliget und 
versprochen habe sich des Reichs ausser Deutschland nicht anzunehmen, 
dass mithin der Churfürst aus dem jetzt antragenden foedere den begehr- 
ten Beitrag von 300000 Thalern geniessen und gleichwohl ichtwas wider 
das vorige französische foedus zu thun nicht obligirt wäre, wie er dann 
kraft dessen den Frieden mit Frankreich einzugehen und denselben hoc 
rerum statu, da man beeden Potenzen nicht gewachsen sein kann, pro 
indispensabili einzurathen beständig continuirt. 

Im übrigen müsse man warten, was brandenburgischerseits auf dieses Pro- 
ject geantwortet werden wird. Indessen wäre dem Lamberg sein Project 
insoweit zu approbiren und ihm an die Hand zu geben, dass er den 
terminum requisitionis, wie andere foedera, auf 4 oder 6 Wochen, den 

') VergL p. 1068f. 



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Des Knrffirsten Praetensionen. Oestemich-brand. Allianzproject. 1077 

terminom darationis aber, wie das fränkische, auf 5 Jahr, oder bis der 
Fried im Reich stabilirt sein werde, item de vigore huius foederis von 
chorbrandeDburgischer Seiten auf 5000 (ein dritt davon zn Pferd und 
2 dritt zu Fuss) antragen und sich dargegen mit 8 oder 9000, wie mit 
Chursachsen, einlassen könne'); item dass er den art XI. in puncto 
praestationis auxilii contra Gallum cessante hello Turcico dahin zu decla- 
riren suche, dass £. E. M. dem Churfnrsten alsdann zu helfen schuldig 
wären, wann sie selbst in ihren Erbländem nicht angefochten wären, oder 
dessen in praesenti periculo ständen. Da nun aber hingegen der Chur- 
fürst den diesseitigen Beitrag an Quartieren, Assignationen oder baarem 
Geld bis 300000 Thaler pro conditione sine qua non und dergestalt 
setzet, dass bis zu dessen Erklärung sowohl das foedus als die spanische 
Beilegung in suspenso werde bleiben müssen , so will hierauf die alier- 
schwerste DifGcultät ankommen, da zwar der Graf von Lamberg die 
Assignation der Bisthümer Münster und Paderborn vorgeschlagen, die 
Churfarstliche sich auch vernehmen haben lassen, dass der Churforst 
des zu Soest *) wider die assignationes gemachten foederis ungeachtet 
möchte geschehen lassen , dass solche assignationes zu diesem End ein* 
getrieben wurden; wie aber dabei nicht zu sehen, dass der Churfarst 
solche assignationes selbst übernehmen wolle, sonsten aber auch sehr 
schwer fallen würde diese beide Bisthümer der Uncatholischen Execution 
zu übergeben und aber auch nicht abzusehen, wie E*^. E. M. Hofkammer 
derzeit solchen schweren Beitrag auf sich laden könne, so haben die ge- 
horsamste deputirte Räthe ein anderes vor diesmal nicht erfinden können, 
als weiln ohne deme bei jüngst erfolgten tötlichen Hintritt des Bischofs 
zu Münster und Paderborn *) nöthig sein wird jemand von hier zu Ob- 
servirung der neuen Wahlen dorthin abzufertigen, dass derselbe wohl 
instruirt werde, wie er peractis electionibus dem neuen Bischofen sowohl 
die necessitatem publicam, als auch der Bisthümer Conservation und 
Convenienz hierunter, dass sie sich lieber andern Reichsständen confor- 
miren als sich in Unruhe setzen sollten, nachdrücklich dahin remonstrire, 
dass sie diesen Beitrag auf 130 oder 145 Römermonat nach ihrem 
Matricularanschlag (so bis in 1696 80000 0ulden austragen wird) über- 



') Sachsen hatte am 4. Juni 1683 mit Leopold einen Vertrag bezüglich der 
Türkenbilfe geschlossen. Yergl. Böttiger, Gesch. Sachsens II. 172. Klopp, Das Tür- 
kenjahr 1683, 261. 

^ Recess vom 27. Febr. 1683 zu Soest; der Hauptrertrag Tom 4./I4. Sept. 1682 
zu Neuhaus, vergl. Möraer 1. c. 433 f.; Puf. 1. c. XVUI. 72. 

*) Ferdinand II. Ton Fürstenberg f 26. Juni 1683. 



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1078 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

nehmen, dahingegen auch der Graf von Lamberg bei dem churfürstlichen 
Hof sich auf s änsserte bemühen solle das Begehren der 300 000 Thaler 
so viel als immer möglich herabzubringen, um also zu sehen wie heraus- 
zukommen sein möchte. 

Damit aber drittens das dermalen zum nöthigsten und andring- 
lichste Succurswesen sich daran nicht hemme, hätte der Graf von Lam- 
berg dem Churfürsten vorzustellen, wie er zwar gnugsamlich instruirt 
wäre die vorhabende Allianz alldort einzugehen und zu schliessen, massen 
E.E.M. auch das Mittel darzu der münster- und paderbornischen Assigna- 
tionen vor gut anseheten und mit noch mehrers, da sich einiges zeigte, 
dem Churfürsten gern an die Hand gehen würden. Wie er aber von 
Selbsten leicht erachte, dass die gegenwärtige äusserste Noth der bei der 
wienerischen Belegerung und sonst gegen den Türken periclitirenden 
ganzen Christenheit viel andringlicher ist, als dass deren gemeinsame 
eiligste Abtreibung bis zur Perfectionirung ermelten foederis sich ver- 
ziehen könne, anbei aber auch wohl zu erwägen hat, dass wann Wien (da 
Gott vor seie) verloren gehen sollte, wie leicht der Feind sofort in Schle- 
sien und femer in die churfürstliche Mark vorbrechen könnte, also E. 
K. M. sich zu des Churfürsten Generosität und hochvemünftigen Mitbe- 
herzigung versehen wollten, dass in völligsten Vertrauen zu E^ K. M. er 
nicht weniger als Churbaiern (so bereits im Anzug seie') und Chur- 
sachsen '), auch die schwäbisch-fränk- und oberrheinischen Kreis ') (welche 
darzu allschon erbietig seien) E'. K. M. gegenwärtig und eiligst ein 
Succurs von 10000 Mann seiner wohlgeübten Soldatesca, (wie sich ob- 
verstandener Massen die churfürstliche ministri hätten vernehmen lassen) 
7, zu Ross und 7t ^^ ^^^^ ^^ schicken und deren Marche also werden 
beschleunigen lassen, dass sie in Zusammenstossung mit den kaiserlichen 
und obgedachten Auxiliar- und dann denienigen Völkern, welche vi 
foederis aus Polen darzu zu stossen haben ^), die so hoch importirende 
belegerte Stadt noch in Zeiten mögen entsetzen helfen. 

Femer sei dem Lamberg ao&atragen, dass wann der Churfürst nochmaln 
wegen des Friedens mit Frankreich Antreibung thäte, dass er contestire, 
wie E. E. M. nichts mehrers als denselben, wann er nur sicher und zu- 
verlässlich sein könnte, desiderirten, auch festiglich dahin bedacht und 



») Vergl. Klopp 1. c. 289. 

») Vergl. Klopp 1. c. 290. 

») Vergl. Klopp 1. c. 289. 

«} Abdruck bei Da Mont 1. c. vn., 62ff. Vergl. Klopp 1. c. 1721 



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Oesterreich-brand. Allianz. Sendung Anhalts nach Wien. 1079 

intentionirt seien, sobald nur gegenwärtige Noth durch die Succursen 
werde abgetrieben sein, dem Friedenswerk zu Regensburg selbst allen 
Calor und Nachdruck zu geben '), und wie dann ohne deme nicht zu ver- 
muthen, dass Frankreich die Christenheit und das Reich bei solcher 
Noth vor dem Erbfeind auch noch innerlich werde turbiren und über- 
fallen wollen, also würde auch die Hoffnung eines beständigen Friedens 
desto näher sein, wann selbige Eron sehen sollte, dass der Cburfürst zu 
Brandenburg sich mit E'. E. M. festsetzen thäte. Die Unterstützung des 
Kaisers bei den Generalstaaten wegen Zahlung der Subsidienrückstände kann 
Lamberg versprechen ; ebenso die Erhebnng des von Schweinitz, des Hofmeisters 
des jungen Prinzen, in den Herrenstand. 

Berathen am 19. Juli 1683 praesentibns Zinzendorf, Königsegg, Stratman ; 
Bewer und Koch. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Potsdam 21. Juli 1683. (Or.) 

[Anhalts Bemöbungen im Interesse des Kaisers. Vertrauen des Eurfärsten zu Anhalt 
Herabminderung der Truppenzahl und Befriedigung Derfflingers. Forderungen Bran- 
denburgs. Ostfriesland. Jägemdorf. Anhalts Ansicht bezüglich der übrigen schle- 
sischen Prätensionen. Seine Unterredung mit dem Kurfürsten über die Stellung 
zu Frankreich. Ansicht Lambergs über Friedrich Wilhelms Gesinnungen. Aeusser- 
ungen desselben an R^benac. Brandenburg- braunschweigische Allianz. Derfflinger.] 

Anhalt hat sich besondere Mühe gegeben den Kurfürsten für die Sache 21. JnlL 
des Kaisers zu gewinnen, es gelang ihm auch den Knrfürsten zu dem Aus- 
sprache zu vermögen, sie spürten nun ganz bell und klar, wie aufrichtig 
und wohl er es mit ihre meine, setzte derowegen ihr völliges Ver- 
trauen in seine Person und wollte die Negociation an E*^. E. M. Hof 
nebenst einer absoluten Pienipotenz seiner eigenen Vernunft und Wohl- 
meinuDg heimgeben. 

Lamberg versucht Anhalt zu bewegen für die Herabminderung des Corps 
auf 6000 Mann zu wirken ; dies gelingt, nur wird, um Derfflinger zu versöhnen, 
der 12000 commandiren will, demselben von Anhalt versprochen, beim Kaiser 
dahin zu wirken, dass zu den 6000 Brandenburgern noch 3 — 4000 Kaiserliche 
stossen und unter Derfflingers Commando stehen sollten. Was nun die vor 
den schickenden Succurs churfürstlicher Seiten verlangte Gegenpraesta- 
tiones betriflFt, so scheint der H'. Cburfürst auf seiner ersten Unterhalts- 
praetension von 300000 Tbalern verbleiben zu wollen, vorderst noch die 
Begierd zeigend das Fürstenthum Ostfriesland an ihne für das neulich 
specificirte Quantum der 100 000 Reichsthaler assignirt zu haben. Wegen 
Jägerndorf eröffnete mir der Fürst es dahin gebracht zu haben, dass 

Vergl. Pachner 1. c. II. 457 ff. 



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1080 I^* Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

Ch. D. Ton ihrem vorigen petito auf Land and Leat oder das Herzog- 
tbam Selbsten abgewichen und sich nonmehr mit baarem Geld, ia wohl 
mit 200000 Thalern befriedigen würde, der Fürst auch selbst dahin 
arbeite, damit solches Geld zu Erkaafdng anderer Güter verwendet 
werden möchte. Die von dem Meinders ausgefundene unrichtige Prae- 
tension auf die 3 Herzogthümer zu treiben, will der Fürst nicht über- 
nehmen, hofift auch, dass man davon abstrahiren werde. In Beförderung des 
Friedens mit Frankreich findet er sich zwar zu instruiren, iedoch nur 
selbige mit aller Bescheidenheit zu treiben und immer vorzustellen, dass 
die Behauptung Strassburgs S'. Ch. D. eine fast unthunliche Sach be- 
dünke, vermeinend, wann alles das übrige von erwähnter Eron zurück 
zu bekommen wäre, der Frieden noch wohl erkauft sein würde. Als 
aber der Fürst diesfalls Fragweis eingewendet, ob bei Hinterlassung 
Strassburgs, gleichwohl Lothringen und Zwey brück herüber kommen 
würden, antworteten sowohl der H^ Churfürst als Fuchs, so dabei ware^ 
sie könnten nicht glauben, dass Frankreich sich amicabiliter dahin ein- 
lassen würde. Darauf insistirte der Fürst weiter mit dem Vorschlag 
und Frage, wann Zwey brück für Schweden zu erhalten wäre, dieses 
herentgegen Stettin an I. Ch. D. überlassen wollte, ob man nicht auf 
Restitution solchen Herzogthums beharren sollte, welches dann allen 
beiden trefflich in die Augen gefallen. {: Der Fürst aber thäte mich 
versicheren, dass, ungeachtet aller mitnehmender Instruction, er gegen E. 
E. M. und des Reichs Interesse zu Linz so wenig negotiiren, als zu Re- 
gensburg votiren wolle : |. Im allgemeinen hält Lamberg des Kurfürsten Ge- 
sinnung für gut; er fürchtet nur Einwirkungen von aussen her. Lamberg hat 
erfahren, dass als gestern der französische Minister in gehabter Audienz 
bei dem Herrn Churfürsten selbigem fast bedrohlich zugesprochen, sein 
Eönig würde die churfürstliche gegen E^ E. M. Interesse sich mehr und 
mehr äusserende Demarches änderst nicht als empfindlich aufnehmen 
können, I. Ch. D. darauf versetzt, das Hemd sei ihre näher als der Rock 
und seien sie ein Churfürst des Reichs, hätten E'. E. M. Hilf gegen den 
Türken versprochen und wollten noch ein mehrers thun, als sie bis dato 
resolvirt hätten*). Worüber der Franzos sehr consternirt worden und 
finden sich insgemein bei gross und klein die Gesichter gegen ihn so 
verändert, dass mich fast selbst nicht in die Metamorphosin zu schicken 
weiss und die Hand Gottes bei dem Werk, so alles so unvermuthlich 
umgekehret, greiflich spüren muss *) Der Kurfürst wünscht, dass jetzt gleich 

1) Vergl. ürk. u. Act. IH. 740. 

3) Vergl. Klopp, Das Torkenjahr 1683, 268. 



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Ansichten Anhalts. Tnrkenhilfe. 1081 

aacfa die spanische Angelegenheit TÖllig geordnet werde. Der Fürst von An- 
halt hat die brannschweig-brandenburgische Allianz in solchen Stand gebracht, 
dass dieselbe auch in seiner Abwesenheit abgeschlossen werden kann ^). Derff- 
linger betont Lamberg gegenüber, wie gerne er für den Kaiser kämpfen mochte. 



Der Kaiser an Lamberg. Dat. Passau 21. Jnli 1683. (Conc.) 

[Tnrkenhilfe. Allianz mit Brandenburg.] 

Lamberg soll trachten, dass die Absendung der Hilfstmppen Sachsens'} und 21. Juli. 
Brandenburgs so rasch als möglich erfolge ; er kann dem Kurfürsten von Bran- 
denburg die Versicherung geben, dass der Kaiser die geplante Allianz auch 
dann in einer den Interessen Brandenburgs entsprechenden Weise werde zum 
Abschlüsse bringen lassen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Juli 1683. (Or.) 

[Bemühungen der Franzosen Friedrieb Wilhelm Ton der Unterstützung Leopolds 
gegen die Türken abzuhalten. Lotbringische Angelegenheit] 

Die Franzosen setzen ihre Bemühungen fort den Kurfürsten von einer 28. Juli. 
Unterstützung des Kaisers gegen die Türken abzuhalten. Der Herzog von 
Sachsen-Lauenburg hat im Namen des Herzogs von Lothringen Hilfe vom Kur- 
fürsten erbeten, aber keine andere Antwort erhalten als Lamberg'); insbesondere 
betonte auch diesmal der Kurfürst die Nothwendigkeit des Friedensschlusses 
mit Frankreich*). 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat Potsdam 18./28. Juli 1683. 

(Or.) 

[Türkenbilfe.] 

Lamberg hat des Kaisers Schreiben vom 22. Juli übergeben*) und auch münd- 28. Juli, 
lieh die Gefahr vorgestellt, in der sich der Kaiser durch den Anmarsch der Türken 
befinde. Der Kurfürst erkennt die Gefahr, welche dem Kaiser droht, ist auch 
bereit ihm zu helfen, zu welchem Ende ich meinen in Preussen stehenden 
Regimentern bei übermorgender Post Ordre zusenden werde, aufzubrechen 
und zu marchiren. Anhalt dürfte schon angelangt sein und mitgetheilt 

Die Allianz wurde erst am 2. Aug. 1684 geschlossen; Morner 1. c. 460 ff. 

3) Für die sächsischen Verhältnisse Klopp, Das Türkenjahr 1683, 261, 290ff. 

^ Vergl. Klopp, Das Türkenjabr 1683, 271. 

*) Als Beilage zu diesem Schreiben übersandte Lamberg ein sehr interessantes 
Schreiben Rebenacs an Fuchs und dessen Antwort; abgedruckt bei Klopp, 0., Das 
Türkenjahr 1683, Anhang 547ff.; vergl. auch Text 268ff. 

^ Liegt nicht vor. 



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1082 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

haben, was ihm anfgetragen worden sei. E. E. M. können versichert sein, 
dass alle die Vorstellungen, so I. L. meinetwegen thun werden, aus treuen 
Gemüth gegen E. E. M. herfliessen und dass ich bei itziger äussersten 
Noth darzuthun verhoffe, wie redlich ich es jeder Zeit mit E^ E. M. und 
dero Erzhause gemeinet. Wegen der Anzahl, Zeit, Orts und Anzuges 
meiner Truppen will ich mich alsdann erklären, wann vorermelter Graf 
von Lamberg von seiner Reise nach Dresden wird zurückgekommen sein, 
weil ich mich deshalb in so geschwinder Eil nicht völlig entschliessen 
kann. 

Gutachten vom 8. August 1683. (Conc.) 

[Beratbung mit Anhalt. Dessen Aaseinandersetzungen nber die allgemeine Lage, 
über die Nothwendigkeit des Friedens mit Frankreich und aber die Verhandlungen 
Larobergs zu Berlin über die Türkenhilfe. Praetensionen Brandenburgs auf Jägemdorf, 
Liegnitz, Brieg und Wohlau. Verhandlungen der Räthe mit Anhalt. Erwägungen der Räthe 
am 8. Aug. über die Unzweckmässigkeit der Annahme der brandenburgischen Aner- 
bietungen. Nothwendigkeit trotzdem mit dem Kurfürsten auf gutem Fuss zu bleiben. 
Rathschläge für die weiteren Verhandlungen mit Anhalt. Derfflingers Erhebung zum 
Feldmarschall des Kaisers. Fuchs. Personliches Erscheinen des Kurfürsten zu Regens- 
burg. Dänemarks Pläne gegen Lübeck.] 

8. Aug. Bei der Berathang mit dem Fürsten von Anhalt am 7. Aug. bringt dieser 

vor, wie gefährlich die Lage des Kaisers sei, dass aber ausgiebige Hilfe 
von dem Reiche zu erwarten stünde, falls man vor Frankreich sicher wäre. 
Das sei man aber nicht; dazu komme, dass Dänemark Lust zeige gegen 
Schweden und Braunschweig vorzugehen*). Demnach stehe leicht zu er- 
achten, dass da der Ttirk also ab Oriente, der Franzos ab occidente 
gegen dem Rhein and Dänemark a septentrione gegen Bremen und Pom- 
mern dem Reich zugleich also zusetzten, in was Confusion und Convo- 
lution alles gerathen müsste; dass demnach vor allem dahin zu sehen, 
wie die Sach aufs ehist und best gegen Frankreich in Sicherheit zu 
stellen und sich also der Rücken frei zu machen seie, um mit desto 
bessern Vigor und Nachdruck die mit dem Reich zusammensetzende 
Kräften gegen den Erbfeind zu gebrauchen. Dabei dann des Churfarsten 
Intention im geringsten nicht seie gedachter Krön einigen Vorthl hier- 
durch zuzuspielen, (als worgegen er protestire); hingegen aber, seinen Eifer 
E^ K. M. und der Christenheit um so mehr zu contestiren, bereit seie, seine 
Hülf sogleich zu schicken und allein bedaure, dass sein jetziger Gesundheits- 
stand ihme nicht zulasse in eigner Person demselben gegenwärtig zu sein'). 



>) Vergl. Puf. 1. c. XVIIL 95; Carlson 1. c. V. 261 ff. 
2) Vergl. Puf. 1. c. XVIIL 95. 



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Beratbung der kaiserlichen Räthe mit Anhalt. 1063 

Anhalt berichtet ferner, was massen der Graf von Lamberg nach em- 
pfangenen Nachricht des urplötzlichen türkischen Vorbruchs eine Hülf vom 
Churfürsten und zwar auf die ihme wegen der Anzahl beschehene Anfrag 
auf 6000 Mann begehrt, die auch der Churfürst sobald auf 4500 zu Ross, 
1000 Reuter und 500 Dragoner mit aller Zubehör resolvirt habe und ob 
ihm schon diese Anzahl gegen der so grossen Noth gering und dass mit- 
hin das Volk nur auf die Schlachtbank würde geführt werden bedünken 
wollen und dahero von 12 — 13000 offerirt; gleichwohlen, als der Graf 
von Lamberg etwa gewisser Absehen halber ein mehrers nicht annehmen 
wollen, dabei acquiescirt seie, doch da solche 6000 Mann auf churfürst- 
liche Spesen zu erhalten sein werden, dass denselben bis zutn Ort der 
Operationen E. K. M. Brod, Eier, Salz und Fütterei beischafifen und 
reichen liessen, welches dann auch der Graf von Lamberg gebilliget habe; 
wie dann auch, da der Churfürst auf allen fernem Nothfall seine ganze 
Macht oflferire, dass ihme auch hinwiderum die anerbotene 200000 Reichs- 
thaler jährlich und zwar in richtigen Quartalen sollen gefolget werden; 
wie dann noch ferners auch, da der Churfürst auf vorgedachten eventum 
noch grösserer Noth seine Völker in Reserva halten müsste, dass noch 
andere 100 000 Thaler hinzugesetzt und entweder baar gereicht oder auf 
Ostfriesland, Bentheim und Rietberg assignirt würden; item dass E. E. M. 
das Subsidienwerk mit der Eron Spanien also zum Effect poussiren 
wollten, dass ihm die vergleichende 200 000 Thaler an baarem Geld so- 
gleich und dann die andere 300000 Thaler in Salz mit richtigen Ter- 
minen bezahlt werden. Im Uebrigen, da der Churfürst zwar Bedenken 
trüge E. E. M. dermalen bei solchem Nothstand mit seinen Praetensionen 
zu behelligen, hätte er doch wegen der Jägerndorfischen nicht unerinnert 
lassen sollen, ob ihme darfür 200000 Thaler in Geld möchten ausgefolgt 
werden, wormit dann, wie er von der Praetension an Land und Leut 
und E'. E. M. abstünde, darfür aber von Sachsen -Weissenfeis dessen 
feilschlagende Aemter, Querfurt, Jüterbog, Dahme und Burg zu kaufen 
vorhabe, E. E. M. ihme zu solchem Eauf gnädigst helfen wollten. Wegen 
der 3 Fürstenthümer Brieg, Liegnitz und Wohlau, wollte er diesmal ab- 
strahirt haben, damit es nicht scheine, als wann er ex publica calami- 
tate seinen Vorthl machen wollte, des Versehen, dass diese seine Con- 
tinenz ihme nicht praejudiciren, sondern zu künftiger desto leichterer Er- 
haltung billiger Satisfaction dienen werde. 

Hierauf nun, wann diese conditiones von E^ E. M. gebilliget und 
eingegangen würden, seie ihm ein Allianzproject darüber zu E^ E. M. 



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1084 IX. Lamberg in Berlin, Änh&lt in Wien. 1682—1684. 

Approbation committirt worden, also zwar, dass sobald darauf — der 
Ratification auch unerwartet — die Völker anmarchiren, von denen kai- 
serlichen commissariis ülj^mommen und hingeführt werden sollen, wo sie 
es gut oder nöthig finden würden. Und wie dann der Churfurst zu 
denenselben ihren Feldmarschall, den Derfflinger, deputirt hätte, also 
und damit des Commando halber aller Stritt und Difficultät vermieden 
bliebe, der Churfurst verlangen thue, dass wie vor diesem der Sparr*), 
also auch diesmal der Derfflinger zu E'. E. M. Feldmarsohall möchte 
declarirt werden. Andere geringere zur Allianz gehörige puncta, als die 
Recrutirung und dergleichen mehr betreffend, würden auf denen vorigen 
Allianzen de annis 1672, 73, 74 leicht zu nehmen sein und communi- 
cirte endlich dabei, wie der Churfurst sich noch erst allerjüngst gegen 
Chursachsen in Antwort habe vernehmen lassen, dass in eventum der 
errichtenden Sicherheit von Frankreich und Schweden er mit 15000 
Mann in eigner Person oder durch seinen Feldmarschall gegen den 
Türken anziehen wollte'). 

Die Rätbe nehmen alles ad referendnm, betonen aber, wie der Succurs 
kein moram leide, sondern in aller Schleunigkeit nöthig, mithin auf viel 
tractirens nicht anzubinden, da doch die gestellte conditiones schwerer 
schienen, als dass solche zu praestiren und mithin dem Tractat so ge- 
schwind abzuhelfen dermalen weder im Vermögen noch Kräften £'. K. 
M. stünde, absonderlich da er Fürst nicht begewaltiget sein sollte die- 
selbe um ein gutes zu moderiren. Der dann sogleich replicirte: Es wäre 
seines Stands nicht durch viel gradus und ambages zu negotiiren, son- 
dern obvermeltes seie alles, so er in commissis habe, worüber innerhalb 
3 Tagen leicht ein ganzes gemacht, darauf in 5 Tagen ein Courier zu 
Berlin sein könne und die Völker alsobald heranrücken würden; ohne 
seie nicht, dass die conditiones etwas schwer; der Vorthl und Nutzen 
aber, den £. E. M. daraus zu ziehen hätten, würde leicht alles suppliren. 

Am 8. haben die Räthe über diesen Vortrag des Fürsten von Anhalt be- 
rathen und gefunden, dass was Anhalt vorgebracht mit dem übereinstimme, was 
Lamberg berichtet hat. 

Anbelangend aber, dass der Churfurst bei diesem betrübten Zustand 
seine Seiten so hoch spannen und aus der allgemeinen Calamität in 
particulari so hohen Nutzen von E^ K. M. ziehen will, solches fallet nicht 

1) Otto Christof Freiherr von Sparr war im Türkenkriege 1663—1664 Föhrer 
der Brandenburger in Ungarn gewesen. Vergl. über ihn Klaprotb L c 354 f., speciel) 
über seine Thätigkeit im Jahre 1664 Urk. u. Act. XL 326 ff. 

3) Inhalt der Proposition Anhalts bei Pnf. 1. c. XVIII. 95; Droysen 1. c. 754 ff. 



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ürtheil der kaiserlichen Rathe über Brandenburgfs Forderuiiffen. 1085 

änderst ah sehr hart und untröstlich und will darsu noch fast scheinen, 
dass dessen Succurs wenigst Wien zu entsetzen nicht mehr in tempore 
ankommen dörfte, hernach aber bei herzurückenden Winter denen Erb- 
landern mehr beschwer- als verhiilflich sein würde*); dass also, wann 
Dicht die Reflexion dahin zu machen wäre, dass man ihne, Churfursten, 
diesfalls sollte fahren lassen, zu besorgen und gleichsam sicher seie, dass 
er auf die französische Seiten völlig wieder fallen werde, (sie) Es will 
aber bei allem deme aus der vorabgehörten anhaltischen Vollmacht nicht 
scheinen, dass der Churfurst sich völlig herüber begeben, die französische 
Partei quittiren und mit E'. K. M. sich alliiren wolle, indeme dieselbe 
sich durchaus nur auf den Türken restringirt und also die Allianz, so 
durchaus mit E^ K. M. und dero löblichem Erzhaus unter so grossen 
Geldpraestationen intendirt wird und vom Grafen von Lamberg proiectirt, 
den churfürstlichen ministris eingereicht worden, tacite praeterirt und 
angeslellt. bleibt. Wie jedoch aber bei gegenwärtigen so unglücklichen 
Stand alle Unfälle noch femers reiflich vorzusehen seind, so etwa die 
flichtentsetz- und Verlierung der Stadt Wien, oder sonst einen unglück- 
lichen Streich, da Gott vor sei, nach sich ziehen kann und dann, damit 
man den Churfursten im widrigen nicht gar zum Feind habe, vermeinen 
die gehorsamste deputirte geheime Räthe, dass dessen Behandlung keines- 
wegs aus Händen zu lassen, sondern unterdessen seine oblationes, so- 
¥rohl ietzt gegen den Türken mit 12000 Mann, als auch künftig, wann 
das römische Reich mit Gewalt sollte angefallen werden, mit aller seiner 
Macht zu succurriren, zu Dank anzunehmen seien. 

Die Räthe sind daher der Ansicht, man möge dem Kurfürsten für sein 
Anerbieten danken und bezüglich der Sicherheit gegen Frankreich mit dem er- 
widern, was man über diesen Punkt unlängst sowohl zu Regensburg ^, als auch 
den geistlichen Kurfürsten hat vorstellen lassen. 

Soviel aber die specificas conditiones belangt, so der Churfurst gegen 
dem vom Grafen von Lamberg begehrten Succurs von 6000 Mann sich 
bedingt und zwar gegen obverstandene 200000 Thaler baar Geld in 
richtigen Quartalen, 100000 Thaler in Assignationen an Ostfriesland, 
Bentheim und Rietberg, item 200 000 Thaler wegen der jägerndorfischen 
Praetension, als mit welchen er auch um so weniger wird zuwarten 
wollen, als die 4 Aemter, so er von Sachsen -Weissenfeis darvor zu 



^ Diese Stelle wortlich bei Klopp, Das Türkenjahr 1683, 377; auch sonst ist 
dieses Votum bei Klopp citirt. 

3) Decret Tom 24. Juiii/4. Juli 1683, Pachner y. Eggerstorff 1. c. II. 457 ff., Tom 
30. Juli/9. Aug. 1683 U. 466 ff. 



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1086 IX. Lambergr in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

kaufen Willens, kurzer feil bleiben oder von andern möchten Torgekauft 
werden; dass also E. K. M. fast^uf einmal 400000 Tbaler zu gerechtlen, 
der Churfürst aber wegen des Anzugs seiner Turkenhülf mit mehrge- 
dachten 6000 Mann diesmal von E'.K.M. 500 000 Thaler, auch so viel 
von Spanien wegen des Subsidienrest und dann ingleichen von Holland 
bis in die 300 000 und also zusammen 1 300 0000 Thaler zu gewarten 
hätte, ohne dass man noch einigergestalt sicher oder sehen könne, dass 
der Churfürst ausser dieser Türkennoth sich mit E^ K. M. und dero löb- 
lichen Erzhaus zu alliiren gesinnt seie, dahero solches wohl zu beobachten 
und unter andern auch also zur Gewissheit zu treiben sein wird, dass 
man die vom Lamberg proiectirte Allianz insoweit an den vorhabenden 
Tractat gegen den Türken anbinde und dem Fürsten von Anhalt be- 
deute, dass E. E. M. zugleich selbige Allianz nach dem Lambergischen 
Project, insoweit als die churbrandenburgische ministri seiner Relation 
nach nichts darwider gehabt haben, zu schliessen bereit wären; da sich 
alsdann schon ergeben wird, ob er sich auch darzu bevollmächtigt finde, 
oder in Fortsetzung des türkischen dieses wolle declinirt werden. Ob 
und um wie viel höher aber der Churfürst die conditiones des Geldbei- 
trags erhöhern wollte, wann die von ihm anerbietende 12000 Mann 
sollten acceptirt werden, hätte man gegen den Fürst von Anhalt darvon 
völlig zu abstrahiren; sollte derselbe aber von selbst darauf antragen 
und verharren, auf solchen Fall man in Remonstrirung solch unerschwing- 
licher Mittel gleichwohl wieder zurück auf die Bedingung der 6000 
fallen könnte. 

Man könnte Anhalt femer vorstellen, wie schwer es dem Kaiser unter den 
herrschenden Verhältnissen sei Geldsubsidien zu gewähren, worbei dann, wie 
auch E. E. M. nicht gern auf ein mehreres sich einlassen wollten, als sie 
zu erfüllen sich getraueten, so wollten sie doch, um den Churfürsten auch 
einigermassen in seinem Verlangen zu begegnen, sich aufs letzte an- 
greifen und 100000 Reichshaler Quartalweis an Geld aufbringen, auch 
ihre officia mögligst einwenden, damit ihm an Assignationen in der Güte 
ebensoviel erfolgen möge, wie dann etwa auch destwegen mit dem hanno- 
verischen Abgesandten allhier, dass sein Principal dem Churfürsten obge- 
dachte Stände, als Ostfriesland, Bentheim und Rietberg fahren lassen 
möchte, zu reden sein möchte; ein mehrers befindeten E. E. M. ihro 
ganz unmöglich und wollten sich dahero auf des Churfürsten Grossmüthig- 
keit versehen, dass bei ihrem so grossen Vermögen und da sie einen 
als andern Weg ihre Mannschaft bei diesen beschwer- und gefahrlichen 



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Urtbeil der kaiserUchen R&tbe Aber Brandenb. Forderun^D. 10g7 

Lauften aaf den Beinen halten und unterhalten müssten, die bei ihr 
insoweit mitstehende Rettung auf ein unthunliches nicht femers werden 
treiben wollen. Wie dann femer auch auf die Anforderang, dass die 
Tölker usque ad locum operationum mit Lebensmittel und Fütterei ver- 
sehen werden sollten, dem Fürsten darzustellen sein wird, was ingleichem 
Churbaiem repraesentirt worden und wie derselbe darauf zur Billigkeit 
sich eingefunden habe, mit Anfahrang, zu was Übeln Beispiel und Conse- 
quenz es auch bei andern Auxilianten hinauslaufen würde, wann mit 
ihme, Churfürsten, es änderst als mit ihnen sollte gehalten werden. 

Soviel auch die jägemdorfische Praetension belanget, dass wie ob- 
verstandener Abgang der Mittel die paratam solutionem ebenmässig auch 
dies Orts vor anietzo impossibilitire, also, und obschon bereits vielfaltig 
remonstrirt worden, dass der Churfürst darunter einiges Recht nicht habe, 
wollten jedoch E. E. M. ihme, Churfürsten, das zu praestiren nicht unter- 
lassen, was zu Erhaltung guter Freundschaft und Verstandnus mit ihme 
schon anerboten worden, allein dass er damit bis zur Endigung dieses 
beschwerlichen Kriegs zu warten und zu obermelten Erkaufung der 
sachsischen 4 Aemter das Geld aus seinen Mitteln inzwischen herschiesse ; 
da dann^ wann änderst von dem Churfürsten zu Sachsen ermeltem Ver- 
kauf keine Opposition geschehen sollte, E. E. M. zu dessen Facilitir- und 
Beförderung ihre ofßcia nicht würden ermanglen lassen; des femera 
gnadigsten Versehens, dass der Churfürst sich inzwischen auch wegen 
der 3 Fürstenthümer Brieg, Liegnitz und Wohlau besser werde informiren 
lassen und begreifen, wie wenig einiger Ansprach femers darauf zu fün- 
diren stehe. 

Die Eraennong Derfflingers zum kaiserlichen Feldmarschall, sowie die Adels- 
erhebuDg des Fochs rathen die kaiserlichen Minister zuzugestehen. Endlich sei 
dem Kurfürsten mitzutheilen, dass der Kaiser sich im October persönlich nach 
Regensburg begeben werde, um dort wegen des Friedens mit Frankreich und 
der Reichssicherung berathen zu lassen , wozu des Kurfürsten personliches Er- 
scheinen gewünscht wird. Da verlaute, dass Dänemark einen Angriff auf Lübeck 
vorhabe, soll Lamberg den Kurfürsten um seine Vermittelung angehen '). 

Berathen am 8. Aug. 1683 praesentibus Zinzendarf, Königsegg, Stratmann, 
Secretiie Bewer und Koch. 



Vergl. Droysen 1. c in., 756. 



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1088 IX. Lamberg in Beriin, Anhalt In Wien. 1682 — 1684. 

Bescheid fllr Anhalt. Dat. Passau 11. Ang. 1683. (Conc.) 

[UebereiDstimmung der Ansichten des Kaisers und des Kurfürsten bezüglich der Notb- 

wendigkeit des allgemeinen Friedens. Verhandlungen in Regensburg. Erwiderung 

auf die kurfürstlichen Anerbietungen.] 

11. Aug. Der Kaiser befindet sich in voller üebereinstimmung mit dem Kurfürsten 
bezüglich der Nothwendigkeit der Herstellung des Reicbsfriedens , allermassen 
solches die viele Schickaogen, kaiserliche officia, auch unterschiedliche 
in Regensburg und die allererst allda 2 letztere eingegebene kaiserliche 
decreta^) gnugsam bezeigen, worauf sie und sonderlich auf das von 
Frankreich iüngst anerbotene Alternativum *) von den des heiligen, römi- 
schen Reichs Churfnrsten, Fürsten und Standen befurderliche Gutachten 
erwarten und nicht vermuthen, dass der allerchristlichste König sich 
des gegenwärtigen Turkenkriegs zu seinem Vortheil bedienen, noch auf 
der Zeit, ad ultimum gegenwärtigen Monats Augusti, werde bestehen und 
dadurch in Ansehung der Inpracticabilität der so sehr bedrängten 
Christenheit mehrers eine Begierde zum Krieg als zum Frieden werde 
darstellen wollen. 

Der Kaiser reist im October nach Regensbarg und ersucht den Kurfürsten 
dort persönlich zu erscheinen und den König von Frankreich zur Annahme 
eines billigen Friedens günstig zu stimmen. Auf allen Fall aber gereichet 
P. K. M. zu sonderbarer gnädigster Consolation, dass mehr hochgedachte 
S. Ch. D. vermög dero Weltbekannter Generosität sich anerbieten, allen 
feindlichen Attentaten, so sich gegen das römische Reich ereignen 
möchten, mit allen dero Kräften sich patriotisch zu widersetzen, so sie 
nunmehr im Werk selbsten erweisen, indem sie P. K. M. dero Hülf 
wider den Erbfeind . . . beförderlich anerbieten. 

1^. Solchemnach thuen I. K. M. erstens die Hülf per 12 000 Mann 
(so vermuthlich in 8000 zu Fuss und 4000 zu Pferd bestehen möchte) 
mit gnädigstem Dank annehmen und sich dahin verlassen, dass selbe 
zu Ende dieses laufenden Monaths Augusti oder längstens inner den 
ersten 8 Tagen des nächstkünftigen Septembris sich mit dero kaiser- 
lichen Armee coniungirter befinde, damit sonderlich die so stark bela- 
gerte und beängstigte Stadt Wien (an dero dem toto äusserist gelegen 
ist) desto zeitlicher und kräftiger succurriret werde'). 

1) Gemeint ist das vom 3. Juli, dictatum 4. Juli, und das vom 7. August, dicta- 
tum 9. Aug.; Pachner von Eggerstorff 1. c. II. 454 f., 466 ff. 

*) Vergl. Pachner von Eggerstorff 1. c. II. 464 ff.; Puf. 1. c XVUI. 103; Droysen 
1. c 735 f.; Fester 1. c. 52ff.; Müller 1. c. 96. 

>) Dazu bemerkt Anhalt ad I.: »Wird das Protocoll in der Conferenz klärlich 



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Bescheid fär Anhalt. 1089 

2^ Und dass solches andertens mit behörigen Feldstäckel und allen 
andern Zugehör ohne P. K. M. Entgelt geschehe. 

3^ Belangend drittens bei dem Marsch durch die kaiserlichen Erb- 
lande das Brod, Bier, Fleisch, Fourage und dergleichen, werden I. K. M. 
die Notdurft in billichem Preis verschaffen, jedoch gegen Bezahlung, gleich- 
wie es also mit P. Ch. D. zu Baiern, den schwäbisch-fränkisch- und 
rheinischen Kreisen und selbigen unirten Ständen gehalten wirdet und 
dannenhero die Consequenz allzu beschwerlich wäre, weilen solches auch 
io vorigem Krieg von niemanden beschehen, dergleichen auch die Stände 
in den Erblanden an ihren Collecten compensiren, dannenhero I. K. M. 
bei dero ohne das ohnerschwinglichen Ausgaben ein allzngrossen Last 
nach sich ziehen würde ^). 

4^ Herentwegen anerbieten sich I. K. M. 4'*"* P. Ch.D. wehrenden 
Turkenkriegs von Anfang der wurklichen Conjunction alle 3 Monat 25000 
Thaler aus eigenen Mitteln würklich zu erlegen , dann nicht weniger pro 
rato temporis des Turkenkriegs eine gleichmässige summa auf künftige 
Römermonat, die vor ietzo oder inskünftig die Stände des Reichs ver- 
mutlich nit versagen werden , alsogleich zu assigniren und endlich 
auch dero höchste kaiserliche officia kräftigst und unverzüglich an- 
zuwenden, damit ein oder anderer Stand des Reichs mit einiger Hülf 
an Geld beispringe, vermittelst dessen P. Ch. D. nicht weniger wie oben 
gedacht pro rato temporis mit dem dritten 100000 Reichsthaler grati- 
ficiret werden möchte*). 



zeigen, dass zum Succurs gegen den Türken in allem 6000 Mann, als 4500 zu Fuss, 
1000 zu Ross und 500 Dragoner auf eigene Kosten zu unterhalten sein offerirt wor- 
den; sollten aber I. K. M. wegen der höchsten Nothwendigkeit und Gefahr noch an- 
dere 6000 Mann, daraus ich nicht instruirt bin, verlangen, so wird man zuvoraus 
Ii*. E. M. an I. Ch. D. Resolution vernehmen müssen, gestalt dann nicht gezweifelt wird, 
dass, wann man sich von andern Orten keines feindlichen Einfalls im Reich zu be- 
fahren haben wird, S. Ch. Gn. zu Schickung der andern 6000 Mann und also ins- 
gesammt in die 12000 Mann wohl absolviren werden. 

') Dazu bemerkt Anhalt; der Marsch wird beschleunigt werden, doch soll der 
Kaiser Vorkehrung treffen, dass den Truppen auf dem Marsche Brod, Bier, Salz, auch 
Fourage für die Pferde ohne Entgeld gegeben werde, oder wenn das nicht möglich, 
dass die 25 000 Thaler gleich bei Anfang des Marsches in die kaiserliche Crblande 
gezahlt werden möchten. 

>) Ad 4 bemerkt Anhalt, es möge heissen: „Von Anfang der wirklichen Con- 
iunction sogleich 25 000 Reich sthaler aus eigenen Mitteln wirklich zu zahlen und 
alle 3 Monat mit solcher Zahlung zu continuiren, zu assigniren, oder in Entstehung 
dessen andere Satisfaction zu verschaffen und endlich in specie zu Bremen, Ostfries- 
land, Bentheim, Rietberg. 

Mmter. t. OMcb. d. 0. Kurf&rtUti. XIV. 3. 69 



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1090 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

5°. Die von R K. M. in Spanien anerbotene 200000 Thaler in 
Geld und 300 000|Thaler in Salz belangend, beruft man sich auf des 
H". Grafen von Lamberg diesfalls geführter Negociation, warbei es sein 
alligliches Verbleiben haben, auch zu dessen effectuiren I. K. M. niemalen 
ermanglen wirdet. 

6®. Nicht weniger 6®. lassen es I. K. M. wegen Jägerndorf bei den 
200000 Thaler verbleiben, obwohlen sie sich de jure zu nichts obligat er- 
kennen, sondern allein um zu erzeigen die sonderbare Estime und 6e- 
wogenheit, mit welcher sie zu P. Ch. ü. beständig geneiget seind, jedoch 
solchergestalt, dass deren Bezahlung allererst nach vollendtem Türken- 
krieg auf vergleichende Termin erstattet und herentgegen von den 3 
Fürstenthümern, als warzu keine Praetension mit Recht gesucht werden 
kann, abstrahirt werde. Im üebrigen werden I. K. M. zu Erkaufung der 
angedeuteten 4 Aemter bei des H**. Herzogs zu Weissenfeis fürstlichen 
Gnaden (da änderst I. Ch. D. zu Sachen nit darwider sich setzet) ihre 
officia beizulegen nit ermangeln^). 

Dieses ist dasienige, was I. E. M. auf Anfangs gedachte von des 
H°. Fürstens zu Anhalt fürstliche Durchlaucht beschehene Proposition zu 
einer Interimsverbescheidung anzufügen allergnädigst befohlen haben; 
jedoch verstehet sich ausgeworfene und theils von P. E. M. selbsten über- 
nommene und theils in Assignationen angewiesene Quantum des Geld- 
subsidii ausdrücklich dahin, dass I. Ch. D. nit weniger und zugleich 
das foedus mit P. E. M. vermög des von dem Grafen von Lamberg be- 
schehen Vor- und Antrags zu schliessen ..., diesfalls aber die verlangte 
höchstnöthige Hülf nit verschieben, sondern nach der kaiserlichen Armee 
mit zeitlicher Benachrichtigung an die Lande in möglichster Eil zu über- 
schicken femers nit anstehen werden. 

Dem Kaiser wäre es sehr angenehm, wenn der Fürst von Anhalt das 
Commando über das brandenburgische Hilfscorps übernehmen würde, sonsten 
ist die Person des H°. Feldmarschall Derfflinger, als eines valerosen, 
erfahrnen Soldaten und guten Patrioten sehr angenehm, welche auch 
I. E. M. iedoch mit Vorbehalt eines andern zu ihrem Feldmarschall zu 
declariren, gleichwie auch das übrige vermög der vorigen zwischen derosel- 
ben und P.Ch.D. getroffenen foederum einzurichten, kein Bedenken haben*). 

^) Ad 6 bemerkt Anhalt : „ Jedoch solchergestalt, dass man mit deren Bezahlung 
bis nach vollendtem Turkenkrieg in Ruhe stehen und man sich wegen der Praeten- 
sion der 3 Fnrstenthümer unter einander zu Behauptung seines Rechts in der Qüte 
yemehmen könne. ^ 

*) Vergl. ürk. u. Act. HL 742. 



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Oesterreich-brandenbur^scbes Vertragsproject. 



1091 



PüDcta foederis Caesareo-Bran- 

denburgici. 

Passau 12. August (Or.) 

1. Nachdem die Rom. Kay. auch 
zu HuDgarn und Böheimb Eon. May. 
einer- wie auch I. Ch. D. zu Bran-' 
denburg andererseits, in sorgsamer 
Erwägung des gefahrlichen gemeinen 
Zustands und sowohl ab Oriente als 
occidenteandringenderConjuncturen, 
zu deren Abwendung, auch Erhaltung 
durch billiche und zulängliche Weg 
eines beständigen, sichern Friedens, 
so innerhalb des römischen Reichs 
als mit denen auswärtigen Potenta- 
ten, eine nähere Znsammensetz- 
nnd Vereinigung unter sich und so- 
fort mit dem gesammten römischen 
Reich vor das erspriesslichste an- 
gesehen ; so haben sie dabei zuvor- 
derist befunden, dass 

2. sothaner Fried, soviel das 
römische Reich betrifft, auf die 
Westphal- und Nymwegische Frie- 
densschluss und deren wahren Ver- 
stand zu Aufhebung aller auswär- 
tiger Vergewaltigung, sogenannter 
Rennionen, praeiudicirlicher attenta- 
tornm und usurpationum im römi- 
schen Reich zu gründen sei; welchen 
dann per amicabilem compositionem 
in Fortsetzung der Tractaten zu 
Regensburg zu erlangen, I.E. M. und 
Ch. D. ihre consilia und vota durch- 
gehends einander vertreulich com- 



Puncta foederis, wie es der Fürst 
von Anhalt mit den Correcturen mit 
sich genommen. 27. Sept.') (Conc.) 



Sothaner Fried, soviel das rö- 
mische Reich betrifft, auf den west- 
phälischen Friedenschluss und Er- 
setzung, was demselben und dessen 
Executionsrecess zugegen gehandlet 
worden, zu gründen sei, welchen 
dann etc. 



*) Gedruckt werden nur die yom Yertragsprojecte vom 12. August abweichenden 
Stellen; wo nichts erw&hnt ist, lautet der Wortlaut des Projectes YOm 27. Sept. genau 
wie der des Projectes Tom 12. Aug. 1683. 

69* 



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1092 



IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 



muDiciren, darin sich vereinbaren 
und dahin cooperiren werden, damit 
alle seithero dem Reich anbillicher 
Weis entzogene und destituirte 
Stand, soviel möglich und insoweit 
man sich mit dem gesammten Reich 
desthalben hiernechst entschliessen 
wird, in ihre hergebrachte deutsche 
Freiheit und vorigen Stand wider 
gesetzt, die übrige aber dabei ge- 
sichert und erhalten werden. 

3. Und sintemalen dann die 
Rahe des Reichs grossen Theils an 
der Ruhe seiner Benachbarten hanget, 
mit welchen es so vielerlei gemeines 
Interesse hat, also, dass deren Un- 
terdrückung, die Zerfallung und 
Convulsion des werthen deutschen 
Vaterlands unumgänglich nach sich 
ziehen würde; als wollen I. E. M. 
und Ch. D. einmüthig dahin bedacht 
sein und es dahin richten, damit 
ein allgemeiner Fried der gesamm- 
ten Christenheit zu gutem errichtet 
und befestiget werde'). 

4. Beiderseits sollen alle inn- 
oder ausserhalb gemachte foedera, 
insoweit sie diesem oder dessen ab- 
zielenden Zweck entgegenstehen 
möchten oder interpretirt werden 
könnten, aufgehoben und allerdings 
abgethan sein. 

5. Sollen beide Theil trachten 
ihre so inn- als ausser Reichs Con- 
foederirte zu dieser Vereinbarung 



damit ein sicherer und bestandiger 
Fried 



foedera (ausser deren, so nur za 
ein oder andern Theils und deren 
Länder Sicherheit, im geringsten 
aber nicht zu P. E. M., des Reichs, 
oder dessen Stände Nachtheil aufge- 
richtet seind) aufgehoben und aller- 
dings abgethan sein'). 



*) Dieser Artikel wurde dann nach g^emeinsamer Yereinbarang in der ersten 
Form in die Secretartikel aufgenommen. Yergl. p. 1104. 
*) Vergl. das folgende Stück. 



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Oesterreicb-brandenburgisches Vertragsproject. 



1093 



oder andere in substantialibas gleich 
absehende foedera zu bringen; 

6. Vorderist aber mit einstim- 
migen Rath und That, auch Half 
der Confoederirten, sich alles Ernstes 
angelegen sein lassen, dass der punc- 
tus securitatis publicae auf dem 
noch wehrenden Reichstag zu seiner 
vollkommenen Würklichkeit ausge- 
macht werde. 

7. Inmittelst aber, um sich und 
das Reich auch particulariter wider 
alle unrechtmässige Anfall und Be- 
drängnus zu beschirmen und zu 
conserviren, wird zwischen P. E. M. 
und Ch. D. hiemit ein foedus ar- 
morum defensivum aufgerichtet; 
darunter beider hohen contrahiren- 
den Theilen respective Königreich, 
Chur- und Erbländer ohne Unter- 
schied, ob sie inn- oder ausser Reichs 
gelegen, auch deren gesammte Häu- 
ser und denenselben zugehörige, in- 
nerhalb des Reichs und dessen 10 
Kreisen oder sonst anderstwo ge- 
legene, doch dem Reich zuverwandte 
Länder, endlich das römische Reich 
sowohl insgesammt, als besonders 
dessen Glieder und Stand begriffen; 
sie seien gleich in ungekränkter 
Possession ihrer Reichsfreiheit bis 
dato erhalten, oder von Zeit des 
Westphal- und Nymwegischen Frie- 
denschluss unbillicher Weis darinnen 
turbirt und destituirt worden. 

8. Und wie dann I. K. M. kraft 
dieses auf den Fall, da P. Ch. D. 



Der Schlusspassus „sie seien 
gleich — worden*^ fehlt in diesem 
Project *). 



1) Vergl. das folgende Stück. 



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1094 



IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 



oder dero Churhauses Lander ino- 
oder ausser des Reichs feindlich an- 
gegriffen würden, deroselben inner 
6 Wochen a die requisitionis oder 
auch ebender, da möglich, mit 8000 
Mann (den dritten Theil an Reutern 
und Dragonern, das übrige aber an 
Fussvölkern) zu Hülf zu kommen 
versprochen; also werden hingegen 
auch, da P. K. M. Königreich und 
Lande inn- oder ausser Reichs, oder 
das Reich insgemein oder dessen 
Stand insbesondere, mithin auch die 
Eron Spanien und andere in ihren 
dem Reich zuverwandten Landen 
feindselig, es seie unter'm Vorwand 
der Reunionen, bedrohlicher Evo- 
cationen, oder wie es sonst Namen 
haben mag, durch Gewalt oder an- 
dere eigenmächtige Thätlichkeiten 
beunruhiget, angegriffen und ent- 
zogen würden, oder auch darzu die 
nahe') Gefahr obhanden wäre, L Ch. 
D. verobligirt seie, denenselben 
gleichergestalt mit 5000 Mann (den 
dritten Theil an Reuterei und Dra- 
gonern, das übrige aber an Fuss- 
volk) inner 6 Wochen a die requisi- 
tionis oder auch ehender, da mög- 
lich, Half zu leisten; beiderseits 
auf eigene richtige Verpflegung und 
Unkosten. 

9. Falls aus oberzählten, hierin 
begriffenen Ländern und Ständen 
2 oder mehr aufer einmal oder einer 
zugleich an 2 oder mehr Orten an- 
gegriffen würde, soll die Hfilfsquota 



mithin, wie andere Reichsstande 
und Glieder also auch die Krön 
Spanien *). 



Vergl. das folgende Stück. 



^ A = neue. 



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Oesterreicb-brandenburgisches Vertragsproject. 



1095 



mehrers nicht als einmal und auf 
einem Ort zu stellen sein. 

10. Da ein oder anderer Theil 
in seinen eigenen Landen angegriffen 
würde (welches zu verhüten man 
doch allen gemeinsamlichen Fleiss 
und officia einzuwenden hätte), soll 
selbiger befugt sein seine Hülfs- 
völker zur eigenen Defension zu- 
rückzurufen; wie ingleichem auch, 
wann sie zur Hülfsleistung noch 
nicht abgegangen wären, zurückzu- 
behalten; desthalbeu dann, da I. E. 
M. dermalen sowohl ab Oriente als 
occidente, respective mit wfirklichem 
Krieg oder dessen ganz naher Ge- 
fahr befangen seind, sie der Dispo- 
sition dieses Artikuls in Zurückbe- 
haltung ihrer Mannschaft, solang 
zwar der Ttirkenkrieg wehret, sich 
in totum, nach dessen Endigung 
aber, dafern sie theils im Reich 
und theils in ihren Erblanden von 
andern feindlich angegriffen wür- 
den, oder solches klar zu besorgen 
stünde, entweder auch ganz oder 
zum Theil werden zu betragen haben. 

11. Wegen des exercitii religio- 
nis, Adjungirung der Eriegsräth, 
Concertirung der Operationen, Com- 
mando, Recrutirung und was der- 
gleichen mehr bei coniungirten Ar- 
meen versehen zu werden pfleget, 
solle es gehalten werden, wie es in 
vorigen Allianzen zwischen V. E. M. 
und Ch. D. versehen worden. 

12. Sollte nicht nur eveniente 



Am Schiasse folgen in diesem 
Projecte noch die Worte: Welches 
dann letztern Falls sich ebenmässig 
auf I. Ch. D. zu verstehen hat*). 



') Vergl. das folgende Stack. 



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1096 



IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 



casa foederis, soDdern auch auf 
allen dessen besorgenden Fall ein 
gemeinsamer Verlass oder Concerto 
der Operationen mit nechstem vor- 
hinausgeschöpft werden. 

13. Und zumalen dann bei ietzi- 
gem so mächtigen türkischen Ein- 
und Ueberfall I. Cb. D. sich eignes 
hochrühmlichen Triebs zu einer 
Hülfleistung von 12000 Mann nicht 
ungeneigt verspüren lassen, so wol- 
len I. E. M. dieselbe nicht allein 
hiemit freund-oheim und inständig- 
lich darum ersucht haben, sondern 
versehen sich derenselben auch dar- 
auf dergestalt, dass solche 12000 
Mann, vermuthlich in 8000 zu Fuss 
und 4000 zu Pferd, mit behörigen 
Feldstückeln und anderer Zugehör 
versehen, gegen den 8 nechstkünf- 
tigen Septembris st. n., oder auch 
ebender, sich mit P. K. M. Haupt- 
armee bei Krems conjungirt befin- 
den werden, damit sonderlich die so 
stark belagerte und beängstigte Stadt 
Wien (an deren dem toto äusserist 
gelegen ist) desto zeitlicher und 
kräftiger könne entsetzt werden. 

14. Belangend die Reichung des 
Brods, Bier, Salz und Fütterung 
beim Anmarche dieses Succurses 
durch die kaiserliche Erblanden, 
werden I. K. M. die Nothdurft in 
billichem Preis, jedoch gegen Be- 
zahlung, beischafifen, auch sonsten 
die behörige Anstalt machen lassen, 
dass zu dessen füglicherer Fortkom- 
mung und Subsistenz die hülfliche 



Und zumalen dann bei jetzigem 
so mächtigen türkischen Ein- und 
Ueberfall I. Ch. D. neben obbesagten 
5000 Mann noch andere 7000 Mann 
obermelter Proposition nach stellen 
werden, als erbieten sich I. E. M. 
hingegen I'. Ch.D. jährlich 200000 
Reichsthaler aus eigenen Mitteln 
dergestalt reichen zu lassen, dass 
von Zeit an der Ratification dieses 
Tractats solche jedes halbe Jahr, 
nach geschehener Coniunction aber 
der churfürstlicben mit denen kai- 
serlichen Völkern quartaliter abge- 
stattet werden, darüber aber auch 
noch jährliche 100 000 Reichsthaler 
auf künftige Römermonat an Stände, 
so I. Ch. D. selbst vorschlagen wer- 
den, zu assigniren, zumalen aber 
auch der Frau Churfürstin Durchl. 
in gnädigster Erkenntnus, was dero 
gute Officien bierunter und zur Be- 
förderung guter Vers tändnus zwischen 
I'. E. M., der Eron Spanien und 
ihrem churfürstlicben Gemahl ver- 
mögen, bei der Ratification dieses 
Tractats 30000 Ducaten in Gold ent- 
richten zu lassen. 



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Oesterreicb-brandenburgiscbes Vertragsproject. 



1097 



Haod und Bequemlichkeit zu Auf- 
richtuDg eines Magazins geboten 
werde. 

15. Zudeme aber auch anerbieten 
sich dieselbe gegen I. Ch. D., weh- 
renden Turkenkriegs von Anfang 
der wfirklichen Coniunction ihro so- 
gleich 25000 Thaler aus eigenen 
Mitteln wurklich zu erlegen und 
alle 3 Monat mit solcher Zahlung 
zu continuiren, dann nicht weniger 
pro rato temporis des Türkenkriegs 
jährlich 100000 Reichsthaler auf 
die künftige Römermonat, so vor 
ietzo oder inskünftig die Stande des 
Reichs ihro hoffentlich nit ver- 
sagen werden, alsogleich zu assig- 
niren und endlich auch dero höchste 
kaiserliche officia kräftigst und un- 
verzüglich dahin anzuwenden, da- 
mit ein- oder anderer Stand des 
Reichs ihro mit einiger Hülf an 
Geld beispringe, vermittelst deren 
P. Ch. D. nicht weniger, wie oben 
gedacht, pro rato temporis mit dem 
dritten hundert tausend Reichs- 
thaler jährlich gratificirt werde. 

Und wie dann zu Erreichung 
dieser 2 letztern Posten I. Gh. D. 
mit ihren votis und ofGciis aller 
Orts gern und möglichst concur- 
riren werden, also wollen in deren 
Entstehung I. E. M. deroselben als- 
dann andere annehmliche Satis- 
faction darfür gnädigst verschaffen 
und seind dabei noch femers zu- 
frieden, dass in Abschlag ober- 



Artikel 14 und 15 fehlen in 
diesem Project'). 



Vergl. das Votum vom 1. Sept. 



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1098 tX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

wähnter zum ersten oder noch fer- 
nere fallender 25 000 Reichsthaler, 
denen anmarchirenden Völkern auf 
ihre Kosten Brod, Bier, Salz und 
Fütterei vor die Pferd gereicht 
werde; wie dann auch, dass wann 
I. K. M. sie den Winter durch in 
dero Erblanden zu behalten nöthig 
erachten sollten, deren Verpflegung 
in compensationem oder Abschlag 
solch laufender Quartalen von 25000 
Reichsthaler (insoweit sie darzu er- 
kleckenwerden)geschehe*, das übrige 
aber von P.Ch.D. beigetragen werde. 

16. Die von P. K. M. in Spanien 
wegen der restirenden Subsidien 
anerbotene 200 000 Reichsthaler in 
Geld und 300000 Thaler in Salz 
belangend, berufen sich I. K. M. 
auf dero Reichshofraths und Käm- 
merers des Grafen von Lamberg dies- 
falls geführte Negociation, wohin 
sie es noch ferner stellen, auch ein 
solches effectuiren zu helfen es nie- 
malen an ihren officiis werden er- 
manglen lassen. 

17. Nicht weniger lassen es I. 
K. M. wegen Jägemdorf bei den 
anerbotenen 200000 Thaler ver- 
bleiben, obwohlen sie sich de jure 
zu nichts obligat erkennen, sondern 
allein um zu erzeigen die sonder- 
bare Estime und Gewogenheit, mit 
welcher sie zu P. Ch. D. bestandig 
geneigt seind, jedoch solchergestalt, 
dass I. Ch. 0. deren Bezahlung hal- 
ber bis nach vollendtem Türken- 
krieg in Ruhe stehen; massen dann 



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Oesterreich-brandenburgisches Vertragsproject. 



1099 



auch, dass sie der Zeit von dem 
vermeinten Anspruch an die 3 Her- 
zogthämer Brieg, Liegnitz und Woh- 
lau insoweit abstrahiren, P. E. M. 
zu sonderbarem Gefallen gereichet. 

18. Im übrigen werden I. K.M. 
zu Erkaufung der angediteten 4 
Aemter bei des H**. Herzogs zu 
Weissenfeis fürstliche Gnaden (da 
änderst I. Ch. D. zu Sachsen nit 
darwider sein sollten) ihre officia 
beizulegen nicht ermanglen. 

19. Ist die Person P. Ch. D. 
Feld marschallen Derfflinger als eines 
valerosen, erfahrenen Soldaten und 
guten Patrioten sehr angenehm, 
welchen auch I. E. M. zu ihrem 
Feldmarschall (jedoch mit Vorbehalt 
des Vorzugs für ein- und andern 
zu solcher Charge bereits destinir- 
ten dero hohen OfGcieren) zu er- 
klären, wie auch das übrige obver- 
standener Massen, vermög der vori- 
gen getroffenen foederum, mit P. Ch. 
D. einzurichten kein Bedenken tra- 
gen und anbei zu P. Fürstl. D. von 
Anhalt, als churfürstlichen pleni- 
potentiario, das gnädigste Vertrauen 
setzen, sie werden diese P. K. M. 
Declaration P. Ch. D. unverlengt 
durch eigenen Courier überschicken 
und anbei die unverweilte so hoch- 
nöthige Schickung der Völker mit 
ihren hochvermögenden officiis (zu- 
malen desthalben sich I. K. M. so 



Im übrigen werden I. E. M. zu 
Erkaufung der angediteten 4 Aem- 
ter bei des H". Herzogs zu Weissen- 
fels fürstliche Gnaden oder anderer 
Ländereien ihre ofßcia beizulegen 
nicht ermanglen. 

Wird die Person etc. 



nach den Worten, welchen auch I. 
E. M. folgt in Elammern (wann die 
Conjunction der kaiserlichen und 
churfürstlichen Völker unter ihme ge- 
schehen sollte) — zu ihrem Feld- 
marschall*) etc. 



Die Worte von „und anbei zu 
I. F. D. bis zum Schlüsse dieses 
Artikels fehlen in diesem Projecte'). 



*) Vergl. das folgende Stück. 
*) VergL das folgende Stack. 



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1100 



IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 



äasserist aDgreifeo) bestens beför- 
dern helfen. 

20. Sollten aber die churfärsL 
lieh rheinische Landen wehrender 
solcher Törkenhülf periclitiren, wer- 
den I. E. M. nach Gelegenheit und 
sonsten die Krön Spanien und so 
kaiserlich als königlich spanische 
in diese Allianz mit einkommende 
Coufoederirte , auch übrige Alliirte, 
dieselbe mit aller Macht zu garan- 
tiren, auch die operationes zu dem 
End also anzustellen haben, wie es 
Zeit und Coniuncturen leiden, auch 
sonsten gemeinsamlich wird concer- 
tirt werden. 

21. Dieses foedus defensivum 
soll wehren, soviel das Reich insge- 
sammt oder dessen einzelne in keine 
Particularconfoederation mit P.K. M. 
oder Ch. D. begriffene Glieder be- 
trifft, bis der punctus securitatis 
publicae und die allgemeine Reichs- 
verfassung zu völligem Stand und 
Richtigkeit wird gebracht sein; 
zwischen beiden hohen Herren Con- 
trahenten aber, auch deren Häuser 
und Confoederirten, auf 5 Jahr, mit 
A^orbehalt der Erlängerung vor oder 
bei Auslauf derselben, da solche 
beider Seiten beliebet würde. 

22. Allermassen dann auch die 
Erhaltung des Vaterlands in diesen 
gefahrlichen Conjuncturen für allen 
Dingen und unumgänglich erfordert, 
dass Ruhe und Einigkeit von innen 
gepflogen und alles in eine allge- 



die Worte „in diese Allianz mit- 
einkommende^ und „auch übrige 
Alliirte^ fehlen in diesem Project. 



zwischen beiden hohen H°. Contra- 
henten aber, auch deren Häuser und 
Confoederirten, bis der Fried oder 
Ruhestand mit der Krön Frankreich 
bestätiget sein wird, mit Vorbehalt 
der Erlängerung, da solche beider 
Seiten beliebet würde'). 



') Vergl. das folgende Stück. 



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Oesterreich-braDdenbur^sebes Vertragsproject. 1101 



meine Wohlverständoas und Einig- 
keit gezogen und darinnen erhalten 
werde; 

also will eine indispensabele Not- 
durft sein, auf den Fall, da zwischen 
einem der beiden hohen Herrn Con- 
trahenten und des andern Confoe- 
derirten, oder zwischen beiderseitigen 
confoederatis, oder zwischen diesen 
und tertiis, oder zwischen meris 
tertiis, womit jedoch die H°. Con- 
trahenten oder deren confoederati 
mussten eingeflochten werden, Mis- 
verstandnus oder Streitbefahnngen 
walteten oder künftig fürkämen, 
dass solche entweder alsobald völlig 
und aus dem Grund gedämpft und 
abgethan, oder wenigist alle Thätlich- 
keit suspendirt, die Sach nach deren 
Beschaffenheit ad viam iuris oder 
amicabilem compositionem verwiesen 
und keiner Seiten die eigenmächtige 
gewaltthätige Rechtsprechung oder 
Erholung zugelassen noch gestattet 
werde ; und werden I. E. M. und Ch. D. 
sich äusserster Kräften bewerben, 
damit solches zwischen respective 
ihnen und deren Confoederirten oder 
obangeführten tertiis würklich also 
beobachtet werde. 

23. Sintemalen ferner zu Beruhi- 
gung des Reichs und bevorab dessen 
nördlicher Theil und Nachbarschaft 
(als worauf I.E.M. aus reichsväter- 
lichem Gemüth in gegenwärtigen 
ohne dem genug verwirreten und 
gefahrlichen Coniuncturen sonders 
sorgsame Reflexion machen, es auch 



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1102 



IX. Lftmberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 



vor sich selbst die höchste Notdurft 
erfordert) die AbhelfiiDg der zwi- 
schen der Eron Dänemark und dem 
Herzogen zu Holstein -Gottorp ent- 
standene Mishelligkeiten ein merk- 
liches ausmachen könnte; als ver- 
sprechen I. E. M. und Ch. D. ein- 
ander dero respective Autorität 
und officia aller behöriger Orten 
dergestalt nachdrücklich zu inter- 
poniren, damit solches Feuer dermal 
wenigst in der Aschen gehalten und 
inmittelst gesucht werde die Sach 
völlig zu Recht oder gütlicher Ab- 
kombst nach Billigkeit zu fordern. 
Dieses ganze foedus soll extendirt 
werden auf beiderseitige successores 
und dessen Ratification inner 4 
Wochen oder eher, da möglich, er- 
folgen. Und bleibet P. Ch. D. an- 
heim gestellt, aus obstehenden 
Puncten ein oder mehrere in die 
articulos secretos zu versetzen ; wie 
dann auch, was sie etwa des Auf- 
satzes und Formalitäten halber da- 
bei werden erinnern wollen, aufs 
beste soll observirt werden. 



damit solches Feuer dermal wenigst 
gedämpft bleibe. 



Die Worte von Und bleibet I. 
Ch. D. bis zum Schlüsse dieses Ar- 
tikels fehlen in diesem Projecte *). 



In die articulos secretos wäre sonsten aber unter andern einzubringen: 



1. I. E. M. versprecheten es bei 
der Eron Spanien dahin suchen zu 
richten, dass der Frau Churfürstin 
D. wegen beförderender guten Ver- 
ständnus zwischen ihre, der Eron 
Spanien und ihres . churfürstlichen 
Gemahls, neben denen 200 000 Tha- 



I. E. M. versprecheten bei der 
Eron Spanien ihre officia auf's kräf- 
tigste einzuwenden, dass dafem das 
Salz, worauf ietztgedachte Eron P. 
üh.D. mit 300000 Thalem anweiset, 
nicht zu erheben oder zu versilbern 
stünde, die Satisfaction darfar in 



^^rgl. das folgende Stack. 



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Oesteireich-brandenborgisches Vertragsproject. 



1103 



lern, so des H". Ch. D. in baarem 
Geld zu erfolgen haben, 80000 
Tbaler auch in baarem Geld von 
denen 300000 Thalem anticipirt 
werde, welche auf die Salzassigna- 
tiones verwiesen worden, wie dann 
soDsten auch, da diese Salzassigna- 
tiones nicht zu erheben stünden, 
die Satisfaction darfar in andern 
ausser baaren Gelds vergleichenden 
Mitteln erfolgen solle. 

2. Wollen I. Ch. D. alle Kräften 
und nachdrückliche ofßcia aller 
Orten vorkehren, damit die von der 
Krön Frankreich oder von dero 
Civil- oder Militärbedienten entsetzte 
oder quomodolibet turbirte und 
gravirte Stande, Glieder, Vasallen 
und Foederirte des Reichs, cum 
omni causa der Gebühr in integrum 
restituirt werden; zur Restitution 
aber deren, welche nach dem Augus- 
tum 1681 und also wider die von 
der königlich-französischen Gesandt- 
schaft der kaiserlichen in Frankfurt 
im Februario 1682 beschehene 
Proposition und Erklärung turbirt 
worden, oder inskünftig von ge- 
dachter Eion, dero Alliirten oder 
anderen, es seie durch Reunionen, 
Evocationen, Hospitationen, Contri- 
butionen, oder andere Thätlichkeiteu, 
wie sie Namen haben möchten, 
turbirt oder gravirt werden sollten, 
zu Conservation des geliebten Vater- 
lands und deutscher Libertät neben 



anderen ausser baaren Geldes ver- 
gleichenden Mitteln erfolgen solle ^). 



Wollen I.Ch.D. alle Kräften und 
nachdrückliche officia aller Orten, 
wie auch auf dem noch wehrenden 
Reichstag ihre vota in denen Chur- 
und fürstlichen collegiis vorkehren, 
damit') etc. 



Vergl. das folgende Stack. 
^ Yer^. das folgende Stock. 



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1104 



IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 



P. K. M. mit Rath und That und, 
da die Güte wider Verhoflfen kein 
Platz greifen sollte, mit zusammen- 
gesetzter Macht und Kräften das 
äusserste beitragen^). 

Geben unter Unterschrift und 
Fertigung der kaiserlichen Herren 
Deputirten. 

Passau den zwölften Augusti 1683. 

Albrecht Gr. zu Zinzendorff. 
Leopold Wilhelm Graff zu Königsegg. 
T. A. Henr. Freih. von Stratman. 



In diesem Projecte folgen noch 
2 Secretartikel. 

3. Und sintemaln dann die Ruhe 
des Reichs grossentheils an der Ruhe 
seiner Benachbarten hanget, mit 
welchen es so vielerlei gemeines 
Interesse hat, also dass deren Un- 
terdrückung, die Zerfallung und Con- 
vulsion des werthen deutschen Va- 
terlands unumgänglich nach sich 
ziehen würde, als wollen I. E. M. 
und Ch. D. einmfithig dahin bedacht 
sein und es dahin richten, damit 
ein allgemeiner Fried der gesamm- 
ten Christenheit zu gutem errichtet 
und befestigt werde'). 

4. Welche obstehende Puocten 
ganz unverfänglich P. F. D. zu An- 
halt nur zu dero bessern Nachricht 
und zu dem End also seind projec- 
tirt worden, damit wie I. D. zu 
Errichtung dergleichen Allianztractat 
ihre gute Intention und Eifer rühm- 
lich haben spüren lasseo, also sie 
I. Ch. D. femers darunter bestens 
zu disponiren wissen mögen, massen 
sich I. E. M. zu deroselben gnädigst 
versehen; im übrigen aber das ganze 
Werk überhaupt dahin ansehen, 



') Das Project ist citirt bei Droysen 1. c. 757. 
2) Vergl. p. 1092. 



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Project der oesterreich-brandenbargischen Allianz. 1105 

dass sofern I. Ch. D. der ersten Ver- 
anlassung dieser Tractaten zuwider 
nicht gesinnet sein sollten sich mit 
dero und ihres gemeines Erzhaus 
und absonderlich der Eron Spanien 
Interesse mit Rath und That recht- 
schaffen zu vereinbam, mithin das 
französische zu verlassen, Ruhe und 
Fried in der ganzen Christenheit 
und in specie im Nord mögligst 
zu befördern und zu erhalten und 
im Fall künftiger Turbationen und 
Vergwaltigungen, wie die Namen 
haben mögen, ihre Waffen mit denen 
kaiserlichen ernst- und nachdrück- 
lich zusammen zu setzen und agiren 
zu lassen, man mit den blossen 
Worten, sie seien auch unter was 
Temperamenten sie wollen, wenig 
oder nichts richten oder binden 
werde. Dahingegen soferne I. Ch.D. 
vorgedachter Intention aufrichtig 
seind und I. E. M. dessen gnugsam- 
lich gesichert sein können, sie nicht 
viel remoriren werde, wann die Sach 
änderst gnugsamlich exprimirt wird. 
Dabei dann P. Ch. D. anheim gestellt 
bleiben würde, aus inbegriffeneu 
punctis ein oder mehrerein die articu- 
los secretos, oder aus den secretis in 
publicos zu versetzen, da inzwischen 
aber I. F. D. zu Anhalt auch inge- 
denk sein wollen, die vorige an 
hiesigem kaiserlichen Hof unter- 
schriebene puncta zurückzuschicken 
und mit dem von ihre gleichmässig 
gefertigtem exemplari wider aus- 
wechseln zu lassen. 



Mater, i. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 2. 70 



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1106 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Gutachten luid Relation über das Allianzproject mit Branden- 
bmg. Dat. Passau 26. und 30. August 1683. (Cone ) 

[Un^unsti^e Antwort des Kurfürsten auf da.<t Allianzprnject. Vermuthungen der Rätbe 
über die Ursachen dieser veränderten Stimmung des Kurfürsten. Verhandinngen mit 
Anhalt. Dessen gute Erklänmgen. Berathung über die bei den einzelnen Punkten 
der Allianz zu treffenden Abänderungen ] 
30. Aug. Der allhier anwesende Fürst zu Anhalt hat nächstverwichenen 

25. Augusti auf die mit ihme in Namen des Churfürsten zu Brandenburg 
noch am 12. gedachten Monats aufgerichte, verglichene und unterschrie- 
bene Allianzpuncten von dem Churfürsten selbsten eine fast harte und 
unvergnügliche Antwort (so er E^ K. M. geheimen ministris ex originali 
vorgelesen hat) dahin empfangen, dass er wider seine Instruction ge- 
handlet hätte und der Churfürst wohl merkte, wie man ihn am kaiser- 
lichen Hof umzuziehen und mit den Franzosen aneinander zu hetzen 
suche. Er, Fürst von Anhalt, solle sich weiters nicht aufhalten, sondern 
seinen Abschied alsogleich nehmen und zurückkommen, dann indeme die 
Sachen im Nord so trübe hervor schienen und die Krön Frankreich den 
dem Reich gegebenen Termin gewiss nicht überschreiten werde, seie es 
ihme Churfürsten ungerathen sich an Volk zu entblösson, wollten aber 
E. K. M. die Allianztractaten durch den Grafen von Lamberg an seinem 
Hof prosequiron lassen, wollte er es dahin gestellt haben'). Worin er, 
Fürst von Anhalt, aber in specie wider seine Instruction gehandlet, oder 
auch bei welchen Puncten der Allianz er Bedenken habe oder unzufrieden 
seie, thut er namentlich selbst keine Meldung, allein der churfürstliche 
geheime Rath Fuchs überschreibt ihm solche gleichsam in geheimen 
Vertrauen, wie sie hernach bei deren Special Überlegung werden zu 
vernehmen sein*). 

Soviel aber zuvorderst die Sach in genere oder überhaupt belanget, 
haben sich die gehorsamste deputirte Käthe in diese so unvermuthete und 
geschwinde Veränderlichkeit des Churfürsten nicht wohl finden können, 
angesehen das Project, worüber allhier mit dem Fürsten von Anhalt ist 
tractirt worden, der Graf von Lamberg schon zuvor am churfürstlichen 
Hof angebracht und mit ihme darüber von eben diesem Fürsten von An- 
halt und dem churfürstlichen geheimen Rath Fuchs conferirt gewesen, 
also zwar, dass die monita, so darbei geschehen und vom Grafen von 
Lamberg anhero berichtet worden, der Fürst auch allhier recognoscirt 
und dardurch der Tractat zum Schluss desto eher zu bringen gewesen, 

Vergl. Puf. 1. c. XVIII. %; Droysen 1. c. lll.j 758. 

^ Die einzelnen Bedenken wurden vom Herausgeber in dieses Gutachten eingefügt. 



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Gutachten über das oesterreich-brandenburgische Allianzproject. 1107 

da man diesseits, was jenseits nicht gefallen, fast alles nachgesehen, 
oder doch anständiglich temperirt hat and müssen dahero fast auf die 
Gedanken fallen, dass die churfürstliche Intention der gegebenen Voll- 
macht nach gewesen seie, allein sich zum Succurs wider den Türken zu 
obligiren, nicht aber gegen Frankreich sich zu alliiren und dass dahero 
der Churfurst sage, der Fürst habe wider seine Instruction gehandlet; 
oder dass er dahin bedacht gewesen, dass er diesmal zu Erhaltung seiner 
Völker 300000 Thaler gegen den Türken und noch etwa andere soviel 
hernacher wegen der Allianz von E"". K. M. erhielte; oder dass die Krön 
Frankreich ihne vermittels grossen Geldreichungen dergestalt wieder an 
sich gebunden habe, dass er weiter weder sich alliiren, noch auch gegen 
den Türken helfen darf; oder endlich auch, dass in Verharrung auf seinem 
principio, dass der französische Fried vor allem zu machen seie, er solchen 
umsomehr zu erzwingen gedenke, wann er bis dahin gegen den Türken 
nicht hilft, noch sich mit E^ K. M. wider Frankreich alliirt, als welches 
den Frieden diesseits eher schwer als leicht machen würde*). 

Deme allem aber sein mag, wie ihm wolle, so ist vor diesmal der 
böse effectus und Streich insoweit schon geschehen, dass die von da er- 
wartete und vor gewiss zum wienerischen Entsatz gehaltene 12 000 Mann 
(auf deren Valor und absonderlich ihres Führers des Derfflinger man 
absonderlich gebauet) nunmehr zu jetztgedachtem Entsatz nicht mehr 
zu hoffen seind, dahin doch die Einwilligung der 300000 Thaler meistens 
gezielet hat und dahero für's künftige desto bedenklicher fallen würde, 
nach dem Entsatz oder V'erlust (da Gott vor seie) der Stadt Wien dem 
Churfürsten die 300000 Thaler einen als den andern Weg zu geben, 
bevorab da er (wie hernach folgen wird) solche 300000 Thaler nicht 
nur durante hello turcico, sondern auch, solang die Allianz wehret, jähr- 
lich haben will. 

Doch haben es die Rathe nicht für zweckmässig gehalten mit Brandenburg 
zu brechen, vielmehr die Verhandlungen fortzusetzen und haben zu diesem Be- 
hufe am 30. August mit dem Fürsten von Anhalt eine neue Conferenz gehalten. 

Der Fürst wollte die unverhoffte churfürstliche Antwort vielmehr 
einem wunderlichen Humor, so der Churfurst ex Insomnie selbiger Nacht 
contrahirt gehabt, als einigen wahrhaften Verstoss in der Sach zuschreiben; 
vermeint dahero, wann man die terminos in denen Puncten, so dem Chur- 
fürsten nicht gefielen, in etwas temperiren würde, dass er sich bei seiner 
Zurückkunft mit der Sach zum guten End zu gelangen noch wohl trauen 



») Vergl. Klopp, Das Törkenjahr 1G83, 278. 

70* 



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1108 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

wolle; massen er dano selbsten die ihme vom geheimen Rath Fuchs in 
Vertrauen überschriebenc Bedenken gegen dem hier gemachten Project 
überlegt und einige Milderungen und Temperamenten darüber unmass- 
geblich in Vorschlag hätte. Worauf sofort insgesaramt beliebet worden, 
dass erstens die difficultirende Puncten, sodann vorermelte Bedenken 
abgelesen und darauf auf jedes deliberirt werden, wie am fügligsten der 
Sachen zu helfen sein möchte. Und zwar wird zum ersten difficultirt 
der zweite Punct; worbei dem Churfürsten in specie misfallet, was darin 
von dem nymwegischen Friedenschluss, als wider welchen er publice 
habe protestiren lassen, enthalten und alles was so ferner folget; welches 
letztere dann recht soviel heisst, als nichts bei der Sach thun zu wollen. 
Sonsten aber, obschon der Churfürst dem nymwegischen Frieden zwar An- 
fangs condradiciret, seithero aber denselben durch unterschiedliche actus 
(und zwar noch jüngst in beeden Schreiben, so die churfürstliche Gesandte 
aus Regensburgan E. K.M. haben abgehen lassen) approbirt hat; so könnte 
in diesem articulo doch endlich noch wohl zu passiren sein, dass man 
dann den westphälischen Frieden und dasjenige, so demselben und dessen 
Executionsrecess zugegen gehandlet worden, pro fundamento der Allianz 
setzte, also dass der ganze articulus bliebe und anstatt der Wort „zu 
Aufhebung aller auswärtiger Vergwaltigung, weiterer sogenannter Reu- 
nionen, praeiudicirlicher attentatorum und usurpationum im Reich^ ge- 
setzt würde, „dass der Fried so viel das römische Reich betrifft auf dem 
westphälischen Friedenschluss, zu Aufhebung dessen, so demselben und 
dessen Executionsrecess zuwider geschehen ist, zu gründen seie.^ 

Bei dem drittel Artikel vermeint der Churfürst, dass ein allgemeiner 
Friede zwar zu wünschen, aber nicht zu hoffen stünde, nachdemmalen 
Frankreich sich in keine Wege darzu verstehen wollte und man itzo 
weniger Mittel hätte als jemalen selbige Krön darzu zu zwingen. 

Man sieht aus diesen Erklärungen, dass der Kurfürst sich in nichts ein- 
lassen will, was den französischen Plänen hinderlich sein könnte. Da ihm 
aber wohl zu Gemüth gehen sollte, dass wann der Fried nicht universal 
sein und der König sofort den Krieg wider die Niederlanden resumiren 
sollte, in was Sicherheit seine dahinwerts gelegene Länder stehen würden; 
welches der Fürst von Anhalt dann auch gar wohl erkannt, doch aber 
vermeint bat, dass man anstatt der Worte „damit ein allgemeiner Fried 
der gesammten Christenheit zu guten errichtet und befestiget werde", 
wohl passiren könnte „damit ein sicherer und beständiger Fried errichtet 
werde", oder dass man den ganzen articulum, wie er liegt, ad articulos 



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Gutachten über das osterreich-brandenburgische AUianzproject. 1109 

secretos versetzte, welches letztere den gehorsamsten Deputirten das an- 
ständligste zu sein bedünken wollen. 

Ad. IV., welchen der Churfürst schnurstracks ihrer Reputation und 
Convenienz zuwiderlaufend hielten, findet man ja nicht was darunter 
disreputirlich, indeme der Artikel von beederseits saget und also recipro- 
cum ist . . . Der Fürst von Anhalt aber vermeint, man soll der Aufhebung 
der foederum hinzurücken „ausser deren, so nur zu ein und andern 
Theils und deren Länder Sicherheit, im geringsten aber nicht den Fried 
und Ruh im Reich zu turbiren oder dessen Dissolution zu verursachen 
aufgericht seind^ und solches anstatt der Wort „in so weit sie diesem 
foederi oder dessen abzielenden Zweck entgegen stehen oder interpretirt 
werden möchten". 

Ad. VII. bemerkt der Kurfürst, was im Ende darin enthalten, könnte 
nicht, ohne in einen Krieg mit Frankreich zu gerathen, exequirt werden. 

Hier ist abermal zu sehen, dass der Churfürst sich sogar zu keiner 
Defension wider Frankreich verbinden, sondern durchaus den Frieden 
haben will und ist demnach nicht zu sehen, worin das foedus zu fun- 
diren sei, wann er sich sogar der Reichsstände und Glieder nicht an- 
nehmen will, dass also man würde zusehen müssen, dass Frankreich alles 
und mithin auch die churfürstlichen Länder, (deren es gewiss in die 
Länge nicht verschonen würde) hinweg und an sich risse. Der Fürst 
von Anhalt vermeint jedoch, man könnte den Schluss desselben articuli 
„sie seien gleich in ungekränkter Possession ihrer Reichsfreiheit etc." 
wohl praeteriren. 

Bei dem achten articul wollten S. Ch. D. vor Spanien sich nicht 
engagiren. Wann deme also, siebet man nicht, warum dann die Krön 

Spanien auf eine so hohe Geldsumma tractiren sollte Der Fürst von 

Anhalt aber vermeint, der Verstoss sei darin, dass der Churfürst vermeine, 
man wolle ihn für die ganze spanische Monarchie obligiren und dahero 
pro clariori sensu zu setzen sei „der Krön Spanien in ihren dem Reich 
zuverwandten und andere gleichmässig gelegene Landen". 

Bei dem 10. articul erinnerten I. Ch. D., dass L K. M. sich reser- 
virten, wann, nach erfolgten Frieden mit den Türken, sie mit Frankreich 
sollten zu thun bekommen, ihre Auxiliartruppen zurückzuhalten, da 
hergegen solcher casus nicht auch von S^ Ch. D. exprimiret würde. 

Nun verstehet sich diese reciprocatio casus von sich Selbsten gnug- 
sam, doch auch würde kein Bedenken sein, solche diserte zu exprimiren. 



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1110 iX. Laraberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Der 14. articul gefiele S^ Ch. D. auch gar uicht, insonderheit, dass 
auch sogar die Fütterung und das Salz sollten bezahlt werden. 

Zu Exprimirung des Salzes nun hat des Fürsten von Anhalt Propo- 
sition selbst den Anlass gegeben, darin aber, weilen es ohne deme in die 
Servizen gehöret, noch wohl würde nachzusehen sein, wann nur im übrigen 
auszukommen wäre; dass demnach um es dem Churfürsten desto klarer 
zu geben, könnte hinzugesetzt werden, „dass die Notdurft, wie Churbaiorn 
und andern Reichsal Hirten, gegen Bezahlung des billigen landläufigen 
Preis, sollte gereicht werden". 

Bei dem 15. articul erinnerten I. Ch. I).: 1. dass die Subsidien nur 
usque ad finem belli turcici sollten gereichet werden, da doch die 
Alliance nicht allein wider den Türken, sondern auch eigentlich wider 
Frankreich gienge und sie also bei erfolgender Ruptur mit Frankreich 
nichts würden zu gewarten haben; 2. dass die 100000 Reichsthaler, so 
I. K. M. aus dero Mitteln zahlen sollen, erst a tempore coniunctionis 
sollen anfangen, da es doch S. Ch. D. über die 100000 Reichsthaler 
kosten würde die Leute bis dahin zu bringen; 3. dass solche 100000 
Reichsthaler vor Victualien würden abgekürzet und also S^ Ch. D. gar 
kein baares Geld gezahlt werden; 4. dass die übrigen 200000 Reichs- 
thaler auf einen ungewissen, weit aussehenden Success beruheten, und 
dass die Armee elende fahren würde, wann sie darnach warten sollte; 
5. dass nicht exprimiret wäre, worinnen die anderweite annehmliche Satis- 
faction bestehen sollte. Indeme nun aber der churfürstliche Succurs für 
"Wien (dahin er doch meistens angesehen gewesen) zu spät sein wird 
und da fast das geringste Wort nicht will geduldet werden, so den 
Churfürsten im geringsten gegen Frankreich impegniren möchte, so würde 
es wohl allzuhart fallen, wann E. K. M. die 300 000 Thaler gleichwohl 
geben sollten, nicht nur allein wehrenden Türkenkrieg, sondern auch 
noch ferners so lang die Allianz wider Frankreich dauren sollte. Wann 
jedoch aber die gehorsamste Deputirte anbei auch consideriren, dass 
allein der An- und Zurückmarche der chursächsischen Auxiliarvölker sich 
auf 500000 Gulden belaufen wird, gegen welches nach Proportion des Bran- 
denburgischen die versprechende 300000 Thaler wenig ausgeben würden, 
zu deme dass 2^® der Churfürst nach dem türkischen Krieg nicht wird 
ganz leer und ohne einig Subsidium wider Frankreich in der Allianz 
stehen wollen; 3^ dass der Churfürst zu Unterhaltung seiner Völker 
Gelds bedörftig ist und demnach, da solches ihme bishero die Krön Frank- 
reich gereichet, er davon nicht auslassen werde, bis er dessen von E^ 



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(intachten über das ocsterreich-brandenburgische Allianz project Uli 

K. M. gnagsarolich und zwar in parato wird versichert sein, da zumalen 
5<olche Unterhaltung sieh auf weithinausstellende Mittel nicht weisen 
lasset; 4^ dass an diesem articulo dieses ganze Werk und Tractaten 
zu hangen scheinen und bei dessen Ueberwindung aus dem übrigen leicht 
zu kommen sein möchte: dabei auch 5*^ die fast unbeschreibliche Im- 
portanz, so die Beipflichtung oder Abalienation dieses Churfursten sowohl 
in Kriegs- als Frieden- und andern Reichssachen pro et contra nach sich 
ziehet; so können sie nicht änderst finden, als dass, weilen es doch 
moraliter nit über 2 Jahr mit dem türkischen und französischen Krieg 
wehren kann, ehender alle Mittel anzugreifen wäre, als diesen Churfursten 
fahren zu lassen; mithin dass E*". K. M. Hof kammerpraesident ^) auch 
möchte herzugezogen, wie nicht weniger mit dem H". Cardinalnnncio') und 
spanischen Botschafter') auf das beweglichste daraus geredet und dahin 
gesehen werde, wie und woher soviel aufzutreiben stünde, wormit man 
diesen so mächtigen Churfursten diesseits vinculiren, zumalen aber auch, 
da darin nicht ohne die Churfürstin nichts geschehen wird, auch der- 
selben mit deme, was ihr bereits versprochen ist, zuhalten und begegnen 
könne. . . . 

Dabei man dann auch zu versuchen gemeint hat, dass weilen nach 
der Noth mit Wien man den ganzen Succurs der 12000 Mann ohne 
deme nicht wird von Nöthen haben, sondern etwa 5000 Mann alsdann 
besser sein werden, der Churfürst gegen solche 5000 auch nur den 
halben Theil von den 300000 Thalern, id est 150 000 Thaler, oder end- 
lich auch 200 000 Thaler praetendiren, oder doch sich darmit contentiren 
lassen würde; so versetzt aber der Fürst von Anhalt, dass dem Chur- 
fursten diesfalls an der Zahl nicht soviel gelegen, als wegen der Aus- 
baltung seiner Völker, worzu er 300000 Thaler in baarem haben müsste. 
Wie aber die gehorsamste Deputirte nicht finden, wie darmit aufzukommen 
sein werde, haben sie diesen Punct, als um welchen das ganze Werk 
hauptsächlich versiret, blos ad referendum annehmen können, doch mit 
der deutlichen Anmerkung, dass man alsdann in dem vorgehenden ar- 
ticulo 13 expresse zu stipuliren hätte, dass wann und wohin E. K. M. es 
erfordern würden, der Churfürst gegen den Türken die 12 000 Mann inner 
4 W^ochen zu stellen verobligiret seie ; es wäre dann, dass er mit denen 



*) Graf Wolfgang Andreas Rosenberg, vergl. Fiedler, FoQtes rerum Austriacamm 
II. 27, 252, 316, 439. 

3) BuonTisi; Fiedler 1. c. U. 27, 243, 259. 
^ Bargomafiero; Fiedler I.e. 241. 



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1112 IX. Laraberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

5000 Mann gegen Frankreich schon impcgnirt wäre, welchenfalls er nur 
die übrige 7000 gegen den Türken zu schicken hätte 

Bei dem 16. articul sageten I. Ch. D., dass sie gewiss wüssten, dass 
die 200 000 Reichsthaler contant und baar nicht vorhanden wären und 
dass sie auf leere Promessen sich nicht ferner könnten verweisen lassen. 
Mit dem Salze wäre es auch impracticable auf so eine grosse Summe. 

Bei diesem kann man sie eines weitern nicht versichern, als davon 
verlauten will, welches sich aber auch zeigen wird, wann der Graf von 
Lamberg und churfürstliche ministri abgeredter Massen zu Perfectionining 
des Tractats im Haag mit denen spanischen zusammenkommen werden. 
Und vermeint der Fürst von Anhalt selbsten, dass, was die Spanier sich 
ultra intentiouem wegen der Churfürstin haben vernehmen lassen, sich 
noch wohl werde redressiren lassen. 

Bei dem 17. articul wüsste — meint der Kurfürst — Anhalt S'. Ch. 
D. Meinung gar wohl und dass sie desfalls auf Geld nicht handeln 
wollten; der 18. articul werde durch die Clausul von Chursachsen un- 
fruchtbar gemacht, dann dasselbige nimmer darin willigen würde. 

Bezüglich dieser beiden Punkte ... kann ein mehrers nicht geschehen, 
als dass £. K. M. in genere ihre ofGcia zu Erkaufung anderer Ländereien 
versprechen thun. 

Bei dem 19. articul gefiele weder S^ Ch. D. noch auch dem Feld- 
marschall die reservatio des Vorzugs. 

Hier siehet man nicht, wie E. K. M. sich solcher Reservation zum 
Nachtheil ihrer Miliz begeben könnten und ist solchem nach auch dieser 
Passus nur simpliciter ad referendum angenommen worden. 

Bei dem 20. articul sageten S. Ch. D., was sie doch von Spanien 
zu Garantirung ihrer clevischen Lande gewärtigen sollten, da es seine 
eigene Niederlande nicht retten könnte. 

Dem Fürsten von Anhalt hat bedünken wollen, dass man entweder 
die Obligation auf alle kaiserliche Alliirte setze, oder diesen articulum 
ganz auslasse, zumalen articulo 8^ diesfalls schon vorgesehen werde, wor- 
mit sich im letzteren die gehorsamste Deputirte auch conformiren. 

Den 23. articul sahen L Ch. D. an, als wann er der Freundschaft 
zwischen Dänemark und ihre praejudiciren könnte. Dabei dann, obschon 
der Churfürst sich im Werk selbsten bei der Krön Dänemark inter- 
ponirt, damit der Orts im Nord keine Troublen entstehen möchten, so 
scheinet es doch, dass er darzu gleichsam wider seinen Confoederirten ') 

Durch den Vertrag vom 20./30. April 1683 war der Karforst Verböndeter 



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Gutachten über das oesterreich-brandenburgiscfae Allianzproject 1113 

per foedas tertium nicht wolle obligirt werden und vermeint der Fürst 
von Anhalt, dass, wann man die Wort „die Autorität nachdrücklich 
zu interponiren^ ausliesse und es nur auf die officia stellte, dass ferners 
kein Bedenken sein würde; wie auch, dass anstatt des termini „unter 
der Aschen gehalten^ gesetzt werde „damit solches Feuer gedämpft 
werde". 

Bei dem 1. articulo secreto erwähneten S. Ch. D., wann von dem 
Gelde, so ihre zukäme, dero churfürstliche Gemahlin etwas haben sollte, 
wollten sie es schenken und den Dank davon haben; überdeme so 
sehen sie nicht, wie die Satisfaction ausser baarem Gelde zu erheben 
wäre. 

Allhier haben die Spanier selbst gefehlt, indeme die Meinung wäre, 
dass man dem Churfürsten und Churfurstin in allem 500000 Thaler in 
baarem Geld und Salz geben sollte, die Spanier aber sich noch neben 
deme auf ein Regalirung der Churfurstin haben heraus gelassen, also 
dass der Churiurst jetzt die ganze 500000 allein für sich haben will, 
dahin stellend, was man wegen der Churfurstin zu thun habe, ohne 
welche doch in der Sach wohl nicht wird auszulangen sein, dass also 
auch dieser Punkt zu dem obvermeltem camerali hinauslaufet. 

Bei dem 2. articulo secreto sageten I. Ch. D., dass selbiger eine 
declaratio belli wider Frankreich wäre, welche zu sustiniren, wann mau 
mit einer Armee von 100 000 Mann am Rhein stünde; aber itzo wäre 
solches ganz hors de saison. 

Aus diesem Bedenken ist zu ersehen, . . . dass der Churfürst absolute 
den Frieden mit Frankreich gemacht und festgestellt haben will, wie dann 
der Fürst von Anhalt selbst erkennt, dass ohne diesen Zweck und Absehen 
das foedus inane et vacuum sein würde, es möchten dann etwa die prae- 
terita ganz praeterirt und nur auf das futurum gesetzt werden, wann von 
Frankreich oder einer andern Potenz dem Reich noch femer was entzogen 
werden sollte, woraus aber die Alliirte inferiren würden, als wann auch 
E. K. M. das praeteritum allschon pro derelicto halten thäten. Der Fürst 
aber hat übernommen diesfalls den Churfürsten besser capace zu machen. 

In summa, Allergnädigster Kaiser und Herr, die ganze Sach kommt 
darauf an, dass der Churfürst sich entweder gar nicht zur Allianz gegen 
Frankreich wird bewegen lassen, oder doch änderst nicht, als wann der- 
malen 380000 Thaler in parato ausgezählt und alle Jahr mit 300000 

Dänemarks geworden; Morner I.e. 440 ff.; Pufendorf 1. c. XVIII. 92; Droysen I.e. 
III., 749. 



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1114 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

continuirt wird; da dann allenfalls, bei Spendirang des Gelds, aach desto 
klärer und sicherer auf die Vinculirung der Allianz zu gehen sein würde, 
damit das Brod den habenden Völkern nicht verkürzet und anderstwo 
nit allein unniitzlich, sondern schädlich verworfen werde'). 

Beratlien am 26. und 30. August 1683, praesentibus Anhalt, Zinzendorf, 
Königsegg, Stratman, Secretare Bewer und Koch. 



Votum über die Anhalt zu ertheilende Antwort 
Dat. 1. September 1683. (Conc.) 

[Noth wendigkeit des allgemeinen Friedens. Erklärung des Kaisers bezüglich der ein- 
zelnen Punkte.] 

1. Sept. Der R. K. M., unserm allergnädigsten Herrn, seie in Unter- 

thänigkeit vorgetragen worden, was in Sachen der mit des H". Churfursten 
zu Brandenburg Durchl. noch am 12. Augusti nechsthin zu Pas^au ap- 
punctirten Allianz und Törkenhilf des H°. Fürsten zu Anhalt Durchl. 
auf die ihro nachrichtlich zugekommene churfürstliche Bedenken in ein 
und andern zu beederseits vergnüglicher Erhebung des Werks vor tem- 
peramenta wohlmeinend haben vorschlagen wollen; wie sie dann auch 
änderst nicht von P. K. M. verstanden und aufgenommen worden, als 
welcher, wann im Werk selbsten mit deroselben I. Ch. D. zu einem Zweck 
in Rath und That recht übereinstimmen und einmüthig sich verstehen 
möchten, auch leicht fallen würde, sich der Wörter halber, worunter die 
Sach also gnugsam zu exprimiren wäre, mit einzu verstehen; dabei sie 
jedoch vor allem höchstens bedauren, dass der hierunter an I. Ch. D. 
hauptsächlich gesuchte und bei obgedachter Appunctirung der Allianz 
festgestellte Succurs zur Entsetzung der vom Erbfeind belagerten Stadt 
Wien ... zurückbleibet und zu ietztermeltem so anbringlichen Zweck nicht 
mehr zu erwarten stehet. 

Soviel aber hierbei das übrige Allianz werk belanget; gleichwie es 
von P. E. M. seithero dessen erster Veranlassung änderst nicht angesehen 
oder abgezielet worden, als dass, gegen der kaiserlichen Einrichtung der 
Subsidiettresten bei der Krön Spanien auf wirkliche 200000 Thaler an 
baarem Geld und 300 000 Thaler an Salzassignationen, I. Ch. D. auf K 
K. M. und ihres gesammten löblichen Erzhaus Interesse völlig hemm- 
treten, mithin das französische und alles andere, so deme entgegensteht, 
verlassen, in specie ihre vota und consilia mit P. K. M. vereinbaren, 



1) Vergl. Klopp, Das Turkenjahr 1683, 278. 



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Gutachten über die Anhalt zu ertheilende Antwort. 1115 

darunter auf einou sicheren und besitäudigen Frieden (welcher demnach 
universal sein musste) intendiren und zu dem End sich zuvorderst nicht 
allein mit allen möglichsten officiis und remonstrationibus sowohl bei 
der Krön Frankreich, damit das dem Reich und dessen an- und zuge- 
hörigen Ständen. Kreisen, Gliedern und Anverwandten wider die Frie- 
denschlusse bisher entzogene restituirt werde, als auch bei der Krön 
Dänemark, damit in selbiger Nordseiten gegen dem Reich nichts gewalt- 
thätiges attentirt und alles in Ruhe erhalten werde, mit aufrechtem 
Nachdruck interponiren; sondern vornehmlich auch, wann noch ferner 
was dem Reich von der Krön Frankreich oder deren Alliirten sub quo- 
cunque praetextu sollte entzogen oder Beschwerd zugefügt werden wollen, 
neben I'. K. M. mit Rath und That und, da die Güte kein Platz greifen 
wollte, mit zusammengesetzter Macht und Kräften das äusserste dar- 
gegen vorkehren sollten; also und da mehr hochgedachte I. Ch. D. in 
dieser Intention mit K K. M. recht übereinstimmeten, . . . möchte in 
den terminis der Wörter noch wohl hinauszugelangen sein. 

Bezuglich des zweiten Artikels ist der Kaiser bereit sich zufrieden zu geben, 
w enn nur der westpbälische Friede (als auf welchen sich der Nymwegische be- 
zieht) und was demselben und dessen Executionsrecess zugegen gehandelt wor- 
den pro fundamento der Allianz gesetzt wurde; bezüglich des 3'«" Artikels, dass 
derselbe unter die Secretartikel Aufnahme finde. Bezüglich der Artikel 4 und 7 
sieht der Kaiser nicht, dass darin etwas gegen das Interesse des Kurfürsten laufen- 
des enthalten sei; glaubt aber der Kurfürst, dass der Schluss des Artikels 7 das 
Ansehen habe, als tbäte er den Kurfürsten auch ad vindicationem praeteritorum 
obligiren, dann will der Kaiser gestatten, dass die clausula finalis (sie seien 
gleich in ungekränkter etc.) ausbleibe, oder doch, dass der Kurfürst wenigstens 
seine officia pro illis destitutis statibus promittirte. 

Bezüglich des Artikels 8 gibt der Kaiser zu bedenken, dass man keine Hoff- 
nung habe von Spanien das versprochene Geld zu erhalten, wenn man Spanien 
von aller Unterstützung ausschliessen wollte ; im Uebrigen ist der Kaiser bereit zu- 
zugestehen, dass der Artikel zu besserem Verstandnisse auf die spanischen dem 
Reich zu- und anverwandten Länder möge gestellt werden, wie auch, dass im 
Artikel 10 der casus diserte auch für den Kurfürsten reciprocirt werde. 

Wie es aber dermalen mit dem churfürstlichen Succurs zur Entsetzung 
der Stadt Wien zu spat sein wird, könnte der articulus XIV. gar aus- 
gelassen, oder doch nur relative gesetzt werden, dass die Nothdurft, wie 
Churbaiern und andern Reichsalliirten, gegen Bezahlung des billigen und 
landläufigen Preis, allenfalls sollte gereicht werden. 

Ad 15"™ aber auch bei ietztgedachter Verspätung des churfürst- 
lichen Succurs und da I. Ch. D. darneben fast das geringste Wort nicht 



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1116 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

dulden wollen, welchem sie in etwas gegen Frankreich impegniren möchte, 
könnten I. K. M. nicht finden, wie sie sich der iährlichen 300000 Reichs- 
thaler halber ferner zu erklären hätten, bis sie sich nicht zu der chur- 
fürstlichen Intention circa supradicta principia und dass sie allenfalls 
sich zu 1'. Ch. D. auf 12000 Mann gegen den Türken oder 5000 gegen 
Frankreich und 7000 gegen den Türken inner 4 Wochen a requisitiooe 
und zumalen auch deren Einstimmung in consiliis et votis auf Reichs- 
und Kreisconventen eigentlicher verlassen können; warnach sie alsdann, 
um P. Ch. D. Freundschaft und aufrechter Zusammensetzung mögligst 
zu begegnen, an ihre das äusserste nicht werden erwinden lassen, damit 
sie mit 200000 Thaler in baarem Geld zu End des Jahrs zuhalten 
und dabenebenst noch 100 000 Thaler im Reich assigniren könnten, ab- 
sonderlich aber auch es wirklich dahin zu richten, dass der Frau Chur- 
fürstin Durchl. sogleich bei Ratification des Tractats die von der Krön 
Spanien ihro destinirte 80 000 Thaler in baarem erfolgen thun, als wor- 
fär deroselben in P K. M. Namen I. F. D. zu Anhalt insoweit caviren 
könnten. 

Bezüglich des Artikels 16 glaubt der Kaiser, dass die von Spanien bewil- 
ligten 200 000 Thaler in parato liegen. Bezüglich der Artikel 17 and 18 wird 
der Kaiser gerne concurriren, damit das Geld zu Erkaufang anderer Ländereien 
möchte verwendet werden. 

Soviel aber den 19. articulum belanget, können I. K. M. von ihrer 
angehenkten Reservation vieler Ursachen halber nicht abstehen, noch 
weniger aber, da der churfürstliche Succurs dermalen zu spat, inskünf- 
tige aber noch dahin stehet, ob und welchergestalt er unter des Derff- 
lingers Commando beschehen werde. 

Bezüglich der Artikel 20 und 23 ist der Kaiser mit den vom Kurfürsten 
gewünschten Auslassungen und Aenderungen einverstanden. 

Was sodann beede articulos secretos belanget, wird man des ersten 
halber bereits oben verstanden sein, und wie dann sich gleichsam die 
ganze Essenz der Allianz in den zweiten contrahiret, also kommt es 
vornehmlich auf die Declaration an, so von P. Ch. D. über mehr ange- 
zogene principia intentionum verlangt und erwartet wird. 



Votum über Anhalts fernere Bedenken wegen der corrigirten 
Punkte. Dat. Linz 26. September 1683. (Conc.) 

26. Sept. Was E. K. M. noch jüngst allhier am 6. d. M. wegen des fernem 
tractirens mit dem Fürsten von Anhalt zu einer Allianz mit ChurbraD- 



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Gutachten über Anhalts Bedenken besüglich des oest-brand. Allianzprojectes. 1117 

denburg allergnädigst geschlossen, solches haben die gehorsamste depu- 
tirte Rathe jetztgedachtem Fürsten in einer mit ihme ferners zu Wien 
am 16. dies veranlassten Conferenz vorzustellen nicht ermanglet und 
iis praesuppositis sich unterredet, wie sofort die vom Churförsten ver- 
worfene puncta also zu temperiren seien, dass darunter der Tractat noch 
möchte zum Schluss zu bringen sein, da dann gleichfalls alles ist obser- 
virt worden, was E. K. M. vorermelter Massen über ein und andern 
Punkt gebilliget haben; und wie dann ermelter Fürst selbsten hauptsäch- 
liches nichts darwider einzuwenden gewusst, ist darnach die Correctur 
der Punkten geschehen und solche ihm aufs neue (iedoch sine die, con- 
sale aut subscriptione) sammt dem Recreditiv zu seiner Zurückreis exhi- 
birt worden ^). Nach deren Ersehung aber er sich hat beschweren wollen, 
als wären dieselbe nicht nach der Abred eingerichtet und hauptsächlich 
zwar; 1^ dass bei dem dritten hunderttausend Thalern, so dem Chur- 
fuTsten in Assignationen beigetragen werden sollen, reservirt worden, 
dass solche assignationes ohne E^ E. M. Entgeld oder Indemnisation sein 
sollten: 2\ dass die 80000 Thaler für die Churfürstin von den 300000 
Thalern in Salzassignationen sollten defalcirt werden, welches der Chur- 
furst nicht leiden würde; 3^ dass E. K. M. nicht übernehmeten die 300000 
Thaler an Salz vor Spanien, im Fall das Salz nicht zu versilbern oder 
zu erheben stünde, gut zu machen; und 4^ dass in den articulis secretis 
in terminis eingeführt werde, dass der Churfürst allen widrigen foederibus 
renunciire; wobei er 5^ auch die Occasion nimmt zu begehren, dass 
diese articuli widerum hinc inde möchten unterschrieben werden, wie 
er dann auch schriftlich eingegeben , auf was Weis er alle diese passus 
nach seiner Intention gern eingerichtet hätte ^. 



*) Die Recreditive sind datirt Linz 28. Sept. 1683; die Scblussform des Allianz- 
projectes, siehe weiter oben 1091 ff. 

^ Diese Bedenken lauten (Aut.): 

Bey dem 13^^» articul wirdt allerunterthänigst gebeten, das solcher dergestalt ein- 
gerichtet werden möchte „an assignationen dergestalt reichen zu lassen, dass yon der 
Zeit an der ratification dieses tractats, solche iedes halbe iahr, nach geschehener 
coniunction aber der churfürstlichen mit denen keyserlichen Völckem quartaliter abge- 
stattet werden". 

2. Das der erste articulus secretus dergestalt wie folget einzurichten allergnä- 
digst beliebet werden mochte „I. K. M. versprechen es dahin zu richten, dass neben 
denen 200 000 thalem, so des H°. Ch. D. in haaren geld von der Chron Spanien zu 
erfolgen haben, der Frau Ch. D. wegen beforderender gutter Verständtnüss zwischen 
Ir. E. M., der Cron Spanien und ihres churfürstlichen gemahls, 80 000 thaler auch in 
haaren gelt bey der ratification dieses tractats entrichtet werden sollen. Was dan 



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1118 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Die Ratbe haben aber diese neuen Bedenken nachgedacht and bezüglich des 
ersten, die Assignation der dritten 100000 Thaler betreffend, das Expediöis 
gefunden, dass man die assignationes auf die nechsterhaltende Romer- 
monat versetze, als wordurch man zugleich dem Churfursten ein stimu- 
lum gebe künftig zu den Römermonaten mit seinen votis zu helfen und 
zugleich der nicht Entgeld von selbsten fiele, indeme die obligatio an 
sich Selbsten nur in eveutum gestellt wäre. 

So viel aber 2^ die 80 000 Thaler für die Churfürstin belanget, hat 
man hiebei considerirt, dass E. K. M. dieselbe doch für Spanien in Baar- 
Schaft werden herzuschiessen haben, ungewiss, ob und wann sie solche 
zurückbekommen werden und allenfalls, da Geld von Spanien zu be- 
kommen, E. K. M. ohne deme so vielfaltige andere titulos, causas debendi 
et praetensiones an selbige Krön haben und dann es dies Orts dahin 
ankomme, dass E. E. M. von Spanien nichts zurückbekommen und doch 
auch kein meritum bei der Churfürstin, als wann sie etwas gethan 
hätten, haben würden; dass dahero vor besser angesehen worden, weiln 
doch verlauten will, samb die löbliche Hofkammer gewisse 30000 Du- 
caten hierzu destinire, dass, abstrahendo von ermelten 80000 Thalem 
in dem articulo 1^ secreto, man in dem Hauptinstrumeuto articulo XIIL 
wo die 200000 Thaler versprochen werden, auch der Churfürstin vorge- 
sagte 30000 Ducaten gegen der Ratification des Tractats zusage. 

Und so fort, weiln, soviel die 3. Difficultät betrifft, E^ K. M. keines- 
wegs einzuratheu ist, dass sie allenfalls die Satisfaction der 300000 
Thaler an Salz für die Krön Spanien auf sich nehmen sollten, der arti- 
culus primus secretus nur auf die möglig und kräftigste officia, die sie 

darunter bei der Krön Spanien einwenden wollten, eingerichtet werde 

Dabei dann noch weiter auch ist reflectirt worden, dass im Fall E. K. M. 
diesen .Tractat schliesseten, ratificirten und dabei Anfangs der Churfürstin 
ermelte 30000 Ducaten exhibirten, auch etwa nach Verfliessung eines 
halben oder ganzen Jahrs mit denen 200000 Thalem zuhielten, hingegen 
aber der Tractat, oder auch die praestationes an Seiten der Krön Spanien 



auch die übrige Saltzassignationes der 300000 thaler anlanget, da solche nicht xa 
erheben stünden, noch versilbert werden kunten, So versprechen 1. K. M. in hocb- 
ermelter Chron nahmen die satisfaction darfür, dass solche in andern annehmlichen 
vergleichenden milteln auff gewisse termine innerhalb drey iahreu erfolgen solle.' 

3. kan der 4<« articulus secretus gantz aussgesetzet werden, weil solcher albereits 
im vorhergehenden 4"« articul gnugsamb exprimiret ist. 

4. wirt gebeten, das dieses project gleich voriges zu unterschreiben beliebet wer- 
den mochte. 



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Gutachten über Anhalts Bedenken bezüglich des oe$t.-brand. AJIianzprojectes. 1119 

in^s Stecken geriethen, dass der Churfurst bis dahin etwa weder selbiger 
Krön, weder auch E'. K. M. (prüna foederis causa deficiente) würde wollen 
verbunden sein, dass dahcro gut und gleichsam nöthig sein werde, dass 
beide Tractaten zugleich zum Stand und Ratification gebracht werden. 

Die 4. Difficultat in renunciatione den widrigen foederibus belangend, 
hat der Fürst von Anhalt solche selbst für nicht unbillig erkannt und 
allein vermeint, dass sie in ipso foedere in etwas mitioribus terminis 
möchte eingeführt werden, da sonsten in articulis secretis die vorige ter- 
mini kein Bedenken hätten. 

Von der 5'*" Forderung bezüglich der Unterschreibang des Vertrages ist An- 
halt, auf die dagegen geltend gemachten Gründe hin, abgestanden. 

Berathen am 26. Sept. 1683; praesentibus Zinzendorf, Königsegg, Stratman, 
Bewer und Koch. 



Der Vorschlag des Fürsten von Anhalt, der Graf Lamberg möge, während 
Anhalt an den karfürstlichen Hof mit demAIlianzprojecte eile, sich nach Dessau 
begeben, bereit auf den Wink Anhalts nach Berlin zur Unterzeichnung des Ver- 
trages zu kommen, wird von den kaiserlichen Ministern — Königsegg und Strat- 
man — in ihrem Gutachten vom 13. Oct. 1683 verworfen. Anhalt, der nach 
Berlin eilte, übergab das kaiserliche Project, konnte aber, da der Kurfürst von 
Sachsen in Berlin weilte und nach dessen Abreise der Kurfürst unpä>slich war, 
keine Resolution erhalten. In einem Schreiben d. d. Potsdam 24. Nov. 1683 
bittet er dann neuerdings um einen Bfischeid. Dieser erfolgte am 1. December 
st.v. 1683. 



Der Kurfürst an den Fürsten von Anhalt Dat. Potsdam 
l./ll. December 1683. (Or.) 

[Unmöglichkeit unter den gegebenen Verhältnissen die vom Kaiser gewünschte Allianz 
zu schliessen. Nothweudigkeit des Friedens mit Frankreich.] 

S. Ch. D. erkennen zuvorderist mit schuldigem Danke, dass I. K. M. 11. Dec. 
deroselben die Ehre thun und sie abermalen zu einer Allianz invitiren 
wollen. Sie würden selbige mit Freuden embrassiren, um dadurch die 
Begierde, so sie haben P. K. M. in allem nach Möglichkeit an Hand zu 
gehen und zu Gefallen zu leben, darzuthun, wann sie nicht in ihrem 
Gewissen persuadiret wären, dass bei jetzigem Zustande in- und ausser 
Reiches eine solche Allianz, wie diese ist, sowohl P. K. M. und dem 
Reiche, als auch zuvorderst S^ Ch. D. und dero Landen zum högsten 
schädlich und eine allgemeine Convulsion und Ruin nicht allein S*^. Ch. D., 
sondern auch dem ganzen Reiche besorglich zuziehen durfte. Dann, ob- 



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1120 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

zwar dieselbe einen löblichen und billigen Zweck hat, nemlich, nicht 
allein die Beschütz- und Erhaltung des Reichs und der Benachbarten, 
insonderheit der Krön Spanien, sondern auch die Widerherbeibringong 
dessen, was dem Reiche und denen Benachbarten nach dem münsterischeo 
Friedenschlusse unbilliger Weise entzogen worden; so ist ie offenkundig, 
dass man das erste ohne den geringsten Hazard und mit Acceptirung 
des von dem Gegentheile selber offerirten Friedens oder Stillstandes er- 
halten, zu dem andern aber scheinen die in dem Project vorgeschlagene 
und sonst erforderte media ietziger Zeit so gar nicht proportioniret, dass 
selbige vielmehr contrarium effectum operiren, und anstatt etwas da- 
durch zu recuperiren, man vielmehr besorglich Anlass geben möchte, 
noch ein mehres von dem Reiche abzureissen und dasselbe noch femer 
zu zergliederen. 

Es ist ja ohne einzige Widerrede zu begreifen, dass Frankreich ohne 
Krieg und Zwang sich zu dergleichen Restitution nimmer verstehen 
werde; dass es auch diese Extremität resolviret habe und der Krieg 
nahend sei, erscheinet klärlich, sowohl aus denen Werbungen, welche es 
thut, als auch aus demienigen, was in den Niederlanden mit Cortryck 
und Dixmuiden*) passiret, wodurch das Kriegesfeuer bereits alldoch 
einigermassen angangen und dann auch aus der Declaration, welche es 
abermalen gegen das Reich gethan, worinnen es die Offerten bis auf den 
letzten Tag dieses Jahres limitiret'). 

Nun erfordert die gesunde Vernunft, dass, wann ein Krieg ver- 
muthet, oder, wie allhier, bereits vor der Thüre ist, man zuvorderist reif- 
lich überlege, ob man Macht und Mittele habe dem Feinde zu resistiren 
und den Krieg mit Success zu führen. Dass solche Mittel im Reiche 
jetzo nicht vorhanden, ist sonnenklar am Tage. I. K. M., welche das 
grosseste Gewichte beitragen können, seind nebst dero negstgesessenen 
Ständen mit dem schweren Türkenkriege völlig occupirt und können 
wider Frankreich nicht einen Mann schicken. Die übrige armirte Stande 
in Deutschland seind unter sich nicht einig und haben ihre Benachbarten 
zu fürchten und wann auch gleich solches nicht wäre, seind dieselbe 
doch gar nicht süffisant den Krieg mit Frankreich allein zu führen, und 
ist leicht zu ermessen, wofern es zum Kriege kommen sollte, dass der- 
selbe weiter um sich greifen würde, als man jetzo wohl meinete, sonder- 



Courtray und Dixmuyden waren November 1683 gefallen; ?ergl. Droysen I. c 
III.j 766; Puf. 1. c. XVIII. 105; Müller I.e. I. 224. 
2) Theatrum Europaeum XII. 623. 



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Des Kurfürsten Rechtfertigung seiner Haltung. 1121 

lieh gegen Norden, doch dann aus dem ober- und niedersächsischen, wie 
auch westphalischen Kreise wenig Hülfe pro imperio zo gewarten, weil 
die in solchen Kreisen situirte Stande mit Beschützung ihrer eigenen 
Landen mehr als zu viel zu thun bekommen dürften. Auf auswärtige 
Hülfe hat man sich im geringsten nicht zu verlassen; theils derselben 
können sich selber nicht retten, theils seind unter sich uneins; theils 
praestiren dasienige nicht, was. man von ihnen erwartet und hat es die 
tägliche Erfahrung überall gnug gegeben, dass viele Allianzen, insonder- 
heit mit auswärtigen, wenig helfen, indem ein ieder sich nach dem 
Compass seines Interesse richtet. Zwart möchte man sich damit flattiren, 
Frankreich werde wie bishero also noch ferner nur mit Bedrohungen 
anhalten und wider das Reich nichts feindliches tentiren; inzwischen 
könnte der Friede mit dem Türken erfolgen und man alsdann Mittel 
gnug haben demselben zu resistiren, auch das Verlorene zu recuperiren. 
Ob aber solches von einem Potentaten, der sein Interesse und Conve- 
nienzen sehr wohl begreifet und mehr als einmal das praevenire gespielt 
hat, zu vermuthen, lasset man einen jeden urtheilen. S. Ch. D. können 
aus unfehlbaren Gründen iudiciren, dass Frankreich so lange nicht stille 
sitzen werde und dass eben diese Allianz das rechte Mittel sein würde 
selbiges a bout und zu einem coup desesperee zu poussiren; dann es ist 
bekannt, dass selbige Krön bis ietzo eine grosse Reflexion auf dieienige 
Stände, welche den Frieden gerathen und gesuchet, gemachet habe; in- 
sonderheit können S. Ch. D., wann es erfordert wird, klärlich darthuen, 
dass sie, wo nicht alles, dennoch ein grosses beigetragen, dass bis ietzo 
das Reich von fernerer Vergewaltigung befreiet geblieben und dass eben 
zu der Zeit^ wie man sie als französisch gesinnet angesehen und ausge- 
rufen, sie die Conservation und den Ruhestand ihres geliebtesten Vater- 
landes aus patriotischem Eifer am meisten besorget und verschaffet 
haben. Wann nun Frankreich sehen würde, dass S. Ch. D. auch der- 
gleichen mesures genommen, woraus der Krieg unvermeidlich erfolgen 
könne, so ist leicht zu ermessen, was es dawider vornehmen und ob es 
den ersten Streich und die Zeit, da seine Feinde sich in Positur gesetzet, 
erwarten werde? Wobei dann absonderlich zu bemerken, dass ausser 
der Gefahr, welche alsdann dem ganzen Reiche überkommen würde, 
S. Ch. D. und dero Landen einer absonderlichen Gefahr, ja dem unver- 
meidlichen Ruin würden exponiret bleiben; dann, gleichwie Frankreich 
nach solchem Erfolg auf dieselbe am meisten würde erbittert sein, so 
stünde demselben noch eben der Weg und die Mittele offen, deren es sich 

liater. t. Gesch. d. O. Kurfürsten. XIV. 2. 71 



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1122 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

hiebevorn gebrauchet, wie es in dero westphälische Landen eingedrangeo. 
Wann nan solches, das Gott verhüte, geschehen sollte, woher hätten S. 
Ch. D. die geringeste Hülfe und Schutz zu erwarten? I. K. M. entziehen 
sich derselben Obligation im 10. Artikel ausdrucklich und zwart bei 
wehrendem Türkenkriege in totum, bei erfolgendem franzosischen Kriege 
aber entweder auch in totum oder pro parte. 

Zwart wird in dem 18. Artikel die Hülfe von der Krön Spanien und 
deroselben Confoederirten wiewohl mit sehr zweifelhaften Expressionen 
gezeiget, aber was vor Hülfe können S. Ch. D. von dannen vermuthen, 
da ja weltkündig, dass sie ihre eigene Landen wider feindlichen Anfall 
nicht schützen noch retten können. Und ist insonderheit der 8. Artikel 
des Projects vor S. Ch. D. sehr hart und bedenklich, dann zufolge des- 
selben müssten S. Ch. D. jetzo die gesetzete Volkhülfe nach denen spani- 
schen Niederlanden schicken, weil der casus, so daselbst exprimiret wird, 
nach Occupirung von Cortryck^) und Dixmuyden bereits existiret, wo- 
durch dann S. Ch. D., ohne einige Gegenhülfe zu hoffen^ oder zu gewarten, 
sich in ein gefahrliches Kriegesfeuer stecken und Frankreichs Macht und 
Ressentiment gleich jetzo auf sich ziehen würden, welches, wie sie es 
gegen die von Gott ihre anvertrauete Lande nimmer verantworten könnten, 
als hoffen sie, man werde daraus um so viel mehr die Nothwendigkeit, 
dergleichen Bündnisse bei jetzigem vulnerirtem Zustande der Sachen, ja 
fast offenen Kriege, zu decliniren, begreifen und von S'. Ch. D. nicht mehr 
begehren, als sie praestiren können. 

Da nun bekannt, dass das Reich jetzo nicht capable Frankreich zu 
widerstehen und fernere Vergewaltigung, ja den befürchtenden gänzlichen 
Untergang und Ruin abzukehren, viele weniger das Verlorne zu recupe- 
riren, so können S. Ch. D. nicht begreifen, wie ein einziger Patriote, 
deme die Erhaltunge des Reichs zu Herzen gehet, im Zweifel ziehen könne, 
ob es bei solcher Bewandtnisse nicht besser, den Frieden oder Stillestand 
mit Frankreich zu treffen, als das Reich einer so augenscheinlichen Ge- 
fahr, ja seiner gänzlichen Convulsion und Ruin fernerhin zu ex- 
poniren. 

Zwart haben I. K. M. vormals ein Particulieraccommodement zwischen 
dem Reiche und Frankreich decliniret und begehret, dass zugleich auch 
die Differenzien mit Spanien abgethan werden möchten, welches dann 
nicht ohne Grund gewesen, weil durch diese offenstehende Differenzien 
allezeit ein neues Kriegesfeuer hätte entzündet werden können. Weilen 



*) Courtray. 



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Des Karförsten Aeusserungen über den Stand der europäischen Angelegenheiten. 1123 

aber nunmehro nach des H°. Fürsten zu Anhalt D. Abreise von Wien 
als ein novum emergens sich hervorgethan, dass Frankreich einen Uni- 
versalfrieden oder Stillestand und den Schluss desselben auf eine gleiche 
Zeit mit dem Reiche und Spanien offeriret, so haben nicht alleine S. Ch. 
D. deshalb unlängst ein bewegliches Schreiben an I. K.M.'), worauf sie 
sich hiemit nochmalen beziehen, abgehen lassen, sondern sie fassen auch 
nunmehro die sichere Zuversicht, I. K. M. werden, nachdeme nunmehro 
der fnmehmste Zweck erreichet, auch auf die Erhaltung dieses allge- 
meinen Friedens fnrnehmlich und alleine bedacht sein. Dann, wie hoch 
dieselbe von dem verderblichen Kriege und Blutvergiessen in der Christen- 
heit abhorriren, ist bekannt und ist es ohne dem dero höchsterleuchteten 
Prudence allerdings gemäss, vielmehr dasienige, was man sicher ohne 
Schwertschlag und ohne Hazard erhalten kann, zu amplectiren, als ein 
Ungewisses durch den zweifelhaften und gefahrlichen Ausschlag der 
Waffen zu suchen. 

Sollte man es aber dennoch über alles Vermuthen zur Extremität 
kommen lassen und das Reich dadurch abermalen in die Gefahr seines 
Unterganges und gänzlicher Dissolution setzen wollen, müssten S. Ch. D. 
solches dahin gestellet sein lassen und sich damit vergnügen, dass sie 
keinen Theil daran, sondern vielemehr das ihrige mit treuen wohlgemei- 
neten und unnachlässigen Erinnerungen gethan haben. Im übrigen ver- 
sicheren S. Ch. D. I. K. M. nochmalen hiemit aufs kräftigste, dass sie 
sich der Schuldigkeit, womit sie P. K. M. und dem Reiche verwandt, 
nimmer entziehen werden; dass sie niemalen einig foedus gemachet, so 
dieser Obligation zuwider, auch dergleichen zu machen nicht im Sinne 
nehmen. Sie erbieten sich femer, sobald das Werk mit Frankreich 
wird abgemachet und der Ruhestand des Reichs von der Seiten be- 
festiget sein, dass mit P. K. M. sie sich so genaue und feste, als dieselbe 
esb immer verlangen werden, zu Erhaltunge des getroffenen Friedens oder 
Stillestandes, wie auch wegen aller anderen Convenienzien verbinden und 
deroselben bei cessirender Gefahr von Frankreich alle kräftige Hülfe 
wider den Erbfeind leisten, auch sonst in alle Wege erweisen wollen, 
dass sie ein getreuer Churfürst P. K. M. und des Reichs seind. S. Ch. D. 
können auch ohne Vanität versicheren und wird es das fürstliche Haus 
Lüneburg vornehmlich bezeugen müssen, dass sie alleine im verwichenen 
Sommer es dahin gerichtet, dass der Friede und Ruhestand in Norden 



*) Schreiben des Kurforsten an Leopold 10./20. Not. 1683; abgedruckt bei Orlich 
I.e. 331 f.; Londorp I.e. XI. 570f. 

71* 



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1124 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

bis jetzo erhalten und ein höchst gefahrlicher Krieg daselbst verbötet 
worden; sie wollen noch ferner dahin sich mit äussersten Kräften be- 
arbeiten; hoflfen auch darunter vermittelst des Högsten Beistand noch 
weiter zu reussiren, wann es nur mit Frankreich zu keiner Weiterunge 
kommet, dann solchenfalls können sie anders nicht absehen oder ur- 
theilen, als dass alles, wie im Reiche, also auch in Norden, über und 
über gehen werde. Schliesslich bedanken S. Ch. D. sich gegen dero H°. 
Vettern, des Fürsten zu Anhalt D., freundvetterlich vorgenommener Be- 
mühunge in dieser wichtigen Sache ') und verbleiben deroselben zu Er- 
weisunge angenehmer Dienste stets geflissen. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 19. Febr. 1684. (Or.) 

[Erklärungen Anhalts zu Dessau über die Gründe des Scheiterns seines Versuches 
eine Eini^ng zwischen Oesterreich und Brandenburg herbeizuführen. Gegenminen 
der Franzosen. Bestechung der kurfürstlichen Minister seitens derselben. Regalirung 
des Kurfürsten und der Kurfürstin. Geringes Vertrauen Anhalts in den Erfolg der 
neuen Mission Lambergs. Audienz beim Kurfürsten. Unterredung mit demselben 
über den Frieden. Friedrich Wilhelm betont die Nothwendigkeit des Friedens- 
schlusses mit Preisgabe Strassburgs. Meinders ist für einen Waffenstillstand. Crtheil 
Lambergs über den Berliner Hof und dessen Friedenspläne. Des Kurprinzen Heirath. 
Rathschlag Anhalts durch die Polen auf den Kurfürsten im Sinne des Friedens mit 
den Türken zu wirken. Des Fuchs Mission an die braunschweigischen Hofe.] 

19. Febr. Lamberg ist am 11. Februar in Dessau beim Fürsten Johann Georg von 

Anhalt eingetroffert, der ihn seiner Devotion gegen den Kaiser versicherte, zu- 
gleich die Gründe angab, warum er mit der Absicht den kurfürstlichen Hof 
ganz für den Kaiser zu gewinnen nicht an's Ziel gekommen seL Nemlich 

seine Proposition von Geldofferten und Regalirang der Frau Churfurstin 
hätte zwar Anfangs ziemliche Wohlgefälligkeit gefunden, sei aber zugleich 
bei denen Franzosen ausbrüchig worden und solches zwar aus Engelland 
und aus des spanischen Botschafters Ronquillo') Haus, dem es von dem 
Marquez Burgomanero wäre zugeschrieben worden. Worauf der firan- 
zösische Minister Graf Rebenac 20 000 Ducateu in specie zur Hand ge- 
bracht und den Churfürsten damit regalirt habe; der geheime Rath Fuchs 
habe glaubwürdigem Bericht nach 6000 Thaler für seinen part gezogen, 
worab leicht zu erachten, wie viel ein mehrers dem Meinders zu Theil 
müsse worden sein'). Demnechst sei auch der Frau Churfurstin Rega- 

') Diese letzte Stelle, sowie einige andere bei Droysen 1. c. 762 ff. ; auch Puf. 1. c. 
XVin. 105. 

^ Don Pedro de Ronquillo, spanischer Gesandter in London. 
^ Vergl. Klopp, Das Turkcnjahr 1683, 278 Aum. 5. 



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Anhalts Erklärungen. Vorgehen der franz. Partei. Audienz bei Fr. Wilh. 1125 

lirung erfolgt, worunter blöslich die Tapezereien auf 30000 Thaler 
geschätzt würden. Weichergestalt dann die Krön Frankreich mit ihrem 
Intent so viel leichter habe hinauslangen können, als seines Vermuthens 
unter seinem Abwesen mit selbiger ein engere Allianz geschlossen wor- 
den'); wess wegen der H'. Churfürst so viel weniger getraue mit E'. 
K. M. sich in Bündnus einzulassen, als er besorge, es möchten die vom 
Grafen Rebenac bereit vorhin geschehene Bedrohungen sodann unfehl- 
barlich zum Effect gereichen; massen dann die vorgewesene branden- 
burgische Hilfschickung gegen den Erbfeind im innersten einig und allein 
der Ursach röckgängig worden, weilen Frankreich sich angelassen, erstlich 
alle des H". Churförstens mit ihm geführte consilia und Complots offen- 
bar zu machen und sodann auf desselben rheinische Land loszugehen 
und ein Exempel einer wohlverdienten Räch an denselben zu statuiren. 
Welchem der Fürst weiter angefügt, dass bei so gestellten Dingen er 
sich nicht wohl bereden könne, dass mein neuer Friedens vertrag, wie 
tief er auch in der Billichkeit mittelst Sollicitirung churfürstlicher Officien 
bei der Krön Frankreich zu Erhaltung eines moderirten Friedens ge- 
gründet wäre, das mindeste verfangen würde; es wäre dann, dass Frank- 
reich selbst seinem Interesse übelständig zu sein erachtete, auf seinen 
bisherigen Friedenspropositionen länger zu verharren. 

Im übrigen räth der Fürst, Sachsen so viel als möglich zu cajoliren, damit 
es nicht auf die Seite Brandenborgs trete. 

Am 16. Februar hat Lamberg Audienz, bei der sich der Knrfürst freundlich 
zeigt und weitere Berathungen über den Friedensvorschlag verspricht. Nach 
der Tafel äussert der Kurfürst seine Ansicht hinsichtlich des Friedens dahin, 
dass, wann die Stadt Strassburg ohne einiges Beding an Frankreich 
überlassen, von Frankreich hingegen dasienige, so es nach der Ver- 
gwaltigung Strassburgs dem Reich abgenommen, ebenfalls ohne Beding 
veider herüber gestellet würde, er vermeinte, der Fried unverweilet zu 
Wege gerichtet sein würde, worunter er für kein geringes hielte, was 
solchergestalt von Frankreich müsste restituirt werden; mit welchem 
allem er sich gleichwohl nicht verfänglich gemacht haben wollte. Er 
wurde endlich schlüssig, dass ein fördersamer Fried dem armistitio in 
alle Weis vorzusetzen. Da ich mich aber verlauten Hesse, was Frank- 
reich ohne Strassburg nach Abreis seiner Gesandtschaft gen Frankfurt 
weggenommen würde schwerlich in etwas mehrerm als etlich Dorf- 



') In der That war am 15./25. Oct. 1683 zu Potsdam eine engere geheime Allianz 
zwischen Brandenburg und Frankreich geschlossen worden. VergL Mörner 1. c. 450 f.; 
Klopp, Das Turkenjahr 1683, 278f.; Droysen 1. c. 765f. 



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1126 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Schäften bestehen und das Reich dadurch eine geringe Barriere und 
Sicherheit überkommen, vermerkte ich, dass er sich in sich selbst er- 
eiferte und gleich darauf sagte er gleichsam seufzend: Nun sehe ich 
Wühl, dass ich im römischen Reich keinen Fried noch Ruhestand mehr 
erleben werde; brache darauf den Discurs und fingirte einen Schmerzen im 
Kreuz, welches mir, als ein bereit von etlich Jahren wohlbekanntes 
Zeichen zu erkennen gäbe, dass meine Replic nicht allerdings annehmlich 
gewesen. 

Meinders, der wenige Stunden darauf Lamberg anfsacht, empfiehlt gleich- 
falls sehr lebhaft im Interesse des Reiches die friedliche Abkunft mit Frank- 
reich; hält aber das Armistitium för förderlicher als den Frieden, weil dieses 
letzten conditiones auf ewig angesehen sein würden, die Parteien aber 
darinnen annoch allzuweit von einander stünden und dess wegen allzu- 
langen Verzug erforderten. . . . Dass nun dem H". Churfürsten der Fried, 
dem Meinders das Armistitium beliebet, sothaner Diversität Ursach achte 
ich zu sein, weilen dieser inzwischen noch nichts vergeben, abwarten will, 
wie sich etwa die Zeiten anlassen möchten, um wiederum im Trüben 
zu fischen und seinen Herrn allzeit auf die stärkste Partei zu ziehen. 
Der H'. Churfürst hingegen siehet auf das gegenwärtige und gedenket 
das für die gänzliche Hinüberlassung Strassburgs etwan Stipulirte sowohl 
für sich, als die Frau Churfürstin, noch bei Lebzeiten einzuziehen, stim- 
met derowegen auf den Frieden. Im üebrigen drängt Meinders auf schleu- 
nige Abmachung mit Frankreich. Ich habe in summa aus allen mit Mein- 
ders hinc et inde gepflogenen Discursen genugsam abzunehmen gehabt, 
dass dieser Hof durch seine mit Frankreich habende Bündnussen sich 
gegen sothane Krön, sogar auch zu Einwendung gütlicher Officien un- 
tauglich gemacht und blos ad nutum der Franzosen, wo diese auch 
immer mit dem Frieden hinaus wollen, nachschweifen müsse. 

In dieser Ansicht wird Lamberg durch die Mittheilungen der schwedischen >), 
holländischen^) und hannoverischen') Gesandten bestärkt. Alle stimmen 
überein, dass Brandenburg den Frieden in seinem Sinne durchsetzen wolle und 
fürchten sogar Gewaltmassregeln gegen die Widerstrebenden. 

Der Kurprinz theilt dem Lamberg mit, dass es betreffs seiner Heirath mit 
der hannoverischen Prinzessin *) bezüglich der Bedingungen noch nicht, in seinem 
Gemüth aber alles richtig sei, wovon er sich auch durch nichts auf der 



*) ürafenthal. 

^) Amerongen. 

3) Otto Groote. Vergl. Puf. L c. XVlll 106; Urk. u. Act. III. 767f. 

*) Sophie Charlotte. Vergl. ürk. u. Act 111. 707 f. 



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Aeusserung. d. Kurf. u. d. Meinders. Verhaudl. Lamberts mit Anhalt u. Meinders. 1 127 

Welt werde abbringen lassen, am allerwenigsten aber durch des Hauses 
Braunschweig mit seinem H". Vater nicht einstimmige Sentimenten ^). . . . 
Sonsten beschwerten sich der schwedische und holländische Minister'), 
dass des von Groot allhie gehabte Conduite und Miteinstimmung zu 
einem forderlichen französischen Frieden ihnen ganz nicht anstünden. 
Welches ich jedoch dahin gedeutet, dass es theils zu Gewinnung des 
H". Churfürstens für den ' verwesenden ihme bisher nicht angenehmen 
Heirath, theils zu Vortheil seiner Principalen, um denenselben etwa desto 
leichter Subsidien zu erhandlen, nur ein äusserliches annehmen gewesen. 
Im üebrigen höre ich durchgehends allhie das alte Gesang, dass, wann 
nur für diesmal Frieden geschlossen, der Herr Churfiirst zu dessen be- 
ständiger Erhaltung sich in alle erdenkliche Confoederation mit E**. K. M. 
einlassen, ia wie Meinders sagte, carta bianca darüber von sich stellen 
wollte. 

Der Abt von Murbach ^) erklärt gleichfalls, das Benehmen seines Herrn, des 
Kurfürsten von Köln, sei einzig und allein aus Furcht vor Frankreich zu er- 
klären. 

Zn Commissären für die Verhandlungen mit Lamberg sind Anhalt und 
Meinders bestimmt; Anhalt hält dafür, es wäre sehr zweckmässig, wenn der 
Kaiser den König von Polen vermögen könnte, einen Officier nach Berlin zu 
senden, welcher erklärte, es würde E'. K. M. weder für Gott noch den 
Menschen in specie von dero Alliirten können verdacht werden, wann 
sie lieber mit dem Türken einen reputirlichen, als mit den Franzosen 
einen disreputirlichen schändlichen Frieden machen sollten. Sintemalen 
nun aber solches durch dieienige, so E. K. M. anietzo zum iranzösischen 
Frieden dringen wollten, unfehlbar verursacht werden wurde, als könnte 
es sodann sammt dem auf die ganze Christenheit, für allem andern 
aber auf die Eron Polen dadurch derivirende unwiderbringliche Schaden 
niemanden als denenselben beigemessen werden; S. K. M. und die Eron 
wollten sich derowegen zu I'. Ch. D. versehen, sie würden dergleichen 
von andern etwa an sie gebrachten tentativis keinen Platz bei sich 
verstatten. Widrigenfalls würden sie zwar gemüssigt sein dero bisher 
gegen die Türken (gegen welche sie allein nicht bastant wären) von 
Gott gesegnete Walfen von denenselben zurückzuziehen, herentgegen aber 
auch mit E'. K. M., als mit deren sie gegen jedermänniglich, niemand 
ausgenommen, in Defensivallianz stünden, andere mesures zu nehmen 



») Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 100. 
3) Vergl. ürk. u. Act. III. 767. 
») Felix Egon ▼. Fürstenberg. Vergl. Puf. 1. c. XVIII. 113; ürk.u. Act. III. 768. 



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J 



1128 IX. Lamberg iu Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

sich gezwungen lindeu. Der Fürst von Anhalt versichert, solches werde 
all hie einen gewaltigen Effect thun. Fachs ist von den braunschweigischen 
Fürsten unbefriedigt zurückgekehrt^), da diese Fürsten sich zwar zum Frieden 
mit Frankreich Anfangs geneigt zeigten, die Projecte aber zu weitaussehend 
fanden. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 26. Febr. 1684 (Or.) 

[Lambergs Ansicht über die Gründe des Drängens nach Frieden seitens d^ Kur- 
fürsten, ürtheil der schwedischen und staatischen Depulirten. Erklärungen des 
Meinders bezüglich des 20jährigen Waffenstillstandes, ürtheil Lambergs darüber. 
Bevorstehende Ankunft des Castellans von Posen. Erklärungen des Abtes von Mar- 
bach. ürtheil Lambergs über dieselben.] 

26. Febr. Eine bestimmte Erklärung ist in der Allianz- und Friedensfrage noch nicht 

erfolgt. Das Werk aber kurz zu fassen und von hiesigen Hofs innersten 
Gesinnungen aus dem Grund zu reden, dringt man der Ursachen so 
eiferig auf die Annehmung eines armistitii unter Bedrohung eines nor- 
dischen Kriegs, weil man sich beföhrt, der Prinz von Oranien möchte 
der Stadt Amsterdam Widersprechungen ungeachtet mit denen Werbungen 
durchbrechen*), mithin die Krön Spanien so viel mehr animirt werden, 
um den französischen eigenwilligen Stillstand so viel weniger anzuneh- 
men ; E. K. M. auch, vorderist da Moskau mit Polen und die Republik 
von Venedig künftige Campagne gegen den Erbfeind agiren sollten*), 
soviel freie Hand gewinnen, dass sie etlich 1000 Mann in Ungarn ent- 
behren und in das Reich schicken könnten, wodurch dann hiesig fran- 
zösisch gesinnte Partei nicht allein mit ihren Friedensdesseins nicht auf- 
kommen, sondern vielmehr E^ K. M. und dero Alliirten Sentimenten wur- 
den beipflichten müssen. Es seind dahero neben mir der schwedische*) 
und holländische^) Minister der gänzlichen Meinung, dass, wann E^ K. M. 
Alliirte nur fest beisammen stehen bleiben und sich das 20jährige Ar- 
mistitium vom Gegentheil ^ nicht abdrucken lassen, man von Seiten 
Brandenburg und Köln viel eher weichen^ als dem König in Dänemark 
seinen Bruch gestatten werde, angesehen sie durch solchen Bruch ihre 
Intention, so der Fried mit Frankreich ist, nicht allein nicht erhalten, 

») Puf. I. c. XVIII. 102; ürk. u. Act. III. 768. 

2) Vergl. Droysen 1. c. III3 769; Puf. 1. c. X\IU. 118; Müller 1. c. 233. 

') Am 4. März 1684 wurde die heilige Liga zwischen Oesterreich, Polen und 
Venedig geschlossen. Der Vertrag abgedruckt bei Du Mont I.e. VII.j 71 f.; Tergl. 
Klopp, Das Türkenjahr 1683, 386 flf. 

Grafeuthal. 

*) Amerongeo. 



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Grande des Drängen^ Fr. Wilb. zum Frieden. Des Meinders Ansichten. 1129 

sondern vielmehr den offenbaren Krieg hereinziehen würden, dannenhero 
auch Charbrandenburg sich der Befahrung, ob wurde er mit in den 
Krieg geflochten werden, nur äusserlich annehme, innerlich aber nicht 
bedacht sei, sothaner Krön zu Gefallen, die Schweden und das Haus 
Braunschweig anzugreifen und sich in Hazard zu stellen nebenst selbiger 
zum Reichsfeind erklärt zu werden ; vorderist und da, wie sehr auch die 
schwedische Macht äusserlich verringert wird, man doch genugsam er- 
kennet, was dem H°. Churfursten im Rücken, aus Polen sowohl als 
Schweden in Preussen, aus Schlesien aber nur mit einer geringen Mann- 
schaft in der Neuen-Mari^ und sonsten könne geschadet werden. Es 
gehet derowegen dem H°. Churfursten und denen allhie französisch Ge- 
sinnten nichts näher und empfindlicher zu Gemuth, als wann ihnen vor- 
gehalten wird, es würden E. K. M. vielleicht mit Willen der Krön Polen 
ehender einen reputirlichen Frieden mit dem Erbfeind eingehen, als so 
schimpfliche Tractaten mit Frankreich, wodurch die Sachen 20 Jahr lang 
mit selbiger Krön in statu quo zu halten, sich abdringen lassen. Den 
Stillstand aber mit Frankreich an sich selbst betreffend, hat sich Mein- 
ders noch ferner gegen mich dahin geäussert, dass dieser zwar der In- 
tention nach universal sein sollte, sich aber wegen Restitution von Ca- 
sale, Lothringen, Holstein, Moutbeliard und dergleichen daran hindern 
zu lassen, würde dem Reich so wenig gerathen sein, als es bei dem 
virestphälischen Friedenschluss gewesen sich wegen des burgundischen 
Kreises aufzuhalten und sintemalen die Sachen in statu quo blieben, 
wurde besagten Particularständen und Fürsten nichts benommen, sondern 
Zeit gewonnen sein selbige Sachen indessen friedlich zu definiren. 
Woraus dann klärlich erhellet, . . . dass man allhie nicht allein in alles, 
was Frankreich will, gehehlen muss, sondern auch E^ K. M. AUiirte 
durch Bedrohungen gleichsam zu zwingen die Krön Spanien vom Reich 
völlig abzuschneiden und allen Unfug auf deren Opiniastrete, wie sie 
reden, zu wälzen suche, zumalen ia dieselbe den Frieden, wie sie femer 
za sprechen fortfahren, von Frankreich haben könnte, wann sie nur 
Courtray und Dixmujden zurücklassen wollte, wie sich dann Frankreich 
in allem übrigen, was es von Zeit des nymwegischen Friedens in Nieder- 
land genommen, zu proportionirlicher Restitution, auch Verzeihung aller 
noch habender Praetensionen, verstehen wolle. Sonsten wiederholte zwar 
Meinders nochmal, dass wann nur der Stillstand, deme dannoch nicht 
zu entgehen sei, eingewilligt worden, sein Herr Churfürst E^ K. M. zu 
allen beliebigen Bündnussen mit deroselben carta bianca von Händen 



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1130 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

stellen wollte. Allein ich bedenke allerunterthänigst hingegen, dass, wann 
es dermaleins damit zu der Sach selbst kommen sollte, ausser allem 
Zweifel die Praetensionen an Spanien und die auf einig schlesische Her- 
zogthümer mit allem Unfug gemachte Zusprach gleichwohl nichtsdesto- 
weniger wiederum auf den Teppich kommen wurden und wann die pen- 
siones von Frankreich aufhören, so werden sie ganz sicherlich von E'. 
K. M. oder der Krön Spanien zu Erhaltung ihrer Völker Subsidien be- 
gehren. Der Castellan von Posen wird als polnischer Gesandter hier erwartet*). 
Der Abt von Morbacb ist nach Dänemark gereist, kehrt aber wieder nach Berlin 
zurück. Er hat dem Lamberg die besten Versieberangen gegeben *), aber 
seine allhiesige Negociation lauft demienigen, so Chur-CöUn selbst in puncto 
armistitii und anderem gegen den Baron von Plittersdorf nenlichst favo- 
rabiliter erwähnet, so gerad entgegen, dass ich fast besorgen muss. die 
chur fürstliche ex()ressiones seien mehr auf die Hoffnung etwan die mün- 
sterische Confirmation bei E^ K. M. dadurch fordern zu können, als auf 
den Ernst gegründet. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 4. März 1684. (Or.) 

[Friedensfrage. Sachsen sucht bei Brandenburg Rath bezüglich des Haager Congresses 
und der Association. Geplante Zusammenkunft der Kurfürsten von Brandenburg and 

Sachsen.] 

4. März. Entscheidendes ist in der Friedensfrage noch nicht erfolgt *). Sachsen soll 

sich an den Brandenburger um Rath gewendet haben wegen Beschickung des 



*) Albert Constantin de Gorai Breza; Vertrag bei Mörner^l. c. 456 f.; Tcrgl. Pul 
1. c. XVIII. 137. 

^) Für die brandenburg-kolnischen Beziehungen in dieser Zeit Puf. 1. c. XVIII. 
113 E 

') Bei einer Conferenz am 9./19. Februar 1684 proponirt Lamberg (Extract. 
protocolli): Der Kaiser habe, da alle Bemühungen mit Frankreich zu einem Resultate 
zu gelangen durch Frankreichs Vorgehen gescheitert seien, einen GeneralconTent der 
Alliirten nach dem Haag berufen, um dort über die Mittel und Wege zu beratben, 
welche im Interesse des allgemeinen Friedens zu ergreifen wären. Der Kaiser hoflt 
Brandenburg wird dieses unternehmen fordern. Sollte dies aber wider Erwarten nicht 
der Fall sein, „so würden I. K. M. nicht zu verdenken sein, wann sie nebenst ihren 
Alliirten auf des Reichs Sicherheit bedacht wären und dero Gonsilien darnach rich- 
teten, um nicht eben gezwungen zu sein, denen übermässigen Gesetzgebungen einer 
fremden Krön in allem blindling nachzusch weifen ''. Das Reich ist besser geröstet 
als je und wenn die Herrscher von Brandenburg, Köln und Braunschweig, jeder nur 
15 000 Mann durchschnittlich zur Verfügung stellen würden, so wäre das Reich mit 
des Kaisers Truppen Frankreich mehr als gewachsen. Einen Angriff Dänemarks bat 
Brandenburg nicht zu fürchten. 



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Verhandlungen Lambergs in der Friedensfrage. 1 

Haager Congresses^) und wegen Eintrittes in die Association. Der Gast« 
von Posen ist angekommen. £ine persönliche Zusammenkunft der Eurfüi 
von Brandenburg und Sachsen war geplant; Zweck derselben war die II 
habung der Praeeminenzen; doch ist ein Hindernis eingetreten, so dass die 
sammenkunft nicht stattfand. 



Lamberg an den Kaiser. Dat. Berlin 7. März 1684. (Oi 

[Verbandlungen Lambergs mit dem Kurfürsten und mit dessen Käthen über die Friec 
frage. Erklärungen des Kurfürsten. Dessen Vertrautheit mit Meinders. Der Kur 
drängt den Färsten von Anhalt, beim Kaiser für den Abschluss des Waffenstillsta 
zu wirken. Ansicht Lambergs über die Gründe des Drängens Friedrich Wilb 
zum Waffenstillstände. Franzosische Gesinnung des polnischen Gesandten.] 

Lamberg übersendet 1°. die auf seinen Vortrag erfolgte erste karfürst 
Eventualantwort'^), 2°. die von ihm darüber eingegebenen Erläuterungspunk 
30. die letzte Antwort des Kurfürsten^). 



^) Der Haager Congress wurde vom Kaiser, Spanien, Schweden, Baiem, dem 
kiscben und dem oberrheinischen Kreis, Braunschweig-Lüneburg und von den 
zogen von Sachsen beschickt und es sollte daselbst über die Mittel der Herstel 
eines allgemeinen Friedens oder 8jährigen Waffenstillstandes berathen werden. 
Verhandlungen verliefen aber resultatlos. Vergl. Müller I.e. 229 f.; ürk. u. Act 
768; Klopp, Geschichte des Falles des Hauses Stuart II. 427 ff.; Fester 1. c. 54 f 

^ Der wesentliche Inhalt dieser Antwort ist: Ein üniversalfriede wäre auch 
Kurfürsten sehr erwünscht; aber der Friede ist dem Reiche so nothwendig, dasi 
Kurfürst es für die Pflicht eines patriotischen deutschen Fürsten hält, wenn Spa 
sich mit Frankreich nicht einigen kann, doch für den Abschluss des Friedens fü 
Reich zu wirken. Bezüglich des Ortes bleibt der Kurfürst dabei, dass über Re 
angelegeuheiten am besten am Reichstage verhandelt werden könne. Dagegen gib 
Kurfürst zu, dass über die spanisch-französischen Differenzen am besten im Haag ¥ 
verhandelt werden können. (Vergl. Urk. u. Act. III. 768 f.) Eine Aenderung in 
BMingungen des Waffenstillstandes zu erreichen, hält der Kurfürst für unmö^ 
Was von einer Verfassung in den gegenwärtigen Zuständen gutes zu hoffen, übei 
der Kurfürst dem Kaiser zu beurtheilen. Was Dänemark betrifft, glaubt der Kur 
durchaus nicht, dass von dieser Macht dem Reiche etwas feindliches drohe. (\ 
Puf. I.e. XVin. HO.) 

') Der Inhalt dieser Erläuterungspuncte ist; P. dass unter dem Wort „univer 
alle und jede zu verstehen, die eine Cofaaerenz mit dem Reiche haben und von Fi 
reich oder anderen angegriffen würden; 2® der Kaiser hat nicht gesagt, er woll 
Haag über den Frieden zwischen dem Reiche und Frankreich verhandeln, sor 
daselbst blos mit allen A Härten berathschlagen, „wie die französischen wörtli 
Anerbietungen des Universalfriedens am füglichsten und förderlichsten zu der 
und Wirklichkeit zu bringen.** 

*) Der Inhalt dieser Antwort ist: P. Der Kurfürst wiederholt, wie lieb ibic 
Universalfriede wäre und verspricht auch alles für denselben zu thun; aber er 
daran fest, dass in jedem Falle das Reich Frieden oder Stillstand schliessen n 



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1132 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

Ob ich nun zwar . . . dem Rath Meinders fort and fort remonsUiret, 
dass von Frankreich moderirtere Friedens- oder Stillstandsconditioneä 
zu erlangen hiesiger Seiten einig und allein der Will entgegen stünde, 
so ist selbiger dannoch von seinen ein für allemal gefassten principiis 
dermalen unmöglich abzubringen, folglich der H^ Churfürst, als wessen 
Sein, Gemnth und Gedanken er Meinders völlig regirt, in allerdings 
gleichmässigen Sentimenten, also dass auch der Fürst zu Anhalt sammt 
allen übrigen churfürstlichen geheimen Rathen in hoc frangenti vom 
churfürstlichen Vertrauen sich gänzlich ausgeschlossen und taglich sehen 
müssen, wie vertreulich der Herr Churfürst mit erstberührtem Meinders 
ganze Stunden allein conferire. 

So hat auch der H^ Churfürst noch erst gestern zweifelsfrei aus des- 
selben Anstiftung mehr dann jemal an den Fürsten zu Anhalt gesetzt, 
sein möglichstes bei E'. K. M. vorzukehren, dass dieselbe mit Anneh- 
mung des Stillstands mit Frankreich ferner nicht verweilen möchte, mit 
Einwenden, dass ihme mehr trübe Wolken, so im Gegenfall dem Reich 
obhiengen, bekannt wären, als er sagen dörfte. Er versichere nochmal 
als ein treuer Churfürst und betheuere, dass sobald er nur das römische 
Reich ausser Gefahr fernerer Zerfallung, ia gänzlich anscheinender Ruin, 
durch das Armistitium gesetzt sehen würde, er E^ K. M. gegen den 
Erbfeind mit 20000 Mann zur Hand gehen wollte. Widrigenfalls, und 
da er alle treue Ermahnungen vergeblich gethan, müsste er das Werk 
Gott befehlen. Welche Reichsständ aber das Unheil im Reich treffen 
würde, da dörfte das Haus Braunschweig, wann es bei seiner Maxime 
gegen des H". Churfürstens fortwährende Warnungen verharrte, unter 
den ersten sein; welche Aeusserungen gegen den Fürsten mich so viel 
mehr besorgen machen, was mich der Baron von Plittersdorf be- 
richtet, dass einem entstandenen Ruf nach die Krön Schweden mit 
Dänemark ratione des Stifts Bremen in Tractaten stehen und mitbin 



2^ Der Kurfürst hat gerne vernommen, dass der Kaiser nicht im Haag über des 
Reiches Frieden beschliessen lassen wolle. 

In einem weiteren Schreiben fragt Lamberg den Kurfürsten, ob er, falls gegen 
Frankreich und die Türken zu gleicher Zeit gekämpft werden sollte, wie aus seinem 
Schreiben an den Kaiser hervorzugehen scheine, weder gegen Frankreich noch gegen 
die Türken dem Kaiser Hilfe leisten wolle und ob der Kurfürst für den Fall des 
Bruches mit Frankreich nicht zum Schutze des Reiches und seiner eigenen Lander 
der Association beitreten wolle. Einige Tage später (9. März) fragt Lamberg weiter 
an, „ob das 20jährige Armistitium . . . also zu nehmen, dass man sub isto vice in 
nullum prorsus casum (ausgenommen, wann das Reich auf deutschen Boden angegriffen 
würde) gegen Frankreich agiren dürfe". 



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Verhandlungen Lambergs in der Friedensfrage. 1133 

auch gar eine Neutralität schliessen dörfte^). Welche Befahrung, da 
ich dem Fürsten zu Anhalt in Vertrauen vorgestellt, er geantwortet, 
dass man hiesigen Orts, um mit dem armistitio durchzudrucken, freilich 
alles versuchen werde, demnach dergleichen Machinirung nicht unglaub- 
lich sei. In Bedenken so beschaffener churfurstlicher Bezeigungen bin 
ich der Meinung, dass solcher eigentlich 2 Grundursachen seien; 1^ dass 
I. Ch. D. mit der Krön Frankreich sich dergestalt vinculiret, dass auf den 
Fall nicht erfolgenden armistitii sie derselben mit Waffen beizutreten 
sich gehalten finden, so ihro aber sehr schwer, gefahrlich, oder gar un- 
thunlich furkommen will; 2^ dass deroselben die vermeinte Glori in den 
Sinn gebracht worden, sie wurden bei Durchdringung des armistitii der 
einige arbiter dessen gewesen sein, auch nachfolgend bei denen Friedens- 
tractaten arbiter bleiben. 

Der polnische Gesandte hat sich ganz gegen Lambergs Erwarten als An- 
hänger der franzosischen Partei erwiesen und mehr für als gegen die Annahme 
des Waffenstillstandes mit Frankreich gewirkt 



Lamberg an den Kaiser. Dat Berlin 14. März 1684. (Or.) 

[Neuerliche Tergebliche Verhandlungen Lambergs mit den kurfärstlichen Käthen. 
Sein Crtheil über die brandenburgische Politik. Stolze Sprache des Knrffirsten. 
Schwankende Haltung des Kurprinzen. Zusammenkunft der Kurfürsten von Branden- 
burg und Sachsen. Reise Lambergs nach Dresden. Abschiedsaudienz beim Kurfürsten.] 

Am 9**" war nene Conferenz. Lamberg vertritt in derselben nochmals den 14. Jfarz. 
Standpunkt des Kaisers und betont die Nothwendigkeit eines üni^'e^salfriedens. 
Die kurfärstlichen Käthe nehmen alles ad referendum und antworten dann 
schriftlich') durch eine Erklärung, in welcher der schlesischen Praetensionen 
gedacht wird, woraus Lamberg schliessen zn müssen glanbt, dass alle Muhe 
und Arbeit zusammt der Hoffnung verloren, hiesigen Hof jemal eines 
Nagelsbreit von seinen gefassten Sentimenten durch Lieb oder gütliche 
Fürstellungen abzubringen*), sondern ein solches allein alsdann zu ge- 

*) üeber die schwedisch-dänische Politik Carlson 1. c. V. 272 f. 

^ Der Kurfürst ist in der That der Ansicht, dass gegen Türken und Franzosen 
nicht zugleich zu kämpfen sei und da die Fortsetzung des Kampfes gegen die Tür- 
ken zweifellos, ist der Kurfürst für den sofortigen Abschluss des Friedens oder Still- 
standes mit Frankreich. In die Association zu treten trägt der Kurfürst Bedenken. 
DiePraetensionenauf Jägemdorf und auf die 3 anderen Fürstenthümer hält der Kurfürst 
für wohl begründet und hofft auf gute Satisfaction. Diese Kesolution ist gedruckt 
bei Londorp 1. c. XII. 36 f. ; vergl. daselbst p. 35 das Schreiben des Kurfürsten an 
den Kaiser, das sich in den Wiener Actenbeständen nicht mehr Torgefundon hat. 

^ Vergl. auch das Schreiben des Kurfürsten von Brandenburg an den Herzog 



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1134 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

warten, wann E. E. M. sich in Ungarn, es sei durch Stillstand oder för- 
derlichen Sieg vom Himmel, freiere Hand und bei den WidersinDigen 
dadurch mehrere Acht- und Nachdenkung gemacht haben werden. 
Ja, was das mehrere, so muss ich mit herzgreifendem Leid erfahren, 
dass sothane hiesige Renitenz nicht nur von der Vinculation mit Frank- 
reich, sondern eben so stark, wo nicht fast mehr, ab deme herrühre, dass 
man sich allhie als eine sonderbare auch auf die Posterität zu deriviren 
habende Glori zu Sinn steigen lassen, das arbitrium belli et pacis im 
Reich zu possidiren et post tot extra rem exaltatos triumphos in com- 
plementum omnium triumphornm auch über E. E. M. und das Vaterland 
in deme zu triumpbiren, dass man dieselbe wider Willens in den Frieden 
oder Stillstand mit Frankreich werde gezogen haben. So gar haben auch 
I. Ch. D. noch jüngst inter familiäres sich also beschaffener Enden aus- 
gelassen, dass darabzunehmen, wanngleich E. E. M. heut proprio motu 
den Frieden in particulari mit Frankreich einzugehen gesonnen werden 
sollte, man allhie sicherlich sich dagegen sträuben und es mit aller Gewalt 
zu hintertreiben versuchen würde Dem Churprinzen hat man An- 
fangs den hannoverischen Heirath (welcher doch nun so viel als gewiss 
zu halten^ obzwar die Vollziehung bis auf geendigtes Trauerjahr aas- 
gesetzt) so schwer gemacht, hernach aber gezeigt, ob wäre ihm allein 
durch die französische Partei zu helfen, dass er nun auch beginnet 
dieser Partei schön zu thun und nachzuschweifen. Die Zusammenknnft 
zwischen den Kurfürsten von Brandenbnrg und Sachsen ist von letzterem, wie 
Lamberg vernommen, zurückgewiesen worden. Lamberg wird sich nach Dresden 
begeben. 

Am 28. März verabschiedete sich Lamberg vom Kurfürsten , bei welcher 
Gelegenheit von beiden Seiten eine Wiederholung der früher gegebenen Er- 
klärungen erfolgte. 

Votum vom 16. März 1684 über Lambergs Schreiben vom 
19. und 26. Februar 1684. (Or.) 

[ünzweckmässigkeit unter den gegebenen Verhältnissen sich mit dem Kurfürsten be- 
hufs Abschlusses des geplanten Allianzprojectes einzulassen. Vorschläge bezüglich der 
im Haag zu treffenden Massregeln. Rasirung der Kehler Schanze. Garantirung der 

Tractate.] 
16. März. . . . Wie nun nach den Berichten Lambergs mehr zu wünschen, als 

einige Hoffnung und Äpparenz erscheinet, dass oftgedachter Churfurst 

Ernst August von Hannover vom selben Tage, 14^^ März 1G84, bei Londorp I. c. 
XII. 33 f. 



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Verband!. Lambergs in der Friedensfrage. Votum über Lamberts Berichte. 1135 

ZQ Braadenbarg sich zu E^. E. M. wenden, oder dem gemeinen Wesen 
zum Besten sich eines bessern werde berathen lassen, also ist zuvor- 
derst auch dahin reflectirt worden, dass der Graf von Lamberg stündlich 
seine endliche Verbescheidung daselbst erwartet, . . . mithin, da er von dort 
nach Sachsen reisen will, ihne die Expedition nicht mehr alldort antreffen 
wurde. Und wie dann solchem nach das mehriste nur zur Nachricht 
bei ferners schöpfenden Consilien und EntSchliessungen dienen wird, zu- 
maln aber auch bei der letztern vom Fürsten zu Anhalt beschehener An- 
frag, ob nemlich, wann der Churfurst die mit ihme nechstprojectirte con- 
ditiones zur Allianz annehmen wollte, auch an Seiten E^ K. M. die da- 
mals beschehene Geldofferten in integre verbleiben würden?, ist zuvor- 
derst zu bedenken, wie dann der Churfurst auch selbsten es dahin stellet, 
dass einige Allianz mit ihme, ehe und bevor der Fried oder Armistitium 
mit der Krön Frankreich werde errichtet sein, nicht stattfinden werde. 
Wie nun aber, wann solcher Fried oder Armistitium sollte getroffen 
werden, fast nicht zu zweiflen stehet, dass sowohl alle armirte Fürsten 
und Stande, als auch das Reich insgesammt, sich willfahrigst entschliessen 
würden die auf den Beinen habende und dermalen nur wegen der Eron 
Frankreich zurückhaltende Macht £'. K. M. gegen den Erbfeind zuzu- 
schicken und sofort unnöthig sein würde ein mehreres um dero eignes 
Geld und unter so schweren Unkosten zu dingen, zumalen alsdann nach 
erfolgtem Reichsschluss zur Türkenhülf die unarmirte Stande den ar- 
mirten ihr Contingent an Geld beizutragen hätten ; also da die erwähnter 
Massen dem Churfursten zu Brandenburg articulo XIII. aus E'. K. M. 
eignen Mittelen offerirte 300000 Reichsthaler auf die Hülf von 10000 
Mann gegen den Türken allein angesehen, so finden die gehorsamste 
Deputirte nicht, warum E. E. M. positis praemissis, und da bei Nicht- 
erfolgung des französischen armistitii von dorten ohne deme das geringste 
nicht zu erwarten stehet, sich zu dergleichen onere zum schädlichen 
Eingang auch gegen die übrige türkische Reichshülfen fast vergebentlich 
declariren sollten. 

Man soll daher in der Antwort an Lamberg von dieser Frage Anhalts ganz 
abstrahiren und ihm befehlen, sobald als möglich nach Sachsen za reisen, um 
dort wegen der Türkenhülfe abzoschliessen. 

Sonst aber, auch occasione dessen, dass der Churfurst zu Branden- 
burg in casum des Friedens oder armistitii mit Frankreich sich erbietet, 
alle foedera, Garantie und conventiones mit E'. E. M. einzugehen und 
eine carta bianca darzu von sich zu stellen, ist man auf die Gedanken 



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1136 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

geratheD, dass, weiln man doch so stark auf das Ärmistitium andringei 
und die Krön Frankreich darüber sonst kein Tractat admittireD wOL 
man sich im Haag möchte vernehmen lassen, dass man dann endKck 
das generale Ärmistitium auf 10 Jahr dergestalt annehmen wollte, dass 
unter einst alle mögliche Sicherheit und Garantie darüber eingericht 
würde, dabei dann neben der Generalgarantie und reciprocirlicher Ter- 
bindung mit wie viel Mannschaft ein ieder Alliirter seiner Länder und 
Kräften nach wider den pacis turbatorem agiren sollte, damit man fol> 
gends andere Kronen und Potenzen zur Conformitat zu vermögen um 
desto friedlicher und befürderlicher ein Negotium antreten könne, auch 
wegen des Reichs in specie einfliessen könnte, dass zu ermelter Sicher- 
heit nöthig seie, dass wenigst die Kehlerschanz rasirt, oder doch bis so 
Erreichung des Friedens in die dritte Hand sequestrirt und dann ein 
perpetuus miles von £•". K. M. und dem Reich auf selbigen Grenzen ge- 
setzt und unterhalten würde; als worüber solchem nach, noch vor An- 
nehmung des armistitii, nicht allein die Alliirte im Haag zu deliberiren 
und sich zu vergleichen hätten, sondern auch dem Grafen von Lamberg 
zuzuschreiben wäre, dass er darüber mit dem Fürsten zu Anhalt zo dem 
End conferiren möchte, damit dieser des Churfürsten zu Branden borg 
specialere Gedanken darüber vernehmen wollte, ob er etwa hierunter 
beipflichten und zur geraeinen Reichssicherheit concurriren möchte. 

Dass diese Mittheilang durch Anhalt an den Karfürsten erfolgte, geht ans 
dem Schreiben des Kurfürsten an Anhalt vom 3. April 1684 hervor; gedruckt 
bei Orlich I.e. III. 335 f. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Potsdam 11./21. Juni 1684. 

(Copie.) 

[NothweDdigkeit der Annahme des Waffenstillstandes imter den von Frankreich ge- 
forderten Bedingungen.] 

21. Juni. Aus E'. K. M. Schreiben sub dato Linz 10. Juni '), habe ich mit gebüh- 

rendem Respect ersehen, was dieselbe anderweit wegen Entsetzung der Fes- 
tung Luxemburg'), wie auch was bei dem armistitio mit der Krone Frank- 
reich zu beobachten fallen wolle, an mich in Gnaden gelangen zu lassen 
Belieben getragen. Gleichwie ich nun bereits, was das erste anbetrifft, 

') Liegt nicht vor; ein Auszug aus einem Schreiben des Kaisers an Anhalt bei 
Orlich 1. c. II. 508 Anm. 

^ Vergl. Klopp, Fall des Hauses Stuart, II. 435. Luxemburg capitulirte am 
4. Juni. 



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Des Korförsten Ansicht über die Frankr. gegenüber za beobachtende Politik. 1137 

auf E^ E. M. vorigtes gnädigstes Schreiben meine anterthänigste Gedanken 
eröffnet^), als befinde ich der Noth mich darauf nochmalen gehorsamst 

zu beziehen Belangende den Stillstand, welcher mit der Krön 

Frankreich zu treffen, so werden E. K. M. dero höchst erleuchtetem Ur- 
theil nach selber gnädigst ermessen, dass entweder derselbe auf solche 
conditiones, als man zu erhalten vermag, wird müssen geschlossen, oder 
gar abrumpiret werden, bevorab da Frankreich keinen fernem Aus- 
stand geben will; dann es meines geringen Ermessens auf eines hinaus- 
laufet, entweder die Tractaten, so bishero gepflogen worden, gar zu ab- 
rumpiren, oder den Scbluss derselben an solche conditiones zu binden, 
welche nicht zu erheben sein. Dass Frankreich von der Alternative, 
welche es im Monat Novem bris verwichenen Jahres hat proponiren lassen*) 
und die bis im Monat Aprilis dieses Jahres zu erhalten gewesen wäre, 
abgangen und Luxemburg nach geschehener Eroberung lediglich zu be- 
haupten Vorhabens, werden E. E. M. aus demienigen, was bishero im 
Haag vorkommen, zur Gnage vernommen haben. Dafern nun die Eron 
Spanien, wie dero Botschafter im Haag') vermittelst eines fibergebenen 
publiquen Memorials contestiret^) hat, auf die Restitution dieses Platzes 
und andere mehr Bedingungen, welche Frankreich nicht eingehen will, 
bestehen sollte, sehe ich kein ander Mittel übrig, als den Ausschlag der 
Waffen zu erwarten. Ob derselbe nun bei wehrendem Türkenkriege dem 
Reiche sowohl als der Eron Spanien vortheilig sein werde, daran muss 
ich, menschlichem Urtheil nach, allerdings zweifeien, zum wenigsten 
werde ich nicht können verdacht werden, wann ich an Ergreifung solcher 
Mittel, woraus ich eine gänzliche Dissolution und Ruin des Reichs be- 
fahren muss, keinen Theil nehmen kann. Die anwachsende franzosische 
Macht und daraus besorgende Vergewaltigung apprehendire ich so sehr, 
als jemand thun kann und ist es so ferne davon, dass ich durch meine 
Conduite oder consilia dieselbe zu vermehren getrachtet, wie man mir 
mit höchstem Unglimpf beimessen will, dass vielmehr mein einziges 
und wahrhaftes Absehen gewesen und noch ist, den fernem Anwachs 
dieser auswärtigen Macht durch Tractaten zu hemmen, weil solches 
durch Gewalt der Waffen bei jetzigem Zustand in- und ausser Reichs 
nicht zu hoffen gewesen. Zur Garantie desienigen, was wird geschlossen 



') Liegt nicht vor. 

«) Vergl. Pof. 1. c. XVIII. 104. 

*) Der ausserordentliche Gesandte Mi* de Castel Moncajo. 

*) Vergl. Theat. Europaeum XII. 730. 

Mater, c Gesch. d. O. Knrfürsteo. XIV. 2. 



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1138 IX. Laraberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682—1684. 

werden, habe ich mich jederzeit erboten, bleibe auch beständig dabe 
will selbige meines Orts so kräftig praestiren, als man immermehr 
mir desideriren wird. Im Uebrigen habe ich meine Gesandtscha 
Regensburg wegen des armistitii bereits dergestalt instruiret, wie i( 
des Reichs Besten gemäss erachtet und ersuche diesem nach E. I 
nochmalen aus ergebenem treu-aufrichtigem Herzen, dieselbe gei 
die iibergrosse Gefahr, so dem Reiche androhet und welche gei 
grösser als sie niemalen gewesen, durch dero höchstvernünftige Dire 
abzukehren und die Consistenz des Reichs durch TreJFung eines 
Stands, so gut man selbigen zu erhalten vermag, ohne fernere Ausset 
zu befestigen; ich sowohl als alle diejenige, so des Reichs Wohl 
fremden Interessen vorziehen, werden ihre davor ewig verbunden ble 



Caspar Florenz Consbruch') an den Kaiser. Dat. Berl 
21. Juli 1684. (Aut.) 

[Geneigtheit Frankreichs einen Generalstillstand eintreten zu lassen. Haltung 
marks. Erklärungen des dänischen Gesandten Ehrenschild. Erklärungen Fri( 
Wilhelms bezüglich der Garantie des Stillstandes. Neigung des kurfürstlichen 
zu Particularverträgen über die Unterstützung des Kaisers.] 

21. Juli. E^ K. M. wird auss der von mir jüngst überschickten churfürstli 

antworth*) gebührend referiret seyn, wohin sich der Churfürst auff 
durch mich hiehergebrachtes gnädigstes schreiben ') in einem und and 
absonderlich in p^. universalis armistitii et guarantiae erklehret I; 
Es ist seithero die nachricht alhier eingelauget, dass der König in Fra 
reich nicht abgeneigt seye, sondern vielmehr dem Verjus anbefo 
habe, einen generalen stillstand einzugehen, worauff der Churfürst 
vorgestern selbsten sagte, dass er auch nunmehr seiner Gesandtschaf 
Regenspurg anbefehlen Hesse, dasselbe mit allem ernst undt nacht 
beforderen zu helfTen. Ob und wie weit sich aber solches auff die 
dische strittigkeiten werde extendiren lassen stehet dahin, dan ob 
schon nicht zweifelt, dass der König in Dennemarck auf vermitte 
des Churfürsten die Mecklenburg- und Sachsen-Lawenburgische lai 
gegen erlegung einer gewissen Summe geldes anstatt der praetendirei 

») üeber seine Sendung Puf. 1. c. XVIII. 133. 
2) Vergl. das vorige Stück. 

^ Der in Wien nicht erhaltene Brief d.d. Linz 10. Juni; für den Inhalt y 
Puf. 1. c. XVIII. 133. 



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Bericht Consbnichs aus Rerlin. Stellung Frankreichs. Erklärungen Fr. Wilh. 1 139 

assignatiooeD wohl qaitiren werde '). so hatt sich dannoch desselben hier 
anwesender Extraord. Abgesandter, der von Ehrenschild'), verlauten lassen, 
dass Sein König wegen der bey jüngstem Französischen krieg, da derselbe 
vom Reich gantz verlassen, mithin alle gemachte conquisten zu restituiren 
genöhtiget worden, vergeblich aufgewendeten so grossen Kosten, noch 
eine rechtmessige praetension gegen das Reich zu haben vermeine. So 
seye demselben auch wegen Jevern ') die guarantie von der Cron Franck- 
reicfa versprochen und wie Er sein darauff habendes Recht keinesweegs 
in compromis zu stellen gedächte, also und noch viel weniger wurde er 
in denen Schlesswig- und Hollsteinischen, alss domestiquen affairen, sich 
eines anderen oder frembden aussspruch unterwerfen können, verfolglich 
wider das generale armistitium zu protestiren gezwungen werden, wan 
man diese sachen dergestalt darinn zu comprehendiren vermeint, dass 
Er sich deren allen auf einmal begeben sollte. Ich vernehme, dass der 
König vor einiger zeit den pass über die Elbe zu Magdeburg begehrt 
hatt, so ihme aber von dem Churfürsten abgeschlagen worden, massen 
er mir selbsten sagte, dass Er sowohl verwichen, alss dies jähr, negst 
Gott, allein verhüetet hette, dass diese Nordische und Nieder Sächsische 
Händel biss dato zu keiner grösseren weitläuffigkeit aussgebrochen weren ; 
ersuche aber E. K. M. dabey gantz instendig mit pubücirung der 
scharffen Mandaten und inhibitionen, welche Sie gegen Dennemarck er- 
gehen lassen und davon er abschrifft bekommen^), nicht fortzufahren, 
widrigenfalls in seinen vermögen nicht seye den König, so ein junger 
Herr und ohne dem des kriegs begierig, auch von Franckreich darzu wohl 
dörffte instigirt werden, lenger zurück zu halten; der Hannoveriche Mi- 
nister de Groot hette zwarn nichts darumb wissen noch gestehen wollen, 
dass denen Hertzogen von Braunschweig dergleichen mandata annoch zu- 
gekommen, gleichwohl hette er ihme gesagt dem Hertzogen zu schreiben, 
dass Sie dieselbe^ wassSie ihm zukommen mögten, nicht weiten public 
machen. 

In puncto guarantiae erbietet sich der Churfurst einen alss anderen 
weeg alsobald nach Schliessung des armistitii sich dergestalt zu er- 
klehren, wie man es von einem redlichen teutschen Churfürsten wird 
desideriren können. Ich bin zwarn noch vor wenig tagen vertröstet 

*) Vergl. für diese Angelegenheit Gebhardi 1. c. II. 610. 

*) Conrad Ebrenschild, dänischer Gesandter in Berlin, vergl. Puf. 1. c. XVI II. 100. 
^ Vergl. Pachner 1. c. II. 532 f. 

*) Vergl. Pachner 1. c. II. 484f.: Londorp 1. c. XII. 88, 100; XIII. 30ff.; Geb- 
hardi, Gesch. Dänemarks II. 614. 

72* 



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1140 IX. Lamberg in Berlin, Anhalt in Wien. 1682 — 1684. 

worden, dass man auch diesseits auf ein Reichsguetachten mit anl 
wolle, Kraflft dessen E. K. M. nicht allein ersucht werden mit 
eigenen macht das armistitium auf allen turbations- oder infractic 
aufs kräfftigste wider männiglichen zu manuteniren, sondern auch 
Fürsten und Stände schuldig seyn sollen ihr quantum an denen b 
provisionaliter bewilligten 40 ä 60000 Mann in solchem fall ohne fe 
Verzug unter E'. K. M. Oberdirection anziehen zu lassen. Weilen 
solcher Befehl noch nicht abgangen, so stehe ich annoch in zweiif* 
derselbe nicht sehr werde auf schrauben gesetzt, oder der brandeburgi 
Gesandschaift so spath zukommen, dass dergleichen conclusum seh 
lieh vor dem armistitio werde können erhoben werden. Wie dem 
aber, so kan ich doch für gewiss versicheren, dass obschon man ei 
an seithen diesses Hoffs zu feststellung einer generalen Reichsarmatu 
guarantie die vota in allem E^ K. M. gnädigster Intention gemeess einz 
ten vor oder nach geschlossenem armistitio kein bedenken machen w 
man doch niemahlen das diesseitige quantum E'. E. M. oder des I 
Generalitet untergeben, sondern dasselbe ehender auf etliche ta 
mann verstercken und in casu rupturae unterm Commando eines 
brandenburgischen generalen werde anziehen lassen wollen; wodurch 
auff einen particulartractat mit E'. K. M. anziehlet, und zwam dafür 1: 
dass eine generale Reichsguarantie festzustellen; weilen aber die 
herige erfahrung lehre,, dass von so vielen aller ohrten zusammengefü 
Hauffen wenig effects und nützen zu hoffen seye, so würde nöhtig 
dass auifm fuess derselben E. K. M. sich mit denen Mächtigeren im 
verbindeten, allermassen man mir zu vernehmen gegeben, dass 
Churfürst seinerseits darzu gantz disponirt und nur zu wissen bej 
wass E. E. M. darunter für gedancken führen mogten, wie ich dan 
nicht zweiffeie, es werde desswegen dem Freyherm von Schwerin, wc 
die Magdeburgische lehen zu empfangen zu E'. E. M. abgeordnet wird, 
einige Instruction mitgegeben werden. . . .0 



*) Schwerin kam erst zu Beginn des Jahres 1685 nach Wien. 



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X. 

Mission Franz Heinrichs von Mdag. 
Dec. 1684 -April 1688. 



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Einleitung. 



Der zwanzigjährige Waffenstillstand, der am 15. August 1684 zu Regens- 
burg unterzeichnet wurde, war das Resultat der fünfjährigen Feindschaft der 
beiden vorwaltenden Mächte Deutschlands. Der Kurfürst von Brandenburg 
war aus dem Kampfe mit dem Kaiser als Sieger hervorgegangen. Er hatte 
Rache an ihm und an jenen Mächten genommen, die ihn im Jahre 1679 gezwungen 
hatten das in mehrjährigen, mühevollen Kämpfen eroberte Gebiet herauszugeben, 
er hatte sie zur Unterzeichnung eines demüthigenden Vertrages gezwungen, 
durch welchen werthvoUe Besitzungen verloren giengen, unberechtigte Ansprüche 
eauf eine Reihe blühender Länder anerkannt werden mussten. Und doch lag für 
Friedrich Wilhelm kein Grund vor, sich zu freuen. Sein Ansehen war in den 
5 Jahren des Bündnisses mit Frankreich sehr gesunken. Er musste es sich 
gefallen lassen, dass man von ihm als von einem Vasallen des französischen 
Hofes sprach, dass man ihm die Schuld an dem Verluste Strassbnrgs, an der 
Erniedrigung des deutschen Reiches beimass, dass man ihn für die Folgen, 
welche aus der Anerkennung des franzosischen Uebergewichtes zu befürchten 
waren, verantwortlich machte. Und um so empfindlicher musste dies den Kur- 
fürsten verletzen, als er sich nicht nur gestehen musste, dass die Gefahren, 
von denen man sprach, wirklich bestanden, sondern sich auch darüber keiner 
Täuschung hingeben konnte, dass er das Endziel, um dessentwillen er sich an 
Ludwig XIV. angeschlossen, nicht erreichen werde. 

Denn wenn Friedrich Wilhelm immer wieder behauptet hat sich lediglich 
zur Ermöglichung einer vorübergehenden Waffenruhe mit Frankreich verbunden 
zu haben und jedes selbstische Motiv in seinen Beziehungen zum französischen 
Hofe geleugnet hat, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass er sich 
zum Anschlüsse an Ludwig XIV. nicht allein durch die Erkenntnis der Unmög- 
Hchkeit unter den bestehenden Verhältnissen dem übermächtigen Gegner Wider- 
stand zu leisten, sondern auch durch den Wunsch an seinen ehemaligen Ver- 
bündeten Rache zu nehmen und die zur Erhaltung seiner Truppen unerlässlichen 
Subsidien zu erlangen, wie auch durch die Hoffnung hat bestimmen lassen, an der 
Seite und mit der Hilfe des neuen Verbündeten das zu erreichen, was er im 



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1144 X. Mission Franz Heinrichs von Fridag. Dec. 1684— April 1688. 

Kampfe mit demselben nicht zu erzielen vermocht hatte. Immer deotfe^j 
trat im Verlaufe der zwischen Ludwig XTV. und dem Brandenburger gef^Ste^ ' 
Verhandlungen das Bestreben des letzteren hervor, die Zustimmung des Ei 
von Frankreich zur Wiedereroberung des schwedischen Besitzes in DentseUat 
zu erlangen und sich der Hilfe Frankreichs bei einem Kampfe gegen Sehv«ie 
zu versichern. In der That gelang es ihm auch in dem Momente, als Schwede 
als eines der hervorragendsten Glieder der Association, im Begriffe war, den Jknec 
au Frankreich zu erklären, Ludwig XIV. zur Gutheissung seiner Pläne g<ecct 
Schweden zu vermögen '). Wenn nun aber Friedrich Wilhelm unmittelbar i 
dem Abschlüsse des 20 jährigen Waffenstillstandes im Vereine mit Braanschi 
und Dänemark gegen Schweden vorzurücken Willens war und im Hinbfi^^ 
auf seine dem Hause Bourbon geleisteten Dienste und a,vi dio ihm von Ludwig üv 
gegebenen Versprechungen von diesem Förderung oder mindestens Gntheissia^ 
des Unternehmens erhoffte, so sah er sich bitter enttäuscht. Denn Ludwig XIT. 
erklärte rundweg ein derartiges Unternehmen nicht billigen, viel weniger 
unterstützen zu können und Hess keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er 
die Widerstrebenden seine Macht fühlen lassen werde. Die Folgen dieser Er- 
klärungen des Königs von Frankreich waren höchst bedeutende. Entrüstet übe? 
die Haltung Ludwig XIV., dem er im Grunde seines Herzens immer feind ge- 
wesen, an den er sich nur der Noth gehorchend und um seines Vortheils wilki 
angeschlossen, wandte sich Friedrich Wilhelm, als der von ihm für nothwend^ 
gehaltene Waffenstillstand geschlossen war und Ludwig XIV. seine Hoffioaikg 
auf die Durchführung der gegen Schweden gerichteten Pläne vernichtet hatte, 
von Neuem von Frankreich ab und suchte die im Laufe der letzten Jahre imms 
häufiger unter- und schliesslich abgebrochenen Beziehungen zu seinen firüheren 
Verbündeten, in erster Linie zu den Niederlanden und zum Kaiser, wieder auA 
zunehmen. Dass er bei diesem Bestreben bei beiden Mächten auf ein recht 
weites Entgegenkommen werde rechnen können, wusste er. Denn wie die Ge- 
neralstaaten durch die drohende Haltung Ludwig XIV. erschreckt sich die 
Hilfe des Brandenburgers für alle Fälle sichern wollten, so wünschte auch Leopold 
vom Kurfürsten bei seinen Kämpfen gegen die Türken unterstützt zu werden 
und zugleich alles für eine gemeinsame Abwehr neuer voraussichtlicher Ueber- 
griffe des Königs von Frankreich vorzubereiten. Kaum hatte daher der Karfnist 
im November 1684 den Kaiser durch ein eigenhändiges Schreiben ersucht für 
die Reichskriegsverfassung zu sorgen, für eine strammere militärische Organisa- 
tion des Reiches einzutreten und die Absendung eines hervorragenden Diplomaten 
— Otto's von Schwerin — zu weiteren Verhandlungen dieser und anderer 
Fragen in Aussicht gestellt, als auch der Wiener Hof, aller früheren Beschlüsse 
uneingedenk, sich entschloss, die seit dem Frühjahre abgebrochenen Beziehungen 
zum kurfürstlichen Hofe durch die Absendung eines neuen kaiserlichen Ge- 
sandten wieder aufzunehmen. 

Die Thätigkeit dieses letzten Vertreters Leopolds am kurfürstlichen Hofe 
im Zeitalter Friedrich Wilhelms, die Thätigkeit des Baron Franz Heinrich 

») Vertrag vom 20./30. April 1683. Vergl. Mömer 1. c. 439f. 



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Einleitung. 1145 

von Fridag') in diesem Zusammenhange zu schildern mag zu unterlassen ge- 
stattet sein, da dieselbe vor kurzem an anderer Stelle eine eingehende Dar- 
stellung gefunden hat^). Hoffentlich werden die im Nachfolgenden mitgetheilten 
Documente dazu dienen, auch jene von der Richtigkeit des dort zum Ausdrucke 
gebrachten Urtheils zu überzeugen, welche noch immer die ganze Schuld an 
der Täuschung, welcher der alternde Kurfürst zum Opfer fiel, dem Baron Fridag 
und der Wiener Regierung beimessen und in dem damaligen Kurprinzen ein 
blosses Werkzeug in der Hand des kaiserlichen Gesandten sehen wollen. Nach 
wie vor wird bei ruhiger Erwägung der Thatsachen zugestanden werden müssen, 
dass von einer beabsichtigten Täuschung des Kurprinzen Friedrich, oder von 
einer thatsächlichen Irreführung desselben bei den Verhandlungen über die 
Rückgabe des schwibusischen Kreises keine Rede sein kann, dass der Kurprinz 
ganz genau die Höhe des Zugeständnisses kannte, das er machte und dass er 
sich aus freien Stücken entschlossen hat, auf den ihm von dem kaiserlichen 
Gesandten gemachten Vorschlag einzugehen, um die seiner Ansicht nach noth- 
wendige Einigung der beiden Mächte zu ermöglichen. 

Die Berichte Fridags, der ununterbrochen bis zum Tode des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm am Berliner Hofe thätig war, verrathen den beweglichen 
lebhaften Geist und die Energie des Verfassers, der nach Lisola wohl der be- 
gabteste der am Berliner Hofe im Zeitalter Friedrich Wilhelms wirkenden öster- 
reichischen Staatsmänner war und wie dieser, wenn auch nicht in so hohem 
Hasse, den Muth des Wagens, die Kunst des Versteilens und die Eignung be- 
sass, sich über die geheimsten Pläne seiner Gegner die nothwendigen Kenntnisse 
zu verschaffen. Ein Theil der im Folgenden mitgetheilten Actenstücke stammt 
aus dem Archive des Ministeriums des Innern, woselbst dieselben vermuthlich 
deshalb hinterlegt wurden, weil eine Reihe der in dieser Zeit ventilirten Fragen 
als Lehensfragen aufgefasst und das auf diese bezügliche Material dem entspre- 
chenden Fachministerium überwiesen wurde. Bei den Acten, die dem Archive 
des Ministeriums des Innern entnommen sind, ist dies ausdrücklich hervorgehoben, 
üeber Otto von Schwerins Aufenthalt in Wien haben sich, mit Ausnahme der 
dis schlesische Satisfactionsfrage betreffenden Documente, keine weiteren Acten- 
stücke vorgefunden. 



Biographisches über ihn bei Kneschke, Adelslexikon 3, 346; Pribram, Oester- 
reich und Brandenburg 1685—1686 p. 2 f. 

^) Oesterreich und Brandenburg 1685—1686; Innsbruck 1884; Oesterreich und 
Brandenburg 1688—1700 p. Iff. 



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X. Mission Franz Heinrichs von Fridag. 
Dec. 1684— April 1688. 



Instruction für Franz Heinrich Fridag Freiherrn zu Gödeas. 
Dat Wien 8. December 1884. (Or.) 

[Gratulation zur Vermäblung des Kurprinzen. Allgemeine Schilderung der Lm^ 
Forderung der Turkenhilfe. Wunsch nach einem Bündnisse. Mittel sich ober & 
Stimmung am kurfürstlichen Hofe zu Orientiren. Schlesische Satisfactionsangel«;»- 

heit. Subsidiengelder.] 
8. Dec. Fridag hat sich so schnell als möglich nach Berlin zu begeben, beim Kit- 

fürsten, bei der Kurfürstin und beim Kurprinzen Audienz zu nehmen nnd des 
Kaisers Neigung zum Kurhanse zu betonen, zugleich zu erklären, wie sehr da 
Kaiser die Heirath des Kurprinzen *) freue, weil durch dieselbe nicht nur dk 
Fortdauer des kurfürstlichen Hauses gesichert, sondern auch die Verbindoi^ 
der beiden Häuser Brandenburg und Braunschweig- Lüneburg, welche für dis 
Wohl des Reiches so nothwendig sei, gefordert werde ^). 

Es hat Demiich unser Abgesandter äusserlich Anfangs erscheineo zo 
lassen, als wann er eigens um dieses Congratulationswesen wäre blöslich 
abgeordnet worden, um denen Franzosen und ihren Anhang sich niebt 
Anfangs allerdings blos zu geben. Inzwischen wird er, Abgesandter, bei 
denen ministris, wie ihm selbige vorhin nicht unbekannt, sich dergestalt 
zu insinuiren wissen, wie es zu guten Ausschlag des negotii am vortrag- 
lichsten sein mag. 



October 1684 hatte Friedrieb, der Kurprinz, Sophie Charlotte von HaonoTer 
gebeiratbet. 

^) Am 2. August war zwischen Brandenburg und den Herzogen von Braun- 
schweig ein Defensivbündnis geschlossen worden; vergl. Mömer 1. c. 460 ff ; Puf. 1. c 
XVni. 135. 



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Instruction für Fridag. 1147 

Nachdeme aber bei des Churfursten L^. er za der Audienz gelassen 
iird, hat er derselben bestmögligst zn versichern, dass wir mit sonder- 
eben hochen gnädigen Dank erkenneten und aufnehmeten die aufrichtige 
od patriotische Meinungen, so I. L. bishero für das werthe Vaterland 
Jid dessen Beruhigung gefnhret, vornehmlich, dass sie solches auf dem 
(eichstag zu Regensburg ausfuhrlich dargethan und erwiesen, dass man 
lemlich mit der Krön Frankreich zu keinem Bruch zu schreiten den 
io DOthwendig und sehnlich verlangten zwanzigjährigen Stillstand endlich 
errichtet und eingegangen '). Wir erkenneten die churförstliche hierunter 
geführte consilia und vota mit gnädigen Dank und verhoffeten, es wurden 
.8. L^. femers dahin bemühet sein, damit solch Ärmistitium zu Erhaltung 
^^ ' Ruhe und Sicherheit im römischen Reich desto mehrers bekräftiget und 

KJfs befestiget werde; allermassen wir nichts mehrers angelegen halten, als 
mit der Eron Frankreich auf den Fuss solches angeregten Stillstands in 
friedlicher Verständnis zu stehen, zu bleiben und einen ehisten vollkom- 
menen Frieden zu erheben, hingegen auch im römischen Reich deutscher 
Nation zwischen Haupt und Gliedern ein rechtschaffenes Vertrauen 
zu stiften und zu pflegen; wozu wie des Churfursten L^. an ihren vornehmen 

" ;'^ Ort dies heilsame Werk handzuhaben das meiste beitragen können, also 
ersucheten wir hierum S. L^. freund- oheim- und gnädiglich, zweifelten 
auch nicht, dass er Churfurst aus eingepflanzeter Liebe und Eifer zu 
Erhaltung der deutschen Freiheit neben uns zu eben diesem End abziele. 
Unter dessen müssten wir bedauren, dass zu Regensburg der punctus 

'-' securitatis publicae zur Ausmachung noch nicht einmal angegriffen oder 
in Deliberation gezogen, weniger festgesetzet seie; verlangeten demnach 
mit des Churfursten L^. uns vertreulich einzu verstehen, wie inzwischen 
gleichwohl dem Vaterlande bei entstehender Gefahrligkeit unter die 
Arme gegriffen und dessen Vei^ewaltigung kräftigst abgekehret werden 
könne. Es seie offenbarlich zu besorgen^ ob werde die Krön Frankreich 
bei dem aufgerichteten Tractat ohne weiter um sich und in des Reichs 

^ Granitzen zu greifen nicht stille sitzen wollen, indeme sie gegen alle Ver- 
nunft hin und wider vorgibt, ob bemüheten wir uns den getroffenen 
Stillstand umzustossen und die Waffen neuerlich zu ergreifen, da wir 
doch weltkündiger Massen mit dem christlichen Erbfeind in einen Verderb* 
und höchst gefahrlichen Krieg verwickelt, zu welchem wir alle äusserste 
Kräften anwenden und leicht andere Kriegsempörungen zu erwecken uns 



') Vertrag vom 15. Aug.; gedruckt bei Dumont 1. c. VII. 81 ff. Vergl. im allge- 
meinen Möller I.e. I. 240ff.; Droysenl.c. III.i 772ff. 



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1148 X- Mission Franz Heinrichs von Fridag. Dec. 1684 — April 1688. 

ganz und gar aus dem Sinne schlagen müssen. Es seie ja bekannt in 
welchen hochen Nothstand unsere auf die Spitze des Untergangs gestellete 
Erbkonigreiche und Lande, einfolglich auch das romische Reich deutscher 
Nation, nunmehro leider begriffen, nacbdeme die Belagerung Ofen durch 
göttliche Verhängnis also widrig ausgeschlagen^), dass unsere Armee 
sammt deren Auxiliarvölker nebenst allen Eriegsnothdurften in ginz- 
liehen Abgang gerathen, die Länder von Freund und Feind verwüstet 
liegen, die unter so schweren Kriegslast erschöpfete arme ünterthanen 
zu fernerer Contribution untüchtig gemacht seien , also dass ohne gött- 
lichen Beistand und kräftige Hülfe Chur, Fürsten und Stände des römi- 
schen Reichs dem endlichen Unglück, der total Ruin, nicht wohl zu ent- 
gehen. Wir erinnerten uns gar wohl, dass des Churfürsten L"*. uns die 
wiederholete Versicherung geben lassen, wann nur mit der Krön Frank- 
reich das angezielete Armistitium gestiftet und eingegangen würde, alles 
mögliche und von uns nur immer begehrende einzugehen, insonderheit 
aber wider den Türken eine ansehentliche Hülfe zu leisten Nun- 
mehro hätten wir auf dem Reichstag zu Regensburg, Churfürsten, Fürst^ 
und Stände um schleunige und austrägliche Hilfe an Volk und Gelde 
inständigst ersuchen lassen, weilen die von allen Orten erschallende 
Nachrichten von Tag zu Tag der Türken Gewalt und blutdürstiges Vor- 
haben ergrösserten ^. Dannenhero müssten wir an des Churfürsen L*'. 
hiemit freund- oheim- und gnädiglich gesinnen, sie wollten nicht allein 
die allgemeine Reichshülfe und unsere Reichsväterliche führende in- 
tentiones an ihren hoch vermögenden Ort bestens secundiren, damit 
ein fürderlicher Schluss zu unverlangter Hülfe in Zeiten erfolgen 
möge; wir seind der gnädigen Zuversicht, dass nachdeme er, Chur- 
fürst, mit so ansehenlichen vielen Ländern von dem allerhöchsten 
Gott gesegnet, dass sie noch eine grosse Anzahl tapferer und wohl- 
geübeter Soldaten bei Händen haben, S. L^ werden zu ihrer abson- 
derlichen Glori und stets wehrendem Nachruhm über das ordinari 
Matricularcontingent einen absonderlichen Succurs von angeregten dero 
Kriegsvölker uns nacher Ungarn zukommen lassen; zumalen wir der 
getrösteten Hoffnung lebeten, des Churfürsten L^ würden andern Chor, 
Fürsten und Ständen, die sich hierinfalls um die Christenheit sonderbar 
verdient gemacht, nicht nachgeben, sondern ihrem hohen Wohlvermögen 



1) Vergl. Klopp, Das Türkenjahr etc. 392 f. 

^ Decret Yom 28. September 1684; dict 23. Sept/3. October 1684; Paehner 1. c 
II. 541 f. 



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Instruction for Fridag. 1149 

nach es selbigen vielmehr bevorthuen und ihr gethanes Versprechen mit 
heroischen und patriotischen Gemüth erfüllen wollen